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Lied0 Strabburg, o Straßburg du wunder- | schiene Stadt" sang Immer wieder tönte der Rhythmus des Siede» in die Gerichtsverhand- lungen hinein. Ser französische Journalist H es seh. der in dem bekannten Prozeß gegen Haegly eine so grobe Hole gespielt hat. wurde 6ei seinem Sr'ch inen auf der Straße von der Menge bedroht und konnte nur durch den Schuh mehrerer Polizisten tüt ichen Angriffen cntaehen. Während der Gerichtshof über die Festsst-ung des Strafmaßes für die vier Ver­urteilten beriet, fammelten sich die freigefproche- ncn Clläffer um die Verurteilten und erhoben die Hände wie zum Treuschwur. Ihre Worte gingen im allgemeinen Lärm unter. Auf dem GcrichtSsaal lastete eine drückend schwere Atmo­sphäre. Jeder hatte da« Gefühl, daß man eine schwere Stunde in der Geschichte G l - saß-Lothringen« durchlebe. DaS Gericht wird noch beschließen, wo sich die Verurteilten während der fünf Jahre des Aufenthallsver- boteS auszuhalten haben. Wie von der Ver­teidigung mitgeteilt wird, werden die Derurteuten kein Gnadengesuch nach Paris ein reichen; dagegen werden sie innerhalb der vorgesehenen dreitägigen Tirist GinspruchbetmObersten Pariser KasfatlonSgerichtShof g«sen da« Urteil erheben. Die fretgesprochenen Glsaiser verlaßen noch im Laufe deS heutigen Abend« daS Gefängnis, bi« aus die beiden Angeklagten Vaumann und Kohler, die wegenSpro- nageverdacht« weiter in Haft bleiben, protesikundgedungen in Eolmar.

Colmar, 25 Mat. (WTB. Funkfpruch.) Aach Verkündung des Urteil« fand gestern abend im hiesigen Katharinensaol eine durch Umhertragen von Plakaten einberufene P r o t e st v e r s a m ni- lung gegen da« Urteil Im Colmarer Autono- mistenprozeß statt, In der sämtliche D er - leidiger der Angeklagten und die beiden Abgeordneten Veron aus Diebenhofen und Dahlik au« Jabern da« Wort ergriffen. Die inzwischen au« dem Gefängnis entlassenen Schlägel, ^auf). Schweitzer und Agnes G g g e m a n n erschienen, von der Menge jubelnd begrüßt, ebenfalls im Saal. Aach Schluß der Protestversammlung, in der aus- driialich davor gewarnt wurde. Unvorsichtigleiten zu begeben, zogen, wie der .Elsässer Kurier meldet, die meisten Versammlungsteilnehmer vor die Wohnung des General st aats- anwalt« Fachot.die bereits von einer star- len Gendarmeriepatrouille bewacht wurde. Die Menge brachte auf verschiedene Weife ihren Unwillen über das ausgesprochene Urteil zum Au-druck. Aach Mitternacht war da« Strahen- bild wieder vollkommen ruhig.

Berliner Kritik.

