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Ur. 122 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

$ieilag, 25. Mai (928

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Herr Benesch.

jum Berliner Besuch des tschechoslowakischen Außenministers.

Don unserem -s.Berichterstatter

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten

Prag. Mai 1928

Der tschechoslowakische Außenminister der nun. ach zehnt lhrigcr angestrengter Tätigkeit als Ge- Ichäst-reifender. zum erstenmal auch nach Berlin txm Weg fand. iJt in Deutschland mit aller Sieben-Würdigkeit ausgenommen worden Er kommt, ttxim auch nicht gerade als Freund. Io doch al« einer, der Anschluß sucht, und es ist klar, daß er in seiner Toga diesmal den Frieden trägt Man hieb ihn also sreundlich willkommen und gerade darum ist es not« wendig einmal mit aller Deutlichkeit daraus hin- zuwcisen. Daß dieser Mann Zeit seines politischen Wirken- der Feind Deutschlands und des Deutschtums aewes en ist. Seine Be­deutung sür die Zeitgeschichte besteht darin, daß er bei aller Anpassungssähigkeit.' die ihm viel­leicht kein zweiter europäischer Staatsmann nach­macht. doch die graste Linie jener Polittk. die zur Gründung seine- ureigenen Staatswesen- und zur Eingliederung dieses Staates in da- euro- pälsche Mächtesystem al- Vorposten de- ftanaöfi- schen Imperialismus in TZittvIcurotm führte. Immer einzuhalten verstand. Die Kritik, die ihm aus seiner bemerkenswerten Agilität einen Vor­wurf macht tut ihm Unrecht Bei aller Kunst des Lavierens und der veränderlichen Sormu- lierung ist er doch immer derselbe ge­blieben: der Verbündete -- nicht nur der Trabant!

Frankreichs, delsen politischer Weisheit letzter Schluft lautet. Aufrechterhaltung de- Status q u o. wie die Frlcdensverträge ihn ge- schassen haben Wer ihm nicht Unrecht tun will, must anerkennen, dah Benesch seinem Gedanken treu geblieben ist. Gr ist heute noch der Gegen­spieler aller jener Gewalten, die das Guropa von 1918 verändern wollen, also der Gegner aller Im deutschen Volke wirkenden Kräste - der natürliche Feind Deutschlands.

Selbst wenn man vom Schicksal der in die Tschechoslowakei gepreßten Sudetendcutlchen ab- sieht und die reich-deutsche Oesfentlichkett ist nur zu gerne geneigt, davon abzusehen muh man sich klar darüber sein, daß der Gegensatz zwischen Deneschs Polittk und der jeder über­haupt nur denkbaren deutschen Regierung tiefer geht, als das) er sich lediglich aus zeitbedingten diplomatischen Konstellationen ergäbe. Die tschechoslowakische Staat-raison ist es. Deutsch­land vom Südosten her wenn nicht zu bedrohen, so doch daran zu erinnern, dah e- hier auch eine Wirtschastssperre und nötigenfalls ein Aufmarschgebiet geben kann! Die Wand­lungen in den europäischen Kräfteverhältnissen, die sich viel rascher vollzogen al- die Schöpfer von Versailles es sich vorgestellt hatten, erschwer­ten diese Aufgabe freilich immer mehr, die der Tschechoslowakei in ihrem Schöpfung-plan zu­gedacht war. Derselbe Gedanke, der der Kleinen Entente zugrunde lag denn es ist ganz falsch, anzunehmen, diese Mächteverbindung habe sich nur gegen die ungarische Revisionsbestrebung ge­richtet. Sie richtete sich gegen alle Revi- sionsbestrebungen schlechthin, mithin auch, oder sogar vor allem, gegen die deutsche. Sie vermochte sich-auch hier nicht recht durchzusetzen, da die Derschiedeckheit der Interessen der Tschechoslowakei. Jugoslawiens und Rumäniens, immer starker zum Ausdruck kam. So ist es ganz natürlich. Dan die Tschechoslowa­kei. ursprünglich zur Isolierung Deutschlands be­stimmt. sich selber im Laufe der Sntwicklung ein bißchen isoliert fand. Der Augenblick muhte kommen, in dem daS viel mthbrauchte Wort:

Rückblick auf den Gießener Konzertwinier 1927/28.

