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Hr.299 £rffes Blatt

178. Jahrgang

vonnerstag, 20. Dezember 1928

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General-Anzeiger für Oberheffen

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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.

Die Politik her Ehrlichkeit.

Don der vielgerühmten Genfer Atmosphäre, die uns den europäischen Frieden bringen hel­fen sollte, ist In Lugano nicht allzuviel mehr übrig geblieben: sie war in den letzten Mo­naten schon sehr dünn und ist jetzt zerplatzt, als Deutschland mit dem unbescheidenen Verlan­gen hervortrat, in dieser Luft auch leben zu können. Cs ist schmerzlich, dies feststellen zu müssen, aber diese Feststellung ist trotzdem not­wendig. Wir dürfen uns keinen Illusionen mehr hingeben, sondern müssen die Dinge sehen wie sie sind. 11 da ist zu sagen, daß der aal­glatte D r i a n d es verstanden hat, der Welt eine wunderschöne Fata morgana vorzuzaubern an die er vielleicht auch selbst geglaubt hat, daß er aber zumindest nicht den Einfluß mehr hat, um gegen den Widerstand Poincares dieses Bild zu verwirklichen. Er hätte vielleicht verwirklichen können, wenn England einigen Druck dahinter setzte und Herrn Poincare be- greiflrch machte, daß Frankreich nicht nach Be­lieben im europäischen Porzellan-Laden herum- spazieren kann. Aber Chamberlain ist so aus­gesprochen französisch orientiert, daß er sich Neber mit seiner eigenen Partei und der gesamten englischen Presse in Gegensatz bringt ein ge­rade für die vorbildliche englische Disziplin un­gewöhnlicher Vorgang als daß er die Fran­zosen zum Vachgeben ermahnt.

So hat sich denn in dem Punkt, der mehr und mehr zum Prüfstein für den guten Willen der Gegenseite geworden war, in der Besatzungs­frage, eigentlich seit unserem Eintritt in den Völkerbund nichts geändert, wir sind um die Rückwirkungen, die uns damals versprochen wurden, im wesentlichen betrogen worden. Es zeigt sich, daß Lord b'Slbernon, damals der allmächtige Rat­geber der deutschen Politik, uns schlecht be­raten hat, als er uns vorschlug, ruhig in den Völkerbund hineinzugehen, die Besatzungstruppen würden dann ganz von selbst hinfällig werden. Wir hätten klüger daran getan, darauf zu bestehen, daß zunächst die Räumung vollzogen würde. Vielleicht hätte es dann ein halbes Fahr länger gedauert, ehe wir nach Genf kamen, aber das konn­ten wir um so eher mit Fassung ertragen, als uns ja der Völkerbund brauchte und unsere Beweis- führung, daß ein Mitglied des Rats auf seinem Boden noch fremde Truppen dulden müsse, so durch­schlagend wirken mußte, daß der ganze Völkerbund sich gegen Frankreich gewandt hätte, falls es hals­starrig bliebe.

Die Gelegenheit ist verpaßt, man ist immer kluger, wenn man vom Rathaus kommt. Deshalb braucht auf die deutsche Politik kein Stein gemär­ten zu werden, weil sie sich in der Wirkung eines einzigen Schrittes verschätzte. Der Außenminister hatte zudem auch zu retten versucht, was noch zu retten ist, indem er mit einer Deutlichkeit, wie sie weder Chamberlain noch Briand gewöhnt waren, ihnen eine Schilderung der Stimmung in Deutschland gegeben und gleichzeitig klargemacht hat, daß die Fortführung der Locamopolitik nicht möglich ist, wenn weiterhin deutsches Gebiet als Ererzierolatz ausländischer Truppen mißbraucht wird. Auf Chamberlain hat das Eindruck gemacht, fragt sich nur, wie lange die Wirkung vorhält. Wir möchten aber aus diesem Grunde die politische Takt­losigkeit Zaleskis fast begrüßen, weil sie durch die scharfe Erwiderung Dr. Stresemanns dem Rat und der ganzen Welt vor Augen geführt hat, daß unsere Geduld jetzt erschöpft ist und daß wir unsere Folgerungen ziehen müssen, wenn die Methode des ewigen Auswcichens fortgesetzt werden sollte. Welcher Art diese Folgerungen fein werden, brauchen wir klugerweise heute noch nicht zu sagen, es genügt, anzudeuten, daß auch für Deutschland noch einige Trümpfe im Spiel sind. Gerade in der Diplomatie darf man nichts über­eilen. Das Warnungsfignal ist gegeben, wir können jetzt abwarten, ob und wie die Gegenseite dar­auf reagiert.

