dem Repräsentantenhaus zurückgegeben. 3m Dezember 1927 kam die jetzige Fassung zustande, mit der sich der Senat einige Wochen hindurch mit Unterbrechungen besaht hat. Es ist also eine lange Lebensgeschichte, die den Gläubigern des amerikanischen Treuhänders hier auferlegt wurde: aber sie sind immer noch verhältnismäßig gut daran, verglichen mit den Deutschen, deren Eigentum in die Hände der früheren Gegner im Kriege gefallen ist.
Oie Gärung in Samoa.
Neu-Leelaud entsendet neue Truppen gegen die aufständischen Eingeborenen.
Wellington, 19. Febr. (WTB.) Der neuseeländische Premierminister C o a t e s hat folgende Erklärung abgegeben: „Rach den neuesten Rachrichten aus Samoa sind die Bemühungen, zwischen dem sogenannten Mau-Ausschuß und dem loyalen Teil der eingeborenen Bevölkerung eine Verhöhnung zustande zu bringen, gescheitert. Bach den letzten, vom Administrator eingegangenen Berichten hat sich eine bedenkliche Lage herausgebildet und jede von den amtlichen Polizeibehörden unternommene Maß- nahme wird für das Mau-Komitee das Signal für allgemeine Wiedervergeltungsmah- nahmen gegen oic Europäer bilden. Die ganze Polizeimacht ist ohnmächtig und die Aufrechterhaltung des Friedens unwahrscheinlich. Das Kabinett hat deshalb den Beschluß gefaßt, die Kreuzer „D u n d i n“ und ,Diomede" in das Mandatsgebiet zu entsenden, wobei es sich ganz und gar nur um eine vorbeugende Maßregel handelt."
Oie Wahlen in Japan.
London, 20. Febr. (WTD. Funkspruch.) Die Blätter befassen sich in Telegrammen aus Tokio eingehend mit den heute in Japan zum ersten Male unter dem neuen Wahlrecht stattfinben- den Wahlen zum japanischen Abgeordnetenhaus, die von manchen als in vieler Hinsicht die wichtigsten bezeichnet werden, die in Japan stattgefunden haben. „Morning Post" berichtet, daß seit den letzten Wahlen im Jahre 1924 nicht nur die Zahl der Stimmberechtigten von 3 Millionen auf über 12,5 Millionen gesttegen ist, sondern daß auch die Arbeiterschaft als politische Macht zum ersten Male auf dem Feld erscheint. Nach dem „Daily Telegraph" werden di« Wahlen in ganz Japan heute früh um 7 Uhr durch Trommelschlag und Sirenenpfifse angekündiat werden. Für 466 Sitze sind 968 Kandidaten ausgestellt.
Oas Lleberleiiungsgeseh zur Sttafrechtsreform.
Berlin, 19. Febr. (DVZ.) 3m Reichstage ist jetzt der angekündigte Entwurf eines Gesetzes zur Fortführung der Strafrechtsreform eingegangen. Die Borlage ist an erster Stelle von dem Borsitzenden des Rechtsausschusses Abg. Dr. Kahl (D.Bp.) und von Bertretcrn aller bürgerlichen Parteien unterzeichnet. Paragraph 1 lautet: „Die dem Reichstage am 14. Mai und 9. September 1927 zur Beschlußfassung vorgelegten Entwürfe eines allgemeinen deutschen Strafgesetzbuches und eines Strafvollzugsgesetzes unterliegen, wenn der Reichstag in der dritten Wahlperiode nicht über sie beschließt, der Beschlußfassung des Reichstages in der folgenden Wahlperiode, ohne daß es ihrer erneuten Einbringung bedarf. Die Entwürfe gelten als neue Vorlagen." Rach Paragraph 2 tritt dieses Gesetz am Tage nach der Verkündigung in Kraft.
Oie Neuwahlen in Preußen.
