Nr. 224 Zweiter blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)
Samstag, 22. September 1928
Deutscher Zurislenlag und Kartellgesetz.
Don Dr. Otto Sger, o. Professor der Rechte an der Universität Gießen.
Wan frört freute viel reden von Kartellen, ost allerdings von Leuten, bic nur eine sehr un- betHmmU Dorftellung von dielen Gebilden haben. Sie denken dabei meist nur an irgendwelche Organisationen von Unternehmern. durch welche eine Steigerung der Prelle frerbeigesühr: werde, und die eben um vieler Äerteuerungs'.enden- willen vom Gesetz bekämpft werden mühten. Ob ist deshalb anzunehmen bah die Derhandlungen deS dicSiährizen deutlchen Iuriitentags die vom 12. bi» 15. September in Salzburg haitgcfunden haben, besonderer *2Iufmerfiamfeit in ©eiteren Kreisen insoweit begegnen al» sie sich mit der Frage beschäftigten. ob sich eine Aenderung und Vereinbeil lichung der deutlchen und österreichl- schen Äartellge etzgebung empfiehlt. Dabei trat allerdings in der Beratung da» österreichische Recht und die Frage nach einer Vereinheitlichung beider Rechte ganz in dm Hintergrund, und man beschäftigte lich überwiegend mit dem deutschen Recht sich hieraus beziehenden Derhandlun- aen unb ber al» beten Orgcbnt» gefahte Beschluß sind auch um de»willen von ungewöhn- lichec Bedeutung, weil der ReichswirtschaftS- Minister im Reichstag erklärt hat. daß vor einer Aenderung ber gegenwärtig in Deutschland geltenden sogenannten Kartellverordnung die ®r- gebnisle der Beratungen de» Deutschen 3uriften- tage» abgewartct werden sollten.
Diese sog. Kartellverordnung -- ober, wie die amtliche und zutressendere Bezeichnung lautet .Die Verordnung argen den Mißbrauch wirtschaftlicher Machtstellungen" ist in den stürmischen Rovembertogen de» Jahre» 1923 erlassen worden. Ihr Inhalt ist in aller Kürze folgender: Sie enthält sehr verschiedenartige Bestandteile: einmal gibt sie Vorschriften, bie sich nur auf Kartelle (ober wie e» in der Verordnung heißt: Syndikate. Kartelle, Konventionen und ähnliche Abmachungen) beziehen, toüfrrenb § 10 eine Bestimmung enthält, Die nicht nur auf Kartelle, sondern auch auf Trust», Interessengemeinschaften und Einzelunternehmungen anwendbar lein sollen Für die Kartelle wird in dem ersten Teil insbesondere dem ReichSwirlschastsminister ein Aufsicht-recht eingeräumt. <$r kann u. a. wenn em Karlelivenrag ober Beschluß die De- samtwirtschast ober ba» Gemeinwohl gesährbet, beim Karteilgericht beantragen, bah der Vertrag oder Beschluß für nichtig erklärt wirb. Ganz anberer, nämlich privalrechilicher Ratur ist ba- gegen bie Dorschrist, bah jeder baran Beteiligte einen Kartellvertrag ober -beschluh fristlos kündigen kann, wenn ein wichtiger Grund vorliegt, in-besonbere wenn bie wirtschaftliche Bewegungsfreiheit de» Kündigenden unbillig eingefchräntt wird. Schließlich wird noch für die Kartelle die Bestimmung getroffen, ba» Sperren nicht ohne Ctntoilliaung de» Vorsitzenden de» Kartell- gencht» verhängt werden dürfen. Wenn also z. D. bk Leitung eine» Kartell» besten Mitgliedern mvtteilen will, dah ein bestimmter Abnehmer fortan nicht mefrr beliefert werden dürfe, so ist hierzu die Einwilligung de» Vorsitzenden deS Karteiig.richt» erforderlich.