Die erste Stichprobe davon wird uns die Be­ratung der Sachverständigen Über das Repa- rationsproblem geben. Hier sind die tech- niVen Schw erigkeiten so weit aus dem Wege ge -afft, daß Anfang nächsten Jahres die e.genb- lichen Arbeiten beginnen können. 3m Vor.eld dieser Schlacht hat Deutschland unverkennbar eine Niederlage erlitten. Es ist uns nicht gelungen, den Einfluß dec Reparations-Kommis- s i o n so weit zurückzuschrauben, wie wir das gern gesehen hätten. Auf der anderen Seite aber hat P o i n c a r 6 einen noch größeren Rück­zug angetreten. Er wollte die Beratungen von vornherein auf eine bestimmte Dahn und auf ein bestimmtes Ziel drängen. Das ist ihm mißlungen. Die Sachverständigen haben die Mög­lichkeit, die Leistrmgs',ähigkeit Deutschlands unbe­fangen zu prüfen und auf Grund dieser Prüfung zu Ergebnissen zu kommen, die weitab von den englisch-französischen Forderungen liegen. Ob freilich die Sachverständigen den Mut haben, so weit zu gehen, ob sie nicht wieder aus politi­schen Gründen ein Kompromiß mit ihrer lieber» zeugrmg schließen, das muffen wir abwarten, allerdings schon jetzt mit dem Zusatz, daß, wenn dies der Fall fern sollte, das Gutachten der Kommission für Deutschland unannehmbar ist: denn die deutsche Politik ist eingestellt auf Klarheit und Ehrlichkeit. Sie ist bereit, Kriegsentschädigungen zu zahlen, soweit die deutsche Wirtschaft dazu imstande ist, sie will keine Versprechungen machen, die sich nicht reali­sieren lassen, sie verlangt dafür aber auch, daß dann der Geist des Krieges, vor allem von Frankreich, in die Runrpelkammer geworden wird und mit der Besatzung das letzte sichtbare Zeichen einer veralteten Haßpolitik verschwindet.

Giurmszenen im britischen Unterhaus.

Oie Opposition stellt Chamberlain zur Rede.Magere Auskunst über die Luganobesprechungen.

