Samitag, 2b Zull1928
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheifen)
Ur. UV Dritter B!att
Das neue MarkilaubengeSäude in Gießen
lassen
unsche, seine Deittun.
Das
geben, sondern immer neue Versuche mache
iebe(
noch einmal einsetzen und können. Diele großartige
oder auch
recht au»- । und
blicken, daß man bei dieser Gelegenheit eine stattliche Anzahl neuer Wohnungen schosst, die itbheß! ch al» Äleinmobnungen bergeficlll werden ? durch den Wohnung-bedursnisfen der weniger
die der Stadtverordnetenversammlung die Zustimmung zu dem Projekt so leicht machte, daß die Genehmigung durchEinstimmigkeit desHauser erteilt wurde. Dieser Entschluß der Stadtverordnetenversammlung konnte um so eher gefaßt werden, als die Negierung aus den Ertragen der Sondersteuer eine nach- trägliAe ansehnliche Ueberweisung an unsere studu- schcn Finanzen varnabm, die zur Bestreitung der Baukosten für die Wohnungen in diesem Neubau verwandt werden konnte.
Wenn man alle Gesichtspunkte, die in diesen Zeilen ihren Ausdruck finden, in rechter Weise würdigt, so wird man sicher überall in der Bürgerschaft die Er- rir. uing dieses Gebäudes begrüßen, weil unsere Marktoerhältnisse, die Lage auf dem Wahnungo- markte und auch die Gestaltung des Stadtbildes durch die Ausführung dieses Bauprojekte» in günstiger Weise beeinflußt werden.
Umständen darf diese , .
unbequem ist, verschleiert werden! Man täusche sich nicht darüber, daß der Äetloflgepoft keineswegs nur eine erste platonische Anregung ist. sondern daß er ein An fang ist. Anfang und Ansatz zu einer Entwicklung, auS der für Deutschland Günstiges, aber auch Gefährliches hervor gehen kann! Die Situation an sich ist für uns günstig und Deutschlands Stellung stark. Aber gleichwohl wird für den weiteren Verlaus von der deutschen Politik schärfste Aufmerksamkeit. Gewandtheit und Entschlußkraft erfordert.
an anderen Umständen gelegen hat: denn die Zeitung bleibt immer dieselbe! Niemals sich zufrieden ' *Irgend-
wirklich weiter führt und wenn er, den Weg bahnt zu etwas, was man recht hübsch die „Flurbereinigung in Europa" genannt hat. Der amerikanischen Politik muß von Deutschland klargemacht werden, daß der Frieden in Europa nicht gesichert wird, wenn durch eine solche große Aktion die Pariser Verträge erneut gefestigt werden, sondern nur, wenn man damit zu einer Revision dieser FriedenSverträge auf friedlichem Wege kommt.
Auf das schärfste stehen sich somit auch hier und in dieser Aktion die Standpunkte Deussch- lairds und Frankreichs gegenüber. Unter keinen iarheit, auch wenn eS
erweitert werden.
Frankreich hat am 14.3uh geantwortet. ClBebcr was der Antwort zuvvrging, noch diese selbst sind geeignet, unsere Desorgnisse als unbegründet erscheinen
ft nämlich beim Werben gar nicht das Wichtigste. Mit großen Mitteln eine immer noch einigermaßen wirksame Reklame durchführen kann jeder. Aber aus einem Inserat die größtmögliche — ich bitte, dies Wort ganz wörtlich zu nehmen — also die größte oller möglichen Wirkungen heraus-
mittelten Bürgerkrcise zugute kommen Die glückliche Verbindung de» Gedanken» der Schössling besserer Marttverdallmsfe mit der Errichtung weiterer Klein- Wohnungen in einem einzigen Projekt war e» auch.
zuholen, das ist die wahre Werbekunst: und dazu braucht man mehr Vernunft im Gehirn als Geld in der Tasche.
