bar. WÜbrenb vor Ausführung der Arbeiten in den Kellern die an die Wasserleitung ange- ^chlosjenen Injektoren hauptsächlich nachts liefen, Dm bas auftretende Grundwasser herauszubeför- bern, liegen diese nun ohne Ausnahme vollständig trocken. Die Bahnhofstraße hat jetzt eine Breite von ca. 12 Meter. Berkehrshindernd wirken nur noch die Telegraphenstangen, die jetzt fast in der Mitte der Straße stehen. Hoffentlich sorgt unsere Gemeindevertretung für deren baldige Beseitigung bzw. Versetzung.
-Rödgen, 26. Ian. Weil kürzlich ein Auto gegen den einen Pfosten deS Schlagbaumes am Bahnübergang auf der Straße von Gießen nach Rödgen rannte, sind nun auch an dieser Stelle zwei Leucht st änder aufgestellt worden, damit die Fahrzeuge, früher das Warnungssignal erkennend, rechtzeitig ihr Tempo verlangsamen können.
* Birklar, 26. Ian. Dieser Tage hielt der hiesige Turn verein seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Bei der Wahl wurde für das verzogene Vorstandsmitglied Wilhelm Wolf der seitherige zweite Turnwart Wilhelm O t t, zum zweiten Turn- wart aus den aktiven Turnern Otto Müller gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder blieben in ihrem Amt. Der seit der Gründung gepflegte Turngang soll auf Beschluß der Versammlung am zweiten Psingstfelertag in den schönen Vogelsberg führen. Eine Reisekasse wurde auf vielseitigen Wunsch errichtet.
Kreis Büdingen.
ld. Aus dem oberen Niddatal, 26. Jan. In den letzten Tagen herrschte auf der Neben - b a h n l i n i e S ch o t t e n—N idda lebhafter Güterverkehr. Die mildere Witterung gestattet wieder das Verladen von Aepfeln, die immer noch in größeren Mengen, besonders in den Orten abseits der Bahn, zu haben sind. Es werden zur 3«ü 5 bis 6 Mk. für den Zentner bezahlt. Auch der Absatz von Heu hat sich etwas lebhafter gestaltet. Es handelt sich meist um saures Futter, das zum Preise von 3 Mk. für den Zentner abrollt. — Da in manchen Forstämtern das Buchenbrennholz ziemlich knapp geworden ist, wurde in den letzten Jahren in steigendem Maße Eichenholz an Losholzberech- t i g t e abgegeben. Auch ist dec Losholzpreis so gestiegen, daß Brennholz in mehr bergwärts gelegenen Bezirken billiger zu steigern ist. Beide Llmstäiide haben viele Haushalte veranlaßt, auf den Bezug von Losholz zu verzichten.
KrciS Schotten.
S Laub ach, 26. Ian. Gute Milchkühe hier zur Zeit hoch im Preise. Ein hiesiger Bewohner verkaufte in diesen Tagen eine solche für 700 Mk. — Zum Bericht über die Feier deS hiesigen Stenographen-Vereins „G a be l s b e r g e r" (Vorsitzender Studienrat Vetter) am letzten Sonntag ist noch nachzutragen, daß der Verein eine recht stattliche Zahl von Ehrenurkunden für die letzten zwei Jahre verleihen konnte, ein Beweis, daß der Verein hervorragende Leistungen zu verzeichnen hat. Von den 40 Mitgliedern des Vereins beteiligten sich nicht weniger als 22 erfolgreich an öffentlichen Wettschreiben während der letzten zwei Jahre. An der Spitze der Preisträger steht Bureaugehilse F e l s i n g, der in dieser Zeit nicht weniger als 10 Auszeichnungen errungen hat.
* Gedern, 26. Ian. Während ihrer Reise durch Oberhessen besuchte die Iugendpflegerin des Verbandes der evangelischen weiblichen Jugend in Hessen, Frl. Auguste Ecker, unseren hiesigen evangelischen Mädchenverein. Der aus diesem Anlaß veranstaltete Dereinsabend war sehr stark besucht. Frl. E ck e r sprach über die Bedeutung und Entstehung des großen Verbandes der evangelischen weiblichen Jugend in Deutschland, sowie des hessischen Landesverbandes, und schloß den Abend mit einer Bibelbesprechung. Aehnliche Albend« fanden statt bei den evangelischen Mädchenvereinen von Gießen (Lukasqemeinde), Rieder-Bessingen, Wallernhausen, Merkenfrih-We- nings, Crainfeld und Hirzenhain. Lleberall begegneten diese Veranstaltungen großem Interesse. — Die hiesige Ortsgruppe des Bundes hessischer Leibgardisten hatte sich bei Kamerad Karl B r a u n II. zusammengefunden.
