Es zogen drei Burschen wohl über den Mein ....
Roman von (Erica Grupe-Lörcher.
53 Fortsetzung Nachdruck verboten.
Plötzlich hörte Melusine halblaut hinter sich ihren Namen nennen. Sie wandte sich zurück. Fritz Wen- «r stand vor ihr. Seine guten, ruhigen, warmen Augen suchten die ihren. Er bot ihr die Hand und hielt sie sekundenlang warm in der seinen umschlossen. Die ganze Trauungszeremonie über hatte er unter dem einzigen Gedanken gestanden: Würde das Schicksal wirklich von so furchtbarer Härte gegen ihn sein, daß er binnen wenigen Wochen Melusine hier an der Stelle ^nettes am Arme Bouoiers, am Altar sehen muhte?
Er allein hatte vielleicht hier im Gewühl der Gäste und der Gratulanten Melusine schärfer ins Auge gefaßt und mit dem ahnenden, wachen Blick des Liebenden gesehen, wie unter ihrem höfli^n Lächeln ein verhüllter Schmerz lag, wie ihr Lächeln nur ein verirrtes war. Sie beide hatten sich gestern morgen zuletzt gesehen, als sie beide Raymond zur Abfahrt von Straßburg zum Bahnhof geleiteten. Den letzten Liebesdienst hatten sie beide ihm erwiesen.
Jetzt, bei dieser Begegnung zwischen all den höf- lich-lächelnden. festlich geputzten Gästen dachten beide einen Moment an den Fernen. An den Bruder, an den Freund. Wenger sah, wie Melusine plötzlich mit ihrer inneren Erschütterung kämpfte. Er zog sie sanft an der Hand, die er noch in der seinen gehilten, etwas in eine Ecke der Sakristei aus dem Schwarm der andern. Sie wandt« den Gästen den Rücken und hob den Blick zu Wenger.
„Daß Raymond mir das antun tonnte!" sagte sie sehr leise und mühte sich vergeblich, ihre Sti nme zu festigen. Da schoß ein heißer Strom von Hoffnung in ihm auf. Er fühlte, er mußte ihre weiche btimm-ung nutzen.
In seiner großen, breitschulterigen Stattlichkeit, die sich nur mühsam in den konventionellen Gehrock zwängte, sagte er, etwas entgegen geneigt, zu ihr herab: „Daß Sie ihm das antun konnten, Melusine ...?"
Don drinnen aus dem Hauptschiff der Kirche drang rauschend das Orgelspiel des Organisten, der
noch während de« Cercfee ht der Sakristei weiter» spielte. Die majestätischen, brausenden Klänge voll erhobener Melodie ergriffen sie. O, was war doch das Spiel von Jean Paul Bouvier im Grunde so vergänglich, so irdisch, so menschenklein. So -ern allem Großen und Erhabenen. Hatte sie ihn je ein großes Werk spielen hören? Rur Saint-Saens, Gounod, auch Bizet, dann die italienischen Komponisten. Ader die axltentrürfte Schönheit der Sonate pakhätique von Beethoven, die edlen hellen Linien eines Mozart? Oder eines Wagner? Nie- mals! hätte Bouvier ausgerufen.
Aber was konnte er im Grunde gegen feine Natur? Gegen die Art, wie das Schicksal nun ein
mal seine Persönlichkeit geformt! Die Hauptsache blieb immer, daß sich der Mensch zum Menschen
sand. Und er liebte sie ja so sterblich, so stürmisch,
sie war sein Alpha und fein Omega geworden — immer wieder versicherte er ihr das!
Und doch — diese brennende Unruhe, die er immer wieder In ihr emporjagte! Oh, es war ein so unwürdiger Zustand! Und dem nun ein Ende bereiten, indem sie ihre Zustimmung zur Veröffentlichung ihrer Wahl gab und ihm als Weib folgte?
Sie sehnte sich nach Ruhe. Nach einem Halt. Nach etwas liefern, Gutem, Verständnisvollem, in das sie sich verankern konnte. Gerade angesichts ihrer Abneigung, die sie gegen diesen Schwarm läch?l"der, plappernder, oberflächlich konversieren der Menschen empfand.
»Fritz, wenn nachher während des Abends sich eine Gelegenheit bieten würde, daß ich mit Ihnen in Ruhe ein Wort abseits sprechen könnte?" fragte sie dann hast g. Das Herz schlug ihm plötzl.ch schwer ud dumpf bis zum Halse hinauf. Ahnte sie etwas von alledem, was er wußte — und — was er ihr sagen mußte? Sie sah ihm forfd)enb, bittend in die Augen. Ihr Vertrauen hob ihn innerlich empor, wie eine beseligend starke Woge.
