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(Sieben, den 24. Januar 1928.

Zum Gchuhe des deutschen Volkstums.

3n der Neuen Aula der Universität versarn- «nelten sich am Sonntagnachmittag zahlreiche Mitglieder und Freunde der Arbeitsgemein­schaft für Grenz-. Ruhen- und Ko- lvnial-Deutfchtum (Bund der Kolonial- freunde. Kolonial - Gesellschaft. Morine-Verein. Deutscher Ostbund. Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See, Verein für das Deutschtum im Auslande). Aach einer kurzen Be° grüßungsansprache der Vorsitzenden. Frau Pro­vinzialdirektor Graef. sprach Studienrat Dr. Koenig, der bekannte und eifrige Vorkämpfer für das Deutschtum im Auslande, in etwa l1/*6 stündigem, außerordentlich fesselnden Vorirage über das ThemaOB t r Deutsche in der W e 11, womit er bedeutsamste Grundfragen des deutschen Lebens der Gegenwart wirksam her- ovsstellte.

Der Redner bemerkte einleitend, die ganze Problematik unseres Lebens als deutsche Men­schen sei nach dem Kriege wieder aufgerissen worden; alle Probleme, die wir erledigt glaubten, weil wir uns in dem kleindeutschen Reiche voM 1870 gesättigt fühlten, erschienen heute nur zurückgestellt, sie feien alle wieder da. Es handle sich um das Problem Volk und Staat überhaupt. 3n den letzten Jahr­zehnten betrachteten wir den Staat als das Aller­wichtigste, als den Zweck der Volkheit; es sei ja so schwer gewesen, im vorigen Jahrhundert zu einer neuen staatl chen Form zu kommen, und als sie da war, war sie die Substanz unseres Lebens, bis sie 1918 zusammenbrach. 3n erster Linie handle es sich aber doch um die Volkheit, der Staat fei nur Mittel zum Zweck. Heute stehe das Pro­blem des kleinen Re chsvolkes und des großen deutschen Gesamtvolkes wieder vor uns, das auf die Formel gebracht wurde: kleindeutsch oder grobdeutsch? Dieses Problem zu lösen seien wir berufen. Den deutschen Menschen als solchen, nicht den Mann der Partei müsse man als das wichtigste betrachten, das Außen« und Dinnendeutschtum müsse man zu dem Dewuhtsein seiner Verbundenheit zusammenführen. Das sei unsere große Aufgabe. Die Erscheinung, dah das Gesamtvolk größer sei als. das Staatsvolk sei allgemein. Daher sei auch unsere Aufgabe nicht nur eine deutsche, sondern eine gesamteuropäische, denn mehr als bei anderen Völkern sei cs bvi uns der Fall, dah die Reichsgrenzen sich mit den Dolkstumsgrenzen nicht decken.

Bei einem geistigen Ga um die Grenzen unter dem Gesichtswinkel Volkheit und Staat­lichkeit beschäftigte sich der Redner zunächst ein­gehend mit den Verhältnissen im Westen. An Hand der Geschichte wies er in glänzender Beweisführung nach, dah hier ursprungsdeutsche Volkheit und gegenwärtige Staatlichkeit durch­aus nicht dasselbe sind, daß von dem, was einst das heilige römische Reich deutscher Ration war. als Einheit deutscher Volkheit und deutscher Staatlichkeit nicht mehr viel übrig geblieben ist; ein geschlossener großer Streifen urgermanischen Volkslandes sei im Westen aus der alten poli­tischen Linie herausgetreten. und neue Staaten seien hier im Laufe der Zeiten entstanden: Holland, Luxemburg, Belgien, Elsaß. Durch an­dere Erlebnisgrundlagen der dortigen Bevölke­rung seien andere Staatsgrundlagen geschaffen worden, trotz der mit uns gemeinsamen Volks­tumsgrundlage. Der Redner berührte in diesem Zusammenhänge auch die autonomistische Bewegung im Elsaß und betonte, hierbei gehe es um die deutsche Volkheit, um unsere Sprache. Wie wir uns politisch zu diesem Lande stellen wollten, ob wir es wieder haben oder auf die politische Herrschaft verzichten mochten, das seien Dinge, die im Bereiche des Staatlichen und Politischen lägen, nicht im Volklichen. Wenn aber irgendwo in der Welt die deutsche Sprache bekämpft und unterdrückt werde, so sei das eine Angelegenheit des deutschen Gesamtvolkes, ganz

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verwenden. D.eses tl wird nach seiner ) Zimmer enthal­te Zetten versehen hat. wie wir hören, i jetzt plötzlich gegen hoben und die Ar- len lassen, nachdem e Genehmigung zum omm enden Instanzen Einspruch des Wohl- imit begründet, dah : und Lustver­gebung he ein*

Kunst und Wissenschaft.

