Süehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffeu)
Hr 222 Drittes Blatt
Donnerstag, 20. September (928
Gießener Serbfipferdemartt.
'Bunbctbare* Herbfttoetter beflünftigt« den ge» Krisen P I« r dem a rk t in Gieh« n und trug nutzt wenig bei zu dem Karlen Oluf trieb an IXtteR und zu dem Massenbesuch an Menschen. Folgende Zahlen zeigen erfreultdxmnc^c eine stete Istifwärtsbewegung d-< Auftr.ebes. Herbft- pserdemartt 1927 ' 244 Pferd« und 20 .Wen, Heuer 410 Pferde und 37 Fohlen. Luch der Vergleich mit unserer Lachbarstadt Marburg zeigt für heften ein günstiges Bild: dort betrug bei dem dieser läge sta«gehabten Pserdemarlt der Auftrieb nur 185 Pferde und 18 Fohlen. Das vorzügliche Pferdematcrial. hruptsächllch in to:- ren Belgiern und Oldenburgern, wurde ölige- mein lodend anerkannt. Kenner wollen kflgdtellt haben, daft das Material infolge energischer Duvchzucht säst mit federn Markt besser werde, hierzu trage auch in erster Linie der Gietzener Pferdemarrt bei. die Züchter der Wetterau und des Lahntales seien auf der Höhe.
Bei dem großen Auftrieb und der starken Beteiligung an der Prämiierung war es auher- nrdentllch günstig für die Abwicklung der Preisbewertung. dah Die MarktkommisfIon einen zweiten Hing für die Vorführung hatte anlegen lassen. Das bot für die Zuschauer eine bessere lieberficht und die Preisrichter konnten ihre Av- beit gründlicher auSführen Si« hatten es dicS- mai nicht leicht, vom Guten daS Beste heraus- zusuchen, und mußten zu ihrem Bedauern manch gutes l er leer auSgehen lassen: aber die Pra- miierungsgelder haben auch ihre Grenzen Der eine Hing biente den leichten Warmbluttieren, der andere den schweren Belgiern zur Vorführung Sin zweiter Umstand, die Erweiterung des MarktplayeS in westlicher Hichtung. kam dem MarEtbetr.eb sehr zustatten. Die Händler und Käufer hatten bei der Vorführung der Tiere Bitt mehr Bewegungsfreiheit wie seicher.
Zum Verkauf standen 410 Pferde und 37 Fohlen. Besonders war gutes Zuchtmaterial der Oldenburger und der schweren Belgier Hasse vorhanden. Bei flauem Handel waren die Preise recht hoch, besonders bei schweren Belgiern. 3e nach Güte de- Pferdes wurden 1500 bis 3000 Mk verlangt, für Saugfohlen wurden Preise von 300 Mk. gefordert Die Forderungen der Händler und Züchter standen zu der Geldknappheit, die besonders unter der Landbevölkerung hrrscht. in starkem Gegensah. Ss mögen auch die Futter- sorgen dazu beigetragen haben, die Orummet- ernte war knapp. Grün futter gibt es Infolge der Trockenheit feit Wochen nicht mehr, und der Bauer muh bereits fein Dörrfutter oder die Dickwurzeln angreifen. Da scheut er sich vor Heu- ankäusen. Trotz de» gutes Marktbesuches wurde auch beim Hbf ah der Pferdernarktlose genagt
Die Prämlierungskvmmtssion setzte sich auS folgenden Herren zusammen: Landstall- meister Hertel. Landftallmeister L H. Schär ke. Vertreter de» LandwirtschaftSkammer-AuSschusses für Oberhessen Ocfonomwrat Breidenbach (Dorheim). Oetonomierat Müller (Aeuhof). Ocfonomierat Weih (Hof Grast). Oberveterinär- rat Dr Modde (Dkhen), Hittmeifter Qet- pold (Müuzenberg) und Landwirt Otto Schneider (Utphe)
Ergebnis der Prämiierung.