Daß er sich jemals nur eine Minute lang per» fönlich mit dem Schwulst dieser Sprache Hoher Majestäten identifiziert hätte? Ich könnte mir Lenken, daß er mit seinem „Staatssekretär", mit Petrus de Vinea, manchmal laut gelacht hat über die Salbadereien, die da auf die Menschheit losgelossen wurden, weil — nun weil eben mundus vult decipil Gr wußte aber, wie wenige, Wirkungen zu berechnen — und so gab er eben der Menge, was die Menge wollte... Es war sein „Geschäft". Unb sein Geschäft war vieles, auch zum Beispiel seine Heiraten. Warum das Ding nicht beim Ramen nennen? Warum nicht ganz ruhig das Werturteil aussprechen? Geschäft war das halbe Leben dieses geschickten Kaufmanns und Finanziers, der, in heutige Zeit versetzt, bestimmt seine Industrieaktien und Oel- selder besessen und ihnen zuliebe vielleicht auch einen kleinen Kreuzzug nach Mossul inszeniert hatte, um sich schließlich heimlich mit dem Gegner über nutzbringendere gemeinsame Transaktionen zu verständigen, den Ruhm seinen outgläubigen Militärs überlassend! Wie vieles in dem Buche von Kantorowicz erschiene in hellerem Licht, wenn öfter- die einfache Souveränität — anstatt der Heroenhastigkeit, der Majestät — die es gewaltigen Geistes: noch mehr dieser ae- waltigen Vitalität betont wärel
Allerdings: eS würde dann vieles von dem was sriedrich tat, wesentlich materialistischer erscheinen. Lind er wäre am Ende eher der Repräsentant des feudalen Macht-Dedankens über- haupt als derjenige der - verinnerlichten — Reichsldee. Vielleicht aber auch würde verständlicher, warum er auf so wütenden Haß stieß so namenlosem Mißtrauen begegnete und schließlich alle Gewalten des Widerstandes zu Gewalten der Auslosung werden ließ.
Was bis nun hier ausgeführt wurde, was Nicht gegen, sondern gewissermaßen als Glosse über das Buch von Kantorowicz gesagt wurde entspringt einer kühleren Schau von Welt Gott und Mensch als es die des Georgeschen Kreises ote es die der Gundolfschen Terminologie ist' Es vermindert in nichts die außergewöhn- liche Bedeutung des gesamten Werkes, dessen größter Wert in einer unerhörten Stofsbehcrr- schung, einer wundervollen Fähigkeit der Gliederung, einem äußerst geschärften Sinn für Zu-
Rach Besprechung geschäftlicher Anaelegeicheilen beschloß man, sich an der am 18. August d. I. stattsindenden Einweihung des Leibgar- disten-Denkmals in Darmstadt zu beteiligen. Der übrige Teil des Abends war dem Austausch alter Erinnerungen an die Militärdienstzeit gewidmet, wobei auch oft der Humor zur Geltung kam. Im nächsten Monat soll wieder ein Vereinsabend stattsinden, um das kameradschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Auch ist die Veranstaltung eines Vortragsabends mit Lichtbildern in Aussicht genommen.
* Eichelsdorf, 26. Ian. Größere Teile unserer im Ridda- und Eicheltale gelegenen G e - markung bedürfen der Entwässerung. Los 1 (Mühlwiesen) wurde im vergangenen Frühjahr dräniert. Die Kosten der Dränage (6 Pf. für 1 Quadratmeter) wurden von dex Gemeinde aufgebracht und müssen von den Grundstücksbesitzern nach 5 Jahren abgetragen sein. Los II (Hoffeld) ist vor kurzem fertiggestellt worden. Runmehr müßten die Cichelsdorfer Gemeindewiesen „Die Weide", unterhalb des Dorfes auf dem rechten Riddaufer beiderseits der Bahnlinie gelegen, entwässert werden, da diese nur saures Futter liefern und in nassen Jahren kaum mit Pferdegespannen zu befahren sind. Vielleicht ist diese wichtige Arbeit im Rahmen der Feldbereinigung auszusühren, da die Gemeinde keine Lust verspüren dürste, die hohen Cntwäsferungskosten für schlecht rentierende saure Wiesen aufzubringcn.