Berl in, 19. Febr. (V. D. Z.) Der Preußische Landtag beschloß in seiner Samstagsihung, sich hinsichtlich der Auflösung den Beschlüssen des Reichstages anzuschliehen. Der 25. März als Wahltermin würde aus technischen Gründen nicht in Frage kommen. Als Termin käme nach Ansicht des Aeltestenrates frühe- stens der 2 2. April in Frage. Der Preuh. Landtag wird sich bis zum 1. März vertagen. Inzwischen sollen die Ausschüsse die einzelnen Etats weitervorbereiten. Auch das westfälische Eingemeindungsgesetz soll im Ausschüsse erledigt werden.
Aus aller Welt.
Das Hochwasser.
Die A l p e n f l ü s s e Lech, Wertach, Iller und andere sichren Hochwasser, das überall schweren Schaden anrichtet und auch den neuen Brückenbau über den Lech in Augsburg schwer beschädigt hat. Weite Gebiete sind überschwemmt, Brücken beschädigt und Straßen unpassierbar. 3m Allgäuer Gebiet gleicht die Gegend bei Oberstdorf, Immenstadt und Kempten einem See. Für die Stadt Kempten besteht größte lleberschwemmungsgefahr. Die Verbindung der Bahnlinie Kempten—3sny ist auf unbestimmte Zeit durch Dammunterspülungen unterbrochen. Gestern nacht und heute früh Hot in den Hochalpen starker Schneefall eingesetzt, der bei Anhalten eine weitere Gefahr in sich birgt.
Die anhaltenden schweren Riederschläge der letzten Tage haben in Verbindung mit ausnehmend heftigen Stürmen in ganz Sachsen teilweise schwere Schäden hervorgerufen. Die Elbe ist im raschen Steigen begriffen und überflutete heute in Dresden gegenüber der Drühlschen Terrasse das Ufer. 3m Müglitztal, wo sich in ocr Ro-^t vom 8. zum 9. Juli im vergangenen Jahre die schwere Katastrophe ereignete, hat das ojo^roaiier wiederum starken Schaden angerichtet und auch den neu aufgeschütteten Damm der Müglitzbahn überflutet. Die Bäche und Flüsse des oberen Erzgebirges haben eine ganze Anzahl von Städten und Dörfern überschwemmt und nicht unbeträchtlichen Schaden angerichtet.
Starke Hochwassergefahr für Süd-Mecklenburg.
Die Elbe ist auf mecklenburgischem Gebiet in den letzten Tagen stark gestiegen und bat einen Pegelstand von 2,20 Meter erreicht. Rach den aus dem oberen Stromgebiet eingetroffenen amtlichen Rachrichten ist in den nächsten Tagen ein Hochwasser in größtem Ausmaße zu erwarten Man rechnet mit einem Höchstpegelstand von 3,30 Meter. Ein solcher Wasserstand würde die Ueberflutung der Feldmark vieler mecklenburgischer Dörfer bedeuten.
Schluß her Beweisaufnahme im Kranhpwzeß.
Or. Frey übernimmt wieder die Verteidigung. - Oas Urteil der Sachverständigen.
Berlin, 18. Febr. (WB) Rach dem die Aerzte die Berhandlungssähigkelt des Dng.'klag- ken Krantz festgestellt haben, nimmt die Verhandlung im Krantz-Prozeß heute ihren Fortgang. Die Verteidigung hat RechtSanwall Dr. Frey wieder übernommen. Dec Angeklagte nimmt am Sachverständigenttsch vor der Anklageschranke Platz. Reben ihm sitzen der behandelnde Arzt Dr. Walthausen vom Augusta-Viktoria-Kranten- haus und eine Krankenschwester. Rechtsanwalt Dr. Frey, der mit dem Angeklagten gekommen ist, hat zunächst neben dem Tisch Aufstellung genommen, während noch der Offizialverteidiger, Rechtsanwalt Schulz, den Der- teidigerplatz einnimmt. Als der Vorsi^ende den Verteidiger aufruft, erklärt Rechtsanwalt Dr. Frey: „Ich melde mich als Verteidiger." Vorsitzender Landgerichtsdirettor Dust: „Das Gericht nimmt mit Befriedigung davon Kenntnis, daß der frühere Verteidiger, Herr Rechtsanwalt Dr. Frey, die Ver.eidigung w i e- dcr übernommen hat, was der Erledigung des Prozesses sehr förderlich sein dürfte. Ich nehme ihre Bestellung, Herr Rechtsanwalt Schulz, zurück und danke Ihnen für Ihre Bemühungen.
