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Ur. 121 Zweites Blatt

Juan Vicente Gomez, der »Präsident von ©off'.

Don Herbert Locques.

Jach bisher unbestätigten Sachrichten aus RcuyoOk 'all Präsident Gomez ermordet worden lein. Die nachstehende Schilderung von Sorbert Jacques, der vor wenigen Wochen Venezuela bereist hot. steht baber im Brennpunkt deS TageS- interelses. Die Ausstände in Vene- »u e l a von denen Sorbett Jacques hier berichte: und von denen wir nichts er­fahren haben, sind das beste Borzeichen für die tragische Entwicklung, die indessen eingetreten sein soll. Die überragende Persönlichkeit von Gomez und die Be­deutung seines Wirkens für die Interessen der deutschen Wirtschaft erfahren hier eine Würdigung, die wir unfern Lesern nicht vorenthalten wollen.

Es gibt eine sinnvolle kleine Geschichte, die in der Schulzeit uns allen begegnet ist. Sin fremder Bursche geht durch Amsterdam und fieht ein märchenhaft schönes Gespann. Sr fragt einen Solländer Wem gehören diese schönen Pserde?

nd hört zur Antwort: Kannitverftan. Der Bursche kommt an ein Schloß von wunder­barer Pracht, und wieder wird auf feine Frage «antwortet: Kannitverftan. So geht es weiter. Bis er sich sagt: Dos muß ein glück!über und reicher Monn lein, dieser Herr Kannitverftan I Schließlich trifft er aus einen Leichenzug. Wen begräbt man. sragl er einen der Teilnehmer? llnb nochmal- erführt er: Äannitoerftan. Woraus er au- seiner Unlcnntni® der holländischen Sprache die notwendige Lehre zieht, wie nah 'm Leben eines einzigen Mannes Reichtum und Tob stehen und wie wenig bas erste einem nutzt, wenn das zweite einen bei der Hand nimmt. Das in Amsterdam eine nette Geschichte mit Autzanwenduna ist. da- ist in Venezuela Wirklichkeit Auch hier hört der neugierige Frager immer den selben Hamen, und waS tn diesem Land loS ist. ist an ihn gebunden, an einen Samen, der als Geißel GotteS seit zwanzig Jahren über diese» Volk gezückt liegt. Aber es ist kein Same, der sich zum Schluß in eine heilsame Lehre wandelt, sondern er bleibt Wirk­lichkeit. und man kann den Ereignissen, die sich dort vorzubereiten scheinen, nicht nübertreten, ohne dielen Samen zu nennen und etwa» über den Mann zu sagen, der ihn trägt: Präsident Gomez. .General Juan Vicente Gomez", wie er offiziell heißt

Sr stammt auS San Antonio in der Kordillere an der Grenze Kolumbien», wo er Viehhändler war. Er ist indianischer Abstammung. Vor zwan­zig Jahren hat er die Reise seine- Vorgängers und Freundes Castro nach Deutschland benutzt, um zur Macht zu kommen, llnb hat in diesen zwanzig Jahren da- Land so vollkommen in Besitz genommen, daß das Volk verarmte, wäh­rend die Familie Gomez ungeheure Reichtümer erwarb. Das Vermögen Juan Vicentes allein wird auf eine halbe Milliarde gerechnet. Er war nie verheiratet, hat aber fünfzig Söhne von verschiedenen Frauen als eigene anerkannt und mit Pfründen ausge stattet. Gr hat Me Kasematten des Fort- von Puerto Cabello dazu benutzt, seine Gegner kirre zu machen, rückte hnen mit Eisensesseln xu Leib, mit der Folter an ihre Seele, wenn sie die mitverschworenen Kameraden nicht verraten wollten. Erst vor zwei wahren entlieft er die letzten aus den nassen Ver­ließen am Meer. Reift man heute durch Vene­zuela. so wird in jeder Ortschaft über einen ?uch gesührt. und man ist keine drei Stunden öes Tage» unbeobachtet. Gomez hat erreicht, daß er das Heer fo gut wie auflösen konnte, das heißt, er beschäftigt es in feinen Pflanzungen ndem er zu der Staatslöhnung aus seiner Tasche Me Hälfte draufbezahlt. Durch zwanzig Jahre hindurch wagte niemand mehr gegen thn aufzu- treten. Die Zeitungen waren in einem eisernen Zwang gesessell.