Denken Sie heute einmal über diese fünf Punkte
So ist di« englische Politik durch eigene Schuld in eine reichlich schwere Lage hineingekommen. Das wollte der englische Innenminister,, der ja überhaupt durch wenig geschickte Vorstöße sich bemerkbar macht, verschleiern, indem er einen groben Vorstoß gegen Amerika machte, dahin, daß der Pakt lediglich leerer Formelkram sei, wenn Amerika nicht auf den weiteren Ausbau seiner Flott« verzichte. Das ist gewiß sach- im übrigen ist ja aber die Durch- r letzten Flottenvorlage in Amerika worden. Aber man begreift nicht.
verschol .. .
wie die englische Politik, der soviel an einem guten Derl)ältniS mit Nordamerika liegen muß.
65 Jahren auch das Schössen- und Geschworenen- amt. Bei Vollendung des 70. LelenSjahreS kann jeder nach sünsjähriger Verschollenheit für lot erklärt werden. — Gr darf nur mit seiner vorherigen Zustimmung eingeäschert werden (statt der Beerdigung).
Werbekunsi im ZeitungSinseraf.
Don Hans Schrader, Köln.
Die meisten Inserate leiden darunter, daß sic zu klein sind. Das hat nämlich nicht einen, sondern gleich zwei Nachteile.
Erstens ist es eine wissenschaftlich geprüfte und fest- stehende Tatsache, daß der (Erfolg eines Inserats stärker wächst als seine Größe: ein doppelt großes Inserat hat nicht den zweifachen, sondern etwa den dreifachen Erfolg.
Ferner ist man bei dopvelter Größe in der Lage, mehr über die Vorteile seiner Ware zu erzähl«.n, außerdem auch noch durch ein Bild und bessere Naumaufteilung die Sympathiewerte der Anzeige zu erhöhen, jo daß man bei geschickter Benutzung aller Möglichkeiten leicht durch doppelte Größe statt eines dreifachen sogar einen zehnfachen Erfolg herausholcn kann! Zweifeln Sie, bitte, nicht an dieser Behauptung, sie ist zu oft schon bewiesen worden.
Wenn dem aber so ist — kann man dann noch davon sprechen, daß Reklame „teuer" sei ? Muß man nicht vielmehr sagen: Jeder Inserent bestimmt den Preis seiner Kundenwerbung selbst — nämlich im Verhältnis zum Erfolg, also je nachdem wie wirksam er seine Inesrate abzufasjen versteht? Ist es nicht ganz gleichgültig, wieviel Geld ich ausgebe, wenn der Erfolg es mir mit entsprechendem Gewinn wieder einbringt?
wo ist ganz bestimmt der Punkt, wo Sie den
~r Geschäft weiter heben leschäftsersokge beruhen auf einem Zufallstreffer — der dann allerdings in feiner Bedeutung erkannt und folgerichtig ausgenutzt
und man prüf« rechtzeitig, ob an allen Stellen des großen Apparates, auf dem Deutschland dafür arbeiten muß, alles geölt ist, um sicher im deutschen Sinne und Interesse zu funktio- meren!
Rechte und pflichten von der Wiege bis zur Bahre.
Der Mensch wird mit seiner ®eburt „rechtsfähig". bekommt also Rechte und Pflichten. Erbfähig ist er bereits im Mutterleibe, nämlich 270 Tage vor der Geburt. Mit zwei Jahren muß er sich erstmalig impfen lassen, mit dem sechsten Lebensjahr kommt er m die Schulpflicht, wird mit sieben Jahren beschränkt geschäftsfähig (mit Zustimmung fernes Vormundes). Mu 13 Jahren wird er zur Beschäftigung in Fabriken zugelassen. Dom 14. bis 18. Jahre dauert die beschränkt« Strafmündigkeit. Mit 16 Jahren wird man eideSwündig. darf ein Testament errichten und (das Mädchen) heiraten. Der (die) Achtzehnjährige ist voll straftnündig unb kann evtl, für volljährig erklärt werden. Der (die» Zwanzigjährig« erhält das Wahlrecht zu Reichs- und Landtag. Das 21. Jahr bringt di« Volljährigkeit und die Desreiung aus elterlicher Gewalt und Vormundschaft. Der Mann wird ehemündig und durchweg weit klüger als alle alten Leute. Der (die) Löjährig« kann sich i n das Parlament wählen lassen, muß mit 30 Jahren die Berufung als Schöffe, Geschworener. Handelsrichter oder Beisitzer des Landesarbeitsgerichts annehmen und darf nach zehnjähriger Verschollenheit vom 31. Lebensjahr ab für tot erklärt werden. Der 35er kann Beisitzer deS Reichsarbeitsgerichts werden, der bOjährige adoptieren, wenn feine eigenen Binder da sind. Der 60jährige darf Vormundschaft, Pftegeschaft usw. ablehnen, mit
wurde.
