Oie außenpolitische Debatte im Reichstag.
KommunistischesMißtrauensvotum gegen Stresemann mit 219 gegen 98 Stimmen abgelehnt
Westarp war sehr unvorsichtig, als er sich auf den Großen Kurfürsten berief. Dieser Fürst hat sich von den Franzosen bestechen lassen und war mit ihnen verbündet gegen den deutschen Kaiser. Wir fühlen uns in anderem Sinne als gute Deutsche. Wir sind nicht stolz auf den Zufall unserer Geburt. Stolz sein wollen auf unser Deutschtum, wenn dieses Deutschtum in den Arbeiten und in der Tätigkeit für den Frieden der Menschheit an der Spitze marschiert. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)
Abg. Emminger (B. B.)
Die Bedeutung des Kellogg-Paktes ist umstritten. Er wird so viel bedeuten, wie die Bereinigten Staaten aus ihm machen wollen. Seit den 14 Wilson-Punkten ist das Vertrauen des deutschen Volkes auf amerikanische Hilfe recht gering geworden. Wir sehen zwar in dem Kel- lagg-Pakt einen Fortschritt, aber noch nicht den llebergairg zum Pazifismus, der jede Rüstung unserer'rits überflüssig machte. Wir stehen in eurer Krise des Völkerbundes, hervorgerufen durch S v n d e r b ü n d n i s s e. die im Widerspruch zum Dölkerbundsgedankrn stehen und durch das Versagen in der Abrüstungsfrage. Wenn auch das englisch-französische Rüstungsabkommen für die Flotte nicht zustandegekom- men ist, so scheint es doch für die Landarmee zu bestehen. Die sentimentale Locarno- Politik hat durch die letzten Ereignisse einen harten Stoß erlitten. Aber die realpvlitische Seite von Locarno ist unverändert geblieben. Wir müssen daran festhalten, denn die Garantie der Sicherheit unserer Westgrenze ist auch für uns ein Vorteil.
Abg. Graf v. Revenilow (71. (5.) meint, in Genf sei die Locarnopolitik begraben worden. Ruch Driand, der von den letzten Regierungen zum deutschen Rationalhelden gemacht worden sei, habe jetzt seinen Heiligenschein verloren. Die Locarnopolitik habe Deutschland keinen Vorteil gebracht, sondern es nur zu seinem Schaden an England und Frankreich gebunden. Die deutschen Verträge mit Rußland seien nur ein Fetzen Papier, um die deu sche Oeffentlichkeit zu beruhigen. Der Außenminister Dr. Strese- mann werde selbst nicht glauben, daß durch ein paar öffentliche Erklärungen das englisch-französische Flvttenabkommen erledigt sei. Ganz verschwiegen habe Dr. Stresemann, daß wir immer mehr in die englisch-französische Offensivfront gegen Osten eingeklemmt würden.
Abg. Dr. Schreiber (Ztr.) geht auf die Ausführungen des Abg. Dreitscheid über die Reformvorschläge für dre Besetzung des Auswärtigen Amtes ein. Wir wollen allerdings, bah daS kulturelle Moment im Dienst des Auswärtigen Amtes mehr als bisher betont werde. Wir wollen nicht, daß im Auswärtigen Amt Familienfideikommisse errichtet werden. Wir wollen, baß auch bei der diplomatischen Vertretung Deutschlands die Imponderabilien der Weltanschauung zur Geltung kommen. Das kann der Wirkungsmöglichkeil der deutschen Diplomaten nur nützen.
Damit schließt die Aussprache.
2n namentlicher Abstimmung wird der Miß- trauensantrag gegen Dr. Stresemann mit 219 Stimmen gegen 93 Stimmen der Rationalsozialisten, Deutschnationalen, Kommunisten und der Christlich-Rationalen Bauernpartei bei 3 Stimmenthaltungen a b o e l e h n t. Das HauS vertagt sich auf den 27. Rovember.