Vertrauen? War es n>cht der erste, der edelste, der selbstverständlichste notwendige Schritt — zur Liebe?
„Verfügen S'e über mich, Melusine!" erw'derte er jetzt schnell, da rings eine Unruhe ausbrach und eine Anzahl der Gäste zur Seite trat, um dem sich verabsch edenden Brautpaare Platz zu machen. „Ich bin imm"r für Sie do, und Ihr Vertrauen mecht mich glücklich!"
Draußen vor den Toren Straßburgs hatte sich das Schloß der greifen Baronin Hammerfchlag
feit Jahrzehnten zum ersten Male wieder zu einem Feste gerüstet! Die weißen Hüllen waren rings von kostbaren Mvbeln in den Staats- und Emp- fangsraumen gesunken, die herrlichen Pcndulen in altfranzvsischer Kunst begannen wieder ihren leisen, feinen Pendelschlag in Gemeinschaft mit der kleinen goldenen Rokotouhr, die aus dem Kaminsims des Wohnzimmers stehend, allein hatte weiter ticken dürfen,--Jahr um Jahr, im langsamen
aber unaufhaltsamen Vorwärtsrücken das Sch.ck sal der greifen Schloßherrin aus den Jahrzehnten des Grollens hinaus in diese neue strahlende Zeit mit dem Siege Frankreichs begleitend!
Seit langen Jahren öffnete sich der langgestreckte Speisesaal, der vom Kuppelbau in der Mitte ab fast die ganze eine Hälfte der langgestreckten Vorderfront einnahm, wieder, und zeigte auf seidenweichem Damasttuche das ganze kostbare alte Famil ensilber, allen Reichtum an edlem Kristall und Porzellan, an einer langen Tafel, an die sich oben eine kleinere Quertafel anschloß. Duftiges Zwe gwerk rankte sich in schmaler feiner Girlande um die Teller, vermischt mit den kleinen zierlichen Blüten weißer Margueriten und Narz ssen. Weiße alabastergleiche Rosen schwankten in flachen Sri- stallscyalen. Alles war eine Sinfonie in Weiß, in Silber und mattglänzendem Kristall.
Die alte Baronin Hammerschlag hatte als erste unmittelbar hinter dem zweisitzigen Coups des jungen Brautpaares die Kirche verlassen und war in ihr Schloß hinausgefahren, um als Hausherrin nun die Gäste zu bewillkommnen. Ihre Tochter Helene beg'eitetc sie wieder. Die Fahrt verlief sehr schweigsam. Baronin Helene gedachte ihrer eigenen Hochzeit, und wie still jenes Fest gewesen war, unter der harten Ablehnung ihrer eigenen Mutter, da sie einem Preußen die Hand gereicht. Sie dachte daran, wie der Geist ihres Gatten in seinem Sohne nun wieder aufgewacht war, wie das deutsche Blut, das Raymond von seinem Vater empfangen, in ihm sich jetzt zu regen begonnen und ihn mit verwundetem Herzen von der eigenen He-mat fort- getrieben, weil diese ihm jetzt zur Fremde geworden roar. Und sie dachte daran, wie der unselige Zwiespalt der nationalen Empfindungen in ihrem Geschlechte nicht mehr zur Ruhe kommen würde—!
Wahrend Baronin Helene sich noch unter den Händen der Kammerfrau ihrer Mutter zur Ge- sellschnftstoilette umfrisieren lleß, schritt die alte Schloßherrin, auf ihren Krückstock gestutzt, vorne
langsam von Zimmer zu Zimmer. Der alte Iac gues überprüfte nochmals zum Schluffe den Speise faal.
„Du hast deine Sache gut gemacht, mein Alter," lobte sie, „man sieht, es hat dir Freude bereitet, das alles heute herzurichten!"
Er lächelte mit der diskreten Höflichkeit, die er sich in feinem langen Domestikenleben zu eigen gewacht. In den dunklen Augen unter den buschigen schneeweißen Brauen stand ein Leuchten: „Es hat Madame viel Mühe und Umstände bereitet, so an die sechzig Gäste im eigenen Hause! Aber — es ist doch etwas anderes Madame, etwas Standesgemäßeres, als wenn die Herrschaften heute irgendwo in einem Hotel an einer Gasthaustafel säßen!"
,Ha, nun haben wir wieder einmal eine junge Baronin Ha mm erschlag in der Familie, Jacques," meinte sie sinnend, und dann setzte sie schmerzlich hinzu: „Wer weiß, ob ich je meine andere Enkelin mit Augen sehen werde?"