Gelegentlich der Besprechung des letzten Kon­zertes Der Wintersaison ergab sich die Roi- mendigkeit. das Gießener Musikleben mit dem der Großstadt in Beziehung zu setzen. Wenn auch in der Großstadt die Cßeranftaltungen von Insti­tuten mit traditioneller Bedeutsamkeit einen Kernbestandteil der Musikpflege bilden, so geht die Zahl Der Konzerte, Die noch von anderer Seite gegeben werden, weit über das Bedürfnis Der Hörenden hinaus, und eine Konzertmüdigkeit ist die Folge. Oft locken Den unter Der Hast Des Alltags stehenden Großstädter mehr die Sensa­tion und ein besonderes Beliebtsein der Künstler in Den Konzertsaal. in Dem er weniger starkes inneres Erleben, als vielmehr Ablenkung, ja sogar Zerstreuung sucht. Dabei Darf die große Reihe von Konzerten derer nicht übersehen wer­den, Die an Die Oeffentlichkeit treten, nur um das Urteil Der Grohstadtpresse für ihre Laufbahn auszunützen, mögen sie berufen sein oder nicht.

In einer Stadt wie Gießen sind dem Musik­leben einmal durch finanzielle Rücksichten, dann aber auch in Hinsicht auf Die Aufnahmefähigkeit Des Publikums gewisse Beschränkungen geboten, um so mehr muß Gewicht gelegt werden auf die Qualität Der einzelnen Darbietungen. Vages Er- Dcrimcntkren ist ebenso auszuschalten wie irgend­welche Sensattonslust. Rur rein sachliche ®r- toägungcn. die in Der Musik einen wichtigen Faktor unseres geistigen Lebens sehen, lind hier für die Gestaltung eines Konzcrtplans maß­gebend. Die beschränkte Anzahl aber Der Auf­führungen ermöglicht es jcDcm einzelnen Hören­den, mit unverminderter Genußfähigkeit den Darbietungen zu folgen. Richt gering zu ver­anschlagen tst auch die Zahl Derer. Die sich schon vorher auf das kommende Konzert einstellen und cs so wohlvorbereitet in sich aufnehmen. Diesem Jnnerlich-Eingefiellttein Hilfe zu leisten, war der Zweck t*<r in Den beiden vergangenen Wintern gelegentlich gegebenen Einführungen in Die Werke, Die weniger darauf Anspruch erheben vollen, schon von vornherein em Urteil zu for­mulieren, als dem Darzubietenden die Auswir- üngsbasis zu erweitern.

Wie schon der vorige Konzerrwinter, so weist 11*6 der diesjährige, vielleicht in noch stärkerem Ära de. Züge von innerer Geschlossenheit und planmäßiger Einheillichkeit auf. Für die großen Orchester-Aufführungen ist die Lage dadurch gün- tig. daß man nicht auf die jeweiligen R^er- wirestücke zufällig in Gießen Station machender

. Atmosphäre" auch aus Dt< Beziehungen zwischen Dem Reich und Der Tschechoslowakei anzuwenden war. Benesch hat damals die Formel geprägt: Frankreich ist Der Freund. Deutsch­land i st der Rachbar.

Es hat ihm trotzdem Ueberwindung genua ge­kostet. bis er sich entschloß, das korrekt nachbar- ttche Verhältnis zum Deuttchen Reich durch per­sönliche Fühlungnahme etwas wärmer zu ge­stalten. Zwei Jahre lang voltigiert er nun mit Dieter Formel. In den zwei Jahren ist er so ziemlich in ganz Europa zu Besuch gewe'en. Rur Deutschland wich er immer in großem Bogen aus Schließlich muhte man ihm eben jetzt in London den Rat gel<n. sich über die Kombinatio­nen. die ihn bewegen und in Denen Deutschland natürlich immer eine große Rolle spielt, in Ber­lin selber auszusprechen Und nun haben die Deuttchen als Fremde von Distinktion auf ein paar Tage den Feind im Lande.