Für Äartilk-, Trust», Interessen gemeinschasten und Ginz.luntcnrebmungen gememfam wird nur bestimmt, baß bei ihnen Geschäftsbedingungen unb Arten von Preisfestsetzungen, bie geeignet sind unter Ausnutzung einer wirtschaftlichen Machtstellung bie Gesamtwirtschaft ober da» Gemeinwohl zu gefäfrtb.n. durch das Kartcllgericht auf Antrag des ReichSwirtscha'tSministers für unverbindlich erklärt werden könnest. Aufzer- dem ist durch bie Kartellverorbnung da» Äartcll- gcricht alt Eondergcricht ins Leben gerufen worden.
Die Frage, oo diese Verordnung vom 2. Rovember 1923 in Geltung zu belassen, ob sie durch andere Sondervorschnsten zu ersetzen oder ob überhaupt iebc Sonderregelung dieser Art zu beseitigen sei. bildete den Hauptgegenstand ber Beratungen de» Iuristentage-. Dabei
war vorauszusehen, dah sich wohl kaum ein unbedingter Verteidiger der Verordnung finden würde, der ihre unveränderte Fortgeltung befürworten würde. GS ist ja nicht zu verkennen, dah e» al» ein unerfreulicher Instand erscheint, dah so wichtige, tief in da» WirtschaitSleben einschneidende Fragen im Wege einer Verordnung und nicht durch ein Gesetz geregelt sind. Auch haben sich bei der Auslegung und Anwendung der Verordnung so erhebliche und zum Teil kaum lö-bare Schwierigkeiten ergeben, dah eine neue gesetzliche Regelung notwendig erscheint.
So haben sich denn auch bie beiden Berichterstatter de» Iuristentage», Isay und Ripperdetz, in zwei ausgezeichneten Referaten fur b;c Auf. Hebung der Verordnung ausgesprochen, unb es ist dagegen auch von feiner Seite ein Widerspruch erhoben worden. Ueberbaupt kam in ber S'.Bfu'l-.on eine weitgehende allseitige V stimmung mit ben Ausführungen ber beiden Referenten zum Au-druck, wie denn auch bie von ihnen gemeinsam abgefahlen Leitsätze am Schluß der Verhandlungen mit Einstimmigkeit angmom- men wurden. Wesentlich abweichende Vorschläge wurden nur von einem DiSku's.onsredner gemacht, ber zum Ausdruck brachte, dah er al» Sozialist die Forderungen der Dewerlschasten vertrete Auch er hat sich nicht etwa grundsätzlich gegen Kartelle ausgesprochen, es soll aber nach seiner Meinung die staatliche Aufsicht über Kartelle und Monopole nicht durch den ReichS- wirtschastSminister. fonbem durch ein besonderes ReichSamt für Kartelle unb Monopolverwaltung auSgeübt werden, in welchem auch die Arbeitnehmer vertreten sein sollten. Außerdem fallen an der Verwaltung der einzelnen Kartelle, der Konzerne und Truste die Arbeitnehmer al» Vertreter der Interessen ber Allgemeinheit teilneh- men. Da« Kartellgericht soll al» Sondergericht einer künftigen Reich-Wirtschaf t-verwaitung bestehen bleiben. Diese Vorschläge fanben auf dem Juristen tag feinen weiteren Verteidiger: sie werden ober in den parlamentarischen Kämpfen, die dem Erlaß des zu erwartenden Kanellgesetzcs vorausgehen werden, zweifellos eine bedeutende Rolle spielen.
