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Nr. 43 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 20. Zebruar 1928

Sie Einweihung des physiologischen ZnWuts in Gießen.

3m großen Horsaal des neuen Heimes fand am Samstagvormittag die feierliche Ein­weihung des neuen Physiologischen Instituts der Hess. Landesuniversi­tät Gießen statt. Zahlreiche geladene Gäste u. a. Ministerialdirektor 11 r ft a ö t als Ver­treter der Regierung, Se. Magnifizenz der Re.tor Prof. Dr. Rosenberg, Oberbürgermeister Dr. Keller als Vertreter der Stadt und viele Mit­glieder des Lehrkörpers füllten den Festraum bts aus den letzten Platz. Rach langen Regen­tagen leuchtete Frau Sonne strahlend durch die hohen Fenster und verschönte mit ihrem Glanze die denkwürdige Feier, die sich in erfreulicher­weise schlichter Form abwickelte.

Prof. Dr. Bürker, der Direktor des physiologischen Instituts bezeichnete es zu Veginn seiner Festansprache als ein besonderes Glück, daß es der Physiologie vergönnt war, in der heutigen schweren Zeit in ein neues Institut überzusiedeln. Darum hätten die Pbhsotogen unserer Hn ver^ität allen Grund, den Behörden, insonderheit dem Landesamt für das Vildungswesen und dem bisherigen Finanz­minister Henrich sehr dankbar zu sein. Der Redner begrüßte dann besonders Ministerial­direktor 11 r st a d t und Ministerialrat Dr. L 0 h - lein als Vertreter der Regierung, Se. Magni­fizenz den Rektor Prof. Dr. Rosenberg, Mi­nisterialrat Paul von der Vauabtcilung des Finanzministeriums, Oberbaurat Verth und Regierungsbaurat Kuhlmann vom Hess. Hoch­bauamt, Oberbürgermeister Dr. Keller als Vertreter der Stadt, Prof. Dr. Kuhn als Dekan der medizinischen Fakultät, Geheimrat Prof. Dr. Olt als Dekan der veterinärmedizinischen Fakul­tät. Prof. Dr. H a r a s s 0 w i tz als Vertreter der beiden verhinderten Dekane der Philosophi­schen Fakultät, die Vertreter der Studentenschaft u. a. Sodann gab der D? "?t einen Heberblick über die vielseitigen Erfo rnisfe, denen beim Projektieren und beim Vau Rechnung zu tragen war. Ms Leitmotiv wurde aufgestellt, es sollte olles, wie in der lebenden Substanz, zweckent­sprechend. aber auch schön sein, also et delectare et prodesse, soweit dies mit den zur Verfügung gestellten Mitteln in Einklang zu bringen war, sei doch eine gewisse Heiterkeit der Seele für erfolgreiches Forschen, Lehren und Lernen not­wendige Voraussetzung. Es sei ihm beute ein besonderes Herzensbedürfnis, dem Leiter des Baues, Diplomingenieur Regierunasbaurat Kuhlmann, im Rainen aller Physiologen zu danken für seine großzügige Arbeit und das Ent­gegenkommen allen Wünschen gegenüber bei aller Wahrung seines Standpunktes als Architekt und Künstler. Weiter danke er auch Architekt Völ- k e r, den Regierungsbauführcrn Schimmer und Eisenhardt, Oberbauins'eektor Hübner und Vauinspektor Treu sch: für die Ausstattung des neuen Heims in wissenschaftlicher Hinsicht und bei der Inneneinrichtung seinen -Mitarbeitern Prof. Dr. F e u l g e n, Assistent Dr. C 0 l l a h und Frl. Mühlberger: für Stiftungen Ober­bürgermeister Dr. Keller und der Gießener Stadtverordneten-Versammlung, Fabrikant Dr. Leih-Wetzlar, der Rotgemcinschaft der deut­schen Wisfenfchaft und deren hiesigen Vertrauens­männern Prof. Dr. Herzog und Prof. Dr. Zwick. Sodann sagte der Redner weiter:

Mit all dieser Hilfe sind wir zu einem Institut gelangt, das, wie ich hoffe, in bezug auf For­schung und Unterricht seinen Zwcick erfüllt, ja hohe Ziele zu verfolgen vermag und auch in städtebaulicher Beziehung unserem lieben Gießen nicht zur Unzierde gereichen dürfte.

