Einzelbild herunterladen

Die Zeutralvorslandslagung der Deusschen Volksparlei.

Ministerreden.

Stresemann spricht über die inncrpolitischen Aufgaben

Berlin, 24. Rov. (DDZ.) 3n einer Rede vor dem Zentralvorstand der Deutschen Volks- Partei wies der Parteivvrsitzende, Reichs- außenministerDr. Stresemann, zunächst die Auffassung zurück, bah man der Sozia l- demokratie allein die Verantwortung hätte überlassen sollen. Wenn das Bürgertum jede Arbeitsgemeinschaft ablehne, so würde es selbst die Schuld an der Radikalisierung der Sozial­demokratie und an der Stärkung der Kommu­nisten tragen. Wir haben demgegenüber das größte Interesse daran, daß der staatsbürgerliche Gedanke in der Sozialdemokratie selbst gestärkt wird, um denjenigen Teil der Sozialdemokratie, der ein Zusammenwirken mit dem Bürgertum anstrebt, nicht zu schwächen, sondern zu stärken. (Lebhafte Zustimmung.) Die Kritik an dem par­lamentarischen System darf nicht da einsetzen, wo ihre Argumente der Durchschlagskraft entbehren. Das gilt besonders für die Frage der Stärkung der Stellung des Reichspräsidenten. Man wird aus dem Amt des Reichspräsidenten stets das machen können, was die Persönlichkeit des Reichspräsidenten aus dieser Stellung macht. Wir fordern ein anderes Wahlrecht un­ter Aufrechterhaltung des Derhältniswahlrechtes, aber unter Verkleinerung der Wahlkreise, unl> den dadurch gegebenen persönlichen Wettbewerb der einzelnen Abgeordneten. Der Einheits- st a a-t stellt unser Ideal dar. Wir können ihn aber nicht im Wege des Zwanges herbeiführen und wir sollten uns auch vor Teillösungen hüten, weil dann die Gegensätze schwerer auszutragen wären als heute. Es ist nicht richtig, daß die Kultur unter dem Aufgeben der Selbständigkeit einzelner Länder leiden muh. Auch Köln und Düsseldorf waren einst Hauptstädte selbständiger Staaten, und hätten doch niemals ihren Auf­schwung genommen, wenn hinter ihnen nicht der große mächtige preußische Staat gestanden hätte. Dr. Stresemann betonte die Bedeutung der kom­menden Reparationsverhandlungen. Gegenüber der Auslandkritik an seiner angeblich aggresssiven Rede im Reichstag bemerkte er, Deutschland habe so viel Zeichen des guten Wil­lens gegeben, daß es wirklich Zeit sei, daß nun die moralische Abrüstung bei den anderen Ländern beginne. (Lebhafte Zustimmung.) Reichswirtschastsminister Or. Curtms hielt ein Referat über dieGrundsätze deutscher Wirtschaftspolitik". Gr wies die Behauptung zu­rück, die Reichsregierung täusche das Volk über den Ernst der Wirtschaftslage und be­tonte, daß die Regierung gerade wegen der schwierigen Situation den Entschluß gefaßt habe, die alsbaldige Endlösung der Reparattons- frage dahin zu erstreben, daß nur_ eine solche Lösung anzunehmen sei, die die Erfüllung auS eigener Kraft ohne Gefährdung der Lebens­haltung des deutschen Volkes gewährleiste. 3m Inneren müsse man den notleidenden ge­werblichen Mittelstand schützen und

überhaupt weitgehende Erleichterun­gen für die Wirtschaft im Interesse der besseren Konkurrenzfähigkeit schassen. Das könne man aber nur tun, wenn durch eine einheitliche Zusammenfassung der Wirtschafts­fragen in einem Ressort die Zersplitte­rung und älnsichrrheit beseitigt werde, durch die Einheitlichkeit der Wirtschaftspolitik könne der Staat auch besser als Ausgleichsorgan das Ge­meinwohl fördern. Rotwendrg sei aber vor allem eine Entspannung der Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit. Immer wieder erneute Zusammenführung der zu deren Vertretung organisierten Kräfte und Verbände sei eine unabweisliche Pflicht wirtschaftspolitischer Führung. Der bald kommende endgültige Reichs- wirtschaftsra-t werde auf diesem Gebiet zu ar­beiten haben, aber sich vor au weiter Ausdehnung derWirtschaftsdemokratie*' hüten müssen.