verständigen nicht anerkannt werden. Wir wünschen, daß auch die deutsche Landwirtschaft durch Sachverständige bei den Verband- lungen vertreten wird. „Die Interessen der Arbeiter werden miwertreten durch die Männer, die Gesamtinteressen der Wirtschaft vertreten, nicht etwa einseitig die Arbeitgeberinteressen. Wir hoffen, daß angesichts der großen Aufgaben, die wir jetzt zu bewältigen haben, ein größeres gegenseitiges Verständnis zwischen den Parteien sich entwickelt. Daran scheint es aber noch zu fehlen, angesichts der Tatsache, daß der Führer des Reichslandbundes, der Abgeordnete Hepp, das nationalsozialistische Mißtrauensvotum gegen den Reichsaußenminister mitunterschrieben hat. (Hört, hört!) Wie reimt sich das zusammen mit den Forderungen des Reichslandbundes, die nur bei Fortführung der jetzigen Außenpolitik durchfürbar sind. Eine riesengroße Verantwortung laden diejenigen Führer großer Wirtschaftsverbände auf sich, die so leichtfertig und so wenig überlegt sich zu den großen Fragen der Politik verhalten.
Abg. Or. Breitscheiü (S.)
Wir Sozialdemokraten haben uns durch unsere innenpolitische Situation nie in unserer Zustimmung für Verständigungspolitik beirren lassen, well wir den ^rieben wollen und den Rechtsgedonken über den Machtgedanken stellen. Die uns Deutsche wenig befriedigende jüngste Entwicklung der La- carnopolitik ändert nichts daran, daß mit dieser Politik in der allgemeinen Friedenspolitik und Kriegsverhütung Fortschritte gemacht worden sind, daß jeder Krieg und jede Kriegsgefahr mehr als bisher Angelegenheit oller Völker geworden ist. Wenn Graf Westarp hier sagte, daß die an die Locarnopolitik geknüpften Verheißungen enttäuscht worden seien, so muß festgestellt werden, daß e r selbst die Verantwortung für Hoffnung und Enttäuschung mit übernommen hat, als er bei der Bildung der letzten Rechtsregierung die Richtlinien unterschrieb, die die Anerkennung der Locarnopolitik enthalten. (Abg. Gras Westarp (Dntl.): In meinen Reden habe ich diese Verantwortung ausdrücklich abgelehnt!) Ich halte mich nicht an Ihre Rede, sondern an das von Ihnen unterschriebene Dokument. Graf Westaro hat selbst anerkennen müßen, daß der sozialdemokratische Reichskanzler Müller der bisherigen außenpolitischen Stagnation dadurch in Genf ein Ende gemacht hat, daß er an die Franzosen die klare Frage richtete, ob sie nun aus dem Rheinland hinausgehen wollen oder nicht. Als die Deutschnationalen in der Regierung saßen, haben sie nicht irgendeinen Versuch dieser Art unternommen. Zu der vom Zentrumsabgeordneten Schreiber außerhalb des Hauses an der Z u f a m - mensetzung des Auswärtigen Amtes geübten Kritik muß ich sagen: Wir können unsere diplomatischen Vertreter nicht nach Ksnfes- tonen und Weltanschauung aussuchen, andern.nur nach der Fädigkeit. Wen sollten wir onst nach Konstantinopel schicken? (Heiterkeit.) Soll nach Moskau ein Atheist gehen, nach Jerusalem ein Katholik oder ein Jude? (Heiterkeit.) In einer Beziehung brauchen wir allerdings eine Reform. Der diplomatische Dienst darf nicht nur den besitzenden Kreisen offenstehen, sondern muß tüchtigen Kräften aus der Arbeiterschaft und den Mittelschichten geöffnet werden. Bei den bevorstehenden Sachverftan- digenberatungen zur Reparationsfroae muß vor allem berücksichtigt werden, was Deutschland zu leisten vermag, ohne den Lebensstandard seiner Arbeiter noch mehr al» jetzt 314 drücken. Gras
Berlin, 20. Rov. Der Reichstag setzte heute die außenpolitische Debatte fort. Zu den verschiedenen hierzu vorliegenden Anträgen ist, wie Präsident Lobe bei Eitzungsbeginn mitteilte, iwch ein nationalsozialistrscherMiß- trauensantrag gegen den Reichsauhen- minister Dr. Stresemann hinzugekommen.