Berlin. 25. Mai. (Sil.) Da« Urteil im Autonomistenprozeh in Colmar hat die Berliner Blätter zu ausführlichen Besprechungen veran­laßt. Die ..Germania" stellt fest, daß Frank- reich die Ungeschicklichkeit der Aufrollung dieses überflüssigsten aller Prozesse bei der Urteil«- sprechuna noch Überboten habe, anstatt die Gelegenheit wahrzunehmen, rechtzeitig den Rück­zug anzutreten. Wenn man geglaubt habe, dieses Urteil dem Prestige Frankreich« schuldig gewesen zu sein, so werde man sich wobl bald überzeugen können, daß keine« je seinem Prestige größeren Schaden zugefüat habe. - DieTägl. Rundschau" schreibt, daß der Colmarer Prozeß mit einer Derurteiiuna der ' Angeklagten enden würde, hab' "iemanb 6e- > zweifelt, der da« Walten der französischen Justiz beobachtet habe. Die Dokument aer Anklage T hätten sich als jeder Beweiskraft für die Beschuldigungen der Anklageschrift bar er» t wiesen, aber wenn die Angeklagten sreigesprochen wären, so wäre die Pariser Regierung de« Herrn Poincarö mit ihrer Autonoinistenverfolgung bi« aus die Knochen blamiert gewesen und da- hätte unter allen Umständen vermieden werden müssen. Der ..Lok. -Anz." sagt, dem Generalstaalsanwall sei e» vor allen Lingen um den Nachweis ju tun gewesen, daß die elsässische heimatbcnregung nur eine Mache mit hilse deutschen Geldes gewesen fei. Der vewels sei kläglich jufammengebrodnu. Dagegen habe der Prozeß klar erwiesen, daß die elsässische heimatbewegnng ohne jeglichen Einfluß von außen frei aue den) Volke her­aus al» natürliche Folge der französischen

Politik entstanden sei.

DerT a g" nennt daS Urteil ein politische« Fehlurteil, und sagt, man habe sich in Frank­reich auf die Autonomistenhehe so feftgelegt, daß da« Gericht au« politischen Gründen zu einer "Verurteilung wenigstens der bekanntesten VoUämpfer dec elsässischen Heimalrechtler kom- men zu müssen glaubte. DieBörsen- zeitung" sagt, dec rein politisch geführte Pro­zeß habe mit einem krassen politischen T e n d e n z u r t e i l geendet. Zwischen dem Hei­mattreuen Elsaß - Lothringen und Frankreich bleibe diese« Hasturteil bestehen, da« juristisch ein Fehler und politisch ein ungeheuer­licher Mißgriff sei. dessen Auswirkungen noch nicht zu übersehen sind. Der Wahnwitz von Colmarl - Die ..DAI" schreibt: Von Colmar und von heute an datierte ein neue« Ka- bild elsaß-lothringischer Geschichte. Der Rist, der unheilvoll zwischen Frankreich und seinen ..befreiten" Provinzen klaffe, sei zehn Jahre nach dem Frieden roh und sinnlo« erweitert worden. Keine Kassation de« Urteil«, keine nachträgliche Begnadigung werde diesen Zusammenbruch der Legende vornglücklichen französischen Glsaß- Lv! bringen" mehr wieder gutmachen können.

Vie Kammermandaie der Verurteilten.

Paris, 25. Mai. (WTB. Funkspruch s3our- nal behandelt die Frage, ob die gestern Abaeurteik« ten und zu Abgeordneten Gewählten, Dr. Nicklln und Elasts, Ihrer Mandate für v e r I u st I g erklärt werden können. Das Blatt lagt: Da ihnen die bürgerlichen und die politischen Rechte nicht abgesprochen wurden, muß die Kammer selbst sich äußern. Denn fk ihre Wahl genehmigt, dann müßen die Abgeordneten ihr parlamentarische» Mandat auch ausüben können, wenn aber unter dem Vorwand, daß die Wähler non den Erklärungen der Kandidaten getäuscht wor den seien, dle Kammer die Gültigkeit Ihrer Wahl verneinen würde, würde eine Neuwahl ausge­schrieben werden und für diese Neuwahl könnte natürlich sowohl Rlcklin wie Roße, da ihnen die bürgerlichen Rechte nicht abgesprochen worden sind, wiederum kandidieren. Man nimmt in un

terrichteten Kreisen an, daß sie in diesem Falle auch wieder kandidieren werden.

Geteilte Meinung in Pans.

