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Kr. (18 Zweikrs Blatt Girhener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffe») Yienstaa, 20. März (928

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Amanullah in London.

Don unserem k.-Berichterstalter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

London, März 1928.

Mit dem königlichen Pomp, der den Ober­häuptern fremder Staaten zukommt, hat man auch in London den König Amanullah von Afghani­stan eingeholt. Der Prince o; Wales hat ihn in Dover abgeholt und auf dem Bahnhof in London haben ihn der König und die Königin persönlich begrüßt. Man hat a.so korrekter Weise das ?anze Zeremoniell aufgeboten, das die Ge- egenheit erforderte, und wer den (SinZtoud des fabelhaft ausgesta.teten Aufzuges aus den Af» ghanenkönig zu beobachten die Ge.egenheit hatte, der konnte seststellen, öaj er recht zufrieden war. Es ist anzunehmen, daß er es auch weiter blei­ben wird, da die Engländer alles ausbieten werden, um ihn zufriedenzustellen. Sind doch nicht umsonst die englischen Zeremonienmeister einst bei Türken und Spa' ern in die Schule gegangen, wo sie gelernt haben, wie man einem König des Morgenlandes e.ltgegenzukommen hat. Auch daß es darüber hinaus in England sehr viel zu sehen gibt nicht nur Kriegsfchiife, Tranks und Flugzeuge kann neidlos zugestanden wer­den. Soweit diese Dinge in . rage stehen, ist also schon jetzt zu sagen, daß das Ergebnis des Besuches Ainanullahs in England feststeht: Eng­land hat sich noch nie lumpen lassen, wenn es galt, sich mit anderen Rationen in ehne Reihe zu stellen.

Und doch wird der Beobachter, der diesen Empfang mitangesehen hat. ein merkwürdiges Ge­fühl nicht los: ist doch Amanullah unter allen Herrschern der Welt der einzige, der sich rühmen darf, über das mächtige britische Reich triumphiert und im Kampfe mit ihm sich seine volle Unabhängigkeit erstritten zu haben.

Deshalb nimmt es wunder, daß die Engländer den König des Landes, das sie trotz jahrhunderte­langer Bemühungen nie ganz haben unterwerfen können, so freundlich aufnehmen. Pflegen die Engländer doch sonst Riederlagen nur schwer zu verschmerzen. Em Mißtrauen in die englische Freundlichkeit, die auch in den Reden der Staats­oberhäupter bei den Festbanketts einen geradezu auffallenden Ausdruck fand, ist jedoch ungerecht­fertigt. England meint es diesmal zweifellos ernst, und die Bersicherungen der Freundschaft, die England Afghanistan entgegenbringt, sind so gemeint, wie es der Wortsinn besagt: England wünscht tatsächlich, die Unabhängigkeit Af­ghanistans dauernd gesichert zu sehen.

Die Gründe für dieses englische Verhalten sind verständlich, wenn man sich die Lage Eng­lands in Asien vorstellt und berücksichtigt, dah die Anschauungen über die in Asien zu befolgende Politik sich doch wohl gründlich ge­wandelt haben. Denn, was sollte England jetzt noch in Asien weiter erobern? Glaubt man wirklich, dah die Engländer gerade jetzt, in einer Uebergangszett, in der es überall gährt, und in der das Kapital in Asien einzieht, die Mög­lichkeit haben, sich erobernd in Asien zu be­tätigen und zu den kaum zu bewältigenden Schwierigkeiten in ihren alten Kolonien sich noch neue in neuen Kolonien zuleaen können? Doch wohl kaum. England befindet sich im Gegen­teil heule in einer Periode der Sätti­gung und der Umoraanisativn. Die Frage der Verwaltung und der Befriedigung dec Wünsche der Eingeborenen ist für England heute sehr viel wichtiger, als alle kolonialen Bestrebungen anderer Mächte. Richt umsonst haben die Ita­liener sich bei England die Unterstützung für ihre kolonialen Unternehmungen versprechen lassen: die Italiener wissen, dah England es nicht ungern sieht, wenn Gebiete, die es selbst nicht kontrollieren kann, von Mächten in An­spruch genommen werden, die auf der See keine Konkurrenz für England sind.

