Lf Ronnenrvth, 26. März. Die Feld- bereinigung in unserer Gemarkung schreitet rüstig voran. Man rechnet damit, daß die Grundstücke im kommenden Herbst toten neuen Besitzern übergeben werden tonnen. Abgesehen von einigen Reklamationen ist bis jetzt der ganze Vorgang ohne Reibung verlaufen. Da man zu. den aus- führenden Beamten volles Vertrauen hat, ist anzunehmen, daß auch die weiteren Arbeiten ohne besondere Widerstände zur Abwicklung kommen können. — Die Aussaat in unserer Gemarkung kann als beendet angesehen werden. Der Stand des Wintergetreides ist nicht besonders gut, da vielfach Auswinterung eingetreten ist. Man hofft, daß durch günstigere Witterung aber immer noch mancher Schaden behoben werden kann. — Da bei starkem Regen ein Teil unseres Dorfes immer unter hohem Wafserstand zu leiden hat, soll nunmehr die Kanalisation dieses Dorfteiles durchgeführt werden.
• Hungen, 26. März. Unter guter Beteiligung fand gestern im Hotel „Solmser Hof" eine außerordentliche Generalversammlung der Spar- und Leihkasse zu Hungen e. G. m. b. H. statt, um über die Aufwertung der früheren Spareinlagen und den Sparkassen-Reubau, sowie der hierzu benötigten Mittel zu beschließen. Der zur Aufwertungsangelegenheit aufgestellte Teilungsplan zeigt in Aktiva 287 276,82 Mk., in Passiva 8993,82 Mk. Die Teilungsmasse beziffert sich auf 278 238 Mk. Dieser Teilungsmasse steht ein Einlagenkapital in Höhe von 1 747 847,94 Mk. gegenüber. Hierzu wurde einstimmig beschlossen, den Einlegern eine freiwillige Aufwertung von 1 5 Proz. des Goldmarkbetrages zu gewähren und vom 1. Januar 1930 ab mit 3 Proz. zu verzinsen. Die Generalversammlung hat den Dau eines Sparkassengebäudes genehmigt und die erforderlichen Mittel bewilligt. Mit den Dauarbeiten soll alsbald begonnen werden. Wie man hört, hat der Geschäftsbetrieb in letzter Zeit an Umfang derart zugenommen, daß die gegenwärtigen Raumverhältnifse nicht mehr ausreichen.
K eis Friedberg.
00 Nieder-Florstadt, 26. März. In seiner letzten Sitzung beschloß der Gemein de rat, die Anlage des Pumpwerkes im Hartigfeld der Firma Peter Schreiber zur Ausführung zu übertragen. Die gesamte Arbeit war mit etwa 10 000 Mk. veranschlagt, sie wird für etwa 5000 Mark ausgeführt. Da im Sommer immer Wassermangel herrscht, soll am Steinbruch im Hartigfeld ein Brunnen angelegt werden, der den Bruch entwässert. Durch ein automatisches Pum verk soll das Wasser aus dem Brunnen in den Hochbehälter gepumpt werden.
Kreis Schotten.
a. Schotten, 26. März. Vom Gemeinde- r a t: Das der Stadt gehörige A n w e s e n, das sog. „Posthäuschen", frühere Sommerfrische, ging durch Kauf auf die Wilhelm Schlörb Eheleute (Gambrinus) über; die frühere Pension und Sommerfrische wird in dem Haus wieder eröffnet. Der Gemeinderat gibt zu den abgeschlossenen Verträgen seine Zustimmung. Auch der seitherige F a s e l st a l l wird von ber Stadt günstig verkauft, vom Erlös wird ein zeitgemäßer neuer Stall errichtet. — Die Fu hr- leistungen für die Stadt werden zu den Preisen von 1,45 Mk. für Zweispänner, 95 Pf. für Einspänner, Leichenwagen 4,10 Mk. laut stattgehabter Versteigerung vergeben. — Zwei neue Jagdpächter toetiten für den Jagdbezirk II zugelassen. — Vom Alicefrauenverein ist ein neuer Kindergarten aus der Schützenhalle eingerichtet worden, für den bereits 60 Kinder angemeldet sind. Eine Kindergärtnerin und Helferin sind angenommen. Die Stadt leistet für den Kindergarten einen Zuschuß, stellt die nötigen Tische und Bänke, Spiel- scvchen, Sandhaufen u. dgl. Der neugeschaffene Kindergarten wird als segensreiche Einrichtung allgemein begrüßt. — Zwecks Meliorierung der Höllwiesen wird ein Darlehen von 3000 Mk. ausgenommen. — Den durch den Hagelschlag im vergangenen Jahr geschädigten Pächtern wird ein Teil der Pacht nachgelassen.
