Dienstag, 27. März 1928
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Ar, 74 Zweites Blatt
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sind als daß sie mehr einer allgemeinen klanglichen Note in ihrer inneren Notwendigkeit bezeugt ist durch ' ' . . << . it-v 1,141 mtahroi ton hon noiitinon .'{nurmnion heilt.
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aber Gewähr dafür bieten, daß sie entschlossen ind, den Parteistaat zum Verfassungsstaat umzugestalten, der Alleinherrschaft des Parlaments Korrektivinstanzen gcgenüberzustellen und die Listen des Listenshstems zu durchkreuzen.
Wir werden also die große Freude haben,
die Parteibureaukratie nicht zulassen. Der Reicys- Minister des Auswärtigen hat, gewiß aus genauer Kenntnis des deutschen Parlamentsbetriebes, beklagt, daß unser Listenshstem den Inter- essenvertretern einen ungebührlichen Vorrang einräume. In der Tat: wie wird man Abgeordneter? Soll man sich mit Fricdensdiktat, internationalen Zusammenhängen der Gegenwart, deutscher und ausländischer Geschichte befassen, soll man sich in der Praxis als Derwaltungs- fachmann bewähren? Nein, so kommt man nie in den Reichstag, vor allem dann nicht, wenn man dazu noch einen eigenen Kopf hat. Sondern man must Gewerkschaftssekretär der Schilfsammler oder Geschäftsführer des Reichsverbandes der entlassenen Dienstmädchen sein. Zwei Dinge sind es, die die Gegenwart anbetet: die Masse und das Geld. Eines von beiden muh man als Morgengabe für die Partei mitbringen, wenn man sofort einen sicheren Sih bekom.nen will. Geist? Aber dazu haben wir doch im Gefolge der Parteisührer genug akademisch gebildete junge Leute. Das genügt vollkommen. Es gibt vor allem Gewähr dafür, dast stets die Partei über das Staatsganze g stellt wird. Ist es doch schon unbequem, dast es m der Beamtenschaft immer noch Leute gibt, die dem Staate und nicht einer Partei dienen wollen. Ins Parlament aber soll dieser „reaktionäre" Geist nicht eindringen, dafür wird das Listenwahlsystem schon sorgen.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" widmet den kommenden Reichstagswahlen heute schon ein Borwort, in dem es u. a. heißt:
Der neue Reichstag ist eigentlich tjeiste schon fertig. Rach unserem Listenwahlsystem, das jeder demokratischen Idee ins Gesicht schlägt, haben überall bereits die Parteibureaukratie und geheime Klüngel die Kandidaten ausgestellt, die das souveräne Volk dann zu wählen hat. Wir haben in Deutschland in Wirklichkeit ein Zweiklassenwahlrecht: nur die paar hundert Menschen, die die Kandidatenausstellung betreiben, besitzen ein wirkliches Wahlrecht, die anderen 40 Millionen sind Wähler zweiter Klasse. Die Parteien, in der stupiden Blindheit des Machthabers, weigern sich standhaft, zu einer wirklichen Dolkswahl ;urückzukehren. Was soll unter diesen Umständen der Wähler tun? Soll er, nach dem Rezept des Zungdeutschen Ordens, diesem System kerne Stimme geben, d. h. Wahlenthaltung proklamre- cen? Es ist völlig klar, dah die Befolgung Dieser Parole nur denjenigen zugute kommt, die xm der Listenwahl festhalten und behaupten, rhre Parter- herrschaft sei gleichbedeutend mit Demokratie. Oder soll er sich, wie andere wollen, an Splitterparteien anschliesten? Dann geht entweder ferne Stimme ebenfalls verloren oder es entstehen erne Anzahl ohnmächtiger Spli tergebilde, die erst recht die Weiterherrschaft der Bonzokratie sterilisieren helfen. Es bleibt also, wenigstens bei der bevorstehenden Wahl, nichts anderes Übrig, als dre- ienigen großen Parteien zu wählen, die Gewahr für politische Handlungsfähigkeit, insbesondere
Verträgen mit allen europäischen Staaten, außer Polen, mit dem es bis heute noch nicht möglich war, ein Uebereinkommen abzuschliehen, geschaffen. Dadurch ist es uns wenigstens möglich gewesen, einen internationalen Luftverkehr zu organisieren, der eine unerhörte ©nttoidlung der deutschen Luftfahrt ermöglicht hat.