Der Hessische Staat, der trotz der Rot der Zeit das Seine in hohem Maß für die Wissen­schaft vom Leben getan hat, kann nun sagen: Do, ut des. So will ich denn darleaen, was uns als Gegenleistung vorschwebt.

Unsere ganze Kraft soll der weiteren Er­forschung der Lebensvorgänge gewidmet sein: Investigandae vitae vitam impendibus. Herr

Professor Dr. Kalbfleisch hat dieses Ge­löbnis in prägnantes Latein übertragen, wofür ich ihm auch hier danken möchte: der Spruch ist in der Eingangshalle angebracht. Die besten und feinsten Methoden sind bei der Subtilität der Lebensvorgänge gerade noch gut genug, auf Lebensprobleine angewendet zu werden. Wir wollen uns nicht beirren und durch Vitalismus und Reovikalismus nicht von dem einmal als richtig erkannten Weg exakter Forschung ab­bringen lassen, sonle.n des Glaubens verharren, daß die natürlichen Dinge auch einer natürlichen Erklärung zugängig sind, die geistigen Vorgänge nicht ausgeschlossen. Die Erkenntnis der Gesetze deS Lebens soll uns Veranlassung fein, nach unse­ren Kräften dahin zu wirken, daß die mensch­lichen Verhältnisse nach der physiologischen Seite hin noch mehr in Einklang jnit dem groß­artigen Raturgeschehen gebracht werden, das die Bewegung dec Himmelskörper nach denselben Gesetzen regelt, wie die Bewegung der kleinsten Teilchen dec Materie.

Ganz besonders ist uns daran gelegen, daß die wissenschaftlichen 'Beziehungen zu den anderen Instituten und Kliniken der medizinischen Fakul­tät weiter ausgebaut werden: eine Voraussetzung dazu, die räumliche Rähe der Institute und Kliniken, ist nunmehr gegeben. Vor allem sknd die beiden Schwefterwifs nschaften Anatomie und Physiologie auseinander angewiesen, und auch die moderne Pathologie hat bei weitgehender Spezialisierung aus manchen Gebieten mehr phy­siologisch Wichtiges zu Tag gefördert, als die Physiologie selbst. Die Kliniken ihrerseits werden den Wunsch haben, in theoretischen Fragen die experimentellen Hilfsmittel des neuen Instituts für Zwecke ihrer Forschung in Anspruch zu neh­men, woraus sich günstige Wechselbeziehungen für beid" Teile ergeben können.

Die 5rlngung des Instituts für Körper­kultur 1 neuen Physiologischen Institut legt ein wissenschaftliches Zusammenarbeiten besonders nahe.

Auch mit der veterinär-medizinischen Fakultät verbinden uns bei der so notwendigen verglei­chenden Betrachtung der Lebensvorgänge viele Beziehungen, die zu pflegen, wir besonders be­müht sein werden.

Durch Hereinnahme der experimentellen Psy­chologie ins Institut haben wir zum Ausdruck gebracht, wie sehr uns auch an der Verbindung mit' der Philosophischen Falultät gelegen ist: möge die so geschlagene Drücke von beiden Teilen recht oft beschritten werden.

Mit der Forschung allein soll es nicht getan fein, auch der Unterricht,' vor allem die gute VorbUduug der Msdizinstudierenden für ihren zukünftigen schweren und verantwortungsvollen Beruf soll uns besonders am Herzen liegen. Ihnen, liebe Kommili­tonen soll in Vorlesung und Praktikum, nachdem die Räume und Unterrichtsgegenstände dazu in aus­reichendem Maße vorhanden sind, alles geboten werden, was Ihnen das Studium der Lebcnsvar- aänge anziehend macht und Sie erfüllt mit Ehr­furcht vor der Natur, die solche Wunder hervor­gebracht hat.