Diese Tatsachen, mit ihrem äußern Gellcht so herqezeigl. ergeben das Bild eines abscheulichen und gierigen Tyrannen. Aber dieses Bild ist merkwürdigerweise falsch, denn Juan Vicente ist tinc der größten, stärksten und irgendwie ge-

KlabundsKirschblüienfest" in Bad-Aauheim.

Die gestrige Erstaufführung des japanischen Lühnenfpiels .Das K i r f ch b l ü te n f e st' von KIabund (Alfred Henschke) im Dad-Aauhei- ner Äurtfjcatcr trug festlichen Charakter und gestaltete sich nicht nur zu einer theatralisch- iterarifch anregenden und interessanten Begeben­heit, sondern zugleich auch zu einem ausgefvro- hen gesellschastlichen Ereignis.

Was das Stück betrifft, fo ist es vor einiger Zeit in Hamburg uraufgeführt worden. Im Gefolge dieser Premiere wurden wenig erquick­liche Einwendungen gegen den Autor erhoben, bem man eine, das zulässige Maß übersteigende Anlehnung an seine Vorlage, ein Drama des Tafcba Izurno. zum Vorwurf machte. Wir 'tob. da unS diese Quelle unzugänglich war. nicht n der Lage, die llkerarische Situation zu be­urteilen. Wir würden uns aber, selbst wenn cS nöglich gewesen wäre, auf Grund eigener Text- ?crgleld)ung zu sprechen, vermutlich in der Sc- rcrhmg der Leistung Klabunds Zurückhaltung lufcrlcgl haben, da unerfreulicherweise seit län­gerer Zeit eine Art von Plagiatriechcrci bei ms üblich geworden ist, die durch die immerhin ^hlbaren, peinlichen und verurtellenswerten Jälle dieser Art in solchem Umfang nicht ge­rechtfertigt erscheint.

Dagegen wird sich der Vergleich des .Kirsch- blutenfefieß mit dem .Kreidekreis" schon aus Gründen der Stoffverwandtschaft auf drängen, inb es muß ringe räumt werden, daß das iapa- rische Spiel jenes chinesische bei weitem nicht er­reicht. llnb zwar aus dem einfachen Grunde, keil vom .Kirschblütenfest" nicht jene starken rmd mannen Ströme menschlichen Gefühls auf den Beschauer und Zuhörer übergehen, die und da» .Kreidekreis"-Spiel so über alle llkerarische Besonderheit und kulturellen Abstände hinweg verwandt und vertraut machte. Die Sprache des HerzenS nämlich ist eine alte Weisheit

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Donnerstag, 24. Mai 1928

nialsten Persönlichkeiten der neuem Geschicht-v ein Mann, wert einer der großen Ausgaben, ein Mann, wie derjenige Mann aussieht, nach dem sich heute alle Länder Europas sehnen. Mein Chauffeur auf der vierzehnhundcrt Kilometer langen Reife durch die venezuelischen Anden, ein Syrer und gebildet, tagte mir eines Tage-, als wir durch das Heimatdorf von Gomez fuhren: Gomez, pst, man darf nicht laut über ihn sprechen. Er ist kein Präfident. kein König Er ist ein Geheimnis. Er ist von Gott unmittelbar.

