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Nr 248 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Samstag. 20. Oktober (928

Mrdosi-Forderungen.

Bedeutsame Erklärungen des Beigeordneten Or. Hamm.

Am Donnerstagabend beschäftigte sich eine auf Veranlassung des Vorstandes des Bezirks- Vereins Aordost im Saale des Cafs Leib stottfindende, von etwa 250 Personen besuchte Versammlung der Bewohner des Vordostviertels mit dringenden kommunalen Forderungen des dortigen Stadtbezirkes. Die Versammlung nahm nm es vorweg zu sagen einen fruchtbaren Verlauf.

Der Vorsitzende des Vordostvereins, Stadtv. Schwieder, konnte in der Versammlung zur besonderen Genugtuung des Dereinsvorstandes den Beigeordneten Dr. Hamm als Vertreter der Stadtverwaltung, ferner Stadtbaurat G ra­ve rt vom Stadtbauamt und zahlreiche Stadt­verordnete aller Fraktionen begrüßen. Er wies weiter in kurzen Worten auf die in mancherlei Beziehung ungünstigere Lage des Vordvstviertels gegenüber anderen Stadtteilen hin und betonte, daß es so wie bisher nicht mehr weiter gehen Kirne.

Oer Wunschzettel.

Das einleitende Referat erstattete der Kauf­mann Adalbert Bindewald, der als langjähriger Bewohner des Vordostviertels sich auf eingehende Erfahrungen hinsichtlich des Wan­dels der Dinge in der dortigen Gegend stützen formte. Aus seinen Darlegungen ging klar her­vor, daß die geschäftlichen Verhältnisse und die allgemeinen Wohnbedingungen im Vordostviertel heute ungünstiger sind, als in anderen Gegenden der Stadt, und daß man wohl berechtigt ist, von einem Rückgang des Vordostens zu sprechen. Der Redner forderte eine größere Fürsorge der Stadt für den nordöstlichen Stadtteil, der nichts anderes verlange, als volle Gleichberechtigung, imb der sich frei dieser Kundgebung nur leiten lasse von dem Gesichtspunkt der Wahrung be­rechtigter Interessen.

Als Bewohner des Vordvstviertels sprachen in der anschließenden Diskussion der Vorsitzende, Stadtv. Schwieder, Lehrer Kling, Kauf­mann Münch, Bäcker-Obermeister L o e b e r, Redakteur Blum schein und Dr. K e m p ff. Ihre Darlegungen, die von lebhaftem Beifall der Versammlung unterstrichen wurden, sind da­hin zusammenzufassen, daß jetzt von der Stadt all' das nachgeholt werden soll, was in früheren Jahren versäumt wurde. Es wurde zum Aus­druck gebracht, daß man zu den hier besonders in Betracht kommenden zuständigen Dezernenten der Stadtverwaltung, Beigeordneten Hr. Hamm, volles Vertrauen hat, da er sich bisher den Wünschen der Vordostbewohner immer zugäng­lich erwiesen und sich bemüht hat, nach besten Kräften für di« Erfüllung der berechtigten Be­lange des Vordostens zu sorgen: daß man ferner auch zu der Stadtverwaltung als Ganzes und zu der Stadtverordnetenversammlung das Ver­trauen hegt, daß dem Vordostviertel die be­rechtigte Förderung gewährt wird. Weiter wurde betont, daß rs notwendig ist, das sog. Damm- straße-Projekt mit tunlichster Beschleunigung zur Durchführung zu bringen, und in diesem Zu­sammenhang« wurde an di« bisher noch wider­strebenden Bewohner dieser Gegend dahin ap­pelliert, daß sie der Stadtverwaltung bei der Verwirklichung dieses Projektes in weitgehender Weis« entgegenkommen und bei aller Wahrung ihrer berechtigten Interessen doch auch Gemein­sinn betätigen möchten. Weiter wurde die Frage der älmgestaltung des Kirchen- und des Linden­platzes als dringlich bezeichnet und angeregt, an dieser Stell« vielleicht das neue Stadtposb- gebäude zu errichten, das ja doch in absehbarer Zeit erforderlich werden dürfte. Der Ausbau der jetzt vorhandenenSackstrahen, großzügige Dauland- erschließung nach Maßgabe neuzeitlicher städtebau­licher Gesichtspunkte (wobei das Rodberggelände als geradezu ideal für die Anlage eines Villen­