In unser Programm haben wir auch oufgenom- men, physiologische Kenntnisse in weitere Kreise zu tragen: wer rationell leben will, kann ihre heuizu- tage nicht mehr entraten, ist doch auch die Physiolo­gie schon Unterrichtsgegenstand in den Mittelschulen geworden. Die Lehrer dieser Schulen in einem spezialistisch eingerichteten Institut für diesen Unter­richt auszubilden, ist auch eines der Ziele, das wir uns gesetzt haben. Durch eine Ausstellung, die noch der Einrichtung harrt, und die des Sonntags und an Feiertagen geöffnet wird, soll unseren Absichten in dieser Beziehung Nachdruck verliehen werden.

Sie sehen, meine sehr verehrten Damen und Herren, daß auch wir zu geben wünschen, nachdem man uns so reich bedacht hat. Möge ein gütiges Ge­schick unseren Absichten günstig sein.

Ich schließe mit nochmaligem herzlichen Dank an alle, die das Werk unserer lieben Alma mater Ludoviciana zu Ehren haben vollenden helfen.

Regierungsbaurat Kuhlmann, der Erbauer des Gebäudes,

gab nunmehr einen Heberblick über das Werden und die Einrichtung des Baues. Die erste Kosteck­berechnung, aus dem Jahre 1917 stammend, schloß überschläglich berechnet mit 2 470 000 Mk. ab. ein zweiter Voransch ag aus 1921 rechnete mit 3 300 000 Mk.. die Endsumme wurde mit 4 875 000 Mk. festgesetzt das war am 28. März 1922! An diesem Tage beschloß die Volkskammer den Reubau. Dann kamen die Schwierigkeiten durch die Inflation, die Sparmaßnahmen, die zwangsweise Einstellung aller Bauarbeiten, der Personalabbau, Materialmangel und Teuerung usw. Der Redner erinnert: dann an die einzelnen Daten des Baues, über di: wir am Samstag schon berichtet haben. Dann gab er Erklärungen über die Anlage und die stadtbaulich: Einfügung des Reubaues in die ganze Umgebung, und be­tonte hierbei, daß an dem Reubau und seiner inneren Einrichtung fast nur Gießener Unter­nehmer und Handwerksmeister mitg.'toirft haben. Für Materialien wurden die Bodenständigen be­vorzugt, z. D. die Erzeugnisse der Gailschen Ton» toerie und das Bafa tlavatuffmaterial aus dem Bruch Michelnau bei Ridda, das bei dieser Ge­legenheit erstmals in Gieh:n verwandt wurde und das nun Schule gemacht hat. Zum Schlüsse dankte der Redner allen seinen Mitarbeitern, die er wie vorher Prof. Dr. B ü r k e r namentlich aufführte, ferner dem Amtsvorstand Oberbaurat Berth. dem technischen Referenten im Finanzministerium Ministerialrat Paul und vor allem auch Prof. Dr. B ü r t e r, dec die Erbauer zur Erfüllung ihrer Bauaufgabe in das Gebiet der interessanten Wissenschaft der Lehre vom Leben durch Vorträge und Versuche ein* führte. Darauf legte der Redner den Schlüssel des Gebäudes in die Hand des Vertreters des Landesamts für das Dildungswesen, Ministerial­direktors 11 r st a d t.

Ministerialdirektor Llrstadt

brachte hieraus die herzlichen Grüße und Glück­wünsche des Staatspräsidenten Adelung zum Ausdruck, der zu feinem Bedauern am Er­scheinen verhindert sei. Er sprach dann dem Hochbauamt und allen beteiligten Kräften an diesem Werk den Dank und du. Anerkennung der Regierung aus, und gab der Zuversicht Aufdruck, daß dieses schöne neue Institut zur Mehrung des Ruhmes unserer Landes-Univer­sität ünd zur Förderung des Wobl's der Mensch­heit beitragen werde. D:n Schlüssel des Gebäudes gebe er mit diesem Wunsche an Se. Magnifizenz weiter.

Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Or. Bosenberg

dankte der Regierung und dem Landtag namens der Universität für die Bewilligung der Mittel zu diesem Reubau, und gab seiner Freude über diese Bereicherung der Landes-Universität Aus­druck. Die Mittel für die Universität seien nicht vergeblich aufgewendet, sondern sie seien im höchsten Sinne produktiv und werbend angelegt. Die Universität wisse es dankbar zu würdigen, daß sie trotz der Rot der Zeit bei der Regierung und beim Landtage immer offene Hände ge­funden habe. Mit der Schlüsselübergabe an Den Hausherrn, Prof. Dr. D ü r k e r, verknüpfte Se. Magnifizenz herzliche Worte des Dankes an Prof. D". Bürkerder sich die höchsten Ver­dienste um das Zustandekommen dieses Gebäudes erworben habe und der mit gutem Recht dieses Institut fein Werk nennen könne. Ein hohes Gut sei ihm anvertraut, aber die Universität fei sicher, daß er dieses Gut sicher bewahren und bestens mehren werde. Er (Redner) danke Prof. Dr. B ü r I e t herzlich und wünsche ihm, daß alle feine Hoffnungen in diesem Hause in Erfüllung gehen und manche Ruhmestat deutscher Wissenschaft hier geschaffen werden möge.

Es zogen drei Äurschen wohl über den Mein ....

Roman von Erica Grupe-Lörcher.

48 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Die Worte brannten in Raymond. Sein Blick streifte den Freund. Sonderbar, warum ging Me­lusine in ihrer Neigung immer an diesem präch­tigen Manne vorüber? Wer in diese großen, star­ken, klaren Züge sah, in diese ruhigen Augen, über denen sich starke dunkelblonde Augenbrauen form­ten, der gewann das unbedingte Gefühl: sich in den Charakter dieses Mannes einzubetten, in chm Ruhe finden zu können, Krastvolle, übersichtliche Ruhe, Ausgeglichenheit, die seit Kinderzeit im sicheren Besitz und dem Bewußtsein der Bodenstän­digkeit verankert, verwurzelt war. Die nichts Frem­des zum Schmucke und zur Ausgestaltung des Lebens brauchte. Die Genüge fand am Reichtum der eigenen Heimat. _ ri

Raymond griff unwillkürlich an seine Briist- tasche. In ihr knisterten einige Briefe:Ich habe auch noch Wichtiges wegen Melusine mit dir zu besprechen, Fritz. Es sind einige Mitteilungen vom Detektiv eingetroffen. Diejenigen aus Bezay lauten nicht gerade günstig über Bouvier. Aber auch bei den Nachforschungen aus seiner Heimatstadt uus her Provence stellt sich heraus, daß fein Baker nicht daran denkt, Professor an einer Universität zu sein, sondern er ist in dem mittelgroßen Nest ein ganz simpler Schulmeister. Ich habe mich also nicht in meinem Urteil aetäuscht, wenn ich neulich Melusine jagte: daß diesem unvergleichlichen Bau- vier der unverkennbare Stempel kleinbürgerlichster französischer Provinz anhaftet und die ist rea k- tionärer als die der deutschen Provinz! und daß er dem allen ein Mäntelchen von Boheme tum als musikalisches Genie umhängt."

Ißenger halte die Trachten zuruckgelegt unD Die große geschnitzte Eichentruhe wieder verjchlosfen. Er trat unter den Lichtkreis des mittelalterlichen Leucherweibä^ns und sah Raymond ruhig ms Ge­sicht:Und wie stellt sich Melusine zu dem allen?

Vorläufig will sie nichts glauben. Vorläufig ist sie noch fasziniert von Bouvier. Alles, was ich vor­

bringe, ist in ihren Augen einseitig und voller Dor- I urteile. Aber ich hoffe: auch hierhöhlt steter Trop- | fen Den Stein!" Im stillen wird sie auf diese War­nungen doch innerlich nachdenklicher werden. Ihre blinde Voreingenommenheit wird schwanken. Am bedenklichsten finde ich bei dieser Heirat nicht nur, daß er nicht standesgemäß ist sondern, daß er einen weichlichen Lebenswandel führt. Seine Moral ist salopp. Vielleicht glaubt er, sich das als Künstler leisten zu können. Aber Melusine wird, so viel ich merke, am schwersten eine Untreue von ihm ertragen. Sie glaubt sich bedingungslos, unein- geschränkt geliebt von ihm."

