Nr. 2| Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Mittwoch, 25. Januar (928
DerKampfumdieSimultanschule in Hessen.
Regierungsbildung und Lchulc.
Don unserer Darmstädter Redaktion.
Der Beschluß dec sozialdemokratischen Fraktion, mit den in Betracht kommenden Parteien die Verhandlungen zur Regierungsbildung wieder aufzunehmen, aber die Cn 1 sch ei- dun g bis nach dem Spruch des hessischen Staats- gerichtshoses über die Gültigkeit der Landtagswahlen zu vertagen, kommt nicht überraschend, da sich die politische Lage insofern geändert hat, als nunmehr feststeht, daß der Staatsgerichtshof am 30. Januar tagen wird. Wenn man sich dis Gründe vor Augen hält, die die Sozialdemo^ traten zum vorläufigen Abbruch der Verhandlungen veranlaßt hatten, so fällt am meisten der ins Gesicht, dah die Sozialdemokratie es vermeiden wollte, Bedingungen mit einer anderen Partei einzugehen, ehe über den Bestand des jetzigen Landtags entschieden ist. Die Führer der Sozialdemokratie haben wohl herausgefunden, dah mit einer Bindung nach irgendeiner Seite hin es schwer sein wird, unter Llrnständen einen Wahlkampf zu fuhren, denn die Sozialdemokratie ist unter sich in der Frage der Koalitionsbildung gespalten, sonst hätte sie sich schon längst entschieden. Die sozialdemokratische Taktik ist daher wohl zu verstehen und ihr gewissermaßen durch die gegebenen Verhältnisse diktiert.
Bestehen so auch im eigenen Lager gewisse Schwierigkeiten, so ist doch die Stellung dev Sozialdemokratie gegenüber den anderen Parteien vielleicht die denkbar günstigste, denn sie kann sich als Partner für die Koalition wählen, wen sie will. Unter diesen Umständen ist auch zu verstehen, dah sie die Fühlungnahme mit den Verhandlungsparteien wieder aufnehmen will: sie vermag dann weitere Forderungen aufzustellen und Zugeständnisse zu verlangen. Ramentlich dem Zentrum gegenüber, dessen Taktik auch aus den früheren Verhandlungen zur Regierungsbildung bekannt ist: es sperrt sich ja zunächst, um soviel wie möglich für die Partei herauszuschlagen und um dann doch alle Forderungen der Sozialdemokratie anzunehmen. So hat es auch bei den gegenwärtigen Verhandlungen bereits bas Ministerium des Innern preisgegeben und die „Demokratisierung" der Verwaltung zugestanden, und das alles nur. um Zugeständnisse auf kulturellem G eb i et zu erlangen.
Das Streben des Zentrums ist unentwegt darauf gerichtet, das Schulwesen Hessens in die Hand zu bekommen, um im gegebenen Augenblick die Konfessionsschule in Hessen einzuführen. Man rechnet in Zentrumskreisen mit einem für ihre Sache günstigen Ausgang der Verhandlungen über das Reichsschulgesetz. Das Zentrum erstrebt auch, was in diesem Zusammenhang bemerkenswert ist, die Errichtungeinessel b- ständigen Schulmini st eriums in Hessen; selbstverständlich ist nach seiner Auffassung der Posten nur mit einem Zentrumsanhänger zu besehen. Als solcher wird in Zentrumskreisen bereits der Abgeordnete Oberschulrat Hoffmann genannt. Man geht wohl nicht fehl, wenn man bei diesem politischen Handel in dem künftigen Schulministerium den Kaufpreis für das Ministerium des Innern sieht.