L o n ö o n , .19. Dez. (WTB.) 3m Unterhaus wurde Chamberlain von verschiedenen Mitglie­dern befragt, ob er über feine Besprechun- gen in Lugano, insbesondere hinsichtlich der Rheinlandräumung und der Repara­tiv n s f r a g e , eine Erklärung abzugeben ge­denke. Chamberlain führte aus: 3ch habe dem in Lugano ausge '.ebenen gemeinsamen Kommuni­que wenig hinzuzufügen. Die Ratstagung in Lugano war das erste Zusammentreffen zwischen Driand, Dr. Strefemann und mit seit März. Sie gab uns Gelegenheit zur Beseitigung einiger Mißverständnisse und zu einem sehr freundschaftlichen Meinungsaustausch, wie er jedesmal bei unserem Zusammentreffen stattzu- ftnden Pflegt. Cs wurde kein neuer Be­schluß gefaßt oder angestrebt. Die Re­parationsfrage wird auf dem ordentlichen Wege behandelt, und wir haben nicht versucht, die Ver­handlungen, deren Mittelpunkt Paris ist, durch Parallelverhandlungen zu komplizieren. Wir sind darüber einig, daß in erster Linie ö i e Ein­setzung des Sachverständigenaus- schusses gesichert werden muß, und wir hoffen, daß dieser Ausschuß möglichst bald nach Beginn des neuen Jahres h i e Arbeit auf­nehmen kann. Unsere Erörterungen über die anderen in der Srptemb'rentschließung der sechs Mächte erwähnten Fragen hatten lediglich vor­bereitenden Charakter. Aber ich ge­wann aus ihnen den Eindruck, daß die Um­stände einer Lösung günftig sind, wenn weitere Polemiken vermieden werden können, solange die Sachverständigen an der Er­füllung ihrer Ausgaben arbeiten. Das ist alles, was ich im öffentlichen 3ntereffe und im 3nter* esse des Friedens gegenwärtig sagen kann.

Chamberlains zurückhaltende Antwort führte zu einer lebhaften Szene. Als Cham­berlain auf die Frage Kenworthys, ob irgend­welcher Fortschritt in der Rhcinlandräu- mung gemacht werde, es a b l e h n t e , mehr zu sagen, sprangen mehrere Arbeitermitgliede'- von ihren Sitzen auf und forderten entschieden weite, e Einzelheiten über die Verhandlungen in Lugano. Wedgwood erklärte.Darf Chamberlain es ab lehnen, die 3nformationen zu geben, um die er ersucht wird?" Dies führte dazu, daß von konservativer Seite Wedgwood zugerufen wurde, daß er sich setzen solle. Die Erklärung des Sprechers, daß Chamberlain im Recht sei, wenn er es ablehnt, weiter auf die Sache ein­zugehen, führte zu neuen Zwischenrusen. Der Arbei terab geordnete Kirkwood rief:So­lange unsere Truppen am Rhein bleiben kann man keinen Frieden erwarten. Dies fängt an, lächerlich zu werden." Als sich hierauf Chamberlain erhob wurde er nieder­geschrien und mußte sich wieder setzen. Der Lärm dauerte an.

3m weiteren Verlauf der Sitzung fragte Ken­worthy:Werden i ßendlelche Vorschläge ge­macht werden, um Die Räumung des Rheinlandes zu erreichen? 3st es richtig, daß jetzt mit der Räu- murgsfrage ein sogenannter polnischer Lo­carnovertrag beriet et wird?" ®ram?e tain antwortete:3ch habe bereits mitgetcilt, daß ich in den von mir erteilten Antworten alles gesagt habe, was im öffentlichen Interesse Englands oder im Interesse des Friedens zu sagen ist. Ich muß es ablehnen, irgendeine weitere Frage zu beantworten." Auf diese Er­klärung Chamberlains folgte ein erneuter Mei­nungsaustausch zwischen Mitgliedern der Ar­beiterpartei und dem Sprecher. Der Sprecher gestattete nicht, daß weitere Fragen in dieser Sache gestellt wurden, und die Mitglieder der

Crnste Lage in Afghanistan. Flugzeugverbindung mit der britischen Gesandtschaft in Kabul.

London, 19. Dez. (TU.) Die letzten Nachrichten aus Afghanistan lauten wieder etwas günstiger. Das afghanische Königspaar befindet sich, wie nun feststeht, noch im Palaft in Kabul. Die Mi­nister des Königs versuchen ein Söldnerheer auszuheben, um den Aufstand zu bekämpfen. Die ständige Armee von 35 000 Mann ist offenbar erst durch die seit längerem nicht erfolgte Be­zahlung zum Teil in die revolutionäre Be­wegung mithineingezogen worden. Im Jahre 1925 hat Amannullah bereits einen umfangreichen Auf­stand mit Hilfe eines Söldnerheeres unterdrückt.

