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Nr 271 Zweites Blatt
Gießener ?lnzeiger (General-Anzeiger für Gberheffeuf
Dienstag, 28. November (928
Der Kampfruf des Stahlhelms.
Von unserer Berliner Redaktion.
Don dem Volksbegehren^ dos der Stahlhelm vor einigen Wochen angekündigt hatte, war es zunächst, still geworden. Herr Seldte hat wohl selbst daS Gefühl, daß über die unglücklichen An- sänge wohl etwas Gras wachsen müsse, weil sonst der Versuch von vornherein hoffnungslos wäre. Er hat sich inzwischen auch bemüht, die Fäden, die damals plötzlich zerrissen wurden, wieder' anzuknüpfen. Er ist auch dabei, ein unparteiisches, neutrales Komitee zu bilden, das die Vorschläge des Stahlhelms sich zu eigen machen und propagandistisch aufziehen soll. 3n Magdeburg ist aber nun doch wenigstens der Entwurf des Volksbegehrens vorgelcgt worben, so wie es der Stahlhelm sich denkt. Es umfaßt, wie schon bekannt war, zwei Punkte. Zunächst soll der Artikel 54 der Reichsverfassung, der die Amtsführung des Kanzlers und der Minister von dem Vertrauen des Reichstags abhängig macht, aufgehoben werden. Außerdem soll die Immunität der Abgeordneten gegenüber Landesverrat und Verbrechen eingeschränkt werden.
Rehmen wir das zweite zuerst, so will uns scheinen, daß dazu der Apparat eines Volksbegehrens doch zu umständlich ist. Niemand wird bestreiten wollen, daß die Zustände, die sich gerade auf dem Gebiet der parlamentarischen Immunität herausgebildet haben, unerträglich sind. Wenn die Flugelparteten rechts und links dazu übergegangen sind, ihre Abgeordneten in ihren Blättern zu verantwortlichen Schriftleitern zu machen, um damit jede Strafverfolgung zu verhindern, so ist das ein grober Unfug. Es ist ebenso unerträglich, wenn die scharfen Beleidigungen nicht geahndet werden können, weil gegen die Immunität der Abgeordneten nicht anzukommen ist. Aber da kann man doch auch auf andere Weise helfen. Die Immunität bat langst ihren Charakter verändert. Sie war früher ein Sicherheitsventil, um dem Abgeordneten während der Parlamentsverhandlungen vor Zugriffen zu schützen: heute, wo die Parlamente überhaupt nicht mehr vertagt werden, bedeutet sie eine Lahmlegung der ganzen Strafjustiz gegen die Abgeordneten für die Gesamtdauer der Legislaturperiode, und wenn sie es verstehen, sich während der Neuwahlen versteckt zu halten, auf unbegrenzte Zeit.
Auch im Reichstag selbst wächst die Einsicht, bah das so nicht weiter geht. Sogar die Sozialdemokraten beginnen sich davon zu überzeugen, dah sie ein Interesse daran haben, Auswüchse dieses Vorrechts zu beschneiden. Dazu ist aber mir erforderlich, daß der Reichstag von seinem bisherigen Brauch abgeht und bei derartigen Fällen dem Abgeordneten den Schuh der Immunität entzieht: und soweit wir wissen, wird der Reichstagspräsident bei nächster Gelegenheit eine entsprechende Anregung geben. Dann würde bas Volksbegehren des Stahlhelms einigermaßen in der Luft hängen. Iedenfalls wird ihm die populäre Resonanz fehlen.
Lind die Verantwortlichkeit? Mit der Beseitigung beS Artikels 54 der Verfassung würde ein wesentlicher Teil der parlamentarischen Dor- guSsehungen zerschlagen. Darüber läßt sich gewiß reden. Wan muß dann aber auch positive Vorschläge machen, was an Stelle des bisherigen Rechts treten soll, weil sonst gerade die stärksten Bedenken gegen die Durchschlagskraft eines solchen Volksbegehrens entstehen könnten, lind zudem will uns scheinen, baß, wenn einmal der Versuch gemacht werden »»I IH IM IMWIIMIMUHW ■■lllWg«CT—
Mozart und Beethoven als Symphoniker.
