Es zogen drei Burschen wohl über den Mein .... Roman von Erica Grupe-Lorcher.
23 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Diese Worte, diese ahnende Klage schwang im- i»vr noch in ihr nach. Sie stand wie ein Schatten über ihr, so daß ihr Austreten heute weniger von der graziösen Heiterkeit, von der eleganten Sicherheit der jungen Weltdame als sonst an sich hatte, tote war versonnen, verstört, traurig und voll innerer Unklarheit.
Ihre Beklommenheit und innere Unfreiheit wuchs, als Monsieur Jean Paul gleich, nachdem er ihr auf dem mit Kissen belegten Rohrsofa einen Platz angeboten, die Unterhaltung mit den Worten begann:
Ja0!: der Abschied ist der erste Schritt zum Wiedersehen Mademoiselle, vielleicht tri ft das auch auf unseren heutigen Abschied zu: wir werden uns Wiedersehen und wwr in Ihrer schönen Heimat!" , Sie hob .eßt den Blick und sah ihn an. Sah ihm in die leuchtenden Augen von dunkelstem Glanze. Und er begann ihr Einzelheiten von der Front zu Eräbhlen, die sie in Erstaunen setzten.
..Ich weiß nicht, was an allem Tatsache ist, Mon- fieur Bouoier, was Sie mir jetzt erzählen!" mur- melte sie, als er geendet und mit einem Gemisch von Freude und Triumph sie anblickte und auf die Resonanz ihrer Freude wartete. So war es ihr ivillkoinmen, als sie unmittelbar neben »ich auf einem Stuhl seinen Geigenkasten stehen sah, den sie letzt mit einer schnellen, leichten Bewegung aufschlug und die Violine emporhob. m
,-%n Sie mir noch ein Stückchen zum Ab- sch sd, Monsieur Bouoier! Zeigen Sie mir, ob Sie au der Violine ein ebensolcher Künstler sind, wie auf dem Klaviers
^trument und meinte mit einem ffirab von Eitelkeit: „O, ich kann auch das Cello spielen! Das weiß man in meiner Heimatstadt. Und 'ch bm nicht nur em gesuchter Lehrer, sondern ich hab« auch, gerade für unser städtisches Orchester, zu ernten Konzerten für Cello einige Suiten tom-
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den um
Lynn. Irgendwo und wann hat man Namen doch schon mal gehört. Muh da (Bofton herum gelegen sein. Na also schon her mit dem Lexikon. . . . Lützen, Lycurgus, Lynch-
alS sich hevauSstellk, bah diese für Liebesbriefe gehaltene Schreiben in Wirklichkeit nur geschäftliche Mitteilungen enthielten. Die zahlreichen Geishas unterhielten nämlich bei der Dank des Dir^tvrs Konten, auf die sie ihre in „harter Arbeit" erworbenen Gelder einzuzahlen Pfleg- ten ... Welch ein Glück, daß der diskrete Sekretär die Gattin seines Chefs nicht mit einem anonymen „Brief eines Wohlmeinenden" beglückt hatte!
An meine lieben Hunde.
(aga) Neuhork,
hing. Zur Zeit ist baS Krankenhaus voll belegt. — Auf Grund einer behördlichen Aufforderung des Kreisgesundheitsamtes Schotten wurde die Gemeinde ersucht, die Bäume vor dem jetzigen Rathaus zu fällen. Ausschlaggebend für diese Berfügung war der Um* stand, daß Flur und Zimmer der dahinter liegenden Wohnungen stark verdunkelt wurden, und das Licht, dieser Hauptlebensfaktor sehr behindert war, einzudringen. Außerdem spielen noch hygienische Gründe mit, die das Umlegen der Bäume rechtfertigen. Wenn auch vielleicht dem einen oder anderen Naturfreund der frühere Zustand besser gefallen hat.
I Gedern, 20. Ian. Kommenden Sonntag tagt hier die Delegiertenversammlung der „Vogelsberger Sängervereini- gung" unter dem Vorsitz von Lehrer Strö- ß i n g e r aus Ober-Lais. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Frage des diesjährigen B undesse st e s.