Die eigentliche Verhandlung beginnt mit der Vernehmung des pädagogischen Sachverständigen, Oberstudiendirektor Dr. G o l d b e ck, der ein Charakterbild des Angeklagten gibt, wobei er darauf hinweist, daß Krantz, wie jeder aus einem musikalischen Hause stammende Mensch, schon von Jugend an seelisch gefährdet gewesen und durch die Erziehung seiner Großeltern verweichlicht worden sei. Er sei aber auch eine Dichternatur, die immer in einer Gedankenwelt lebt und daher zu Gedanken und Taten neigt, zu denen in der realen Gedankenwelt lebende Menschen nicht neigen. In der der Mordnacht vorhergegangenen Rächt habe der Angeklagte 17 Stunden geschlafen. Ein solcher Schlaf sei nicht normal: von ihm erwache der Mensch nicht erquickt, sondern niedergeschlagen. Es ist anzunehmen, daß Krantz sich schon an diesem Abend in schwerer Depression befand. Dazu komme die schwüle, erregende Atmosphäre, der Alkoholrausch und nicht zuletzt der Schreck über den Schuh, den Scheller in der Rächt abfeuerte und der neben seinem Kopfe vorbeiging. Das alles gab eine seelische Verfassung, die den Angeklagten nicht im Tollbesih seiner Geisteskräfte ließ. Rach der wohlerwogenen Meinung des Sachverständigen ist auf Krantz darum der Paragraph 51 anzu- wenden, und zwar nicht nur auf die Rächt, sondern auch für den Morgen der Tat.
Der Vorsitzende befragt Krantz nach dem lange nSchlaf am Tage vor der Mordnacht. Krantz gibt an, daß er pach seinem Zusammensein mit Hilde Scheller von Vs2 Llhr ab mit einer Unterbrechung von zehn Minuten 17 Stunden lang geschlafen habe. Der Verteidiger weist darauf hin, daß Krantz vor der Tat 3 5 S t u n - den lang nichts gegessen habe.
Das Gericht hört bann als Sachverständige die Oberschulrätin Dr. Weg scheide r. Sie führt die innere Labilität des Angellagten auf die
Sechs Grad kalte am Rhein.
Köln, 20. Febr. (WTD. Funkspruch.) Wie von der Rhein-Strom-Verwaltung erklärt wird, kann die Hochwassergefahr als besei- t i g t gelten. Der Rhein fällt langsam, auf den Höhen ist Frost bis minus 6 Grad Celsius eingetreten.
Die Verschuldung der deutschen Städte.
Am 1. Januar betrug die Verschuldung der Städte mit mehr als 25 000 Einwohnern auf den Kops der Bevölkerung in Anhalt 47,7 Mk., in Braunschweig 59,1 Mk., in Mecklenburg-Schwerin 50,6 Mk., in Thüringen 72,4 Mk., in Preußen 51,2 Mk., in Oldenburg 97,8 Mk., in Bayern 98,4 Mk., in Sachsen 111,3 Mk. in Hessen 145 Mk. und in Baden 182,5 Mk. Im Süden und im Südwesten Deutschlands und in Sachsen lag die Schuldenbelastung erheblich über dem Durchschnitt für das gesamte Reich. Weiter zeigt sich, daß die Verschuldung wächst mit der Größe der Städte. Immerhin erreichen die Ziffern trotz der schwierigen finanziellen Zeitverhältnisse und der Entwertung des Geldes längst nicht die Zahlen der Vorkriegszeit, in der die deutschen Städte mit über 25 000 Einwohnern jedes Jahr 650—750 Millionen Schulden aufnahmen.