ES ist klar, daß man sich in Der Wilhelm- straße nicht durch Ressentiments leiten lassen darf, sondern ttch mit Benesch ouSsprechen muß, wenn er den Wunsch danach empsindei. Ein bestimmtes Verhandlungsproaramm wurde nicht ausgestellt. Man unterhielt sich nur unverbind­lich über den gesamten mitteleuropäischen und internationalen Fragenkomvler. Benesch will dies­mal keinen Handelsvertrag und kein ©arantic- abfommen Er will kein neues Locarno schließen und überhaupt, ganz gegen feine Gewohnheit, diesmal nichts Gelchrievenev nach Hause brin­gen. Was will er alro eigentlich? Die Ant­wort ergibt sich auS der Beobachtung seiner ganzen politischen Einstellung von selber: sein Mitteleuropa will er? In diesem beson­deren Fall allo die Zustimmung des Reiches zu leinen nach außen hin veränderlichen. im Grunde aber immer unveränderten Plänen, die auf ein neueS Staatsgebilde mit dem Schwerpunkt in Prag abzielen. Wit Der Erkenntnis von Der Rotwendigkeit, das zerrissene und gespaltene Mitteleuropa zu einem größeren ein­heitlichen Wirtschaftsgebiet zusam- menzufasfen. hat das nichts zu tun. Denn es ist ganz klar, daß ein wirtschaftliche- Mitteleuropa ohne Deutschland ein lächerlicher Torso bleiben muß. Benesch ist aber gerade derjenige. Der sich am entschiedensten gegen die Einbeziehung des Reiches in das Mitteleuropa von Morgen gesträubt hat. Das Uebergewicht der deutschen Wirtschaft. meint er. würde die Wirtschaft der Sukzessionsstaaten erschlagen. Und er hat so Unrecht nicht, da in diesen ja nach dem Kriege ganze Industrien künstlich hoch­gezüchtet wurden, die gar keinem wirtschaftlichen Bedürfnis entsprachen, sondern lediglich die Auf­gabe hatten, den deutschen und österreichischen Export zu beschränken und so den Krieg mit an­deren Mitteln fortzusehen.

An ein wahres Mitteleuropa, bei dessen Geburt Herr Benesch Pate stehen könnte, ist also nicht zu denken. Es würde den Verzicht auf nationalen Chauvinismus, auf Die Unterdrückung der Minder­heiten und auf den subventionierten Wirtschasts- imperaliSmuS zur Voraussetzung haben, den ge­rade Benesch nicht leisten kann, ohne Harakiri zu begehen Benesch hosste sich der deuttchen Unterstützung oder zumindest wohlwollenden Reu- tralität für feine ewig fortgesetzten Versuche zu versichern, Wien und Budapest irgendwie doch in seine Einflußsphäre einzubeziehen. Aber ge­rade an die Erfüllung dieses tschechoslowakischen Herzenswunsches ist nicht zu denken. Darf nicht zu denken sein!

Gewiß wird Benesch in Berlin kein Wort gegen den Anschluh sprechen. Wahrschein­lich bleibt dieses Problem überhaupt unerörtert, obwohl es das Zentralproblem deutsch- tschechischer Beziehungen ist. Benesch steht auf Dem wiederholt ausgesprochenen Standpunkt: Der Anschluß sei nicht aktuell. Er will damit jede Distufsion des Problems unmöglich machen,

Reiseorchester angewiesen ist. sondern in dem Frankfurter Symphonieorchester einen Klangkörper verpflichtet hat. der auch ver­wöhnteste Ansprüche voll zu befriedigen ver­mag. Zum anderen aber hat die vergangene Kvnzerttaison vollauf die Bestätigung gebracht, dah in Universität-Musikdirektor Dr. Stefan Temesvarv eine an künstlerischen Intentionen reiche Persönlichkeit an der Spitze des Gießener Mus Liebens steht, die nach den Erfahrungen der beiden letzten Jahre zu den reichsten Hoffnungen für kommende Zeiten berechtigt.