± Glashütten, 25. Ian. Der hiesige G e - sang verein „S ä n g e r l u st", der unter der Leitung von Lehrer Le hm er steht, hat die Anschaffung einer Vereinsfahne beschlossen. Die Weihe der neuen Fahne erfolgt voraussichtlich am Sonntag nach Pfingsten anläßlich des diesjährigen Bundesfestes der „Vogelsberger Sängcr- vereinigung", das hier gefeiert werden soll. Die Vorbereitungen für Idas Fest sind bereits im Gange.
Ober-Lais, 26. Ian. In der Wirtschaft Theiß fand die diesjährige Generalversammlung des Gesangvereins „Liede r s r e u n d" statt. Die Wahl des Vorstandes brachte insofern eine Aenderung, als der bisherige Präsident, Schmiedemeister S e u m. von seiner Wiederwahl abzusehen bat. An seiner Stelle wurde Lehrer S t r 5 ß i n g e r, der D i r i - g e n t des Vereins, e i n st i m m i g auch zum Präsidenten gewählt. Dem Rechner Karl Rack wurde Entlastung erteilt und beschlossen, das diesjährige Winterfest am Sonntag, 5. Februar, zu feiern.
Kreis Alsfeld.
V. Grebenau, 26. Ian. In kurzer Zeit ereigneten sich hier zwei Llnglücksfälle. Vor einigen Tagen verunglückte der 60jährige Waldarbeiter Konrad Haber mehl. Ein stürzender Baum traf ihn so unglücklich, daß er einen doppelten Schenkelbruch erlitt. Gestern früh stürzte die Frau des Bahnarbeiters Heinrich Kimpel II. in der Scheune, als sie ihre Ziegen füttern wollte, von einer Leiter. Eie trug einen Armbruch, einen Schlüsselbeinbruch und durch Rippenbruch auch Verletzungen der Lunge davon. Die Schwerverletzte wurde in daS Kreiskrankenhaus Alsfeld überführt
--er. Homberg t. d. Ohm, 26. Jan. Am Dienstagnachmittag wurde der Altbürgermeister und Stadtrechner i. R. Ioh. Dietrich Repp zur letzten Ruhe geleitet. Der Stadtvorstand, die Vertreter der Sparkasse, eine Abteilung Feuerwehr, der Turnverein, dec Männer-Gesangverein und ein zahlreiches Trauergefolge gaben ihm das letzte Geleite. Rach einem einleitenden Grabgesange zeichnete in trefflichen Worten der Geistliche ein getreues Bild des Verstorbenen, dessen Wesen durch die Tugenden: Treue, Freundlichkeit und Gewissenhaftigkeit gekennzeichnet sind. Sowohl in seinem Berufe als Bürgermeister, welches Amt er 14 Jahre bekleidete, als auch in seinem umfangreichen Rechneramte, er war Gemeinderechner mehrerer Gemeinden und Kirchenrechner, zeigten sich diese Charalterzüge seines Wesens. Bürgermeister Schweiker legte im Rainen der Stadt einen Kranz nieder und Lehrer Hedrich einen solchen von der ehemaligen Sparkasse, dabei die Verdienste des Heimgegangenen gebührend und anerkennend hervorhebend.