Die diesmalige Konferenz trägt mehr den Charakter einer westeuropäischen Versammlung, insofern, als ihr ja nicht einmal Italien und Spanien airgchörcn. Immerhin ist sie vorzüglich geeignet, die bedeutsamsten Fragen des Luftverkehrs dieser Mächte untereinander zu regeln. Trotzdem kann man nur hoffen, daß es recht bald möglich sein wird, auch in der Luft denselben Interessenausgleich und dieselbe einheitliche internationale Organisation zu schaffen, wie es ja z. B. im Verkehr auf der See oder im Postverkehr besteht. Eine solche Einigung dürfte ohne Frage die besten Rückwirkungen auch auf politischem Gebiete haben und in dieser Hinsicht ähnlich den wirtschaftlichen internationalen Ausgleichen der politischen Verständigung wertvollen Helferdienst leisten.
die sämtlichen vertrauten Gesichter im neuen Parlament wiederbegrühen zu dürfen. Einige wenige Ausnahmen ändern daran allzu wenig. Reue Köpfe, insbesondere politische Köpfe, wird
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Zeitungsschau.
In der „Täglichen Rundschau" schreibt Heinrich Rippler: „Die Presse der Linken hat in dieser Woche wieder Großkampftage in der Rettung der stets bedrohten Republik durchlebt, aber auch unvergleichliche Siegesfeste feiern können. Es ist an heiliger Entrüstung, vernichtendem Hohne und waschechtem, sittlichen Pathos wirklich nicht gespart, aber es ist auch erreicht worden, daß wenigstens der Ministerpräsident Braun, der Oberbürgermeister Böß und der Reichstagspräsident Loebe den afghanischen Orden, den ihnen der König Aman llllab zugedacht hatte, zurückgewiesen haben. Das ist ein Erfolg, der in den Annalen der Geschichte verbucht werden wird. Der Reichspräsident, der Reichskanzler und die Staatssekretäre Schubert and Weißmann haben den Orden ja als Erinnerungszeichen gleichmütig und höflich angenommen, ohne daß sie bis jetzt wegen Ber- wssungsbruch vor den Staatsgerichtshof gestellt worden sind: aber wenigstens Braun und Böß haben schließlich die Reinheit und Sittenstrenge eines deutschen Bollrepublikaners erwiesen, nachdem sie, wie es scheint, vorher etwas geschwankt haben. Wenn ihr starkes Rein von vornherein sestgestanden hätte, wäre es dem afghanischen Gesandten wahrscheinlich schon bei feiner ersten Anfrage hörbar geworden, und das Anerbieten wäre unterblieben. Dann aber kam das Geschrei der Presse, die charaktervolle Zurückweisung und -- das vergnügt-verächtliche Schmunzeln im Auslände über solche unausrottbare Krähwinkelei und Kleinleutemanüer in Deutschland. Untere Demokraten haben immer noch nicht gelernt, Wesentliches und Unwesentliches zu unterscheiden, obwohl sie beim früheren Reichspräsidenten Ebert hätten in die Schule gehen können. Glaubt irgendein vernünftiger Mensch, daß die Zurückweisung des afghanischen Herzogmantels irgendeinem unserer lieben Freunde und Feinde im Auslande imponiert oder daß es das Ansehen der deutschen Republik irgendwie erhöht hat? Will man nie lernen, daß der internationale Verkehr nicht nach den Grundsätzen des demokratischen Parteikatechismus vor sich gegen kann, und daß man über Unebenheiten um so sicherer hinwegzukommen vermag, wenn man in sich selber sicher und fest ruht? Das ist eben das Unglück unserer deutschen Republik, daß ihre lärmendsten Bertteter so unsicher sind und der Welt stets ein hall» ängstliches, halb verbissenes Gesicht zeigen, so daß man immer an Gesindestube und Muffkram denken muß und ihre bestgemeinten republikanischen Beteuerungen wie eingelemtc Deklamationen oder verunglückte Rachahmungen auswärtiger Vorbilder wirken. Sie wollen als freie Republikaner sich und ihren Wählern imponieren und wirken wie Freigelassene, die sich nicht zu benehmen wissen.