viertels und die Schwarzlach als geeignet für die Schaffung von Promenaden bezeichnet wurde), Verbesserung der Straßenbeleuchtung, bessere Straßenreinigung. Schaffung von ausreichenden Verkehrsmitteln entweder durch Erweiterung der Straßenbahn, oder durch die Einrichtung von Autoomnibuslinien waren weitere Forderungen, die von den Rednern näher begründet wurden. Aber auch hierbei liehen es die Sprecher nicht an einer Ermahnung an die in Betracht kom­menden Grundbesitzer fehlen, die dahin ging, der Stadt bei der Derwirllichung des groß» zügigen Erschliehungsprojektes weitgehendst ent­gegenzukommen. Selbstverständlich solle von keinem Grundeigentümer Unbilliges gefordert werden, anderseits aber sei es auch notwendig, schon jetzt vor äleberforderungen bei Gelände- Verkäufen an di« Stadt dringend zu warnen, da hierdurch unter Umständen die auf die Förderung der Gesamtheit gerichteten Bestrebungen erschwert, wenn nicht gar vereitelt würden.

Oie Stellung der Stadtverwaltung.

Im Anschluß an die Diskussionsredner sprach Bei­geordneter Dr. Ham m. Er begrüßte es zunächst, daß die Stadtverwaltung zu dieser Versammlung cingeladen worden sei, denn hierdurch habe sie die Möglichkeit, eine fruchtbringende Aussprache mit den Bürgern nebenbei bemerkt gehörten Verwal­tung und Bürger zusammen, die Verwaltung sei ja nur die beauftragte Geschäftsführerin der Bürger­gesamtheit zu pflegen. Kritik sei stets fruchtbar, denn aus ihr könne gelernt werden. Die Verwal- tuna müsse und wolle aber auch aufklären.

Manche Wünsche des Nordostviertels feien im ge­heimen schon bearbeitet worden, es durfte nur noch nicht an die große Glocke gehängt werden. Die Stadtverwaltung habe das Nordostoiertel nicht stief­mütterlich behandelt, sie habe sich zusammen mit den Stadtverordneten schon immer für diesen Stadtteil eingesetzt. Er wünsche nur, die Verwaltung hätte einen Riesensack voll Geld, um alle Wünsche befrie­digen zu können.

An den ungünstigen Verhältnissen im Nordost­oiertel sei vielfach die unglückselige Anlage der Bahn schuld. Die Straßen liefen sich infolge der Lage des Bahnkörpers inmitten des Baugeländes in der Schwarzlach und beim Rodberg tot. Es sei schon daran gedacht worden, entlang der Lahn vorn Wehr aufwärts Promenaden­wege anzuleaen, um hier oute Spaziergangs- geleaenbeiten zu schaffen und dadurch stärkeres In- teres e für das Nordostviertel zu wecken. Sehr zu schaffen mache bei der Baulanderschließung in der Schwarzlach der hohe Grundwasserstand.

Das Dammstrahenprojekl.

Hinsichtlich des Dammstraßenprojektes bestünden noch allerlei Widerstände. Die Schwierigkeiten lägen nicht nur darin, daß beim Erwerb der zum Straßen­durchbruch erforderlichen Gebäude durch die Stadt reichlich hohe Forderungen gestellt würden, sondern auch dann, daß bei der Niederlegung der im Wege stehenden Gebäude 12 Wohnunoen in Fortfall kämen, für die zuvor Ersatz geschaffen werden müsse. Die baldige Erledigung des Dammstraßenprojektes liege der Stadt sehr am Herzen, sie werde nichts un- versucht lassen, um rasch ans Ziel zu kommen. Es fei aber auch notwendig, daß die in Betracht kom- wenden Grundbesitzer bei aller Wahrung ihrer In­teressen ihre Forderungen beim Verkauf an die Stadt nicht überspannten. Die Verwaltung strebe eine gütliche Einigung an, denn sie sei der Ansicht, daß die Enteignung immer nur das allerletzte Mit­tel fein dürfe.