£ Ober-Lais, 20, Ian. Das Kreisschulamt Schotten, Abteilung Kulturlichtbildstelle, ließ hier den Weltkrieg-Film der »Ufa" vorführen. Gezeigt wurde der erste Teil des Filmwerkes, betitelt „des Volkes Heldengang." Die Erläuterungen zu dem Film gab Schulrat K in- k e l. Der große Saal des Gastwirtes Werner, heute nach der Turnhalle in Schotten wohl der größte Saal des Kreises, war von ungefähr 350 Personen besetzt, von denen sehr viele aus den Nachbarorten Glashütten, Feuerbach und Schwickartshausen gekommen waren. Lebhafter Beifall lohnte die Vorführung des ausgezeichneten Filmes.
Ober-Schmitten, 20. Ian. In der Untersuchungssache über die aufgejunbene Leiche eines neugeborenen Kindes weilte gestern das Gericht hier. Es wurde festgestellt, daß das Kind nach der Geburt gelebt. Als Todesursache wurde Strangulation am Halse und Schädelverletzung mit Bluterguß ins Gehirn angegeben, so daß K i n d e s t ö t u n g vorliegt. Inzwischen lenkte sich der Verdacht auf ein 18jäh- riges Mädchen, daS in dem Hause wohnt, an dessen Wand das tote Kind aufgefunden wurde. Die Vermutung lag nahe, daß die Leiche durch ein Fenster auf den benachbarten Hof geworfen sei. Bor dem Untersuchungsrichter legte die der Tat Verdächtige noch am Abend ein volles Geständnis ab. Sie ist die Tochter achtbarer Bauersleute.
* Eiche lsdorf, 20. Ian. Gelegentlich der Iahresschluhversammlung unseres Kriegervereins überreichte Apotheker Scriba, Schatten, der Vorsteher des HafsiabezirkeS Vogelsberg, dem 1. Vorsitzenden unseres Kriegervereins und 2. Vorsitzenden des Bezirkes Vogelsberg, Förster Schmitt, als Anerkennung für 25jährige treue Mitarbeit im Kriegervereinswesen daSHassia- kreuz. Förster Schmitt ist es gelungen, den in der Nachkriegszeit wieder ins Leben gerufene Verein auf eine Mitgliederzahl von fast 100 zu bringen und in ihm Männer aus allen Schichten der Dorfbevölkerung zusammenzuführen.
)--( Ruppertsburg, 20. Ian. Unser Kriegerverein entfaltet in diesem Winter eine rührige Tätigkeit. Nachdem bereits zwei Vorträge mit Lichtbildern gehalten worden sind, findet ein weiterer anläßlich der Gedächtnisfeier an die Gefallenen anfangs März statt. Dieser Tage hielt der Verein unter Vorsitz seines Präsidenten W. Lein bei GastwirtSchlörb seine diesjährige Generalversammlung ab, die gut besucht war. Aus dem Iahresbericht ging hervor, daß der Verein, der zur Zett 102 Mitglieder zählt, im letzten Jahre eifrig bemüht war, seine Aufgabe zu erfüllen. Die Rechnungsablage. erstattet durch W. Lehrtt., ergab nur ein Vermögen von 51 Mk. Längere Aussprachen entspannen sich über die Verbesserungen, die unbedingt an unserem Schießstande vorgenommen werden müssen, sowie übe£ die Beteiligung an den Leichenbegängnis.en und Vereinsfeiern.
± Stumpertenrod, 20. Ian. Dieser Tage hielt der hiesige gemischte Chor „Eintracht" seine Generalversammlung ab.
wurde beschlossen, eine Vereinsfahne anzuschaffen und zu diesem Zwecke eine Sammlung im Dorfe zu veranstalten. — Lebhaft wird z. Z. hier über die Frage der Feldbereinigung debattiert, die schon zweimal zurückgestellt werden mußte, und die nun wieder in ein neues Stadium getreten ist. Es stehen sich zwei Ansichten gegenüber. Während auf der einen Seite die Feldbereinigung als eine dringende Notwendigkeit für unser Dorf betrachtet wird, ist man auf der
zum Klang von Violinen, nicht wahr? Gibt es etwas Herrlicheres, als ein geliebtes, graziöses Wesen im Arm, in langsamem Tanze dahingleiten zu können?"
