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Nr ?og nrilfK Blutt ffitfettet itaela« ISeneral-Anielaer für ®t«l)tfftn) $ottnersktg, 20. vezmbn 1928

Lach« Vai»«»!

Vornan von Z. Schneider-Foerstl.

Urheberrcchtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.

Nachdruck verboten.

26. Fortsetzung.

Wieder nur ein Ricken. Er sah das leise Miß- trauen in ihren Äugen, stand auf und holte sich eine Zigarre aus dem Behälter.

Die Baronin wußte von dem Sohne, daß Isabella Jeska das Äxnb ihr?s Mannes war. Sie sch. es mit mütterlicher Zärtlichkeit in ihr Herz wie ein eigenes. Unb Isabella brachte ihr hierfür die Liebe einer Tochter entgegen. Sie konnte sich nicht genug tun, ihr dafür Beweise zu geben.

Joachim war über die Maßen dankbar, daß die Mutter jemand hatte, wenn er den ganzen Tag von zu Hause fort war. So brauchte er doch wenigstens nicht in Sorge zu sein, daß die Lange­weile ste auf trübe Gedanken brachte.

Ms er Isabella an diesem Abend die Treppe hinabgeleitete, blieb sie plötzlich ganz unvermittelt stehen und faßte ihn scharf ins Auge.Du schleppst irgendetwas mit dir herum, Joachim!

Er verneinte und versuchte weiterzugehen, aber sie hielt ihn am Arme fest.Ich finde es schon noch heraus! Du kannst dich drauf verlassen, mein Äeber! Liebermorgen muh ich nach der Schweiz für ein kurzes Gastspiel aber sowie ich zurücttomme, fahre ich höchst persönlich hinaus in die Greinerwerke und überzeuge mich, wie du untergebracht bist!"

Ich habe nicht zu klagen. Isa! Die Bezahlung ist sehr anftänbig.

"Aber halb zu Tode gerädert bist du auch! fuhr sie auf.Glaubst du, ich seh' das nicht? Du kommst heim wie ein Schwerarbeiter! Unb bringst kaum einen Dissen hinunter vor Müdig­keit unb Schlafbedürfnis."

Du mußt nicht übertreiben, kleine Schwester. Das geht allen Menschen so, die achtundzwanzig Jahre gefaulenzt haben unb dann erst ernsehen, daß man nicht zum Vergnügen auf der Welt ist."

Die Seerüstung der Großmächte.

Non englischer offizieller Seite wurde in den letz- ten Tagen wiederholt bestätigt, daß das sogenannte Flottenkompromih zwischen Frankreich und England gescheitert ist. 9m Hintergründe dieser Tatsache, wie auch der ständig sich verschärfenden Spannung zwischen England und den Vereinigten Staaten von Amerika, steht die fortgesetzte Wett­rüstung auf der See. Nach dem Marine­abkommen von Washington im Jahre 1922 sollte das Verhältnis der Großkampfschiffe, der größten

in Tausend

Anzahl

der

Tonnen

Linienschiffe

Kreuzer

Bereinigte Staaten

von Amerika

704

18

21

Frankreich

388

9

16

Italien

230

5

20

Deutschland

142

8

9

Argentinien

100

2

11

Sowjetunion

75

2

3

INDlSCHtA OZEfcN

Linienschiffe u.Hreuzer.

BRITANNIEN,'

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Die grössten Kriegst lotten 1928.

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Geflügelausstellung in Lich.