Wenger machte plötzlich eine imvulsive Handbewe­gung. Sie Deutete auf Abwehr. Sekundenlang zögerte er mit seinen Worten. Dann stützte er sich auf Den schweren eichenen Tisch, Der mit seinen massiven vier Füßen auf Den Zimmerbohlen in Der Mitte stand, und meinte, den Blick gesenkt:O, wenn es das ist, was sie schwankend machen könnte?!" Und wieder eine Pause.

Eh bien, es ist ja im Grunde eine so schmierige Geschichte, Die ich Dir da auftischen muß. Mer es handelt sich um Die Zukunft von Melusine. Des­wegen halte ich es Doch für meine Pflicht, daß auch ich in diesen Tagen etwas über Diesen Monsieur Bouvier erfuhr. Durch Zufall"

Eine tiefe Stille folgte wieder. In dem breiten Kamin, Der in seinen Schnörkeln und Linien eben­falls ganz Den mittelalterlichen Charakter wahrte, knisterten leise und emsig Die großen Scheite Holx. Im Hause Droben hörte man leise eine Türe auf­gehen. Dann schr leise und weiche Schritte auf der Treppe. Raymond hob lauschend Den Kops.

Es ist nichts," sagte Wenger,meine Haushälte­rin begibt sich in Die Küche und roirD uns gleich servieren lassen. Bei dieser Sache mit Melusine spielt der Zufall eine Rolle. Wie so oft im Leben. Als ich vor einigen Tagen vor meinem Stadthause stand und Den' Abtransport meiner wertvollen Möbel zur Ueberführung hierher überwachte, ging auf Der Straße eine junge Person vorbei und er­kannte mich und kam grüßend auf mich zu. Es war ein Mädel, mit dem ich früher als Bub öfters in Der Nachbarschaft gespielt, als meine (Eltern im Stadthaus wohnten. An und für sich ein Mädel aus rechtschaffener, einfacher Familie. Dann ist sie in

unrechte Hände gekommen und hat sich nicht mehr auf den Wetz der bürgerlichen Moral wieder her­aufarbeiten können. Man sah sie Da, wo Die elegante und galante Welt hier verkehrt. Wegen ihrer schö­nen roten Haare unD Dunklen Augen kannte man sie allgemein kurzweg unter Dem Spitznamenla Cre- vette", Die Krabbe."

Raymond hob Den Kopf. Er entsann sich, daß sein Kusin Alceste früher, es war schon vor Dem Kriege gewesen, von Crevette erxählt hatte. Einem witzigen, luftigen Ding, das besonders auf Maskenbällen Die Leute abscheulich zu ärgern und zu intrigieren ver­stünde.Nun, und was wollte sie jetzt?"

Die Krabbe begrüßte mich als alte Jugend- bekannte und sprang Dann gleich zu einem Thema über, von Dem ich merkte, daß es ihr eine Genug­tuung sei, mir etwas berichten zu können. Sie sagte mir: wenn ich Gelegenheit habe, Die Baronesse von Welzin-Hammerschlag zu treffen, so möge ich ihr erzählen, daß ein Verehrer von ihr, ein Monsieur Bouvier, sich nicht entblöbe, hier seinepetite Femme" mitzubringen, mit Der er sich hier in Straßburg amüsiere, währenD er Der Baronesse auf ToD und Leben Den Hof mache."

Raymond richtete sich zu voller Größe auf. Er atmete tief und langsam auf. Es war wie ein Seuf­zer. Ein Sichau fleh nen gegen eine zugefügte In­famie.Es wäre Der Gipfel Der Unverfrorenheit! Was sagtest Du?"