Sie hört« auf die Melodie. Jetzt glitt st« in ein Walzertempo. Aber plötzlich drängte sich von draußen eine andere Melodie herein. Süßes Helles Schwalbengezwitscher! Wie reizend, wie jubelnd, wie zärtlich klang es! Das Herz tat sich einem weit auf...
Sie dachte an Dietwart. War es vielleicht dasselbe Schwalbchen, das ihnen vorgestern zärtlich oorgezwitschett, als sie mit Dietwart auf den geborstenen Mauern des alten Turmes gesessen? Hatte er nicht gerade von den Schwalben erzählt, wie sie seine einsamen Stunden im Krankenzimmer erhellt?
Sie dacht« an Dietwart. Ihre Gedanken blieben bei ihm haften.
Plötzlich begann sie auf bi« Melodie zu achten, in die sein Spiel hinüb«rg«glitten war. O, wie gut kannte sie diese Weise!
„Nicht weiter spielen!" meinte sie, raffte sich auf und ihre Hände schlossen sich auf dem Ti che erregt zusammen, „nicht weiter spielen! O nur diese Melodie nicht!"
Er brach ab, ließ die Violine sinken und sah sie an: „Ich könnte mir kaum einen schöneren Wal° xer für ein Liebespaar zum Tanzen denken, als bieien, Mademoiselle! Da singt es doch in jedem Ion! Ah, stoßen Sie sich an dem Text«: „Quand lamour meurt!" Was besagen Worte bei einer solchen Melodie! Ueberdiee! Wer hindert es, sich nach seiner Faston den Text umzudichten? Hören Sie mir zu:"
Und er begann in plötzlicher Eingebung zu singen: „Quand lamour tleurit —"
Sie aber war am Rande ihrer Selbstbeherr- chung nach all diesen Stunden voll sich widersprechender Empfindungen. Den Kops preßte sie letzt auf ihre Hände und murmelte flehend: „Ich uttte Sie, spielen Sie nicht weiter! Ich bin un- lahig, Ihnen heut« noch weiter zuzuhören!"
Jean Paul Bouoier legte schweigend das In- jirument in seinen Kasten zurück Ein Schatten war über fein bewegliches Minenspiel gezogen, fänbemSid) er. wie sie Tränen nieder- kampfte. Warum meinte sie? Er hatte irgendein«
Sait« in ihr berührt, di« wund war, die gerade unter dem Zauber der Musik in Schwingungen geriet. Was hatte es mit dieser Melodie auf sich, wenn sie ihn anflehte, gerade dieses Lied nicht weiter zu spielen?
Brack eine Erinnerung in ihr auf? Ein Schmerz? Ober eine Sehnsucht?
(Er hielt es für taktvoll, ein längeres Schwelgen zu beobachten. Aber es gab ihm aud) zugleich Gelegenheit, sich die Situation zu überlegen. Sein Blick konnte um so ungestörter jetzt auf ihr ruhen, als sie noch immer den Kops vornüber auf die Hände gepreßt, verharrte. Er sah ihren schön ge* jbrmten Nacken, sah ihren blühenden frischen
Sah das feine Gewirr der dunklen, sich in leichte Locken schmiegenden Haare. Den fein gemeißelten Unterarm mit dem vornehmen Handgelenk. Ack, wie schön war fie, wie berauschend ihr« Nähe, selbst wo das schönst« an ihr. ihr« Augen, durch ihr« Haltung verborgen waren!
Es gab schöne Mädchen in der Provence. Beweglich temperamentvoll, von bräunlichem Teint und dunklen Augen gleich ihm, mit blitzenden Zähnen und blutroten Lippen. Aber hier reizte ihn das E^misch von selbstsicherer Grazie, von selbstver- standilcher Eleganz, von temperamentvoller Heiterkeit, unleugbarer Vornehmheit, bi« über ihrer aan- <Lcn Erscheinung und ihrem Auftreten lag. — Zum -eusel, warum sollte ein berühmter Mann in fei« nem Fach ein ansehnlicher junger Herr aus guter Familie, der als Professor der Musik in seiner gcm- ^en Heimatstadt angeschwärmt wurde — nicht di« panb nach einer Komtesse Welzin ausstrecken formen?