Sollte die qlte Weimarer Koalition in Hessen wieder zustande kommen, so kann dies also offenbar nur geschehen durch Zugeständnisse der Sozialdemokratie an kulturelle Forderungen des Zentrums, die diesmal sicher auf dem Gebiete des Schulwesens liegen. Reu wäre dieser Vorgang ja keineswegs, denn schon vor drei Jahren hat sich nachher bei den Verhandlungen zur Regierungsbildung herausgestellt, dah allerlei Abmachungen zwischen Zentrum und Sozialdemokratie bestanden, die man keineswegs seinerzeit gleich bekanntgab. So wurden dem Zentrum kon-' fessionelle Lehrstühle zugestanden und ihm irt Personalsvrderungen weitgehendes Entgegenkommen bewiesen.
Das Schicksal der hessischen Si m u l - tanschule liegt in der Hand der Sozialdemokratie: ob sie diesmal sestbleiben wird? Ihre frühere Politik bietet keinen Anhalt, diese Frage unbedingt zu bejahen. Man braucht auch nur auf Baden zu sehen, um zu erkennen, wie leicht aus politischen Gründen die Sozialdemo-
„Hannele" in der „Krummen Hose".
Von Max Iungnickel.
In einer kleinen thüringischen Stadt war's, auf einer frühlingsblauen Wanderfahrt durch Berg und Tal, durch lahme, gebückte Gassen. Die Giebelhäuser, hexenalt, sahen ganz glück- versonnen aus.
Auf dem Marktplatz hatten sich Wanderschauspieler eine arme Bühne gebaut. Der teuerste Platz kostete fünfzig ganze Pfennige und war mit zersessenem Plüsch überzogen.
Es war an einem Samstag. Lleberall, in den Läden der verhutzelten Stadt, an den Straßenecken, erzählten die Plakate spannend und neugierig von Gerhart Hauptmanns „Hanneles Himmelfahrt". Don Engeln sprach der Theaterzettel, von Geistererscheinungen und von einem vertierten Vater. Wer das Stück nicht kannte, hätte an ein lichtdurchflogenes Gruselmeisterstück Denken können.
Alm acht Uhr sollte die Vorstellung beginnen. Aber eine halbe Stuni< vor Beginn setzte ein milder Frühlingsregen ein, warm und schwer und anhaltend. Ich ging trotzdem hin. Mit mir waren etwa fünfzehn Zuschauer gekommen. Kurz vor acht Llhr hob sich der Vorhang, und der Direktor erklärte, daß die Vorstellung, infolge des Regens, im Wirtshaus „Zur Krummen Hose" stattfinden müsse. Die „Krumme Hose" war eine Kellerschenke, verräuchert, muffig, mit verqualmten, niedrigen Decken. Wir gingen hin. Der Regen rauschte und rauschte wie schwerer Segen.
Halb neun Llhr begann in der „Krummen Hose" das arme Hannele gen Himmel zu fahren. Die Schauspieler hatten ein kleines Hinterzimmer als Garderobe und Bühnenzugang genommen. Eine eigentliche Bühne gab s nicht. Zu ebener Erde wurde gespielt, vom Publikum durch eine ausgespannte Wäscheleine abgetrennt. Die
kratie bereit ist, kulturellen Wünschen des Zentrums entgegenzukommen. Richt zu vergessen ist auch, das) die Simultanschule keineswegs das Schulideal der Sozialdemokratie ist, sondern daß sie eine Weltanschauungsschule auf marxistischer Grundlage fordert.
Dah die Auslieferung des Schulwesens an das Zentrum das Ende der hessischen Simultan^ schule bedeutet, darüber dürfte wohl kein Zweifel mehr bestehen. Es würden auf Betreiben des Zentrums allenthalben katholische Konfessionsschulen ins Leben gerufen, so dah sich dann ganz von selbst evangelische Schulen herausbilden, weil dann die Simultanschulen säst nur noch von evangelischen Schülern besucht werden. Wie Zentrumskreise über die Simultanschulen denken, dafür sei nur die Aeuherung eines Redners ange
führt, die während einer öffentlichen Aussprache über Schulfragen in Darmstadt fiel. Der dem Zentrum angehörende Redner setzte die Simultanschule der evangelischen Schule gleich: sie sei auch als evangelische Schuleinrichtung zu betrachten, selbst wenn sie ausschließlich von katholischen Kindern besucht wird. Mit anderen Worten bedeutet das für die Auffassung des Zentrums, dah ein katholisches Kind keine Simultanschule besuchen darf und dah diese Schulart unbedingt zu beteiligen ift.
