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Dirigenten Lehrer Buh zwei schöne Lieder vor. Heinrich Mohn, der frühere Vorsitzende des Vereins, beglückwünschte im Barnen des Vereins und wies auf die große Aufgabe des Vereins in diesem Jahre hm Bach den Dankesworten Leidichs bewegte sich der Fackelzug in die Wirt­schaft von Jakob Fay. wo die Vereinsmitglieder bei einem Glase Bier einige gemütliche Stunden verlebten. Die Llebernahme der Post- beförderung durch unsere Autolinie ist jetzt Wirklichkeit geworden. Die Post wird zwischen 12 und 1 Ähr zugestellt und geht 2.30 Ufjr von hier weg. Allseits wird diese Beuerung begrüßt, allerdings ist die Zeit zwi­schen Zustellung und Abgang der Post zu kurz. Es wäre zu wünschen, daß die Post entweder mit einem früheren Auto käme, oder mit einem späteren wegginge; es läßt sich hoffentlich hierin noch Besserung schaffen.

LJ Lich. 20. März. Ein Schlosserlchrling, namens Kübler, von Hungen, der bei Schlosser- meister Friedrich Schmidt von Lich beschäftigt ist, nahm in 2lbwesenheit seines Meisters ein in der Werkstatt zur Reparatur stehendes Motor­rad und fuhr damit davon. Zwischen Eberstadt und Lich st ü r z t e er mit dem Bad und zog sich erhebliche Verletzungen zu, so daß er mit dem Auto des Meisters geholt und nach Hungen gebracht werden mußte.

Bonnenrot h, 20. März. Wer jetzt durch die Fluren der hiesigen Gegend geht, kann zahlreiche große schwarze Flächen bemerken, die weithin sicht­bar sind. Es handelt sich dabei um die Hecken und Sträucher, die man abgebrannt hat, und von denen aus die Flammen oft über größere Flächen dürren Grases mit ergriffen haben. Daß durch diese Maßnahme unsere Vogel­welt, aber auch den Iagdbestäirden empfindlicher Schaden zugefügt wurde, ist eine sehr bedauer­liche Tatsache. Es wäre zu begrüßen, wenn die Behörden dem sinnlosen Äiederorennen der Hecken und Sträucher mit Entschiedenheit entgegrntreten würden und dadurch auch den bei solchen Brän­den gefährdeten Wäldern wirksamen Schutz brächten.

Bellersheim, 20. März. Am Sonntag- nachmittag hielt die Landwirtschaftliche Bezugs- und A b s a tz g e n o s s e n s ch a f t ihre Generalversammlung ab. Der Abschluß für 1927 ist günstig. Bei rund 50 000 Mk. Waren­bezug ergab sich ein Reingewinn von 1700 Mk. Zwei Prozent werden an die Warenempfänger zurückvergütet, der Rest den Reserven über­wiesen. Der Geldeingang ist wie überall un­günstig. Abends versammelten sich die Mitglie­der zu einer würdigen Feier anläßlich des 25jährigen Bestehens. Dem langjähri­gen Rechner, Bürgermeister Müller, und dem Aufsichtsratsmitglied K. W. Müller über­reichte der Vertreter des Hess. Genossenschafts­verbandes für ihre 20jährige Tätigkeit Ehren­urkunden. Ferner wurden an die noch lebenden 16 Gründer Gedenkblätter verteilt. Von ver­schiedenen Seiten wurde auf die wirtschaftliche und ideelle Bedeutung der Genossenschaft hinge­wiesen und besonders der zahlreich anwesenden Äugend die früheren Verhältnisse, sowie Zweck und Ziele des landwirtschaftlichen Genossen­schaftswesens eingehend geschildert. Der Gesang­vereinGermania" trug verschiedene Lieder vor, die, wie die verschiedenen Reden, mit großem Beifall ausgenommen wurden.

Kreis Friedberg.

* Groß-Karben, 20. März. Der Leiter des hiesigen Bahnhofs, Oberbahnhofsvorsteher Ben­der, stand am 16. März 40 Jahre im Dienste der Eisenbahn. Der Jubliar verwaltete lange Jahre die Bahnhöfe Ober-Schmitten und Echzell und ist seit 1921 hier tätig.

Kreis Büdingen.