Hing 1. 108 Tier«:
A Arbeit»! chläg« (schwere) paarweise zu prämi eren: l.Prei» 60 Mk., Fuchsstuten von August Frensdort Giesten: 3. Preise te 30 Mk.. .Fuchsstute und Wallach von Jul. Kaufmann, Rteder-Weisel und S. Michel. Giesten.
B. Schwere A rbe it S s chlä ge. einzeln zu prämiieren: 1. Preis. 40 Mk.. 3uL Kaufmann. Rieder-Wrifel; 2. PrciS, 30 Mark. Aug. Frensdorf. (Dieben; 3. Preis. 20 Mark. A. Stern. Wetter: 4. Preis, 15 Mk.. S. Michel. Diesten. _______
C. Schwere ArbeitSfchläge. einzeln zu prämiieren: Diese Pferde muffen mindestens S Monate im B-efitz von Landwirten fein, die dem Landespferdezuchtverein oder einem landwirtfchaftlichen DezirkSverein auch preustifchen angehören. 1. Preis. 40 Mark. Hudols 6h. Dorn-Affenhelm. 2 Preis. 30 Mk, Richard Becker- Trais-Horloff: 3. Preis. 20 Mk.. Ludwig Heufer. Riedcr-Weifcl; 4. Preis. 15 Mk. Hch. Dreut II Griedel. Anerkennungen: Gg. Kistler 11.. Rieder-Weifel: Hch Pfarrer. WeckeSheim: Wenzel MaaS. Ww. Rieder-Wei- fel: Ferd Diehl II. und ®g. Sichler. Dvrn- Affenheim
I). Schwere ArbeitSfchläge. paarweise zu prämiieren: (Bedingung wie vorher ) 1. Preis. 40 Mk.. Hich. Becker. TraiS- Horloff: 2. Preis. 30 Wk. Ferd Diehl II.. Dorn-Affenheim: 3. Preis. 20 Wk.. Wenzel Maas. Ww.. Rieder-Deisel; Anerkennung: Hch. Wallbott XII., Garbenteich
L Dreijährige Fohlen, geboren 1 925. Arbeitsfchläae. (Bedingung wie vorher.) 1. Preis. 30 Mk.. W. K Müller, Griedel: 2. Preis. 20 Mk.. Konr. WUh. Jung. Lang-Göns: 3. Preis. 15 Wk.. Daniel Bender. Hofgut Griedel: Anerkennung: Heinr. Wall- bott XII., Darbenteich.
F. Zweij ähr ige Fohlen, geb. 1926. ArbeitSfchläge. Diese Tiere müssen mindesten» 6 Monate im Besitze von Landwirten fein, bu dein hessischen LandeSp'erdezuchtverein, des en Unterabteilungen ober einem landwirtschaftlichen Bezirksverein der anfchliestenden preustifchen Gebietsteile angehöven. 1. Preis. 30 Mk. H. Stau Ww.. Grosten-Bufeck: 2. Preis. 20 Mk.. Ivh. Tobias Bommer»h:im, Dorn-Asten - beim; 3. Pvei». 15 Wk.. Karl Schäfer. Inheiden: Anerkennungen: Ju!.Schepp. Griedel, und Adam Hofmann. LangSdori.
G. Zuchtstuten mit Saugf ohlen oder mehreren Rachkommen. ArbeitS- fchl ä gc. (Bedingunsen wie vorher) 1. Preis. 50 Wk.. Hch Krämer I.. LangSdorf: 2 Preis. 40 Wk.. Hch. Dreut II.. Griedel: 3. Preis. 30Mk., Daniel Dender. Hofgut Griedel: 4. Preis, 20 Mk.. Karl Schütz. Oberflecn.