Der alte Jacques ließ einen bekümmerten Blick über das letzte silberne Flaschenbricken gleiten, das er noch in seiner weißbehcmdschuhten Hand hielt, um es aufzusetzen. „Ja, Madame, daß wir den jungen Baron Raymond verlieren mußten, — für die ganzen Traditionen der Familie von Madame ...!"
Sie senkte das Haupt. Draußen war ein Herrli.-her klarer Wintertag aufgestiegen. Glitzernd sprangen die Sonnenstrahlen über die verschneiten alten Bäume des Parkes und fielen in langen zitternden strahlen in den Saal. Der reiche Prismenbehang des großen Kronleuchters blitzte in tausend winzigen bunten Fünkchen auf. Ein Sonmenstrahl lag auch auf dem weißen Scheitel.
„Ja, daß wir den verlieren mußten ... an dieses kleine Preußen!" — sagte sie im Gedankengang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts heraus, in denen sie die härtesten Schicksalsschläge ihres Lebens empfangen hatte, „an dieses kleine Preußen, — das wir nun endlich wieder nieder - gerungen haben!"
Draußen klang ein Rattern und Rauschen aus der Landstraße. Die ersten Gäste kamen. Die greife Baronin richtete sich auf. Niemand sollte ihr heute den geheimen Kummer anmerken. Und in starker Selbstbeherrschung war sie wieder die Dame der großen Welt.
Fortsetzung folgt.)
Wenn Sie klug sind tieben Sie nichts auf äußere Ausstattung, denn nicht Äußerlichkeit und preis - der innere Wert - entscheidet. Mik den echlen Kelchel-Enenxen bereiten Sie sich Ihre Liköre, Ärannttyeine etc. zu Hause für halben Preis selbst und misten was Sie trinken. In Vieser Erkenntnis wurden schon Millionen Überzeugt. Reichel-Estenzen sind der Extrakt der gleichen echten llrstoffe, aus denen auch die teuersten Liköre bestehen und vereinen so Qualität mit Billigkeit. Erhältlich in Drogerien und Apoth., echt aber nur mit Marke „Lichtherz". Or. ReichelS Rezeptbüchlein daselbst umsonst oder kostenfrei durch Otto Reichel, Berlin SO,Ebenbahnitr.<
TMutaftarse Geldlosbriefe
mit so artige n Gewinnentscheid
ISOOOMtßsIdgewImie Losurlefe nur 50PL dasStüc». versendet A. Dinkelmann /Worms Postscheckkonto 151"4 Frankfui t 3. M. Bier bei: Staatl.Lotterie-Einnehmer Flimm außerdem bei: Ta. J.Adam,L.BUert,Konr.
Emmerich, L. Joost, Herrn. Kuhl, S. Loeb, Friseur Lot«, Ella Renier Wwe., Willi.
2127es Sammler, tVllh. Weber.
Frankfurt a.M Pferde-Märkte
27. Februar, 26. März, 23. April, 21. Mal, 18. Juni. 16. Juli, 20. August, 1. Oktober, 10. Dezember.
Durchschnittlicher Auftrieb 1000 Pferde aller Rassen, auch Schlachtpferde; gröbte Auswahl und beste Gelegenheit für Kaul oder Tausch. Ein Besuch dieser Mlrkte ist zu empfehlen
Handel Sonntags verboten.
161d
iad%ttpfeeteüel zu billigst.pre s.FürDiederverkäufer extra billig OupSerwarrerr werden verzinnt und hergestellt Kupferschmiede undDerzinnerei 01357 Petri« LVLtzstsinstv.M
Mainzer Maüendßktur
(Boonekamp)
vorzügl.in Güte u. Bekömmlichkeit Lieferung in Kisten von 3 Flasch, an Preisliste u. Geschmadtprob. gratis
AUeinhersteUer;
Firma Helnr. L Gast Hirsch, Mainz a. Rh.
Gegründet 1856 2>7S«
PREISERMÄSSIGUNG
BEI Ml BERÜHMTEN
CHRYSLERMODELLEN
»72« Royal-Sedan, neuer
Preis RM. 10 200.- früherer Preis 10 620. —
»62 Sedan.....neuer Preis RM. 7 69(X-
früherer Preis 8400.
KRAFTS LICHT- ZENTRALEN
MIT
DOPPELKOLBEN DIESELMOTOREN
JUNKERS
JUNKERS-MOTORENBAU G.M.B.H. DESSAU 2|J6A
Zur Techn. Messe in Leipzig: Halle 21, Stand 40 42
Irrigatore / Frauenduschen / Damenbinden Damengürtel / Gummiwaren aller Art Beachten Sie bitte mein Schaufenster!