Der Reichspräsident bei Runtius Pacelli.
An äßlich dec Wiederkehr des Krönungstages des Papstes Pius XI. gab dec apostolische Run- tius P a c e l l i ein D i n e r, das von dem Reichspräsidenten v. H i n d e n b u r g mit seiner Anwesenheit beehrt wurde. Ferner nahmen an dem Diner teil: die Reichsminijler Dr. v. Keudell und Dr. Schätze l, Staatsminister Dr. Becker, Weihbischof Dr. Deitmer und mehrere Staatssekretäre.
Dec König von Afghanistan auf der Reise nach Berlin.
Der König und die Königin von Afghanistan haben Sonntag abend Bern verlassen und über Basel die Reise nach Berlin angetreten. Sie sind in Basel eingetroffen. Die Weiterreise nach Deutschland erfolgt Dienstag abend.
Professor Emil Derhees f.
3n diesen Tagen entschlief der Professor der philosophischen Fakultät dec Berliner Llniversität, Dr. Emil B e r h e e s. Der Verstorbene, der früher inbelgischen Diensten stand und noch in jungen Jahren dank seiner hervorragenden Fähigieiten und Eigenschaften zum Ministerialdirektor aufrückte, sah sein Hauptarbeitsgebiet in der Sozialresorm Belgiens, wo er auch nach deutschem Muster Vorblldliches geschasfen hat. Die ganze soziale Gesetzgebung Belgiens ist sein Verdienst. An der Berliner Universität hat er seine reichen praktischen Erfahrungen und sein glänzendes Wissen seinen Hörern vermittelt und auch an der Hochschule für Deutsche Politik, an der er Vorlesungen hielt, stand er in hohem Ansehen. Verhees stammte aus einem allen flämischen Geschlecht, das mit Beethoven in verwandtschaftlichen Beziehungen stand. Schon in seiner Jugend war er ein begeisterter Anhänger der flämischen Freiheitsbewegung, der er später einer der besten Führer war. Seit Jahrzehnten stand er mit deutschen Staatsmännern und deutschen Gelehrten in engsten freundschaftlichen und persön-
ungefeftigten Verhältnisse seiner gesamten Umwelt zurück, auf die schwankenden Zeitanschau- ungen und die Llnsicherheit im Aus- und Ausbau der Schule. So fehlte ihm die feste Linie. Vor jedem Widerstand flüchtete er in sich selbst. In sich aber schwankte er zwischen Liebenswürdigkeit und Traurigkeit, nicht zwischen Liebenswürdigkeit und CBerärgerung oder Wut. Es ist deshalb nicht anzunehmen, daß er aus Rachegefühl, etwa gegen Hilde Scheller, sich an der Tat beteiligen wollte. An dem Selbstmorde wollte er aus jugendlichem Solidaritätsgefühl teilneh- men, ein anderes Motiv bestand für ihn nicht. Sein Vorsatz war kein Vorsatz im Sinne einer bewußt auszuführenden Handlung. — Der Angeklagte ist inzwischen wieder schwach geworden und verläßt mit Arzt und Krankenschwester den Saal. Da alle Prozeßbeteiligten damit einverstanden sind, wird in Abwesenheit des Angeklagten weiterverhandelt. — Dr. Magnus H i r s ch f e l d , der nächste Sachverständige, legt dar, durch welche Einflüsse das Unbestimmte und Schwankende in Krantz' Charakter noch ver- ticft wurde. Krantz sei der geistig Schwächere, Scheller der Festere und Einflußaus- übende gewesen. In der Mordnacht und auch in den Morgenstunden habe der Angeklagte