Immer aber beachten Sie: Größer inserieret! bringt noch größeren Erfolg! _ j
Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer Sißung vom 13. Juli die Errichtung eines Markt- laubengebäube» genehmigt und für dielen Zweck einen .Qrebit von 344 <>00 Mark zur Verfügung gestellt. Das Gebäude soll, wie wir in Nr. 164 vom 14. Juli berichteten, in der Morktlaubenstraße gegenüber den jetzigen Marktlauben errichtet werden. Es wird 12Marktlauben und ISWohnungen
stimmen zu, und zu ihnen ist inzwischen noch Spanien getreten. Am längsten ließ England auf sich warten, dessen Rote am Freitag veröffentlicht worden ist. Die englische liberale Press« greift Chamberlain sehr scharf an wegen feines Zögerns und wegen seines Klebens an Frankreich. Es ist richtig, daß EhambcrlainS Politik gleichlinig mit der Briands vorgchen will und daß er sich in der ersten Antwortnote sehr stark dem ftanzösischen Standpunkt genößen ßat. Wir glauben aber, daß dies zur Erklärung der Haltung Englands nicht ausreicht. Es ist in einer sehr schwierigen Situation. 3m Grunde will es diesen ganzen Vertrag nicht, der, man mag ihn so gleichgültig und bedeutungslos nehmen wie man wolle, doch eben eine Bindung enthüll. Reue Bindungen aber will ff* «^gllfche Politik durchaus nicht übernehmen. Sie Ijat weiter sich selbst die Schwierigkeit ge-
Rordamerika in so wesentlichen Punkten Standpunkt Franl r eichs entgegen kam.
Die anderen Staaten haben zugestimmt
Kpuncn, daß die großen Selbstverwaltung skolonien den Vertrag ohne Dorbe- halt annahmen und fo ganz deutlich im weiteren britischen Weltreichs die Politik Großbritanniens und bic seiner großen Kolonien
Deutschland ohne Vorbehalt sofort zustimmle. Seine Interessen gehen mit denen Nordamerikas parallel, und es hat zudem auch ein gewaltiges Interesse daran, daß auf diese Weise sich Rord- amerifa Europa wieder zuwendet. Jetzt aber ist, wenn noch nicht die Gefahr, so doch das Problem, daß die praktische Anwendung und Bedeutung de« Kellogg-PakteS darauf hinaus« komme, im Sinne Frankreichs die Ordnung des Friedensvertrages von Versailles durch di« ungeheure Macht der Vereinigten Staaten zu garantieren. Es bedarf keines Wortes, daß das für Deutschland unmöglich ist. Dieses hat auch mit Recht in der Rote vom 27. April hervorgchoben, daß der Kellogg-Pakt, die Bewegung und Vertragsverpflichtung, auf den Krieg schlechthin zu verzichten, nur Sinn und Erfolg haben kann für den Frieden, dem ja Rord- amerila damit dienen will, wenn er die Ab -
«stellt. Nach dem Brandplatz zu wird die Stirn, ehe de» Flügelbaues natürlich mit Fenstern versehen. wahrend die Stirnseite des glugelbauc» am Lindcnplatz Anschluß an da:. vorhandene Wahn- Haus nimmt. Für spatere Zeit ist ins Auge gefaßt, daß die Einrichtung von Markllauben von dem neuen Gebäude ausgehend auf der gleichen Straßenseite weiter ausgedehnt wird, und zwar auf die jetzt