Pari«. 25. Mai. <WLD. Funllpruch ) Da« Urteil von Colmar wird von den meisten Dlät- tern gebilligt. Sie sprechen - wie ,Matin" von einer großzügigen Mild« der Ge­schworenen auf Veranlassung de« Gericht« und hoffen, daß diese Mäßigung der Vor­bote einer Aera der Entspannung und der Einigkeit sein werde. Einige Blät­ter dagegen werden nachdenklich und stellen die Frage: War es geschickt, diesen Prozeß zu führen? So schreibt .Oeuvre": .Man muh sich vor den Beschlüssen der Dolksjustiz beugen. Wir beugen uns, ohne zu begreifen. Wir be­greifen um so weniger, al« das Colmarer Urteil nicht gesprochen, sondern von dem General­staatsanwalt selbst suggeriert wor­den ist. Der Staatsanwalt hat drei Wochen lang versucht, den Geschworenen die Ueberzeu- gung beizubringen, daß die Beschuldigten Verräter an Frankreich. Agenten Deutschland« seien und alle« das, um ein Jahr Gefängnis zu fordern. E« ist zu befürchten, daß die Beschwichtigung ganz und gar nicht bei dieser Politik der Geschworenen auf ihre Rech­nung kommt. Für ihre Freunde sind Ricklin und Genossen von nun an Märtyrer der Sache de« Elsaß." - Diese gleiche Ansicht vertritt auchVolon", die erklärt:Die Geschwore­nen haben sich in Widerspruch zu dem Volke gesetzt, von dem sie auSgehen." Die kommu­nistische .Humanitö" schreibt:Der Urteil«- spruch von Colmar löst nicht da« Elsässische Problem. Im Gegenteil, er gibt dem von den Arbeitermassen Slsatz-Lothringen« unternomme­nen Kamps gegen den französischen Imperialis­mus nur neuen Antrieb." ^>ie rechtsstehenden Blätter suchen das Urteil dadurch schmackhaft zu machen, daß sie den Verurteilten separa- tistische Tendenzen unterschieben, wa« der Prozeß bekanntlich nicht beweisen konnte. Gustave Herve schreibt in seinem Organ, derTie­to l r e":Ich erneuere meine Glückwünsche an die Regierung Poincarö-Herriot-Sarraut-Pain- leve, daß sie diesen einfältigen Prozeß hat einleiten lassenl"

'Die phosgenkaiastrophe und der Versailler Vertrag.

Das Urteil eines französischen Lachvcrstänvigen.

Pari«, 24. Mai. (WTB.) Der frühere Sach­verständige für chemische Fragen in der inter­alliierten mtntäriM'en Kontrollkommission in Berlin, jetziger Chefingenieur Henri) M u r a o u r, nimmt im .Malin' Stellung zu der Hamburger Grvlosion. Seine Aeußerungen sind eine einwand­freie Antwort auf die Hetze, die gewisse nationalistische Blätter bereits gegen Deutschland einzuleiten versuchen, um zu dem allen längst verbrauchten KlischeeDeutschland ist nicht entwaffnet", zurückkehren zu können. Er schreibt: Die Herstellung von Phosmrn für industrielle Zwecke In einem kleinen Maßstab ist nur in drei Fabriken gestattet. Die eine ist In Ludwigshafen, die andere In Lever­kusen und die dritte in DreSden-Radebeul. Die Vorräte an giftigen chemischen Erzeugnissen, die Ende de« Kriege« in Deutschland vorhanden waren, waren im Lager von Dreloh bei Han­nover gesammelt worden. Diese Vorräte wur­den zum größten Teil auf Anordnung der interalliierten Militärkommission vernich« t e t, gewisse jedoch, die geeignet waren, in chemischen Fabriken verwertet zu werden, von Industriellen, insbesondere von Dr. Stoltenberg gekauft. Die Hamburger Explosion ist nun gerade in der chemischen Fabrik dieses Dr. Stolzen­berg erfolgt. Es ist also höchstwahrscheinlich, daß daS In Hamburg eingelagerte Phosgen e i n Re st bestand au« den Ende de« Kriege« in Breloh vorhanden gewesenen Vorräten ist. Aach gewissen Aachrichten soll dieses Phosgen für die Ausfuhr bestimmt gewesen fein. Hier ist zu bemerken, daß, wenn Deutschland auch nicht das Recht bat. giftige chemische Erzeugnisse zu erporlieren. dieses Verbot weder Chlor noch P h o sg e n betrifft, die in der In­dustrie Verwendung finden. Dr. Stolzenberg ist also, falls er PhoSaen auSsührte, v o l l k o m - men in seinem Recht gewesen. DaS Dor- hanbenfetn dieser PhoSgenvorräte in einer Ham­burger Fabrik beweist also keineswegs, daß Deutschland gewisse giftige Erzeugnisse ber­ge ft c 111 Hal. Muraour weist noch darauf hin, daß ihm während seiner Tätigkeit in der inter­alliierten Kommission zahlreiche Denun­ziationen über die angeblich heimliche Her­stellung giftiger chemischer Stosse zugegangen seien. Trotz sorgfältigster Aachprüsung habe sich keine einzige dieser Anzeigen als stich­haltig erwiesen.