Aus dieser Gesamteinstellung heraus versteht es sich auch fast von selbst, warum die Engländer heute den an ihre Besitzungen angrenzenden Staa­ten nicht mehr wie früher ihre Selbständigkeit zu beschneiden suchen, sondern sie im Gegenteil weitgehend zu fördern trachten. Das ist heute auch tatsächlich die Einstellung der englischen Po-

Krokodihagd in Sumatra.

Don unserem H. p.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Medan, März 1928.

Wenn sich in der deutschen Heimat der Farni- lienvater mit Frau und Kindern nach der Woche Müh und P age zum Sonntagsstaziergang rüstet, und wenn er diesen Genuß mit Kaffee und Kuchen krönt, so pflege ich hier auf Sumatra der Woche einen anderen Abschluß zu geben: ich gehe, und zwar mit meiner Frau, auf Krvkodil- jagd. Gehen ist nicht ganz richtig ausgedruckt. Wir fahren, und zwar in einem mehr als primi­tiven, kleinen kiellosen Boot, das gerade Platz für uns beide und für den malayischen Fischer Ali hat. So verschieden diese Weekendausflüge auch sein mögen eins haben sie gemeinsam: mancher Schweißtropfen flieht hier wie dort. Ein paar mehr werdens hier schon sein, denn diese Jagdfahrten gestatten keine weihen Tropen- kleider, die man bei der prallen Tropensonne um so mehr »ermißt, als die eigentlich Erfolg versprechende Jagdzeit nur die Mittagsstunden von 12 bis 3 sind, bevor die Flut eintritt.

Ausgangspunkt der Kco.odiljagd ist regel­mäßig das kleine Fischerdorf Laboean-Deli, einst, vor dem völligen Dersandeii des gleichnamigen Flusses, der Hafen für die Hauptstadt der Ost­küste Sumatras, Medan. Jetzt ist das Rest völlig vereinsamt und statt seiner besitzt Delawan einen hochmodernen Ha,en.

Es ist nun nicht leicht, die Krokodile zu er- kennen. Meist lagern sie auf den sumpfigen, dicht mit Strauchwerk bewachsenen Ufern, wo sie von lagerndem Holz kaum zu unterscheiden sind. Selbst die scharfen Augen des malayischen Fich- rers täuschen sich oft. Ist man an einem solchen Holzstück in einigen Meter Entjernung g.rausch- los vorbeigerudert, so wundert man sich natürlich, wenn gleich darauf der Baumstamm ins Wasser springt. Einmal sahen wir ein so fragwürdiges Ding von zweieuchalb Meter Länge. Der Malaye entschied, sich für Holz, was auch meine Meinung war. Rur meine Fcau war anderer Ansicht. (Du lächelst, deutscher Familien- Vater? 3a, eine Frau bleibt eigensinnig, und

litik gegenüber Afghanistan. Man hat sich eben in England mit der Derselbständigung der orien­talischen Staaten nunmehr voll und ganz abgcfun- den. nachdem man sie früher jahrelang bekämpft hat, weil man einsieht, daß man mit der Be­folgung einer anderen Politik die orientalischen Staaten in die Hände Rußlands getrie­ben hätte.