Abg. Münzenberg (K.) führt aus, die mit Unterstützung der Sozialdemokraten geführte deutsche Außenpolitik habe einen durchaus imperialistischen Charakter. Es sei bezeichnend, daß der sozialdemokratische Reichskanzler Müller die Anerkennung des deutschnationalen Grafen Westarp und sogar der nationalsozialistischen Presse gefunden habe. Müller sei der beste Vertreter des neudeutschen Imperialismus. In Genf habe die deutsche Außenpolitik ein vollständiges Fiasko erlitten Die deutsche Delegation habe, ohne irgendeine chrer Forderungen durchzusehen, ein ganzes Bündel neuer Verpflichtungen übernommen Die deutsche Außenpolitik verfolge das Ziel, Deutschland in den Bund der westlichen kapitalistischen Mächte gegen Sowjetrußland einzugliedern Die Kommunisten würden gegen die ontirusfische Tendenz der deutschen Außenpolitik den Kampf aufnehmen nicht im Parlament, sondern durch eine Abwehrbewegung der Arbeiterschaft außerhalb des Parlamentes. Im kommenden Kriege würden die Kommunisten die Reichswehr auffordern, zu Sowjetruhland überzugehen (Beifall bei den Kommunisten)
Abg. Freiherr v. Nheinbaberi (O. V. p.)
Die Dolkspartei ist mit den Ausführungen des Ministers elnoerstanoen. Deutsckland hat jetzt den Kampf für seine Rechte auszusechten. Es ist notwendig, daß dieser Kampf auch durch die deutsche Volksvertretung unterstützt wird. Wir kommen nicht weiter, wenn jede Partei ihre Sonderforderungen stellt, wenn sozusagen jeder Deutsche seine eigene Außenpolitik treibt. Wir müssen uns zunächst auf diejenigen Forderungen einigen, die eine Aussicht auf Verwirklichung haben, weil sie auch im Interesse der übrigen Länder liegen. Graf Westarp verlangt Schluß mit der Locarno-Politik. Wir sagen demgegenüber: Deutschland ist durch diese Politik gesichert worden gegen eine Wiederholung des Ruhreinbruchs. Deutschland hat seinen wirtschaftlichen Wiederaufstieg nur unter der Locarno- Poutik beginnen können, weil Locarno uns eine gewisse Sicherung gegen Verwickelungen mit den Westmächten bietet. Es wäre die größte Dummheit, wenn wir verklausuliert oder nicht verklausuliert uns von der Locarnopolitik zurückziehen würden. Bei der Rede des Zentrumsabgeordneten Dr. K a a s ging mir die Melodie durch den Kopf: „Und ein oisfel Lieb' und ein bissel Freud'".(Zuruf: „Und ein bissel Falschheit ist alleweil dabei!" Heiterkeit.) Es lag in dieser Rede eine gewisse Distanzierung zur Locarno-Politik. Dor gar nicht langer Zeit hat aber Dr. Wirth immer wiederholt, daß Dr. Stresemann mit der Locarno-Politik nur die Drücke beschritten habe, die da» Zentrum gebaut habe. Wir halten an der Locarno-Politik fest. Wir müßen mit Frankreich und England weiter Politik treiben, wenn wir freier werden wollen. Ein eng- lisch-französische» Rüstungsabkommen hätte natürlich die Locarno-Politik zunichte gemacht. In der Reparationsfrage ist die Verhandlungsposition Deutschlands gegenüber der Zeit vor Locarno verbessert. vhne Zustimmung Deutschlands tft keine ßöjung möglich. Der von Poincare eingenommene Standpunkt wird von objekttoen Sach»
Dr. Paltauf betrachten. Auch diese Hamen sind vorläufig nur Kombinationen. Die Aufstellung dec Kandidaten wird voraussichtlich pst wenige Tage vor der Wahl erfolgen.
Aus aller Wett.
Zustizral Dr. Adam Joseph Schmitt (Mainz) f.
2m nahezu vollendeten 73. Lebensjahr starb in Mainz der langjährige Führerderhessi- schen Katholiken, Geh. Iustizrat Dr. Adam Joseph Schmitt. Dr. Schmitt war einer der Gründer der hessischen Landtagsfrattion, an deren Spitze Dr. Schmitt und sein Freund v. Brentanv standen. Der Verstorbene hat unter sehr schwierigen Verhältnissen zweimal (1896 und 1898) den Sozialdemokraten den Reichstagswahlkreis Main- Oppenheim entrissen. 1919 wurde er in die Rarionalversammlung gewählt. 2m 2ahre 1920 zog er sich nach 27jähriger parlamentarischer, Tätigkeit vom politischen Leben zurück Auf dem Aachener Katholikentag 1912 war er Präsident.
Selma Lagerlöfs Geburtstagsfeier.