H. Zuchtstuten, nachweislich 1928 gc- deckt oder erkennbar tragend. Arbeit ssch läge. (Beringung wie vorher.) 1. Preise, je 50 Mk.. "Richard "Becker. Trais- Horloff. und Rudolf Sst. Dorn-Assenheim: 2. PrerS. 40 Mk.. Ludwig Häuser. Rieder-Weisel: 3. Preis. 30 Wk.. Heinrich Dreut II.. ® riebet; 4. Preis. 20 Mk. Ferdinand Diehl II.. Dorn- As enheim: Hrertermungen: Ludwig Klein. Wohnbach. Gg. Kistler I., Rieder-Weifel: 3. T. BommerSheirn. Dorn-Affen heim und Hch. Pfarrer. WeckeSheim.
Hing II 138 Tiere:
Reitpferde, unter dem Reiter gezeigt 1. Preis, 20 Wart, 4jährige braune Stute, Besitzer Hch. Hofmann. Dergermühte: 2. Preise je 10 Mark, 9iähr. Rappslute, Besitzer Herrn. Bissel, Griedel und 6jährige braune Stute, Besitzer Karl Psannmüller. Dorf-Gill: Anerkennungen mit je 5 Mark 5jährige. dunkelbraune Stute, Besitzer Hern,. Schott. Griedel und 3jähriger. brauner Hengst, Besatzer Klingelhöser. Bruckerhof.
Wagenschläge paarweise zu prämiieren. 1. Preis, 60 Mark, 4 und 5jährige Rappstuten, Besitzer 3ul Kaufmann, Rieder-Weisel: Anerkennung 10 Mark, 4jährige, braune Stuten, Besitzer S. Wichel, Giesten.
Arbeitsschläge (leichte), paarweise zu prämiieren. 1. Preis, 60 Mark, 5jährige Fuchs- ftuten, Besitzer Aug. FrenSdorf, Giesten: 2. Preis. 40 Mark, 4jährige braune Stuten. Besitzer 3uL Kaufmann, Rieder-Weisel: 3. Preis. 30 Mark, 4jährige. braune Stuten, Besitzer ©ebr. Isenberg. Diesten; 4. Preis, 20 Mark, 5jährige, gelbbraune Stuten, Besitzer S. Roth Frankfurt (Main): Anerkennung 5 Mark, 5jäyrige FuchS- stuten, Besitzer Alb. Stern, Wetter.
Leichte Arbeitsschläge. einzeln zu prämiieren: 1. Pvcis, 40 Mk. 4jährig?r brauner Wal- l«b Besitzer Julius Kaufmann. Rieder-Wei'e»; 2. Prrie 30 Mk. 5iährige Fuchsftutc. Besitzer Aug Frensdorf.Diesten^ 3. Pre>S. 20Ml. 4iährige bunteibraune Stute. Beicher Leopold Roth. 21k- ber-i?bmen. 4. Preis. 15 Wk.. 3iäbrige Fuchsstute. Bei der Aug Frensdo^s. Diesten: "Zlnerkennunaen mit ie 5 RN. iiähriger brauner Wallach. Be- fitzer Aua. FrenSdorf. Diesten, und 5jährige gelbbraune Stute. Besitzer 6 Roth. Frankfurt a M.
Leichte ArbeitSfchläge. einzeln zu prämiieren. Diese Pferde müffen mindestens 6 Monate im Besttz non Landwirten fetal, dre dem Hristschen Landesp!erdezuchtver.i:'. dessen Unterabteilungen oder einem landwtrischasllichcn Brzirksverein der anfchliestenden preustifchen Gebietsteile angehören. 1. Preis. 40 OKL. 9jährige dunkelbraune Stute. Vcsttzer Gg Hch. Bender. Dorf-Gill. 2. Preis. 30 Mk 4jübrige braune Stute. Besitzer Wild Wächter II.. Sambach. 3. Preis. 20 BL. 5jährige braune Stute, Besitzer H. K. Strastheim. Snedel; 4. Preis. 15 Mk.. 3jährige dunkelbraune Stelle. "Besitzer K Rühl. ®bcritdbt; Anerkennungen mit je 5 Rkk.: stjähnge braune Stute. Besitzer Ant. Belten XVI., Lang-DönS; 6jährige dunkelbraune Stute, Bescher Ludw. Peppter. Hörns- bemt; 3jährige braune Stute. Besitzer Hch Fenchel. Griedel, und 4jährige braune Stute, Besitzer W. Weih. Srosten-Linden.