D Lich, 17. Dez. Der gestrige Silberne Sonntag brachte unserer Stadt einen über­aus lebhaften Verkehr, von dem die Geschäftswelt durchaus befriedigt sein kann. Wesentlich hat hierzu die von dem Gef lüget - zuchtverein Lich unb Umgegend ver­anstaltete

ttefiügclausstellung Bezirksschau

in der Turnhalle beigetragen. Die Ausstellung war mit insgesamt 323 Dummem Groß» unb Wassergeflügel, Hühner, Zwerghühner unb Tau­ben beschickt. Sie legte Zeugnis ab von Züchter­streben und Zuchlerkönnen und bewies, daß neben edler Rassezucht großer Wert aus die Zucht guter Rutztiere gelegt wird. Die Ausstellungsleitung hatte in dem hellen, geräumigen Saale für eine tadellose Ausstellung gesorgt, wodurch jedes ein­zelne Tier voll zur Geltung kam. Die Prämiie­rung lag in den Händen der bewährten Preis­richter Jean Dörr (Reuenhain) und Fr. Frick (Biebrich). Es konnte eine ganze Reihe von Ehrenpreisen zur Verteilung gelangen, die neben den 1. Preisträgern hier genannt seien:

Abteilung I. Groh» und Wasser­geflügel: Ehrenpreis Heinrich Münster (Hat- tenrob) für Emdener Gänse; Ehrenpreis Richard Schmidt (Kolbenmühle) für indische Laufenen.

Abteilung II. Hühner: Orinqion, gelb: Ehrenpreis Wilhelm Kell (Ettingshausen); 1. Pr. derselbe zweimal; Wyandoties, weiß: Ehrenpreis Rorbert Grünebaum (Lang-Göns), 1. Pr. derselbe und W. Düringer Wwe. (Oberhörgem); Wyan- dottes, schwarz: Ehrenpreis Wilhelm Rausch 111. (Lang-Göns), 1. Pr. Gg. Muller I. (Detten­hausen); Wyanbottes. silber: Ehrenpreis Karl Eise (Lich), 1. Preis derselbe zweimal und Lu> wig Zimmer (Lich); Rhodeländer: Ehrenpreise Karl Stoll (Lang-Göns), Wilhelm 'Düringer Wwe (Ober-Hörgem), 1. Preise Karl Stoll (Lang-Göns), Heinrich Münster (Hattenrod) und Karl Rau l Hattenrod); Aeichshühner: Ehren­preis Konrad Wagner (Muschenheim), 1. Pr. Lehrer Günther (Muschenheim); Plymouth-Rocks, gestrichen: Ehrenpreise Karl Alles (Lich) unb Karl Köhler III. (Langsdorf),' 1. Pr. Wilhelm Henrich (Lang-Göns) unb Karl Köhler lll. (ßang3*orf); Sussex, bunt: Chrenpeis Richard Schau dt (Kolbenmuhle), 1. Pr. derselbe; Minorka, schwarz: Ehrenpreise Gustav Radetzki (Lich) und Otto May (Lang-Göns), 1. Pr. dieselben; Rhein- läirder, schwarz: 2 Ehrenpreise Heinrich Weisel (Muschenheim), 1. Pr. Wilhelm Diebenkopf (Mün­ster). Hch. Weisel (Muschenheim) unb Wilhelm Kutscher (Hattenrod); Dominikaner: Ehreitpreis Msred Rompf (Lang-Göns); Italiener, rebhuhn­farbig: Ehrenpreise Wilh. Frey (Lang-Göns), Karl Vogt 1. (Lich), derselbe, I. Pr. Lehrer Schieferstein (Dettenhausen), Karl Bogt I. (Lich), Gustav Kohlhayer (Hungen); Italiener, schwarz: Ehrenpreise Richard Radetzki (Lich), 'Adolf Steül (Dettenhausen) je 2 Stück, 1. Pr. Emst öteul (Dettenhausen), Adolf Steul (Dettenhausen) und Karl Block (Bettenhausen); Italiener, schwarz- scheckig: Ehrenpreis Wilhelm Velten II. (Langd), 1. Pr. derselbe 2 Stück; Italiener, weih: 1. Pr. Heinrich Jäger (Ober-Hörgem); Italiener, gelb: Ehrenpreis Konrad Wagner (Muschenheim^, 1. Pr. Karl Müller IV. (Lang-Göns) 2 Stück; Leghorn, weih: Ehrenpreis Johs. Engel (Birklar), 1. Pr. Heinrich Balser (Hattenrod); Brakel, sil­ber: Georg Maidhos (Lich); Hamburger, schwarz: Ehrenpreise Gustav Radetzki (Lich) und Eduard Schäfer (Muschenheim), 1. Pr. dieselben zus. 4 Stück.