Raiurgemäß widmen sämtliche schwedischen Zeitungen anläßlich des 70. Geburtstages der großen nordischen Dichterin ausführliche Aussätze. Den ganzen Tag über hat die Iubilariy Abordnungen empfangen müssen, die ihr Blumen und wertvolle Geschenke überreichten. Besonder- tief empfunden und ergreifend waren die schlichten Grüße aus ihrer Heimat Värmland und von den Vollsschullehrern und den Kindern aus ganz Schweden. Aus aller Well trafen Glückwünsche ein, die begeistertsten vielleicht aus Deutschland, darunter die vom Reichs verband deutschen Schrifttums, von der deutsch-schwedischen Studiengesellschaft, Berlin, und von vielen deutschen und österreichischen Frauen und die Ehrenpromotion der Universität Greifswald. Die Königin Viktoria von Schweden sandte ihre Glückwünsche aus Rom. Am Dienstag abend fand in der Oper eine Fe st Vorstellung statt. Gespielt wurde »Die Kavaliere auf Ekeby", eine Oper des italienischen Komponisten Zandonai. Die Oper war festlich mit Lor- beergirlanden und Fahnen, die Loge Selma Lagerlöfs selbst mit großen Dlumenwrben geschmückt. Der Andrang zu der Vorstellung war so stark, daß selbst schlechte Plätze für über 100 Kronen weiter verkauft wurden. An der Vorstellung nahm der Kronprinz, die Prinzessin 2ngeborg-2ngrid, die Prinzessin 2 le an a von Rumänren sowie die Prinzen E u- gen und Wilhelm teil. Die Oper sand stürmischen Beifall. Selma Lagerlöf wurden begeisterte Huldigungen d.rgebracht. 2m Anschluß hieran fand ein grojc3 Festbankett statt, aus dem der Kronprinz einen Trink- spruch auf die Jubilarin ausbrachte.
Dandenüberfall an der Marseiller Börse.
Am Mittwochnachmittag wurden in der Rähe der Dörstz von Marseille drei Bankangestellte von fünf Banditen Überfällen, niedergeschlagen und vollkommen ausgeraubt. Einer der Angestellten wurde durch einen Revolverschuh getötet, die beiden anderen erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Den Räubern sielen 358 000 Franc- in Banknoten in die Hände. Die fünf Räuber teUten sich bei der Flucht, sHe> benutzten ein Auto mit gefälschter Dummer und ein gestohlenes Lieferauto, um zu entkommen. DaS Personenauto wurde in der Ilmgegend von Marseille verlassen vorgefunden. Das Lieferauto, in dem sich drei an dem Hebet» fall beteiligte Räuber befanden, wurde von vet Polizei bei Pont de Dompan angehalten und die Insassen verhaftet. Die beiden anderen Räuber, die das Geld bei sich führen, sind noch nicht ergriffen.
wertere 13 Siegerländer Betriebe der Eisen- Industrie und Walzengießerei Stillegungsanträge eingereicht oder sind inzwischen still- Äworden. Auch von diesen Aussperrungen etwa 4000 Arbeiter betroffen. Mit den genannten Eisensteingruben und obigen Betrieben ist der größte Teil der Siegerländer Industrie zum Erliegen gekommen. In welchem Umfange nach Beilegung des Aussperrungskampfes in der nordwestlichen Gruppe die Siegerländer Grüben und Betriebe ihre Produktion wieder aufnehmen Verden, läßt sich zur Zeit nicht ab- sehen.
Auslandkrediie und Landwirischast.
Eine Erklärung deS ReichSlandbund» Präsidenten
Kothen, 20. Rov. (Telunion.) 3m Rahmen der Generalversammlung des Landbundes erklärte der Präsident, Reichsminister a. D. Schiele zur Frage der Auswirkung der Aus- landkredite auf die Landwirtschaft u. o., daß die Auslandkredite sich in Einfuhr von Agcarprodulten umgewandelt h ttten, da internationale Kapitals.ransakiionen de facto stets in Warenform erfolgen. Eine Wehreins uhr erfolge entweder bei denjenigen Produkten, die das kapitalempfangende Land mit Hilfe der Kredite taufe oder bei denjenigen, an denen das Ausland einen Lleberfluß habe, vorvorausgesetzt, daß dem Import nicht prohibilive Fälle entgegenständen. Bei den landwirtschaft- sichen Erzeugnissen, deren Produktion sich nicht tontingenticren ließe, sei in den letzten Jahren eine aleberproduktion in der Welt zu beobachten gewesen. Begünstigt durch die Auslandkredite hätten diese lleberschüsse den Weg nach Deutschland genommen und der deutschen Landwirtschaft den Markt verdorben. Das sei der Grund dafür, daß vielfach deutsche Agrarprodukte unverkäuflich seien, während zur selben Zeit Auslandeinfuh- ren stattfänden. Der hieraus entstehende Druck auf das Riveau dec Agrarpreise habe zu Verlusten, d. h zur Verschuldung geführt und die Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse verhindert. Die sich eines Tages aus dem Versiegen der Auslandkredite ergebenden Störungen der deutschen Wirtschaft könnten nicht der Landwirtschaft zur Last gelegt werden.