Die Umgestaltung des Kirchen- und des Linoenplahes.

für di« die Stadt beretts zahlreiche Häuser er­worben habe, müsse obwohl jetzt ein neues

Ein neuer Enoch Arden.

Die tragische Geschichte vom .wiederkehrenden Gatten", die in der Weltliteratur so oft dar- gestellt ist und ihre berühmteste Behandlung in TennysonsEnoch Arden" erfahren hat, wiederholt sich immer wieder in der Wirk­lichkeit, Der neueste Vorfall dieser Art hat sich in der englischen Stadl Gloucester zugetragen. Dort lebte ein junaer Mann namens C. H. Peacsh, der sich wäyrend des Krieges verhei­ratete und dann bald eingezogen wurde. Er diente in Flandern, kämpfte bei Saloniki, wurde schwer verwundet und kam nach der Heilung zu dem Tank-Korps, mit dem er den Rückzug am Kemmcl im Februar 1917 mitmachte. Dabei er­hielt sein Tank ei»en Treffer, er wurde be­wußtlos und kam erst wieder im Juni des Jah­res zur Besinnung, als er sich im Lazarett be­fand, nachdem man einen großen Teil seines Stirnknochens durch eine Metallplatte erseht hatte. Er wurde daraufhin im September 1917 für dienstuntauglich erklärt. 3m Februar 1918 fuhr er als Kohlenschaufler auf einem eng­lischen Schiff nach Portland im amerikanischen Staate Maine. Als das Schiff angelegt hatte, ging er an Land und verschwand. Obgleich die Polizei ihn suchte, wurde er doch nicht gesunden, denn er hatte sein Gedächtnis verloren und irrte imerfannt umher. In diesem Zustand wurde er in ein Hospital für Vervenkranke in Vew Or­leans ausgenommen und blieb 10 Jahre, ohne daß sein Zustand sich besserte. Vachdem mehrere KvpfoPerationen ohne Erfolg vorgenommen waren, kehrte endlich nach einer Vasenoperation sein Gedächtnis wieder zurück und nach weiterer mehrmonatiger Behandlung war er so weit, daß er von der amerikanischen Gesellschaft für Kriegsbeschädigte nach Hause gesandt werden konnte. Als er in Gloucester anlangte und nach seinem Elternhaus ging, fand er dort lauter fremde Gesichter. Don einem Vachbarn, der sehr erstaunt war, den für tot Gehaltenen wiederzu­sehen. erfuhr er dann das Vähere. Dieser er­zählte ihm, daß man Ausrufe in den Zeitungen nach ihm erlassen habe, daß seine Eltern ge­storben seien und daß seine Frau wieder ge­heiratet habe und Mutter von vier Kindern sei. Dr begab sich dann zu einem Bruder, der taub und auch zeitweise stumm war. Der Bruder wurde durch den unerwarteten Anblick des Wie­dergekehrten so erschüttert, daß er seine Sprache

wiederfand. Peacey hat sür seine Frau nur Mitleid, und er will nichts tun, um ihr Glück zu stören.

Ein Drama in der Aenyorker Unterwelt.

