Nr 252 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Donnerstag, 25. Oktober (928
Oberheffen.
La..r7rris Gießen.
00 Klein'Linden, 24. Oktober. Aus der jüngfren Gemeindcratssihung ist a 6 bemerkenswert zu berichten: Schon seit Jahren kann man sich nicht einigen über den Platz, auf dem das Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges errichtet werden soll. Der Donlw,n lausschuß. ei-ne Vertretung aller öffentlichen Korporationen und Vereine, hatte sich geeinigt, den alten Friedhof an der Wetzlarer Straße als Stätte für das Denkmal vorzuschlagen, und war deshalb an den Gemeinderat mit dem Antrag herangetreten, den alten Friedhof als Denkmalstätte fveizugeben. Der Denkmalaus- schuh lieh sich dabei von dem Gedanken leiten, dah an dem heute völlig wüst liegenden alten Friedhof doch unbedingt eine Instandsetzung der Mauer und Anlagen n>tig wäre und durch Errichtung eines Kriegerdenkma's an dieser Stelle dem H«5el abgeholfen werden könnte. An der Gemeinderatssihung nahmen, um ihre Meinung kundgeben zu können, deshalb auch Mitglieder des Denkmalausschus'es teil. Vei der Mehrheit der Gemeinderatsniitglieder aber war eine Sympathie für d:n alten Friedhof als Denkmalstätte nicht vorhanden. Wegen seiner sehr unruhigen Lage an der verkehrsreichen Wetzlarer Straße glauben sie dem Antrag des Deükmalaus- schu ses nicht beipflichHen zu können, sondern sind der Meinung, dah sich der neue Friedhof seiner ruhigen Lage wegen und infolge seiner in nächster Ankunft vorzunehmenden Aeugestallung viel besser als Stätte für ein Ehrenmal eignen würde, zumal auf dem neuen Friedhof die während des Krieges in der Heimat an Verwundung gestorbenen Krieger beerdigt worden sind. Vei der Abstimmung wurde der Antrag der Denkmalkom- mis ion mit 5 gegen 4 Stimmen, bei einer Stimme Enthaltung, abge'ehnt. Daraufhin verliehen die Mitglieder des Denkmalausschusses unter Protest ihres Vorsitzenden, Kaufmanns Friedrich Schimmel, die Sitzung. Hm aber die Ausführung des Denkmals nicht auf die lange Bank zu schieben, beschloß der Gemeinderat in seiner Mehrheit, bei der in Zukunft vorzuneh menden Gebietserweiterung des neuen Friedhofes ein Stück Gelände als Stätte für die Gefallenenehrung zur Verfügung zu stellen. Mittel auS der Gemeindekasse für Errichtung des Denkmals können nicht bewilligt werden. Diese wurden schon durch eine Sammlung vor nunmehr zwei Jahren von der Devölkerung aufgebracht. — Hm das R i nnf che Anwe sen in der Wetzlarer Straße erwerben zu können, wurde der Bürgermeister beauftragt, ein Angebot in der vom Gemeinderat bestimmten Höhe an den Besitzer gelangen zu lassen. Sollte der Kauf zustande kommen, so soll die gegenwärtig in völlig unzu- teichendeir Bäumen imtergebrachte Bürgermeisterei dorthin verlegt werden. — Zu Mitgliedern des Wiesenvorstandes werden die Landwirte Friedrich Langsdorf und Kaspar Lenz IV. ernannt — Die Errichtung eines Brunnens auf dem Friedhof wurde wegen der bald zu erwartenden Wasserleitung zurückgestellt.
ck. Heuchelheim, 24. Oft. Gin wohlgelun- geiWS Saalsportfest hielt am Sonntag der Badfahrverein 1926 Heuchelheim in der Turnhalle ab. Der Verein hat es verstanden, dem zahlreich erschienenen Publikum ein inhalb- reiches Programm zu bieten. Die tadellos vor- gesührten Schmuck- und Schulreigen legten Zeugnis davon ab, dah der Saalsport von den beteiligten Damen und Herren mit großer Liebe gepflegt wird. Zur Verschönerung des Abends trug noch wesenllich der Badklub „Germania" Gießen bei, der mit den Vorführungen seiner Kunstfahrer reichen Beifall erntete. Auch die Vorführung eines Zweier-Radballspieles zwischen „Germania" Gießen und „Germania" Krofdorf fand reiches Interesse. Die Kapelle Weller, Giehen, verstand es, das Publikum recht gut zu unterhalten.