sammenhänge zu sehen ist. Gerade diese letzte Eigenschaft aber hat eine Wirkung auf den mitgerissenen Leser, welche der Autor vielleicht nicht einmal wünscht: Richt mehr die menschliche (oder auch kaiserlich-heroische) „Gestalt" des Kaisers ist es, die am meisten den Geist bannt, sondern die Zeiten und Llmstände, in denen sie wirksam und schöpferisch wird. Es gibt kein Werk über Friedrich II., das mit soviel Sachkenntnis und Stoffdurchgeistung geschrieben worden wäre. Lind werm irgendwo, so erweist sich hier die Befruchtung, die das Beispiel Georges gab. So wie George — schon in seinen ersten Anfängen und gerade in ihnen — unmittelbar auf das Wesenhafte des Dichterischen hinsteuerte, das ganze Gestrüpp der „literarischen" Schmarotzerpflanzen mit einem Ruck zerreißend und Licht schaffend für wahre Blüte: so zielt auch bei Kantorowicz, dem Geschichtsschreiber und Schüler des Dichters, die gewaltige Aufgabe, die er sich gestellt hat. immer nur darauf hin, das W e s e n - hafte herauszuarbeiten, alles zufällige Beiwerk auszuschalten und die vielen ursprünglichen Motive so zu verknüpfen, daß ihr höherer „Rus" selbst im Llnscheinbarsten noch sichtbar wird. Mag man noch so sehr wünschen — wie der Verfasser dieser bescheidenen Bemerkungen —, daß das rein menschliche Bild Friedrichs II. weniger in ein Georgesches Weltbild hineinprojiziert werde: entscheidend bleibt im Endurteil die ungeheure Einheit der Schau, die erstaunliche Kraft, alle Mächte eines ganzen Zeitalters so zwingend um eine wirkende Mitte zu bannen, daß diese Mitte mit ihnen verschmilzt, wenn nicht gar in ihnen vergeht.
Genial ist die Darstellung der berühmten sizili- schen Gesetzgebung Friedrichs II., welche in dem „Liber Auaustalis" ihren Ausdruck fand. Hier auch enthüllt sich die innere, heimliche Tragik des kaiserlichen Schicksals am deutlichsten. Friedrich hatte bestimmt wenig Sinn für das Tragische an und für sich. Kampf in sich selbst, Zweiheit hat er wohl kaum gekannt. Sein Kampf ging iegen äußere, nicht gegen innere Mächte: gegen Papsttum und Auflehnung derselben Mächte im leinen, die er im großen als Feudaler vertrat: sei es der patrizisch-demokratischen Städte (Lombardei), sei es revoltierender Großen und Könige. In Deutschland mußte er — in seinem eignen Sohne Heinrich — das erwachende Ra- tlonalbewutztsein, daS auf Absonderung oder zum
Kreis Lauterbach.
£. Lauterbach, 26. Ian. Aus der jüngsten Sitzung des Stadtvorstandes ist u.a. zu berichten: Für die Pflasterung der Lanugo s>e usw. sind im Voranschlag 1927 39000 Mk. vorgesehen. Die Baukommission empfiehlt, die Langgasse und Kanalstraße mit Gußasphalt herzu- stellen, da eine Herstellung mit Groß- bzw. Kleinpflaster infolge des schlechten Untergrundes nicht geboten erscheint. Der Gemeinderat ist mit dem Vorschlag der Baukommission einverstanden, zumal eine derartige Asphaltdecke ebenso haltbar ist, wie Kleinpflaster und sich außerdem im Preise pro Quadratmeter um mindestens 4 Mark billiger stellt. Die Herstellung der Langgasse soll vorerst von der Brücke in der Kanalstraße bis zum Haus Hermann Keutzer vorgenommen werden. Falls die Mittel ausreichen, sollen in der Lindenstraße vom Haus Hermann Keutzer bis zur Straßenkreuzung noch Fußsteige hergestellt werden. — Auf das zum Verkauf ausgeschriebene st ä d t. Bauholz hat die Firma Gebr. Wallach in Alsfeld das Höch st gebot abgegeben. An zweiter Stelle kommt die Firma Johann Henkel II in Lauterbach. Die Differenz zwischen den beiden Geboten bewegt sich zwischen 150 und 200 Mark. Die Firma Henkel erhält das Bauholz unter der Bedingung, daß sie hierfür die- felben Preise bezahlt, wie die höchstbietende Firma Wallach in Alsfeld. — Es folgte nun die Beratung über die Erweiterung bzw. den Umbau des Elektrizitätswerkes. Bürgermeister Wa l z erstattete ein eingehendes Referat über die verschiedenen Möglichkeiten zur Lösung des Problems. Nach kurzer Aussprache wurde mit 16 gegen 2 Stimmen beschlossen, folgende Regelung zur Neugestaltung des Elektrizitätswerkes zu treffen: Aufrechterhaltung des eigenen Werkes mit großer Dampfmaschine, ein Dieselmotor und nebenbei Anschluß an das Ueber- landwerk Oberhessen: Kostenaufwand 85 000 Mark. Bürgermeister Walz dankte dem Gemeinderat für den fast einstimmigen Beschluß in der für die Stadt so schwerwiegenden Frage.