Weben der aufschießenden Möglichkeit, gerade sie könne durch das Ansehen ihrer Familie in otrafiburg ihm vielleicht einst einen angesehenen Wirkungskreis verschaffen, durfte er mit gutem Gewissen sagen: daß nicht nur materielle Erwä- $pmg oder der Gesichtspunkt persönlicher Ettelk-it hn zu einer Werbung um sie veranlassen würde, ondern daß er auch im Begriffe stand, sich leiden- chattlich in dieses scharmante junge Wesen zu verlieben! u
_ (Fortsetzung folgt.) ,z • -
Osaka beschäftigt waren, dem größten Filmun- tLmehmen Iapans, sind vor kurzem gekündigt worden. Es ist ihnen zugesagt worden, sie wieder ftu beschäftigen, sobald sie sich wieder lange Haare wachsen lassen. In der Mandschurei haben öie Schulvorsteher den Kindern das Tragen Kurzer Haare verboten.
Männer, die nach alter japanischer oder chinesischen: Sitte lange Haare tragen, haben merkwürdigerweise ebenso zu leiden wie Frauen mit abgeschnittenem Haar. In Iapan hat man diese langmähnigen Jünglinge auf die Polizeibureaus geschlevpt und dort in ein Kreuzverhör darüber verwickelt, ob sie revolutionären Ideen an* hängen. In Mukden wurden 200 Studenten' der Harckelshochschule relegiert, weil sie sich weigerten, ihre Haare abschneiden zu lassen.
Der moderne Xerxes.
(n) Teheran.
Als vor einigen Wochen der neue König Persiens, Reza Schah, eine Inspektionsreise in die persischen Aordbrovinzen machte — natürlich per Automobil — konnte man in seinem Gefolge einen märchenhaft schönen weißen Rolls-Royce- Wagen bemerken, der sich von den dunkleren anderen Wagen des Gefolges auf das lebhafteste abhob und überall das größte Aussehen erregte. Trotz größter Neugierde war aber nicht zu erfahren, was es für eine Bewandtnis mit dieser Limousine hatte, und erst als der Schah nach Teheran zurückgekehrt w^r, gelang es einigen fürwitzigeii Iournalisten, das Geheimnis des weihen Wagens zu lüften. Cs stellte sich dabei heraus, daß in diesem Wagen „der reichste Mann Persiens", der Ischeich Khasal von Mo- hameran im Gefolge des Schahs mitfuhr, aber nicht ganz freiwillig, wie man wohl annehmen darf.
Der Ischeich, dessen Gebiet die großen Petroleumquellen der bekannten Anglo-Persian- Oil-Co. ist, wurde vor einigen Iahren, als er sich allzu selbständig fühlte und den Süden Persiens vom persischen Reiche abzutrennen versuchte, von Reza Schah gefangen genommen und muß nun als Pfand für das Wohlverhalten seiner Familie den Schah auf allen seinen Reisen begleiten.
Das ist, wie die berühmten Felsbilder von Bisutun zeigen, in Persien sozusagen seit Iahr- tausenden Traditton, denn schon Terxes, den wir aus den Kämpfen mit den Griechen kennen, zwang die Könige und Fürsten, die er unterworfen hatte, ihn zu begleiten, und zwar in Ketten gefesselt und an den Wagen des Könitz» angeschmiedet. Wie man sieht, ist die Sitte in der Tat einige Iah re alt, nur daß eben heute Könige und Fürsten, wenn sie gefangen genommen werden, nicht zu Fuß zu laufen brauchen, sondern im eigenen Automobil mitgefahren werden.
Immerhin, wie man zugeben muß, ein nicht unbedeutsamer Fortschritt.
Die verwechselten Liebesbriefe.
(c) Tokio.
Iapan hat immer schon als bas Land der Diskretion par excellence gegolten, als das Land, in dem Diskretion keine „Ehrensache", sondern so selbstverständlich ist, wie z. B. das Hut- abnehmen in den europäischen Ländern. Zu welch seltsamen Folgen diese lobenswerte Verschwiegenheit aber mitunter führen kann. daS zeigt eine Geschichte, die vor kurzem die Runde durch Die japanische Presse gemacht hat.