Auf Wunsch Damenbedienung. 014,1
Ludwig Thöt, Friedridistr. 7
»52« Sedan.....neuer Preis RM. 5 490.-
früherer Preis 5935.—
tieBieyaSverlretung r
DUPONT AG
Frankfurt a*M*/TaMiMssstr*52-60/TeL Hansa 6836,4694
BsLarmimachung.
Diejenigen Spareinleger, welche Papier, markeinlagen bei dem Spar- und Vorschuß- Verein I zu Leuern Haden, werden gebeten, ihre Sparbücher bis zum 15. Marz 1928 zwecks Eintragung der Goldmark bei der Spar- und Vorschußkaste I zu Seuern vor- zuiegen. 2131D
Spar- und Vorschußkaffe I
e. G. m. b. H. zu Beuern.
<5lein, Rechner.
EinfanrMerrhaus herrschaftlich. In bester Lage, 6 Zimmer mit reichlichem Zubehör, Garten, Garage beschlasnahmesvsi sofort beziehbar, zu vermieten. Gchristl. Angebote unter 2148 D a. d. Gieß. Anz.
Bin andasTelephonnetzunterNr. 934 angeschlossen. 22000
AugustNoll,Hofbäcker
Brot- und Feinbäckerei
M-lWWN WW und halbrunde £(HUü jeder Art liefert vieioweri ireiBobn sl mon 01350 Stellmacherci
J. Kaietsch
Niederwalgern.
Crepe d$ Chine unter Ladenpreis.
HITLER
Dammstr.2> p., ge^enüb.d.höh. MZldchensch.
Kein Laden.
245D
ggeppiebe - Lfiuier
I odne Am. In 10 Monats*.
Hel Tepplühaus Agay & Glück, Franhlum/.
Sctr einen Ms sofort! 71M
Pfuhl-Pumpen “
erst kl., nut 5 Jahr. Garantie u 14 Tag. Hro jeAeti, fex 1 int und lief, u, verfdj.Grön.u.Aiisiühr. Kari Germer, Vuinvenvau Heuchelheim b. Gießen Ürctöhite «raus und m.nfo.
Emviehle nlctdiAfUifl meine »>abr.i.o.epr.2edei Manschetten für alle Konür.v.Pimiv. in jed. (SxÖBeu.Starfe. AlleinsPnm- veniach einscht. Reoarainren.
laDün^erkalk aemnblen und in 'llavtersäcken verpackt, neis vorrätig auf Vaacr. L eterunn frei Haus od. Bermenduuaöi'telle um. billigster Berechnung.
Gebrüder Kahl
Telephon 87. 1427D
Noch nie ■ o billig;!
Konzert >prech- aoparat ffenau wie Abb„ starkes Einfederwerk, Gr. 42X4 X3l cm, in hiebe nur
M. 29.50. Versand per Nachnahme.
Katalog gratis direkt ab Fabrik.
Hu'bcrg & Co.« [2150c
Neuenrode Xr. 10 (Westf.).
Für Stotternde!
önenttiche Eandelslebranstalt der Industrie- und Handelskammer Hielten Abteilungen: 1. 2jährige Handelsschule 2. Höhere Handelsschule
Anmeldungen bis zum 23. April 1928, im Kaufmännischen Vereinshaus, Nordanlage 15. 1617D
Sprechstunden: Täglich von 12 bis 1 Uhr.
Hausrat
Gemeinnützige Möbelverforgung für das Rhein-, Main- und Lahngebiet GmbH.
Moderne
Grieben Lindenpl.l
Möbel aller Art gut und preiswert in reicher Auswahl
Schlafzimmer
auf bequeme Teilzahlung
1638a
Am Dienstaa, dem rs.Febr., von H--C Uhr, finoen in (Sieben im Hotel
ireii zur Beseitigung oes h od. Suggestion) Rach
Äobel ILinzcloorträg« über mein gesetzt, geschützt. T-
St terns statt AerzN einpsl. (Kein 6ur>u_, AnstaU»! . , .. .
meinem Verfahren hö> nen sich Stotternde selbst von dem Uebei btfreitn. (Erfolge in 4, 6 und 8 Wochen.) Danksagungen und amtlich beglaubigte Zeugnisse, ehern. Stotterer liegen zur gefl. Einsicht aus. Imeressenten lode ich hiermit sieundl. ein. Versäume es fecin Stotterer od. Litern stotternder Kinder sich in diesen Dorlraassiundrn einzufindrn, zumal di« Vorträge hoftenlos sind. Garantie für (Erfolg wird weitgehendst übernommen. Sprach. Institut Dr. phil. <f otrdif & (£•?., fioqenburg (Sch -Lippe). 2173D