la. Landenhausen, 26. Jan. Vor etwa Jahresfrist wurde bei uns der Dau einer Wasserleitung begonnen, und schon im Frühjahr konnte das Wasser lausen. Bei der Llntecsuchung des Quellwassers ergab sich damals, daß das Wasser sehr gut und brauchbar war, aber zuviel Kohlensäure enthielt, was wohl mit der Nähe des Bades Salzschlirf in Zusammenhang steht: denn Landenhausen liegt von Bad Salzschlirf nur eine halbe Stunde entfernt. Diesem Llmstand mußte bei der Anlage Rechnung getragen werden. Deshalb wurde eine Cntsäuerungsanlage errichtet, die 6em Wasser, ehe es in den Hochbehälter gelangt, die Kohlensäure entzieht. Nachdem nun die Wasserleitung über ein halbes Jahr in Tätigkeit ist, muß man sagen, daß sich die Anlage gut bewährt hat und daß das entsäuerte Wasser gesund und gut ist. Außerdem liefert die Quelle überreichlich Wasser, und da sie höher als das Dorf liegt, kann der ganze Ort durch Freilauf versorgt werden. Die gesamten Arbeiten wurden unter Leitung des Kultur- bauamtes Gießen durch den Bauunternehmer Hardt- Lauterbach ausgesührt.
Oie Not der hessischen Landwirffchast.
Lpd. Friedberg, 26. Jan. Der Hessische Landbund hielt gestern hier eine zahlreich besuchte Versammlung ab, um zu der N o t l a g e der Landwirtschaft Stellung zu nehmen. Landtagsabgeordneter v. H e i m o 11 hieß die Versammlung willkommen und erklärte, der starke Besuch lege Zeugnis ab von der Bewegung, die jetzt durch Deutschland ginge. Die Notlage der deutschen Landwirtschaft gleiche der vor dreißig Jahren, nur sei sie gefährlicher. Die N e u v e r - schuldung der Landwirtschaft betrage sieben Milliarden. Jeder normale Betrieb sei in der jetzigen Zeit ein Verlustbetrieb. Auch in anderen Kreisen breche sich die Erkenntnis Bahn, daß der Landwirtschaft geholfen werden müsse. Die zu große Einfuhr sei der Hauptgrund der Verschuldung. Der Redner verbreitete sich dann über die Notlage in den verschiedenen Gebieten der landwirtschaftlichen Erzeugung und forderte vor allem
mindesten Sonderstellung drang, in seine Schränk ken zurückweisen und dem oberen Reichsgedanken unterwerfen. Lind nun geschieht es. daß er selbst, der Reichsinhaber, in seinem fizilischen Erblande, i das er in einer schlimmen Llnordnung übernommen hatte, zum Schöpfer eines ausgesprochenen Nationalstaates wird: daß er also durch seine Gesetzgebung dasselbe Prinzip inthronisiert, welches er, im Interesse seiner imperialen Mission, bekämpfen muß.
Hatten den päpstlichen Stuhl zur Zeit Fried- richs weniger bedeutende Päpste innegehabt, als Gregor und die beiden Innozenze: Männer, die weniger leidenschaftlich erfüllt gewesen wären von ihrer „Idee" und weniger bereit, bis auf den letzten Atemzug dafür zu kämpfen: wäre also Friedrichs staatenbildende Kraft frei geblieben, anstatt sich in den dauernden Kämpfen gegen die Vertreter des geistlichen Imperiums aufzureiben: wer weiß, ob er nicht, nach sizilischem Vorbild, in seinen anderen Reichen ebenfalls den Ausbau auf dem nationalen Grundgedanken vollzogen und unter seiner Oberhoheit etwas wie ein föderatives Europa — toenn dieser gewagte Ausdruck der Deutlichkeit halber einmal gebraucht werden kann — aufgerichtet hätte? Ein weltliches Europa, in dem das in der Person des Kaisers verkörperte weltliche Imperium über die geistig-kosmopolitische Vormundschaft des Papsttums endgültig triumphiert hätte?