□ Laubach, 26. März. Wie wir bereits meldeten, wird Kammerdirektor Birnbaum mit Wirkung vom 1. April l. I. aus dem gräflich folms-laubachfchen Dienste ausfchei- S e n und an die Spitze der f ürstlich ifenbur- gifch-birsteinifchen Verwaltung treten. Das Scheiden des trefflichen Beamten und liebenswürdigen Gesellschafters (er war auch Mitglied des Gemeinderats und Vorsitzender der Kafino-Gefell- fchaft) wird allgemein tief bedauert. Möge es ihm und feiner Familie in der neuen Heimat allezeit wohlergehn. Sein Nachfolger im gräflichen Dienste ist Dr. H e m e y e r aus Köln, der feit dem 22. o. M. mit Kammerdirektor Birnbaum noch zusammen arbeitet.
V Gedern, 26. März. Als gestern der 3-Llhr-Zug nach Lauterbach an die Straßenüberführung der Provinzstrahe nach Ober- Seemen kam, bemerkte das Zugpersonal, daß durch einen Widerstand der Zug im Weiterfahren plötzlich behindert war. Auf dem Gleis wurde ein Brocken 0 - E i s e n gefunden, der in verbrecherischer Absicht auf den Schienen angebracht war und das größte Unglück hätte berbeiführen können, wenn Der Zug die umgekehrte Fahrtrichtung gehabt hätte. Durch die sofort mit Rachdruck aufgenommenen Ermittelungen wurde ein 15 Jahre alter Junge aus Gedern als Täter festgestellt. Der Junge hat bereits ein Geständnis abgelegt. Er wollte einmal sehen, wie ein Zug entgleist. Die zu erwartende exemplarische Strafe dürfte ihm im Gedächtnis bleiben.
Kreis Alsfeld.
Ge* Alsfeld, 26. März. Am Freitagabend hielt im Pyhsiksaale der hiesigen Oberrealschule auf Einladung der hiesigen Dürergesell- schäft Llniversitätsprofessor Dr. Rauch von Gießen anläßlich der 400jährigen Wiederkehr des Todestages des großen deutschen Meisters Albrecht Dürer einen ungemein fesselnden Vortrag über dessen Leben und Wirken. Der Vortragende gab einleitend eine vergleichende Darstellung des Schaffens des großen Meisters Dürer und des Malers Matthias Grünewald, welch letzterer allerdings nur vorübergebend Dar Ruhm Albrecht Dürers etwas zurückgedrängt habe. An der Hand zahlreicher sehr guter Lichtbilder von den hauptsächlichsten Werken des Meisters verstand es der Vortragende, ein anschauliches Bild von dem gewaltigen Lebenswerk Albrecht Dürers zu geben, dessen Volkstümlichkeit und Ruhm in der Kraft der Gestaltung des
seelischen Ausdrucks liege, der damals schon zum Ausdruck gebracht habe, was die modernen Impressionisten erstrebten. Bewundernswert an dem großen Meister sei insbesondere der fortwährende Wechsel im Ausdruck, um das Ringen nach einer Form, wobei freilich der Einfluß der italienischen Kunst unverkennbar sei. Als einer der Höhepunkte seines Schaffens müsse seine Darstellung der Apokalypse bezeichnet werden. Albrecht Dürer sei heute Gemeingut des deutschen Volkes, und der Ruhm dieses Apostels deutscher Kunst auf dem Gebiete der Malerei, des Holzschnittes und des Kupfersttches werde unvergänglich sein. Die zahlreichen Zuhörer, die den Saal bis zum letzten Platze füllten, folgten dem zweistündigen Vor trage des Gießener Kunsthistorikers mit großem Interesse und dankten ihm durch einen außergewöhnlichen reichen Beifall. — Auf Einladung des Zweigvereins Alsfeld des Vogelsberger Höhenclubs hielt Prof. Dr. August Röschen (Laubach), Dezirksurkunden- und Denkmalpfleger, im kleinen Saale des „Deutschen Hauses" dahier einen Vortrag über „Die ober he s sifchen Sage n“. Der auf diesem Gebiete der Wissenschaft sehr bewanderte Vortragende erläuterte die verschiedenen Arten der Sagen als Ortssagen, Wandersagen, geschichtliche Sagen und Schwanksagen. Im tf Z.ten Teile seines Vortrages las er eine Anzahl oberhessischer Sagen vor, wozu er die erforderlichen Erläuterungen gab. An den Vortrag schloß sich eine angeregte Aussprache an. Den Dank der Zuhörer sprach der Vorsitzende des hiesigen V. H. C. Bürgermeister Dr. V 5 l s i n g aus.