Rach dem Beschluß de» Iuristentage» soll die staatliche Aufsicht durch den ReichSwirtschaftS- minifter auSgeübt werden Sir soll sich nicht nur beziehen auf Kartelle, d. h. Vereinigungen felb- ftänbiger Unternehmer, sondern auch auf marktbeeinflussende Grvhuntemehmungen. also die fltojen Int r.ffcna meinichaf en. .^.o izer.ie, Trusts, aber auch grobe llntcmcfrintungai in Händen von Einzelpersonen. Hieraus würde sich eine wesentliche Aenderung gegenüber dem zur Feit auf Grund der Verordnung bestehenden RechtSzustand insofern ergeben, al» nach dieser nur ein Vorgehen de» RcichSwirtschaftSmin.sterS gegen Kartelle vorgesehen ist. Rach dem Do:um deS 3u- ristentage» soll der Reichs wirlschaslSminister von einem unabhängigen SachverftändigenauSschuh beraten werden, dem hervorragende Vertreter der Wissenschast und des Wirtschaftsleben», sowohl ber Unternehmer al» auch der Arbeitnehmer an- qebören sollen. Die Reichsaufsicht soll sich darauf besch.Lnken. unter Wahrung der beroch igten De- £be» betreffenden Wtr.schaftSzwelges brtn-
Interefsen der Gesamt wirt schäft und de» nwvhlS au berücksichtigen. Rur wenn eine Wirtschaftliche Beeinflussung m Wege vertrauensvoller Verhandlungen nicht erreicht werden kann, soll ber Reich-WirtschaftSininister nach Anhörung de» SachoerständigenauSschusfes b.'fugt fein. Der- waltungSmabnahmen zu ergreifen, die u. a. in der Auslösung von Kartellen bestehen können. Otogen eine solche Anordnung des Reich-Wirtschaft SmintsteriumS soll die Beschwerde an daS Reichsverwaltungsgericht zulässig sein. Hier ist ein wichtiger Unterschied gegenüber ber Verordnung vom Jahve 1923 insofern feftzustellen. als
Höhenflugrekord.
Don Lion Feuchlwanqes.
Am 2. Juli, einem sehr Heinen Tage, morgen» um 10 Uhr 20 Minuten, flieg der Leutnant Victor E r e c h auf. um ben bisherigen Welt- re korb von 11 702 Meter Hohe zu brechen. Die Grenze, die für Fiuazeuge erreichbar ist. war matfkmatifd) festgestellt. Richt aber, trotz vieler Versuche im Laboratorium, gab e» eine sichere Formel für die Hohe, bl» zu der Menschen lebend gelangen können. Fünf Flieger frühen sich bi» letzt ernsthaft und au» ichtsvoli an dem Kampf um den Hohen luarekorb beteiligt Leutnant Sreeh war der sechste.
Langsam schraubte sich sein Flugzeug .Marie Cemairc" (ö. XIII 26) frinauf In bie bünne. non sausendem Wind durch etzte Atmo'phäre. Denn dauernd fegt vorn Rand des luftleeren Raumes ein sehr starker Ostwind. In gleicher Hohe mit dem FlugMig .Marie Cemairc1 stieg ber Horizont, würbe weiter, undeutlicher. Leutnant Steen steuerte fein Flu«eug daher. langsam. vorsichtig, wohl wissend, daß ber menschliche Körper, unvermittelt in solche Hohen gebracht bersten müßte, denn eS saugt der Raum an jeder Jelle de» Leibe» um ihr Quentchen Luft zieht durch die Haut hindurch ba» Blut heraus.
In kurzer Zeit doch ihm schien es langsam, gelangte der Leutnant in die eilige Dünne der ganz großen Höhe. Sin paar Wolken, ein Schnee- sturm. kommend von nirgendwoher, den Boden nie erreichend Sv fegte der einsame Mann dahin.
Die Hebelarme seines 280-P. S.-MotorS tanz- tcn. ab und zu wurden die Propellerslügel sichtbar. Sonst sah der Flieger nichts aufrer den schmalen Zeigern seiner Instrumente. Langst waren die Städte zu handbreiten Flecken geschrumpft und verschwunden, längst bie Ströme au dünnen Drähten geschrumpft und verschwunden. Kein Gcho war, nur das Surren des WotorS. Richt» war im Raum außer dem Leutnant und seiner Maschine.
Leutnant Srecn war 28 Jahre alt. während des Krieges infolge außerordentlicher Leistungen im 'Tagesbericht ber französischen Heeresleitung zweimal genannt. Jetzt hatte er das Ziel, der Internationalen Aeronautischen Föderation in Paris oer iegc’.te Instrumente vorzu eren mit so ktschasfenen Lesungen und Ergebnissen daß dieses Institut sie alS Rekord aushängen könnte. Er
kannte von elf Höhenflügen und von den Versuchen im Laboratorium her die Wirkungen der dünnen Luft. Er wußte von der weißen Mittsommerfonnc. die ihn. b*a ihn die Atmosphäre nicht schützte, mit gleichmäßiger Unbann- Herzigkeit bestrahlte. Er kannte gut den Winter, ber in diesen Höhen auch im Juli friert Er war dicht in 'Pelze gewickelt, schwere Pelzhand chuhe trug er an den Händen. elektrische Heizkörper wärmten überdies da- eine Dein, bas infolge einer Steifheit gegen Kälte rasch empfindlich war. Da» Gesicht war dick mit Fett beschmiert. Die Augen, in- linke war ein Monokel geklemmt. waren durch eine mächtige Drille abgeschlossen und geschützt.