Aus diesen Darlegungen geht wohl zur Genüge hervor, wie eng verknüpft das Schulwesen mit der Regierungsbildung ist: leider wird im weiten Kreisen des hessischen Volkes nicht erkannt, was hier auf dem Spiele steht.
Llm das blaue Band des Ozeans.
Oie Konkurrenz der großen Gchiffahrtslinien. Ltm das größte Schiff der Welt.
Von unterem k.-Derichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
London, den 11.3anuar 1928.
Wer sich daran erinnert, dah noch heute das Nationallied Englands „Britannia rules the wawes“ heißt, wird sich nicht darüber wundern, daß das Interesse Englands immer noch in weitgehendstem Mähe auf alles gerichtet geblieben ist, was mit der See zu tun hat. Die Ansprüche auf die Vorherrschaft zur jSce, die in der Rationalhyrnne enthalten sind, dürfen jedoch nicht etwa allein auf die Kriegsflotte bezogen werden. Stärker vielleicht noch als diese Frage nimmt auch heute noch die Handelsflotte das Interesse der öffentlichen Meinung in Anspruch, und selbst die allergewöhnlichste „Landratte" im Bereich der britischen Inseln weih oft staunenswert viel über alles, was die Seeschiffahrt betrifft. Wissen doch die meisten Engländer noch aus den Kriegsjahren her nur zu gut, was die Existenz der Handelsflotte für jeden einzelnen von ihnen bedeutet: Brot und Arbeit.
Deshalb ist es überraschend, dah trotz dieser in England so selbstverständlichen Mentalität und des weitgehendsten Interesses für alle Schiff- sahrtsunternehmungen seit einigen Monaten eine Kampagne durch die britische Presse geht, die dem englischen Bürger klarmachen soll, dah wieder einmal Englands Vormachtstellung — diesmal die der Handelsmarine — bedroht ist, und dah es notwendig sei, durch große und kostspielige Schiffsbauten den Ruf Der englischen Reedereien wieder herzustellen. Wie, wird man fragen, seit wann ist Denn die englische Schiffahrt bedroht? Welche Konkurrenz fürchten die Engländer? Hat denn auch die Reederei im letzten Jahre so große Verluste gehabt, daß sie irgend etwas wettzumachen hätte? Wenn man nur englische Zeitungen liest, könnte man dies in der Tat glauben. Da wird ausführlich und mit sichtlichem Sachverständnis geschildert, was für große Anstrengungen die Italiener gemacht haben, um das große Passagiergeschäft nach Amerika mit Hilfe kostspieliger Reubauten in ihre Hände zu bringen; wie erbittert der Kamps mtt den Amerikanern tobt, die Im Verkehr zwischen den eigenen Gewässern England vollständig ausgeschaltet haben, und die nun das gleiche für Südamerika anstreben, und sogar dazu übergehen, ihre eigenen großen Linien nach Europa einzurichten I Was für schöne neue Schiffe sich Frankreich zugelegt hat — und, last not least, dah die verdammten Deutschen ihre Handelsflotte, die man ihnen in Versailles genommen hatte, wieder auf gebaut haben, und daß die nagelneue deutsche Handelsflotte überall den größten Eindruck mache! Das ist auch kein Wunder, wenn man bedenkt, daß noch heute a ch t von den zehn größten Schiffen der Welt deutsches Fabrikat sind, die in Versailles abgetreten werden muhten und nunmehr unter neuem Ramen und unter englischer, französischer oder amerikanischer Flagge segeln!