3tim bevorstehenden Ehmphonic-Konzert des Konzcrtvercins.
In dem symphonischen 2t3en8toerf Mozarts nahmen die drei großen Symphonien aus dem Iahre 1788 (lls-Dur, Q-Moll und Q-Dur) die Hauptstellung ein. Do sie kurz hinter inander entstanden sind, ist der neuerdings auftretende Gedanke. sie als eine Art symphonischer Trilogie anzusehen, nicht von der Hand zu wei'en. Der damaligen Lebenslage Mozarts entspricht sicherlich ihrem Inhalte nach am stärksten die Q-Woll- Symphonie.
Während Beethoven seinen symphonischen Werken durch ein vorgesetztes etli ches Ziel die Richtung gab. indem er die im Werk ruhenden Konflikte durch Kämpfe einer befriedigenden, beglückenden Lösung zuführie. ist es Mozart um die Befreiung seiner Perönlichkeit zu tun, die ihm das Niederschreiben des schweren Erlebnis.es gewährt.
Die von Mozart für tragische düstere Stimmungen bevorzugte Q-MoU-Tonart (K.avierquar- teit Q-Moll, O-Moll-Quintett) ist ihm auch hier das Mittel, pessimistischen Stimmungen Ausdruck zu geben.
Nicht immer hat man diese Symphonie in ihrer vollen Eigenart erkannt. So findet man sie an einer Stelle als ein „mildes Musikstück' bezeichnet. Als Robert Schumann D. F. Schubarts .Tonarten-Aesthelik" kritisiert. zicht er Mozarts <)-Moll-Symphonie als Beispiel hrran und verweist auf diese „griechisch schweoeiäe Grazie". Ist es nicht eigenartig, daß gerade das Zeitalter der Romantik die in diesem Werk gebundene Dämonit verkannte? Erst späteren Zeiten war es Vorbehalten, den Schlüße! zu ihm zu finden und damit neue Gesichtspunkte für seine Darstellung zu eröffnen.
Unter dpin Eindruck des Kampfes gegen die Widrig! Len des Schicksals st^en die Schatze. Das Anoante will Trost geben, wenngleich es auch nicht frei ist von Andeutungen düsterer Schatten. Der erste Teil des Menuetts ist einem Ausbäumen gegen die Widerwär i jf iten g'eich: während sein Trio auf ein Traumland verweist, in dem alle Konflikte ihre harmonische Lösung finden.
Der erste Satz führt mit seinem Allegro molto sofort in diese gequälte Stimmung ein. Das Thema entwickelt sich aus einem seufzerartigen Grundmotiv, bas bald an seinem Dominant- schluh der Erregung völlig Raum gibt: in seinem
soll, über die Befragung des Volkes zu einer Aenderung der Reichsversassur.g zu kommen, dann größere Fehler zu berichtigen sind, als die, an denen sich hier der Stahlhelm versucht. Wir denken dabei in erster Linie an das Wahl
recht. soweit es durch die Bildung der großen Wahlkreise und die Hebersteigerung des Proporzes zu einer Versteinerung des politischen Lebens geführt hat.
Amerikas Slaa ssiotte unter dem Hammer.
Eine Riesettauküon. — Bor einem Aaienkrieg in der internationalen Schiffahrt.