Lisa Rado t

Einen schmerzlichen Verlust erlitt das Frank­furter Operettentheater und mit ihm das theater­freudige Frankfurter Publikum durch den plötz­lichen Tod der beliebten Soubrette Lisa Rado, die am Sonntagabend noch gespielt hatte und am Montagmorgen in ihrer Wohnung tot auf­gefunden wurde. Ein herbeigerufener Arzt stellte als Todesursache einen Herzschlag fest.

hundert Bewerber um das Preisausschreiben derPresfa".

Auf das von derJnternationalenPresse" ausstellung Köln 1928 erlassene Preise a u s s ch r e i b e n zur Erlangung eines Presseschau­spiels unter dem WahlspruchEine Stunde Tageszeitung" sind, einem WTB.-Funkspruch aus K ö l n zufolge, annähernd hundert zum Teil sehr umfangreiche Arbeiten eingegangen. Die Ent­scheidung des Preisgerichts ist vor Anfang Marz nicht zu erwarten.

Berliner Börse.

B e r l i n , 24. Ian. (WTB.) Nachdem es im gestri- Sen Nachmittagsverkehr auf Deckungen eher etwas efter geworden war, ist es heute früh in den Zurecms wieder sehr still. Die Grundstimmung bleibt jedoch weiter freundlich. Kurse werden nod) nicht genannt. Am Devisenmarkt hört man Paris gegen London mit 124,02, Mailand 92,15, Madrid 28,70, London gegen Kabel 4,8745 und die Reichsmark gegen Kabel mit 4,1960.

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sehbaren Umständen einen anderen Weg als den vorgesehenen nehmen mußte, war nicht von der Gießener Studentenschaft in die Wege geleitet, son­dern es war «in Fackelzug der Frankfurter, Marburger und Gießener Burschen f d) a f t e n aus Anlaß der feit Jahrzehnten üblichen Feier des Burschenschafter - Reichsgründungskom­merses.

(weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt)

Eine städtische Pressestelle in Mainz.

Lpd. Mainz, 23. Jan. Mit Wirkung vom heu­tigen Tage ist eine Pressestelle des Ober­bürgermeisters der Stadt Mainz er­richtet worden, über deren Ziel und Zweck heute vormittag Oberbürgermeister Dr. K ü l b die Presse­vertreter unterrichtete. Aufgabe dieser Pressestelle, die dem Stadtsyndikus Dr. S ch w a h n unteriteht, ist es, die Presse über wichtige Projekte und An­gelegenheiten der Stadt zu unterrichten und ihr die Möglichkeit zu geben, an Hand einwandfreien Ma­terials die Oeffentlichkeit zu informieren.

Oer Eronberger Mord aufgeklärt.

WER. Frankfurt a. M.. 23. Jan. Am 29. Rovember wurde in der Gemarkung Kron­berg die 27jährige Auguste Gerber aus Frankfurt a. M. ermordet aufgesunden. Den Tatumständen nach konnte als Täter nur ihr CBräutigan* der Arbeiter Peter Müller aus Oberyöchstadt, in Frage kommen. Müller war nach der Tat unter Zurücklassung von Mantel und Kopfbedeckung geflüchtet. Alle Rach­forschungen nach dem Flüchtling waren bisher ergebnislos. Am 21. Januar wurde nun im Gebiete der Landeskriminalpolizeistelle eine u n - bekannte männliche Leiche aus dem Main g e l ä n d e t, die erst an Hand von Klei­dungsresten als die des geflüchteten Mörders identifiziert werden konnte.