Leichte Arbeitsschläge, paarweise zu prämiieren. (Bedingungen wie vorder). 1. Preis 40 Mark: bjährtge Stute und Wallach, Besitzer Rud. Beith (Heuchelheim, Wetterou»: 2. Preis 30 Mark, 5- und 11jährige bjaune einten, Besitzer H. Ä. Slraftheim (Griedel), 3. Preis 20 Mark, 4- und 5jährige braune 6tuten, Besitzer D Weist (Grasten. Linden); Anerkennungen mit je 5 TI rk, 9- und Siährige braune Stuten, Besitzer Anton Selten XVI (Lang-Gons); 3- und 10jährige braune Stuten, Besitzer Martin Schmidt (Dors-Gill >: 3- und 5>ahr. braune Stuten, Besitzer ft Mest (Butzbach); 4|ahr. dunkelbrauner Wallach und 5jährige «tute, Besitzer Hch. Seipp (Trais-Münzenberg): 4- und ü-jährige braune Stuten, Besitzer Ludwig Peppler (Hörnsheim).
Dreijährige Fohlen, geboren 1925, Wagenschläge, (Bedingung wie vorher). 1. Preis, 30 Mark, dunkelbraune Stute, Besitzer St. Rühl (dberftabt); 2. Preis. 20 Mark, Fuchs- wallach, Besitzer stfingclhöfer (Bruckerhof); 3. Pr, 15 Mark, braune Stute, Besitzer Hch Will). Fenchel (Griedel).: 4 Preis, 10 Mark, braune Stute, Be- sitzcr ft. Mest (Butzbach).
Zweijährige Fohlen, geboren 1926, Wagenschläge, (Bedingung wie vorher). 1 Preis 30 Mark, braune Stute, Besitzer Hugo Strastheim (Griedel); 2. Preis 20 Mark, brauner Wallach, Besitzer Rudolf Beith, (Heuchelheim, Wetterau); 3. Preis 15 Mark, brauner Wallach, Besitzer Otto Roth (Steinheim).
Zucht st uten mit 6au$ fohlen oder mehreren Nachkommen, ®agepld)lage, (Bedingung wie vorher). 1. Preis 50 Mark, ('jährige dunkelbraune Stute, Besitzer Georg Hch Bender (Dorf-Gill); 2. Preis 40 Mark, 11 jährige braune Stute, Besitzer Herrn, ft. Strastheim (Griedel): 3. Preis 30 Mark, 15sährige Rappstute mit drei Fohlen (4sähr. Wallach und 3- und jährige Stuten), Besitzer W Bingel ((Brimingen); 4. Preis 20 Mark, fijähriger Rappen, Besitzer Dan. Bender (Hofgut Griedel); 5. Preis 10 Mark, 5jährige dunkelbraune Stute, Besitzer Fr Hermann Schott (Griedel).
3 u d) t ft u t e n , nachweislich in 1928 gedeckt oder erkennbar tragend, Wagenschläge, (Bedingung wie vorher). 1. Preis 50 Mark, 4jährige braune Stute, Besitzer Heinrich Hofmann (Bergermühle): 2 Preis 40 Mark, 5jährige braune Stute, Besitzer An ton Besten XVI (Lang Göns); 3. Preis 30 Mark, fijähriger Rappen, Besitzer Dan. Bender (Hofgut Griedel): 4 Preis 20 Mark, 9'ährlge Rannftute, Besitzer H. Vissel (Griedel): 5. Preise zu je 10 Mk., 4jährige Rappftute, Besitzer ft. Lich (Londorf), 6jährige braune Stute, Besitzer Rud. Beith (Heu-
Verhängnisse.