Schwierig ist allein die Frage zu beantworten, ob England mit diesen Wünschen nicht auch be­absichtigt, der afghanischen Politik eine Spitze gegen Rußland zu geben. Das ist bekannt­lich etwas, das niemand so sehr fürchtet, wie die Afghanen selbst, die bisher jedenfalls ständig das Bestreben gezeigt haben, sich neutral zwischen den beiden großen Staaten zu halten, ohne sich allzusehr nach der einen oder anderen Seite hin sestzulegen. Es kann daher auch angenommen werden, dah englische Dersuche. Afghanistan auf seine Seite zu ziehen, auf afghanischer Seite keine Gegenliebe finden würden. Man sollte an- nehmen, daß auch die Engländer klug genug sind, diese Aniicht der Afghanen zu rebellieren. Um­gekehrt kann aber auch die englische Haltung an­ders gedeutet werden. Kann sie nicht auch eine Folge des Bestrebens Rußlands sein, Af­ghanistan auf seine Seite zu ziehen? Wenn man der russischen Presse Glauben schenken könnte, so wäre heute Afghanistan ein Staat, der m i t den Sowjets ein Herz und eine Seele ist, und der darauf brennt, eines Tages nach Indien zu marschieren, wo schon andere Kö­nige von Afghanistan Grotzreiche begründet ha­ben. Und wenn die russische Presse weiter ver­sichert, daß Rußland zu diesem Zweck bereit sein würde, Waffen, Munition und Geld zur Verfügung zu stellen, so schiene auch das an sich plausibel zu sein wenn man nicht wüßte, daß bei Rußland der Wunsch der Dater des Gedankens ist, und daß auf der anderen Seite russische Dersuche, die Afghanen für diese Politik zu gewinnen, bisher ernsthaft nicht gemacht wor­den sind, und zwar ebenfalls aus dem Grund«, weil man sich in Moskau sagte, dah die Af­ghanen für derartige Aktionen nicht zu haben seien.

Die englische Geste kann daher nichts anderes bedeuten, als eine Anerkennung der bis­herigen afghanischen Politik. England billigt eben das Bestreben der Afghanen nach Selbständigkeit, weil es weih, dah eine andere Politik zum Schei­tern verurteilt wäre. Das wird man in Moskau, wo man im Orientalischen Seminar so gerne alexandrische Phantasien walzt, zur Kenntnis zu nehmen haben. Moskau wird genau wie Eng­land gezwungen fein, sich damit abzufinden, dah Afghanistan sich auch nicht als der künftige Er­oberer Indiens fühlt, und dah daher auch für Rußland eine Politik am Platze ist, die der Tat­sache Rechnung trägt, daß König Amanullah von Afghanistan die Sicherung der politischen Selb­ständigkeit seinem Landes und die wirtschaftliche Entwicklung seiner natürlichen' Reichtümer, nicht aber die Krone der Moguls in Indien erstrebt. Es wäre erfreulich, wenn Moskau, das der König ja nun auch besuchen wird, sich dies vor Augen hielte und wenn Rußland die Afghanen mit demselben Takt empfinge, den das englische Reich bewiesen hat. Denn alles andere wäre, das zeigt der Besuch in London wohl am aller- deutlichsten, verfehlt. So modern der König Amanullah ist, und so modern er denkt, so we­nig Derständnis würde er für eine Politik zeigen, die von der bisherigen erfolgreichen Linie seiner Regierung abweichen sollte. Und daß gerade England, das er einst mit dem Schwert in der Faust zu der Anerkennung seiner Friedenspolitik zu zwingen Wichte, heute den ersten Schritt tut, um diese Politik nunmehr auch seinerseits gegen­über Afghanistan anzunehmen, sollte den Russen zeigen, wo allein sie ihre Zukunftsmöglichkeiten zu suchen haben.

Das gescheiterte Amnestie-Gesetz.

Don unserer Berliner Redaktion.

Kein Begriff in der Rechtspflege ist wohl um­strittener als der der Amnestie, handelt es sich doch hier nach der strengen Scheidung der Reichs­verfassung nicht um eine Begnadigung, einen Straferlaß im Einzelfalle, sondern vielmehr um