Eine irische Gesandtschaft in Berlin.
Berlin, 22. Rov. (Priv.-Tel.) Die Regierung des Freistaates Irland hat bei der deutschen Regierung um Genehmigung nachgesucht, eine Gesandtschaft in Berlin zu unterhalten. Diese Genehmigung ist erteilt worden. Innerhalb des englischen Wellreiches, zu dem Irland a l s selbständiger Gliedstaat gehört, macht
sich immer mehr das Bestreben einer auch außenpolitischen Selbständigkeit geltend. So hat Südafrika kürzlich einen Handelsvertrag mit Deutschland abgeschlossen, der in England zum Teil heftig krllisiert worden ist. weil er das Vorzugszoll-System innerhalb des englischen Weltreiches durchlöcherte. Die Errichtung einer irischen Gesandtschaft in Deutschland wird vom ganzen deutschen Volke wegen der traditionellen herzlichen Beziehungen und der weltpolitischen Verwandtschaft beider Völler begrüßt werden.
Oer (Stellenplan vor dem Finanzausschuß. Grundsätzliches.—Die Kapitel 1—6.
Darmstadt, 20. Rov. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages begann heute mit der Beratung des von der Regierung vorgelegten Stellenplanes. In der Generaldebatte wurde von verschiedenen Seiten noch um Aufllärung gebeten, namentlich wie die Einreihung in die verschiedenen Besoldungsgruppen bei den einzelnen Deamtenkategvi.ien erfolgt sei, ob Arbeit, Tüchtigkeit usw. berücksichtigt worden sei. Don Seiten der Regierung wurde u. a. erklärt, daß bei den unteren Beamten je die Hälfte in die höhere und die niedrigere Gruppe eingereiht worden sei, bei den mittleren Beamten etwa ein Viertel in die höhere und drei Viertel in die niedrige Gruppe und bei den oberen Beamten etwa ein Sechstel in die höhere und f ü n s S e ch st e l in die niedrigere Gruppe einrangiert worden seien, wenn auch das Verhältnis nicht ganz streng eingehalten worden sei.
Da eine ganze Reihe von Anträgen aus den Kreisen der Parteien und zahlreiche Vorstellungen von Verbänden und Privatpersonen zum Stellenplan ein gegangen sind, die eine Aenderung der Desoldungsdienstordnung selbst notwendig machen würden, beschloß der Ausschuß nach längerer Debatte mit 10 :3 Stimmen (der De- ntoicaten, Dolkspartei und Kommunisten), daß alle Anträge und Vorstellungen, die eine Aenderung der Desoldungsordnung zur Folge haben würden, zurückzustellen seien bis eine Ro- velle zur Abänderung der Desoldungsordnung eingebracht werde. Durch diesen Beschluß wurde ein kommunistischer Antrag e ledigt, der besagt: Bei der Beratung des Stellenplanes wird die Beseitigung aller Härten und die Ausmerzung aller Einstimmigkeiten vorgenommen, sowie ein Antrag, der besagt: Eine Einstufung über die Gruppe 3b und unter dis Gruppe 4c dürfe nicht vorgenommen werden: Stellen gleicher Art können nur in einer Besoldungsgruppe erscheinen, bei Einreihung in die Besoldungsgruppen darf eine Verkürzung des Desoldun gsdienstalters nicht erfolgen.
Bei der Deratung der einzelnen Kapitel war zu Kapitel I. Forst- und Kameralver- waltung, von dem Abgeordneten Keller (D.