Gießener Konzeriverein.
Berliner Trio-Bereinigung: Reger, Graencr, Schubert.
Das letzte Konzert in dieser Saison war als Kammermusikaufführung gedacht und sollte nach den Vorankündigungen je ein Trio von Reger, Brahms und Schubert bieten und somit einen Ueberblid über drei charakteristische Stilarten aus dem Gebiet der Kammermusik gewähren. An Stelle des jug-.ndfrischen kck-Dur-Trios von Brahms wies das Programm in seiner letzten Fassung die O-Dur-Sonate für Violine und Klavier desselben Meisters auf. Allgemeines Erstaunen erregte es aber, als Prof. Gustav Havemann vor Beginn des zweiten Programmteiles verkündete, daß er mit Rücksicht auf die Länge der Vortragsfwlge für die Brahmssche Sonate ein Werk von Paul G r a e - n e r spiele.
Wenn der Konzertverein in Gießen es mit dem Zyklus seiner Winterkonzerte erreicht, das Verlangen seiner großen Anzahl von Hörern vollends zu befriedigen, so ist dies nur immer möglich dadurch, dah er jedem Programm eine besondere Bedeutung verleiht. Dadurch stellt sich das Musikleben einer Stadt wie Gießen in einen erfreulichen Gegensatz zu dem Rkassenmusikbetrieb der Großstädte. Der Hörer fordert hier nicht eine bestimmte Zeitlänge des Konzertes, sondern er hat ein sachliches Interesse an den Werken selber, und so war eine Verstimmung m dem Kreise des Publikums wohl bemerkbar, die De- Mündung für die Aenderung schien hier wenig angebracht.
Die Sonate von Pauk (9 r a e n e r, op. 56, tragt Oie Merkmale der Zeit, in der sie entstanden ist. Klangimpressionen, dekorative Kantilene iino rhapsodische Einwürfe kennzeichnen ihren Stil. Die Form des Werkes aber nimmt eine Zwitterstellung em, indem sie Bindungen mit zurückliegenden Stilelementen aufnimmt und noch nicht den entschewen- den Schritt zu einer Neugestaltung wagt. Dazu kommt, daß seine Motive weniger scharf profiliert
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sie etwa den Beethovenschen Werken zugrunde liegen, würde man sicherlich seine Wesensart nicht erfassen können, vielmehr sehr leicht einem Fehlurteile verfallen. Richt das Herauswachsen aus einem Grundmotiv bestimmt das Werden, sondern das fertige Thema, das in quellender Fülle und na turhöfter Frische der Erfindungskraft in seiner Gesamtheit, in Abfolge und Gegenüberstellung und Anreihung das Werk erstehen läßt. Diese reflektionslose Erfindung verträgt keine Ausdeutung, die irgendwie durch ein anders gerichtetes Wollen oder gar Manieriertheit bestimmt ist. Richt gekünstelt, sondern in ihrer Raturgeborenheit will die Schubertsche Schöpfung erfaßt und wiedergegeben sein. Jede musikalische Phrase spricht bei ihm für sich selber mit der ihr innewohnenden Artikulation. Rur rein musikalische Kräfte sprechen sich in ihr aus, sie verträgt weder eine andere Tempo- nahme, als sie sich aus der Struktur des Themas und seiner Stellung im Rahmen des Werkes ergibt. Bei der Wiedergabe des Schuberttrios konnte man den Eindruck haben, dah die ausführenden Künstler diese im Wert gegebenen Voraussetzungen nicht immer beachteten. Der erste Sah wurde im Tempo etwas zu schnell genommen und damit der lyrische Einschlag dieses Satzes mit seiner quellenden Melodik nicht voll zur Geltung gebracht. Schuberts Formimg hat etwas Gesprächhaftes an sich: um so deutlicher hätten einzelne Zäsuren Beachtung finden können. Die ruhig fließende Kantilene des Andante durfte trotz der vorgezeichneten Akzentuierung nicht zu scharf markiert werden: ebenso erschien das Trio des Scherzo etwas zu gedehnt und im Klavierpart rhythmisch verzögert. Immerhin bewies auch dieses Trio bei der Aufführung seine Lebenskraft und ursprüngliche Frische: einzelnes, insbesondere der letzte Satz, gelang den Künstlern vortrefflich: nur wäre die Auswirkung des Werkes noch reftiofer und nachhaltender gewesen, wenn die Künstler die gekennzeichneten Wünsche berücksichtigt hätten.
