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nr. 125 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger sür Vderhesfen)

Samstag, 26. Mai (928

Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen.

Oie Eifel als Wandergebiet.

Don Michael Zender, Bonn.

Wit der in der HeuACtt so urwüchsig anheben- den Relle- und Wanderlust bei jung und alt hat die Erschließung de« Sifellande« gerade zur rechten Zeit sich eingestellt. Mehr und mehr dringt der Strom der Wanderlustigen und ®r- hokungs bedürftigen auch in die ehedem so stillen Täler und Höhen de« SiselaebirgeS hinein. Rach Lage und Beschaffenheit ist diese« landschaftlich so reizvolle Dcrgland ein Wander- und Tou­ristengebiet ersten Range«. Ein dichtbevöllerter Kranz t>on Srwerbsstätten um Köln. Düren und Rachen, am Riederrhein und an der Ruhr, in Belchen und Lurcmburg an Rhein. Mosel uud Saar schmiegt sich unmittelbar oder in nicht allzugroster Entfernung dem frischen Waldes- zauber der Siselhöhen an. die die hastenden Menschenkinder da unten mit tausend Reizen zur Erholung und Stärkung einladen. Don allen Seiten ist di« Eifel heutzutage leicht zu erreichen: eine Reihe von Läng«- und Querbahnen führt bequem hinein zu allen Giselteilen. von wo man auch selne Wanderung beginnen mag. oder sich zur Erholung niederlassen will. Der Eifelverein hat die Belebung und Förderung der Tourifti! stets al« sein erste« RrbeitSziel betrachtet und ist heute noch ständig tätig für bi« Anlage und die Unterhaltung und gute Bezeichnung von zusammenhängenden, die ganze Eisel durchque­renden Hohenwegen. di« den Wanderer auf mög­lichst schattigen, bequemen Pfaden an den schön­sten Aussichtspunkten vorübergeleiten.

Schon nach kurzfristiger Wanderung merkt der erschlaffte Stadtmensch den erfrischenden, stählen­den Sinflutz der Sisellust. Da die DurchschnittS- höhenlage untere« trefflichen Wandergebie'e« zwi­schen 300600 Mir sich bewegt und infolge ausgedehnter Aufforstung ein kräftigender Radel- bolzhestand die Höhen krönt, dem sich in bes­seren Berglagen stattlicher Buchen- oder Eichen» wuch« hinzugesellt, so sind hier all« Bedingungen zur körperlichen Ausfrischung de« Wanderers gegeben. Und auch dem. der diese Dorzüge al« Sommerfrischler oder Kurgast in gemilderter Tem­peratur geniesten will, bieten die herrlichen Fluß- täler und geschützten Talebenen man denke nur an di« vielbesuchten Täler der Ahr. Ktzll, Rette. Sauer. Ur oder Rur. an weltbekannte

Kur- und Badeorte wie Reuenahr. Bertrich u. a. in reichstem Mähe da«, was khm zusagt.

Don besonderer Bedeutung für ein Wander- gebiet ist auch bi« Frage nach Unterkunft unb Derpflcgung. Don jeher genost bi« Gastfreundlich­keit unb da« schlichtherzliche Entgegenkommen der Siselbewobner einen guten Rus Rasch unb erfolgreich Haven sie sich dem gesteigerten Der- kehr angepastt. so dah der Wandergast allerortS ein recht solide« Unterkommen bei reichlicher, schmackhafter Beköstigung findet. Manche Gast­höfe der gröberen Eifelorte und Sommerfrischen vermögen selbst den verwöhntesten Ansprüchen vollauf zu genügen. Eine Reibe von heimi­schen. stet« srischen Raturprvdukten ziert stets den Eifeltisch, wa« zumeist den Groststädter so an­genehm berührt? der deftige, im Rauchsang ge- räucherte Eiselschinken. das kräftige Eifelbrot mit heimischer Dutter, die dort bereitet wird in vor­züglichen Molkereien, schmackhaften Forellen au« dem nahen Eifelbächlein, reiner, würziger Eifel­honig aus den zahlreichen Bienenständen. Eier- und Steinpilze aus dem Eifelwalde, erfrischende« Mineralwasser au« den stärkenden Quellen von Gerolstein und Birresborn, von Daun und Tön- nisstein. Und wer in« Ahrtal wandert, der kann sich da« kräftige Mahl noch befeuchten mit feurigem Rotwein, der aus heimischer Berg­wand heranreist. Auch abseits von den Wander­strecken. selbst im entlegensten Eifeldorfe. ist der Wanderer noch recht wohl aufgehoben bei freund­licher Aufwartung und kräftiger Hausmanns­kost.

Drum frisch auf. liebe Wandersleute, mit dem Wanderstab in die Eisel Hineins

Wanderfahrten.

Lollar Wistmarbachtal Waldhau« Salz- bödetal Fronhausen.