Der Führer der größten Veuhorker Alkohol­schmugglerbande, Michael Abbattenarco, der unter dem SpitznamenSchatz" bekannt war, hat jetzt dasselbe Schicksal erfahren wie sein Dorgänger Frankie Vale, der im Juli dieses Jahres in seinem Kraftwagen ganz in der Vähe des Ortes ermordet wurde, an dem jetzt sein Vachfolger der Kugel eines Mörders erlag. Abbattenarco saß in seinem neuen Kraftwagen vor seinem Hause in der 83. Straße in Brooklyn, als plötzlich ein Unbekannter auftauchte und ihn erschoh. Vach Vales Tode hätte eigentlich Augie Pisano die Führerschaft über die Bande übernehmen müssen, aber er fürchtete das Schicksal Vales und hielt sich in seinem Haus versteckt, ging nut mit starker Bewachung aus. Da die Bande eines Hauptes bedurfte, so wählte man Abbattenarco, der erklärte, daß er sich nicht im geringsten fürchte, und gar keine Dorsichtsmaßregeln traf. Er war gerade aus dem Theater heimgekehrt, als ihn der tödliche Schuß niederstreckte. Ein Raubmord liegt nicht vor, da seine kostbaren Schmucksachen und seine gefüllte Brieftasche sich noch bei ihm vorfanden. Me Polizei nimmt daher an, daß der Mörder Mitglied einer andern Schmugglerbande ist, die seit langem mit Abbat- tenarcos Bande in heftiger Rivalität steht.

Zn der Wüste verloren.

Erne Iagdpartie, die aus zwei Herren der Gesellschast von Kairo, einem Chauffeur und einem beduinischen Führer bestand, hat in der Wüste furchtbare Erlebnisse durchgemacht und wurde erst nach sechstägigem Suchen von einem Flugzeug gerettet. Als die Jäger am nächsten Tage nicht zurückkehrten, ahnte man Schlimmes, und 12 Flugzeuge der englischen Flugstreitkräfte wurden von Heliopolis aus abgeschickt, um die Wüste nach allen Richtungen hin zu durchsuchen. Sie fanden aber Feine Spur: die Sicht wurde erschwert durch die tiefen Täler, die sie nur in der hellen Mittagssonne genau erkennen konnten. Die erste Vachricht erhielt man nach vier Tagen, als der beduinische Führer in völlig erschöpftem Zustand bei einem Vorposten der

Projekt für diese Umgestaltung ausgestellt worden sei noch einige Jahre zurückgestellt werden, da einstweilen die finanziellen Mittel für diese Ausgabe noch nicht vorhanden seien und ferner auch für die an dieser Stelle fortfallenden Woh­nungen erst Ersah geschaffen werden müsse. In diesem Zusammenhänge machte der Redner einige Mitteilungen über

die Wohnungsnot in Gießen, aus denen hervorging, daß die selbständigen Haushaltungen in den hessischen Städten nach dem Kriege sich im Durchschnitt um 14 v. H., in Gießen aber um 27,2 v. H. vermehrt hat. Unsere Stadls habe einen besonders großen Zuzug von auswärts bekommen, der sich natürlich auch auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar mach?. Augen­blicklich seien m unserer Stadt noch 697 Fa­milien ohne eigene Wohnung, 32 Fa­milien wohnten nur unter Lebensgefahr in baufälligen Häusern, 154 Familien seien in vollkommen unhygienischen Woh­nungen untergebracht, ferner wären noch 7 2 Familien zu verzeichnen in Wohnungen, die vollkommenüberbelegt seien. Vach dieser Richtung hin müsse die.Stadlrerwaltung zunächst einmal für durchgreifende Abhilfe sorgen.

Der Strahenausbau.

Hinsichtlich des Strahenausbaues verwies der Redner auf di« Leistungen, die für das Vordost- viertel in den Jahren 1927 und 1928 vollbracht wurden. Für die Erschließung einer neuen Quer­straße in ost westlicher Richtung nördlich der Steinstraße, die alle dortigen Sackstraßen auf* nehme, sei noch Geländeerwerb notwenküg. Bis­her habe sich die Stadt bei diesen Käufen mit den Eigentümern auf einen vernünftigen Preis einigen können: hoffentlich werde das weiter möglich sein. Wenn auch die Finanzlage der Stadt ernst sei, so dürfe doch bei solchen Aus­gaben die Finanzknappheit nicht immer allein ausschlaggebend sein. Die Stadtverwaltung müsse sich die Investierung so erheblicher Kapitalien, wie sie hierfür erforderlich seien, sehr überlegen. Das schließe aber nicht aus, daß sofort gehandelt werde, sobald genügend Daulustige für das frag­liche Gelände vorhanden seien.