Und fo waren in der Tat die Auswirkungen diefer saftvollen und fo bewunderns- wie haffenS- werten Persönlichkeit. Sehen feiner Roheit stand eine außergewöhnliche Großmut. Schlauheit und Genialität find eins bei ihm. Dille und Mittel desgleichen. Ab r auch in seiner Gier liegt die Satoitöt eines Naturgesetzes. Es ist. als ob in ihm die Schöpfung in unser Jahrhundert eine Kreatur gefetzt habe in der sich noch nicht Gut und Böse spalteten. Schwer ist eS. die Synthese einer solchen Veranlagung zu erkennen. Ich kann mir nichts anders vorstellen, als bah in ihm sich alle guten und schlechten Eigen­schaften und Eigenarten deS Vol kes. ans dem er entffanben. in einer restlosen Mi­schung häuften. Lr ist heute ein Wann von über 70 Jahren, und als kürzlich auf feinem Gut ein rasender Stier durchbrannte und die Viehknechte ihn nicht einfangen konnten wurde er zornig und ritt selber aus. hat auf der Verfolgung zwei Pferde kapultgeritten und das wilde Tier abends am Lasso heimgebracht.

Und Venezuela ist ein Land geworden, in dem nachts keine Tür verschlossen wird, kein Mensch mit einer Waske auf dem Weg ist und Diebstahl und Totschlag äusgehört haben. Aber wie gesagt, wirtschaftlich ist das Volk auS- geronnen. und geistig ist es seit zwanzig Jahren in Ketten.

3m Dezember 1927. als in Maracay die Bombe gefunden wurde, fand man zugleich Ge­rüchte. Die im Lande wie von einer heim­lichen Saat aufgingen: daß Gomez seinen Sohn, Ventral 3 u an 3 of 6, zu seinem Sachfolyer wählen lassen wollte und daß daS zu Weih­nachten geschehen sollte. Dieser Sohn Juan 3ofe, dem unter anderm die Spielkonzessionen in Ve­nezuela als Psrunde gehören, ist nun aber aufs leidenschaftlichste gehaßt, weil er vom Vater nur die brutalen Eigenschaften geerbt haben foll. Er ist nicht mehr der Mann, der selber Naturgesetz ist, er ist nur noch ein Aus­beuter von Vorgefundenem. Ztveisellos hän­gen die Gärungen, die nach 20 3ahren jetzt an der Oberfläche erscheinen, mit diesem Ge­rücht zusammen, und daß der alte 3uan Vi­cente den Mut nicht besaß, zu Weihnachten diesen Sohn gegen die Auflehnung des Dolles durchzusehen, scheint seinen Gegnern verraten zu haben, daß auch der Wille des Alten brüchig geworden ist.

Sun begannen sie loSzuschlaaen. 3n der ersten Mörzwoche 1928 ereigneten sich in Caracas Be­gebenheiten, die von der Zensur so gewaltsam verheimlicht wurden, daß man m den ent­fernteren Städten von Venezuela selber keine Kenntnis davon hatte. 3ch kam in dieser Zeit von Kolumbien her wieder nach Venezuela. Erst in Euracao wurde gerüchtweise davon erzählt. Dann gelangte ich nach dem venezuelischen Hafen Puerto Cabello und erfuhr folgendes, das nicht als Gerücht, sondern als Tatsache zu gelten hat. da die Gewährsleute Augenzeugen der Ereignisse waren.

Während eines Umzugs in Caracas hielten drei Studenten Reden, die sich gegen d i e Regierung richteten. Die Studenten wurden sofort verhaftet. Aber 350 andere Studenten stellten sich mit einem solchen Un­gestüm hinter ihre Kameraden und verlangten so ungebärdig und herausfordernd mit ihnen die Verantwortung zu teilen, daß die Regie­rung alle auf Lastkraftwagen über Valencia nach Puerto Cabello brachte und sie hier in das berüchtigte Fort einfperrte. Gomez ließ die Universität schließen. Die Professoren ver­einigten sich, lehnten sich auf, und einer, der mit heftiger Leidenschaft die Befreiung der Studenten forderte, wurde ebenfalls nach Puerto Cabello gebracht. Gonzales, ein alter Geg­ner Gomez', richtete an den Präsidenten einen

übernational, weltliterarisch gültig, trägt in sich völkerverbindende Kraft, klingt in allen Sprachen aller Rationen gleich und wird immer, eben vom Herzen verstanden werden. Darin be­ruht der Zauber und die innere Wirksamkeit des Spieles um Haitang.