Dr.H.
Charakter wußte er dem Allegretto zu geben, mit seinen Pizzikatowirkungen und den eigenartig schimmernden Klängen des Klaviers. Am merkwürdigsten für das Regerjche organische 21 ufbauen sprach das Lurgo mit seinen choralartigen Klängen und kirchlichen Harmonien und seinem sich auf türmen: den Erwachsen zur klanglichen Ausbreitung.
Die Durchführung dieses Werkes schien die Triovereinigung Lydia Hoffmann-Behrendt (Klavier). Prof. Gustav Havemann (Violine). Prof. Georg Wille (Cello), sämtlich aus Berlin, innerlich völlig zu fesseln. Hier konnte das Ensemble sein eminentes Können entfalten. Prof. Havemann wie auch Prof. Wille sind beide durch ihre langjährige Wirksamkeit in der deutschen Musikwelt zu größtem Ansehen gelangt. Hier bewies sich ihre sachliche Hingabe an ein Werk, das ihrer künstlerischen Entwicklung zeitlich und geistig am nächsten stand. Ebenso zeigte sich aber auch Lydia Hoffmann-Behrendt als eine berufene Reger-Spielerin mit gewaltiger Klang- entfaltung, ausgeprägter Linienführung und Feinfühligkeit des Anschlages. Das organische Zusammenwirken der drei Spieler vermochte daher dieses Trio zu dem Höhepunkte der Veranstaltung zu erheben und damit am besten zur Durchsetzung des Regerschen Lebenswerkes beizutragen.
Eine ganz andere Welt schloß sich in Schuberts 8-Dur-Trio auf, die in ihrer Eigenheit eine ähnliche Stelle einnimmt wie die der Schu- bertschen symphonischen Werke. Was seinerzeit bei der verdienstvollen Aufführung der beiden Schubert-Shniphonien gesagt wurde, gilt ebenso für das kammermusikalische Schaffen des Meisters. Wit klassischen Formprinzipien, so tote
Regers L-Moll-Trio fällt in seine Leipziger Zeit. Der junge Stürmer hat sein inneres Gären übermunben, und schafft nun als Meister mit voller Beherrschung seines Jchs und feinster Beachtung der förmlichen Gestaltung. Vielleicht mochte aerobe bic Dünnstimmigkeit des Kammermujikstiles fernem Schaffen eine besondere Selbstbeherrschung aufer* legen, ohne aber ber Entfaltung seiner persönlichen Eigenart im Stil irgendwelche Hindernisse entgegenzustellen. Hinsichtlich ber Form könnte man bas vorliegende Werk in btt Nähe ber Kia sik bringen.
der inneren Organisation aber laßt sich doch ein qrunboerschiebener, eigener Charakter erkennen. Die der klassischen Musik eigentümliche motivische Durcharbeitung mit der Zielsetzung eines jah ausragenden Kulminationspunktes wirb bei Reger durch ein neues Prinzip der thematischen Arbeit abgelost, einer Umbildung des Motivischen je nach dem Wandel der im Lause der Entwicklung des Werkes erlebten persönlichen Stimmung. Diese auEbnck- lichen Stimmungen mit ihrem impulsiven Wachien und ihrem Versinken gliedern bas Werk m klangliche Episoden. An Stelle ber scharf proplierenben Motioik tritt bei ihm bie reine klangliche Auswirkung, vom starkeii Temperomentsausbruch bis zum sammetartig verklingenden Pianftsimo. 9hernals wirb man bei Reger irgendwelchen thematischen Gemeinplätzen begegnen, wenigstens werden sie nicht als solche erkenntlich sein, da bei ihnen jebe
Mehr Verständnis für Hessen.
