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Nr. I4Z Lrfter Blatt

178. Jahrgang

Mittwoch, 20. Juni 1928

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K«schrift für Drahttiach- richten: Ästiger Oietze«.

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trnffurtam Main 11884.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dmd und Verla-: VrLhl'sche U«wersi1Ltr»v«ch. ewö Sfetiörnderet K Lan-r tu Gießen. Schrtfllettmi- inö Geschäftrstelle: Zchnlstraße 7.

L»ah»e »en Snjeiacn ftr die laqetnummer Dis -am Rachminag vorher.

Preis fbr 1 mm höhe für Anzeiien von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspsenmg, für R idflmeanjngen von 70 mm Brett, 35 Rrichspsennig, Platz Vorschrift 20' . mehr.

Ihefredakleur

Dr. Friede. Will) Longe. Deranttoortlich für TolihN Dr. Fr Will) Lange für Feuilleton Dr H.2hyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für ben An­zeigenteil fiurt Hillman«, fämtfid) in Wietzen

Schwierigkeiten der Regierungsbildung.

Unmögliche Mdhoden.

Don unferer Berliner Lebaktion.

Das Einzige, was Hermann Müller bei feinen Versuchen zur Regierungsbildung bisher er­reicht bat, ist, daß er eine ganze kostbare Woche ver­trödelte, ohne auch nur einen Schritt vorwärts zu kommen. Er wollte uns zeigen, wie die Sozialdemo­kraten es fertig bringen, im Handumdrehen ein Robinett auf die Beine zu stellen, er hat uns aber bisher nur gezeigt, daß auch er ben Fallstricken nicht auszuweichen vermochte, die im deutlchen xl<ar lament allen Kanzlerkandidaten gelegt sind, und die nach den Dahlen natürlich besonders kräftig gedreht sind.

E« ist immer wieder anzuerkennen, daß er sehr vernünftig anfing, indem er nicht nut den Widerspruch seine« linken Flügels, sondern tat­sächlich seiner gesamten Fraktion von 150 Mann au-schaltete und sich unbegrenzte Voll­macht geben lieh. Er brauchte nur hinzugehen, f i d) feine Minister auSzusuchen. mit ihnen eine Erklärung auszuarbeiten und sich dann b n r den Reichstag zu steilen wahr­scheinlich würde niemand gewagt haben, ihm auf Anhieb ein Mißtrauensvotum auszustellen, und er hätte bann bis zum Herbst Gelegenheit ge­habt. die Fähigkeiten seine« Kabinett« zu zeigen. Statt dessen ift er ben ilmtoeg über bie Fraktionen gegangen, bat geradezu betau«- gesordert. daß ihm Programme überreicht wurden. Unb wa« ist dabei herauSgekommen? Die Parteien haben sich sämtlicher Versprechun­gen. bie sie tm Wahlkampf machten, erinnert, ja geradezu erinnern müssen, haben diese Der- fprechungen fein säuberlich untereinander gereiht unb daraus Forderungen gemacht, die sie dem neuen Kabinett präsentierten, so daß also schließlich nicht da«, wa« vielleicht eine gemein­same Zusammenarbeit ermöglicht, in den Vor­dergrund geschoben wurde, sondern gerade daS. wa« die Parteien trennt. Die Demokraten sind ausgesprochene Umtarier. die Bayern eben­so ausgesprochene Parlikulariften. die ängstlich über jedes kleinste Recht der Länder wachen. Zwischen diese beiben Pole von Fraktion« wegen eine Reich« Verwaltungsreform zu konstruieren, ist eine glatte Unmöglichkeit. Die Sozialdemokraten verlangen Senkung der Steuern zugunsten der kleinen Steuerzahler und höhere Belastung der großen Steuerzahler. Die Deutsche DolkSpariei will mehr die mittleren Schichten entlasten und die Kapitalbildung dadurch erleichtern, das Zen­trum will oic Konfessionsschule, die Sozialdemo­kraten wollen die weltliche Schule: diese Aus­zählung ließe sich vervielfältigen, fic zeigt aber schon, wie unüberbrückbar die Widersprüche find, sobald von Fraktion zu Fraktion verhandelt wird.