Das Zeugenverhör im Donez-Prozeß.

M o s k a u, 24. Mai. (WB.) Der Schachttz-Prozeh beginnt einen politischen Charakter anzunehmen. Der Gerichtssaal ist bei der heutigen Verhandlung bi« auf den letzten Platz gefüllt. Zu­nächst wurde der Zeuge Sijow vernommen: ein Arbeiter, der, wie sich auf Befragen des Cerleibi gers herausstellte, sechs Monate lang bei der G. P. U. Dienste geleistet hat. Der Zeuge vermag auf die Frage des Verteidigers, war­um er Im Jahre 1923, als er der G P U. angehörte, nichts von dem illoyalen Verhalten der Angeklagten Beresowski und Hanoilow ausgefagt habe, keine Auskunft zu geben. Uebrigen» hat der Vorsitzende, jetzt wlederhost angeorbnet, daß Aeußerungen rus­sischer Angeklagter, soweit sie ben Jntereßenkreis der Deutschen berühren, durch Dolmetscher i n s Deutsche übertragen werden. Babstle. b c r hat infolgebeßen Gelegenheit, persönlich zu er­klären, daß er weder Sanollow noch an­dere Angeklagte, die der Sabotage mit Aus> ländern verdächtigt seien, kenne. Sanollow er­klärt, daß der ibn und Beresowski schwer belastende Zeuge Ihm einst gelegentlich einer ihm erteilten Rüge gesagt habe:Die Heil wirb kommen, wo ich mich rächen werde." Die Aussagen des Zeugen hinsichtlich einer Fühlungnahme der Angeklagten mH ben Weißgardisten gründeten sich zum größten leit auf Hörensagen. Sin alter Freund (eines Vaters habe Ihm geraten, H-*) vor den Weißgardisten I in Sicherheit zu bringen. Man habe darüber verhalt- ' beit, welche Arbeiter ben Weißgardisten ausgelie­

fert werden sollten, aber der einzige Beweis des Zeugen Sisow sei seine Aussage. Ein Beweis, daß Badstieber mit Sanotloro überhaupt nicht gespro­chen ober verhandelt haben kann, ist, daß Ladstie- ber nur deutsch und Sanoilow nur ruf* lisch sprechen kann.

Verbot deS Cavett.MIms in Australien.

Melbourne. 24 Mai. (WV.) Prcmiermini. ster Bruce teilte mit, daß die auftralische Ne­gierung beschlossen hab«, die Vorführung des da« vell-Films in Australien zu verbieten, und erklärte, bie Vorführung biefes Films würde un­vermeidlich eine neue Kontroverse eröff­nen und ben internationalen Haß, der nach dem Kriege geschwunden fei, wieder entfachen.

Aus den Ausschüßen des Hessischen Landtags.

Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages er­ledigte am Donnerstag das gesamte ihm oorlie- genbe Programm. Die Negierungsvorlaae über die Herstellungsarbeiten am Gesandlschaftsae. bäube in Berlin im Betrage von 6000 Mark wirb angenommen. Auf eine Eingabe ersucht der Ausschuß die Neaierung, im nächsten Voranschlag für die Aufbesserung ber Organisten- Bezüge In Hessen Sorge zu tragen. Ein Antrag auf Bereitstellung von 20000 Mark für ausge- wiesene hessische Ostfiedler wird ange­nommen. Ein kommunistischer Antrag, die Regie- rung möge Pfändungen bei notleidenden Klein­bauern aussetzen, wird von der Neaierung dahin beantwortet, daß sie, soweit ee überhaupt möglich ei, Entgegenkommen zeige Der Antrag selbst Der- ällt der Ablehnung. Verschiedene Anträge auf Ein- tufung der Stadt Friedberg in eine höhere Ortsklasse werden zurückgeslellt, weil einzelne Um­gruppierungen nicht möglich seien und die Reichs­regierung bereits erklärt habe, daß demnächst eine allgemeine Neuregelung des Ortsklassen­systems Dorgenommen wird. Hessen steht bekannt­lich auf dem Standpunkt, für Hessen nur eine einzige Ortsklasse zu bilden. Die Regie- rungsoorlage über die Regulieruntzsarbeiten an Nidda und Nidder, wird einmütig angenom­men. Außerdem lagen zahlreiche Eingaben auf Un­terstützungen, Höherstufungen ober Anstellungen von Beamten und Privaten vor, die entsprechend der Regierungsantwort für erledigt erklärt wurden.

Der zweite (Gesetzgebung«-) Ausschuß beriet am Donnerstag die Regierungsvorlage über die Ergänzung zum G e mei n d e w a h l ge s e tz. Hier hatten zahlreiche Landbürgermeister, die kurz vor Inkrafttreten des neuen Gesetze« ge­wählt worden waren, gewünscht, daß auch sie auf die Dauer von neun Jahren für gewählt erklärt werden möchten und nicht nur wie jetzt für sechs Jahre. Die einzelnen Frak­tionen sind sich über ihre Haltung noch nicht ganz klar: der Ausschuß stellte daher die Ab­stimmung bi« zum 4. Juni zurück. Zahlreiche Eingaben auf Rtederschlagung von Strafver­fahren, Befreiung von Shefcheidungsvorfchriften oder Straferlassen werden gemäß der Regie- rung-antwort für erledigt erklärt.

Der PetitionSausschuß stellte bie Be­ratung de« volksparteilichen Anträge« auf Wiedereinführung de« Ehrenzei­chen« für LebenSrettung in Hessen zu­rück und erklärte zahlreiche Eingaben durch die Regierungsantworten für erledigt. Der kommu­nistische Antrag auf Abschaffung deS Schu lgebete« in allen hessischen Schulen wurde gegen drei Stimmen abgelehnt. Mit 4:3 Stimmen lehnte der Ausschuß einen Antrag auf Aufhebung der Karenztage bei Arbeitslosig­keit ab. Ein Zentrumsantrag wegen der Ein­stellung von Arbeitern in die staatlichen Forst­betriebe wird ebenfalls durch die Reaierungs- onttoort für erledigt erklärt, die darlegt, daß die Frage nach der Zugehörigkeit der Arbeit­suchenden zu einer Arbeiterorganisation nicht von Ausschlag bei ber Einstellung sei.

Aus aller Welt.

Die Jlorbpolfltefler in Oslo.