Kreis Lauterbach.
tz> Lauterbach, 26. März. Die diesjährige Hauptversammlung des Kreisziegenzucht- Vereins fand gestern in dem Keutzerschen Saale dahier statt; sie war aus allen Teilen dss Kreises gut besucht und wurde von dem Direktor, Kulturoberinspektvr Kunz, geleitet. Der Vorsitzende berichtet über die Vereinstätig- feit in dem abgelaufenen Jahre u. a. folgendes: Der Verein hat alle Ausstellungen beschickt und recht schön« Erfolge erzielt. Die von einem Der- einsmitglied geprüfte Rechnung für 1927 gab zu einer Bemerkung keine Veranlassung und wurde genehmigt. In dem Voranschlag für das neue Dereinsjahr ist ein Betrag für den Ankauf von Jungtieren aus fremden Zuchtgebieten, damit den einheimischen Beständen eine Dlutauffrischung zugeführt werden farm. Weiter sind Mittel bereitgestellt für die Abhaltung von Prämiierungen in den Bezir^n Rieder-Moos und Schlitz, damit auch den entfernter wohnenden Vereinsmitgliedern Gelcgenycit geboten ist, eine Ausstellung zu beschicke. Da die Milchleistungsprü- fungen voraussichtlich in Zukunft von Staats wegen ausgeführt werden, so erübrigt es sich, in den Vereinsvoranschlag für diesen Zweck eine Vorsehung zu machen. Der Vorsitzende gab weiter bekannt, daß in diesem Jahre wieder eine Ausstellung der D. L. G. in Leipzig stattfindet, zu der nur Ziegen aus der Provinz Oberhessen zugelassen werden. Die dazu be- sttmmten Tiere sind bereits ausgewählt, und zwar aus dem Kreise Friedberg 2, aus dem Kreise Gießen 7, auS dem Kreise Alsfeld 9 und aus dem Kreise Lauterbach 7 Stück. Am Schlüsse der Tagung wurden vier Ziegenlämmer unter die anwesenden Mitglieder verlost, die von Karl Zinn (Wallenrod), Andreas Har - res (Reuters), Johannes Schnell III. (Lauterbach) und Heinrich Walter III. (Hopfmanns- feld) gewonnen wurden.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
XX Kinzenbach, 26. März. Die Straße von hier nach der Kinzenbacher Mühle war schon von jeher in einem schlimmen Zustand. Während der untere Teil, die Mühlhohl, bereits früher ausgebaut wurde, erhält nunmehr auch die obere Hälfte ein festes Fundament. Eine mit 4 Pferden bespannte Straßenwalze ist hier in Dienst gestellt, um den Weg, der neuerdings mit Vorliebe als Baulinie gewählt wird, passierbar zu machen. Für die Erweiterung des Friedhofs erwuchs der Gemeinde durch den Ankauf von Grundstücken eine Ausgabe von 3000 Mk. Der an der oberen „Pfingstweide" von den hiesigen Vereinen neu angelegte Sportplatz kann nunmehr benutzt werden. Es galt hier, gewaltige Erdbewegungen vorzunehmen, dazu die Gesamtfläche trvckenzu- legen.
Tierpsychologische BeobachtungSstaiion Gießen.
Man fchreibt uns: Bereits ün vorigen Jahre wurde im März an dieser Stelle auf die Gießener Winterkrähenschwärme hingewiesen. Diese Schwärme finden sich regelmäßig seit Jahren abends auf den Wiesen vor dem Schiffenberger Walde ein, um im Walde zu nächtigen. In diesem Winter ließen sich folgende Schwärme beobachten.