Darmstadt, 25. März. Der Hessische Amtliche Pressedienst teilt folgendes mit: Im Haus- haltsausschuß des Reichstags hat der Abgeordnete Dr. Cremer im Verlaufe der finanzpolitischen Ausiprache Bemerkungen über die finanzielle Lage des Volksstaates Hessen gemacht. Er sprach dabei von der „übersetzten hessischen Verwaltung" und schien zu beanstanden, daß dem Lande unter diesen Umständen aus Reichsmitteln Unterstützung gewährt werde. In der Rachmittagssihung wies der Reichsfinanzminister in seiner Antwort darauf hin, daß das Land Hessen auf Grund einer Vereinbarung aus dem Jahre 1926 ein gewisses Anrecht auf Vorschüsse durch das Reich habe. Bisher seien Vorschüsse in Höhe von 13,8 Millionen Mark an Hessen gegeben worden. Runmehr müsse, da die Besetzung noch fortdauere, nach neuer Prüfung über die Höhe der Bevorschussung neuerdings entschieden werden. Hessen habe ein Anrecht auf diese Kassendarlehen, zumal vereinbarungsgemäß eine Prüfung der hessischen Verhältnisse durch den Reichssparkommissar erfolge.
Aus hessischen Regierungskreisen wird dazu folgendes bemerkt: Die Auffassung, die aus den Aeuherungen des Abgeordneten Cremer spricht, läßt erkennen, daß das Verständnis für die besonderen hessischen Verhältnisse selbst bei führenden politischen Persönlichkeiten noch immer nicht genügend vorhanden ist. Hessen will vor anderen Ländern nichts voraus haben, sondern verlangt gerechte Behandlung, d. h. Entlastung von den durch die in feinem Gebiet konzentrierte Besatzung verursachten besonderen Lasten, die es für das gesamte Reich trägt und die dem Lande vom Reich abgenommen werden müssen. Man wird es begreiflich finden, dah es in dem schwer leidenden H^senlande Verstimmung hervorruft, wenn im Reichstag noch immer unzutreffende Auffassungen über die hessischen Verhältnisse bekundet werden.
Oie Einigkeit in der Lust.
Zum Zusammentritt der internationalen Berkehrskonsercnz.
Eigene Drahtmelbung des „Gießener Anzeigers".
Berlin. 27. März. Am Montag trat in Berlin wieder einmal eine internationale Verkehrskonferenz zusammen, auf der Deutschland. England, Belgien. Frankreich. Holland, die Schweiz und die Tschechoslowakei vertreten sind, um im Rahmen eingehender Beratungen eine enge Zusammenarbeit dieser Mächte im Luftverkehr vorzubereiten und vor allem auch die Fragen des Slug - funkwesens und der Flugmeteorologie zu klären. Die deutsche Vertretung auf dieser Konferenz ist Geheimrat Fisch vom Reichsverkehrsministerium übergeben worden. Die englische Delegation ist, wie die tschechoslowakische, verhältnismäßig stark. An ihrer Spitze steht der Chef der zivilen Fliegerei, Sir Srfton B r a n d e r, während die tschechoslowakische Delegation von Kommissar Rajbert geführt wird. Die Konferenz, die bis zum Ende des Monats andauern wird, wird sich in ihrem ersten Seile mit den allgemeinen Fragen beschäftigen, um dann Drei Unterausschüsse einzusehen, denen die Behandlung der Fragen des Verkehrs, des Wetters und des Funkwesens obliegen soll. In einer abschließenden Sitzung werden schließlich die Resultate in einem Kommunique vereinbart werden.