unter dem Einfluß eines schweren Alkoholrausches gestanden. Bei i er Abfassung der ■-Briefe sei die freie Willensbestimmung nicht vorhanden gewesen. Für die Morgenstunden könne man begründete Zweifel an der freien Willensbestimmung haben. Rach der ganzen charaktereologischen und sexualpshchologischen Eigenart des Paul Krantz fei eine bewußte oder beabsichtigte Teilnahme an einem Mord oder Tot.chlag rückschließend nicht anzunehmen. — Stadtarzt Dr. H odann weist auf die Einflüsse hin, die die Verpflanzung eines aus kleinen Verhältnissen kommenden Menschen in das Milieu einer wirtschaftlich bessergeTiellten Familie ausübe. Hin ichtlich der Anilage billigt der Sachverständige dem Angeklagten den § 51 zu. — Dr. med. Kröner verbreitet sich über die Frage, inwiefern für den Angeklagten ein Beweggrund zur Teilnahme an der Tat gegeben gewesen wäre. Der zur Begehung einer solchen schweren Tat notwendige Konfliktstoff fei bei Krantz nicht vorhanden gewesen, wohl aber bei Günther Scheller. Zum Mord an Hilde Scheller fehlte ihm jedes Motiv, auch das der Eifer, ucht. Eine Teilnahme an der Tat Günther Schellers liege bei ihm sicher nicht vor. — Medizinalrat Dr. v. M a h r e n h o l h äußert sich gutachtlich dahin, daß § 51 hinsichtlich der Morgenstunden, in denen die Tat geschah, nicht angenommen werden könne. Das ergebe sich schon aus den eigenen Worten des Krantz, der von sich gesagt habe, er sei zu dieser Zeit wieder ernüchtert gewesen. Auch Professor Dr. Kramer bestreitet die Anwendbarkeit des § 51 für die frühen Morgenstunden. Der Sachverständige räumt aber eine Beeinträchtigung der Entschlußfähigkeit des Angellagten zum planmäßigen Handeln auch für diese Zeit ein. Damit ist die Beweisaufnahme beendet.
llchen Beziehungen. So gestaltete er schließlich aus der Freiheitsbewegung der engeren Heimat ben grohdeutschen und christlich-germanisck en Gedanken, den er mit Begeisterung und eiserner Konsequenz verfochten hat. Mit fast seherischer Gabe hat er die Gemeinsamkeit der flämischen und der deutschen Kultur erkannt. Sein ganzes Handeln war getragen von tiefster religiöser Aeberzeugung. Eine glänzende Persönlichkeit und ein aufrichtiger Freund und Verehrer Deutschlands, das ihm zur neuen Heimat geworden, ist mit ihm ins Grab gesunken.
Die Strafvollstreckung im Tvilms prozeh.
Rachdem nunmehr die Todesstrafen gegen die vier Angeklagten des Wilms-Prozesses in Freiheits st rasen umgewandelt sind, hat die Strafkammer beschlossen, die von der Verteidigung der Verurteilten beantragte Aussetzung der Strafvollstreckung bis zur Erledigung des Wiederaufnahmeverfahrens mangels ausreichender sachlio er Tegrüiidung zurückzuweisen. Die von der Verteidigung beantragte gerichtliche Feststellung, daß die Verurteilten a l s aleberzeugungstäter anzusehen sind und daher die damit verbundenen Vorteile genießen, wird sich voraussichtlich erübrigen, weil nach dem Wortlaute des Schwurgerichtsurteiles Zweifel an der Aeberzeugungstäterschaft nicht bestehen.
Dav Urteil im Induslriespionagepcozeß.