Der Sekretär des Direktors eines der größten Bankhäuser bemerkte eines Tages zu seinem Erstaunen, daß sein Chef, den er bis dahin immer für einen treuen Ehemann gehalten hatte ldieser meist nur für europäisch gehaltene Begriff existiert nämlich auch in Iapan). plötzlich Liebesbriefe bekam, oder Briese, die der Sekretär mindestens hierfür halten mußte. Es waren stets kleine, in rosa älmschlägen steckende Schreiben, wie sie ttadltionell von den japanischen Geishas, den bekannten Insassen der japanischen Teehäuser, mit Geist, Witz und Grazie geschrieben werden. Da sein Chef obendrein zufälligerweise auf Urlaub war, und er fick diese Briese nicht wie alle rein geschäftlichen Schreiben zu öffnen getraute, verbarg er sie vor den Augen seiner Kollegen und überreichte, als nach mehrwöchentlicher Abwesenheit fein Chef zurück- kehrte, diesem diskret ein stattliches Paket von mehreren hundert derartig schöner rosa Brieschen, die übrigens verschiedenste Handschriften trugen. Wer aber beschreibt fein Erstaunen,
anderen Seite der Meinung, daß die derzeitigen Zeitverhältnisfe für die Durchführung der Felb- bereinigung zu ungünstig seien. Auch eine in letzterem Sinne gemachte Eingabe wurde kürzlich den Behörden eingereicht.
i Köddingen, 20. Ian. Untere Schule ist seit letzter Woche verwaist, da Lehrer S ch m a n d t der Erholung wegen beurlaubt ist und z, Z. in Stumpertenrod wohnt. Während in der vorigen Woche die Kinder überhaupt keine Schule hatten, hält feit dieser Woche auf Anordnung des Kreisfchulamtes Lehrer Doll von Helpershain jeden Nachmittag hier einige Schulstunden.
Kreis Alsfeld.
r. Ober-Ohmen, 20. Ian. Die Arbeit in dem Basaltwerk am Hainerberg, die vorübergehend eingestellt wurde, beginnt jetz. ieder in Gang zu kommen. Der Betrieb liefert den Straßenschotter für die im nächsten Iahre Zu walzende Strecke der Provinzialstraße nach Ruppertenrod zu.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
-$• Aus de in Kreise Wetzlar, 20. Ian. Um eine Vereinheitlichung der Obstproduktion herbeizuführen und den Obstbau zu fördern, hatte ber oreußische Staat im Vorjahre den Obstzüchtern zum Umveredeln der Bäume Beihilfen in der Weise gewährt, daß er die Hälfte der Veredlungskoften, etwa 10 Pf. pro Kopf, übernahm. Auf diese Weise wurden im Vorjahre in unserem Kreise rund 80 000 Veredlungen (Köpfe) vorgenommen, so daß die Beihilfen den erhofften Zweck erreicht hatten. Aud) in diesem Jahre sind der Rheinprovinz zu diesem Zwecke 15 000 Mark zur Verfügung gestellt, so daß unser Kreis, wie wir von maßgebender Seite hören, ein Drittel der Summe erhalten wirb. Die Beihilfen werden jedoch nur für einzelne bewährte Obstsorten gegeben, die unter Berücksichtigung der Lagen und Bodenverhältnisse von dem leitenden Kreisobstbaubeamten bestimmt werden. Um nun sämtlichen Obstzüchtern Gelegenheit zur Meinungsäußerung zu geben, erläßt der Obst» und Gartenbauverein für den Kreis Wetzlar gemeinsam mit der Kreisbauernschaft eine schriftliche Umfrage, welche Obstsorte sich für die Gemeinden am besten eignen. An Hand des Ergebnisses dieser Umfrage werden von der maßgebenden Stelle die Sorten festgelegt, für welche die Beihilfen gewährt werden.
- - Hochelheim, 20. Ian. In unserem Dors herrschte in den beiden letzten Iahren eine fo rege Bautätigkeit, wie sie in sämtlichen Gemeinden der ilmgeg-mb nicht in dem Ausmaße zu beobachten war. Fast in allen Ortsteilen sind neue Wohnhäuser erstanden, so daß in den Nachkriegsjahren in unserem, noch keine 1000 Einwohner zählenden Orte über 30 Wohnhäuser erbaut wurden, wodurch auch der Ortsbebauungsplan im vorigen Iahre eine Erweiterung erfahren mußte. Neben dieser lebhaslen Wohnungsbautätigkeit bot auch die immer mehr emporblühende Käseindustrie stets Gelegenheit zu baulichen Veränderungen, Herstellung von Käsemagazinen usw., so daß neben den zahlreichen hiesigen auch noch auswärtige Bauarbeiter das Iahr über Deschäs- tigung fanden. Auch in diesem Iahre wird diese Bautätigkeit voraussichtlich anhaüen.