Ist e« mchl endlich an der Zeit, daran zu erinnern, daß dieser Weg einer Regierungs­bildung in schroffem Widerspruch zu unterer Verfassung steht? Wenn ein Ka­binett überhaupt Bewegungsfreiheit und Ver­antwortungsgefühl haben soll, dann kann da« nur to gemacht werden, daß der Reichs­präsident den Reichskanzler beruft und auf dessen Vorschlag die Minister er­nennt . die sich der Kanzler aussucht und die bann im Rahmen der gegebenen Partei­konstellation praktische Arbeit zu leisten suchen. Kommen wir aber immer wieder darauf zurück, daß die Regierung nur ein Voll­zugsausschuß einzelner Frak tionen sein soll, bann werden wir jedesmal dieselben traurigen Erfahrungen wieder machen. Unb Hermann Müller ist auf dem besten Wege, da­für einen neuen Beleg zu schaffen

Verhandlungspause.

Berlin. 19. Juni. iVDZ.) 3m Reichstage setzte Abgeordneter Muller-Franken am Dienstag gegen 11 Uhr feine Besprechungen mit den Verhandlungskommissionen der sozialdemokratischen, der demokratischen, der Zentrumsfraktion unb den Fraktionen der Deut­schen und der Bayrischen Dollspartei fort Die Besprechungen waren um 12 < ästhr beendet. Ihren Gegenstand bildeten bie Fragen bet Reichswehr, bet Amnestie und bes Versaftun^s» tage«. In allen diesen Fragen zeigten sich ie- doch ei' «»eilen unverbindliche Schwie­rigkeiten. So hat sich über die Frage des neuen Panzerkreuzers, dessen Baubeginn von dem alten Reichstag bis zum Herbst ver­schoben worden ist. eine Einigung nicht erzielen lassen. Auch in der Frage der Amnestie zeigten sich Gegensätze. Grundsätzlich waren alle Parteien für eine Amnestie, und zwar wurde eine solche von einem Teil der Parteien sofort, von anderen erst für den Herbst ge­wünscht. Die Bayrische Vollspartei lehnte je­doch eine Reichsamnestie rundweg ab, da sie der Meinung ist. daß ein Straferlaß ausschließlich Sache der Iustizhoheit der Länder sei. Bei den Schulfragen zeigten sich keine Schwierigkeiten mehr.

Die Lerhandlungen, die heute ftattfanben, bildeten gewissermaßen den Abschluß der ersten Lesung des künftigen Regierungsprogramms. Der Abgeordnete Müller-Franken beabsichtigt, auf Grund der bis- berigen Ergebnisse dieser Verhandlungen, d i e Grundzüge eines Regierungspro- Stamms zu formulieren, das er bei Unterhand­

lungen mit den Parteien, die am Mittwochnach mlttaa fortgesetzt werden, den Fraktionen oorlegen will. Um dem 'Jlbfl. Müller für diese Arbeiten und den Fraktionen für ihre ferneren Besprechungen über das bisherige Verhandlungsergebnis Zeit zu lasten, bleiben der Dienstagnachmlttag und der Mitt- wochoormittag oerhandlungssrel.