Im Düsseldorfer Industriespionage-Prozeß, der unter Ausschluß der Öffentlichkeit vier Tage dauerte, wurde am Samstagnachmittag das Urteil gefällt. Der Deutsch-Amerikaner Guikw- Weisel wurde zu einem Jahr Gefäng- n i s und 5000 Mark Geldstrafe, der Chemiker Paul Schmittnägel zu fünf Monaten Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe und Dr. Rudolf Reiß zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. An die Rebenlläger hat Meisel zu zahlen: an die I.-G.-F a r b e n i n b u ft r i e A.°G., an die Firma Leopold Casella & Co. und an die Firma Kalle L Co. je 2000 Mark. Schmittnägel und Dr. Rudolf Reiß haben an die beiden letztgenannten Firmen auch je 2000 Mark Schadenersatz zu zahlen. Der von bet Verteidigung gestellte Antrag auf Haftentlassung wurde genehmigt, jedoch mußte Meisel sich verpflichten, vorläufig in Deutschland zu bleiben. Bei der Beurteilung des Strafmaßes ist man bei Meisel davon ausgegangen, daß er als äußerst gewandter Kaufmann Ürchrung und Gebrauch der Geheimverfahren genau kennt. Obwohl Meisel als Beauftragter seiner amerikanischen Firma handelte, sei zu beachten, daß er in der skrupellosesten Weise deutsche Geheimverfahren sich zu verschaffen wußte und diese ins Ausland brachte. Die Folge dieser Industriespionage lassen sich heute noch nicht in vollem Umfange übersehen. Die chemische Industrie ist schwer geschädigt. Erschwerend für das Urteilsmaß war, daß die chemische Industrie von eminenter Bedeutung für das Reich und seinen Bestand ist.
Schiffsunglück.
In Rouen lies gestern nachmittag ein Pe - troleum-FlußdamPfer, als er in den Petroleumhafen geschleppt wurde, infolge eines plötzlichen Anspannens der Schleppseile auf einen anderen im Hafen liegenden Schlepper auf und
wurde leck. Drei Mann der Besatzung, darunter der Kapitän, retteten sich durch Schwimmen. Zwei andere Personen, ein Leichtmatrose und ein Heizer, die auf dem Dampfer blieben kamen ums Geben, da das Schiff innerhalb ganz kurzer Zeit sank. Der Schiffsverkehr im Hafen wird durch bas Wrack, bas gehoben werden soll, nicht gestört.
Schweres Doolsunglück bei San Franzisko.
2lus dem zwischen San Franzisko und Oakland verkehrenden Fährboot »Peraita" ereignete sich eine schwere Katastrophe. Durch eine Sturzwelle, die über das niedrige Vorderdeck ging, wurden etwa vierzig der Passagiere über Bord gespült. Cs gelang, 19 Personen zu retten, die übrigen sind ertrunken. Der zurückgebliebenen Passagiere bemächtigte sich eine Panik.
Späte Aufklärung einer Kindertragödie.
2ei Erdarbeiten in einem noch nicht bebauten Teil einer Straße wurden in Madrid die Gebeine dreier Kinder gefunden. Rach ben dabei aufgefundenen Resten vott'Kleidungsstücken, die von den Angehörigen wiedererkannt wurden, handelt es sich um drei Mädchen, die seit 3Vs Jahren auf unerklärliche Weise verschwunden waren. An der Stelle, wo der unheimliche Fund gemacht wurde, befand sich seinerzeit ein kleiner Hügel, in den Land- Ü reifer eine Höhle gegraben hatten. Die Kinder spielten gewöhnlich in dieser Höhle, und man nimmt an. daß sie durch einen telltoeifen Einsturz dieser Höhle verschüttet wurden.
Durch vermeintlichen Alkohol vergiftet.
3m Zuchthaus in Brieg (Schief.) hat eine Anzahl Strafgefangener eine Flüssigkeit, die bet der Pantoffelherstellung verwendet und von der sie annahmen, daß sie Spiritus enthält, destilliert und getrunken. Daran, mußten mehrere Gefangene infolge Vergiftungserscheinungen ins Anstaltslazarett übergeführt werden, wo bereits zwei gestorben sind.