Hochelheim, 20. Ian. Der hiesige Spar- und DarlehnSkassenverein hielt im Saale der Gastwirtschaft Philipp Iung eine öffentliche Versammlung ab, die sich eines zahlreichen Besuches, besonders auch aus den Rachbargemeinden, erfreute. HauptgesckästSsührer Iolk von der Raiffeisenbank zu Frankfurt a. W. «über Ziele und Zweck des Raiffeisenschen senschaftswesenS und berichtete dabei auch Über die heutige Lage auf dem Geldmärkte, den er unter allen Umständen als gefestigt und gesichert bezeichnete. Anschließend sprach Geschäftsführer Haack- Gießen. Die sehr lehrreichen Ausführungen der beiden Redner wurden mit großem Interesse ausgenommen.
I Groß-Rechtenbach, 20,Jan. In derUmlegungssache der hiesigen Gemeind« sand dieser Tag« ein Ortstermin statt, in dem hauptsächlich über die Befestigung beS Zufuhrweges zu der Dorrschen Mühle (Obermühle) vexhandelt wurde. Der Gsmeinde- rat beschloß, dem neuen von der Rheinpfälzer Straße abzweigenden Weg zu der Mühle auf einer Teilstrecke von der Straße aus zu befestigen, jedoch unter der Voraussetzung, daß der Besitzer der Mühle einen Zuschuß zahlt
justiz, Lynn, na da haben wir s. . Lynn, Massachusetts, von den Engländern 1629 gegründet. . 9 Meilen nordöstlich von Boston. . Industriestadt. . 284 Schuhfabriken, . 43 Lederfabriken. . zwei Tageszeitungen. . Banken. . usw. Hm, alles sehr interessante und schätzenswerte Auskünfte, aber lückenhaft, entschieden lückenhaft. Muß in der nächsten Ausgabe allerlei nachgeholt werden. Lynn zeichnet sich momentan durch eine Persönlichkeit aus, deren Name dieser Tage die Runde durch die gesamte amerikanische Presse gemacht hat. Bauer heißt der Mann, Ralph S. Bauer. Ist Bürgermeister, Großer Tierfreund. Liegt derzeit mit den Staatsbehörden von Massachusetts — Sie wissen doch, der Staat, in dem Präsident Coolidge einmal Gouverneur toar; der jetzige Inhaber dieses Amtes heißt Fuller (siehe Sacco-Danzetti) — liegt mit den Staatsbehörden in Fehde, weil diese ein Edikt erlassen haben, wonach Hunde nicht nur einen Maulkorb zu tragen haben, sondern auch an der bewußten Leine zu führen sind. Als Herr Bürgermeister Dauer dies vernommen, ließ er gleich seinen Stadtschreiber kommen und diktierte ihm eine Prollamation „An die Hunde von Lynn", in der er ihnen trotz des Verbots der übergeordneten Staatsbehörde uneingeschränkte Bewegungsfreiheit in den Straßen der Stadt zusicherte, so lange sie sich „anständig betragen und nicht, wie gewisse Polittker dies fürs vor der Wahl tun, den Verkehr behindern?
DaS Stadtoberhaupt beginnt feinen Erlaß mit der allerdings nicht von ihm erfundenen Bos- hafttgkeit: „Ie mehr Menschen ich kennenlerne, desto lieber sind mir die Hunde." Er erklärt, daß er nie einen Hund kennengelernt habe, der es auf Milderung der Prohtbitionsgefetze abgesehen oder dem Glücksspiel-Verbot opponiert habe, versichert alle Hunde Lynns seiner „Hochachtung und seines Wohlwollens", kom- plimenttert fie zu dem ihnen angeborenen und anerzogenen Respekt vor dem Gesetz und schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, „daß alle Hunde in Lynn ein hundsgemein glückliches neues Iahr haben mögen.“
Ob sich des Herrn Bürgermeisters Mahnung zu „anständigem Betragen" auch auf die „Stammbäume und Ecksteine Lynns erstreckt, ist feinem Edikt nicht einmal zart angebeutet.