Eine selbst für amerikanische Begriffe sensationelle Auktion wird die D e r st e i g e r u n g der amerikanischen Staatsflotte sein, die für Mitte November von der amerikanischen Regierung ausgeschrieben ist. Es steht zwar noch nicht fest ob sich die Bereinigten Staaten mit einem Schlag sämtlicher Handelsschiffe entledigen werden, die sich unter staatlicher Derwallung befinden-, doch ist .ie Absicht der Regierung unverkennbar, die staat- liche Handelsschiffahrt zu liquidieren. Die Mitglieder der amerikanischen Regierung sind zu gute Kaufleute, um aus Prestigegründen ein Unternehmen aufrechtzuerhalten, das ständig große Zuschüsse erfordert — obwohl sich das reiche Amerika diesen Luxus wohl leisten könnte. Allein im Rechnungsjahr 1927/28 zeigte die Bilanz der vom Staat verwalteten Schiffahrtslinien einen Verlust von 465 000 Dollars: es gingen also fast zwei Millionen Mark verloren, ohne den Zinsendienst für das angelegte große Kapital zu rechnen. Seit dem Jahre 1920 hat die amerikanische Regierung in jedem Jahr eine Reihe von Schiffen verkauft: während sich am 1. Juli 1927 noch 879 Schiffe mit 4 540 000 Tonnen in ihrem Besitz befanden, beträgt der augenblickliche Bestand an staatlichen Handelsschiffen nur noch 761 Fahrzeuge mit 4 110 000 Tonnen. Die bevorstehende Auktion ist nun deshalb von besonderer Bedeutung, weil die größten amerikanischen Handelsschiffe, „Leviathan", „President Harding", „President Roosevelt", „George Washington", „America" und „Stepubtic", veräußert werden sollen. Es ist wohl kaum anzu- nehmen, daß sich für all diese Schiffe Käufer finden würden, obwohl die amerikanische Regierung günstige Zahlungsbedingungen gewähren und die Zahlungen auf einen Zeitraum von 15 Jahren verteilen will. In eingeweihten Kreisen erhielt sich in den letzten Monaten hartnäckig das Gerücht, daß die Hamburg-Amerika-Linie den „Leviathan", der vor dem Krieg als „Vaterland" unter der Flagge dieser Schiffahrtslinie fuhr, zurücker- werben wolle. Die Amerikaner wollen aber diesen Ozeanriesen nicht wieder herausgeben: darum stellt der „Shipping Board" jetzt die Bedingung, daß ein Flaggenwechsel der verkauften Schisse nicht eintreten dürfe. Außerdem wird sich der Käufer verpflichten müssen, die erworbenen Fahr- zeuge zehn Jahre im Dienst zu behalten und mit ihnen eine vorgeschriebene Anzahl von Fahrten über den Atlantik zu machen.
Die zum Verkauf gestellten Schiffe, an deren Erwerb so schwere Bedingungen geknüpft werden, sind vom kaufmännischen Standpunkt aus keineswegs sehr verlockende Objekte. Ledig- lich der „Leviathan" hat im letzten Jahr einen Gewinn von 500 000 Dollars abgeworfen: aber auch dieser Ueberschuß erscheint nur auf den ersten Blick erheblich, denn man muß von ihm die Bergin- fung des Kapitals abziehen, das Aum Dau des Schiffes aufgewendet wurde. Das Schiff ist freilich den deutschen Eigentümern fortgenommen worden — aber der zukünftige Besitzer muß doch sein Kauf'apital verzinsen, und bei Dem gewaltigen Dampfer kann es sich nur um eine sehr große Summe handeln. Die übrigen fünf großen staatlichen Passagierdampfer haben das amerikanische Staatssäckel ein hübsches Sümmchen gekostet, denn der „President Roosevelt" erforderte
Nachsatz steigert sich dieses Aufballen. Iäh bricht das Orchester mit wuchtigen Schlägen ab, eine Generalpaus« gibt dem inneren Nachhall Raum. Das austretende Seitenthema (B-Sur) scheint die Erregung abzudämpfen. Erneut bricht das erste Thema durch und führt zum wuchtigen Abschluß der Themenaufstellung. Die Durch ührung, durch Akkordschläge eingeleitet, läßt das erste Thema sich melodi'ch ausspinnen, indem es immer tiefer sinkt. Da bricht es mit voller Kraft in den Däffen hervor. Eine kontrapunk i che Figuration stellt sich ihm entgegen: Vorhalte in den Blä'ern verstärken den Eindruck. Diese kontrapunktische Auswertung führt zu einer Auffteigerung, die von dem Seufzermotiv in den Violinen beherrscht wird. Die Seufzer verhallen. Holzbläser geben mit Imitationen den Hn ergründ. Ein Abschnitt mit rein motivischer Durcharbeitung des Seufzer- molives führt über eine Engführungskette der Holzbläser zur Reprffe. In dieser ist das zweite Thema von B-Dur nach O-Moll gewendet und trägt den Charakter der Resignation. Das Hauptthema führt dann in seinem Aufwallen und 2lb sinken zu dem von Kampfesgeist getragenen Schluß.