einen Straferlaß für eine generell be­zeichnete Vielheit von Fällen, wobei der Bezeichner dieser Vielheit entweder ein be­sonders national bedingter Anlaß der ganzen Ration oder ein solcher einer staatlich autorita­tiven Einzelpersönlichkeit ist. Während es sich also bei der Begnadigung um ein juristisches, im Strafgesetzbuch sest^elegtes Verfahren handelt, stellt die Amnestie ei/ien Vorgang dar. der wohl verfassungsmäßig streng geregelt, aber doch immer­hin eine leichte Abbiegung der strengen Judi­katur durch die dadurch bedingte Verallge­meinerung bedeutet. Aus diesem Grunde trägt es sich selbstverständlich bei allen Amnestien zu, ! daß gewisse Interessegruppen sich als b e n a ch - ] tciligt fühlen und dieses Gefühl eben durch diese etwas freiere Judikatur auch argumentieren können, und daß sich andererseits M glichkeiten ergeben, fei es wie bei Reichsamnestien z. D. durch parlamentarische Mehrheiten, manche Per­sonen In dieser Amnestie berücksichtigen zu können, die vielleicht sonst nicht so ohne weiteres eines Gnadenerweises teilha t.g g worden wären. Trotz­dem ist die Amnestie ein für die gesamte Rechts­pflege notwendiger Begriff, der vor allem deshalb fein Gutes hat, weil er bei politi­schen Vergehen leichter angewandt werden kann und schließlich auch, weil er vom erzieheri­schen Standpunkt aus im Interesse des Rational­gefühles einen Straferlaß darstellt, der oftmals in feiner Auswirkung befere Re ultate zu erzielen vermag, als so mancher Gnadenerweis, der auf den ftr.'ngen Gesehen des Strafgesebbuches beruht.

Der Rechtsausschuß des Reichstags, der sich wieder einmal mit der Frage der Am­nestie beschädigte, hat d'ese fallen lafen müllen, weil sich nach der Formulierung des Amnestie- gesetzes keine Mehrheit fand. Das lag wohl hauptsächlich darin begr.-nbet, daß d'ese Amnestie zu einem Tauschgeschäft zwischen Kommu­nisten, die sich in Haft befinden und den Feme­mördern werden sollte. Unter diesem Gesichts­punkt läßt sich aber keine Amnestie durchführen, will man nicht dieses Gnadenmittel in seinem Werte herabmindern Selbstverständ'ich ist jedem Verurteilten ein Gnadenerweis zu gönnen, unter der Voraussetzung natürlich, daß er sich des Wertes dieses Gnadenbeweises auch immer bewußt bleibt und damit bestrebt ist, sich als nützliches Glied des Vat"rlandes fernerhin zu betätigen. Es ist hier nicht der Platz, um die speziellen Fälle einer Kritik zu unterziehen, zumal die Akten über diese Fälle noch keineswegs abgeschlossen sind. Es kommt vielmehr auf die generelle Bedeutung der Frage an. die doch bei der ge­samten Strcllgesehgebung in der Zukunft einer prinzipiellen Umarbeitung unterzogen werden soll. Das, was von vornherein im Auge behalten werden muß, ist der höchstinstanzliche Charakter der Amnestie, sie ist eine Rechtsmaßnahme der Regierung. Aber aus diesem Grunde muß sie in ihren Einzelheiten auch so geregelt werden, daß weder ei ne parteiische Beein­flussung möglich ist, noch daß dieses an und für sich freiere Gnadenmittel einer allzu großzügigen Verwendung unterließen kann. Der jetzige Reichstag wird die Frage nicht mehr regeln. Man darf nur hoffen, daß das neue Parlament einen Weg sinden wird, der die Amnestiefrage einer befriedigenden Lösung ent­gegenführt.

Das poMsche Testament des Admirals von Tirpih.

Berlin, 20. März. (TU.) Der Brief des Großadmirals von Tirpih an den Vorsitzenden der Deutschnationalen Volkspartei, in dem er seinen Entschluß mitteilt, bei den kommenden Wahlen nicht wieder zu kandidieren, hat folgen­den Wortlaut:3m Sinne der Gedanken, die einst zur Gründung der Partei geführt haben, sollte für den kommenden Wahlkampf die Parole sein, gemeinsam mit allen guten Kräften des beuHeben Volkstums das Reich in innerer, nationaler Einheit zusammenzu- raffen. Hierzu ist erforderlich: die Erhaltung und Stärkung der wirklich wertvollen Grund­lagen des deutschen Staatswesens aus der Bis- marckschen Zeit und zugleich der Aufbau