Z Bödgcn, 24. Oft Vom Pfarchofe aus bewegte sich heute mittag ein großer Trauerzug durch unser Dorf. Der Gesangverein Harmonie, die Schüler der Oberklasse, Herren der Verbindung Adelphia, die Geistlichkeit des De
kanats Gießen, Gemeinderat und Kirchenvorstand, überaus zahlreiche Glieder unserer Gemeinde und der Filialgemeinde Annerod gaben dem so plötzlich verschiedenen Pfarrer Groth, der vor V/s Jahren von hier nach Beienheim (Wetterau) 'verzogen war, das letzte Geleite. Im Pfarrhofe halte man die Leiche aufgebohrt, den Sarg in tnele Kränze eingebettet, trug ihn dann nach einem Abschiedsgruß des Ortsgeistlichen noch einmal vorbei an der Kleinkinderschule, dem Haus, das immer von seinem nimmermüden Schaffen Zeugnis geben wird, vorbei an der Kirche, der Stätte, in der er über zwei Jahrzehnte gepredigt hat, hin zu unserem Friedhof, auf den er zur Buhe beigesetzt sein wollte. Sein Freund, Pfarrer Kalbhenn, Grohen-Duseck hielt die Gedächtnisrede. Diese und die zahlveichen Bachrufe bei den Kvaiu- niederlegungen stellten noch einmal das Bild des Verstorbenen vor Augen: ein Mann mit eisernem Pflichtbewußtsein. demgegenüber jede Rücksichtnahme auf sich selbst zurücktvat, ein Mann mit innerem Schaffensdrang, der niemals erla'hmte, dabei ein Mann mit einet Heimat- sehnfucht im Herzen, die ihn auch in seinem neuen Wirkungskreis an unser liebliches Tal, unser Dorf und unser Pfarrhaus band, ist nun aus dem Leben geschieden. Der Gesangverein Harmonie und dec Schülerchor sangen ihm, dem Hedem so Liederfrohen, ktzte Llbschiedsgrühe nach.
V Mainzlar, 24. Oft. Hnsere Kanalisation ist nunmehr vollständig fertiggestellt. Auch die Ausführung der Pfla st erarbeiten in der Bahnhofstraße, die man infolge größerer Erdaufschüttungen bis zum Spätsommer zurück- gestellt hatte, ist jetzt beendet. Die gesamte Anlage erfordert bis jetzt einen Aufwand von 26 632 Mk. ^Hierzu kommt noch ein Teil BauleitungSge- bühren, so daß sich die Gesamtkosten auf rund 27500 Mk. stellen. Eine Kapita'aufnahme ist fettens der Gemeinde nicht erfolgt, da der gesamte Ausgleichsfonds, der aus den Heberschüssen der Jahre 1924 und 1925 gebildet wurde, hierzu in Anspruch genommen worden ist. Mit der Aufschüttung der breiten Gosse in der Bahnhofstraße ist man einem langgehegten Wunsche der Bewohner endlich nachgekommen.
5 Allendorf a. d. Luind a, 23. Okt. Gestern vollendete Apotheker Reinhold W e l ck e r, Hierselbst, in voller geistiger und körperlicher Frische sein 7 5. Lebensjahr. Der Jubilar gehörte bereits 36 Jahre lang unserem Stadtparlament an, achtzehn Jahre hiervon bekleidete er das Amt des Beigeordneten, bis er 1925 eine Wiederwahl wegen seines vorgeschrittenen Alters ablehnte.
s. Trais-Horloff, 24. Okt. Am Sonntag fand hier das Erntedankfest unseres Kirchspiels statt. Das neuhergerichtete Innere unserer Kirche, sowie der reiche Altarschmuck mit allerlei Erntesegen gaben einen stimmungsvollen Rahmen ab. Da man jetzt nach der Instandsetzung der Kirche erst recht eine festwürdige Kanzel- und Altarbekleidung vermißt, wurde die Festkollekt" für die Beschaffung einer solchen bestimmt, nachdem schon in letzter Zeit mehrere Einzelgaben für diesen Zweck eingegangen waren.