Das fehlt aber dem .Kirschblütenfest": jeden­falls werden diese allgültigen Töne reinen Ge­fühls nur stellenweise vernehmbar, oft übertönt, durch fremde Motive und mancherlei Beiwerk ixrtoirrt. Darübcrhinaus fehlt dem Spiel die stilistische Geschlossenheit, die eine theatralische Wirkung saft immer bedingt. Das Spiel ist nur szenciNveise dramatisch, ist in großen Tellen lyrisch und episch allzusehr belastet. Freilich muß zugestanden werden, daß das Lyrische Kla­bunds innerem Wesen vollkommen entspricht, und daß die reinste und dichterisch stärkste Szene des Stückes eben eine ganz lyrische, ganz un- dramatische LiebesKwiesprache ist. Wunderschön. ES Hingt wie Verse von Li tai pe oder Tu fu. Aber damit ist noch kein Bühnenstück geschrieben. UebrigenS ist diese Unausgeglichenheit auch ein Merkmal der sprachlichen Formung des Spieles: neben fefcr zarten, sehr klingenden, blumenhaftcn Wendungen voller Poesie und Stimmung finden sich (und überwiegen) Sprechpartien, die in einer höchst nüchternen Alltagsprosa, in einem harten und schwingungslofen Deutsch geschrieben sind.

Stark ist der Eiirdruck des Fernöstlichen im Ganzen, der japanische Stilcharakter im Zu- sammen klang von Spiel. Musll, Figurinen und szenischem Rahmen. Lampions und Gong, alt­japanische Ritterrüstungen, altjapanischev Zere­moniell, phllosophische Zurückhaltung im Gesühls- ausdruck, bemessener Körperchythmus und wür­dige Behäbigkeit des Umganges mit Menschen. Priesteckicher Drciklang beruhigter Greisensprache mischt sich mit vielstimmigem Chor, primitiven Maskenauszügen und tradllionsgebundenem Schwertertanz: das Schicksal der beiden Liebenden geschieht vor dem finsteren Hintergrund eines mikadofeindlichen Tyrannenregiments und Hingt aus in der merftoürbigen. mond beschienen en (und für europäischen Geschmack entschieden etwas süß­

Offenen Dries. Sr sagte darin, achtzchnmal habe er die Hand oon Gomez an sich spüren müssen und <r sei achtzchnmal m den Kerker getreten worden, ohne daß er es sich ver­geben hätte, auch nur einmal um Gnade zu bitten, die seine Schamhaftigkeit verletzt hätte. 'Aber jetzt trete er vor und verlange die Frei­heit der Studenten. .. Auch Gvnzal-s kam nach Puerto Cabello.

Jetzt setzte in Caracas offen heftiger Widerstand ein. Die Bankangestellten, die Strahenbahnschaffner und andere Verbindungen traten zum Einspruch in den AuSstand. Die Licht- und WallcrwerkSarbeiter wurden durch Soldaten gezwungen, in ihren Arbeitsstätten zu bleiben. Krastwagen mit Polizisten. Sol­daten und Maschinengewehren besetzten die Stadt. Da erhob sich die Straße. Blutige Zusammenstöße erfolgten. Die Polizisten hatten leine Hebung in der Handhabung der Maschinengewehre und wurden zunächst nur ver­spottet. Bald aber gingen die Weiber los. Sie lynchten einen Polizisten. Soldaten griffen ein. und es wurden sechs von ihnen und eben» soviel Leute auS dem Volk getötet.

Da gab zum erstenmal in feinem Leben Gomez nach. Die Studenten folltcn ihr Bedauern er­klären. dann kämen fie frei. 6ie antworteten, fie hätten nichts getan, was zu bedauern wäre. Trotzdem wurden fie entlassen. Dom Volk umjubelt traten sie die Heimreise nach Caracas an. Einer der Studenten war der Sohn einer reichen Familie in Valenzia. Diese lud die 350 Studenten zu einer Feier ein. Es wurde Gomez berichtet, der sofort den Polizeichef hin- sch.ckte, damit dieser die Versammlung auflösen und die Festlichleiten beenden sollte. Als er in daS HauS eintrat, kam der Hausmeister mit einem Glas Sekt auf ihn zu und sagte: »Herr Präfekt. Sie waren auch einmal Student. Er­innern Sie sich daran und trinken Sie mit mir auf das Wohl dieser jungen Leute!" Und der Polizeidirektor tat es.