Vornan von Liesbel Dill.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)
31. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„3dj habe dir immer vor meinem Ende alles schreiben wollen: ich wustte ja nicht, ob wir uns noch einmal Wiedersehen würden, und schob cs immer wieder hinaus. Nun weist ich es, dah ee mit mir nicht mehr lange bauert Nein, bitte, Charles. keine Redensarten, ich habe meinen Fall studiert. Cr ist hoffnungslos. Mir blüht die Anstalt oder ein — Gchirnfchlag nennt man das. Cs tut nicht weh. Man fällt um, irgendwo, auf der Strafte, im Hausflur. Oder man besorgt es selbst. Du kannst dir denken, haft ich das letztere oorziehe. Also ich habe dir schreiben wollen, was ich auf dem Gc wissen habe, aber immer, wenn ich mich dazu hin- setzte, kam mir kein Buchstabe aus der Feder. Cs ist nicht leicht, wenn man eine Schuld bekennen soll, aber es ist sehr schwer, wenn man mit diesem Bekenntnis einen anderen belastet. Und das hatte ich getan."
Ur brach ab, als ob er innerlich etwas verarbeitete, mit dem er nicht fertig werden könnte. „Ich muft aber von dir erst ein Versprechen haben, Charles. , . .
„Gern. RenL. Was soll ich dir verstechen?
„Tu muftt mir dein Wort geben, daft die Person, um die e» sich jetzt handelt, nie ein Dort davon erfährt, was ich dir jetzt sage."
„Aber das ist doch seldstverstandstch, lieber RenL-
„Rein, das ist nicht felbftneritänbhd). Rachher vergift! sich das nämlich. Ich verlange einen schwur."
„Denn ich dir mein Dort gebe, zu schweigen, io halte ich das auch", sagte Charles, und er reichte bem Freunde die Hand.
Rens sah ihn an. Sie hielten einen Augenblick inne. Dann faate Ren6 entschlossen:
„Gut, ich nehme das als deinen Schwur."
Und cr drückte Charles die Hand.
Er ist doch sonderbar geworden, dachte Charles. Wie ernst er auf einmal alles nimmt, was er früher fo leicht nahm. Wahrscheinlich kam jetzt eine Deichte, in der irgendein Frauenzimmer ober sein« untreue Frau eine Roll« spielte. Aber wenn es ihn erleichterte, immerhin. Cr sah RenL schweigend und ermartungsDoU an.
,Lch habe mich, als ich euch damals oeriieft", begann Rens, „nach Marokko gemeldet, um mög
lichst weit fortzukommen. 3ch war durch einen unglücklichen Zufall zum Zusehen verdammt und — tum Schweigen. Mit zusammengebissenen Zähnen habe ich es getan. Dieses Schweigen hat mich mehr gekostet, als das ganze Leben wett ist, das kannst du mir glauben. Denn ich war immer für rasche Taten und Offenheit. Und Feigheit ist mir immer das Verächtlichste gewesen, was es für einen Mann gab. Aber es gibt Fälle, die so verzweifelt hegen, daft man sie mit Offenheit nur noch kompliziert. So stand cs damals mit mir. Als ich nach Marokko ging, dachte ich. nun liegt alles hinter mir. Aber ich nahm es mit, denn, wenn man auch leichten Herzens manches abzuschütteln verstanden hat, es gibt Dinge, die setzen sich in uns fest, die trägt man mit sich, die wird man nie los, die nimmt man auch mit in sein Grab. Und ich hätte sie mitgenommen, wenn uns der Zufall nicht heute zu- einanbergeführt hätte. Ich habe es dir nicht sagen dürfen und hab' es nicht schreiben können, ich hab' es auf den Zufall ankommen lassen. Vor.meinem Ende hätte ich dir alles gesagt im Briefe. Aber nun bist du gekommen. Das ist sonderbar, daft du hierher gereift kommst und wir uns an meinem letzten Abend begegnet sind. Und nur durch eine Ungeschicklichkeit meines Dieners. Er (lieft dich an, und du drehtest dich um und erkanntest mich."