Das Andante gibt einer weicheren, beschaulichen Stimmung Raum, wenngleich sein Ein- gangLthema durch seine Tonwiederhelungen und durch die Vorhalte bei der imitatorischen Einführung etwas Lastendes erhält. Ein Zweiund- dreißigstel-Seufzermotiv umflort den von Wehmut getragenen Satz.
Das erste Thema des Menuetts ist von Trotz erfüllt: statt der üblichen Zweitaktigkeit finden wir hier ein dreitaktiges Motiv, dessen Höhepunkt erst im zweiten Takte liegt. In seiner Fort- spinnung erhält es durch die strenge Zwei- stimn.iqkeit feiner kontrapunktischen Dera.b.ilung einen besonderen Ausdruck des Gestrafften. Eine zeitweilige Auflichtung gibt eine kurze Holz- bläserepifode dem Thema. Das Trio stellt sich in völligem Gegensatz dazu mit seiner schlichten, welchen, melodischen Entwicklung in Q-Dur, der die Hörner einen besonderen Gefühlsinhalt verleihen.
Das Finale (Allegro assai) steht unter dem Zeichen dämonischer Erregung. Das aus dem Dreiklang hervorbrechende Hauptthema verleiht mit seiner Dorhaltsnote dem HnerbCt ichen Ausdruck. während das Sei enthema triomä'i], durch zwei Violinen und Draffche eingeführt, mehr zurückhaltenden Charaiter trägt, der sich durch einfließende Chromatik der Grundstimmung annähert. Die Durchführung wird durch einen Hnisono-Ansturm eröffnet mit abgerissenen Akzenten. Eine kurze Pianoepisode des Hauptthemas führt zu einer kontrapunktischen Verarbeitung in Eng führ ungen, denen die Holzbläser
380 000 Dollars Zuschuß, die „A m e r i c a" und „R e p u b l i c" je 200 000 Dollars, der „Presi - dent Harding" 150000 und der „George Washington" 38 000 Dollars. Dabei hat es die Leitung der staatlichen Schiffahrtslinien nicht an Versuchen fehlen lassen, den Betrieb einträglich zu gestalten. Alan glaubte besonders kaufmännisch zu handeln, als man mit zwei großen Passagierdarnp- fern Winterfahrten nach dem Mittel- m e e r unternahm, um die reichen Amerikaner nach der Riviera zu befördern. Aber auch dieser Versuch hat sich als Fehlschlag erwiesen, die Vergnügungsfahrten haben dem amerikanischen Staat beträchtliche Verluste gebracht, und in diesem Winter wird man von derartigen Experimenten absehen müßen.
Aber nicht nur der amerikaniscken Schiffahrt, den Reedern der ganzen Welt gehl es schlecht. Es gibt zuviel Handelsschif e; um e)en Passagier, um jede Ladung entfpiint sich ein scharfer Kampf. In den letzten Iah en ist nur mit Mühe ein Chaos a uf dem Wcl frach enmarkt verhütet worden. Während am l.Iuli 1914 der Schiffsbestand der Weltwi tschaft 49 Mi lionen Tonnen betrug, zählte man am 1. Iuli 1927 65,2 Millionen Welltonnage. Da sich nun der We'thandel nicht entsprechend vergrößert hat, besteht ein 1). e b e r f I u 6 an Frachtraum, und das Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ist deshalb noch verschärft worden, weil das vorhandene Schiffsmaterial leistungs'ä'i'er geworden ist. Die neuen Schiffe fahren mit erhöhter Geschwindigkeit, außerdem 'inb die technischen Lösch- einrichtungen dauernd verves ert worden, so daß die Schiffe schneller abgefertigt werden und mehr Fahrten machen können. Zur Zeit findet in Hamburg eine Ratenlonferon; statt, auf der diese Ent- toicäung besprochen worden ist. Die Berichte über den Verlauf dieser Zusammenkunft klangen so bedrohlich, daß der amerikanische Sfipping- Doard sich plötzlich entschlos'en hat, einen Vertreter nach Hamburg zu senden. Der amerikanische Delegierte hat in aller Eile Neuyork verlaslen. um möglichst schnell in Hamburg zu erscheinen. Außerdem erwägt die amerikanische Regierung ernstlich, spätestens Anfang 1929 eine Welffchlffahrt-Kon- ferenz einzuberufen.