Auf einmal wagt man es. in Venezuela, diese Dinge offen zu besprechen. Riemand hatte noch im Dezember den Mut. den Samen Gomez laut auf der Straße zu nennen. Das ist anders jetzt.* Man macht Witze über ihn. die sich mit beißendem Spott mit seiner Unbildung beschäftigen. Zum Beispiel jemand sprach von dem Grab des unbekannten Soldaten. Da unter­brach ihn Gomez:Sagen Sie seiner Witwe, sie brauche sich nicht zu sorgen. 3ch lasse ihr eine Rente anweisen." 3eht, genau einen Monat später, kommen neue Meldungen über Aufstände

in Caracas Die Studenten haben einen bolili- schen Klub gegründet und lassen nicht mehr loder Die Gegner des alten Gomez scheinen eine brüchige Kerbe entdeckt zu Haden und schlagen hinem Es sind die ersten politischen Unruhen leit 1907.

Besonders in deutschen Kreisen hat man lich schon im Dezember viel mit der Frage beschäftigt was gefchlehl. wenn Gomez geflutet wird oder stirbt / Man erwartet Furchtbares Und das wird wohl auch kommen. Zwanzig 3obre Unterdrückung werden aulcrftebcn und müssen sich au»toben. Väter und Söhne, zwei Generationen, haben abzurechnen Die Bevolke- rung, die für die Ausetnandersetzung in Frage kommt, sind zum Teil harte, von Indianern abstammendr. mit Spaniern aemllchte Menschen auS dem strengen Gebirge. Grausam und wild im Instinkt, werden sie ihre Rache ihrem Blut anpasten.

Gomez hat unter seinen einflußreichsten Freun­den zwei Deutsche, einen Kaufmann und einen Gelehrten, beffen Tochter sogar mit einem Sohn des Präsidenten verlobt ist. Die Inter­essen der deutschen Wirtkchast sind in Venezuela außerordentlich bedeutend. Der ganze Handel des Landes liegt in deutschen Händen, und Deutsche sind die Käufer der Aaffec- und Kakaoeraten. Die einzige Bahn von Bedeutung ist deutsch. Gomez war es. der mit allen Mitteln von Schlauheit. Gewalt. Be­stechung und Drohung verhindert hat, daß Ve­nezuela den Lockungen der Verbündeten folgte und in den Krieg eintrat. Er hat dadurch zahllosen Deutschen da- Vermögen und den w rl'chaftlichen Bestand erhalten, vor allem die deutsche Wirtschaft vor schweren Schäden be­wahrt und es ist die Frage, wie stark deutsche 3nterllfen gefährdet werden, wenn es den Geg­nern gelingt, den Aufruhr ins Land zu brennen und eine gewaltsame Auseinandersetzung und Sciiöerung herbeizuführen. Wvbl haben die Sordrepubliten Südamerikas überhaupt ein ganz bestimmtes freundschaftliches Gefühl für die Deutschen, daS in Der letzten Zeit auS der Abneigung gegen die Amerikaner neue Sabrung zieht, und es ist nicht anzunehmen, daß die Deutschen Venezuelas von etwa siegreichen Geg­nern mit Gomez identifiziert werden. 3a. das um so weniger. cllS der Präsident in der letzten Zeit sich stark mit Amerikanern auf Geschäfte eingelassen zu haben scheint und ihnen ja auch daS wahre Gold des Landes. daS Petroleum der Maracaibogegend, in die Hand gespielt hat.

Drei Jahre Gießener Volkshalle.