Renä legte den Brief mit dem Testament auf den Tisch. Er atmete mühsam und schwer.
„Sag', Charles, ist dir nie ein Zweifel gekommen, ein verdacht .. .*
„Ein verdacht? Das für ein verdacht?"
„Gegen mich?"
„Wieso, was meinst du bamii?"
„£u roeiftt also nicht, hast nie etwas gewustt, Charles?"
„Rein, was soll ich denn gewustt haben?"
„Ich meine, ist dir nie der Gedanke gekommen, i ch könnte in irgendeinem Zusammenhänge stehen mit dem Morde an der Longerille?"
Charles reckte sich auf. lieber seine breite, hohe Stirn lief es wie eine Flamme. Seme Augen schauten Rens entsetzt an.
..Rens!" stammelte er. „Du? Rein, das ist unmöglich ... Du mtt der Songern Qe? Aber der Mörder ist ja gefunden! Er hat gestanden. Er ist tot!"
„Das weist ich alles. Chatt es. Ich habe den Pro- zest verfolgt. Durch alle Blätter lief er ja. Bis nach Marokko lief er mir nach. Immer habe Ich auf dem Sprunge gesessen: jetzt rufen sie mich, jetzt packen sie zu, aber---Artemis mit der Binde
vor den Äugen ..."
„Um Gottes willen. Ren<>" rief Charles, schau- dernd von der Vorstellung, dast sein« Freund«
Hönde mit dieser Tat besudelt sein könnten. „Du hast doch nicht etwa selbst--"
„Richt so, Charles Aber ich bin daran schuld, daft deine Frau mit hineingeriet. Ich, ja, ich. Starr’ mich nur an; ich gesteh' es dir beute. Ich will dir alles sagen, ohne Schminke. Setz dich her. Chatt«, und hör' mich an. Hier liegt meine Pistole --wir können uns nicht mehr duellieren-- ein Mann ohne Beine, das geht nicht mehr. Ich bin ,hors de concours*, wie mir eine Freundin neulich sagte, ich zähle nicht mehr. Ich bin schon halb gestorben, aber bu bist noch da."
lieber Charles Racken lief ein leichter Schauer. Es begann ihm eine dumpfe Ahnung aufzufteigen, daft etwas Entsetzliches in dem Geständnis feines Freundes sei, das ihn vernichten wurde.
Und plötzlich dachte er an Odette. Er sah fie Ins Theater aehen, auf der Treppe, ruhig, lädjdnb, heiter in Dem weiften Kleide mit dem roten »jran- fenschal um die Schustern und dem goldenen SUmm in dem glatten, schwarzen Haar. Sie stand auf Der Theatcrtreppe und lächelte. Sie war jetzt in der Oper . . (Lärmen mit der roten Nelke und das Messer ... wie sagte Rens vorhin ... das dem wirklichen Helden immer fo lose im Gürtel fitze, em Kampf, ein stolzer Torero, der dem Parkett die blitzenden Zähne zeigt, und wenn er Carmen er- sticht, so klatschen sie Beifall.
Charles packte den Freund bet den Schultern: „Sprich, was hast du denn getan? Hast du die Longcoille ..."
Rette schütelte den ftopf. ..Rein, Charles, das hat der Herr aus Marseille besorgt, nicht ich."
„Aber ihr habt müeinanber in Beziehungen ge- standen, du und der fterl?" fliest Charles hervor.
„Auch das nicht; ich hatte nie eine Ahnung von feiner Existenz Und deine Frau auch nicht, aber in der Gewitternacht war sie ... nicht bei ihrer Tante im Hause ..."
Charles stutzte. „Sondern?" sagte er ruhig und kalt, indem er sich aufrichtete. Er stand da, bereit, ein Fechter, der den letzten Hieb erwartet.