Auch in Deuffchland hat man schon an eine solche Tagung gedacht. Die fähigsten Köpfe der deuffchen Schiffahrtgesellscha'ten haben versucht, Mittel zu finden, mit denen man die Nachfrage des Welffrachtenmarktes mit dem Angebot an Tonnage ausgleichen könnte. Selbstverständlich wäre daS nur durch weitgehende internationale Abmachungen zu ermöglichen, aber selbst wenn man alle Reeder der Welt unter einen Hut bringen könnte, würden immer noch Meinungsverschiedenheiten darüber herrschen, wie das Angebot zu erringen ist. Sollen die überflüssigen Schiffe nur aus dem De rkehr gezogen oder sollen sie a bgewrackt werden? Diese- Problem scheint daS wichtigste zu sein, denn jeder Schiffsbesitzer wird ffch möglichst lange gegen die Zerstörung eines Fahrzeuges sträuben. Andererseits ist zu befürchten, daß die Schiffe, dis nur aus dem Verkehr gezogen worden sind, sofort wieder eingesetzt werden, sobald sich ein leichtes Anziehen der internationalen Frachtsätze bemerkbar macht. Wenn
durch abwechselnde Einsätze das harmonische Gepräge geben und die bei dem Höhepunkt in Eis- Moll Träger des Thema- werden. Geigen und Fagotte stürmen nach einer kurzen Zäsur gegen die übrigen Holzbläser und Streichbässe an. Die Wiederkehr der Themen zeigt das Seitenthema in Q-Moll, und es erfährt durch seine Chromaff- fierung die völlige Angleichung an den Inhalt des Hauptthemas. Der Schluß vermag keine bejahende Lösung des Konfliktes zu geben und endet im düsteren Q-Moll mit harten Schlägen, ohne sich selbst im Schlußakkord zum Dur zu bekennen.
Hatte die Beethoven feier des Vorjahres die siebente Symphonie des Meisters zum Erklingen gebracht, so stellt das kommende Shm- phoniekonzert das Zwillingswerk der A-Dur- Symphonie, die Achte (si-Dur), in Aussicht. Beide Symphonien sind in der gleichen Schaffensperiode entstanden und künden Heiterkeit und Freude: jene in dionysischem Aufschwungs, diese als ein verllärender Blick von der erreichten Höhe, ein Erhabensem über alle die Richtigkeiten des Lebens durch die Tatsache des Hebet- Wundenhabens. Es ist jene innere Heiterkeit, die sich vom Schmerz gelöst hat und drei für »alles ein überlegenes Lächeln zeigt. Die Heberwindung des Tragischen gibt dem Stile eine andere Möglichkeit: bei dem Ringen im Kampfe ein Geschehen in großen Zügen, hier eine Kunst der Kleinarbeit, die aber in die Tiefe geht.
Die kühle Aufnahme, die die -Dur-Symphonie bei der Erstausführung fand, verletzte den Meister, so daß er annahm, eben weil diese Symphonie »besser" sei, habe sie nicht gefallen. Andererseits hat er diese Symphonie als die „Heine" bezeichnet, um damit wohl auf den intimeren Charakter, auf die Geschlossenheit der Form und die Ein- beirtigfeii des Ausdruckes hinzuweisen. Wenn auch Beethoven an diesem Werke die kürzeste Zeit von allen Symphonien gearbeitet hat, so hat er doch mancherlei Veränderungen an ihr vorgenommen. Die ursprünglich vorgesehene Einleitung des ersten Satzes frei fort: die Coda des ersten Satzes erfuhr nach der Erstaufführung eine gehörte Erweiterung. Robert Schumann rühmt an der „Achten" die humoristische Tiefe, schätzt die großen Steigerungen besonders gegen den Schluß hin, und kann nach dem Allegretto nur „still und glücklich" sein.