Der Vol kshalle-Berein Gießen, in dem bekanntlich die Stadt die maßgebende Stel­lung einnimmt, hielt gestern nachmittag im SitzungSsaclle des Stadthauses, Bergstraße, seine diesjährige ordentliche Mitgliederver­sammlung unter der Leitung des Vorsitzen­den, Bürgermeister Dr. Seid, ab. Zunächst wurde der

Geschäftsbericht für das Zahr 1927 erstattet, der folgende bemerkenswerte Mittei­lungen enthält:

Obwohl das Geschäftsjahr 1927 unter der be­sonders im Sommer herrschenden naßkalten Wit­terung sehr zu leiden hatte und ferner die Doll^alle im Hinblick auf die im Frühjahr zur Durchführung gekommenen Derpuhaä»eiten, Fuß- bodenlegung auf den Galerien, Aufsehen von Dachreitern usw. für verschiedene vorgesehene Veranstaltungen nicht freigegeben werden konnte, ist die Besetzung der Halle als durchaus zu­fried e n st e l le n d zu bezeichnen.

Cs kamen im Laufe des Jahre- folgende Ver­anstaltungen zur Abhaltung: 7. bis 9. Mai: 1. Westdeutscher Kavalleristentag. 1. bis 19. 3uni: Gewerbeausstellung. 27. 3uni: Seunte Sym­phonie des Konzertvereins. 10. 3uli: Kinder­fest des Roten Kreuzes. 21. August: Militär- Sportfest. 10. Sept.: Russ. Ballett-Revue. 27. Rvv.: Geflügelausstellung.

Um die Halle auch im Winter einigermaßen nutzbringend zu gestalten, wurde im Dezember

1927 die Halle für Tennisspiele und die Weinstube für Tischtennis eingerichtet. Die Durchs ich rung weiterer Veranstaltungen im Winterhalbjahr scheiterten an dem Fehlen jeg­licher Heizungsanlage.

Duvchtoeg sämtliche Veranstaltungen haben einen außerordentlich starken Zustrom von Ortsfremden zur Folge gehabt und somit in ganz erheblichem Maße verkehrför­dernd gewirkt, wovon nicht nur die Wirt­schaft (Handel und Gewerbe), sondern auch die Stadt durch die starke Benutzung der Straßen­bahn und steuerliche Einnahmen bedeutende Vor­teile gehabt hat. Leider hatte gerade öle Ge- werbeausstettung, bi« zum größten Telle unter der Regie des Volkshallevereins zur Durch­führung gekommen ist, in besonderem Maße unter der Ungunst der Witterung zu leiden, so daß der UebTrschuh nicht in der gewünschten Höhr erzielt worden ist. Immerhin ist der Voüshalle- verein in der Lage, infolge der Einnahmen auch in diesem 3ahve wieder seinen Zinfendienst zur Durchführung zu bringen und die sahungsgemätze Auslosung von Anteil­scheinen vorzunehmen

Bei den Veranstaltungen im Geschäftsjahr 1927 wurden in der Volkshalle abgelebt: 210,87 Hekto­liter Bier, 1542 Flaschen Wein, 85 Flaschen Schnaps und Likör, 6598 Flaschen Wasser und Limonade. Ferner wurde eine große Menge warme und kalte Speisen, etwa 8000 Tassen

lieben) Himmelfahrt des auferftanbenen und wiederveremieten Paares, das fast wie Romeo und 3ulia un japanischen Gewände und im heroischen Zeitalter Sippons sich gebärdet.