Kreis Friedberg
WSB. Friedbera, 24. Oft Am 25. Oft kann die Industrie- und Handelskammer Friedbera auf ein 30j ä h- rlges 2 estehen zurückblicken. Seitens der Kammer sind aus diesem festlichen Anlaß zahlreiche Einladungen an maßgebende Personen des öffentlichen Lebens ergangen. — Der gestrige P ferdem arkt hatte einen außerordentlich starken Auftrieb zu verzeichnen. Zur Prämiierung wurde hervorragendes Material vorgesührt Außer der üblichen Verlosung hatte die Stadt erhebliche Mittel aufgewendet, um den Markt besonders zugkräftig zu gestalten. Das Geschäft war sehr flott. — Zum heutigen Schweine- markt waren 413 Ferkel aufgetrieben. Bezahlt wurden bis 6 Wochen alte Tiere mit 12 bis 15 ML,. 6 bis 8 Wochen alte mit 15 bis 20 Mk., 8 bis 12 Wochen alte mit 20 bis 30 Mk. Der Markt wurde geräumt.
Butzbach, 24. Oft. Ein Schüler des bekannten Gießener Theologen und Pädagog-Professors Balthasar Mentzer (1565-1627) ist Hein- rich H i r h w i g , der als Schulmann vor jetzt
Geld fällt vom Himmel.
Zftoman von Paul Enderling.
Copyright by Earl Duncker, Verlag, Berlin.
26. Fortsetzung Rachdruck verboten.
„Er ist sogar mildtätig. Dank ihm bin ich wieder obenauf. Mein Freund Grotteck hat sich mir immer als rechter Freund erwiesen, und wer was dagegen sagt, ist nicht mein Freund und hat sich die Folgen selbst zuzuschreiben. Ausstaffiert hat er mich! Er ist der Einzige, der sich um einen Entgleisten wie mich kümmert."
„Wir wollen einen kräftigen Schluck auf fein Wohl trinken."
Fährmann stimmte begeistert zu, so begeistert, daß Quevedo sich stirnrunzelnd dem Tisch nahte. Er legtejelne Hand auf den Arm seines Zuhörers und sagte vertraulich, mit schwimmenden Augen: „Ich bin Ncht dran gewesen, von meiner Zeitung raus- gefchmissen zu werden, weil mein Habitus nicht mehr repräsentabel mar. Und auch wegen andrer Kleinigkeiten. Mein Freund Grotteck hat meine Schulden bezahlt und mich ausstaffiert. Maßanzug, bitte! Maßanzug! Run bin ich wieder ein Mensch." Fährmann mußte Tränen der Rührung wegwischen. Das dicke unglückliche Kindergesicht war befeuchtet.
Die Kapelle spielte einen rauschenden Marsch, der jedes Gespräch totschlug. Als sich Musik und Beifall gelegt hatten, begann Kiewening: ,Hhr Freund verkehrt doch auch bei Brodersen?"
„Gewiß", bestätigte Fährmann stolz. „Er verkehrt in den besten Kreisen."
„Ein reicher Mann, einer unserer besten Steuerzahler, habe ich mir sagen lassen."
„Und ob. Hat er übrigens mit Ihrem Fall etwas zu tun?"
Kiewening schlug sich auf die Schenkel. „Broder, sen als Defraudant? Ausgezeichnete Idee. Ree, wissen Sie, eher schieben wir so n Ding ober Ihr Freund Grotteck. Aber nun ist der historische Moment gekommen, wo ich der Kapelle was spendiere. So einen süßen Wein, wie ihn die kleinen Mädchen lieben." Er rief den Kellner herbei und trug das Tablett selber auf das Podium.
Fährmann sah, wie er allen lächelnd einschenkte uno wie er sich bann an die Klavierspielerin wandte, auf die er eifrig einsprach.
Was er nicht hörte, war seine Frage: „Nichts Neues?"
„Nichts von Bedeutung."
„Alles ist von Bedeutung. Macht er keine auffälligen Ausgaben?"
„Nein. Es ist ganz ausgeschlossen, daß er ..
„Nichts ist ausgeschlossen", fuhr er sie, immer lächelnd, an. „Sie haben nur Ihre Instruktionen zu befolgen, verstanden?"