Das Aufsehen, das die Meldungen der neuen deutschen Lloyd-Dampfer von je 50 000 Tonnen, „Europa" und „Bremen", in englischen Schiffahrtskreisen erregt haben, erscheint daher
begreiflich — selbst wenn eine kühlere ileber- legung sagt, dah diese beiden Dampfer gröhten Formats die Hebcrlcgenfjeit der englischen und amerikanischen Handelsflotte, an Tonnage und Dampferzahl nicht wettzumachen imstande sein werden. Lind die — angeblich als englische Antwort hierauf gedachten — beiden englischen neuen Riesendampfer von je 56 000 Tonnen wird man in Deutschland mit einiger Lleberraschung, wenn auch nicht unbedingt erfreut, begrüßen, weil sie ja leider als Zeichen englischer Eifersucht auf die deutsche Handelsflotte gedeutet werden könnten. Da ein Teil der ausländischen Presse diesen Vorgang bereits in diesem Sinne interpretiert hat, ist es aber wohl angebracht, daraus hinzuweisen, worin der sehr wesentliche Llnterschied zwischen den englischen und den deutschen Reubauplänen besteht.
England besitzt bereits eine große Anzahl von Riesenpassagierdampfern über 30 000 Tonnen (z. Z. zirka zwölf) und hat daneben eine Motte von fast 50 Dampfern zwischen 20 und 30 000 Tonnen, die nach den modernsten Prinzipien ausgestattet sind und zu einem erheblichen Prozentsatz erst in den letzten fünf Jahren in Dienst gestellt wurden. Englands Schiffe haben überdies den Vorteil, dah sie überallhin im transatlantischen Verkehr fast 2 4 Stunden Vorsprung vor allen deutschen Dampfern haben, ein Vorzug, der den deutschen Schiffahrtsgesellschaften schon immer viel Geld gekostet hat und auch heute noch kostet. Deutschland hat hingegen heute noch nicht genug Schiffe, um den eigenen Bedarf an Fracht- und Passagier-Dampfern zu decken, und kann sich weder an Zahl noch an Gröhe mit den englischen Schiffen messen, wenn man nicht die Betriebssicherheit Der deutschen Schiffe, die Zuverlässigkeit der Bedienung auf den deutschen Passagierdampfern und die sonstige technische Ausstattung heranziehen will, die auf deutschen Schiffen immer besser gewesen sind, als auf allen anderen Schiften der Welt. Die deutschen Reubauten sind daher eine wirtschaftliche Rotwendigkeit, Der entsprochen werden muß, damit das deutsche Passagier- und Frachtaeschäft rentabel erhalten wird, und die ausländischen Passagiere das volle Vertrauen zur deutschen Schiffahrt behalten. Denn schließlich vertraut auch der Ausländer sein Leben bei der Lieberquerung des Ozeans am liebsten solchen Schiffen an, die als besonders bequem, schnell, sicher und groß gelten.
Derartige Rot Wendigkeiten, die Deutschland durch das Vorgehen der ausländischen Schiffahrtsgesellschaften, auch der englischen, auferlegt wurden, bestehen für Englands Handelsflotte nicht, oder nur in sehr viel geringerem Maß. Englands Handelsflotte beherrscht noch heute weitgehendst den internationalen Markt und braucht im allgemeinen keiner- l e i ausländische Konkurrenz zu fürchten. 3m Falle Deutschlands gehen überdies die Schiffahrtslinien beider Länder verschiedene Wege. Was auf deutschen Schiffen fährt oder verfrachtet wird, würde schon aus geographischen Gründen nur ausnahmsweise und in besonderen Fällen englische Schiffe benutzen: auch in der Schiffahrt seht eben eine Spezialisierung nach nationalen Aufgaben ein, die sich wachsend