Er flieg höher Trotz aller Vorsicht schnitt der Wind wie eine Säge in feine Knochen. Mehrere Stellen seines Ge tchteS. trotz deS Fetlschu"es. bedeckten sich unter der Sonne mit Dla'en. Unter der Kälte zogen sich die Metallteile seines Flugzeuges zusammen, einzelne brachen durch b.c Vibrationen deS Motor- ab wie spröder Schiefer. Durch eine kleine Röhre, gleich al» ob er rauchte, atmete er Sauerstoff ein.
Der Leutnant Victor Grab, in der Hohe zwischen 9000 und 9500 Meter, freute 'ich an dem 'Bewußtsein, dah er das erste atmende Wesen war. das in diesem Teil des Raumes vorstich. Er war ein mutiger Mann, Er halte Rabkämpfe mit sehr gefürchteten Gegnern hinter sich, er war eine lange, ewige Delle gestürzt, spritzen - k«S Blei um sich zwischen Graben und Draht- verhau gelegen, ©em unbewegtes, scharfzügi^es Gesicht, ein Pokerge-ichl nannten es feine Freunde, war bic Freude ber Photographen. Millionen von Menschen war es. mit dem Flugzeug .Marie Lemaire al» Folie, bestätigendes üinnbiQ) der Kühnheit ber Generation Dann aber, in der Höhe ton 10 300 Meter, verzerrte sich plötzlich unter der dicken Fettschicht bidc» Gesicht, ber Mund schnappte hilflos auf und zu. Der Leutnant hörte den Motor nicht mehr, die Soirne wurde undeutlich. Zunge unb Gaumen waren peinigend trocken, er war erschöpft vor Hunger. Es tmirbc dunkler, gleich wird es Rächt sein. Er begann, mit sich selbst zu redm. Die- hatte er noQ nie getan. Er sagte: .10 892 Meter unter dem Meeresspiegel. Meine Mutter ist eigentllch nicht schwarz, sondern eher braun. Jetzt klettere ich schon 2900 Stunden und bin immer erst 11 Meter hoch. Ich möchte jetzt ein Beefsteak. Es ist verbucht. wie die Zeit vergeht. Ich habe doch 29 gelesen, es ist aber 92."
nach dieser der ReichswinschaflSm.mster nicht selbst Kartelle auflbfen. sond:rn nur einen dahm- gch.nden Antrag bei dem Kartell gerecht stellen fan:L Es fragt sich, ob die in dem Beschluß be» Juristen«eges m Aussicht genommene Aenderung eine Verbesserung ist unb es ist zu bedauern, dun für bic Behandlung eines Antrags, der dahin ging, dem RcichSwinichafl »Minister nur das Recht äu qeoen, bie Auslösung eines Kartells bei dem ReichsverwaltungSgencht zu beantragen, nur sehr wenig Zeit zur Verfügung stand, was mit c.n Grund für tic Ablehnung dieses Antrags gewesen sein dürfte.
Don dieser eben behandelten öffentlich-rechtlichen Seite des Problem» wurden erfreulicherweise scharf geschieden die dem Privatrechl angeboren ben Fragen. Hier würbe beschlossen, daß bie einschlägigen Vorschriften der Kartelloerord- nung über die Genehmigung von Sperren aufzuheben seien, während hinsichtlich der fristlosen Kündigung aus wichtigem Grund durch da» einzelne ÄartcUmitglicb nur eine etwas veränderte Regelung gewünscht wurde. Dor allem aber gefrt bie Meinung b.-» Iuristentage» bah n, bah das Kartellgericht aufzuheben und bie Rechtsprechung in Kartellsachen wieder den ordentlichen Gerichten zu überweisen sei. Diese ctcl- lungnahme ist zu begrüßen, ba die seitherige Rechtsprechung der ordentlichen Gerichte, insbesondere de» Reichsgericht- beweist, daß eine Bekämpfung der hier in Frage kommenden Auswüchse durch diese an Hand der Vorschriften des allgemeinen bürgerlichen Recht- durch cm- möglich ist.