Ein sozialdemokratischer Vefchluß

Berlin, 19. Juni. (D. D. Z.) Die sozialderno- kratische Reichstagsfraktion nahm am Dienstagnach­mittag den Bericht ihrer Unterhändler über die in­terfraktionellen Verhandlungen zur Regierungsbil- düng entgegen. In der Aussprache wurden insbe­sondere die Differenzpunkte erörtert, die In den interfraktionellen Verhandlungen heroorgetreten lind. Abgesehen von der Frage des Baues des PanzerkreuzersA" bestehen diese Differenzen in folgenden Fragen: Während die Sozialdemokratie die sofortige Verabschiedung des im Reichsrat be- fchlosfenen Gesetzentwurfs über die Erklärung des 11. August zum gesetzlichen Feier- t a g verlangt, haben dazu bisher nur das Zen - trum und bie Demokraten ihre grundsätz­liche Zustimmung erflärt. Eine zweite Differenz be­steht in der Frage des Zeitpunktes und des Um­fanges der Amnestie. Auch über die Vorbehalte bei der Ratifizierung des Washingtoner Abkom­mens über den Achtstundentag ist bisher keine Einigung erzielt worden. Stark von einander ab- weichende Anschauungen bestehen auch in der Steuerfrage, wo die Sozialdemokratie die so­fortige Erhöhung des steuerfreien Existenzmini­mums für die kleinen Einkommen verlangt, die Deutsche Dolkspartei baaegen eine Senkung bes Tarifs der mittleren Einkommen fordert. Schließ­lich ist auch bisher keinerlei Verständigung bezüg­lich der Wohnungspolitik erzielt worden. Die Deutsche Dolkspartei oerianat ben weiteren Abbau der Wohnungszwangswirtlchast, bie Sozial­demokratie u. a. Erhaltung des Mieterschutzes unb soziales Miet- unb Wohnrecht. Die Fraktion sprach den Unterhändlern ihr Vertrauen aus unb beauf­tragte sie, bei ben morgigen Verhandlungen auf eine Klärung der Voraussetzungen über die Regierungsbildung zu bringen. Die Fraktion wird am Mittwoch um 7 Uhr zur (Ent- aegennahrne bes weiteren Berichtes ihrer Unter- bönbler roieber zusammentreten.

Günstige Aussichten?

Nach der

ersten Lesung" deö Ncgicrungöprogrammö

Berlin, 19. 3unL (WTB.) In parlamentari­schen Kreisen wird die Situation nach dem ersten Abschnitt der Verhandlungen über da« Regie- rungsprogramin dahin gewertet, daß diese Be- spvechunaen Klarheit darüber geschaf- f e n Haven, in welchen Punkten eine Eini­gung möglich ist und in welchen nicht. Es wird nicht bestritten, daß die Anzahl der Fragen, in denen die Ansichten der Parteien auseinander gehen, recht erheblich ist. Trotz­dem wird in Kreisen, die an ben Verhandlungen beteiligt sind, heute mittag eine zuversicht­lichere Stimmung zum Ausdruck gebracht als m den letzten Tagen. Man geht sogar so­weit. von einer gewissen En t spannung zu sprechen, die allerdings ihre Ursache wohl mehr in einer veränderten Taktik für die wei­teren Verhandlungen hat. DaS Programm, das Hermann Müller auÄarbeiiet, um eS morgen den Parteien vorzulegen, wird ziemlich allge­mein gehalten fein, und man wird voraussicht­lich die Probleme, in denen eine Einigung nicht möglich ist. der späteren Entscheidung des Kabinett« überlassen. Dieser AuSweg würde bedeuten, daß die bisher recht schleppend verlausenen Verhandlungen nun doch in einem beschleunigteren Tempo vvnstatten gehen werden, so wie es ja von allen Seiten immer dringender gefordert wird. Wie weit diese neue Taktik zum Ziel führt, muß allerdings abgewartet werden.