Während die direkten Nachrichten aus Kabul spär­lich einlaufen, aber nicht mehr so beunruhigend klingen, sind an der indischen Grenze die wilde st en Gerüchte im Umlauf. Auf Grund einer vorsichtigen Beurteilung der der eng­lischen Behörde in Indien vorliegenden Mitteilung glaubt man in Kalkutta, daß sich die Aufständischen im Besitz von wichtigen taktischen Punkten nicht nur im östlichen Afganistan, son­dern auch in der Umgebung von Kabul selbst befin­den. Was die Beteiligung der Armee an dem Auf­stand anbelangt, so sind die indischen Behörden der Ansicht, daß neben der längeren Nichtbezahlung des Soldes an die Armee vor allen Dingen die reli­giösen Führer einen wesentlichen Einfluß in der gegenwärtigen Aufstandsbewegung haben.

Wie von privater Seite ergänzend berichtet wird, ist eines der Flugzeuge, die über der englischen Gesandtschaft in Kabul kreuzten, von den Auf­

Arbeiterpartei protestierten dagegen, daß es ihnen, wenn es auch dem Minister nicht ver­sagt werden könne, eine Antwort ab-ulehnen, nicht wenigstens gestattet wäre, Fragen zu stellen.

Wedgwood richtete dann an Chamberlain die Frage, ob er int Hinblick darauf, daß die deutsche Regierung es abgelehnt habe, irgendeine Art von Kontrolle im Rheinland pach 1935 in Er­wägung zu ziehen, mitteilen wolle, ob diese Ablehnung oder die französische Forderung nach einer solchen Kontrolle die Unterstützung der englischen Regierung habe. Cham­berlain verwies den Fragesteller auf die An­gaben des dritten Abschnittes des der Presse in Genf am 16. September übergebenen Kommu­niques und auf die Angaben des der Presse in Lugano am 15. Dezember übergebenen Kommu­niques und lenkte die Aufmerksamkeit des Frage­stellers besonders auf den letzten Absatz des Kommuniques von Lugano, das er zitierte. Wedgwood entgegnete darauf:Dies bez'.eht sich nicht auf meine Frage." Er fragte weiter: Treten wir in den Verhandlungen, die jetzt im Zusammenhang mit der Dauer dieses Kon- trollausschusses vor sich gehen, für den fran­

zösischen Vorschlag ein, daß der Kontroll- ausschuß auch nach 1935 weiterbestehen soll oder für den deutschen Vorschlag, der seine Dauer bis 1935 begrenzt wissen will, oder haben wir in dieser Frage überhaupt nicht Stellung genommen?" Chamberlain verw.es Wedgwood auf feine Entgegnung auf die vorhergehende Frage und erklärte, er habe alles gesagt, was zu sagen gegenwärtig nützlich oder an­gemessen fei. Das Mitglied der Arbeiter­partei, Wedgwood, fragte dann, ob das vor­läufige Abkommen, das von der britischen Re­gierung mit Bezug auf die Berechnung dec französischen Reserven für Abrüstungs­zwecke abgeschlossen worden sei, jetzt für England trotz der Tatsache bindend sei, daß der die Flottenstärke betreffende Teil des Abkonrmens aufgegeben worden ist. Chamberlain verwies den Fragesteller auf die vom Premierminister Baldwin am 13. Dezember abgegebene Erklärung. Später fragte Wedgwood, ob Chamberlain diese Erklärung abgebe angesichts der Tatsache, daß die französische Regierung die Erklärung seither falsch ausgelegt habe. Es erfolgte keine Antwort.

polens Offensive gegen das Deutschtum.

Oie Antwort an Ialeski.