Bidda. 20. März. Ein Militär- k o n z e r t, wie es am Sonntag hier in der Turnhalle von der Gießener Militär­kapelle geboten wurde, ist für die Landbe­wohner immer ein hoher Genuß. Deshalb hatten sich sowohl nachmittags als auch abends sehr viele Musikfreunde aus Bidda und der weiteren Umgebung zu den beiden Konzerten eingetunben. Die Kapelle, rühmlichst bekannt von früheren musikalischen Vorführungen, bot wieder unter der persönlichen Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r wahre Glanzleistungen, die bei dem zahl­reichen Publikum außerordentlichen Beifall fan­den. Mit dem finanziellen Ergebnis des letzten Konzerts für diesen Winter kann der Turnverein zufrieden sein. Leider können bis zum Herbste

Lite gowemn Berge.

ZRoman von Clara Diebig.

Copyright bh Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart.

19. Fortsetzung. Nachdruck verboten

Was war der Joseph doch für ein hübscher Knabe gewesen, fast so hübsch wie die Maria! Keines von den andern Kindern kam den beiden gleich. Wie das heilige Kind im Schoß der Maria hatte er in der Wiege gelegen merkwürdig schöne Augen hatte er, tiefblickend und so verständig wer hätte denken köimen, daß er ihnen einmal soviel Kum­mer machen würde?! Aber zu ihr war er eigent­lich doch lieb gewesen, wenn sie es heute bedachte, zu ihr immer sehr lieb. Und ost, wenn er dem Vater etwas nicht eingestehen wollte, hatte er sich hinter sie gesteckt. Ach, er war im Grunde ein guter Jung, nur leichtlebig und konnte sich mit dem Vater nicht recht verstehen! Aber er würde ja wiederkommen, sicherlich wiederkommen, und dann würde Dremm milder sein ach, sie wußte ja, daß ihm neben all dem anderen auch der Joseph im Kopf herum­ging und bann war wieder alles gut!

Es überlief sie ein Schauer; der Schauer der all­zu großen Müdigkeit, in der man friert. Oder war's ein Schauer von Bangen und Sjaffen zugleich? Sie senkte wieder den Kopf in die Hände.

Dumps schlug die alte Uhr, die schon Eltern und Großeltern die Stunde angesagt hatte, sie merkten cs nicht. Sie merkten es auch nicht, daß draußen im sich verdunkelnden und später werdenden Abend einer stand und durchs Fensterchen in die vom Lampenlicht hellgewordene Stube hineinsah.

Zwei dunkle Augen spähten, hafteten lange auf der zusammengesunkenen Gestatt der Frau" und wanderten bann zu bem Mann am Tisch hin. Was für ein hartes, von Grimm zerwühltes Gesicht war das! Nein, mit dem Mann da war kein Aus­kommen! Wie eigensinnig er aussah, so böse! Der Spähende draußen scbüttette sich: die arme Frau, die hatte nichts zu lachen, und die Kinder in ihrem Haus, ach, die auch nichts. Und er, wenn er jetzt hineinging und sagte: Da bin ich aber ich hab keinen Groschen Geld, keinen einzigen Guldenzetiel der rheinischen Republik mehr. Und wo ich anfrag,

nun keine Konzerte mehr hier von der Gießener Militärmusik stattfinden, weil sie schon alle ver­fügbaren Sonntage vergeben hat. Den Konzerten ging vormittags ein 03 e 5 i r f S g e r ä t e to e 11» turnen voraus, das sehr interessante und span­nende Kümpfe der Preisbewerber zeigte und zahlreiche Zuschauer in die Halle geführt hatte.

Kreis Schotten.