B.) der Qlntrag gestellt worden, die Förster in die Gruppen 4 e, 5 und 6 zu. dritteln, der aber gegen zwei Stimmen abgelehnt wurde. Gin Antrag Reiber (D.), in die Gruppen 4 e 70 in die Gruppe 5 200 und in die Gruppe 6 146 Förster einzureihen, wurde ebenfalls abgelehnt. Eine Eingabe dar Amtsgehilfen und eine Eingabe der Staatsförster wird für erledigt erklärt. Das Kapitel selbst wird dann gegen eine Stimme angenommen.
In der RegierungSfassung werden auch die Kapitel 3, 4 und 5 angenommen. Bei Artllel 6 werden gemäß einem Antrag Lux (S.) bei den Gradier- und Werkmeistern zwei Stellen (statt einer) besetzt und bei den Werkmeistern in der Gruppe 9 statt 3 nur 2 Stellen bewilligt. Das Kapitel wird dann gegen zwei Stimmen angenommen. Zwei Eingaben Müller und Adolf werden für etlebigt erklärt. Rachdem noch Kapitel 62 angenommen worden war, vertagte der Ausschuß feine Beratungen auf morgen. Wahrscheinlich wird der Ausschuß am Donnerstag und Freitag keine Sitzungen abhalten, da die volks- parteisichen Mitglieder wegen einer Zentralvorstandssitzung nach Berlin fahren.
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Wie und von maßgebender Stelle mitgeteilt wird, lautet die offizielle Bezeichnung der Gießener Anstalt, dZsen Ausbau der Finanzausschuß am 6. Rovember beschloß, Hess. Heilstätte für Nervenkranke bei Gießen.
Oer österreichische Bundes- Präsident.
Keine Wiederwahl Dr. Harnischs.
Wien, 22. Rov. (Privaltel.) Die Absicht des Bundeskanzlers Seipel, eine nochmalige Wiederwahl des jetzigen B u n d e s p r ä s i d e n - ten Hainisch zu ermöglichen, ist an dem Widerspruch der Sozialdemokrasie gescheitert. Für Seipel handelt es sich gleichzeitig darum, die jetzige Wahl des 2undesprä,idcnten durch das Parlament zu beseitigen und statt dessen, wie in Deutschland, eine direkte D0 lkswahl einzuführen. Auch hiergegen hat sich die Sozialdemokratie gewehrt, statt dessen trägt sie dazu bei, daß in Oesterreich die Wahlcn des Staatsoberhauptes eine Sache der politischen Parteien und Klicken bleibt Trotzdem wird der Wunsch, einen Sozialdemokraten an der Spitze des Staates zu sehen, nicht erfüllt werden, denn die Einigung zwischen den butter ichen Mehrh.itspa.teien wird zweifellos erreich, werden. — Der Bundespräsident hat auf Antrag der Bundesregierung die Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten auf Mittwoch, 5. Dezember, einberufen. Den Vorsitz der Bundesver ammlung führt der Präsident des Rationalrates. Als aus- sichtsreichstL Bewerber um die Präidentschaft kann man den berühmten Chirurgen Profes or Eiselsberg und den früheren Iustizminister
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Das nordwestliche Druckfallgebiet hat sich feit gestern abend wesentlich vertieft und sowohl südwärts als auch ostwärts ausgebreitet und zu Abbau des hohen Druckes über Deutschland geführt. Unsere Wetterlage, die von seiner Südseite beeinflußt wird, hat bereits einen Umschlag erfahren. Sein weiterer Einfluß bringt unter ozeanischer Luftzufuhr ver- änderliches Wetter mit mehrfachen Niederschlägen, wobei die Temperaturen unter auffrischenden südwestlichen bis westlichen Winden wieder etwas zu- rückgehen.
Wettervoraussage für Freitag: Unter wechselnder Bewölkung mit vorübergehender Aufheiterung, allmählich etwa» kühler, vereinzelte Niederfchläge, südwestliche bis westliche Winde.
Lufttemperaturen am 21.Rovember: mittags 7,1 Grad Celsius, abends 4,1 Grad Celsius, am 22. Noo.: morgens 4,7 Grad Celsius. Maximum 8 Grad Celsius, Minimum 3,5 Grad Celsius — Erdtemperaturen am 21. November: abends 5,6 Grad Celsius; am 22. November: morgens 4H Grad Celsius. — Niederschlag 0,5 Millimeter. — Sonnenscheindauer 11 Stunden.