Der erste Satz (Allegro vivace con brio) führt das Hauptthema mit vollem Orchester ein, mit kraftvollen Rhythmen. Rach einer Generalpause erwächst das erste Seiten'.hema zunächst in den Streichern, dann in den Holzbläsern, em zweites Seitenthema wird von den Achteln des Hauptthemas umrankt. Ein klopfendes Oktavmotiv am
maii sich aber selbst über diese Frage geeinigt bauen foUie, wird eine neue Schwiesigiett aus- tauchen, nämlich die <yrage. ob man D.e überalterten Schice aus dem Vermehr nep.nen soll oder diejenigen, Die besonders viel Fracy.gut au,nehmen tonnen. Andere Fachleute fa^ag.n vor, iedes Land, ja sogar .ede JtcJkrei zu einer prozentualen Verringerung des <5 r a <y t r a u m e S zu ve.p.ä-.t n. ^ei der (eMuneägteu b-r Fragen ert^.ini es fa,i au^- |iazt»LO&, eine tnkma.Lna e -o.remaarung zu erzie.en: i.izwif-,e i Wied aorr das Heue..- a n g e D o t an Tonnage immer großer, und der Konrnrrenzmm^ f der tDu,illa.„i:..i e.i nimmt beutoyiLye Formen an.
Man sollle nun meinen, baß die einzelnen Länder gerade jetzt den 'Jieubau von Schissen mogiiajft einfajränfen. aber weit davon entfernt, der äugen« bliamchen Lage Rechnung tragend, werden in sost allen Staaten r i e | i g e Scyiffsneubauten vorgenommen, deren Finanzierung meift durch Staatszttzchüße erleichtert wird. So ift in legier Zeck der amerikanische Darlehnsfond für Schiffsneubauten von 125 auf 250 Millionen Dollars erhöht worden, und riesige Summen werden zu bei|p.ehos nichtigen Zinssätzen an die bauenden Reeder dcvuc- h. >. Erst nach zwanzig Jahren müssen die Kredite zurückgezahlt werden: wer Fahrzeuge für den transatlantischen Verkehr baut, braucht jährlich nur drei Prozent Zinsen zu zahlen. In England sind die Subventionen im letzten Jahr start eingeschränkt worden, dafür behend man aber hie Westen Rordirlands um so reichlicher mit Staatsmitteln, und für den Neubau eines Dampfers von 60 000 Tonnen, her in Ulster ausgeführt wirh, hat die englische Regierung 30 Millionen, die nordirische 24 Millionen Mark bewilligt. In Frankreich sollen in den nächsten Jahren eine Milliarde Francs Staatssubventionen an diejenigen Reeder vergeben werden, die Schiffe auf französischen Werften in Auftrag geben, und in Schweden hat man einen Fonds von über drei Millionen Kronen fürSch.ff- fohrtszwecke gebildet. Sogar das kleine Finnland will 100 Millionen Finnmark im Laufe der nächsten Jahre aufbringen, um den Bau von Handelsschiffen zu ermöglichen; Italien, Spanien und Portugal zahlen schon heute sog. Schiffsbauprämien. Daß unter diesen Umständen die Lage für die deutsche Schiffahrt nicht allzu rosig aussieht, ist selbstverständlich, und wenn es nicht rechtzeitig gelingt, weitgehende internationale Vereinbarungen zu treffen, durch die vor allem überflüssige Neubauten unterbunden werden, dürfte ein Ratenkrieg ausbrechen, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Daß dabei finanziell nicht besonders gut fundierte Gesellschaften auf der Strecke bleiben werden, ist selbstverständlich: aber auch diejenigen, die den Kampf durchhalten konnten, würden Jahrzehnte brauchen, um ihre Wunden zu heilen.
Herbert Ruhland.