Laubach , 20. März. Am Sonntag tagte hier unter zahlreicher Beteiligung (über 150 Schühenbrüdcr) der Gau-Schühenverband Hesse n-B a s s a u unter Vorsitz des Zahnarztes K r a m e r - Biedenkopf im HotelSchützenhof". Bachdem der Jahresbericht erstattet, die Rech­nung geprüft und für richtig befunden worden war, wurde der seitherige Vorstand durch Zuruf wiedergewählt, mit Ausnahme des Rechners. Der bisherige Rechner hatte eine Wiederwahl abgelehnt. Zu dieser Stelle hatten verschiedene Vereine ihre Mitglieder als Bewerber ange­meldet. Der Vorsitzende führte unter allgemeinem Beifall aus, daß hierbei nicht das Sonder­interesse einzelner Vereine, sondern das all­gemeine Interesse des Gaus zu entscheiden habe und schlug deshalb Schühenbruder R u p p e 1 - Alsfeld, der bereits mit dem Vorstand gearbeitet und sich bestens bewährt habe, für diesen Posten vor. Der Vorschlag des Vorsitzenden wurde ange­nommen. Sodann wurde der Gaubeitragsetat festgesetzt. Als Festbeitrag des Gaus wurden 400 Mark bewilligt. Hiervon wird die Ehrengabe Aum Gauverbandsschiehen. das in diesem Sommer rn L a u b a ch stattfindet, bestritten. In die Schieh» kommission für dieses Fest werden von Lau- b a ch Malermeister Rühl und Uhrmacher En­ders. von auswärts Waffen Zündler Dula- Marburg, Buchhändler Boll- Gießen und Schützenoruder Metz- Wetzlar gewählt. Wie schon gemeldet, wird der Verein Laubach neue Schieß stände amR i n g e l s b e rg" (rechts der Staatsstraße LaubochFreienseen) Herrichten. Diese Stände sind in der Hauptsache fertig; nodj in der Woche wird mit der Grundstein­legung der Schießhalle angefangen wer­ben. Sonntagabend gab der Gesangver­einEintracht" ein in allen Teilen wohl- gelungenes Konzert. Die prächtigen Männer­chöre unter Leitung von Lehrer II g e-Großen- Eichen hatten tiefe Wirkung. Ebenso entzückte Frau Dr. Kollah-Werner aus Gießen mit ihrer sympathischen Sopranstimme die Zuhörer. Auch der Streichmusik derO r ch e st e r Ver­einigung" (Dirigent E. H ö g e l) kann aner­kennend gedacht werden.

]r Gedern, 20. März. Unter dem Vorsitz von Bürgermeister Müller hielt am Sonntag der Pferdeversicherungsverein Ge­dern und Umgegend seine diesjährige Generalversammlung ab. Das Reichs­aufsichtsamt in Berlin beanstandet die Satzung des Vereins. Es steht auf dem Standpunkt, daß der Verein ein bestimmtes Kapital als Reserve auf einer Sparkasse anfammeln soll. Demgegenüber hält die Versammlung dies nicht für nötig und lehnt einstimmig die Anfammlung eines Re­servefonds ab. Seither wurde der Betrag -für ein eingegangenes Pferd voll ausbezahlt. Da im Kreise Büdingen eine Abdeckerei ist, und die Haut eines gefallenen Tieres dort bezahlt wird, so würde dies eine Besserstellung den anderen Vereinsmitgliedern gegenüber bedeuten. Der Vor­sitzende verlangte deshalb, daß von den Mitglie­dern des Kreises Büdingen bas Geld für die Haut zurückzuzahlen ist. Die Rechnungsablage erkannte man als richtig an, worauf dem Rechner Ent­lastung erteilt wurde. Hinsichtlich der Vergütung des Rechners wurde der Beschluß der General­versammlung 1926, wonach der Rechner 8 Proz. der gesamten Prämien erhalten sollte, umge­ändert. Durch Abstimmung wurde der Vorschlag von 250 Mark als Iahresvergütung mit Mehr­heit angenommen. Weil der Beitritt zu dem Verein mit 10 Mark als zu hoch betrachtet wurde, sollen in Zukunft nur noch 5 Mark er­hoben werden. Es wurde ferner einstimmig be­schlossen, daß Pferde, die blind und der Kasse angezeigt werden, mit 50 Proz. ausbezahlt wer­den sollen, da diese noch als arbeitsfähig zu be­trachten sind. Ebenso sind Pferde, die hervor­ragend minderwertig werden, vom Vorstand ab­zunehmen. und zwar zu einer Entschädigung, die vom Dereinstierarzt festgesetzt wird. Der Verein erfreut sich weit über die Grenzen des Bezirks Gedern hinaus wegen feines sozialen Zweckes der größten Wertschätzung.

keine Arbeit, es ist, als ob sie's einem anriechen, es wittern: vielleicht auch einer von denen! Wenn er nun, ba er nicht mehr wußte, wohin, wieder zu Hause ankam, was würde der Vater ihm dann tun?! Nein, er traute sich nicht.