Abteilung III. Zwerghühner: Wyan­bottes, weiß: 1. Preis Otto Heß (2ang-OonS); Wyanbottes, schwarz: 1. Pr. Otto Heß (Lang- Göns); Wyanbottes. rebhuhnfarbig: 1. Pr. Emst Diehl (Ober-Hörgem); Zwerglangshan: Ehren­preis Wilhelm Henrich (Lang-Göns); Deutsche Zwerge: 1. Pr. Psarrer Doering (Muschenherm) 2 Stück; Zwergkämpfer, golbhalsig: Ehrenpreis unb ein I. Pr. Wilhelm Rausch lll. (Lang-Göns); Japanesen (Chabo): Ehrenpreis unb I.Pr. Georg Maidhos (Lich).

Abteilung IV. Stämme: Wyanbottes, weih: Ehrenpreis W. Düringer III. Wwe. (Ober- Hörgern), 1. Pr. Gustav Hehler (Hungen); Wyan­bottes, silber: 1. Pr. Karl Eise (Lich); Italiener, schwarz: Ehrenpreis Johs. Georg Steul II. (Det-

Seemächtc: Großbritannien, Vereinigte Staaten von Amerika, Japan, Frankreich unb Italien zu einander sich im Verhältnis 5:5:3:1,5:1,5 vcr^ halten. Allerdings wurde die Tonnage von Kreu­zern, Torpedo- und Unterseebooten nicht beschränkt unb diese kleineren Kriegsschiffe, die ohnehin schnel­ler unb verwendungsfähiger sind als die Gcoß- kampfschiffe, werden seither in erhöhtem Maße von allen Großmächten gebaut. Eine Zu­sammenstellung der Anzahl und Tonnage der Linienschiffe und Kreuzer (einschließlich Flugzeug- Mutterschiffe) ergibt svlgendes Bild der größten Seeflotten der Gegenwart:

in Tausend Anzahl der Tonnen Linienschiffe Kreuzer

Großbritannien 884 22 41

Japan 626 10 43

tenhausen). 1. Pr. Hch. Konrad Köhler (Detten­hausen); Italiener, rebhuhnfarbig: Ehrenpreis Karl Vogt I. (Lich), 1. Pr. derselbe; Italiener, gelb: 1. Pr. Karl Müller (Dettenhausen); Mille- fleurs. porzellanfarbig: Ehrenpreis Fritz Eise (Lich).

Abteilung V. Tauben: Hess. Kröpfer, rot: Ehrenpreis Hch. Balser (Hattenrod) und Hch. Jäger (Ober-Hörgem); Hess. Kröpfer, blau mit Bilchen: Ehrenpreis Wilh. Moritz Müller (Ober-Hörgem) 1. Pr. Hch. Müller XI. (Ober- Hörgem) Hess. Kröpfer, blau, ohne Dinden: Ehrenpreis Wilhelm Moritz Müller (Ober-Hör­gem); Hess. Kröpfer, schwarz: Ehrenpreis Hein­rich Balser (Hattenrod) und Heinrich Jäger (Ober-Hörgem), 1. Pr. derselbe; Hess. Kröpfer, fahl: Ehrenpreis Hch. 'Alles (Ober-Hörgem); 1. Pr. Wilhelm Rausch III. (Lana-Göns); Hess. Kiwpfer, gehämmert: 1. Pr. Heinrich Alles (Ober- Hörgern); Hess. Kröpfer, weiß: 1. Pr. Richard Kaiser (Langgöns) 2 Stück; Weihblattkröpfer, silbergrau: Ehrenpreis Wilh. Lamp (Rieder-Bes­singen); Brünner Kröpfer, weiß: Ehrenpreis: Heinrich Radetzki (Lich); Schönheitsbrieftauben: 1. Pr. Karl Albach (Lich); Koburger Lerchen, gelercht: Ehrenpreis Wilh. Biedenkopf (Münster); Elster-Kröpfer: 1. Pr. Karl Gerhardt (Bersrod).