Die Sfraßenreinigung.

Hier seien in den letzten Jahren bedeutende Fort­schritte gemacht worden. Die Straßenreinigung fei bei dem starken Autoverkehr nicht einfach. Seitens der Stadt werde alles getan, was möglich fei. Im Nordostoiertel werde an drei Tagen in der Woche gereinigt. Für den Schmutz in den Straßen fei in gewissem Ausmaß die Bürgerschaft selbst mitoer- antwortlich. Leider gebe es noch immer viele Leute, die sich ihres überflüssigen Papiers, der Zigaretten­reste, der Bananenschalen usw. einfach dadurch ent­ledigten, daß sie die Sachen einfacy auf die Straße werfen. Durch die auf Wunsch der Stadtverwal­tung erfolgte Einwirkung der Schulleitungen auf die Kinder zu größerer Sauberkeit in den Straßen sei leider auch keine Besserung von Dauer erreicht worden. Man müsie von der Bürgerschaft f e l b st erwarten, daß sie sich größerer Sau­berhaltung der Straßen befleißige und Papiere, Obstreste usw. nicht einfach auf die Straßen werfe, daß sie ferner alle Maßnah­men der Stadtverwaltung zur Bekämp­fung dieses Unfugs nachdrücklich unterstütze.

Die Straßenbeleuchtung.

Es könne keinem Zweifel unterliegen, daß zur Verbesserung der Straßenbeleuchtung im Nordosten noch manches geschehen müsse. Er (Redner) be­dauere, daß wir die Gasbeleuchtung nicht mehr hät­ten, denn die elektrische Straßenbeleuchtung sei recht teuer. Bei der Stadtverwaltung liege ein Plan vor, nach welchem systematisch der Ausbau des ganzen Straßenbeleuchtungsnetzes vorgenommen werden solle. Nachdem in der Innenstadt die Zahl der Lam­pen vermehrt worden sei, solle auch in den Außen­bezirken die Beleuchtungsanlage systematisch ver­bessert werden. Sobald die erforderlichen Mittel hierzu bewilligt seien, werde auch für den Nordosten mehr geschehen können.

Baulanderschlietzung.

Der neue Bebauungsplan für das Gelände zwi­schen der Marburger Straße und .dem Wiesecker

Phramidenpolizei an langte. Er erzählte, daß sie in dem Gebiet zwischen den Pyramiden und dem Faywn eine Gazelle ausgespürt hätten, die man ein« beträchtliche Strecke verfolgt«. Dann ge­rieten sie plötzlich in tiefen Sand und stellten fest, daß sie den Weg verloren hatten. Sie be­saßen kein Benzin und kein Wasser mehr. Der Beduine wurde abgeschickt, um nach Wasser zu suchen, aber nachdem er drei Tage umhergeirrt war, um den Vil zu ftnden, hatte auch er sich verirrt und wurde von einer Salzkarawane auf­genommen, di« ihn nach Kairo mitnahm. Der Beduine behauptete mit dem gewöhnlichen Op- ttmismus dieser Menschen, er werde die Stelle angeben können, an der er die Gesellschast ver­lassen. Aber als man ihn mit einem Kraftwagen in die Wüste gefahren hatte, muhte er seine völlige Unkenntnis eingestehen, und man kehrte nachts vergeblich zurück. Täe Flugzeuge suchten unterdessen unermüdlich die Wüste ab, und es glückte ihnen schließlich, die Verlorenen in einer tiefen Schlucht zu finden. Ihre Zungen waren schwarz vor Durst: sie konnten nur noch mit Muhe stöhnen und waren zu schwach, um ihren Rettern zu danken. Sie wurden sofort in dem Flugzeug mitgenommen und landeten nach iy3 Stunden sicher im Krankenhause, wo sie sich jetzt langsam erholen. Die Regierung hat eine ernsthafte Warnung an das Publikum erlassen, nicht solche tollkühnen Ausflüge zu unternehmen. Kraftwagenführer, die in die Wüste gehen, sollen das nie mit weniger als zwei Wagen tun, und es ist streng verboten, Gazellen zu jagen.