1. Man darf das Inserieren nicht als notwendige» Hebel betrachten und dementsprechend neben- sächlich behandeln.
2. Man darf nicht zuerst fragen: „23as kostet'»?", sondern muß fragen: „Was bringt es mir?".
3. Man muß feinen gefunden Menschenverstand gebrauchen
4. Man muß System in sein Werben bringen.
Dor allem aber:
5. Man muß danach streben, immer größer zu inserieren.
Diese Grundsätze tun es zwar nicht allein, manches andere gehört auch noch dazu, z. B. gute Ware. Niemand kann mit Reklame eine Ware verkaufen, die nicht auch ohne Reklame zu verkaufen wäre. Die Reklame kann nur dazu verhelfen, daß er mehr Ware verkauft — aber ist das nicht gerade die Hauptsache? Die Steigerung des Umsatzes oder die Beibehaltung eines einmal vorhandenen großen Umsatzes, das ist Anfang und Ende aller Gelchästskunst, und dazu führt sicher der Weg, den die obigen fünf Grund'atze bezeichnen.
Deshalb: Niemals den Mut sinken lassen' Niemals sagen: „Die Zeitung ist schuld!", wenn ein Inserat einmal nicht die gewünschte Wirkung hatte, sondern bann untersuchen, ob es nicht am Inserat selbst ober
enthalten. Der Neubau soll so gefördert werden, daß er noch bis zum nächsten Winter im Rohbau voll- endet wirb.
Die hier abgebruckte Skizze zeigt bie Front des neuen Gebäudes. Dieses wird am Brandplatz an das Hochstättersche Haus anschließen und am Lindenplatz den Anschluß an das jetzige große Wohnhaus finden. Die gegenwärtige Bedürfnis- anstatt auf dem Lindenplatz muß dem Neubau Platz machen. Die in der Skizze ersichtlichen Dogen im Mittelbau stellen bie neuen Marktlauben bar, in bcm Flügelbau nach bem Lindenplatz au (rechte Seite ber Skizze) wirb ein Laben geschaffen roerben, dessen räumliches Ausmaß so bemessen ist, daß auch nach ein Bureau dort Platz finden kann, während in bem Flügelbau nach bcm Branbplatz $u (linke Seite der Skizze) eine Bedürfnisanstalt für Männer und Frauen eingerichtet wird. Im ersten und im zweiten Obergeschoß, sowie in den Giebeln ber beiben Flügelbautcn werben Wohnungen her-
daß ei mit feinem . ,,
sonders auSgcdrückt zu erhalten, nicht durchkam. ES hat daher feinen RechtSsachverständi- gen, den der englische gern begleitet hat, nach Derltn geschickt, da Deutschland an sich zu einer Juristenkonserenz förmlicher Art Über diese Frage nicht bereit war. Die drei Rechtösachverständigen, GauS, Fromageot und Hurst, haben sich inoffiziell am 3. Juni, wie nachträglich bekannt geworden ift, getroffen und miteinander verhandelt. Gewiß ist das keine offiziell« Zusammenkunft, aber doch etwas sehr ähnliches. Und die fran- zösische Rote ist dann schließlich doch etwas wie ehx pos it tveS Ergebnis dieser Besprechungen.
auSeinandergehen wird. Und sie hatte, wie erinnerlich, in ihrer ersten Antwort einen besonderen Vorbehalt der Handlungsfreiheit für bestimmte eigene Gebiete ausgestellt, eine Art englischer Monroedoktrin für die Länder um den indischen Ozean herum. Das hat Kellogg in seinem Entwurf vollständig und absichtlich ignoriert. Seine, die amerikanische Monroedoktrin, hat er ja. Wozu sckll er sich, besonders bei der jetzigen Situation -wischen England und Rordamerika, mit dieser Schwierigkeit belasten, daß England ganz deutlich zeigt, es wolle sich für gewaltige Gebiete seines Weltreiches in Asien und Afrika ohne jede Bindung das Reecht zum Kriege oorbeßalten?