Stand das vorige Konzertjahr unter Dem Zei­chen Beethovens und hatte es wichtige Aus­schnitte aus seinem Schaffen gegeben, so trat man in diesem Winter besonders für das In- strwnentalschaffen Schuberts ein durch die Aufführung der beiden Symphonien. Die den Höhepunkt in seinem symphonischen Werk ein­nehmen. der »Unvollendeten' iki-Moll) und Der großen ODur-Symphonie. Don Den Kammer-» Musikwerken des Wiener Meisters hörten wir bisher nur das große 6-Dur-Trio: das kom­mende Jahr wird hofsentttch diesem Gebiet noch einen besonderen Raum gewähren und auch das Liedschasfcn voll zur Geltung bringen. Den Ans­tatt dazu hat Hermann Schey (Berlin) mit feinen unvergeßlichen Gaben gelegentlich de- großen Schubertkonzer tes gegeben. Roch harren aber aus Der Zahl von 600 Liedern reiche Schätze der Hebung, insbesondere die großen Liederzyllen: .Die schöne Müllerin" und .Die Winterreise". In diesem Zusammenhang sei noch des un­ersetzlichen Verlustes gedacht, der die Musikwelt betraf, al- zu Anfang dieses Jahres Helge Lindberg. Der große Sänger und Gestalter, mitten aus vollster Schaffensfreude durch Den Tod herausgerisfen wurde. Gerade von feiner feinsinnigen Art der Jnterpretatton hätte man in diesem Schubert-Gedenkjahr reichen Gewinn erhoffen können.

Auch die andern beiden Dnbefterfenterte standen unter einer einheitlich bindenden Idee. Das erfte führte aus der romantischen Welt von Webers Qbcron'-DuDertüre über Schumanns ^-Moll- Klavierkonzert zu Ioh. B r a h m s' meisterlicher C-Moll-Symphonie. während das letzte Orchester- konzert mit Mar Regers Suite im allen Stil, op. 93 Bindungen Herstellle von der Gegenwart hin zur Welt C o r e l l i s. um dann über Mozarts Diolintonzerr zum Höhepunkt im symphonischen Schaffen, zu Beethovens Eroika, hinzuleiten. Schumanns -^-Moll-Konzert fand durch Prof. Friedrich Wührer (Wien) feinsinnigste Äusdeh- tung, während eine der stärksten Geigerpersönlich­keiten der Gegenwart sich C o r e l l i sLa 5oliae

obwohl biete immer wieder und wieder notwendig ift oder gerade weil sie notwendig ist. um Den Anschlußgedanken im Bewußtsein Der Ration und Der Well lebendig zu erhalten. Hoffentlich ist man sich an verantwortlicher Stelle Darüber klar, daß die Zustimmung zu irgendeiner von Herrn Beneich propagierten mitteleuropäi­schen Kombination Den Gegnern deS Anschlusses Vorschub leistet.

Wenn Herr Benesch wie zu erwarten ist. von einer Befeittgung Der Schwierigkeiten rm Handelsverkehr zwischen unseren beiden Staaten redet, mag er sich In Ruhe und ohne Vor­eingenommenheit mit ihm über diesen Fragen- kvmpler auSeinandersetzen Denn er aber mit Dem Argument kommt daß 60 Prozent der tschechoslowakischen Wirtschaft immer noch in deutschen Händen l nd. und daß Darum Deutschland eigentlich aus selbftversländlichen na­tionalen Gründen an deren Wohlergehen inter­essiert ist. muß Darauf hingewiesen werDen, daß er selber mit der Bedrückung Der deutschen Wirt­

schaft in feiner Heimat Schluß machen muß. wenn er für fie mn mehr Verständnis wirbt.