Entschließungen.

Das außenpolitische Ziel.

3n einer Entschließung zur Außenpolitik heißt es: Wir bekennen und zu der Politik, die zum Abbruch des RuhrkampfeS, zu der Ver­ständigung über die Schuldenregelung, zu den Abmachungen von Locarno, dem Eintritt in den Völkerbund und zur älnterzeichnung des Kellogg- Paktes geführt hat. Folgerichtig hat die Ver­ständigungspolitik zu den Abmachungen von Lo­carno geführt, die von der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes bis weit in die Kreise der Rechten getragen worden sind. Wir sehen als das wichttSte in dem Locarno-Abkom­men an die Sicherheit am deuts chen Rhein und die Verhinderung der Fortsetzung der französischen Rheinpolitik gegenüber Deutsch­land. Wir bedauern, daß die Auswirkun­gen des Derttages von der Gegenseite nur zögernd und widerwillig erfolgt sind. Wir erkennen an, daß die frühere Behauptung, der Termin der Rheinlandräumung habe noch nicht zu laufen angefangen, aufgegeben worden ist, und daß man ferner die Aufrechterhaltung der Besatzung nicht mehr mit Gründen der Sicher­heit begründet. Wir stellen aber fest, daß dem Rechte Deutschlands auf die Gesamträumung b i s heute noch nicht Genüge geschehen ist. Wir erwarten und ersehnen den Tag, an dem das Rheinland und das Saargebiet frei sind. Aber mit der rheinischen Bevölkerung lehnen wir es ab, dafür Reparationsverpslichtungen auf uns zu nehmen oder nach Ablauf der Be­satzungsfrist fortdauernde Kommissionen noch wei­ter auf unserem Boden zu dulden. Wir erwar­ten, daß endlich mit Ser Komödie des Ab­rüstungsausschusses ein Ende, aber mit der wirklichen Abrüstung, wie sie der Ver­trag von Versailles vorsieht, von unseren ehe­maligen Gegnern der Anfang gemacht wird.

CineEntschließung zur Konkordatsfrage tritt für den konfessionellen Frieden ein und er­klärt, die geltenden Vereinbarungen über die äußere Organisation der römisch-katholischen Kirche und über die finanziellen Leistungen des

Staates bedürfen in einigen Punkten eine An­passung an die inzwischen anders gewordenen Derhäünisse. Aber bei der Reuregelung dürfe der bestehende Rechtszustand nicht zuungun­sten des Staates verschoben werden. Ab­reden über die Schule dürfen nicht getroffen werden. Vor dem Inkrafttreten etwaiger neuer Vereinbarungen müsse die Gewährung sinnent­sprechender Rechte an die evangelischen Landeskirchen Preußens unter Berück­sichtigung ihrer Eigenart sichergestellt werden.

Sine Entschließung zur WlrtschastSpftltil fordert rasche Hilse für die Landwirtschaft und ein umfassendes Agrarprogramm, ferner Schuh des mittel ständischen Gewer­bes namentlich gegen die öffentliche Hand, Erleichterung in der Abgabenleistung, Pflege der Kapitalbildung und der Spartätigkeit. Zum Schluß tritt sie für eine Entspannung der Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit ein, er­blickt aber in der Wirtschaftsdemokratie nicht die geeignete Plattform. 3n einer weiteren Ent­schließung bekennt sich die Partei zu einer ent­schiedenen Sozialpolitik, die nur auf der Grundlage einer gesunden Wirt­schaft betrieben werden könne. Die Partei verlangt eine Aenderung des Schlich- t u n g s w e s e n s , die die freie Vereinbarung gegenüber der bisherigen Schlichtungspraxis in den Vordergrund rückt. Reich und Staat dürf­ten nicht parteiisch in Wirtschaftskämpfe ein­greifen.

DieLlntersWuug derAusgesperrten.