Es erübrigt sich, solchen Gedankengängen nachzugehen. Die Geschichte hat anders entschiede: wie fast immer, haben menschliche Enge, Machtgier und mißverstandener Freiheitsbegriff über das höhere Prinzip gesiegt. Denn es waren die kleinen Potentaten und Mächte, welche in ihrer Kurz- sichtigkeit dem Papsttum Len Rücken stärkten und damit die europäische Entwicklung bis auf den heutigen Tag in eine unerhörte Stagnation trieben. Auch Napoleon ist — von dem selbstverschuldeten russischen Dösastre abgesehen — an den im Grunde gleichen Dingen gescheitert, die Friedrich den letzten, zusammenfassenden Griff unmöglich machten.
Rächst dem fizilischen Kapitel scheinen mir im Buche Kanlorowiczs am bedeutendsten die Darstellung Les päpstlichen Standpunktes und die Dämonie des Endkampfes, welcher Friedrich mit der Wortbrüchigkeit und Flucht des Papstes nach Genua-Lyon aufgezwungcn wird. Wie hier die Entfesselung aller geistigen und politischen Ele- |
Schuh vor ausländischen Waren. Der Redner kam zu dem Schluß, daß das mangelnde Solidaritätsgefühl des Bauern einen Streik jetzt unmöglich mache, und Teilstreiks seien nutzlos. Der erste Weg ginge über die Gewinnung größeren Einflusses in den Parlamenten. Hierauf verlas der Redner die Forderungen des Reichslandbundes. Der Kampf Schieles für die Landwirtschaft müsse unterstützt werden. Nötig sei jetzt vor allem kein mutloses Verzagen. sondern Vertrauen in die Führung.
Es folgte dann eine ausgedehnte Diskussion, an der sich zahlreiche Redner beteiligten. In einer Kundgebung wurden die Forderungen der Versammlung niedergelegt, worauf noch Abg. v. H e l m o l t drei Telegramme verlas, eines an den Reichsernährungsminister Schiele, in welchem ihm die Versammlung ihr Vertrauen ausspricht, das zweite an die Reichsregie - r u n g und das dritte an die Landesregierung, die gleichfalls die Forderungen der Landwirtschaft enthalten.
Preußen. -
Kreis Wetzlar.
Krofdorf, 26. Ian. Die vereini gten gern. Chöre der Arbeiter-Gefangver- eine Krofdorf und Launsbach geben am kommenden Sonntag, 29. Januar, abends, in Krofdorf ein Konzert. Dec aus etwa 120 Personen bestehende Chor bringt unter der Leitung des Lehrers Schröder, Launsbach, im ersten Teile Werke von Felix Mendelssohn- Bartholdy. Den zweiten Teil füllt die Musik zu der Oper „Preziosa" von Karl Maria von Weber aus. Für die Instrumentalmusik ist die Kapelle Weller, Gießen, verpflichtet worden.
Kreis Hersfeld.
WSN. Hersfeld, 26. Ian. Als ein von Hersfeld kommender Lieferwagen einer Bäckerei bei der Domäne Eichhof den schrankenlosen Llebergang der Hersfeld — Niederaulaer Bahn überqueren wollte, wurde der Wagen von einer Lokomotive erfaßt, etwa 20 Meter weit mitgeschleist und fast völlig zertrümmert. Dem mitfahrenden Lehrling Albrecht, der unter die Maschine geriet, wurde ein Bein abgefahren. Ein Knochensplitter drang ihm ins Gehirn, so daß er kurze Zeit nach dem Unfall verstarb. Der Autoführer kam mit dem Leben davon, scheint aber innere Ver- letzungen davongetragen zu haben.
Maingau.