Aus der Gegend von Klein-Linden trafen Schwärme von im ganzen 200 bis 400 Stück ein, aus der Richtung von Heuchelheim 100 bis 200 Vögel, vom Trieb her zirka 100, von Leihgestern über den Wald her 10 bis 40, (doch konnte dieser Schwarm nicht regelmäßig beobachtet werden). — Von Anfang März wird an jedem Abend ein großer Zug, der aus mindestens 1000 Vögeln besteht uni) aus der Richtung von Klein-Linden anfliegt, beobachtet. Dieser langgestreckte Schwarm ist so groß, daß er die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich Äiebt. — Die genannten Schwärme treffen in Der Zeit von 17 bis 18,45 Uhr ein. Am Morgen verteilen sich die Tiere wieder auf ihre Weideplätze.
Es ist nun in mehrfacher Hinsicht interessant festzustellen, wo die Weideplätze liegen, tote große Strecken die Vögel täglich zurücklegen ufto. Zu diesem Zwecke bitten wir, Rachrichten über solche Krähenschwärme, die gegen Abend in der Richtung des obengenannten Sammelplatzes ziehen, an die Tierpshchologische De o b a ch - tungsstation Gießen, z. H. des Herrn Prof. Senneberg, Gießen, Anatom. Institut, D a h n h o f st r. gelangen zu lassen. Es sind, wenn möglich, Angaben zu machen über: 1. Gröhe der Schwärme (geschätzte Stückzahl), 2. Weideplätze, 3. Flugrichtung, 4. Datum oeä Beobachtungstages, Stunde und Minute, 5. Zusammensetzung Der Schwärme — ob Saatkrähen (kenntlich an der feberfreien, grauen Gesichtspartie um den Schnabel) — Rabenkrähen, Dohlen. lieber die Art der Vögel läßt sich natürlich
Schach-Ecke.
Bearbeitet von W. Orbach.
Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen ufto. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers"'.
Problem Nr. 154.
6
4
8
SÄ
a
b
g
8
3
2
6
5
4
Don 3. 3. Togstad.
Schwarz, c d e t
I___h
Weiß.
Weiß zieht und setzt in zwei Zügen matt.
Weiß: 8 Steine. Ka8; Dh8; Tg2; Lgl ; Sg3, 115 Bh3, h4.
Schwarz: 9 Steine. Kf4; Ta2, b2; Lf7; Lai; Ba6, c5, c6, 15.
Endspiel Nr. 53.
Don H. Ninck, Barcelona.
Weiß am Zuge erzwingt den Gewinn.
Weiß: 4 Steine. KH8; Thl; Bab, ckd. Schwarz: 4 Steine. Kc5; Ta2; Le2; Bh7.
2
6
5
4
3
8
?
1
8
?
5
4
3
2
1
Schwarz.
M 6
W
Lösung deS Endspiels Nr. 52.
Don Dr. G. Würzel.
1. e6-e7, Lg4-h5 (falls 1...., Tb5+ so 2. Ka6, Le2. 3. e8D und gewinnt). 2 e7 - e8D! Lh5xe8. 3. Kb7-b6! (und der Weiße hält durch dauernden Angriff auf den schwarzen Turm das Spiel unentschieden).
Lösung des Problems Nr. 151.
Don Dr. E. Zimmer.
1. Dd8-f6!, Ke4xd4. 2. Df6-g6 ufto.
1. ..., Ke4-d5. 2. Th3-h4 ufto.
1. ..., e5Xd4. 2. Th3-d3! ufto.
Aus der Schachwelt.
Die Kurdirektion des Bades Kissingen hat sich entschlossen, anläßlich des diesjährigen Kongresses des Bayerischen Schachbundes auch ein internationales Meisterturnier bei acht Teilnehmern zu veranstalten.
Der diesjährige Kongreß des Mittelrheinischen Schachbundes findet wiederum in der Psingstwoche im Kurfaale zu Bad Ems statt. ...
Das Turnier um die Schachmeisterschaft der Stadt Frankfurt a. M. für das Jahr 1928 wird Mitte April beginnen.
Die Narrenkappe.
Splltter und Sparren bom NedattionSttsch.
Der alte haeseler.