Don besonderer Bedeutung erscheint bie Feststellung. daß von keiner Seite in ben Verhand- Än der Gedanke eines allgemeinen Kartell-
IS auch nur angebeutet wurde, vielmehr wurde anerkannt, dah die Kartelle ber Unter
nehmer für die organisierte Wirtschaft Deutschland» ebenfo unentoehrliche Hil s ntiel sind nn< die geno'senscha tiiche Org.ntldtion ber Land- wirtfcha't. des Kleingewerbes oder der Verbraucher oder die g. u»ertichafl!ichen Verbände der 3rbeitneb.iui. 211.- gute Wir.una berfclben wurde anerkannt, daß he tm Sinne ber Rationalisierung be» Marktes unb auch der Produktion zu wirken vermögen Deshalb muß auch den Karl.I ertragen qJe l.cher Schutz gewährt werden, und nur den schi chten Wirkungen dein Mißbrauch der durch den Zulammenschtusi geschaffenen winscha tlichen Wachtstellur.g ist im Wege der Staatsaufsicht zu begegnen. Was insbesond re die Frag, der Preissteigerung durch die Kartelle anlangt, so wurde zwar nicht in Abrede gestellt, da", Kartellpreise das öffentliche Interesse schädig ir können, es wurde aber betont, daß bie Zahl der Kartelle, die frier für in Frage kommen, nicht so groß sei wie allgemein angenommen werbe, da viele Kartelle sich überhaupt nicht mit ber Pr.isbildung befassen. Schließlich mag noch sestgcltellt werden, daß Einverständnis in der Richtung bestand, hast eine Staatsaufsicht für Kartelle und markt beeinflussen de Droßuntcrnehnurgen «tor^eriich sei. doch wurde — wie dies auch au» ben Leitsätzen klar ersichtlich ist — der Standpunkt zum AuSdruck gebracht, daß sich der Staat soweit wie möglich be» Eingrci en» in ba« Wirtschaftsleben enthalten solle, so daß nur bei Dor- li eg en eine» dringenben Interesse» der Gefamt- wirlschast der RetchswirtschaftSminister einschre<- tet Man war sich darüber flar. baß In unterem Wirtschaslsleben neben bie freie zum Tell auch tscha! getreten sei. unb daß c» bet dem kommenden Gesetz sich barum handele, für diese Form der Wirt gesetzliche
Grundlage zu schaffen.
Der Kampf um die präsidenischast.
Amerikanische ^eisebilder. — Hoover oder (Zmith, trocken oder nah. — Sin Kampf der Persönlichkeiten.
Don Or. Otto Hoetzsch, o. Professor ber Geschichte an her Universität Äerlin, M. b. 3t
Wir freuen unS, freute unseren Lesern einen weiteren äußerst Litereflantcn Aufsatz unsere» sich zu Studienzwccken in ben Vereinigten Staaten au.fraltenben ständigen außenpolitischen Mitarbeiter» vorlcgen zu können.
Da» Interesse am Kellogg-Pakt ist etwa» zurückgetreten. und bie Denier Debatten interessieren außerordentlich wenig. Don der Politik sicht daher die Präsidentenwahl frier ganz im Vordergründe. Mann kann nicht sagen, daß bie Campagne schon in vollem Dange wäre, soweit man darunter die eigentliche Agitation in Versammlungen usw. verstefrl. Aber eröffnet ist sie. feit die vier Kandidaten, Hoover und Smith EurtiS und Robinson (für bie Vize- präsibentenstelle) förmlich bie Kanbida- tu re ix angenommen haben. Da» ist in den letzten 14 Tagen geschehen. Unb bie .Annahmereben (acceptance spcuches) stnb um sehr viel persönlicher, al» die abgeschliffenen Parlei- platlsormen, die auf den Konventionen angenommen wurden. Aber ber Kampf ist dadurch nicht viel prinzipieller geworden.