,Zch konnte vor Ueberraschung nichts erwidern. Vor Bestürzung, daß sie gerade mir alles erzählt! Woher ahnt sie, daß ich mich für Melusine inter­essiere? Warum gibt sie mir Diese Warnung?"

Hast Du sie nicht gefragt?"

,Lch konnte nicht mehr. Es blieb mir'keine Zeit. Denn im nächsten Moment kam Der Tischler, Der Den Transport leitete, gerade aus meinem Hause, um mich etwas Wichtiges zu fragen. Sein Dazwischen­kommen schien ihr nicht schlecht zu passen, Denn so­fort verabschiedete sie sich von mir, nickte mir noch unter ihrem Schleier mit einem gewissen spitzbübi­schen Lächeln zu und sagte halblaut:Recherchieren Sie, Monsieur Wenger! Ich habe Ihnen Die Fährte gezeigt! Sie roerDen sehen. Daß die Crevette nicht nur intrigieren, sondern auch mit ihren Intrigen Gutes stiften kann!" Und bann war sie um Die

Prof. Or. Bürker

nahm Den Gebaudeschlüsfel in Empfang und ver­sprach. alles zu tun was in feinen Kräften stehe, daß dieses Institut Der LandeS-llniversität und der deutschen Wissenschaft zum Segen gereiche.

Fakultäten und Studenten.

Im Ramen der medizinischen Fakul- t ä t beglückwünschte Deren Dekan, Prof. Dr. Kuhn, das Physiologische Institut und seinen Leiter zu dem neuen und schönen Heim. Prvf. Dr. Bürker habe hier ein Institut ge­schaffen, das als schönstes physiologisches 3n- ftihit Deutschlands anzusprechen sei und das zum Ruhen und zum Ruhme der Fakultät diene. Die medizinische Fakultät danke der Regierung und dem Landtag für die hier wiederum bc- kundete Großzügigkeit, und sehe di:fe Tat als eine Gewähr dafür an, daß dieses schöne Institut nicht der letzte Bau auf dem Gelände der Kli­niken fei, sondern alle die toeiteren dringenden Bauten, Stein für .Stein, Stockwerk für Stock­werk, ein Bau nach dem andern aufgeführt wer­den. Zum Schlüsse gab der Redner Die Er­nennung des bisherigen Finanzministers H e n- r i ch zum Ehrendoktor der Medizin bekannt.

Für Die veterinär-medizinische Fa­kultät sprach deren Dekan, Geheimrat Prof. Dr. O l t, gleichfalls herzliche Glückwunschworte, wobei er Die hohe Bedeutung der physiologischen Wi senschajt auch für die Veterinärmedizin her­vorhob und zwischen beiden ein weiteres gutes Zusammenarbeiten, wie bisher, wünschte.

Prof. Dr. Harrasfowih überbrachte als Vertreter Der beiden Dekane der Philo- sophifchen Fakultät Deren au richtige Glückwünsche und zugleich Dank dafür, daß ein Teil der Philosophie auch in Dem neuen Heim Der Physiologie Ausnahme gefunden habe. Der ReDner huldigte zum Schluß der großen Be­deutung Der physiologischen Wissenschaft.

RachDem noch ein Vertreter Der Studenten­schaft herzliche Glückwunschworte und Dank an Prof. Dr. Bürker zum Ausdruck gebracht hatte, erfolgte ein Rundgang der Gäste durch das im­ponierende Gebäude. Damit fand die würdige Einweihungsfeierlichkeit ihren guten Abschluß.

Wirtschaft.

Oie Reichsbank Mitte Februar.

Nach Dem Ausweis Der Reichsbank vom 15. Fe­bruar hat sich Die gesamte Kapitalanlage Der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 242,9 Millionen auf 2116,5 Millionen Mark verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 279,7 Millionen auf 1963,9 Millionen Mark abgenommen, während Die Lombardbestände um 35,6 Millionen auf 58,4 Mill. Mark und die Estektenbestände um 1,1 Millionen auf 94,3 Millionen Mark angewachsen sind.