Die überhaupt die Behandlung Der Deutschen in Der Tschechoslowakei für Deuttch- lanD« Haltung zu Herrn Benefch und feinen Wünschen von entscheidender Bedeutung ist. Der Hinweis auf die Mttarbeit zweier deutscher Par­teien in Der Regierung sagt gar nichts Ein Ten Der deutschen Parlamentarier bat es f ü r da- kleinere Uebel gestalten, in die Re­gierung zu gehen, in Der Annahme, daß die Ver­folgung Des Deutschtums auf diese Art wirk­samer zu bekämpfen ist. Ob die Erfahrungen. Die mehr als ein Jahr Deirtfch-tfchechischer Zu­sammenarbeit gezeittgt haben, für diese Ein­stellung der deuttchen Aktivisten sprechen, ist frei­lich lehr die Frage Keine Frage kann es aber fein, daß die Deutschen in Der Tschechoslowakei nicht zwischen zwei Hebeln Das kleinere zu wählen haben. svnDern von allen Hebeln befreit werden müssen, bevor eine wahre Annäherung zwilchen Berlin und Prag möglich ist.

ÄieReichspost als mvdemerMsenbelrieb.

Die große Betriebsreform -er Reichspost. Die neuen Postannahmestellen bei PrivatfirmenMechanisierung und Nationalisierung.

Don Dr. 3flna$ Sauer.

Endlich hat sich Der Rcichspostininister ent­schlossen. den Wünschen des Publikums nachzu­kommen und schon in allernächster Zeit im ganzen Deutschen Reich Postannahme st eilen bei privaten Kaufleuten zu errichten. Zwar besaßen schon bisher ein großes Hotel und ein Warenhaus der Reichshauptstadt je ein eigenes Postamt doch waren dies Ausncrhmesällc. Bon nun an sollen nicht nur alle größeren Betriebe, sondern sogar kleine Läden, die an verkehrsreichen Punkten liegen. Postzweigstellen erhalten, bei denen neben Driesen und Geld­sendungen auch Pakete abgesandt werden können Jeder Antrag, der bei der Reichspost wegen Hebernahme einer Zweigstelle eingehen wird, soll eingehend geprüft werden, und wenn die Post selbst dringend wünscht, in der vorgeschla- gegen Straße eine Vertretung zu besitzen, will sie ihrem neuen Agenten einen bestimmten Zu­schuß gewähren. Außerdem wird die Reichs­post in kurzen Lehrgängen die Angestellten ihrer neuen Agenten, die Den Postdienst versehen sollen, in die Geheimnisse ihres neuen Rebenbe­rufs einweihen, und all die neuen Postbeamten werden auf die Wahrung des Briefgeheimnisses ton der Reichspost vereinigt werden. Zwischen den privaten Annahmestellen und den zustän­digen Postämtern werden dann besondere Ver­bindungen geschaffen werden, um eine schnelle Beförderung der Postsachen zu gewährleisten.

Diese aufsehenerregende Reuerung. die der Oeffentlichkeit völlig überraschend kommt, bildet eine wichtige Etappe auf dem Wege, den die Post seit einigen Jahren zur Reform ihres Ge­schäftsbetriebes eingeschlagen hat. Aber vor- vorläufig sind noch keineswegs all die schönen Singe erreicht, deren Durchführung fich die deutsche Reichspost vorgenommcn hat. Immer wieder hat Der jeweils zuständige Minister da­von gesprochen, daß die Reichspost ihre Kun­den mindestens so gut bedienen müsse, wie ein Privatbetrieb. Wenn sich in den letzten Jahren, in denen die Hmsähe bei der Post dauernd gewachsen sind, zuweilen Mängel und Mißstände ergeben haben, die erst nach längerem Zögern beseitigt wurden, so muß man berücksichtigen, daß es nicht leicht ist. die 295 000 Beamten und Angestellten, die die Reichspost augenblicklich beschäftigt, zu übersehen, und auch die 32000 Telegraphenarbeiter dieses Instituts

und des l)-Dur-Kon,zertes von Mozart annahm: Josef Szigeti.

Dr. Paul von Szent-Györgyi brillierte mit geigerischer Virtuosität (am Flügel Siegfried M e i k) und Lubka K o l e s s a verstand es, die Eindrücke, die sie im Vorjahr mit dem Vortrag von Chopins k-Moll-Klavierkon,zert hinterlassen hatte, erheblich zu oerftärten und erwies sich als eine Klavier- poetin, deren Spiel laute Begeisterung auslöste. Neben Hermann Schey (Berlin), der. wie schon erwähnt, für Schubert eintrat, konnte man Frau Lula Myß.Grneiner (Berlin) als unsere größte gesanglich-deklamatorische Vortragskünstleriu be­wundern. Im Verein mit ihr zeigte sich Dr. Temesoary als berufener Begleiter mit stärk­ster Gestaltungsgabe.