Die französische Interpretation ist nicht in den DeriragStert aufgenommen und selbstverständlich hat der deutsche Rechtssachverständige den deutschen Standpunkt bis zum äußersten vertreten. Aber einmal steht fest, daß die ameri- kanssche Beglellnote vom 23.3unt dem französischen Vorbehalte wenigstens nach Auffassung Frankreich- Rechnung trägt und den Verträgst«,t im französischen Sinne au«- legt. Sodann aber, waS wichtiger ist, stellt die ftanzösisch« Rote fest, daß der Vertrag mit den Verträgen vereinbar fei, durch die , Frankreich sich anderweitig gebunden habe. Soweit darunter Völkerbund und Locarno-Vertrag gemeint sind, sind wir einverstanden. Aber Frankreich denkt dabei natürlich auch an seine eigenen Verträge, bie die amerikanische Rote merkwürdigerweise „R eutralitäts-Ver- träge“ nennt und die, wie die Verträge mit Polen Belgien usw., im Grund nichts anderes sind als Rlilitärbündnisse alten Stils, zum Teil wie bekannt, offensichtlich gar nicht mit dem Völkerbundspakt vereinbar. Schließlich ist noch bedenklicher die sehr scharfe und wellgrei- fenbe Auslegung, bie Frankreich dem Rechte zum Verteidigungskrieg gibt: „Jedes Dvlk hat allein zu entscheiden, ob bie Umstände es nötigen, zu seiner eigenen Verteidigung zum Kriege zu schreiten." Man braucht nur in bie französische Presse zu sehen, um zu erkennen, was man in Frankreich barunter versteht, nämlich den Vorbehall. daß Frankreich sich gegebenenfalls die Freiheit sichere, indem es irgendwelche Zwischenfälle als Angriff drapiert, selb st einen Angriffskrieg zu führen. DaS ist ohne Zweifel der Versuch, der erfolgreiche Versuch, den Pakt in rem französischem Sinne umzudeuten und, wie wir es schon be- zcichneten, die kleine Deffnung der Tür durch Kellogg au benutzen, um dadurch schließlich doch Aum Rechte der Intervention, zum Sanktionskrieg und der Sanktionspolitik, zu kommen.
Wir fürchten, baß die amerikanische Staatskunst, bie gewiß Weitblicken!) ist. aber mit den Finessen und raffinierten Geschicklichkeiten der französischen und Genfer Diplomatie doch nicht so vertraut ist. das in vollem Maße nicht überschaut hat. Oder sie muß sich eben sehr stark darauf verlassen, daß zunächst einmal die einfache Formulierung eines solchen Paktes genügt, und dann der moralische Druck überhaupt auf alle bie, bie eben in biesem Pakt klar und einfach darauf verzichten, den Krieg als Mittel der nationalen Politik zu benutzen. Aber Herr Kellogg muß uns schon gestatten, daß wir. durch unendlich viele Erfahrungen gewitzigt, mißtrauisch sind und es darum bebauern, baß
Der Kel!ogg-paft.
Außenpolitische Umschau
Don Sr. Otto Hoehsch, o. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. D.
Der Kellogg-Pakt ift nicht, wie i.an annahm, zum 14 Iull. bem ftanzösichen Rauo- nalfeieriag, fertig gemorbtiv Unb man kann nicht lagen, daß eS für bie Vorbereitung bieseS Friedens patres gerade eine überzeugende unb erfreulich« Begleitmusik ist. wenn man bie Ra<V- richten liest, wie Frankreich seinen Ratumasseier- rog am Rhein begangen hat — eine Parabe von 1 5 000 Franzosen in Main->- unb wie in einer riesigen parate glei4>fallÄ bie französisch« Zri.eg-Ilotre dem Präsidenten vorgeführt tourte. Das zeigt doch einbr.nglicher als alle- andere, wie wenig im Jnnern Die franz. 'Ich« Politik durch bi- »mit ruft ive Friedenspolitik bestimmt ist. bie Rorbamenka letzt ^cuii ch?a .ib bat ohne Vorbehalt der Unter- zeichnung jugc i.mmt «deutsche Antwort ".Imn). .In der jetzt v o r g e sch 1 a g « n e n Form . b. h e« lehnt burchaus und in jeber Form Jn.er- pr«ta:.onSversuche Frankreich- ab die sogar in Form eine« belonbcren Protokolls festgelegt toerben sollten. Selbstverständlich ßat aber die deutsch« Politik vo^ulx-hnlen. baß sie nun in der weiteren Behandlung chre besonderen Ge- lichtSpunfte nachdrücklich vertritt. Der Pakt hat nach unterer Auffassung nur emen Sinn wem, er die Abrüstung weitersührt unb desgleichen bie Revision ber FriebenSverträge vorbereitet unb ebenso sell'stverstänblich muß er um Rußland
schon bestehenden Häuser der Stadt am Linden« platz. Für die Gegenwart ist es schon erfreulich, daß durch den Neubau der jetzige unerfreuliche Anblick von der Marktlaubenslraße her auf die rückwärtigen Häuser in der Schloßgasse oer- schwindet und das Stadtbild an jener Stelle ganz wesentlich verbessert wird. Weiterreichende Pläne hinsichtlich einer spateren durchgreifenden Neugestaltung des Straßenbildes am Lindenplatz in 23er- bindung mit einer entsprechenden Umgestaltung des Kirchenplatzes unb der Straßenbreite beim früheren f)otel Einhorn, sowie der Schloßaasse werden in der Errichtung dieses neuen Marktlauben. gebäudes einen guten Ausgangspunkt haben. Wann allerdings Der Zeitpunkt zur Inangriffnahme eines solchen Planes gekommen sein wird, ist heut, auch noch nicht annähernd abzusehen.