Beim Bahnhof Lollar durchschreiten wir die linke Unterführung unb folgen den schwarzen Strichen, die uns am Bahnkörper entlang Über die Lumdabrücke unb hierauf bi« Eisenbahn- brücke über bie Lahn, durch einen lleinen Teil von Wißmar nach dem lieblichen, vielgewunbenen Wißmarbachtal sühren. Rach zweistündiger Wan­derung erreichen wir das gastliche Forsthaus WaldhauS. Der Weitermarsch (gelber Punkt) >ührl durch den Buchenbühl zu dem prächtigen Ausblick nach dem Derstal unb ben Gladen­

bacher Bergen. Dem Wegezeichen folgend Über­schreiten wir zunächst einen Wiesengrund, den sogenannten Sauwasen, hieraus ein Hochplateau mit wiederum hübschen Blicken aus die Mar­burger Gegend. Bei der gastlichen, idyllisch im Salzbödetal gelegenen Schmelz endigt die Mar­kierung. Sin gute« Teil der Salzböde auf schmalem Pfad auswärts gehend, verlasfen wir bet der SteinfurtSmühle da« schöne Tal, wenden un« recht«, um. nochmal« eine aussichtsreich« Höhe überschrei lend, durch Oberwalgern nach unserem Endziel Fronhausen zu gelangen. Ge­samtbauer der genuhreichen Wanderung 5 Std.

Reisewinke.

Bad Lalzfchlirf.

Eine zeitgemäße Reuerung auf dem Gebiete der Badereisen ist von dem bekannten Gichtbade Salzschlirf bei Fulda neuerbing« einge ührt wor­den. DaS Bad gewährt nicht nur ermäßigte Pauschalkuren, sondern es bewilligt auch die zur Vornahme einer notwendigen Heilkur er­forderlichen Mittel durch einen Kredit, der die Kosten der Badekur auf den Zeitraum von zehn Monaten verteilen soll. Gerade bei Salzschlirf als Gichtbad spielt die schnelle Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit eine grobe Rolle.

Laisocnröffnung in Wcslcrland

Da das Pfingstfest in diesem Jahre vor dem 1.3uni liegt, eröffnet Westerland feine Saison bereits am Samstag. 26. Mai 1928. Don diesem Tage an find sämtliche Kuranlagen im Betrieb. Die Kurkapelle gibt das erste Konzert am PsingstsamStag, und an den beiden Plingstseier- tagen sinden größere Festlichkeiten statt, dar­unter eine weit ausgedehnte Strandbeleuchtung.

Starke Zunahme des Fremdenverkehrs im Berchtesgadener Land

Rach dem Geschästsbericht des Fremdenver­kehrsvereins Berchtesgaden wurden im Ge­schäftsjahr 1927/28 innerhalb der Marktgemeinde Berchtesgaden allein 36 235 Kurgäste und 15 053 Passanten gezählt, die zusammen eine 3a&I von 286 513 Uebernachtungen brachten. Die Markt­gemeinde Berchtesgad.m hat damit ijrc bisher höchste 3ahrcssreqiien; erreicht unb gegenüber dem Dorjahre, in dem 230 670 Uebernachtungen

gezählt wurden, eme Steigerung der Heber* nachtungszifser um 24,2 v. H. zu verzeichnen 3m gleichen Umfang hat sich die Besucherzahl in den Sommersr schen des übrigen Berchtesgadener Landes gesteigert, unb zwar zählte man in den Landgemeinden zusammen 339 iaz Uebernachtun- gen. Die Marktgemeinde Berchtesgaden als gesell­schaftlicher. wirtschaftlicher und Derkebrsmtt.cb» punkt de« Berchtesgadener Lande» sieht sich in­folge der steigenden Fremdenzisser vor große Ausgaben gestellt, um den Betuchern de« Lande« neben den anerkannten Aaturfchönbeiten ersten Ranges auch die Zeitgemäßen Annehmlichkeiten eine« großen Luftkurortes in noch stärkerem Maße zu bieten. Man beschäftigt sich daher zur Zeit u. a. mit den Plänen für den Tteubau eines Kurhauses unb eine« FreUchwimmbade«. Die sür bte bevorstehende Reise^ai on bereit« vorliegenden gehäuften Anfragen lassen er­kennen. daß der Besuch des beliebtesten ober- bayerischen Kurortes unb seiner bevorzugten Um­gebung wiederum eine Steigerung erfahren wirb.

ZReifeliferatur.

Roch rechtzeitig vor den Pfingstfeiertagen erschien bie 7. Auslage des Ossiz teilen Führers durch den Taunus. herauSgege- "ben im Auftrag des TaunuS-Klub« e. D. Frank­furt a. M von der Geographischen DerlagS- anstalt unb Druckerei Ludwig Ravenstein A.-D.. Frankfurt a. M, Preis 4.50 Mark Der ge­schmackvolle Leinenband bringt auf 386 Tert- seit en im allgemeinen Teil allcS Wissenswert« über ben Taunus und im Hauptteil - übersicht­lich geordnet - bie Wanderungen mit ein­gehenden unb interessanten Beschreibungen. So­wohl die neuen Wegemarkierungen al« auch bie letzten wissenschastlichen Ergebnisse in ber Erforschung bes Gebiete« führten zu einer völ­ligen Reugestaltung. 3n enget Zusammenarbeit mit dem Taunus-Klub hat der von namhasten Mitarbeitern unterstützte Dersasser. der Geograph Alfred 3 u n b e l. mit außerordentlichem Ge­schick ohne jede Weitschweifigkeit alle? Wesent­liche ersaßt unb in stets anregenber Darstellung ein Werk geschaffen, bas mit feiner zweckmäßigen Disposition alS mustergültiger Führer bezeichnet werben muß. Der Derlag bemühte sich erfolg ich um die Ausstattung des Bandes. Karten. Pläne und Bilder ergänzen den Führer in wünsch-" s- werter Weise. 266

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