„Das tue ich ja."
„Und keine Liebelei, verstanden? Geschäft ist Geschäft. Jedes zu feiner Zeit."
Marthas Gesicht war glutrot, als er sie verließ. Sie preßte die Hände wie in einem ohnmächtigen Zorn zusammen.
„Ein nettes Mädchen", meinte Kiewening, der wieder Platz nahm. ,Hhr Freund Grotteck meint es auch. Sie sagte mir eben, daß sie ihn schmerzlich seit einiger Zeit vermißt. Er sei der einzige wahre Kavalier hier."
„Ist er", bestätigte Fährmann, dem schon wieder Tränen in die Augenwinkel traten. „Und dazu eine Seele von Mensch. Er nimmt sich unter Opfern meiner an. Ich weiß gar nicht, was er an einem solchen Wrack, wie ich es bin, gefressen hat. .Wrack' ist übrigens gut gesagt, wie?"
„Man merkt die Bildung." Er goß ihm das leere Glas voll. „Das wird Herrn Grotteck auch zu Ihnen ziehen. Er ist ja wohl sehr begütert, ober hat er Nebeneinnahmen, so eine kleine Erbschaft, wie?"
Seine Augen lauerten. Unb plötzlich warf sich Klarheit in Fährmanns umnebeltes Gehirn. Dieser Mensch wollte etwas über Grotteck erfahren. Was hatte er nur alles gejagt? Er hatte wohl mit einem Maßanzug renommiert, ohne etwas anbres dabei zu denken, als mit seinem Freund zu renommieren.
Mechanisch setzte er bas volle Glas an den Mund. Der Wein schmeckte mit einemmal essigsauer. Was wollte dieser grinsende Mensch? Was hatte er gesagt?
„Alles Renommisterei, mein Herr", brachte er hervor, und er merkte, baß seine Zunge ihm nicht mehr ganz gehorchte. Das vermehrte seine Verwirrung. „Ein kleiner Rundfunkspieler ist er ... ein großer Künstler. .aber ejn kleiner..." Er
300 Jahren sich einen Barnen gemacht. Er ist aber nicht, wie altem Herkommen nach auch heute noch vielfach angenommen wird (auch in der neuen Frankfurter Kirchengeschichte von H. Dechent), im kurhessischen Haina geboren, sondern entstammt einer o b e r h e s s i s ch e n Pfarrersfami- l i e. In dem hessischen Taunusorte Langenhain erblickte er das Licht der Welt. In den einschlägigen Werken des verdienstvollen hessischen KirchenhistorikerS Prälat D. Dr. W. Diehl findet man die wichtigsten Angaben über Leben und Wirken des oberhessischen Schulmannes, der als Reformator des Frankfurter Schulwesens vor allem in der Kirchen- und Schulgeschichte der Mainmetropole einen bevorzugten Platz einnimmt. Heinrich Hirtzwig war von 1613—1616 Konrektor in Speyer, von 1616 bis 1627 Rektor des Frankfurter Gymnasiums. Don dem um Kunst unb Wissenschaft hochverdienten Butzbacher Landgraf Philipp wurde er dann als Hosprediger in die Residenz Butzbach berufen, woselbst ihm auch als lokaler Schul- inspektor Gelegenheit gegeben war, durch seine pädagogischen Kenntnisse und Erfahrungen der dortigen Lateinschule Richtung, Borm und Gepräge zu geben. Durch seine Komödien (Iesu- lus, Belsasar, Lutherus) hat sich Hirtzwig zu seiner Zeit einen Rainen gemacht, mehr aber noch durch seine pädagogischen und schulrefor- merifchen Schriften. Drr gelehrte Theologe unb Schulmann starb im Pestjahre 1635 in Butzbach.
Kreis Büdiugen.
I Ortenberg, 24. Oft. Wit dem gestrigen Tage hat der „VerkehrHverbanb für Ortenberg und Umgebung“ zwei Autobuslinien eröffnet. Die eine befährt die Strecke Ortenberg— Bergheim—Usenborn—Gelnhaar, die andere die Rundstrecke Ortenbergr- Eckartsborn — Schwickartshausen — Babenhausen I — Bellmuth — Wippenbach — Ortenberg. Der Betrieb wird zunächst als Probebetrieb mit einem gemieteten Wagen, der 22 Sitzplätze und 15 Stehplätze enthält, auf beiden Strecken durchgeführt. In der Zeit des Probebetriebes will man auf der sehr gefällreichen Strecke Erfahrungen sammeln und Anhaltspunkte für die Frage der Rentabilität gewinnen.