Die Veröffentlichung der Sozialdemokrafte über ihre heutige Fraktionssitzuna wird als ein Druck in der Richtung einer stärkeren Beschleuni­gung der Verhandlungen angesehen. Inzwischen kommen nun auch die Verhandlungen in Preu­ßen in Fluß. Ministerpräsident Braun wird morgen vormittag um 11 Uhr die Vertreter der Landtagssraktion der Deutschen Volks - partei empfangen, und in dieser Besprechung wird nicht nur über den Zeitpunkt der Regie- rungSerweiterung. sondern bereit« über die programmatische Grundlage der Koalition verhandelt werden. In gut unterrich­teten Kreisen des Reichstags kennzeichnet man die Situation im ganzen dahin, daß die noch nicht behobenen Schwierigkeiten zwar nicht zu verhehlen sind. daß aber der Wille zur Verständigung immer deutlicher in die Er­scheinung getreten ist. und somit die Aussichten der Regierungsbildung immerhin zuversichtlicher beurteilt werden Birnen.

Reichspräsident von Hindenburg in Hannover.

Hannover, 20. Juni. (WTB. Funkspruch). Reichspräsident von Hindenburg ist heute morgen in Begleitung von Ministerialrat Dr. Döhle im Salonwagen auf dem hiesigen

Hauptbahnhof eingetroffen, um die Eröff­nung der Strecke Hannover (Mi«- eine (Hildesheim) des Mit- tellanbkanal« vorzunehmen. Zu dem Empfang am Bahnhof hatten sich ReichSverkehrsminister Dr. h. c. Koch. Staatssekretär Gutbrod. Mi­nisterialdirektor V ö h r e, sowie die Spitzen der Behörden unter Führung von Oberpräsident R o « k e eingesunden. Der Reichspräsident bestieg sofort nach seiner Ankunft, vom Publikum leb­haft begrüßt, den Kraftwagen und begab sich mit den ihn begleitenden Herren zunächst nach HildeSheim. um der alten historischen Stadt einen Besuch a dz u statt en.

Die neue Lage in China.

Tie Ziele der Rankingrcgicrung.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 20. Juni. Der zurückgetretene chi­nesische Generallissimu« Tschiangkäischek hat den Oberbefehl über die Südarmeen wieder übernommen. Daraus darf wohl geschlossen wer­den, daß zwischen ihm und der Rankingregie- rung feste De reinbarungen über den künf­tigen innenpolitischen Kurs getroffen worden sind, die in erster Linie dahin gehen, sowohl mit den Generalen xn der Wanschurei als auch mit den um die Kriegsbeute hadernden Generalen Feng und Ben einen friedlichen Ausgl e i ch

herbeizuführen. '211 km Anschein nach will "bie Ranftngregierung eine Fortsetzung deS Bürger­krieges unter allen Umständen vermeiden In ihrem polittfchen Manifest, das sich noch in der Vorbereitung behnbet, aber schon bruchstück­weise der Oeftentlichkeit übergeben wird, legt sie größten Wert auf einen friedlichen Wieder­aufbau. So rasch wtrd sich da« Ziel allerding« md>t erreichen lassen. Roch ist die Frage un­gelöst. wer in Zukunft die Herrschaft in Ehina auSüben soll: daS Militär oder die Zivilverwal­tung. Es gibt z u viele Armeeführer im chinesischen Reich, die da« Dasein selbständiger Landesherren führen und nur geringe Lust zei­gen, sich einer Zentralgewalt unterzuordnen. Ran­ft ng wird wohl zunächst die geschicktesten Diplo­maten hinaussenden müssen, um die Generalität zu bewegen, wenigstens in den wichtigsten An­gelegenheiten sich den Anordnungen der Zivil­verwaltung zu fügen. Den Plan, nun auch mit den Vorrechten der fremden Staaten aufzuräumen, hat Ranftng wieder aufgegeben. Da« ist vielleicht gut so. denn gegen die ge­schlossene Front des Auslandes anzurennen, ist vorläusig nutzlos. Erst wenn die Ordnung im Innern deS Landes wiederhcrgeslellt ist und wenn die Wunden des Bürgerkriege« geheilt sind, wird für China der Zeitpunkt herangekommen sein, sich auch nach außen hin die Geltung zu verschaffen, auf die es angesichts seiner Größe Anspruch erheben darf.

Bremen ehri die drei Ozeanflieger.

Der Einzug in Bremen.