Der Feldmarschall Gottlieb Graf Haeseler war in der alten Armee berühmt; sowohl wegen seiner außerordentlichen militärischen Fähigkeiten als auch wegen seiner in zahlreichen Anekdoten überlieferten Originalität und einer hanebüchenen Grobheit. „Wen Gottlieb hat, den züchtigt er!" lautete ein verbreiteter Witz, der den Alten nicht ganz uneben charakterisiert. — In der „D. QL Z." lesen wir die folgende hübsche Geschichte, die weniger bekannt fein dürste.
Haeselers Steckenpferd war, feine Leute zur Selbständigkeit zu erziehen. So sah er einmal nach Beendigung des Manövers einen einsamen Dragoner vorbeireiten. Sofort hatte er den Mann am Wickel.
„Sehen Sie dort hinten die Höhe?'"
„Zu Befehl, Euer Exzellenz!"
„Gut, dann reiten Sie mal hin und melden mir, was das für ein Baum ist, der darauf steht!"
Bei glühender Hitze begann nun die Kritik, dauerte ewig lange, schließlich war Jottlieb fertig.
„So, meine Herren, nun müssen wir warten, bis der Dragoner zurückkommt."
Seufzend wartete man. Da, endlich, kam bet Dragoner angetrabt.
„Run, mein Sohn, was ist das für ein Baum?"
„Das weiß ich nicht, Euer Exzellenz."
„So — nä dann reiten Sie noch mal hin und sehen nach."
Ein allgemeines „Ach du lieber Gott!" entrang sich unhörbar der gesamten Korona, die aber sofort, diesmal hörbar, aufatmete, denn der Dragoner nahm feinen Helm ab, holte ein paar durchgeschwihte grüne Blätter heraus und reichte sie J.ottlieb hin:
„Das habe ich aber mitgebracht, Euer Exzellenz!"
Das war etwas für den alten Haeseler. Da freute sich fein Soldatenherz.
„Sehr gut! Der Mann bekommt einen Taler!"
Worauf der Chef des Stabes, der immer den Schelm im Racken hatte und die menschlichen Schwächen seines Grafen genau kannte, ganz bescheiden zum allgemeinen Gaudium fragte:
„Aus welchem Fonds, Exzellenz?""
Jottlieb guckte seinen Chef ganz verdutzt an. Dann machte er sein liebes listiges Gesicht, kniff ein Auge ein, fuhr mit der Hand in die Hosentasche, entnahm dieser ein uraltes Portemonnaie und krabbelte einen Taler heraus. K. A. P.
nur Bestimmtes sagen, wenn man sie auf dem Weideplatz beobachten kann.
Da die Krähenschwärme sich nun bald auflösen werden, ist es nötig, die Beobachtungen möglichst bald vorzunehmen. Die im vorigen Jahre eingegangenen Mridungen reichen bei weitern nicht aus. Für Mitteilungen ihrer Beobachtungen danken wir den Herren Erwin Ratz (Gießen), Karl Faber (Grohen-Linden), Lehrer Jäckel (Rodheim a. d. Bieber), Hans George (Grohen-Linden) und besonders Herrn Fritz Arnent (Gießen).
Hm die genaue Adresse des Beobachters wird gebeten. Das Gesamtresultat wird im Gießener Anzeiger unter Namensnennung der Beobachter veröffentlicht werden Hm Abdruck dieser Notiz in anderen Blättern wird gebeten
Vermischtes.
Auf der Elefantenjagd in Altona.
Auf der Rückkehr vom Dressurplatz ins Ha- genbecksche Elefantenhaus flüchteten in Qlltona drei Elefanten und erregten in den Straßen nicht geringen Schrecken. Eine Frau fiel in Ohnmacht und ließ ihr soeben erworbenes Brot aufs Pflaster fallen, worauf sich einer der Dickhäuter den wllllommenen Leckerbissen sofort einverleibte. Rachdem die Ausreißer verschiedentlich kleinere Schäden an Gittern und Umzäunungen angerichtet, konnten sie unter Zuhilfenahme eines ruhigen Artgenossen, dem sie willig folgten, wieder ein» gefangen werden.
Zweimal Bigamie.