Durch Stiftung von Ehrenpreisen haben sich um die Förderung der Geflügelzucht folgende Personen unb Körperschaften verdient gemacht: Fürst Reinhard zu Solms-Hohensolms- Lich 2 Ehrenpreise, Stabt Lich 4, Bürgermeister Gell 1, Brauerei Jhring-Melchior 2, Frhr. von Löw von unb zu Steinfurth 1, Dr. Schaad 1, Max Cßnunbrö 1, Heinr. Heller IV. 1. Ferd. Zimmer 1, K. Köhler 1, Gebr. Fey 1; C. L.

Aus der Karte ist die Konzentrierung des größten Teils der Kriegsflotten auf den europäi­schen Gewässern ersichtlich. Im M i t t c l m e e r kämpfen nebst Großbritannien, Frankreich und Ita­lien um die Seeherrschast, im Atlantischen Ozean, Großbritannien und die Bereinigten Staaten von Amerika, im Stillen Ozean die Vereinigten Staaten von Amerika unb Japan. Die trotz Versailles verhältnismäßig große Schiffs- tonnaae von Deutschland erklärt sich daraus, daß ihm eine Reihe alter, wenig verwendbarer Großkampfschiffe belassen wurden. Die Flotte der Sowjetunion ist infolge der Verluste während des Bürgerkrieges die kleinste unter denjenigen der Großmächte.

Schmidt 1, Ernst Pommert 1, Ludw. Heller 1, W. Delte 1, Karl Wick 1. Herrn. Volkmann 1, W. Hahn 1, Bund deutscher Geflügelzüchter 2, Verband oberhess. Geflügelzuchtveretne 2, Ge­flügelbörse Leipzig 1, Landwirtschaftskammer 10, Gemeinde Ober-Hörgem 1. Gemeinde Detten­hausen 1, Gcslügelzuchtverein Ober-Hörgem 1, Geflügelzuchtverein Lang-Göns 1, Geflügelzucht- Verein Hungen 1.

Oie Gasverwendung.

Dom städtischen Gaswerk wird uns milgeteilt: Die diesjährige Generalversammlung der Zen­trale für Gasoerwertung fand dieser Tage in der Aula der Technischen Hochschule zu Charlottenburg statt. Aus dem Geschäftsbericht ist im wesentlichen heroorzuheben, daß auch im vorigen Jahre der Gasabsah eine Stei­gerung von rund 8 Prozent erfahren hat, daß die Anforderungen der Gemeinden an die Gaswerk leider ununterbrochen wüchsen und mehr als erwünscht die kaufmännische Entwick­lung der Gaspreise hemmten. Direktor Schal­le n b e r g (Derlin) machte Ausführungen über die nächstjährige AusstellungGas und Wasser" in Derlin, die großzügig angelegt und eine bedeutsame Darstellung der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Gas- und Wasferfaches bringen wird. Wei er sprach der Direktor der Gas-, Wasser» und Elektrizitäts­werke Spitzfaden (Fürth) über Gas- und elektris che Dackösen. Der Redner ent­wickelte die backtechnischen unb brennstoffwirt- schaftlichen Richtlinien, die für ben Dau von