Joseph Bremm stand lange vorm Fenster, er be­obachtete Vater und Mutter. Beim alten Ohm hatte er zuerst angeflopft vielleicht, daß er von bem erfahren könne, rote die Stimmung zu Hause war, aber Jakob Bremm hatte nur einen flüchtigen Blick durchs Schiebfenfterchen der Tür auf ihn geworfen und sogleich verdrossen gebrummt:Macyt, bat Ihr weiter kommt, ich geben nix." Er hatte nicht ausgemacht und auf kein Klopfen mehr gehört. Wie, sah er denn so aus, daß man ihn für einen Land­streicher halten konnte? Joseph sah mit einer ge­wissen Betroffenheit an sich herunter: weiß der Kuckuck, woher die Zerlumptheit kam? Am Ellbogen hing ein Fetzen herab, da hatte ihn der Hund ge» packt, als er an einem Hof um etwas Essen ange­sprochen hatte Hunger tut weh. Und die Hose hatte das Beest ihm auch zerrissen; bis ins Fleisch spürte er die scharfen Zahne. Nein, in d e m Auf­zug konnte er sich wahrhaftig nicht zeigen, ba hatte er von vornherein ausgespiett, ber Vater hatte es ja immer prophezeit:Du kommst noch in L-umpen." Oh, nur zu wahr hatte er gesprochen!

Der hungrige junge Mensch seufzte tief. Er ge­traute sich nicht hinein, und doch stand und stand er. Wenn die Mutter doch einmal herauskäme! Aber die kam und kam nicht. Und wenn sie auch heraus» gekommen wäre, sie konnte ja nichts tun ohne den Vater.

Warum war er eigentlich hergekommen? Das fragte sich der Sohn jetzt. Hatte ihn bie Mutter ge­zogen? Die Heimat? Beide. Als er beute gegen Abend anmarschiert kam, bie ersten Portener Berge sah, so wohlbekannt, da war es ihm gewesen, als sollte er sich, ttotz aller Ungewißheit und inneren , Unruhe, doch freuen. Es ging ja nichts über bie Berge hier, über den Fluß, bie Lust und über all das, was ihn an seine Kindheit erinnerte. Vieles kam ihm wieder ins Gedächtnis es war ja noch nicht Ewigkeiten her, daß er ein Kind hier gewesen war. Und bas sollte er nun alles verlassen? Viel­leicht nie mehr Wiedersehen? Wenn sie ihn zu Hause nicht aufnahmen, oder wenn er nirgendwo Arbeit fand, bann mußte er, wenn er nicht im

-r- Ulfa, 20. März. Jin Gottwalsfchen Saale tagte am Sonntag die Generalversamm­lung der hiesigen Molkereigenossen­schaft. die fünf Ortschaften umfaßt. Der Rech­nungsabschluß ergab einen Reingewinn von 8000 Mark, was zu der Annahme berechtigt, daß die mehrjährige Geschäftskrisis überwunden ist. In dem kommenden Geschäftsjahre soll der Milchversand nach den Großstädten, bet vorüber­gehend eingestellt war, wieder ausgenommen wer­den, da er die Einnahmen steigern wird. Zu diesem Zwecke wurde eine neuzeitliche Kühlanlage eingebaut. Soweit noch erneuerungsbedürftiges Maschinenmaterial vorhanden, soll ^s im Lause der Zeit ausgewechselt werden. Der Gesamt­vorstand wurde wiedergewählt. Für ein frei­willig ausscheidendes Vorstandsmitglied wurde eine Ersatzwahl vorgenommen.

Kreis Alsfeld.

-er. Homberg ad. Ohm, 20. März. Im Anschluß an den Vormittagsaottesdienst wurde am Sonntag in der Kirche die neue Rat­hausglocke eingeweiht, nachdem sie am Tage vorher dorthin verbracht und mit frischem Tan­nengrün geschmückt worden war. Bei dem Weihe­akt hielt Pfarrer Prätorius die Fest­ansprache, wobei er dem Stifter der Glocke, Bürgermeister Karl Schweiker, den Dank der Stadt aussprach. Die Glocke soll an die Stelle der Rathausglocke treten, die zusammen mit un­serer dritten Kirchenglocke am 28. Juli 1917 zum Bahnhof Burg- und Bieder-Gemünden gefahren wurde, um für Kriegszwecke Verwendung zu finden. Der Geistliche weihte die Glocke zum Dienste in unserer lieben Heimatstadt Homberg. Möge sie sein: unserem Bürgermeister eine Ruserin:Geh' gerade deinen Weg, tue ohne Ansehen der Person dein Amt, laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Döse mit Gutem"; unferm Gemeinderat eine stete Mahnerin:Suchet der Stadt Bestes, und eine jegliche Stadt oder Haus, wo mit sich selbst uneins wird, mag nicht bestehen"; endlich allen eine Predigerin:Haltet Ordnung, denn ohne Ordnung kann kein Gemeinwesen gedeihen und laßt in Hombergs Mauern walten den Geist der Kraft, der Liebe und der Zucht".