Ein 50jübriger Cauber Bürger wurde in Ehrenbrei tstein wegen Bigamie verhaftet. Im Jahre 1898 hatte er zum ersten Male geheiratet und 18 Jahre glücklich mit seiner Frau gelebt, bis diese starb. Er heiratete alsdann eine Frankfurterin, mit der er jedoch nicht auskam. Heimlich verlieh er seine bessere Hälfte und heiratete ein Cauber Mädchen, das von der Ehe mit der Frankfurterin nichts wußte. Kirchlich und standesamtlich erfolgte die neue Trauung. Die dritte Frau starb im Wochenbett, jetzt legte der Mann die Papiere der Frankfurter Frau vor, und so wurde diese für tot erklärt resp. im Standesamtsregister gelöscht. Er zog fort und heiratete vor kurzem in Ehrenbreitstein zum vierten Wale, kirchlich und standesamtlich. Diesmal erzählte er seinem Liebchen die Vorgeschichten Da daS Schweigen des Weibes schwerste Kunst ist, kam die Geschichte ans Tageslicht.
28 Personen an Milzbrandvecgislung erkrankt.
InHtrschberg (Saale) erkrankten in der Lederfabrik Knoch & Co. 28 Mann an Milzbrandvergiftung. Die Erkrankungen sind verursacht durch die Bearbeitung chinesischer Häute, die infolge der Wirren in China nicht mit der nötigen Sorgfalt für den Export bearbeitet waren
Eine Kirche ins Meer gestürzt.
Der romanische Chorbau, der aus dem 12. Jahrhundert stammenden sagenumwobenen Kirche in H ö j e r u p an der Steilküste der dänischen Insel Möen ist dieser Tage in das Meer hinabge« stürzt. Das Gotteshaus wurde schon seit dein Jahre 1908 nicht mehr benutzt, da die Kreideküste unter seinen Grundmauern immer mehr von der Brandung umspült wurde. Gleichzeitig mit dem Chor wurde auchein Teil des Friedh o f e s mit in die Tiefe hinabgerissen. Drei Fischer haben die Katastrophe vom Meer aus beobachtet und schildern den gewaltigen Eindruck. Die Kreidefelsen brachen mit bonnerartigem Getöse zusammen und rissen das auf ihnen ruhende Gemäuer mit sich. Der Altar zersplittette vollständig, während das Altarbild wie durch ein Wunder fast unbeschädigt geblieben ist. Auch mehrere Grabsteine haben den Erdrutsch gut überstanden und liegen nun an der Küste verstreut. SeHr eigenartig mutet dabei die Tatsache an, daß die dänische Presse gerade in den letzten Tagen wieder den Plan diskutierte, die Kirche landeinwärts zu versetzen. Es werden weitere Felsrutsche erwartet.
Kunst und Wissenschaft.
Tonkünsllerfest 1928.
Der Allgemeine Deutsche Musikverein wird bei seinem diesjährigen T o n k ü n st l e r s e st, das in den Tagen vom 20. bis 24. Mai in Schwerin stattfindet, folgende Werie zur Ausführung bringen: Felix Petyrek: „Die arme Mutter und der Tod", Oper; August Reuh: „Glasbläser und Dogareß", Ballettpcmtomime; Gerhard von K e u ß I e r: C-Dur-Sinfonie; Gustav Geierhaas: Thema und Variationen für Orchester; Kurt von Wolfurt: Tripelfuge für Orchester; Josef Lech thaler: Stabat mater für Soli, Chor und Orchester; Wilhelm Maler: Konzert für Cembalo und Orchester; Paul Amadeus Pisk: Hymnus an die Liebe, für Koloratursopran und Orchester; Berthold Goldschmidt: Partita für Orchester; Paul Höffer: Sinfonie; Paul Hindemith, Brakschenkvnzert; Hermann Reut ter: Tripellonzert für Klavier, Violine, Cello und Orchester; Karl Prohaska: Thema Passacaglia und Finale für Orchester; Günther Raphael: Skreichquintett; Karl Marx: Motette; Hugo Herrmann: Chorsuite; Wilhelm Weismann: Madrigale nach Walther von der Vogelweide; Max Duttina: vier Klavierstücke; Walter Geiser: Suite für Violine und Klavier; Hans Ebert: Hebräisch« Balladen für Mezzosopran mit Streichern und Bläsern; Anton von Webern: Skreichtriot Max Gebhard: (Sonatine für Klavier; Erich Walter Sternberg: Streichquartette.
Die Werke von Wolsurt, Lechthaler, Plsk. Goldschmidt, Reutter, Gebhard, Webern, Öberi und Geiser kommen zur Uraufführung.