Provinzialausschuß Oberheffen.
Der Provinzia'lau.sfchuh der Provinz Oberhessen verhandele und entschied in seiner Sitzung vom vorigen Samstag noch über folgende Streitsachen:
1. Beschwerde des Pcklizeidlener- und Schneiders Rühle in Kaichen gegen die Entscheidung des Kreisamts Friedberg wegen Zugehörigkeit zur Schneiderzwangsinnung des Kreise- Friekwerg, die als unbegründet kostenpflichlig zurückgewiesen wurde.
2. Klage des DeztrkSfürsvrgever- bands Frankfurt a.HL, vertreten durch das städtische Wohlfahrtsamt, gegen den De- zirkssürsorgeverband des Kreises Friedberg o?. f Erstattung von Krankenhauspflegekosten des Iak. Gehweiler aus Bissingen. Der Provinzialausschuß gab der Klage statt und verurteilte den Beklagten zur Zahlung der Pflegckosten im De- Schluß der Themenaufstellung wird zum Wegweiser für die Durchführung, die besonders das erste Thnna ausdeutet und teilweise imitatorisch verarbeitet. Der Wiederkehr fügt sich eine Coda an, die dem Hauptgedanken in der zarten Des* Dur-Episode eine neue Seite abgewinnt, um sich dann um so stärker zu steigern. Die rhythmischen Schläge Verhallen zum ^hluß: der letzte Takt läßt noch einmal den ersten Takt des Hauptthemas anklingen.
Aehnlich wie die „Siebente" weist auch diese- Werk keinen langsamen Satz auf, er hätte den ganzen Tendenz des Werkes sich nur schwer ein* fügen können, und so steht hier ein Allegretto scherzando, zu dessen Anfang zu staccatierten Sechzehnteln der Bläser die Violine ein hüpfendes Thema einführt. Eine sonnige Heiterckeit liegt über diesem Satz, dem das zweite Thema eine gewisse Beschaulichkeit verleiht.
Der dritte Satz ist ein echtes Menuett tm Altväterstile, vielleicht das erste eigentliche Menuett in den Symphonien Beethovens; denn die Menuette der Ersten und Vierten zeigen nicht den reinen Charakter dieser Tanzform. Auf diese besondere Eigenart des Satzes als Tempo di menuetto aufmerksam gemacht zu haben, ist ein besonderes Verdienst Richard Wagners, der unter Reissiger diesen Satz völlig v«ckehrt erfaßt hörte. Im Trio möchte man bei den Klängen der Hörner an Dittersdorf denken, Holzbläser umranken dieses ländliche Thema. Ein patriarchalisches Bild, das dieser Satz aus* breitet.
Hm so stärker bricht der Humor im Mnale durch, dessen Hauptthcma in seinem überschäumen* den Kraftgefühl ein Cis mitten hineinsetzt, wo es gar nicht hineinpassen will und das verschiedentlich bei der Kritik ein Stein des Anstoßes wurde. So sagt der Mvzartbiograph Oulibi* schef f, „es sei, wie wenn inmitten eines ruhigen heiteren Gesprächs mit Freunden Plötzlich einer sich von ihnen erhebt, einen Schrei ausstößt die Zunge hinausstreckt und sich dann gelassen wieder hinsetzt, um die Hnterhaltung da. wo sie unterbrochen wurde, weiterzuführen." Das Seitenthema stellt sich in ferner Anmut und seinem kantablen Charatter m den Gegensatz zum Haupt- thema. Die weitere Entwicklung des Werkes ift von dem Triolenrhythmus erfüllt; die Einfälle überstürzen sich förmlich; die Ausgelassenheit äußert sich in unvermittelter Gegenüberstellung dynamischer und instrumentaler Gegensätze. Eine eigenartige Komik liegt in den Ottavenschlägen der Pauke zusammen mit dem Fagott. Sine Wendung zum Idyllischen gibt die Hörnerepisode zu Beginn der Coda, die durch einen ausgedehnten Orgelpunkt zu den sieghaften Schlägen de- Schlusses führt. Dr. H.