I Schwickartshausen, 24. Oft Am vorigen Sonntag wurde das hiesige Gefallenendenkmal feierlich eingeweiht. Die Weiherede hielt Dekan Scrista aus Bidda. Den musi- kalischen Teil der einbruchsvollen Feier bestritten der Mufifverein Eckartsborn und der Gesangverein Eckartsborn unter Leitung seines Chren- birigenten, Lehrer Carl aus Ortenberg, ber sich für btefe Feier in uneigennützigster Weise zur Verfügung gestellt hatte. Das Denkmal würbe von bem Frankfurter Bilbhauer Fahren- bruch aus rotem Mainsandstein geschaffen. Auf der Vorderseite eines mächtigen Quaders stehen die Bamen der neun Kriegsopfer ber Gemeinbe Schwickartshausen. Darüber in ber Bische eines liegenden Halbzylinders ist das Bild eines Kriegers im Stahlhelm mit gramdurchfurchtem Gesicht im Relief zu sehen. Das Denkmal hat seinen Platz dicht neben der Kirche auf dem Kirchhofe gesunden. — In den Waldungen der hiesigen Försterei sind in diesem Herbste die Eicheln außerordentlich gut geraten. Da anderwärts großer Mangel an gutem Eichelsaatgut besteht, läßt die Oberförsterei Konradsdorf die Eicheln sammeln. Die Sammler erhalten für den Zentner Eicheln 10 Mk. Erwachsene und Kinder machen sich dies zunutze und viele Familien sichern sich hierdurch eine schöne Bebeneinnahme.
Kreis Schotten.
^Groß-Eichen, 24. Oft. Am vergangenen Sonntag feierte unsere Gemeinde ihr Ernte- d a n f f e st. Kirchenchor unb Schulkinder halfen durch Chorgesänge die Feier verschönen. Die Kollekte, die für unsere hessischen Schwestern (Elisa- bethenstift und Diakonieverein) bestimmt war, hatte den ansehnlichen Betrag von 42,57 Mk. (Groß-Eichen 24,40 Mk. und Klein-Eichen 18,17 Mark). — Der Letter unseres Kirchenchors, Lehrer I l g e, wird uns am 1. Bovember verlassen, um eine Lehrerstelle in Butzbach anzutreten. Hoffentlich kann fein Bachfolger die Musik in unserer Gemeinde (Männerchor und Kirchenchor) Wetter- pflegen.
sah Quevedo am Tisch stehen. Wie durch einen Nebel sah er sein vergnügtes Schmunzeln. Das erbitterte ihn vollends. „Fragen Sie doch nach!" schrie er auf. „Und von meinem Anzug ist kaum das Futter bezahlt."
Nun lachten auch die aufmerksam gewordenen Gäste an den Nebentischen. Kiewening zahlte für sie beide. „Das ist mir der Spaß wert", meinte er zum Wirt, der verständnisvoll lachte.
Fährmann juchte in feinen Taschen, aber sie enthielten nur kleine Münzen. „Mein Freund Grotteck ... der Baron ... zahlt für mich. Er hat es mir selbst gesagt, er selbst ... Lachen Sie nicht ... Von Ihnen will ich nichts ..
Er wollte aufstehen, um ihm deutlich zu erklären, daß er nur renommiert habe. Aber Kiewening war schon fort, und Quevedo forderte ihn auf, für diesmal nach Haus zu gehen.
*
Grotteck stand vor dem gelben Haus der Rückert- straße. Aber er machte wieder kehrt, ehe er noch die Hand auf den Klingelknopf gedrückt hatte. Eine Weile wartete er noch, ob er nicht jemand sah, der ihn einführte. Als sich niemand zeigte, ging er weiter, den Weg zum Wald empor, den er damals mit Martha gegangen war. Es war eine Ewigkeit her.