Beleuchtung war eine Stallctterne, die über der markierten Bühne hing, und wieder eine Stal- laterne, die auf einem kippligen Tisch, an Hanneles Bett, stand. Es war alles armselig: aber es wirkte bei weitem nicht lächerlich. Es war ein großes Erlebnis, wie ich es noch nie auf einer berühmten Bühne sah. Wie diese spaßigen und wehen und volksliedhaften Lichter in dem verzuckenden Kinderherzen aufschimmerten, das habe ich nur einmal so schön gesehen, damals in einer verregneten Kleinstadt, beim funzligen Auge einer Stallaterne. Hier stand wirklich ein fieberdurchwühltes Lumpenbett, von Trauerblumen umrankt. Hier stellte Hauptmann eine gvldsprvssige Leiter auf, die an die blaue Himmelstür stieß. —
Was find Ramen! — 3ch weiß heute nicht mehr, wie der Direktor hieß und das Hannele und der Lehrer Gottwald und der Maurer Mattern und der Regisseur. Aber sie leben immer noch in mir wie am ersten Tag. Hier war ein Regisseur, der ohne Fabelfarben, ohne unterstrichenen Prunk den Trauhimmel Der kleinen Hannele schuf. Was ist das Rofteurige Dagegen, das ich auf berühmten Bühnen sah! Einen BilDerbuchhimmel hatte Der Regisseur geschaffen, Der für Den niedrigsten Platz einen lumpigen Groschen Eintrittsgeld nahm. Vielleicht hatte dieser Regisseur ein Dutzend hungriger Kinder, vielleicht war das Hannele seine Tochter. Aber wie hätte er sonst Die schöngeschnihten Schreine eines Kinderherzens Durchkramen können! —
Er hatte einen Kinderhimmel aufgebaut voller Tand und Flittergold: einen Kinderhimmel, in Dem Die Engel erDtoarme Augen hatten, mit Puppen schäkerten unD große Zuckertüten umklammerten. Einen BilDerbuchhimmel. —
Hier gab's keine große Musik: Zwei Klein- ftäDter spielten, hinter Der Szene im Rebenzimmer, auf Der Mundharmonika traurige Weisen. — — Aber Die Leute schluchzten unD gingen am Schluß toeinenD hinaus, in Den unaufhörlichen Regen.--Sie vergaßen ganz,
Die Schirme aufzuspannen.
Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde.
3n Der letzten Sitzung sprach Kapitän z. S. Dr. h. c. Spieß über Die vorläufigen Ergebnisse Der Deutschen atlantischen ExpeDition auf „Meteor". Die Expedition hatte als Arbeitsfeld den südlichen atlanttschen Ozean erwählt, dessen Erforschungen Der Plan Des IetDer auf Der Expeditton so früh verstorbenen Prof. Merz, Direktor Des Insti- tuts für Meereskunde in Berlin war. Die deutsche Reichsmarine kam diesem Plan in jeder Weise entgegen unD stellte Das Vermessungsschiff „Meteor" zur Verfügung: Die Rotgemein- schäft Der Deutschen Wissenschaft trug einen Teil Der Finanzierung. Die Aufgabe war Die Erforschung Der Form Des Meeresbodens, des 3nhalts und Der Bewegung Des südatlantischen Ozeans und seines Klimas. Zu Diesem Zwecke wurDen 14 Profillinien durch den Ozean gelegt, Deren süDlichste von Feuerland nach den Shet- lanDinfeln und Südgeorgien reichte. Auf der ganzen Fahrt, Die über zwei Jahre Dauerte, WurDen 67 500 Seemeilen (das 3,5fache Des Erdumfangs) zurückgelegt. Der Redner gab zuerst an Hand der Bilder Ansichten der besuchten Hafenstädte, Der Gletscher, Der Magellanstrahe, Dann der Eisberge des südlichen Eismeeres, wohin das Schiff vis 67 Grad südlich vordrang. Tenerisa wurde besucht und Der Pic von Sene- rifa bestiegen. Es folgte eine Erklärung der Arbeitsmechoden. Interessant