Dackösen maßgebend seien, unb insonderheit bi5 Prvolem der Wärmespeichel, ung, des Feuerungs- wirlungsgrades unb die Anpaßfähigkeit der Oefcn an Swhbetrieb. Der Gasverblauch für 100 Kilogramm Gebäck betrage zur Zeit bis zu 10 Kubikmeter herab. Unter ungefähr gleichen Voraussetzungen der beiden hier in Frage kom­menden Dackösen leiste ein Gasdacloien mi einem Kubikmeter Gas ebensoviel als ein elektrischer Dacko'en mit 3,5 bis 4,5 Kilowattstunden Strom­verbrauch. Ueber die Verwendung des Gases im Hause und in der Industrie sprach Direk.or Ruh (Darmstadt), der in sei rem Dortrage die vollswirtschafttichen Vorteile in der möglichst weitgehenden Ko.fteazsrlegung unb -Veredlung hervoryob. Anschließend sprach Di­rektor Friedrich (Derlin) in längeren Aus­führungen über Werbearbeit für Haus­haltsgas.

Jeuervrrsicherungsveiband evangelischer Geist,icher in Hessen.

Die diesjährige Hauptversammlung des Verbandes fand dieser Tage in Frankfurt a. M. statt. Der Ver° bandsoorsitzende, Pfarrer i. R. Direktor Wei-mar (Darnkstadt), erstattete den Jahresbericht, der von einer günstigen Entwicklung des Verbandes Zeugnis ablegte. Im letzten Verbandsjahr kamen elf Brand­schäden vor, die im ganzen eine Entschädigungssumme von 700 Mark verursachten. Der Verband zahlt zur Zell in Starkenburg 217, in Oberhessen 207 und in Rheinhessen 115 Mitglieder. Der Vorsitzende konnte berichten, daß die Verhandlungen mit dem Reichs­aufsichtsamt für Privatversicherungen zu einem be­friedigenden Ergebnis geführt haben. Dem Verbands­rechner, der die Rechnung des letzten Verbandsjahres vortrug, wurde Entlastung erteilt. Bei den Wahlen zum Vorstand wurden die ausschcidendcn Mitglieder, Pfarrer i. R. W e im a r (Darmstadt) unb Pfarrer Traut mann (Gensingen), wiedergewählt, ebenso die ausscheidenden Mitglieder des Aussichtsrats Pfar- rcr Brill (Groß-Steinheim), Sittel (Udenheim) und W i d m a n n (Gedern). Besprochen wurde noch die evtl. Angliederung einer Autoversicherung und einer Versicherung gegen Einbruchsdiebstahl, worüber aber erst später definitive Beschlüsse gefaßt werden sollen, nachdem die erforderlichen Erkundigungen ein­gezogen sind.

Serussberatung beim Arbeiteamt Gießen.

Alljährlich stehen eine große Anzahl zur Schulentlassung kommende Knaben und Mädchen vor der Berufswahl. Diese ist eine bet aller­wichtigsten Lebensentscheidungen. Arbeitslust, Ge­sundheit und Lebensdauer, und ob man künftig fein Brot leicht unb reichlich verdient, hängt wesentlich auch von der richtigen Berufs­wahl ab. Falsche Berufswahl ist häufig die Ursache eines verpfuschten Lebens. V:el zu viel wird die Derufsentscheidung dem Zufall und flüchtigen, vermeintlichen Reigungen überlassen. Das zeigt zur Genüge die UeberfüHung gewisser Modeberufe und der Mangel an jugendlichem Rachwuchs in Berufen, die heute noch ihren Mann nähren. Auch mangelnde Kenntnis der Wirtschasts- und Berufsverhältnisse trägt häufig zur falschen Berufswahl bei. Wer ist heute bei den kompliziert und unübersichtlich gewordenen Wirtschaftsverhältnissen noch imstande, zu ent­scheiden. in welchen Berufen Ueberfüllung herrscht oder Rachwuchs gebraucht wird, welche Berufe infolge fortschrellender Arbeitstellung zu an- und ungelernten Berufen herabsinken und was für körperliche unb geistige Eigenschaften die einzelnen Berufe gu ihrer Ausübung erfordern? Rur Fach­kräfte, die sich ständig mit Drrufsfragen beschäftr- gen, können aus diesem Labyrinth unübersichtlicher Wirtschafts- und Derussverhältnisse den rechten Weg weisen. Die neuerrichtete Berufsbera­tungsstelle des Arbeitsamts Gießen will hier helfend eingreifen und allen zur Schul­entlassung kommenden Knaben und Mädchen bei der Berufswahl mit Rat und Tat beistehen. Allen Eltern, denen das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt, sei deshalb dringend nahegelegt, vor der Berufsentscheidung den Rat der Berufs- beratungsstelle einzuholen. Die Berufsberatung ist mit einer Lehrstellenvermittlung verbunden, völlig kostenlos und unparteiisch, und was besonders hervorzuheben ist, auch völlig zwanglos. ____