Oie ersten Tage eines Elefanien- Gäuglings.

Daß im Elefantenhaus des Berliner Zoo ein frohes Ereignis" stattgefunden und die Ele- fantenmutter Toni ein Baby geboren hat, ist be­reits viel besprochen worden. Die Geburt eines Elefanten kommt außerordentlich sellen vor, und es sind nur vereinzelte Fälle bekannt. Berlin hatte schon einmal «in Elefantenjunges im Jahre 1905, aber die Mutter benahm sich so wenig freundlich gegen das Junge, daß man versuchen muhte, dieses mit der Milchflasche aufzuziehen: es ftatib aber nach wenigen Wochen an Darm­entzündung. Diesmal haben wir es mit keiner so unmütterlichen Elefantenmutter zu tun, denn Toni, di« erst als erwachsenes Tier in Indien gefangen wurde, hat schon in Freihett Junge

Weg habe bereits offengelegen. Für diesen Gelände­teil fei eine großzügige Bebauung vorgesehen. Die vor einer Reihe von Jahren für das Nordostgelände genehmigten Baupläne hätten nach den Anforde­rungen der neuzeitlichen Verkehrsentwicklung nicht mehr bestehen bleiben können und aufgehoben wer­den müssen. Es sei aber damit zu rechnen, daß noch im Laufe dieses Winters der neue General - Bebauungsplan fertigge- teilt werde und dann in Skizzen oorliege. Es ei natürlich sehr wesentlich, daß die Erschließung )es Baulandes nach Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten erfolge, Sonderwünsche von Interessenten könnten als Einzelmaßnahme keine Berücksichtigung finden, die ganze Erschließung müsse nur unter dem Ge­sichtswinkel des Allgemeinintereffes vorgenommen werden. Man dürfe auch der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Reichsbahn nun bald einmal sagen werde, was sie hinsichtlich der Lösung der unhaltbaren Bahnverhältnisse zu tun beabsichtige. Die Stadtverwaltung werde jedenfalls auch die Erschließung des Nordostviertels aufmerk­sam im Auge behalten, wobei sie sich bewußt sei, daß der Geländeabhang am Rodberg sich für ein Villenviertel sehr gut eigne.

Das Sttahenbild.

Der Redner empfahl der Bürgerschaft, sich mehr als bisher im Zusammenarbeiten mit der Stadtverwaltung die Verschönerung unse­res Straßenbildes angelegen sein zu lassen. Es sei zu bedauern, daß manche Haus­besitzer bei der Herrichtung ihrer Häuser hinsicht­lich der Gestaltung der Außenwände (Farben­anstrich usw.) sich den wohlgemeinten und nur auf die Verschönerung des Straßenbildes ge­richteten Vorschlägen der Stadtverwaltung ver­schlossen haben, obwohl die Verwaltung bereit gewesen sei, den Hauseigentümern bei der Ge­staltung der Hausfronten unter Beachtung der Wünsche der Stadtverwaltung einen Barzufchutz zu gewähren. Hoffentlich werde nach dieser Rich­tung hin in Zukunft von den Hauseigentümern mehr verständnisvolles Entgegenkommen gezeigt.

(Ein Ausblick.

Für das Vordostviertel sei als Ausblick in die Zukunft festzuhalten: Erstellung des Marktlauben­gebäudes: die Verwirklichung des Dammstraße- Projektes wird mit allen Mitteln erstrebt: im nächsten Jahre Ausbau der Querstraße in der Schwarzlach mit Einbringung des Kanals: an­schließend Vorbereitung zu Wohnbauten: Er­schließung des Geländes zwischen Marburger Straße und Wiesecker Weg, wo großzügig vor­gegangen werden soll: Schaffung einer Ufer* Promenade an der Lahn vom Wehr auswärts.

Ueber die Straßenbahn- und Auto­omnibusfragen versagte sich der Redner eine Aeuherung, da er mit dem zuständigen De­zernenten deswegen noch nicht habe sprechen können. Die Rede wurde mit lebhaftem Bei­fall ausgenommen.