EinoffenerBriefdcsDeutichenBolksbundcs

K a t t o w i tz, 19. Dez. (WB.) In einem von der gesamten deutschen Presse Ostoberschlesiens ver- öftcntlichten offenen Brief des Deutschen Volks­bundes an Zalefki wird auf dessen Anschuldigungen im Völkerbundsrat erwidert:

Das Beschwerderecht des Deutschen Volksbundes wurde in der Stellungnahme des Präsidenten der gemischten Kommission vom 26. November 1923 und von der Regierung in einer vom Völkerbundsrat am 13. März 1924 zur Kennt­nis genommenen Erklärung anerkannt. Nur die überaus schleppende Behandlung der Beschwer­den des Volksbundes durch die Landesbehörden und die damit verbundene Gefährdung lebenswichtiger Interessen der deutschen Bevölkerung zwang den Volksbund zur unmittel­baren Anrufung des Völkerbundsrates. Mit dem früheren Wojwoden wurden die meisten Beschwer­den durch unmittelbare Verständigung ohne Anrufung des Minderheitenamtes erledigt. Dieses bewährte Verfahren hörte mit Amtsantritt des derzeitigen Wojwoden auf. Zu Zaleskis Aus­führungen über die Stärke der deutschen Minderheit wird erklärt, daß sämtliche Unter­lagen hierüber mangels einer Volkszählung fehl­ten. Es wird jedoch festgestellt, daß für die deutsche Minderheit nicht 90, sondern am 1. Dezember nur 77 öffentliche deutsche Volksschulen bestehen mit einer Schülerzahl von rund 17 500. Zur Anschuldi­gung, daß der Deutsche Volksbund die Ursache des Nationalitätenkampfes und der politischen Unruhe sei, und ungesetzlicher Handlungen und sogar der Vorbereitung eines Umsturzes beschul­digt wird, erklärt der Dolksbund, in keinem Urteil sei er als Urheber der behaupteten Schädigungen bezeichnet worden. Hauptzweck des Deutschen Volks­bundes ist neben kulturellen Aufgaben der R e ch t s * schütz seiner Mitglieder. Der Kampf um unsere Rechte als nationale Minderheit richtet sich nicht gegen den Staat, sondern gegen diejenigen Behörden, die die Rechte der deutschen Minder­heit mißachten. Die Verletzung der der deut­

schen Minderheit verfassungsmäßig und vertragsmäßig verbürgten Rechte durch die Behörden werde u. a. auch vom Präsi­denten der gemischten Kommission anerkannt. Der Brief schließt: Vorwürfe der staatsfeindlichen Ge­sinnung und Betätigung weisen wir im Namen der im Deutschen Volksbund ohne Unterschied der Par- teien, des Bekenntnisses und der sozialen Stellung vereinten Deutschen mit dem ganzen Ernste der vor» der Richtigkeit ihrer Ueberzeugung und ihrer Hand­lungsweise durchdrungenen Menschen auf das ent­schiedenste zurück.

polens Umtriebe in Ostpreußen.

Ein dankbares

Arbeitsfeld für den Bottsbund.

Berlin, 20. Dez. (Priv.-Tel.) Der Deut­sche V o l k s b u n d, die Interessentenvertretung der deutschen Minderheiten in Polen, hat aus die unge^uerlichen Vorwürfe Zaleskis in Lugano jetzt mit einer Erklärung reagiert, die sich nicht nur dadurch auszeichnet, daß sie in einer ruhigen und sachlichen Tonart ein klares Bild von cer Lage der polnischen Staatsbürger deutscher Rationalität gibt, sondern auch an Deutlich­keit nichts zu wünschen übrig läßt. Ramenttich den Vorwurf der staatsfeindlichen Umtriebe, mit dem Zaleski offenbar die ftäm. ijert Rechtsbrüche der Warschauer Regierung ver­schleiern wollte, hat der Volksbund sehr energisch zurückgewiesen.