r. Ober-Ohmen, 20. März. Der hiesige Kriegerverein veranstalt:te an Samstag­abend einen Filmvvrtrag überDnsere Marine im Weltkrieg". Vortragender war der Gastwirt und Metzgermeister Kratz (Freienseen), der den Weltkrieg auf mehreren deutschen Ll- Dooten mitgemacht und in dieser Zeit eine Fülle eindrucksvollen Erlebens erworoen hat. Der Red­ner des Abends, der schon in einer Anzahl anderer Orte mit seinen Vvrträgm starken Bei­fall fand, konnte auch im hiesigen Kriegerverein eine dankbare Zuhörerschaft seinen Worten lau­schen hören. Der Gesangverein Germania um­rahmte den Vortrag durch einige ausgezeichnete Gesangsvorträge.

<5 Kirtorf, 20. März. Die öpar und Darlehenskasse e. G. m. b. H., Kirtorf, hielt am Sonntagnachmittag im Saale des Gast­hofesZur Krone" von Bürgermeister Karl Stumpf ihre ordentliche Generalver­sammlung ab. Der Vorsitzende des Aufsichts- rateS, Wilhelm Lather (Kirtorf) eröffnete die Tagung mit üblicher Begrüßung und gedachte ber in 1927 Verstorbenen, Wilhelm Döll (Kir­torf) und Heinrich Stroh (Lehrbach), zu deren Andenken man sich von den Plätzen erhob. Direktor, Lehrer Erdmann, verlas hieraus den Jahresbericht. Er wies darauf hin, daß noch viele unter dem Eindruck der vorjährigen Sen­sation standen und das heutige Resultat mit Spannung erwartet wurde. Der heutige Rechen­schaftsbericht zeige aber, baß selbst ber größte Pessimist seine (Sintoenbungen als gegenteilig einfeben mußte, weil bie Kasse einen sehr starken Aufschwung genommen hatte. So hatten bie Spareinlagen in 1927 die Höhe der Summe der drei letzten Geschäftsjahre 1926, 1925, 1924 er­reicht. Auch war der Gesamtumsatz um 70 Pro­zent höher als in 1926; dies zeigt, daß trotz des wirtschaftlichen schweren Druckes bei der Landbe­völkerung der Wille zum Sparen und Vorwärts- !v :ni e i vorhanden ist. Ter Reingewinn wurde nach Abzug ber Verzinsung der Geschäftsanteile dem Reservefonds und der Betriebsrücklage gutge­schrieben, um den Grundstock der Kasse weiter zu festigen. Die sahungsgeinäh ausscheidenden Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieoer wurden durch Zuruf wiedergewählt. Für seine ersprieß­liche Tätigkeit wurde dein Vorstand und Auf-

Straßengraben verrecken wollte, oder einen Ein­bruch riskieren, hinter dem gleich das Kafchöttchen drohte, das tun, was jetzt manch einer tat: er mußte sich an werb en lassen. Von den Franzosen. Die versprachen goldene Berge in Afrika. Bei der Fremdenlegion gab's hohe Löhnung, schnelles Avancement, zuvorkommende Behandlung. Er hatte sich bis jetzt noch nicht dazu entschließen können warum nur nicht? Werber für die Fremdenlegion gab es überall, sie hatten ihn schon einmal cmge- sprochen, ihm Wein bezahlt und ihm zugeredet: wie schnell würde er Offizier werden bei derFigure" und derIntelligence". Und es war doch auch in­teressant, fremde Länder und Menschen kennen zu lernen. Und die Bedingungen waren auch airnehm- bar. Aber daß man nicht wiederkam, wahrscheinlich niemals wiederkam, das war es, was hinderte. Keine Berge und Weinstücke sehen, keine Mosel, und keinen Rhein, nur gelben, afrikanischen Sand, Wüste! Und doch wurde er jetzt nach Koblenz zu­rückmarschieren und sich anwerben lassen. Sofort. Dann hatte er doch erstmal Geld im Sack, konnte sich mit irgendeinem Mädel Pläsier machen, und dann na, dann das Maul aufgemacht und die bittere Pille herunter! War man erst drin im gel­ben Sand, dann vergaß man, wie schön grün es an der Mosel ist.