Stürmische Begrüßung durch die Bremer Bevölkerung.

Bremen, 19. 3unL (XU.) Unter ungeheu­rem Jubel der Bevöllerung haben heute mittag die Ozeanflieger ihren Einzug in das festlich ge­schmückte Bremen geb alten. Bereits gegen 10 II br vormittags waren die Straßen, die die mit den Fliegern besetzten Kraftwagen passieren mußten. Fensterplätze, Hausvorsprünge und sonstige gute Sichtstellen von einem zahlreichen Publikum ein­genommen. Die Schulen hatten den Unterricht ausfallen lassen und zahlreiche Kinderscharen mit Fähnchen bevölkerten die Bürgersteige. Ver­schiedentlich waren über die Straßen Bänder mit kurzen Inschriften gezogen. Gegen 10 Uhr vormittags traten die Flieger von Bremer­haven au« in Kraftwagen ihren Triumph­zug an. einen Triumphzug. wie ihn Bremen noch nie erlebt hat. Die Bremerhavener Bevöllerung war vollzählig auf den Beinen und nahm mit lebhaften, nicht endenwollenden Ovattonen Ab­schied von den Fliegern, die auf der Landstraße nach Bremen daS Spalier der ADAE.-Otern- fobrer passiertem Fortwährende Hupensignale. Hurrarufe und wiederholte« Qtbfingcn des Deutschlandliede« gaben Kunde von der un­geheuren Begeisterung der Bevölkerung. Etwa 40 Flugzeuge begleiteten den Kraftwagenzug auf der Fahrt nach Bremen. Aus den umliegenden Dörfern und Ortschaften hatten sich fast voll­zählig die Bewohner eingejunden.

Unter Führung de« Amtshauptmanns Koch. Bremerhaven, traf der Zug schließlich an der bremischen Stadtgrenze in Burg a. d. Lesum ein, wo sich der bremische Polizeiprä­sident Petri nach Begrüßung der Flieger im Auftrage be« Senats der Freien unb Hanse­stadt Bremen an die Spitze des Zuges setzte. Am Doventvr setzte sich die Polizeikapelle und eine berittene Staffel der Schutzpolizei vor unb hinter dem Wagen der Flieger, der sich allmäh­lich durch die festlich geschmückten Straßen dem Marktplatz näherte, der von einer unüber­sehbaren Menschenmenge besetzt war. AlS sich der Wagen der Flieger dem Rolanddenkmal näherte, brach die Menge in begeisterte Hoch- unb Hurrarufe aus. Die Flieger, die in ihrem Wagen von aus ben Fenstern geworfenen Blu­men vollkommen eingebedt waren, bankten durch fortwährendes Grüßen unb Winken für die Kundgebungen. Die Menge durchbrach mehrfach die Polizeiketten, so daß der Zug einige Unter­brechung erfuhr Die Flugzeuge, unter ihnen die .Europa", kreisten forttoübtenb über dem Marktplatz, während sämtliche Kirchen­glocken der Stadt läuteten und die Si­renen aller Werf ten und Fabriken ertönten. Während eine Staffel von 12 Flug­zeugen das Rathaus umfreifte, näherte sich der Zug mit ben Automobilen gegen 12.30 Uhr dem RathauS. vor dem eine Ehrenkornpag- nie der Reichswehr ausgestellt war. Unter dem Läuten der Kirchenglocken unb ben Hoch­rufen bet unübersehbaren Menschenmenge ent­stiegen die Flieger dem vollständig mit Blumen überschütteten Auto. Während ein Vertreter der Stadtverwaltung die Flieger vor der Rathaus- tteppe begrüßte, präsentierte die Ehrenkompag­nie der Reichswehr. Die Ehrengäste versammelten sich inzwischen in der Hinteren Rathaushalle, um sich dann mit ben Fliegern in die alte historische Rathaushalle zu begeben, wo der eigentliche Empfang ftattfinbet

Empfang im Bremer Rathaus.