»Sprich keinen Unsinn!" wehrte sie heftig. »Aber ich werde dir in Zukunft sehr fleißig nach- gehen!"

»Wirklich?" Mit unbedachtem, raschem Grifs nahm er ihr Gesicht zwischen feine Hände unb verschloß ihr ben Mund mit einem Kusse.

Als er sie loslieh, hielt sie feine Finger betrachtend fest, er vermochte sie ihr nicht mehr so rasch zu entziehen.Wie ein Steinklopfer," tarierte fxe.Mein lieber Bruder, ich meine, toir beide haben die längste Zeit tm Frieden miteinander gelebt Wenn ich von der Schweiz zurück bin, werde ich dich der Lüge und des Be­trugs überführen! Du kannst dich darnach richten!"

Mir wird angst," versuchte er zu scherzen.

Du wirst Grund dazu haben, mein Lieber!"

Ohne ihr die Hand zu reichen, neigte er sich tief herab und küßte die weihen, zarten Finger­spitzen. Dann führte er sie zu ihrem Wagen, der dicht am Gangsteig wartete, und hob sie in den Fond. Die grellen Lichter der beiden Scheinwerfer glitten eine Minute später die breite Straße entlang und warfen Riefenkegel hellen Scheines gegen die Zäune der Dillen, die hinter dem Grün der Bäume versteckt waren.

Mit hängenden Schultern schritt Joachim die Treppe zu den Zimmern der Mutter hinauf. Mutlos unb mit einer lähmenden Müdigkeit in allen Gliedern, nahm er die einzelnen Stufen. Dis Isabella aus der Schweiz zurück war, muhte er einen anderen Posten haben. Muhte!

Unb war doch beinahe ehr Ding der Unmöglich­keit! Die Fühe hatte et sich toünbgelaufen, um in dem großen Wien Arveit zu bekommen, und war ihm doch nichts geboten worden, als dieses eine, ilnb nun hatte Isabella ihn durchschaut!

Mit resigniertem Lächeln sah er auf seine Hände. Die waren zum Derräter an ihm ge­worden.

Eine Derzweislung ohnegleichen überkam ihn, bah er das Holz des Treppengeländers mit beiden Händen umkrallte. Wimmernd schrie es unter seinen Fingern auf. Wenn alles umsonst war alles umsonst! Auch das, wozu er sich feit Tagen erniedrigte, dann gab es noch eins nur noch eins! Unb Isabella würde die Mutter sicher nicht tm Stiche lassen, solange sie lebte.

Eine Tür öffnete sich, unb im Scheine einer Lampe, der golden über den Flur rann, stand die Daronin und sah nach ihrem Sohne aus! Kommst du, mein Dub?"

3a, Mutter!"

Sie sah, wie mühsam er sich auf den Fühen hielt, ging eilig in fein Schlafzimmer hinüber unb schlug die Decke zurück.Geh schlafen, mein armer Junge!"

Er nahm den Rock unb hing ihn sorglich über ben Stuhl. Eine Brieftasche glitt heraus, unb ihr Inhalt lag vor den Augen der Baronin auf dem roten Teppich. 3n hastigem Bücken kam er ihren Fingern zuvor. Marias Bild war das erste, das er ergriff, um es wieder in das grüne Seidenfutter zu stecken. Mit feuchten Augen wandte sie ben Blick von ihm ab.