Mit brennenden Augen starrte Joseph in die Stube, in der die beiden Menschen, die ihm am nächsten standen in dieser Welt, stumm und niöber- geschlagen saßen.

Endlich stand der Mann auf, er reckte die Anne über den Kopf und gähnte, auch die Mutter gähnte. Sie drehte die Lampe aus; nun gingen sie aus der Stube. Dunkel war es drinnen, ganz dunkel.

Joseph legte die Hand auf die Klinke der Haus­tür, er versuchte sie niederzudrücken roas wollte er denn noch im Haus? Noch einmal brrn sein, nur einmal! Aber die Tür war verschlossen.

Er schlich ums Haus herum; die Hoftür war auch zu, aber er überkletterte sie. Nun besah er das Haus von der Rückseite alles dunkel. Jetzt schliesen sie längst. Er schlich auf dem Hof herum, guckte da­hin und dorthin und fühlte sich auf einmal so zer­brochen, daß ihm der Gedanke kam, sich zur Kuh in den Stall zu legen. Aber wenn er bann so fest schlief, daß er nicht zeitig auf .«achte, und der Vater ihn fand, der sehr früh in den Stall ging? Nein,

auch bas ging nicht an. Er war hier nicht mehr zu Haus.

Es stieg ihm feucht in die Augen, aber trotzig wischte er sich mit der Hand darüber hin: nur nicht weichherzig, das lohnte nicht, war auch viel zu dumm! Er raffte sich auf: zu wissen wollte er« ihnen aber doch tun.

Er fuhr in feine Tasche und malte mit dem Stück Rötel, das er am Berg heute gefunden, und wie einst als Knabe sich aufgelesen, im unsicheren Lichi der Sterne in großen Buchstaben etwas an die Stalltür.

10. Kapitel.

Trab, trab, gingen müde Füße über bie Chaussee längs der Mosel. Ein Mensch ging einsam mit ge­senktem Kops. Mitunter hob er ihn und sah umher. Und nun setzte er sich an den Chausseeranb. Er sog, wie mit burftigern Auge trinkend, bas Landschasts- bild in sich ein. Wie schön, wie schön war es hier, wie wunderschön! Ein Glanz lag über den Wein­bergen, daß sie goldene Scheitel in den Himmel

hoben, und die kleinen Kapellchen, die zwischen

einzel ragenden Bäumen ba und dort auftauchten, wie weiße Perlen schimmerten. Joseph glaubte die Heimat noch nie so schön gesehen zu haben. Warum hatte er das, was sie bot, früher eigentlich so acht' los hingenommen? Warum war er nicht immer hier geblieben, hatte, ein Winzersohn, dem Vater im ÄZeinberg geholfen? Seine Sttrn zog sich zusammen wie in einem Schmerz.

Nun Joseph bie Heimat auf immer verließ merkte er erst, was sie ihm war. Er würde sie nie­mals vergessen, auch weit drinnen in Afrika nicht. Aber würde s i e sich noch seiner erinnern? Wer würde hier seiner gedenken? Die Mutter, ja, bie würde an ihn denken, mit viel Kummer, aber auch ihr Kummer würde sich legen, wenn die Jahre dar über hin gingen; er hatte ihr ja auch nicht viel I Freude gemacht. Er war bann ausgelöscht. War hier gewesen und doch nicht gewesen. Er war vor- ; über, ganz wie bie Welle, die die Mosel hin- ! unterfließt weg ist sie, und sie läßt nichts von sich zurück. Fast befiels ihn wie Bangen, daß man so bageroefen fein kann zwanzig Jahre, und dann geht man fort, und es bleibt nichts von einem zu- ! rück. Man läßt nicht etwas von sich hier nichts, gar nichts, kein Stück! Er seufzte und hing beit

I Kopf auf bie Brust. (Fortsetzung folgt.)

sichtsrat ber Dank ber Versammlung ausge­sprochen.