Der Vorsitzende, Stadtv. Schwieder, dankte dem Beigeordneten Dr. Hamm für seine bedeut­samen Mitteilungen, und betonte, daß die Ver­sammlung volles Vertrauen in die Verwirklichung des Arbeitsprogramms der Verwaltung setze. Don der Bürgerschaft sei verständnisvolles Cnt- gegenfommen für die Maßnahmen der Stadt­verwaltung zu fordern.

Oie Stellung der Stadtverordneten.

Stadtv. V i c v l a u s hob in einer kurzen An­sprache hervor, daß die Stadtverordnetenver­sammlung bisher schon immer mit vollem Ver­ständnis für die Belange des Vordostviertels eingetreten sei, und daß sie auch künftig nichts versäumen werde, was zur weiteren Förderung des Vordostens dienen könne. Vachdem nunmehr der Generalbebauungsplan in Bälde vorliegen werde könne gehandelt werden. Er bat die Ver­sammlung, der Stadtverordnetenversammlung auch weiterhin volles Vertrauen zu schenken.

Da weitere Wortmeldungen nicht Vorlagen, er­klärte man sich ohne weitere Aussprache ein*

aufgezogen und erfüllt daher ihre Mutterpflich­ten vortrefflich. Interessante Beobachtungen über die ersten Tage des Elefantensäuglings teilt Dr. Lutz Heck inReelams Universum" mit. Die Geburt ging ohne jede menschliche Hilfeleistung schnell und glatt vonstatten und war innerhalb weniger Minuten vollendet. Das Junge lag zuerst int Stroh, machte aber sofort Versuche, auf­zustehen und lief schon nach drei bis vier Stunden umher. Bald begann es, an der Mutter zu saugen. Die zwei Milchdrüsen, die zwischen den Vorderbeinen sitzen, wurden von dem Baby zu­erst mit dem Rüsselchen tastend gesucht: zum Trinken verwendet es aber nicht den Rüssel, wie die alten Elefanten, die den Rüssel voUsaugen und damit das Maul vollspritzen, sondern der Säugling benutzte nur den Mund, wöbet der kleine, an der Spitz« rosige Rüssel nach oben seit­lich zurückgebogen wurde. Ein lautes Schmatzen zeigte das 'Belagen des kleinen Trinkers an. Das Elefantchen ist 105 Zentimeter hoch und wiegt etwa 200 Pfund. Die Mutter war so sehr um ihr Kleines besorgt, daß sie es sogar am ersten Tage am Hinlegen hinderte. Jedes­mal, wenn das Veugeborene dazu den Versuch machte, vereitelte das die Mutter durch Aufheben und Stützen mit Rüssel und Vordersatz. Das Kleine blieb also den ganzen ersten Tag seines Lebens ununterbrochen auf den Deinen, schlief aber trotzdem öfters im Stehen, denn der Elefant legt sich ja ebenso wie manche Pferde oft wochenlang nicht hin, sondern ruht an eine Stütze gelehnt aus. Da dazu nur eine ganz geringe Muskelanstrengung notwendig ist, kann der Dick­häuter dabei richtig schlafen. In der ersten Vacht beruhigte sich dann die Alte und legte sich selbst einige Male zum Schlafen nieder: während der übrigen Zeit stand sie fast immer regungslos über dem kleinen Schläfer, nachdem sie ihn vor­her sorgsam mit Stroh zugedeckt hatte. Wollte sich der Säugling aufrichten, so hob ihn die Mama immer mit dem Rüssel hoch und schob gleichzeitig vorsichtig ihren riesigen Dorderfutz heran, damit sich das Kleine daran anlehnen konnte. Am zwei­ten Tage seines Lebens zeigte der junge Dick­häuter schon eine erstaunliche Sicherheit beim Aufstehen, beim Gehen und in allen Bewegungen. In der Freiheit ist er in diesem Alter wohl schon so weit, um langsam der großen Herde folgen zu können. 2m Käfig tollte er nach Art mancher Jungtiere mehrmals schnell umher.