Oben trat er in das kleine Waldcafs ein, und er ging gleich in die Telephonzelle, um Inge anzuläu- ten. Es war feige, daß er nicht ins Haus gegangen war. Aber feine Nerven hatten jäh versagt.
Er war so verwirrt, daß er das Mundstück ans Ohr fetzte und in die Hörmuschel sprach. Er übersah den Selbstanschluß der Nummer, rief das Amt an und mußte sich belehren lassen. Es kostete eine große Anstrengung, den Hörer wieder aufzuhängen, abzunehmen und die Zahl abzutippen. Zweimal verzählte er sich. Endlich glückte es: 20 136.
Eine wildfremde Stimme meldete sich. Zornig begehrte er das gnädige Fräulein an den Apparat. „Wie? ... Ja, es ist dringend ... sehr dringend ...So rufen Sie sie doch endlich!" Er stampfte mit dem Fuß auf. Es dauerte dennoch lange, bis er ihre Stimme vernahm.
Ihre Stimme klang fremd und gezwungen, als sie auf feine Frage antwortete: „Mein Vater ist nicht wohl, wir können nicht empfangen."
+ Lardenbach, 24. Ott. Wie in den letzten Jähren, fo wurde auch diesmal wieder in unserem Kirchspiel (Lardenbach, Solms-Ilsdorf, Stockhäuser Hof) und in Klcin-Eichen eine Lest e n s m i 11 e l f a m m I u n g für das Iohann- Friedrich-Stist in Laubach veranstaltet, die ein gutes Ergebnis hatte. — Zur Zeit findet in unserer Gemeinde eine Evangelisation statt, die von dem befannten Volksmissionar Walther aus Beuern abgehalten wird. Die Vorträge waren bisher sehr gut besucht. — Der im September stattgefundenen Verpachtung des hiesigen Pfarrgutes wurde nunmehr die behördliche Genehmigung erteilt. Während die letzte Verpachtung nach Roggenwährung geschah, wurde jetzt wieder auf Goldwährung zurückge- griffen. Die Grundstücke sind auf sechs Jahrs verpachtet mit einem Erlös von 256 Mk. pro Jahr.
Kreis Alsfeld.
Cs» Alsfeld, 24. Oft. Dieser Tage veranstaltete die hiesige Dürergesellschaft ihren ersten diesjährigen' Wintervortrag. Es sprach Hnit>er। itätßprcfeffor Dr. Götze (Gießen) über „Das deutsche Volkslied in der Gegenwart“. Der Redner befaßte sich zunächst mit der vielfach gehörten Klage über das Aussterben deS Volksliedes. Er kam zu dem Ergebnis, daß Welt und Menschen anders geworden seien, und deshalb muhte auch das Volkslied anders werden. Es liege aber kein Grund zur Desürch- tung vor, daß das deutsche Volkslied aussterben wevde. Die treueste Wacht für das Volkslied würde von den Ausländsdeutschen gehalten. Dem deutschen Volke würden auch in Zukunft seine Volkslieder nicht fehlen. Die Zuhörer folgten dem ttefgründigen, sehr wissenschaftlichen Vortrag mit gespannter Aufmerksamkeit. — Eine sehr begrüßenswerte Einrichtung hat der hiesige Verkehrs- und Verschönerungsverein getroffen, indem er zeitweise Rundgänge durch die Gemarkung veranstaltet, um durch gemeinsame Besichtigung und Aussprache festzustellen, in welcher Weise das Landschaftsbild in der näheren Hingebung der Stadt verschönt werden kann. Einen solchen Rundgang unternahm der erweiterte Derschönerungsaussc^ih am letzten Sonntag nach den »Erlen". Dabei kam allgemein die Auffassung zum Ausdruck, daß dieser idyllisch gelegene Platz, der schon von der Stadtverwaltung ausgebaut worden ist, allmählich zu einem Stadtpark entwickelt werden soll. Es wurden eine Reihe von Anregungen gegeben, deren Verwirklichung zur Erreichung dieses Zieles nach und nach angestrebt werden soll. Es steht heute schon fest, dah die „Erlen" der beliebteste Ausflugspunkt für Spaziergänger geworben sind. — Die Stadtverwaltung wird am nächsten Donnerstag den neben dem städtischen Schwimmbad