<5 J a n n e n r o b, 20. März. In trockenen Wiesen treten in diesem Frühjahre wieder sehr stark die Maulwürfe auf. Infolge des AufwerfenS der Erdhügel bereiten fie den Landwirten beim Reinigen der Wiesen größere Qlrbeit und beim Mähen der Wiesen zur Heuernte stumpfe Ma­schinenmesser und öftere Störungen. Daher wurde durch Gemeinderatsbeschluß das Wegfangen ein­geleitet und eine Fanggebühr von 10 Pfennig pro Stück aus der Gemeindekasse bewilligt. Die Kenntlichmachung der abgenommenen Tiere ge­schieht durch Abschneiden des rechten Vorder­beines. So wurden im vorigen Frühjahr fast 300 Maulwürfe in Fallen gefangen. Von Fell- auftäufem werden noch die sammetweichen Fellchen der Tiere, die gut gespannt und ge­trocknet sein müssen, abgenommen und pro Stück mit 20 bis 35 Pfennig bezahlt, so daß der Maul- wurfsfang. der meistens von den Knaben be­trieben wird, einen ansehnlichen Verdienst in dieser geldknappen Zeit bietet.

Giarkenburg.

provinzialdirekior Kranzbühlers letzte Fahrt.

Darmstadt, 20. März. Unter gewaltig« Beteiligung fand heute vormittag auf bem alten Friedhof die Beisetzung des verstorbenen Provinzialdirektors Dr. Kranzbühler statt. Der Sarg war in ber Feiedhosstapelle ausge­bahrt. wo Pfarrer Lauteschläger den Trauerbienst versah. Er legte feiner Ansprache an bie Leidtragenden die Worte aus bem Evan­gelium des Johannes, Kapitel 8, Vers 51, zu Grunde:Sv jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich." Hierauf ordnete sich ber Trauerzug und begab sich zu ber Gruft. Bachdem der Geistliche Gebet und Segen gesprochen hatte, fanden Kranznieder­legungen und Ansprachen statt, in denen die großen Verdienste des Verstorbenen gewürdigt wurden. Zunächst sprach der Minister des Innern Leuschn^r im Barnen ber Staatsregierung; es faxten dann Oberregierungsrat Haber­kor n, der für die Provinzialdire tion, das KreiS- amt und das Kreisschulamt sprach, Kreisdirektor Werner (Erbach) für das Kreisamt Erbach, Polizeidirettor U finger (Darmstadt) für daS Polizeiamt Darmstadt. Bürgermeister K r a n z i n (Offenbach) für den Provinzialausschuh, den Verwaltungsrat der Kommunalen Landesbank, den Hessischen ©täbtetag und die Stadt Offen- bach, Bürgermeister Rihert (Darmstadt) für den Kreisausschuh Darmstadt. Oberbürgermeister Dr. G l 5 s s i n g für die Stadtverwaltung, die Stadtverordnetenversammlu-g und den Aufsichts­rat ber Hessischen Eisenbah' -Ak ti nr-Gesell chost. Oberregierungsrat E m m e r * i n g für die Ver­einigung höherer Beamten ber inneren Staats- verwa.tting. Oberbürgermeister Rahn (Worms) für die Stadt Worms, sowie noch eine Reihe von Vertretern von Korporationen und Ver­einen.

Reichsauhenminister Dr. Stresemann Hai der hessischen Regierung zum Tod des Pro- vinzialdirektorS Dr. Kranzbühler folgendes Bei­leidstelegramm übersandt:Der Hessischen Re­gierung spreche ich zu dem plötzlichen Ableben des Provinzialdirektors Dr. Kranzbühler meine aufrichtigste Anteilnahme aus. Der Verstorbene hat als langjähriger hessischer Delegierter in der Zentralkommifsion für die Rheinschifsahrt den deutschen Interessen die wertvollsten Dienste geleistet. Ein ehrenvolles und dankbares Ge­denken wird ihm hier stets gewahrt bleiben."

Der Reichsverkehrsminister lieh durch Ministerialrat Oppermann am Grabe einen Kranz niederlegen. Er gedachte dabei der für das Reich überaus wertvollen Tätigkeit des Ver­storbenen in der Internationalen Rhein- schifsahriskommission zu Straßburg. Diese hatte ihres toten Mitgliedes durch Heber» fenbung eines Kranzes gedacht und zur Dei- setzung Herrn G e r l a ch, das deutsche Mitglied des Sekretariats, entsandt.

Rheinhessen.

Lpd. Mainz, 20.März. Die Mainzer Stadtver- ovbnetenoersanimlung beschloß, den Beitritt ber Stabt zur hessischen kommunalen Gasoersor- gung.

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