Der Typhus in Hagen.
Seit dem letzten Bericht vom 13. b. M. sind weitere sechs Typhuserkrankungen hinzugekommen. Es sind somit bisher 71 Typhus- erkrankungen zu verzeichnen. Die Zahl der Todesfälle beträgt bis jetzt 14.
Warenhausbrand in Mecklenburg.
Im Warenhaus Karl Stephan in Dömitz a. E. entstand ein Großfeuer, das sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete. An eine Bergung von Waren war nicht zu denken. Nachdem das Feuer etwa eine Stunde gewütet hatte, stürzte das Warenhaus unter lautem Krachen zusammen. Der Sachschaden wird auf 120 000 bis 150 000 Mark geschätzt.
Uraufführung in Kassel.
Die Urausführung von „A r m « r Kolumbus", verfaßt von Arthur Z w e i n i g e r, Musik von Er- win D r e s s e l, gestaltete sich unter Leitung des Intendanten Legal im Beisein vieler auswärtiger Theaterdirektoren, Regisseure und Pressevertreter mit Viktor M o i s s i in der Titelrolle, Therese von Le m he ny als Königin und Karl Ebharbt als König zu einem großen Erfolg. Die Bühnenbilder von Lothar Schenk von Trapp vom Landestheater in Darmstadt trugen dazu bei, die trefflich vorbereitete Aufführung abzurunden.
Oie Wetterlage.
r--7-
LOn
ibcrdcl
■vaidersuni
«05t
>510
715
Mapkrendi
Bircn-lns.-
’Stocki
itmrb
>00—<'
o 1
. Wien
Paris
Sonntag, den 19 Februar 1023. öh vorn
O Wolkenlos. (3 neuer 3 naro oeaeenu ® woinig. ® oedeett • ReotW * Schnee & Graupeln e,ne»ti X <ifWitter.©windstille. •O'X1* leichter Ost y m4SS|0cr Sudsuowesi q stürmischer nordwesl •le Piene fliegen mit dem wmoe Oie oct oen Stationen stenenden Lj* len gehen die Temperatur an. Die Linien veromdeo Orte mit gleiche® <uf eueresruveau umxerechneten Luftdruck
Wettervoraussage.
Hoher Luftdruck mit zwei Kerngebieten von über 775 Millimeter Hot sich von Rordeuropa nach Südeuropa ausgebreitet. Gleichzeitig zeigt unter weiterer Vertiefung das isländische Druck- fallgebiet eine geringe Ausbreitung. Obwohl wir im Bereich hohen Druckes liegen, wird sich bei uns keine Schönwetterlage entwickeln, beim die verschiedenen herrschenden Windströmungen lassen es zur Bildung von Störungen kommen, die außer wechselnder Bewölkung zu vereinzelten, wenn auch nur geringen Riederschlägen fuhren.
Wettervoraussage für Dienstag: Wolkiges Weller mit stellenweiser Aufheiterung, milde, nur ganz vereinzelt etwas Regen.
W i 11 e r u n g s a u s s i ch t e n für Mittwoch: Meist wolkiges Wetter, Temperaturen wenig verändert und stellenweise Riederhchläge.
Lufttemperaturen am 19. Februar: mittags 8,6 Grad Celsius, abends 7 Grad Celsius: am 20. Fe bruar: morgens 5,8 Grad Celsius. Maximum 2,5 Grad Celsius, Minimum 9,8 Grad Celsius. — Erdtemperaturen am 19. Februar: abends 0,6 Grad Celsius: am 20. Februar: morgens 4,8 Grad Celsius. — Niederschläge: 0,8 Millimeter. — Sonnenscheindauer: 2 Stunden.