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gleich, In welchem Staate der unterdrückte Teil der Volkheit lebe. DaS treffe auch auf Süd - tirol zu. Hier werde eine Verständigung nicht möglich sein solange das Italien Mussolinis unsere südtiroler Brüder so unerhört vergewal­tige, wie es in den letzten Zeiten geschehen sei. Das seien Dinae, gegen die nicht nur das Gewissen des deutschen Bolkes in stärkster Kraft aufbrennen müsse, sondern die auch das Welt- gewissen angehen mühten. Das südtiroler Pro­blem sei nicht nur ein österreichisches, sondern es sei ein deutsches Problem, weil es sich hier um die Zukunft unseres gesamtdeutschen Volkes handle. Hinsichtlich Deutschösterreichs sei es nötig, daß wir zu einer neuen, einer gesamtdeutschen Ge­schichtsauffassung kämen, die Friedrich den Großen und Maria Theresia als deutsche Men­schen zugleich sehe und werte, denn beide Staa­ten hätten eine gewaltige deutsche Mission ge­habt und seien ihr in hohem Maße gerecht ge- worden. Die Grenzverhältnisse im Osten seien so, dah sie zu einem Ost-Locarno nicht führen könnten. Danzig sei deutsch, der Korridor werde uns nicht zur Ruhe kommen lassen, ebenso auch Westpolen, die oberschlesische Frage hätte eine andere Regelung finden müssen. Die Ausfüh­rungen deS Redners über den Osten kann man dahin zusammenfassen, dah für alle Gebiete, die jenseits unserer alten Reichsgrenze liegen, ein Rationalstaat überhaupt nicht möglich ist, sondern daß dort nur ein Rationalitätenstaat in Betracht kommt, in dem den Minderheiten Schuh und Achtung ihrer Volkheit, ihrer Eigenart und ihrer Religion zu gewährleisten ist und sie dann ihren Staatsbürgerpllichten gerecht werden können.

Der Vortragende forderte zum Schlüsse, daß überall das Persönlichkeitsrecht des Menschen auf sein Volkstum ebenso anerkannt werde, wie das Persönlichkeitsrecht des Menschen auf seine Religion. Rur auf diesem Wege werde Mittel­europa wieder zur Ruhe kommen und sich schließ­lich auch eine Interessengemeinschaft sämtlicher Völker Mitteleuropas herausbilden. Das deutiche Volk im Reiche habe die Pflicht, die Fäden zu seinen Volksgenossen außerhalb der Rcichsgrenz.n nicht abreißen zu lassen, sondern sie immer fester zu knüpfen, damit auch das deutsche Volks­tum überall in der Welt sich durchsetzen könne und geachtet werde von anderen Völkern.

Anhaltender lebhafter Beifall der Versamm­lung dankte dem Redner für seinen glänzen­den, das deutsche Volksgewissen anpackenden Vortrag.

Daten für Mittwoch, 25 Januar.

Sonnenaufgang 7.50 Uhr. Sonnenuntergang 16.35 Uhr. Mondaufgang 9.38 Uhr. Monduntergang 19.44 Uhr.

1558: Einweihung der Universität Jena; 1776: der schottische Schriftsteller Robert Bruns in Allo- way geboren (gestorben 1796); 1866: der Dichter Herbert Eulenberg in Mülheim a. Rh. geboren; 1881: der Schriftsteller Emil Ludwig in Breslau geboren.

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Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 160, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 30 bis 40, Weiß­kraut 20 bis 25. Rotkraut 30 bis 35, gelbe Rüben 15, rote Rüben 15, Spinat 40 bis 50, Unter Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 25, Rosen­kohl 40 bis 50, Feldsalat 150, Tomaten 120, Zwiebeln 20 bis 25, Meerrettich 40 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 5 bis 51/«. Aepfel 12 bis 20, Birnen 10 bis 15. Dörrobst 20 bis 25, Honig 45 bis 50. Rüsse 50 bis 90 Pf. das Pfund; Gier 16 bis 18, Blumenkohl 30 bis 120, Salat 40, Endivien 30 bis 35, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 30, Sellerie 10 bis 60 Pf.

Bornotizen.

TageskalenderfürDienstag. Stadt­theater: 7.30 Uhr:Der Raub der Sabinerinnen" (Ende nach 10 Uhr). Deutscher und Oesterreichi- scher Alpenoerein: 8.15 Uhr. Großer Hörsaal der Universität, Lichtbildervortrag. Lichtspielhaus. Bahnhofitraße:Die Jugend der Königin Louise". Astoria-Lichtspiele: .Lim, der Gaunerkönig"._______