Oberheffen.
Kreis Schotten.
V Gedern, 20.Ian. Der städt. Kindergarten hat sich im v. I. sehr günstig entwickelt. Bei Beginn deS Schuljahres waren 33 Kinder gemeldet. Während des Iahres fanden 52 Neuaufnahmen statt. Von der Gesamtzahl 85 waren der Konfession nach 75 evangelisch und 10 israelitisch. Es mutzten aus verschiedenen Gründen 6 Kinder entlassen werden. 60 Kinder besuchten den Kindergarten regelmäßig, während 19 ab und zu erschienen. — Nach einer Verfügung des Staatspräsidenten sind elf höhere Privatschulen Hessens unmittelbar dem Landesamt für daS Bildungswesen unterstellt worden. Darunter befindet sich auch unsere Städtische Höhere Schu- l e. Dies bedeutet das Erreichen eines schon lange gehegten Wunsches und einen Schritt vorwärts auf dem Wege zur völligen Gleichberechtigung mit den staatlichen höheren Lehran- stalten. — In dem Bezirkskrankenhaus Gedern fanden im Iahre 1927 185 Patienten mit 3200 Krankheitstagen Ausnahme und fachkundige Pflege. 41 Operationen konnten hier vorgenommen werden. Die Zahlen beweisen die dringende Notwendigkeit dieser sozialen Einrich-
Er setzt« die Geige unter das Kinn und ließ den Bogen leise und probierend über bi« Saiten gleiten. 'Ach liebe die Violine fast noch mehr als das Piano. Man karm auf ihr feine Gefühl«, seine Emp- llndungen, viel mehr, viel tiefer zur Geltung
©ie lehnte den Kopf zurück an bie hell« Wand bes Gartenhauses und sah unter falb gesenkten Sibern m den taufrischen Garten hinaus. Er sprach weiter, wahrend er im zartesten Dianissimo pfan- taslerle: „Wenn ich einmal meine Liebe zu gestehen wachte, ich wostte, ich dürst« «s bann in den ?“Q1s^en ber Musik tun! O, wie viel leichter würbe ich da meine Liebe, meine Sehnsucht, mein Werben in das Gewand der Tön« zu hüllen vermögen, als in den banalen Klang von Worten!"
u. Un wetter nach einer Weile, ganz versunken in tne Süßigkeit ber eigenen Geigentöne: „Die Musik! O, weim wir armfeliaen Menschen mit all unseren Schmerzen und dem bißchen Glück nicht bi« Musik hatten, um in ihr mit unseren Empfindungen unter« sinken au können!"
Sie blieb unbeweglich. Ihre Augen schlossen sich angsam fester. War's, weil Tränen voll schmer^ mübten?11^” 3errincn^H ^roorzustehlen sich
Dann begann er sehr leise, aber vielleicht aerobe he?^0en 'n,J einer besonders schwingenden und einschmeichelnden Stimme bas in Frankreich so populäre Lied von Supps zu fingen:
„fyab ich nur deine Liebe, Die Treue brauche ich nicht__|*
As er geenbet, sah er an ihrer stummen Er- gris eicheit, wie sehr er sie wieder mit seiner Musik zu bezaubern vermocht. 1
Sie war wie eingehüllt. Weltentrückt. Stunden- ang hatte sie so in diesem Gartenhaus in dem ftil. len, abgelegenen Garten allein neben ihm meil-n tonnen, den Blick zwischen den kaum geöffneten Lidern vor sich auf bas blühende Meer von Rosen
unbJBalfaminen geheftet. Umfächelt von Östlicher Fr che und dem schwebenden Dust ber Rosenbeete. Und all« Sinne eingesponnen von bcn zarten, melodienreichen Saitenklängen und ber leise singenden, werben den Männerstimm«.
Sein Sviel glitt in andere Weisen über. Es hHÜOr n °*SLeß ?ieb ^mer rhythmisch,
immer klangvoll. „Und wie es sich tanzen laßt