3m Gebiet der Kammermusik trat das Wend­ling-Quartett für Ottorino Respighis Quartetto dorico, eine hochinteressante Neuheit des italienischen Meisters, ein, die von Mozarts C-Dur- und Ioh. Brahms C-'JRoU Quartett um- rahmt wurde. Die Berliner Trio-Dereinlgung (Lydia Hoffmann-Behrendt, Klavier; Professor Gustav Haoemann, Violine, Professor Georg Wille, Cello) gab mit Max Regers k Moll-Trio (zu des Meisters 55. Geburtstage, ihren Höhe­punkt: außer der von Profesior Haoemann ge­spielten Violinsonate von Paul Qraener (op. 56) brachte der Abend noch Schuberts L Dur-Trio

Der Akademische Gesangverein halle sich mit seinen Aufführungen in den Dienst der Kirchenmusik gestellt und bafür Werke aus dem Barockzeitalter gewählt: in der Vorweihnachtszeit hörten wir Heinrich Schützens fruhbarockes Weihnachtsoratorium (in der Bearbeitung von A. Schering) und Ioh. Seb. BachsMagnificaf, in der Passionszeit des Thomaskantors Johannes- Passion". Mir der Gestaltung des Evangelisten- partes in beiden Konzerten erwies sich Äax Meili- München als einer der berufenften 23er' treter seines Faches. Die Sopranpartic führte Emmy o. Stetten in der Schütz Aufführung, Ria Ginster- Frankfurt in der Passion erfolg- reich durch. Für beide Veranstaltungen war Irm­gard Heermann - Gießen als Vertreterin des Allfachs gewonnen worben. Gerbarb Iekclius - Berlin hatte in ber ersten Aufrührung bie Baß- soll übernommen, in ber Passion vergeistigte Alfreb Peter- Sttaßburg ben Christusparl, Karl Rühl (Braunfels) nahm sich ber kleineren Baßstellen an. Der Chor selbst stteg befonbers mit ben Chören der Iohannespassion zu bewundernswerter Höhe.

Die Fülle des Gebotenen, bie hohe Qualität ber einzelnen Gaben zeugen von dem starken Ver­antwortungsgefühl des Konzertvereins gegenüber dem Gießener Musikleben: das erfolgreiche Ge-

können nicht dauernd Daraul überwacht werden, ob sic schnell genug arbeiten. Run will die Reichspost durch st rassere Zusammen­ziehung deS Derwaltungsapparat es cine größere Hebersichtllchkeit schaffen; die Zahl der Obcrpostdirektionen soll von 45 auf 31 herabgesetzt, zugleich aber Den Präsidenten dieser Direktionen eine erhöhte Verantwor­tung auf erlegt werden Auch von der Um- wandlung der 36 Bezirkswerkstätten in fünf Hauptwerkstätten verspricht sich Der Postminister viel, unD die Zusammenfassung Der Fernsprech­ämter größerer Städte zu einem Bezirks - fernsprechamt soll cbensalls eine bessere Detriebsführung ermöglichen - und Gelb sparen helfen.