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Zur Ausnahme in eine höhere Schule. Es naht jetzt wieder die Zeit heran, da die Kinder angemeldet werden müssen, die von Ostern 1928 ab eine höhere Schule besuchen sollen. Den Eltern wird es deshalb erwünscht sein, wenn wir sie nochmals auf die Bestim­mungen Hinweisen, die für die Aufnahme in eine höhere Schule maßgebend sind. 3n die unterste Klasse einer höheren Schule können neu ausgenommen werden: 1. Kinder nach vier­jährigem Besuch der Grundschule; 2. beson­ders leistungsfähige Schulkinder nach drei­jährigem Besuch der Grundschule. Als be­sonders leistungsfähig sind solche Kinder an­zusehen, die geistig und körperlich so veranlagt und deren Schulleistungen derart sind, dah sie ohne größere Schwierigkeiten im Unterricht der höheren Schule mit guten Schülern, die einen normalen Linterrichtsgang haben, auf gleicher Höhe bleiben können. Eltern, die den Wunsch haben, ihr Kind schon nach dreijährigem Grund­schulbesuch einer höheren Schule zuzuführen, müssen einen entsprechenden schriftlichen Antrag anfangs Februar an den Leiter der Grundschule richten, die ihr Kind besucht. Es besteht noch eine zweite Möglichkeit, Kinder schon nach drei­jährigem Besuch der Grundschule einer höheren Schule zuzuleiten. Besonders leistungsfähige Schulkinder können nämlich das dritte Grund­schuljahr überspringen, d. h. sie werden nach Ab­lauf ihres zweiten Grundschuljahres sofort in die vierte Grundschulklasse verseht. Eltern, die die Absicht haben, ihr Kind die dritte Grund­schulklasse überspringen zu lassen, mü,yi ebenfalls einen entsprechenden Antrag bei dem Leiter der in Betracht kommenden Grundschule ein­reichen. Kinder, die in eine höhere Klasse einer höheren Schule eintreten wollen, müssen nach­weisen, dah sie die für diese Klasse notwendigen Äenntnine besitzen.

** Die Jugendherberge auf dem Hoherodskopf hatte im vergangenen Jahre 1044 Uebernachtungen (1029 in 1926). Davon ent­fielen 837 auf männliche, 207 auf weibliche Wan­derer. Die meisten stammten aus Oberhessen (395 Uebernachtungen, davon 194 aus Gießen), Hessen- Äu (381 Uebernachtungen, davon 212 aus Frank- Rheinland und Westfalen (108), Rheinhessen (84), Starkenburg (76). Der Ausbau der Jugend­herberge kann jetzt als abgeschlossen gelten. Wie er­innerlich, hatte die neu gegründete Ortsgruppe Gießen des Berbands für deutsche Jugendherber­gen in 1924 auf eine Anregung ihres Vorsitzenden, des Bürgermeisters Dr. F r e y , es übernommen, das ehemalige Schweizerhäuschen auf dem Gipfel des Hoherodskopfs zu einer Jugendherberge auszu­bauen. Den Grundstock dazu lieferte eine Haus­sammlung, die bei der Gießener Bürgerschaft viel Verständnis fand und rund 2300 Mark erbrachte. Noch in 1924 konnte der Ausbau soweit gefördert werden, daß die Schlaf- und Aufenthaltsräume des Erdgeschosses und ersten Stockwerks fertiggestellt und im Oktober der Benutzung übergeben werden konnten. Das nächste Jahr brachte den Ausbau des Dachgeschosses zu einem dritten Schlafraum. Im letzten Jahr wurde die Herberge von Malermeister Ludwig DiehmannII (Klein-Linden), der früher schon die Jnnenausmalung hergestellt hatte, mit einem schmucken Außenanstrich versehen. Im Herbst konnte das Haus noch mit elektrischem Licht aus­gerüstet werden. Die Jnneninstallation besorgte H. Imhof (Schotten). Besondere Schwierigkeiten bereitete in dem felsigen Voden die Verlegung der Kabelzuleitung. Diese Art der Zuleitung wurde auf Wunsch des zuständigen Forstamts gewählt, ihre sehr erheblichen Kosten wurden rund zur Hälfte von der Provinz Oberhessen getragen, die bereits durch jährlichen Beitrag an die OG. das Herbergswerk m Oberhessen förderte. Erwähnt sei hierdei, daß auch die Beiträge der Stadt Gießen und ein Teil der von der Zentralstelle für Volksbildung und In- genbpflege durch Schulrat Hassinger für Ober» dessen zur Verfügung gestellten Mittet für den Aus­hau verwendet wurden.

** Der Fackelzug am Freitag. Wir wer­den um Aufnahme folgender Zeilen gebeten: Der Fackelzug am Freitagabend, der aus nicht oorher-

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