einer starken, nicht im Lageskampf haltlos hin- und hergerissenen Reichsgewalt. Beides kann nur erzielt wer­den. wenn die aller deutschen und christlichen Gesinnung abgekehrte Vorherrschaft der wahren Ruhnießcc dec Revolution in Preu )en und der unheilvolle, innerlich unwahre Dualis­mus zwischen Reich und Preußen be­seitigt werden. 3m Zeichen solchen nationalen Ideals sollte der Wahlla.npf von der Partei geführt werden. Die innere Festigung unseres Reiches feit 1924 ist im wesentlichen wirt­schaftlicher Art gewesen. Politisch sind wir nicht vorwärts getommen. Die tiefste Ur­sache unseres politischen Siechtums liegt meines Erachtens in dem Fehlen der inneren seelischen Einheit unseres Voltes. Trotz Bismarck, trotz Aufstiegs zur Weltmacht, trotz Weltkriegs und schließlich auch trotz Wsturzes von stolzer Höhe iit eine wahre Schicksalsgemein- schast bei uns nicht hergeste.lt. Hierin liegt ein großes Versagen des Reich, tag von 1917 bis heute vor. Der Reichstag ist nicht, wie Bismarck das vorschwebte, das nationale Gewissen des deutschen Volkes gewesen. Vielleicht tonnte er es aber auch nicht fein, weil seine Wähler nicht die nationale Disziplin hatten wie andere Völker. Das liegt zum Heineren Teil an der deutschen Geschichte, zum größeren Teil im deutschen Charakter begründet. >er allzusehr bestrebt ist, das objektiv Richtige zu sinden. Das Entscheidende ist, daß bei a len anderen Völkern ich er inner; nur an unsere Kriegsgegner selbstverständlich das Ratio. :al- gesühl und die nationale Bürde alle Partei- unterschiede einschließlich der so­zialistischen überragt. Die reinen Id o- logcn bei uns haben vielleicht vergessen, dah auch die Leistung eines Volles für die Me ch- heit im ganzen nur auf dem Boden der im Staat geeinten eigenen Rational!- t ä t groß werden kann. Was haben wir Deutsche statt dessen gerade in den letzten Jahren erleben müssen! Und aus dieser Enttäuschung, die nur gaiiz selten durch Lichtblicke unterbrochen wurde, muß sich jedem Deutschen mit Wirklichkeitssinn die feste Ansicht aufdränge,i, daß die Zukunft des deutschen Volkes nur bei Erwachen einer einheitlich nationalen Gesinnung gesichert ist. Mag man das, was für die anderen Völker selbstverständlich ist. für uns ruhig mit dem Ausdruck nationalistisch belegen, mag alles wie­der zugrunde gehen, waS jetzt künstlich neu auf­gebaut erscheint: Deutschland wird leben und auserstehen, wenn es die innerlich begründete nationale Einheit, die Einheit des Volkes, im Glauben an sich selbst, gewinnt."

Komnmnar-Tagung in Schotten.

§ Schotten, 19. März. Im Rathaussaal fand unter Leitung des Vorsitzenden, Bürger­meister M e n g e l - Schotten, eine Versammlung des Hess. Landgemeindetags, Kreis­verein Schotten, statt. Die Bedeutung des vom Hess. Landgemeindetag geschaffenen Dcr- bandsblattes .Die Hessische Landgemeinde" wurde allseitig anerkannt. Die neuen Grundsätze für die Entschädigung der mit Geschäften der Finanzämter betrauten Gemeinden wurden näher besprochen. Lieber die seither stattgehabten Sitzungen der Vorstände des Hess. Landgemeindetags und des Provinzialverbacches der Provinz Oberhessen wurde Bericht erstattet. Die Fragen über Kredit­auskünfte und Bescheinigungen der Zahlungs­fähigkeit, deren Ausstellung von den Bürger­meistern über die einzelnen Einwohner ihrer Ge­meinde von allen Seiten gefordert wird, wurde näher behandelt. Es wird empfohlen, bei diesen Bescheinigungen den Vermerksoweit bekannt und ohne Gewähr beantwortet" zuzusetzen. Ein­gehend wurde der vom Lieberlandwerk der Provinz Oberhessen ab 1. April l. 3. neu in Kraft tretende elektrische Stromtarif be­sprochen. Eine Reihe von Wünschen, die auf eine Verbesserung der Versorgung der Gemein­den im Vogelsberg mit elektrischer Energie hin­zielen, werden zur Kenntnis der zuständigen Stellen gebracht werden. Die Stromversorgung versagt im hohen Vogelsberg bei den ungünstigen klimatischen Verhältnissen besonders im Winter sehr häufig. Enorme R^a-"turkosten sind hier-