Man sollte eigentlich glauben, daß die Einigkeit in der Luft viel größer wäre, als auf dem Lande. Dem ist aber noch lange nicht so. Man erinnere sich nur Daran, dah es einmal eine ganze Reihe internationaler Verkehrsgesellschaften gibt. Da ist zunächst einmal die Ci na, Deren Mitglieder aus den Ententemächten bestehen und Der Deutschland noch nicht angehvrt. Auf der anderen Seite ist Die Jata, eine Vereinigung Der europäischen Luftverkehrsgesell- schasten, Die also mehr einen privatwirtschaftlichen Charakter hat und in Der Deutschland an hervorragender Stelle steht. Die sog. internationale Verkehrskonferenz, Die also Diesmal in Berlin tagt, ist eine gemischte Vereinigung, Denn ihr gehören neben den Regierungen Der beteiligten Länder auch Die führenDen Luftverkehrsgesellschaften dieser Lander an. Deutschland hat schließlich, vor allem Da es Der Cina, Die niemals eine proDeutsche Luftpolitik betrieben hat, nicht angehört, sich einen Ersa h in einem weiten Reh von Flugverkehrs-
Wirkung bienen wollen. Unb von dem Gesichtspunkt eines in sich versunkenen unb versonnenen klanglichen Gestaltens mochte bas Werk sich am ehesten den Hörern erschließen. Prof. Havemann setzte sich mit voller Kraft für bas erfolgreiche Bestehen ber Sonate ein. Er verstand es. Den Kcmti- lenenbogen großzügig herauszuarbeiten, ebenso schuf Lybia Hoffmann-Behrendt am Flügel feinsinnig nach, mit besonderem Sinn für bas Sublimiert-Klangliche. Gewiß war es sehr berechtigt unb auch interessant, ben Gießener Hörern einmal bieses Werk eines Zeitgenossen vermittelt zu haben, aber stärkere musikalische Eindrücke gingen von den beiden Triowerken aus, von Regers L-Moll-Trio und Schubetts 8-Dur-Trio.
an den Dort stehenden Obst bäumen zusteht, im Interesie der guten Sache auf die verlangte Ablösung verzichtet, womit die Ausführung des Denkmals gesichert fei. Zum Schlüsse wies der Vorsitzende auf die große Unzufriedenheit bei dem größten Teil der Einwohner hin, die in recht freigebiger Weise die Mittel für die Errichtung des Ehrenmals bewilligt hätten, dessen Ausführung jedoch infolge mangelnden Entgegenkommens sich um Jahre verzögere. — Aus der Schule entlassen und fonfirmiert werden in diesem Jahre 20 Knaben und 14 Mädchen.
rl. Daubringen, 26. März. Auf Einladung des Bürgermeisters P r e i ß fand am Samstagabend hier eine B ü r g e rv e r s a in m l u n g zwecks Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr statt. Etwa 80 Personen hatten sich in der Wirtschaft Erb eingefunden. Aus Gießen waren Stadtbranddirektor Braubach. Kreisseuerwehrinspektor D i d 0 r e, Der Vorsitzende des Kreisverbandes der Freiwilligen Feuerwehren. Brandinspektor F. Wenzel und als Vertreter der Gießener Wehr Herr Riebel erschienen, von der Lollarer Wehr waren die Herren Heinrich. Rohrbach und Schelm zugegen. Die Versammlung stand unter der Leitung von Lehrer Henkel. Äachdem Bürgermeister P r e i ß. Kreisseuerwehrinspektor Dickore, Stadtbranddirektor Braubach und Kam. Heinrich über Die Rotwendigkeit und Zweckmäßigkeit einer Feuerwehr, insbesondere aber einer Freiwilligen Feuerwehr, gesprochen hatten, setzte eine rege Aussprache ein. Die mit dem Ergebnis endete, daß sich 60 Versammlung s besucherbereiterklärten, einer Freiwilligen Feuerwehr sofort beizutreten. Stadtbranddirekior Braubach und Brandinspeltor Wenzel beglückwünschten den Bürgermeister und die Gemeinde zu diesem schönen Ergebnis eines vorbildlichen Gemeinsinns, während Bürgermeister P r e i ß mit Dankesworten für Die bisherige Unterstützung bei feinem nun von Erfolg gekrönten Bestreben zusagte, daß er auch weiterhin eifrig für die Freiwillige Feuerwehr Daubringen sorgen werde. Die Wahl des Kommandos und des Vorstandes soll in Den nächsten Tagen erfolgen.