Die beiden Annafrmereden Hoover» unb Smith sind aber wichtig für die Beurteilung dieser beiden Persönlichleiten. Aber im Sachlichen sind bie Unterschiede vielleicht nicht sehr tief. Dor allem stehen so gut wie nirgend» die Schlagworte einander scharf gegenüber mit für unb wider, wie etwa in früheren Kämpfen; Gold und Silber. Schutzzoll und Freihandel. Am wenigsten ist es der Fall bei der Frage, bie unS am meisten interessiert, der Außenpolitik. Dieser Teil ist bei beiden reichlich kurz. Smich hält den Republikanern vor. daß sie seit dem Dertrag von Washington volle sieben Jahre
in ber 3brüfl ungefragt nichts zu- flanbe gebracht hauen. Aber ein energische» Abrüstung-Programm stellt er ebensowenig auf, wie ein bestimmte- Programm gegen ben Imperialismus. Hoover ist für Abrüstung, aber: „in einer bewaffneten Welt ist nur eine Sicherheit für bie Freiheit, ba» ist zur Derlei b i g u n g bereit zu fein." Diese Formel hat ifrm bie entrüstete Absage des bekannten Präfibenlen ber (Jolumbla-Untocrfität. R. M. ‘Bettler, eingetragen, ber ja wohl nicht einmal an seine Kandidatur geOa^t hat unb mit einem (In |einem Umfang nicht zu übersehenden, aber schwerlich großen) Kreise geglaubt hat, Abrüstung. AntikriegSbewegung unb aktive Arbeit daran zum „iisue“, ber Wahlbewegung zu machen.
Davon ist gar keine Rede. Beide Kob »baten hüten sich, sich bamtt Schwierigkeiten zu schassen. Beibe kennen bie empfinbllche Stelle, umso empsinblicher. je weiter man nach Westen kommt, besonder» in den großen Becken zu beiden Seiten be» Mississippi. S» ist die Furcht, baß über dergleichen bie Unten in allerlei „verwickelnde Alliancen', Dölkerbund unb dergleichen geraten könnte, unb dergleichen wünscht man nicht! So sind beide für die Monroelehre und bic alte .Unabhängigkeit von den politischen Fotberungea der alten Welt" Schwerlich wirb Hoover, ber bie alte Welt k^nnt, im Innery glauben, baß diese Formel noch ausreicht. Ob er. zur Macht gekommen, danach handeln wird, ist zweii'clhast. Iedeniail» wollen wir es nicht fronen! Aber im Wahlkampf hält er die alte Linie für zweckentsprechend. Und Smith desgleichen, obwohl er neben Iefftzrson und Eleveland auch Wilson» Schatten beschwört.
Im Begriff, da- Bewußtsein zu verlieren, während die Sonne in seit ame Ausbuchtungen zerfloß und komisch zu wackeln begann, merkte er, daß in dem gefrorenen automatischen Apparat fein Sauerstoff ausgegangen war. Mit mechanischer Bewegung griff er zur Srsatzfla'che. Im Bruchteil eine» Augenblick- waren alle andern Gedanken weggefegt durch den Be ehl' Kontrolle! Kontrclle! Die Sonne bekam ihren Glan; zurück, der Motor surrte seinen alten Rh thmuS. Der Hunger war fort. Er wußte, daß seine Mutter blond war und bah er um 10 Uhr 20 Minuten gestartet, allo noch nicht 70 Minuten unterwegs war. Da dichte der Leutnant Crecy, er lachte laut, jung schallend, aber fo hoch im Raum war es Fein lauter Schall.
Er sah auf den Registrierapparat unb sah. daß er 11 404 Meter erreicht hatte.