gelegenen Erlenteich ablassen und die darin vor drei Jahren eingesetzten Fische (Schleien und Karpfen) zum verbilligten Preise an die städtische Bevölkerung abgeben. — Die Errichtung eines Ehrenmals für die im Weltkrieg gefallenen Lehrer und Schüler der hiesigen Oster- r e a l s ch u l e wird nunmehr zur 'Ausführung kommen. Bachdem die erforderlichen Mittel von dem Oberrealschulverein aufgebracht sind, wurde in der letzten Vorstandssitzung beschlossen, dem Dlldhauer Arnold in Beuern den Auftrag zur Ausführung des Denkmals zu erteilen. Dieses soll aus einem Denkstein aus Muschelkalk mit Relief bestehen, eine zur Verteidiaung des Vaterlandes ausziehende Lehrer- und Schülergruppr darstellend, und im Hose ber Oberrealschule an einer geeigneten Stelle zur Aufstellung gelangen. Die Weihe soll im fommenben Frühjahr erfolgen. — Der vorn hiesigen Roten Kreuz am letzten Sonntag veranstaltete W e r b e t a g hatte einen recht zufriedenstellenden Erfolg. Abends fand im „Deutschen Hause" ein Hnterhaltungsabend statt, bei bem ber Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, Medizinalrat Dr. Balser, die Begrüßungsansprache hielt. Den musikalischen Teil des Abends bestritt das Alsfelder Iugend- orchester, dessen gute Darbietungen ein dankbares Publikum fanden.
Starkenburg.
WSB. D a r m st a d t, 24. Oft. Der in der Wenkstraßr 44 wohnhafte Student Paul C p s ,
Er spürte nur ihr Zögern. ,Hch möchte Sie so gern vor meiner Reise sprechen. Läßt es sich nicht dennoch ermöglichen?"
Eine Minute verfloß, eine unendliche, qualvolle Minute. Dann klang es leise, stockend, wie unter einem Diktat: „Es ist nicht möglich." Und bann in jagender Hast, als fürchte sie einen Einwurf, der : die schwachen Schranken ihrer Absage niederwarf: „Ich schreibe Ihnen."
Das war alles. Jeder Versuch, noch mit chr in Verbindung zu kommen, scheiterte.
Als Inge den Hörer ablegte, stand Blinjkn hinter ihr, in seiner etwas gebeugten, devoten Haltung.
„Was wollen Sie hier? Belauschen Sie mich?"
Ohne aufzublicken, deutete er auf die Papiere in seiner Hand: ,Hch bitte um Ihre Unterschriften "
Seine unterwürfige Haltung reizte sie mehr, als es Frechheit getan hätte. „Sie wissen genau, wann ich für diese Dinge zu sprechen bin. Wenn Sie mir jetzt damit kommen, muß ich denken ..."
„Was müssen Sie denken?" fragte er leise.
Inge zwang ihre Erregung nieder. „Die Unterschriften haben bis zum Abend Zeit. Mein Vater erwartet mich."
„Es ist nur wegen der Reise, dieser äußerst notwendigen Reise ..."
Er wußte also, warum diese plötzliche Reise notwendig war. Er wußte hier alles. Fast hätte sie ihn gefragt. Aber ein Blick in sein 'verschlossenes Slawengesicht ließ sie erschaudern, ohne daß sie sich Rechenschaft über ihren Widerwillen oblegen konnte. Sie vermochte die Worte nicht zu unterdrücken: „Sonderbare Besucher haben Sie in letzter Zeit, Herr Blinsky."
Er neigte den Kopf. „Es sind Landsleute von mir, denen es nicht gut geht."
„Und Sie haben Zeit, mit ihnen so lange Gespräche zu führen? Ich kann Sie mir in der Rolle des Wohltäters eigentlich nicht gut vorstellen."
„Vielleicht kennen Sie mich nur nicht genug ..
„Möglich. Aber Sie täten besser, in Zukunft diese Herren außer unserm Hause zu empfangen."
„In der nächsten Zeit wird das ja sowieso nicht in Frage kommen. Und in Zukunft wird alles nach Ihrem Willen geschehen. Ich wußte ja nicht, bag Sie mich überhaupt so beachteten, daß ich Ihr Mißfallen erregen konnte. Ich bin gewissermaßen glücklich darüber." (Fortsetzung folgt.)