Run wußte sie, wie es um den Sohn stand. Trotz allem, was ihm von diesem Mädchen wider­fahren war, trug er sie noch immer an seinem Herzen. Armer Dub!

Mit einem Kuh wünschte sie ihm eine schlaf- gesegnete Rächt I Horchte in ihrem Zimmer, bis er in ben Kissen lag, und begab sich bann erst selbst zur Ruhe.

Don irgendwoher schlug eine Glocke die elfte Stunde. Langsam, traumbertoorren hoben sich Joachims Hände:

Kind, was tust du so erschrecken?

Was hebt schüchtern sich drin Fuhl^ Fass' ich tändelnd deine Locken!

Raht dein Mund sich mir zum Kuh!"

So habe ich dich geliebt, Maria!"

Die Siegsriedsgestalt bäumte sich auf fiel wieder zurück und lag reglos, bis zum Morgen­grauen der große Wecker erbarmungslos die fünfte Stunde kündete.

Der Schnellzug. welcher dem Hochgebirge des Semmering zueilte, donnerte über das Schienen­gewirr des Südbahnhofes. Leopold Richthofen hatte die beiden ßcöerfoffer in das Abteil erster Klasse geschoben und ging den schmalen Gang zurück, um nach dem Speisewagen zu suchen, als et hinter sich feinen Ramen rufen hörte.

Sich umsehend, erblickte er Fehmanns braun­gebeiztes Gesicht. »Hans! Mensch! Wie viele Ewigkeiten bist du denn fortgetoefen?"

Rur sechs Wochen, mein Lieber!" Die schönen festen Zähne des Dottors blitzten schneeig unter ben gesundroten Lippen.Mit dem Früh­schnellzug bin ich mit meiner Frau aus der Schweiz zurückgekommen unb traf den Hofrat nicht ein­mal zu Hause. Er muhte zu einer Aerztekonferenz nach Pölten. Kommt erst morgen zurück. Für nach hat es gleich wieder Arbeit gegeben. An der nächsten Haltestelle wartet ein verunglückter Automobilist auf mich, der absolut von einem Wiener Arzt toi.ber zusammengeslickt sein will." Er lachte gutgelaunt.Bist du allein, Poldi?"

Rein! Die Mizzl ist noch mir! Wir rnachn eine Tour auf die Rax! Willst ihr nicht Grüh Gott fagn? Es tät sie sicher freuen!

Er stapfte schon mit langen Schritten voran und öffnete das Abteil. Ein blasses, schmal ge­wordenes Mäbchengesicht sah Fehmann entgegen. Er verbarg sein Erschrecken und neigte sich über die ihm bargebotene falte Hand.Seit wann sind Sie leidend, gnädiges Fräulein?"

Ein flüchtiges Rot schlich die Wangen Marias hinaus, um sofort wieder abzublasseir. Hm die großen schweren Tropfen, die sich in ihre Augen drängten, zu verbergen, irrte ihr Blick nach dem Fenster.

Mitleidig suchte Fehmann in den veränderten Zügen.

Ich hol dir ein Kognak, Mizzerl, ja?" Richt- Hofen war schon aus der Türe unb bat den Freund mit einem raschen Blick, zu bleiben. Ich komm gleich wieder, Kinderl!"

Fehmann setzte sich neben Maria und nahm deren eine Hand behutsam zwischen die seine. Ich frage nicht aus Reugier de, gnädiges Fräu­lein! Aber wer selber schon durch schwere Tage gegangen ist, kann leichter verstehen unb trösten als ein anderer."

Sie sah ihn flüchtig an unb schüttelte dann ben Kopf. Rur um ihren nervösen Händen eine. Beschäftigung zu geben, nahm sie ben kleinen Reisehut ab unb legte ihn achtlos neben sich auf bte roten Polster.

(Fortsetzung folgt.) '