ist Das Echolot, mit dem bis zu 8000 Meter Tiefe gelotet wurde, und Das gestattete, alle 20 Minuten Durch Schall, Der vom Meeresboden zurückgegeben toirD, Die Tiefe zu messen. Durch Schöpfapparate wurden Wasserproben unD Durch Kipthermometer Temperaturen aus allen Tiefen bestimmt. Ballon- aufftiege unD Drachenaufstiege erforschten Die Atmosphäre unD Die meteorologischen Verhältnisse bis zu 18 Kilometer Höhe. Den 3000 Lotungen, Die bei früheren ExpeDitionen zusammen vom GrunD des Atlantischen Ozeans mitgebracht wurden, stehen 67 000 gegenüber von der deutschen atlanttschen Expedition. Das Relief Des Meeres
durchsetzt, weil sie von ökonomischen, nicht aber von Prestige-Gesichtspunkten bestimmt wird. Das wird man englischen Chauvinisten, die aus der deutsch-englischen Schiffahrtskonkurrenz Kapital für hetzerische Zwecke schlagen möchten, auf das deutlichste vorhalten müssen. Eine Konkurrenz der deutschen und der englischen Schifffahrtslinien gänzlich ableugnen zu wollen, wäre zwar töricht, aber man wird andererseits auch nicht abstreiten können, dah die deutsche, rein privat wi rtschastliche Konkurrenz für England sehr viel weniger fühlbar ist, als Die Der Italiener und Amerikaner, die mit staatlichen Subsidien arbeiten und nur auf diese Weise gegen die englische Schiffahrt anzukommen vermögen.
Wobei man nicht verfehlen darf, noch auf etwas anderes hinzuweisen, was man in England gerne übersehen möchte; im Kriegs- fa 11 e werden die mit staatlicher Subvention gebauten amerikanischen, italienischen und französischen Schiffe (wie natürlich auch die englischen) mit Leichtigkeit in Hilfskreuzer uwgewandelt werden können, während dies bei Den deutschen Schiffen nicht der Fall fein wird. Lind wenn die deutschen Schiffe bessere Sicherheitseinrichtungen, stärkere Maschinen usw. zu tragen vermögen, so ist dies eben nur der Fall, weil sie keine verschleierten Hilfskreuzer oder Truppentransportschiffe sind, wie das leider doch eben immer noch auch d i e englischen Schiffe sind... ________________________
Oberheffen.
Geflügelausstellung in Lollar.
4 Lollar, 23.Jan. Der Geflügel- und D o g e l z u ch t v e r e i n Lollar und Llm- g e g e n d veranstaltete am Samstag und Sonntag im Saale „Zur Linde" eine allgemeine Geflügelausstellung, die recht reichlich beschickt war. Die Prämiierung Der Tiere, Die in 244 Rummern gezeigt wurden, war von den beiden Sachverständigen Konrad Rübsamen- Gießen und Jean Dörr- Reuenhain bereits am Samstagmorgen vorgenommen worden. Es war für sie keine leichte Arbeit, aus der Fülle des vorzüglichen Zuchtmaterials die Auslese zu halten. Eine Anzahl Ehrenpreise waren geflirtet worden, u. a. von den Buderusschen Eisenwerken, den Geflügelzuchtvereinen Londorf und Lang- Göns, von der Firma Engelmann-Jena, von dem Provinzialverband und von dem Geilügel- und Vogelzuchtverein Lollar und Llmgegend selbst. Die Ausstellungsleitung hatte Fritz R i e h m von hier. Der Besuch der Geflügelschau ist als sehr gut zu bezeichnen; sogar aus der weiteren Umgebung hatten sich recht viele Interessenten eingefunDen, so daß die Ausstellungsräume sich des öfteren als zu eng erwiesen. Aus Der Prämiierungs liste sei folgender Auszug berichtete
Den Siegerehrenpreis erhielt Karl Stork, Launsbach (Zwergwyandottes, schwarz).