In diesem Zusammerchang erscheint es ange­bracht, einmal die Aufmerksamkeit auch des Völkerbundes auf die polnischen Um­triebe namenttid) in Ostpreußen hinzu­lenken. Obwohl von feiten Deutschlands über die bestehenden internationalen Verträge hinaus den nationalen Minderheiten zahllose Erleichterun­gen geschaffen sind, versucht Polen nach wie vor. die deutschen Bürger fremder Zunge gegen das Reich aufzuwiegeln und ben Ein­druck zu ertoeden, als ob es auf deutschem Boden Minderheiten gebe, deren Zahl und Größe wir künstlich zu verkleinenr suchten. So behaupten sie. daß in Ostpreußen die Masuren den Anschluß

ständischen angeschossen und zur Not­landung gezwungen worden. Um die beiden In­sassen bestand zunächst einige Besorgnis, doch ist inzwischen ein Telegramm eingegangen, daß sich beioe in der britischen Gesandtschaft in Kabul in Sicherheit befinden. Als ein zweites Flug­zeug über der Gesandtschaft hinwegflog, sah der Flugzeugführer auf dem Boden Schriftzeichen auf­gelegt, die besagten: Wir sind wohl, versucht nicht, zu landen! Der Telegraphendraht ist abgeschnitten worden, und die Funkstation arbeitet nicht.

Nach weiteren Meldungen aus Afghanistan sollen die Aufständischen zwei die Stadt Kabul beherr­schende Forts mit großen Mengen Waffen und Munition genommen haben und Verstärkungen abwarten, um den Angriff weiter vorzutreiben.

Venihigung in Südamerika.

Die Bermilttung

der Panamerikanischen Konferenz.

Buenos Aires, 19. Dez. (Havas.) Aus Asuncion wird gemeldet: Rach Einberufung von 30 000 Reservisten hat die Regierung von Hara- guah die Einberufungsrnaßnahmen eingestellt. Die Regierung hat die Schaf­fung eines internationalen Amtes für die Ver­proviantierung des Heeres und für die lieber» wachnng des wir.schaftlichen Lebens Der ügt. Man meldet, daß an der Grenze Ruhe herrscht. Die Streitkräfte von Bolivien haben sich auf ihre OperationSbafis zurückgezo­gen. Die Regierung hat den Kongreß zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen, um ein Amnestiegesetz für frühere paraguayische Revolu­

tionäre aimehmen zu lassen. Der von der Panamerikanischen Konferenz eingesetzte Son­derausschuß zur linieriu^ung des ©..ei es zwischen Paraguay und Bolivien hielt heute in Anwesenheit von Vertretern der beiden Länder eine lange Sitzung ab. Die Delegierten er­klärten, die Verhandlungen feien in ä u ß e r st herzlichem Tone geführt worden, doch sci über keine endgültige Lösung beraten worden, da der Ausschuß beschlossen habe, sich zunächst nur einer Feststellung des Tat­bestandes zu widmen.

Reue Verhaftungen von Beamten des Reichsvermögensamtes.

Keine Mitteilung an die deutfchcnBchörden.

Köln, 20. Dez. (Privatmeldung.) DieKöl­nische Volkszeitung" meldet auS Koblenz: Die durch die in den letzten Tagen vorgenommenen Verhaftungen aus der Mainzer Affäre zieht i m-m e r weitere Kreise. Vorgestern ist wie­der ein 'Beamter des Reichsvermögensamtes von den Franzosen vernommen und dann in seine Wohnung gebracht worden, wo er seitdem un­ter militärischer Bewachung gehal­ten wird. Eine Anzahl anderer ^Beamten ist von den Franzosen bereits zur Vernehmung borgcldben. Da die französische Staatsan- wal.schaft den deutschenBehördenkeins Mitteilung macht, ist der wahreGrund für das Vorgehen der Befatzungsbehörden bis jeht nicht zu erkennen. Man weiß nur, daß die hiesigen Verhaftungen mit der Main- jer Affäre Ib Verbindung stehen