An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zu­sammen sind 262,2 Millionen Mark aus Dem Ver­kehr zurückgeflossen, und zwar hat sich Der Umlauf an Reichsbanknoten um 253,4 Millionen auf 3784 4 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 8,8 Millionen auf 605,7 Millionen Mark ver­ringert. Die Bestände der Reichsbank an Renten- bankfcheinen haben sich Dementsprechennd auf 45,0 Millionen Mark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 532,6 Millionen Mark eine Zunahme um 23,6 Millionen Mark.

Die Bestände an Gold- unD deckungsfähigen De­visen insgesamt sind mit 2179,2 Millionen Mark ausgewiesen, im einzelnen Gold mit 1886,4 Millio­nen -Mark und deckungssähige Devisen mit 292,8 Millionen Mark. Die Deckung der Noten durch Gold allein besserte sich von 46,7 0. H. in der Vorwoche auf 49,8 v. H., Diejenige durch Gold und deckungs­fähige Devisen von 54 o.H. auf 57,6 0. H.

Oer Erzbergbau im Januar.

Siegerland: Die Lage der Siegerländer Gruben hat keine Olenierung erfahren. Förderung und Absatz bewegten sich auf Der Höhe Des Vor­monats. Preisänderungen sind nicht erfolgt

Lahn-Dillaebiet und Oberhessen: Obwohl sich durch den Fortfall der Subventionen Die Produltionsbedinaungen für Den Eisenerz-

nahe Straßenecke verschwunden. Ich konnte ihr doch unmöglich folgen, wo der Tischler neben mir stand r

Eine Fährte! Und was für einen Fingerzeig! Fritz, ein Ring fügt sich in der Kelte an Den andern. Wenn Du mir nun mithelfen könntest in dieser Affäre?"

Draußen näherten sich jetzt wieder Schritte. Im Nebenzimmer ging eine Tür.Davon sprechen wir später noch!" meinte Wenger hastig,wenn wir Ruhe haben."

Es wurde draußen an Der Tür gepocht. Wenger schritt hin unD öffnete sie.Monsieur Wenger, man hat soeben angerichtet," hörte Raymond eine Frauen­stimme sagen. Er kannte Madame Grähling, Die greife Haushälterin Des Freundes, unD nahm Ged­iegenheit, sie jetzt zu begrüßen. Er tauschte einige her­kömmliche Worte mit Der Matrone, Die mit ihrem fast unsichtbaren Regime dieses große Haus so vor­trefflich in allen Einzelheiten in Schwung Dielt. Dann zog sie sich bescheiden zurück und beide Herren betraten das Speisezimmer.

Es war im Rahmen einer altessässischen wohlha­benden Bauernstube gehalten. Seit Dem letzten Hier­sein von RaymonD war manches hier vervollständigt worden. Um Den massiven, spreizbeinigen Eichentisch stanDen sechs ebenso spreizbeinige Stühle mit gera= Den, etwas geschnitzten Lehnen lieber Dem Tisch hielt ein runder, dunkelgebeizter Holzring in Form von Kerzen aufrechte elektrische Birnen. Als Tischtuch ein Gedeck von kräftigem, selbstgesponnenem Leinen mit den üblichen, schmal eingewebten roten Streifen. Es trug ein Service aus Den Fayencefabriken von SaargemünD mit den entzückenden Malereien und Szenen aus Dem elsässischen Volksleben, Die Der Straßburger Maler Loux in herrlicher Heimatkunst geschaffen. In Dem hellen Henkelkrug, den Das bäuer­liche Blumenmuster von großen Rosen, Tulpen und Vergißmeinnicht zierte, blinkte Der köstliche rote Dttrotter. Das breit auslaDenbe niedrig gehaltene Büfett enthielt hinter Glasfenstern alte Nickelhumpen und kostbare Kristallgläser im Geschmack vergange­ner Jahrhunderte. An Halder Wandhöhe lief ein Bord mit alten Nickeltellern und Messingkrügen. Um Den riesigen dunkelgrünen Kachelofen lief eine breite eichene Holzdank.

(Fortsetzung folgt.)