Ehrenpreise: Hermann Dietz, Lollar (Rheinländer, schwarz) 1. Ehrenpreis; Ludwig Frank, Lollar (Hamburger, schwarz) 2; Otto Krug, Mainzlar (Italiener, schwarz) 3; Georg Peter, Marburg (Langschan, schwarz) 4; Christ. Hüchel, Fronhausen-Lahn (Hamburger Silberlack) 5; Theodor Veckel. Lollar (Plymouths Rocks) ö; Fr. Riehm V., Lollar (Wyandottes, schwarz) 7; Robert Pfarrer, Weckesheim (Elster Tümmler, schwarz) 8; Lud. Frank, Lollar (Kupfergimbel, schwfl.) 9; Ludwig Klinkel, Lollar (Wyandottes, schwarz) 10; Karl Müller, Lollar (Minorka, schwarz, einfachk.) 11; Otto Ruhn, Lollar (Flügel- tauben, Silber) 12; derselbe (Eistauben) 13: L. Klinkel. Lollar (Wyandottes) 14; Heinrich Seipp VII., Lollar (Italiener, rebhuhns.) 15; Wilhelm Lotz, Allendorf a. D. Lda. (Bantam, schwarz) 16; H. Hofmann, Marburg (Federfuß- Zwerge, porzellanfarbig) 17; Wilh. Schmulbach, Lollar (Rhodeländer, rot) 13; Ludw. Lich, Londorf (Steiger Kröpfer, rot) 19; K. Deines, Lollar (Reise-Brieftauben, dunkel, gehämmert) 20; Heinrich Schwarz, Lollar (Italiener, schwarz, einff.) 21; Ludwig Olemuh. Kesselbach (Hessische Kröpfer, blau) 23; Karl Kalctsch, Lollar (Hamburger, schwarz) 24; Konr. Wallon. Erbenhausen (Italiener, schwarz, einft) 25 (Medaille); Otto Ruhn, Lollar (Forellen-Tauben) 26 (Medaille).
Sehr gut 1: Erich Loh, Bieber b. R. (Wyandottes, rebhuhnf.); H. Fuchs IV., Lollar
bodens zeigt nach Den neueren Daten ein außerorDentlich vielgestaltetes Aussehen und durchaus nicht Die Eintönigkeit Die man nach Den wenigen Lotungen Der früheren Zeit annehmen sollte, wenn auch Ne Böschungswinkel im großen und ganzen immerhin gering sind. Stereophotogrammetrische Ausnahmen der Meer.swellen gestatten ein Ausmessen Dieser so flüchttgen Gebilde nach Form unD Höhe. Reben Diesen wissenschaftlichen Resultaten, von Denen schon Der kurze Lieberblick einen gewaltigen EinDruck gab, und Die Material für jahrzehntelange^ Bearbeitung liefern, hatte Die Fahrt auch eine na- ttonalpolittsche Bedeutung. Sie zeigte bald nach Dem Kriege Die Deutsche Flagge in Liebersee bei wissenschaftlicher Tätigkeit. Die Aufnahme Der ExpeDition war überall ausgezeichnet, und besonDers freuDig und wehmütig zugleich war Der Besuch Des „Meteor" in unserer ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwest-Asrika. wo er eine begeisterte Aufnahme fand. Den so inhaltsreichen unD in schlichter, sympathischer Weife vorgetragenen Worten des Redners folgten Die Zuhörer bis zum Schluß mit steigendem Interesse, und langanhaltender Beifall zollte ihm Dank und gab der Begeisterung über eine deutsche Tat, an Deren Zustandekommen und Durchführung Wissenschaft und Marine mitgearbeitet hatten, Ausdruck. K.
Hochschulnachnchien.
Der a. o. Professor Dr. Julius Schwiete - ring in Leipzig hat Den Ruf auf den Lehrstuhl Der Germanistik an Der ilnioerfität Münster als Rachfolger Arthur Hübners angenommen unD bereits seine Ernennung zum ordentlichen Professor in Münster erhalten.
Amtlich wird Die Ernennung des o. Professors Dr. Gustav Hertz in Halle a. S. zum ordentlichen Professor der Physik an Der Berliner Technischen Hochschule als Rachsolger von Prof. Kurlbaum bestätigt. Prof. Hertz übernimmt Den neuen Lehrstuhl mit Beginn des kommenden Sommersemesters.