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Von eigentlicher Handlung im Sinne abend­ländischer Dramatik (wie sie derÄreibefreit" übrigens durchaus gestaltete) kann hier kaum die Rede sein. Dazu ist das Ganze zu wenig straff, mythisch verdunkelt, lyrisch gelöst, erzäh­lerisch (in einer schlechten Technik) beschwert, melodramatisch-opcmhast ftilifiert. Aus dem seltsam christlich gewendeten Motiv des Gott- sucherrums der drei Greise und der Gottes- kindschaft. die sich weltlich und national im Sohne des gestürzten Mikado verkörpert, entwickelt sich das dichterisch wertvolle, klingende Herzstück des ganzen Werkes: die Liebe der jungen, als Schüler verkleideten Kotaro zu &»m Sohne des toten Mikado, dem 3üngling Kwan, welcher in der Dorfschule des Lehrers Genzo unerkannt aufgezogen wird. Die Sachstellung des Tyrannen fordert das Harcht des Kwan, und Kotaro opfert, um den Geliebten zu retten, sich selbst dem Schwerte. Dies ist dichterisch, einfach, schön und uns allen zugänglich. Fern liegt unferm Empfinden das barbarische Kindesopfer ebenso­sehr wie die seelisch zwar zu motivierende Selbst­opferung Kwans an der Leiche der Geliebten, toodurch aber doch der Sinn jenes Liebestodes der Kotaro wiederum fragwürdig, zum mindesten verschleiert wird. Heber die Auferstehungsszene haben wir gesprochen; sie erscheint uns unorga­nisch. Hingegen sind mit dem Opferungsmotiv starke dramatische Epannungselemente vcÄnüpft, die sich aus der entscheidenden Frage ergeben, ob die blutdürstigen Abgesandten des Tyrannen die Täuschung zu durchschauen vermögen.

Die Aufführung war von Gannett inszeniert. Mit Liebe und Sorgfalt, mit großem Fleiß und feinem Empfinden für die Eigenart des Sttles sowohl wie die rein theatralischen Wirkungs­möglichkeiten des Stückes. Es war nicht leicht, unter den sehr beschränkten Raumverhälinissen einer ausgesprochenen Kammerbühne die starken Detvegungsfaktoren des Werkes zur Geltung zu

bringen und die bielgliebrige Körperlichkeit eines ziemlich umfänglichen Schausplelerensembles in den engen Szenenrahrnen einzupassen. Wit viel Geschick und Geschmack, stilrein und stimmungsvoll waren die Bühnenbilder von Karl Löffler entworfen. Die Begleitmusik von Ernst Toch ttntrbc von Kapellmeister Schmidt Dirigiert. Choreographie: 3lfe Graes, Maskenentwürfe Erika Ezudinski.

Aus dem starken Darstetterausgebot sind mehrere neuengagierte Kräfte zuvörderst zu nennen, die in größeren Aufgaben Gelegenheit hatten, sich einzuführen und vorzustellen. Den Lehrer Genzo gab Cdelbert GareiS: ein Schauspieler von imposanter Erscheinung, im GesichtSschnitt etwas an Klöpfer erinnernd, der feiner geistig beherrschten und durchgearbeiteten Solle ein gute# Profil gab. sprachlich dagegen ein wenig hart erschien und übrigens auch mehr Aktionsradius auf größerem Spielfeld gebraucht hätte. Trude Heß verlieh der mütterlichen Gestalt der Tonani frauenhafte Weichheit, Wärme des Tons und wirkte sehr angenehm in der körper­lichen Gelöstheit der Darstellung. Hans Haefer stellte den Tyrannenknecht Gemba in der Haltung und mit den scharfen Atzenten des Charakterspielers. - Otto Knut, als göttlicher Sproß des Mikado, gab eine sympathische Probe tüchtigen darstellerischen Könnens und offenbar guter organischer Mittel: ein Liebhaber von Tem­perament und Eigenart, äußerlich übrigens so­wohl dem jüngsten Sproß der berühmten Fa­milie Thimig. wie auch HanS Braufewetter nicht unähnlich.

Vom alten Stamm des Personals ist vor allem 3ngeborg Scherer mit Auszeichnung zu nennen, die in der Rolle der Kotaro eine dankbare und ihrer Begabung ungemein entgegenkommende Auf- Sabe fanb; sehr hübsche, ausgeglichene Leistung.

'n größeren Chargen: GefferS. Jüng­ling, Taste, Teleky, Sold, 2>r.Sitter.

Der Beifall zum Schluß klang herzlich und war verdient: Regisseur und Darsteller konnten sich mehrfach zeigen. Dr. Th,