wenn sie nach Sumatra kommt.) Aber was soll ich machen ich riskiere eine Patrone und muß offen gestehen, ich bedauerte es, daß sich das Holzstück aufbäumte, krampfhaft zuckte und dann regungslos liegen blieb. Ali schrie:Herr, weiter- schleßen!" und ruderte aus Leibeskräften auf das anscheinend tödlich getroffene Untier zu. Aber ich hielt eine weitere Patrone für Verschwendung und sprang gleich darauf ans Ufer, wo ich vor Schreck lang in den Schlamm stürzte, denn das tot geglaubte Tier war flach über uns ins Wasser gesprungen und blieb verschwunden. Die Schilderung der Vorwürfe meiner Frau, die ich heute noch bei jeder Gelegenheit zu hören befonime, erspare man mir. Auch Ali knurrte, beim ihm war die Schußprämie entgangen.

Ein andermal sah ich an einer Stelle, die mir schon als wahrer Tummelplatz der Krokodile bekannt war, einen Eingeborenen bis zu den Hüsten im Wasser stehen und trotz des Sonn­tags Sand schaufeln. Ziemlich aufgeregt machte ich den Kerl auf die Gefahren aufmerksam, die ihm aber nicht mehr Eindruck machten als meine Aufregung. Er erzählte ganz ruhig, daß er an dieser Stelle schon seit drei Tagen Sand grabe. Und wenn es die Absicht des Thuan Allah wäre, daß ihn ein Krokodil hole, so könne er daran auch nichts ändern.

Besonders interessant sind die Verfolgungs­jagden der an der Oberfläche treibenden Tiere, von denen nur Rafenlöcher. Augen und einige zackige Rückenknorpel zu sehen sind. Wir ver­suchten immer, entweder das Auge zu treffen oder die Luftklappe am Kopfende, so daß den Tieren der Aufenthalt im Wasser unmöglich wird und sie schleunigst ans User streben. Glückten diese Schüsse, so war die Beute sicher. Aber die Schüsse glückten nicht immer. Dabei ist es ein be­sonderes Kapitel, welcher von den gleichzeitig ab­gefeuerten Schüssen getroffen hat, meiner ober der meiner Frau. Eines Tages hatten wir nach zweistündiger Jagd ein kapitales Tier zu Schuß bekommen. Da Ali auf die Schußstelle sofort zuruderte, wußten wir, daß wir gut,abgekommen waren. Gesprochen wurde nichts. Plötzlich tauchte dicht am Boot ein jüngeres Tier auf, dem meine Frau blitzschnell durch sicheren Augenschuh den Garaus machte. Der Todeskampf dieses Tiere-

brachte unser tiefliegendes Boot in größte Ge­fahr, so dah wir schleunigst Reihaus nahmen. Das junge Tier hatte, wie wir später ftzststellten. einen guten Gehirnschuh. Run aber ging es zunächst dem ersten angeschossenen Krokodil nach. Cs war verschwunden. Fünf Minuten später sahen wir es in 30 Meter Entfernung in halber Länge senkrecht aus dem Wasser schiehen, gaben Feuer und ruderten hin. Kurz darauf tauchten dicht unter dem Llfer die Augen auf. Wir ver­hielten uns ruhig, bis das Tier mit den Vor- süßen an Land war und liehen dann einige Kopf­schüsse folgen. Wir sahen es langsam abgleiten und im Wasser verschwinden. Mit Bambusstan- gen muhten wir die Stelle absuchen, hoben den Kopf aus dem Wasser und gaben dem noch immer lebenden Ungeheuer den Fangschuh. Das Vieh hatte die ansehnliche Länge von 3,6 Metern. Mit beiden Tieren im Schlepptau ruderten wir heimwärts. Von Wert sind nur die Galle, das Schwanzstück, das von den Chinesen als be­sonderer Leckerbissen geschätzt wird, und die Bauchhaut. Wir selbst haben weder die Medizin probiert, die die Eingeborenen aus der Galle machen, noch auch das Fleisch, das wie Hühner­fleisch schmecken soll.