Die große goldene LtaatSmcdaiUeBremcnS wird den Fliegern verließen.

Bremen, 19. Juni. (WB) In der oberen RathauShalle hieß der Präsident de« Se­nat«, Bürgermeister Dr. Donandt, die Flieger willkommen, die allgemeine Freude des deutschen Volkes über die glückliche Heim­kehr bet wagemutigen Flieger werde nirgend« tiefer empfunden, als in ber bremifchen Bevölke­rung. Bremische Kaufleute haben bie Fahrt gerüstet, und das von Meisterhand erbaute Flugzeug hat ben Ra men .Bremen" durch Sturm und Rebel in die Welt getragen. Durch die Er­fahrungen. die bei diesem Fluge gesammelt wur­den. ist für den weiteren Ausbau des Flug­wesens die unenbehrliche Grundlage geschahen worden, und gewiß ist die Zeit nicht mehr fern, in der ein sicherer Flugverkehr bie Schrank n von Raum unb Zeit in ungeahnter Weise zurück- brängen und bie Völker des Erdballs als Rach- bam zusammenrücken wirb. Der Bürgermeister überreichte jedem der drei Flieger eine große goldene StaatSmedaille, die auf ber Vorderseite das bremische Staatswappen mit der Inschrift: »Der Senat ber Freien und Hanse­stadt Bremen", auf der Rückseite einen Genius und die Worte: .Dem Verdienten" tragen. In ben Rand der massiv goldenen Medaille ist ber Rame deS bedachten Fliegers mit dem Vermerk: .Erster Ost-Wes!-Ozeanslug" und den Daten des Fluges sowie der Heimlehr eingeprägt. Alle drei Flieger dankten bewegt tn kurzen Ansprachen für die Ehrung. Gesangs- und Musikvorttäge be­schlossen bie eindrucksvoll-' Feierlichkeit. Beim Betreten und beim Verlassen des Saales wurden die Flieger von den zahlreichen Anwesenden stürmisch gefeiert. In Anschluß an diese offizielle Feier bot ber Senat ben Fliegern und ihren Angehörigen em Frühstück im engsten Kreise.

HuldigungderEporiverbände

Bremen. 19. Juni. (WTB) Zu einem Volks­fest sellener Art gestaltete sich heute nachmittag der große öffentliche Empfang derBremen" - Flieger durch die Bremer sportlichen Verbände und Vereine im Stadion des Allgemeinen Bremer Turn- und Sportvereins. Rach Tausenden zählten bie Sportler, die mit Hunderten von Dannern inmitten des Stadions Aufstellung nahmen. Die Stahlhelmer bildeten vor dem Eingang zum Stadion Spalier. Die ungefähr 10 000 Personen fassende Tribüne war voll besetzt. Dichte Wenschenmassen umsäumten bas Stadion. Die Flieger hielten gegen 6.30 Uhr unter brausenden Hochrufen ihren Einzug in bas Stadion. Die Feier begann mit einem Musikstück der Reichswehr-Kapelle, worauf ein Gesangs­vortrag von 2000 Sängern folgte. Sodann hieß der Vorsitzende des Bremer Vereins für Luft­fahrt. Landgerichtsdirektor Wilckens, die Flieger in einer Ansprache herzlich willkommen. Die den Fliegern überreichten Ehrendiplome über bie Ehrenmitgliedschaft des Bremer Vereins für Luftfahrt, iowie die Ehrenpkaketten nahmen die Flieger mit kurzen Dankesworten entgegen. Mit wetteren Ansprachen wurden den Helden unter fortwährenden Beifallskundgebungen weitere Ehrungen fettens des Reichsausschusses für Leibesübungen, des ADA. E., sowie für Haupt­mann Köhl auch seitens des Bremer Vereins der Bayern zuteil. Roch lange fluteten riesige Menschenmassen durch die Straßen, in denen tue