Tie nächsten 100 Hohenmeter erzirlte er gleichmäßig unb sicher wie in einer Höhe von 4000 Meter. Dann aber von neuem begann ba» Flugzeug „Marie Lemaire" zu schwanken, schwamm unwillkürlich, ungehorsam dem Steuer, in ber dünnen Luft. Kälter al» bie Kalte des leeren Raume» drang der Gedanke in ihn. baß fein Sauerstoffapparat nicht vorhalten werde. Wird er bxc 11 702 Meter unter sich lallen, die John Macrcady erreicht hat? Die Zeit schlich grauenvoll langfam. Schon wieder schnappte er. spürte er sein 9ycr\. kämpfte er um Luft. Er bemühte sich angespannt, an bie Versuche im Laboratorium zu denken, und daß dies ein frühe» Stadium sei und ohne Gefahr. Aber eS schnellten so viele A'che um ihn herum, große unb deine, glaeäugig, dumm, ihrem Element entgegen. Zwischendurch wußte er. dah er in sehr großer Höhe flog, und bah irgend etwa» falsch war. Er wußte auch, dah man dem durch einen einfachen Handgriff abhellen konnte. Aber der qualvoll um Luft japsende Mann konnte auf diesen Handgriff nicht kornmen. ES waren die vielen $enunfdfrnellenben Fische, bic ihn befcm- berten.
3efct hatte er es. Mit dem mittleren Hebel muhte er etwas vornehmen Er hob tnc Hand Da raste ber Hebel a>eg von ihm. wich nach vorne auS. nach links, er konnte den verdammten Hebel nicht finden Sr lüftete, vermutlich um bie schnellenden Fi che zu vertreiben, b e mächtige Brille, bah leine Augen da- linke unter dem geklemmten Monokel, btoglagcn. Er spürte einen sich ins Hirn drehenden Stich, bann nichts mehr.
Da» Flug-eug „Marie Lemaire" (S. A. III 26) würbe noch am gleichen Tage äufne ischt. auf einem Was er treibend, cks war seit amerwei e nicht übermähig beschädigt. Der tote Leutnant Erecy sah am Steuer, leine Hand war an» Steuer feftgefroren, auch die Augen waren gefroren. vors linke war noch immer das Monokel geklemmt. Die versiegelicn Instrumente zeigten, daß die erreichte Höhe 12149 Meter betrag, 447 Meter mehr al» der letzte Rekord.
Jranfitirfer Schauspielhaus.
Zwei Uraufführungen. Zunächst ein Tolstoi: ..Der erste Branntweinbrenner". ein Märchen im HanS-Sach»-Stil. Der Unterteufel, ber im Auftrage von Satans» bie Bauern zu ..beorderten" hat. erfinbet, um feinen Bemühungen ben gewün'chten Erfolg Au ver- fcha'fen, die Herstellung de» BranntwernS au» Morn unb vcrh.lll bamit dem Lanbvolk vom Himmel zur Holle. Tragik, vermischt mit Fast- nachtsull Richt aufregend, aber auch nicht un* -.nterc’fant. Al» fesselndste Figur ber (Bauern* teufel. fein herauSgearbeitet in Darstellung unb MaSke burch Theobor Danegger.
Herauf gab e» ,.Die Liebe auf dem Lande", eine Komödie in drei Akten von Klabunb-Woikow. amüsanter — vielleicht fann noch etwa- gekürzt werden — als ba» vorhergehende Stück. Sine luftige Kritik an bet Sowjet-<lhr. deren Dörte-.le — ober Rachteile —, daß s-< leicht geschlossen und leicht gelost werden kann, von e.nem Weibchen nach Kräften auggenutzt werden. Alle, bie an dieser Frau interessiert futb ober waren, treffen sich in einer Stube, unb wir erleben, daß ber vergangene unb der gegenwärtige Ehemann die Rechte, bi« sie aus ber standesamtlichen Trauung gegenüber Anna haben ober harten, an ben Standesbeamten unb zukünftigen Ehemann verlieren- währenb sie beide ihren. Rausch im Drautbett aus ich lasen. Der erfolg hängt an ber Darstellung. Anna sand m Eon stanze 28 en j . bet Stande r beamte in Impekoven, die beiden Trottel in Bibertt unb Taube gute Vertreter. Einige hübsche Witze sorgten für ba» ilebrige.
Man lächelte, lachte auch manchmal und Der* .täte einen sogenannten netten, harmlosen Abend«