WSN. Frankfurt a. M., 26. Ian. Die Verluste, die die Frankfurter Stadtbibliothek durch die Dücherdiebstähle des Archivars Dr. Kogler erleidet, werden bis jetzt auf ungefähr 70 000 Mk. geschäht, abgesehen von den unersehlichen Liebhaberwerten für derartige Werke. — Die Magistratsprefse- stelle teilt mit, daß die Meldung von der Bestellung eines Generaldirektors der Städtischen Museen nicht den Tatsache,-, entspricht. Die Sache befinde sich noch im Stadium der ersten Vorerwägungen, insbesondere sei die Frage, ob ein Generaldirektor der Museen bestellt werden soll, oder ob es bei den Direktionen der einzelnen Museen verbleibt, noch keineswegs entschieden. — In der Wittelsbacher Allee wird in der nächsten Zeit mit dem Bau einer katholischen Kirche begonnen werden, die den Namen Heiligkreuzkirche führen wird.
WSN. Hanau, 26. Ian. Der hiesigen Kriminalpolizei ist es gelungen, den wegen Versicherungsbetruges steckbrieflich verfolgten, mehrfach vorbestraften Maler E r i ch I a k o b Prinz, der sich auch als früherer Poli° zeipräsident von Berlin ausgab, fest- zunehmen. Der Festgenommene trug einen gc fälschten Adlerstempel „Reichskommissar für Aufwertung" bei sich. Der Haupttrick des Betrügers bestand darin, unter der Vorspiegelung, die alten Versicherungen würden gegen eine einmalige Zahlung von 120 Mk. aufgewertet, neue Versicherungen abzuschließen, was ihm auch mehrfach gelungen ist.
mente der gesamten Zeit geschildert wird, wie sich die Darstellung zu einer beispiellosen Kunst erhebt, alle Spannungen dauernd festzubalten und dennoch immer rein historisch (wissenschaftlich) zu bleiben: das ist eine der äußersten Prosa- leistungen unserer Tage: vorbildlich und tröstlich zugleich. Die Kraft, die unserer Sprache auch bei straffstem Matzhalten innewohnt, ist über alles 'Erwarten groß. Lind Kantorowicz überflügelt hier — das muß gesagt werden — um ein Bedeutendes Gundolf, dem niemals eine ähnlich präzise und konzise Fassung gelang, so genial auch oft die einzelnen Prägungen feiner immer schweifend bleibenden Diktion sind.
So ergibt sich, wenn wir nur die allerwesent- lichsten Eindrücke nach beendeter Lektüre zusammenfassen: Dieses ganze Werk ist schlechthin die Darstellung aller Kräfte und Gegenkräfte des seinem Ausklang zustrebenden Mittelalters: Es ist wie «ine große, erkenntnismätzige Fermate über dem gewaltigen Spiel, das schließlich steht und abbricht. Daß uns — gerade heute — ein solches Werk gegeben wurde, ist von betonterer Bedeutung. Wo alles gelockert, alles gelöst und im Flusse ist, kann nur die Synthese vor gänzlichem Auseinanderfluh, vor gänzlicher Aus. gelöstheit bewahren. Heute — wie damals — geht es um Europa. Was zerfiel, ist auf andere Werse wieder aufzurichten. Die Aufgabe blieb. Die Mittel sind völlig andere. Lind kein „Held", kein „Divus", kein „Augustus" wird uns Europa, wird uns das „Reich" bringen, sondern: die Notwendigkeit kontinentalen Zusammenschlusses gegen wirtschaftliche Versklaverei durch Amerika und die wachsende Erkenntnis von der Kultur- einheit Gesamteuropas gegenüber der entsetzensdollen Ziviliiationsbarbarei dieses mechanisierten Molochs.
Wenn auch wir — wie einige Fremde es taten, t>on denen Kantorowicz in einer Vorbemerkung feinet Buches berichtet — an dem ewigen Sarge Friedrichs II. im Dom zu Palermo unsere Kränze nieterlegen, so ist es nicht, weil wir ten „Helden" oder den „Kaiser" (Caesar) in ihm „verehrten": sondern weil wir in ihm lieben ten großen Europäer, den weiten, göttlichen Geist, der die höhere Einheit wollte — gleich, ob als „MachtgeLanken", ob als „Reichs- itee“ —, weil er sicher war, daß nur sie auch bie höheren, wahrhaftigeren und schöneren Lebensmöglichkeiten einschloß.