Die Flieger Wilken« und E i e l f o n. die den Flug AlaskaSpitzbergen durchgeführl haben, trafen mit der Eisenbahn von Bergen kommend in Oslo ein. Vor dem Bahnhof und auf den Straßen hatten sich große Ulenden- mengen angesammelt, die den Fliegern einen begeisterten Empfang bereiteten. Beide Flieger hielten von dem Balkon ihre« Hotel« au« Ansprachen und dankten für die ihnen be­reitete herzlich« Begrüßung. Sodann begaben sie sich im Automobil nach dem Hause Amund - s e n « . wo ein Empfang ftattfand. Anschließend daran nahmen die Flieger an dem ihnen zu Ehren gegebenen Frühstück, zu dem der ameri­kanische Gesandte eingeladen hatte, teil. Abend« fanb ein großes Bankett statt.

vor dem Rofelenflug.

Die Raab-Katzen st ein-Flugzeug- toerle haben mit dem Bau des Raketenflug­zeuge« ..GraSmücke" begonnen und hoffen, in 14 Tagen bi« drei Wochen zum ersten Fluge starten zu können. In diesen Tagen wird Ingenieur Sander in Kassel erwartet. Er soll genau« Berechnungen über das Gewicht der Rakete, ihre ErplosionSkraft und ihre Hitze- entwickluna anstellen, auf die bei der Konstruk­tion des Raketenflugzeuges Rücksicht genommen werden muß.

Professor Junker» Ehrenbürger von Dessau.

Der Dessauer ®cmcinbeiat hat au« Anlaß des geglückten Ost-West-Fluge« und der heute erfolgten Fertigstellung des 1000. Flugzeuges den Besitzer der Iunkerswerke und Schöpfer be« DanzmelaNflugzeuges, Professor Dr. Junker«, zum Ehrenbürger ernannt und ihn zu Ehren eine Straße .I u n k e r S st r a h e" benannt Bür­germeister Hesse richtete ein Glückwunschtele­gramm an Professor Junkers nach Reuyork.

Ernennungen jur Historischen Re ich» kom Mission.

Der Herr R e l ch » p r ä s i b e n t hat für bie Dauer von drei Jahren ben Geheimen Regierung», rat Professor Dr. TOeinede in Berlin.Dahlem zum Vorsitzenden, den Geheimen Hofrat Profestor Dr. 0 n d e n in München zum ersten fleflvertreten- ben Vorsitzenden und ben Geheimen Hofrat Prof Dr. Brandenburg in Leipzig zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden ber Historischen Reichskommission ernannt.

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Die über Mitteleuropa lagernde Druckstörung bat sich mit weiterer Vertiefung oftroärt« nach Pole« verlagert. Die kühlen Luftmassen an ber Rückseite führten zu Barometeranstieg Im Bereich eines Zwischenhochs, bas sich von Norden her noch Lüben bi» nach Frankreich erstreckt, hat sich bie Wetterlage etwas freundlicher gestaltet, vielfach nebelige», rooL kiges Deller mit Aufheiterung, wobei e» aber noch lum Auftreten geringer Nieberschläge kommt, be­stimmen den Ditterungscharakter. Mit einer zuneh­menden Erwärmung ist noch nicht zu rechnen.

Vorhersage für Sam »log Teils wolkig. teils aufheiternd, mit stärkerer Erwärmung, Rach' lasten der Niederschläge.

Lufttemperaturen am 23. Mai: mittag» 1W Grad Celsius, abends 8,4 Grad Telsius. ow 24 Mol: morgen» 9,1 Grab Telsius. Tlaiimutn 14 Grad Cekfnis, Minimum 7 Gmd Telsius. Erbtemperaturen am 23 Mai abends 133 Telsius: am 24. Mal: morgen» 10,6 Trab Celsius.

Aus der provinzialhaupistadi.

Gießen den 25. Mai 1928.

Oie Gießener Studentenhilfe im Jahre *1927.