Berlin, 24. Rov. (Privatinformatton.) Wie in politischen Kreisen verlautet, steht ein neuer Schritt der Deutschen Volkspartei in der Frage der Unterstützung im Eisenkonflikt bevor. Rach ihrer Auffassung entspricht die Durchführung des Reichstagsbeschlusses vom letzten Samstag, die durch den preußischen Wohl­fahrts Minister erfolgt, nicht den reichs­gesetzlichen Grundlagen, die im Fürsorgegesetz gegeben sind. Die Durchführungsverordnurtg des Wohlsahrtsministers läßt nach dieser Darstel­lung die vorgeschriebene Prüfung der Bedürftigkeit außer Acht und berück­sichtigt auch die gewerkschaftlich Unter- stützten. Bon beteiligter Seite wird daraus hingewiesen, daß die freien Gewerkschaften beim Durchschnittsfall (verheiratet und ein Kind) wöchentlich 24 Mark Unterstützung zahlen und daß dazu noch etwa 16 Mark aus den staatlichen Mitteln kommen, so daß die Unterstützung im ganzen 40 Mk. wöchentlich beträgt. Diese Lage bedeute einen einseitigen Eingriff in den Eisenkamps zugunsten der Ge­werks chasten und gleichzeitig eine Verlänge­rung des Kampfes, wie es von der Deutschen Dolkspartei nicht beabsichtigt gewesen sei. Unter diesen Umständen beabsichtigt ReichSwirtschafts- minister Dr. Gurtius in den nächsten Tagen beim Reichskanzler Schritte zu unternehmen und unter Hinweis auf die Vorschriften des Für- svrgepflichtgesetzes eine andere Durch­führung des Reichstagsbeschlusses zu fordern.

sturm die ersten ergiebigen Schneefalle gebracht. Der F e l d b e r g meldet heute morgen 18 Zenti­meter Reuschnee und 3 Grad Kälte.

Die Lohnempfänger der Deutschen Reichrpost kündigen den Lohntarif.

In Düsseldorf versammelte sich der Hauptvo» stand der deutschen Postgewerkschaften, um zu den Lohn fragen für das Lohnempfänger- personal der Deutschen Reichspost Stellung zu nehmen. Der bestehende L o h n t a r i f nahm einen sehr breiten Rahmen in den Beratungen ein. Der Vorstand hielt es für nötig, den Lohn­tarif zum 31. Dezember 1928 zu kündigen, da der steigenden Verelendung des Personals entgegengetreten werden müsse. Der Beschluß wurde emftimnrig gut geheißen.

Aus dem fahrenden Zuge geworfen.

Ein schweres Verbrechen wurde auf der Strecke WildauGörliher Bahnhof verübt. Der 45jährige Schmied Gustav Jürgens auS Berlin wurde von unbekannten Tätern aus dem fahrenden Zuge geworfen. Jürgens wurde später von Bahnbeamten schwer verletzt auf den Gleisen liegend aufgefunden und nach dem Krankenhaus gebracht. Sein Zustand ist sehr bedenklich.

Deutsche Studenten als Arbeitsdienstpflichtige in Bulgarien.

Der Gedanke, in Deutschland für die Jugend eine allgemeine Arbeitsdienst pflicht ein­zuführen, ist schon häufig zur öffentlichen Dis­kussion gestellt worden und erst kürzlich ist im Reichstag ein Gesetzentwurf über die Einführung einer einjährigen Arbeitsdienstpf icht eingereicht worden. Besonders ist es die Studenten­schaft, die den Arbeitsdienstpflichtaedanken pro­pagiert und schon jetzt eine Anzahl Praktischer Erfahrungen auf diesem Gebiete gesammelt hat. Auf Anregung einer schlesischen Studentengruppe sind nämlich kürzlich einige 30 Studenten und Referendare nach Bulgarien gereist, wo sie im Rahmen der bulgarischen ArbertSdienstpflicht bei Chaussee- und Brückenbauten un­ter dem Befehl und der Direktion der bulgarischen Arbcitsdrenstpflicht Mitarbeiten. Der Zweck dieses Unternehmens ist, die Methode und die Ziel« der bulgarischen Arbeitsdienstpflicht näher kennen­zulernen, die der bulgarische Staat als erster unter den europäischen Staaten vor sechs Jahren eingeführt hat. Die deutschen Studenten haben Gelegenheit gehabt, das Wesen der Arbeits­dienstpflicht und die Ergebnisse für Staat und Dienstpflichtige zu beobachten und hieraus Schlüsse für ihre praktische Nutzanwendung anderwärts zu ziehen.

Bedretertagung

des Reichsbundes jüdischer Jcontfolbaten.

Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hielt seine diesjährige Dertretertagung, zu der sich mehrere Hundert Teilnehmer aus dem Reiche eingefunden hatten, in Berlin ab. Sie begann mit einer Kundgebung für eine Siedlungs- aktivn im ehemaligen Herrenhaus. Am Sonn­tagvormittag eröffnete der Bundesvorsitzende, Hauptmann d.R. a. 'S). Dr. Löwenstein, die Bundeshauptversammlung und gab einen Jahres­bericht über die Tätigkeit des Bundes, woran sich die internen geschäftlichen Verhandlungen an- schlossen. Behandelt wurden Probleme, die sich mit der sozialen Arbeit des Bundes, der Abwehr und den weiteren Aufgaben des Bundes beschäf­tigten, der Anfang nächsten Jahres die Feier fernes zehnjährigen Bestehens begehen wird.

Gegen die Gewervesteuerpflichl der freien Berufe.

Eine Kundgebung der medizinischen Fakultäten.

Halle, 24. Rov. (T. Ll.) Der deutsche medi­zinische Fakultätentag hat in schwerer Besorgnis um die Auswirkung der drohenden Ausdehnung der Gewerbesteuerpflicht auf die freien Berufe eine Kundgebung an den Steueraus­schuh des Reichstages und an den Reichs­finanzminister geschickt, in der es u. a. heißt: Der Reichswirtschaftsrat hat kürzlich beschlos­sen, die Ausdehnung der Gewerbesteuerpflicht auf die gesamte Aerzteschaf t zu emp- fehlen.

Die medizinischen Fakultäten führen namentlich in der Rachkriegszeit einen schweren Kampf um die Ausbildung des ärztlichen Rach­wuchs e s und die Heranziehung von pflicht- mäßig eingestellten Persönlichkeiten, die von den hohen Zielen ihres Standes voll und ganz durch­drungen sind. Die medizinischen Fakultäten er­blicken die schweren Gefahren der geplanten steuerlichen Maßnahme nicht bloß in der ma­teriellen Auswirkung der Besteuerung, son­dern vor allem in den schwerwiegenden, ge­radezu verhängnisvollen Folgen für das ärzt­liche Verantwortungsbewuhtsem, dessen Hochhal­tung im Interesse der ganzen Ratton ist. Die Einreihung des ärztlichen Berufsstandes im steuerlichen Sinne unter die Gewerbetreibenden löst gerade bei den wertvollsten Vertretern des ärztlichen Standes tiefe Erbitterung aus und hat nach unserer äleberzeugung zur unmittelbaren Folge eine weitgehende Erschütterung der Berufsethik, die gerade für diesen Stand eine der wertvollsten und unantastbaren Grundlagen bleiben muß. Der durch eine Ein­beziehung der Aerzte in die Gewerbesteuer zu erwartende finanzielle Mehrertrag steht in einem geradezu besorgniserregenden Mißverhältnis zu den schweren und nicht wieder gut zu machenden ideellen Schäden.

Das hessische Kirchensieuergeseh.

D a r m st a d t, 24. Rov. 3m .Gesetzgebungs- äusschuß des Hessischen Landtages wurde die erste Lesung des Kirchensteuergesetzentwurfes zu Ende geführt. Bei Art. 10 ergab sich eine län­gere Debatte über die Art, wie sich nach der Regierungsvorlage die Kirchensteuer auswirkt, Wewi sie nach der in diesem Artikel vorgesehenen Veranlagung nach Zuschlägen zur Reichsein- tommenfkuer, Reichsvermögensste uer, Grund und Gewerbesteuer berechnet wird. An zahlreichen Sinzelbci p'elen erklärte der Regierungsvertreter die Deran ^»mg, worauf dann der Artikel mit gerinefügt. 5T Qlenb:rangen ang nommen wurde.

Die Art. 11, 12 und 13 fanden ebenfalls in der Rrgierungsfas ung Zustimmung. Bei Art. 14. der die Defteuerungsgrundlagen für ge­mischte Ehen oder, wenn nur ein Ehepartner aus der Kirche ausgetreten ist, regelt, fanden so­wohl die Regierungsfafüng als auch die Abände­rungsanträge keine Mehrheit, so daß die hier ent- f."? Lücke bei der zweiten Lesung ausgefüllt

werden soll. Art. 15 bis 20, 22 bis 26, 28 und 29 werden gebilligt. Art. 21 wird zurückgestellt, bis die ReAerung die noch geforderten Unter­lagen beschafft hat. Art. 27, der die Bestimmungen für die evangelische und die katholische Kirche sinngemäß auf die israelitische und sonsttge Reli- gionsgemeinscha ten für anwendbar erklärt, wird zurückgestellt, da die Regierung hier eine neue Fassung ausarbetten will.