Ein weiterer Vorteil des Neubaues — neben der Behebung der bisherigen Klagen über unzu- längliche Marktverhältnisse — ist auch darin zu er-
anrempeln zu dürfen glaubt. Der Welt zeigt das nur. wie schwach unb wie unsicher die englische Politik ist. Die ganz« Art. wie England bi« Kellogg-Anregung btese Monate Hindurch behandelt hat, hat den Respekt vor der englischen Politik um so weniger erhöht, als ja dasselbe England gleichzeitig auch in Genf, in den Verhandlungen über Wrüstung und Sicherheit, direkt als Gegner der Abrüstung und Hemmnis einer positiven Weiterentwicftung aufgetreten ist. Zeichnet England den Pakt, was es ja gar nicht vermeiden kann, so kann Amerika, daS damit in die Entscheidung, wer Angreifer sei, hereinbe- bezogen ist. nun seinerseits in jeder Aufbringung eines amerikanischen Handelsschiffes eine Verletzung seiner Interessen, einen Angriss sehen. Unb das sind leise Anfänge einer Entwicklung, die für England sehr unbequem unb sehr schwerwiegend sein werden.
Auch in Genf wird man sich nun überlegen, was dieser scheinbar sehr theoretische und platonische Pakt für den Völkerbund und sein« bisher bewiesene Unfähigkeit, die Abrüstung vorwäriS- zubringen, bedeutet. Die eigentlichen Kämpen aber um den Pakt sind nun in Europa denn es ist zunächst ein europäischer Pakt einschließlich Rordamerikas, weil die amerikanische Monroedoktrin daneben steht und ein Uebev- greifen Europas in jene Gebiete ausfchließt — Frankreich unb Deutschland. Sofort ist das Stichwort in Frankreich gefallen. Man ist dort wideerwillig auf Kelloggs Bahn gegangen. Man hat mit seiner Auslegung das Men schon- möglich« zugunsten Frankreichs durchzu eyen versucht, um Kellcggs Absicht zu sabotieren, und hat darin einiges erreicht. Für uns viel S'wiL. für Frankreich natürlich viel zuwenig. Aber gleich nachdem klar war, daß das nun nüßt zu vermeiden sei, kommt aus Frankreich die Formel, baß jetzt bk Vereinigten Staaten, die b«n Friedensvertrag von Versailles nicht unterzeichnet hätten, nach z^m Jahren den großen europäischen Ländern die Hand reichten in dieser „edlen 3b«, die zunächst von Dmand entwickelt unb bann von den Vereinigten Staaten übernommen wurde". Mit großem Geschick soll sofort in der Weiterführung der ganzen großen Frage Rordamerika an die Seite Frankreichs gebracht werden, indem man darauf rechnet, baß Rordamerika die komplizierten unb absichtlich kompliziert gehaltenen Verhältnisse in Europa nicht recht überschau«.
Doppelt geboten also Vorsicht und Energie i auf Deutschlands Seite! Es war richtig, daß