Dor allem soll jedoch die weitgehende Me­chanisierung. die in allen Postbetrieben durchgeführi wird, die Leistungsfähigkeit der Reichspost erhöhen. In allen größeren Detti-eben werden 'Förderbänder, Rollbahnen, Dleitrohre und Paketrutschen angetoanbt, unD in den letzten Jahren traten in 250 großen Städten und in 120 kleineren Orten Kraftwagen an die Stelle der bisher noch üblichen Pferdefuhrwerke Mehr als 15 000 Fahr- und Motorräder hat die Post allmählich in De trieb gestellt, und in der nächsten Zeit werden vierrädrige kleine Selbstfahrer Die Landpvstst 'klung überneh­men. Mehr als 11 000 Schreib- und Rechenma­schinen. 150 Registrierkassen, über 1000 Stempel- maschincn und 280 Adressiermaschinen hat die Reichspost in den letzten Jahren angeschasst, und 350 große Buchungsmaschinen erleichtern den 'Beamten des Postscheckamtes ihre schwere Arbeit. In enger Zusammenarbeit mit dem deutschen Normenausschuß ist cln GinheitS- apparat für Den Fern sprecher hergc- stellt worden; in kurzer Zeit wird Der Ein - heitStelegraphenapparat eingeführt werden, und im Kraftwagenwesen toirtt die Reichspost dadurch auf eine Verringerung Der Typenzahl hin, daß sie bei Erteilung von De­stellungen ihren Lieferanten enffprecheirde Liefer­bedingungen auferlegt Der neue Einhei ts- briefkasten hat sich In der kurzen Zeit feiner Einführung gut bewährt und wird bald seine altmodischen Vorgänger ersetzen.

Aber nicht nur im Jnnenbetrieb wird moderni­siert, auch bei der Dewältigung Der Verkehrs-

fingen und das Erreichen der gesteckten Ziele ver­pflichtet daher die Gießener Hörer ihm gegenüber zu vollstem Dank. Dr. H.

Deutschlands größtes Landflugzeug.

Vor kurzem wurde von der Deutschen Luft­hansa das ois jetzt größte in Deutschland gebaute Landflugzeug in Dienst gestellt. Es ist eine Maschine Der JunkerS-Flugzeugwerke Dessau mit Der Typenbezeichnung G 31. Diese Maschine ent­spricht in ihrem äußeren Ausbau ungefähr der im dreijährigen Luftverkehr bewährten Dreimo­torigen Junkersmaschine D. 24. Deim Bau diese- ncucn Typs tourDc ganz besonderer Wert auf die Schaffung eines möglichst großen Ruhraumes gelegt, der eine bequeme Hnterbringungsmöglich- keit der Flu^äste gewährleisten soll. Die Ma­schine bietet Platz für 15 Passagiere In den mit allem Komfort ausgestatteten drei. Abteilen. Da die Maschine besonders auf den internationalen Langstrecken und im Rachttlugverkehr Verwen­dung finiten soll, ist die Möglichkeit gegeben, die in den drei Abteilen befindlichen Sessel durch Detten zu ersetzen. Die Anordnung des Flugzeugrumpses ist in folgender Weise vor­genommen: auf Den vorliegenden Führerraum folgt Die Funktabine. in der sich eine Te les unken- lenkte- und Empfangsanlage befindet. Der Sen­der hat eine Antennenleistung von zirka 70 Watt und arbeitet auf einer Wellenlänge von 900 Meter Hieran schließt sich der vordere Frachtraum, der von beiden Seiten des Rumpfes durch je eine große Tür von außen her zu­gängig ist, an. Dann folgen Die drei Flug­gasträume mit Waschraum. Das Handgepäck wird in einem eigens eingebauten Raum unter­gebracht. Sämlliche Räume sind durch Türen miteinander verbunden. Der Fluggastraum, zu welchem man von vorn und hinten durch je eine Tür von außen gelangen kann, eirthält an den Seitenwänden eine Anzahl sich gegen- überstehenkter Ledersessel, während Der Durchgang in Der Mitte frei bleibt. Zwischen je zwei Sitzen find Schiebefenster eingebaut, die durch Kurbeln geöffnet und geschlossen werden fönnen. 3n bexug auf Behaglichkeit übertrifft Die Kabine selbst Den komfortabelsten D-Zugwagen 1. Klasse, so Daß Die Fluggäste in Der Lage stick», auch die längsten Strecken ohne Hnterbrechung im Tag- und Rachtflug zurückzulegen, zumal in den großen und breiten Räumen jederzeit eine freie Bewegung-Möglichkeit gegeben tft.

Das Flugzeug ist mit drei luftgekühlten 3u* Piter-Motoren zu je 420 PS ausgerüstet. Die zu erzielende Gesckstvindigkeit beträgt zirka 170 Kilometer in der Stunde.