Japans Bündniswünsche.

Kein Entgegenkommen in England.

London, 24. Rov. (WD.) Der »Daily Chro- nicle schreibt: Die Berichte aus Tokio über einen Wunsch der dortigen Geschäftswelt nach Er­neuerung des englisch-japanischen Bündnisses finden in maßgebenden Kreisen in London lerne Ermutigung. Anregungen wegen engerer Zusammenarbeit in China zwischen den beiden Mächten werden als unange­bracht und unnötig erachtet. Großbritan­nien hat nicht die Absicht, feine chinesische Politik, die auf der Washingtoner Vereinbarung beruht, abzuändern. DieMorning Post" schreibt: Be­richte aus Japan weisen darauf hin, daß seit einiger Zeit eine engereZusammenarbeit zwischen Großbritannien und Japan in China zu verzeichnen ist. Dies ist nur natürlich, da Japan und Großbritannien viel größere Inter­essen in China haben als andere Rlächte, und feit der Beendigung des Bürgerkrieges und der all­mählichen Reorganisation des Landes diese In­teressen weniger auseinandergehen. Gs ist aber keine Rede von irgendeiner Vereinba­rung über gemeinsame Zusammenarbeit.

Deutschland und Ungarn.

Graf Apponyi über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Berlin, 24. Rov. (WB) Der hervorragende 82jährige ungarische Staatsmann und Vertreter Angarns in Genf. Graf Apponyi. der zur Zeit in Berlin weift, hatte mit dem Heraus­geber der Deutschen Diplomatisch-Politischen Korrespondenz eine Anterredung, in der er u. a. ausführte: Das deutsch-ungarische Berhäftnis er­gibt sich aus der Aehnlichkeft der Lage zweier im Kriege unterlegener Staaten. Auch glaube ich, daß es für Deutschland nicht gleichgültig sein kann, wenn in seiner unmittelbaren Rähc im östlichen Teil von Mftteleuropa jenes Volk zu­sammenbricht, das dort allein den Gedan­ken der westeuropäischen Kultur ver­treten kann. Ein sympathisches Verstehen un­terer politischen Situation in Deutschland ist so­mit, ganz abgesehen von Erinnerungen neuesten Datums, eine Gegebenheit. Der Anspruch, den ich für mein Volk als Repräsentant der west­lichen Kultur im östlichen Mitteleuropa erhebe, bedeutet keine Geringschätzung unserer südöst­lichen Rachbarn, sondern einfach die Feststellung der Tatsache einer durch neun IahrhuÄerte fest­gelegten Evolution, die Ungarn an allen geisti­gen Strömungen des Westens teilnehmen ließ, und der Tatsache, daß Ungarn zwei Jahrhunderte früher von der vsrnani-

fchen Flut befreit wurde als diese Rachbar­völker. Die wirllichen Schwierigkeiten der deutsch-ungarischen Beziehungen liegen auf wirtschaftlichem Gebiet, wo wir leider bisher noch sehr wenig Entgegenkommen feststel­len können. Da Ungarns Haupttnteresse Ex­portmöglichkeiten seiner Agrar- prvdukte betrifft, und Deutschland auf solchen Import immer angewiesen bleibt, mühten sich diese beiderseitigen Interessen in Einklang bringen lassen, zumal wir Vorzüge der Qua­lität aufweisen können und im Punkte der De- terinärpolizei größere Garantien bieten als irgendein anderer Rachbarstaat Deutschlands. An versöhnlichen Elementen zur Stärkung der freund­schaftlichen Beziehungen beider Völker fehlt, es nicht: denn Deutschland ist in Ungarn auf die allersympathischste Weise vertreten. Es war schon so. als Graf von Welczeck in Budapest Gesandter war, und der jetzige deutsche Gesandte, Herr von Schoen, erfreut sich in Ungarn nicht nur allgemeiner Wertschätzung, sondern die Beziehungen zwischen ihm und seiner Familie und der ungarischen Gesellschaft haben sich ge­radezu herzlich gestaltet.

Aus aller Welt.