Der Vorstand der Gießener StudentenhUfe hat soeben ben Tätigkeitsbericht der Gie­ßener Ltudentenhi 1 s e sür da« Jahr 192Z erscheinen lassen Der Bericht gibt in viel­seitiger Weise Auslchluß über die verdienstvolle soziale Arbeit, die hier zum Besten der wirt- chasllich schwer ringenden Studierenden unerer Landcsuniversität acl istet wird. Bedauerlich ist allerdings die Feststellung de« Vorstandes, .daß das tatkräftige Interesse bei manchen Stellen, die sicherlich zu geben woh'. in der Lage wären, sehr geschwunden und infolgedessen eine Abnahme de« Spendenpostrns auf der Einnahmeseite zu bemerken ist." Da« Rachlasfen freier Unter­stützung durch Handel und Industrie erklärt sich der Vorstand der StudentenhUfe nur mit der wirtschaftlichen Rotlage, in der sich heute die'e Firmen unter dem Drucke der Verhältnisse be­finden. Den Freunden und Fixerem der Gießener Studentenhllfe wird im übrigen herz­licher Dank abaeftattet sür ihre hochherzige Unterstützung dieser VereinSarbeir.

Heber die Ttudentenspeisungen wird milgeleilt. daß im Jahre 1927 insgesamt Z9 9D9 Portionen Essen, und zwar 56 457 Mittage' en und 23 452 Abendessen, verabreicht wurden. Die'e Teilnehmerzahl an den Speisungen hält sich auf der Höhe der Beteiligung im Jahre 1926. Der Bericht beziffert die Ersparnis der an den Speisungen teilnehmenden Studenten gegenüber den an anderen Stellen notwendigen geldlichen Aufwendungen für Beköstigung im Verlaufe bet Berichtsjahre« auf über 23900 Mark. Die Früh­stücksstube befand sich im abgelaufenen Jahre immer noch in dem unzureichenden Raume der Universität. Die Studentenschaft hat einen An­trag auf Zuweisung eine« entsprechenden größe­ren Raumes bei dem Rrktor at der Landes Uni­versität mit der Bitte um Weiterleitung an da« Landesamt für daS Dildungswesen gestellt. Die günftiae Aufnahme dieses Gesuche« lasse eine vorteilhafte Aenderung erhoffen.

Das StudentenwohnhauS Sgerheim könnte nach den Angaben des Bericht« noch div mal so groß sein imd würde trotzdem nicht ausreichen, um alle billige Unterkunst suchenden, begabten unb würd grn Kommilitonen aufzuneh­men. Des Mißverhältnisses von Angebot und Rachfrage wegen kann die ^Ibsicht der Stubenlen- Hilfe. Einzelzimmer einzuiieoten, noch nicht durch­geführt werden. Das Zusammenleben der Kommi­litonen war äußerst harmonisch und hat nie zu irgendwelchem Eingreifen der Studentenhilfe Veranlassung gegeben, obwohl junge und ältere, k>rporierte und nicht torporierte. auslanddeulsche und rei«chsdeutsche Äommilitonen zusammen woh­nen. Die im HaupthauS de« Egerheim« ein­gerichtete Wäscherei war recht gut beschäftigt, starke Inanspruchnahme hatte auch die angeglle- derte F l i ck st u b e aufzuweisen. Die Gärt- nerei mußte in ihrer räumlichen Ausdehnung aus wirtschaftlichen Gründen eingeschränkt wer­den. Heute sind nur noch etwa 3 Morgen In gärtnerischer Bewirtschaftung. Der Bedarf an Genmse für die Studentenspeisung wird durch diesen Därtnereibetrieb gedeckt.

Beim A r b e i Kamt, da« sich für die arbeit­suchenden Kommilitonen um Werkstudenten stell«, bemüht, bewarben sich in den Osterferien vorig« Jahre« 11 Kommilitonen um Arbeit, fünf davon konnten in der Industrie oder in bet Landwirt­schaft untergebracht werden, zwei wurden in der Gärtnerei der Studentenhilfe beschäftigt, einem konnte man Nachhilfeunterricht vermitteln. In den Sommerserien bewarben sich 21 Studenten

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Donnerstag, den 2** Mai

8 * abends 1928---