(.) Lang-Göns, 26. März. Gegen 12 Uhr ertönte heute die Sturmglocke. 3m Har D t * waID war ein DranD ausgebrochen. Der schnell herbeieilenden Feuerwehr und andern Einwohnern gelang es, in zweistündiger Arbeit des Feuers Herr zu werden. Die Brandstelle war in einem tiefgelegenen Teil des Waldes, und so konnte der herrschende Rordwind nicht an das Feuer kommen, sonst hätte leicht ein großer Waldbrand entstehen können. Verbrannt ist eigentlich nur ein Hausen Holz und ein Teil eines jungen Fichtenbestandes. Immerhin ist Der Schaden beträchtlich. Heber bie Ursache ist nichts bekannt.
D Lich, 26. März. Nach ber Feldbereinigung wurde zwischen dem Turmgäßchen unb ber Friedhofs st raße eine neue 33 erb in- dungsstraße von etwa 100 Meter Länge geschaffen. Diese neue Straße zieht hinter dem Fürst- lichen Friedhof her und wirb in trockenen Jahreszeiten namentlich von Friedhofsbesuchern benutzt. Die einen ruhigen, stillen Weg suchen und nicht durch die lebhafte Oberstadt geben wollen. Leider aber ist bie Straße bie größte Zeit bes Jahres in einem so üblen Zustand, daß sie völlig unpassierbar ist. Der 20 Zentimeter tiefe Schlamm schreckt jeben zurück, der den Weg benutzen will. Die Stadtverwaltung würde sich ein Verdienst erwerben, wenn sie dem Uebel abhelfen würde.
»Lich, 26. März. Zu Dem Bericht in unserer Ausgabe vorn vorigen Mittwoch über Den Unfall des Schlosserlehrlings K ü b 1 e r wird uns von Dessen Meister FrieDrich Schmidt mitgeteilt, Daß K übler nach Schluß der Arbeitszeit von Kloster Arnsburg, wo er mit seinem Meister beschäftigt war, zusammen mit einem Bekannten nach Lich zurückgefahren ist, wobei sein Bekannter auf dem Soziussitz des Motorrades Platz genommen hatte. Küdler habe sich bei Dem Fall Abschürfungen im Gesicht zugezogen, Die aber nicht von großer Bedeutung seien: er sei auch nicht mit dem Wagen seines Meisters abgeholt worden, sondern habe den Weg von der Unfallstelle nahe bei Lich zu Fuß bis in die Werkstatt zurückgelegt. Das Motorrad sei nicht zur Reparatur in Dem Betriebe Des Meisters Schmidt gewesen, Der Probefahrten nur von geschultem Personal mit Führerberechtigung ausführen lasse.
ben sich ausbreitenben geistigen Zusammenhalt. Reger müßte nicht der Meister ber Kontrapunktik sein, wenn er nicht gerade dem imitatorischen Stile breiten Raum gewährte, wie im Mittelteil Des Allegretto, niemals werben wir aber die kontra- punktische Kunst als losgelöst unb tecipirsch gewollt empfinben, sondern bic Polyphonie in freier unb auch gebundener Art ist bei ihm Das herrschende Ausdrucksmittel. Einen besonderen, fast spukhaften
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
X Klein-Lin den, 26. März. Der hiesige Ausschuß für Die Errichtung eines E h r e n m a 1 s für Die Gefallenen trat am Sams- taga&enD im Saale des Gastwirts Speier zu einer Beratung zusammen. In längeren Ausführungen legte Der erste Vorsitzende, Kaufmann Fr. Schimmel, Die noch bestehenden großen Schwierigkeiten Dar, welche Die Verwirklichung des ersten Projekts verhinderten. Obwohl von privater Seite ein Stück Gartengelände zur Verfügung gestellt war, wurde allgemein Die Ansicht vertreten, Daß dieses nicht den nötigen Flächeninhalt aufweise, weshalo von Dem Angebot vorerst kein Gebrauch gemacht werden konnte. Es soll nun, trotz jahrelanger Enttäuschung, bei Dem Gemeinderat zum letztenmal versucht werDen, von diesem Die Genehmigung zur Errichtung des Ehrenmals auf Dem alten Friedhof zu erhalten. Wird diese erteilt, Dann besteht Die Hoffnung, daß auch die Kirchcngemeinde, welcher Das Ruhnießungsrecht