Enthüllung der Schubertbüste in der Walhalla.

In der Walhalla bei Regensburg wurde die dort neuaufgestellte Büste Schuberts feierlichst enthüllt Die Festlichkeiten wurden durch einen Sängerabend eingeleitet. Unter den Ehrengästen, die sich zu dem offiziellen Festatt in der Walhalla versammelten, sah man u. a. den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held, den österreichischen Justizminister, Dr. S l a m a , den Vertreter der deutschen Reichsregie- rung in München, Gesandten v. H a n i e l, und den Reichstagspräsidenten Lobe. Kultusminister Dr. Eoldenberger feierte Franz Schubert als einen Heros der Tonkunst, der Deutschlands hohen Ruhm in der Kultur und in der Weltgeschichte mitbegrün­det und erweitert habe. Durch Franz Schubett sei das deutsche Volk zum Rufe und zum Ruhme ge­kommen, das liederreichste unter den Völkern zu fein. Der Kulturschatz des Schubertschen Gesamtwerkes könnte heute eine Heilquelle werden, könnte die Ent­wicklung wieder vorwärts treiben, heraus aus der Melodienarmut, ja Melodienfeindseligkeit der Gegen­wart, weg von der Schwäche der Atonalität und des Jazz, heraus aus der Erdennüchternheit und wieder hinauf in eine von reiner tiefer Seele getragene, von Herzen kommende und zu Herzen dringende und klingende Tonwell. Darauf fiel die Hülle Es folgte eine große Festkundgebung der Sänger vor der Walhalla, die leider durch die Witterung beein- ttächtigt war. Hier ergriff der Vertreter des Haupt­ausschusses des Deutschen Sängerbundes und zu­gleich als Vorsitzender des Fränkischen Sängerbun­des und der Arbeitsgemeinschaft der vier bayerischen Sängerbünde, Justizrat M o r h a r d, das Wort. Ein Massenchor von Regensburger Sängern und der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes be­schlossen die Feier.

Schneefall im Schwarzwald.

F r e i b u r g i. B., 26. Rov. (WTB. Funkspruch) Die beiden letzten Tage haben im südlichen Hochschwarzwald bei starkem Rordwest-

Oie Wetterlage.

Seydlst-

Hörüöyl

w-4

w6

U <0Hina

10t

Sonntag, 51^.1928,8^5.

Itot

E

gwontentoioneuer onaroecaetit®wo«iaeotoccn »Regt^

* Sehnte ä Graupeln * ntoti K 6rWiner.(Q)wind>tiilc.O' «ichter 0$i 5* Sudsuowcn Q uurwi6<t>c> nordweil tle Pleite flteoen ent dem winde 0« ooeen Stationen steeenden za* len geben die Temperatur an P« Linie» «rt»Mee Orw en gleiche* Mi' rueresniuexM «moeraenotw» Lelldrec»

Wettervoraussage.

Ein neuer Sturmwirbel, der sich gestern über Schottland entwickelt hat, und heute morgen schon über der Ostsee lag, brachte abermals unter stürmi­schem Wetter ergiebige Niederschläge. 2ln seiner Westseite sind bereits maritime Polarluftmassen nach Deutschland vorgedrungen, die unter sinken­den Temperaturen noch au Regenschauern führen. Mit dem Zustrom der Kaltluft setzt Druckanstieg an. Die starken Druckgegensätze werden sich mehr und mehr ausgleichen und allmählich zu ruhigerem Wetter führen, wenn auch zunächst die Rückseiten­wirkung der abziehenden Störungen noch zu ver- einzeften Regenschauern führt. Die Temperaturen gehen weiter zurück.

Vorhersage für Dienstag: Unter ab- flauenden nordwestlichen Winden wechselnd wolkig mit Aufheiterung, noch vereinzelte Regenschauer. Temperaturen weiter sinkend.

WitterungsaussichtenfürMittwoch: Weitere Beruhigung der Wetterlage wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 25. Noven.ler: mittags 7,2 Grad Celsius, abends 6,2 Gral Celsius-, am 26. Nov.: morgens 5,6 Grad Celsius. Maximum 8,4 Grad Cel­sius, Minimum 3,6 Grad Celsius. Erdtempera­turen am 25. November: abends 6,4 Grad Celsius; am 26. November: morgens 5,2 Grad Celsius. Niederschlag 26 Millimeter.