An Land sind die Krokodile feige. Riemais sind wir an Land von einem Krokodil angegriffen worden. Im Wasser sind sie nicht nur beweg­licher, sondern auch angriffslustiger. Dabei kommt ihnen ein außerordentlich gutes Gehör zugute. Stundenlang lauern sie auf Beute, stecken unter Wasser und nur die Rasenlöcher tagen hervor. Bei passender Gelegenheit geht es dann blitz­schnell zum Angriff die Deute wird unter Wasser gezogen und dann mit aus dem Wasser er­hobenem Kopfe verschluckt. Ist die Deute zu groß, dann geht es zu einem abgelegenen ruhigen Platz, wo sie bei einbrechender Dunkelheit ver­schlungen wird.

An solchen einsam gelegenen Uferstellen wird der Fang lebendiger Krokodile betrie­ben. Wir benutzten ll a. 10 bis 15 Zentimeter lange, mit Widerhaken versehene Angeln, die an einem starken Draht befestigt waren, der wiederum mit etwa 30 Meter langem, dünnem Rohr verbunden war. Als Köder dienten kleine tote Affen, Enten oder Hühner. Hat das Kroko­

dil den Köder mit dem Haken ergriffen, und will es dann mit feiner Deute im Wasser ver­schwinden, so bleibt das Rohr an der Ober­fläche schwimmen und verrät die Stelle, an der sich das Krokodil befindet. Es ist gar nicht so einfach, gefangene große Tiere aus dem Wasser zu bekommen. Ali und sein Vater bestiegen einen kleinen Einbaum, während wir zum Schuhe mit einem größeren Boote liegen blieben. Alis Baker ergriff das schwimmende Rohr, sprach, wie am Telephon, der Bestie unter Wasser gut au, holte es langsam ein, um es blitzschnell toieoer los­zulassen, wenn das verwundete Tier, vor Schmer­zen rasend, auf dem Flußboden zu laufen be­gann und das leichte Boot pfeilschnell hinter sich Herzog. Das telephonische Besprechen und Ein- holen des Rohrs begann dann von neuem und wiederholte sich durch viele Stunden solange, bis sich das Tier ermüdet in sein Schicksal ergab. War dann endlich der weitgeöffnete Rachen sicht­bar, so wurde eine Rohrschlinge herumgelegt, was für Ali senior die gefährlichste Arbeit war. Dann zogen wir gemeinsam das Tier ans Ufer, wo ihm die Füße mit Stricken gebunden wurden. Auf diese Weise haben tpir einmal ein Tier von 4 Meter Länge erbeutet.

Diese Art von Fang betrieb Ali wochentags auch ohne uns. Für ein Tier von zwei Meter Länge winkte ihm eine Fangprämie von etwa 8,50 Mk. Eine Rebeneinnahme, von der er eine Woche recht gut leben konnte. Es ist eben alles anders in Sumatra als in Deutschland.

Hochschulnachrichten.

Der Forstmeister und Privatdozent für forst­liche Produktionslehre und ForstpoliHk in der staatswirtschaftlichen Fakultät der Llniversität München Dr. oec. publ. Konrad Rubner hat einen Ruf als ordentlicher Profesfor für Waldbau und Forstbenuhung an die Forstliche Hochschule in Tharandt erhalten und zum bevorstehenden Sommersemester angenommen.

Der ordentliche Professor der Philosophie an der Llniversität Marburg Dr. Martin Hei­degger hat einen Rus als Rachfolger von Ge­heimrat Husserl an die Universität Freiburg i. D. erhalten.