Die beiden sahen sich an, stumm.
Irgendwo tickte fein und silbern eine Pendüte. (Beigenftimmen fangen im Parke.
„Sie war tn meinem Hause, Charles."
Charles trat einen Schritt zuerück. „3n deinem Haufe? fragte er heiser. ,Ln jener Nacht?"
Stent nickte.
,^as Licht, das deine Mutter hinter meinen Läden gesehen hat. war da ... Es stimmt schon. Und wenn sie vorher schon öfters Licht gesehen hat, so war eben doch jemand dort im Hause. Das stimmt alles."
cheldeim. Wetterau), 4jährige dunkelbraune Stute, Besitzer Hch Seipp (Trais Münrenbera), 5jährige braune Stute, Belitz, r ft. Mest tPiltzbach). 4|äbriq< braune Stute, Besitzer D Wächter tGawdach); 2lnerfennungen nut je 5 Mark. Hahrige braune Stute, Besitzer Jakob Winter tRieder Deisel) und 5jährige dunkelbraune Stufe, Besttzer D. Philippi (Trais-Münzenberg).
Wirlschast.
Rrcbifhilfe
für die mittlere und kleinere Industrie.
Kaum ist in der in der letzten Woche abge- haltenen Sitzung d.-s Rcichsverl".nde4 der Deutschen 3nbuünc über den Plan der unmittelbar vor den, Abschluß fkbuben Gründung einer .Zentralbank zur Vefcha.smrg langfristiger Kredite für die mittlere und kleinere 'Industrie" berichtet worden, so kommt —wie gestern von uns bereits kurz berichtet schon wieder Mc Kunde von der GrÜndu ig eines neuen § i - nanzierungeinstitutv sür Industrie- b V P o t h e k e n für die mittlere und Heinere Industrie, der General Mortgage and Credit- Corporation" durch eine Vrnkengruppe. der auf amerikanischer Seite die Chas« Securities Corp. und Halsen. Stuart & Co und auf deutscher Leite die Commerz- und Privatbank angeboren.
Wä-rend über die öiu^clbetten der Gründung der Zentralbank und her Art ihrer Kredit- beblnaungeu leider noch nichts bekannt ist, fleben die Einzelheiten bei der Amerikagründung der Contmcrzbank im groben und ganzeir fest. Danach besteht der Zweck dieser Gesellschaft in der Hergabe langfristiger Kredite an industrielle Unternehmen mittleren Umfange-, sowie an landwirtschaftliche Betriebe, soweit mit diesen industrielle Unternehmungen verbunden sind. Das Kapital der Gesellschaft wird 5 Millionen Dollar Vorzugsaktien betragen mit der Verechtiguna, den fünffachen Betrag des Kapital- in Obligationen auvzugeben Die Darlehnr sollen an deutsche ftreoihicbmer tn Doldmark gegeben werden, und zwar im allgemeinen gegen erststellige hypothekarische Licherungen. Bei der Gescllschast foll ferner daS Prinzip einer direkten Beteiligung der kreditnehmenden Streife an der Gesellschaft durch llcbernabme von Vorzugsaktien und Ltanimaktien (es sollen aufierbtm 100 020 Stamm« dltien ohne Rennwert geschaffen werden» verfolgt werden. Weitere Meldungen wollen bereit» wissen, hast den deuttchen Kreditnehmern die Kreditgcknmg auf etwa 9 Prozent zu stehen komme und zunächst ein Abschnitt von 25 Millionen Dollar für 10 Jahre nach Deutschland gelegt werden soll.
Damit führt die Commerzbank ihre Politik der Unterstützung der mittleren und kleineren Industrie (wie bei der früheren Dvllaranleih«) konseguent weiter, ähnlich wie die Deuttche Dank durch die bekannte 25 Willionen-Dollar-Anleihe im Herbst vorigen Jahres. Einzelheiten über die Gründung der Zentraldanr stnd, wie erwähnt, zwar noch nicht bekannt, es wird jedoch davon gesprochen, dah sich die neue Bank ander der Krcditg. U'ähiuna gegen Hypotheken auch mit dem Problem der hypothekarischen Deleibuna von Maschinen belasten werde. Schon im Hinblick auf diese interessante Frage sieht man dem Gr- fcheitten deS VrÜndungscommuniquLs der Dank mit begreifllxbem Interesse entgegen.
Zusammengefaftt *rigt die ganze GntwicUung in der Kreditgewährung an die mittlere und kleinere Industrie jedenfalls, dah die Richtung der Kapitalkonzentration tn der Industrie sich mehr und mehr zu Gunsten der mittleren und kleineren Industrie verschiebt. DieS ist umsomehr zu begrüben, als die mittlere und kleinere Industrie bei der Ausnahme von Ausländsanleihen bisher zu kurz glommen ist, weil ihren Unternehmungen Me Gröhe
Odcttc, Odctte! Charles' Fäuste lösten sich. Er halle einen Hieb nach dem Herzen erhalten. Er atmete kurz. Sein Herz ging in Stößen. Die Sprache verschlug ihm
„Und wie lange ist das her?” keuchte er. „Dann habt ihr rud) so gesehen; wie lanae liebt ihr euch?"
IRcnd schwieg „Wozu bas alles sagen, Charles? Ist es nicht gleichgültig, ob wir uns einmal gesehen haben ober mehrmals?"
„Du hast sie verführt", sagte Charles tonlos.
Ren6 schwieg.
„Dte du alle Frauen verfuhrt hast, und dann hast du fie verlassen, nicht wahr? Das war so deine Manier."
„Rein. Charles, nicht mit Odette. Ich will gern die Schuld auf mich nehmen, sie verführt zu haben. Sie gefiel mir. Es ist eine Frau, die mehr wert ist als die anderen, eine wundervolle Frau. Und ich habe ron dir das Ehrenwort, daft (ie nie ein Wort von dem erfährt, was zwischen uns gesprochen wurde, hörst du. Charles?"
Charles knirschte mit den Zähnen. Cr wand sich wie unter einem Pettschenschlag. Lr sprang auf und wanderte in dem Zimmer hin und her, die Hande in bie Taschen gesteckt, auf und ab, wie ein Tiger Im Käfig Zuweilen blieb er stehen, reckte fern« Amte, wie. um eine unerträgliche Last abzuwerfen, und (trieb sich das Haar zurück. „Ich Harr, ich Narr", ftieft er hervor.
..Es ist alles solange her, Charles, und es kam damals so rasch, dieser unselige Abend, das Gewitter. Und bu warst auf der Jagd."
„Nun, das muft euch doch sehr gelegen gekommen fein", höhnte Charles, „daft ich, der Tölpel, auf die Jagd ging. Die bequem. Und bie Tante, die rinlam am Wallte wohnte, die man besuchte. Oh, ich erinnere mich jetzt. Sie ging oft zu dieser Tonic am Abend. Und meine Mutter hatte bann .Visionen' und Iah .Lichf durch das leere Haus wandern, und wir lachten über ihre Visionen."
Plötzlich stand er still vor Rens. „Sie ist am Abend also gar nutzt bei der Longeoille gewesen?"
„Rem, sie ging nur bis an den Waldrand und kam dann zurück durch bie enge Gaste in mem Haus. Sie hatte ja den zweiten Schlüssel; fie konnte ungesehen durch den Keller herein.
Charles fdjlug sich vor bie Stirn. „Richtig, dieser zweite Schlussel wurde eines Tages in deinem Garten aefunb.-r. Die kam er dorthin? Gib mir Antwort, 3ten<!"
„Sie hat ihn über die Mauer geworfen, als btt Gerichtskommstfion ins Haus kam, die Haussuchung hielt."
(Fortsetzung folgt.)


