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Kr. 27 5 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger(General-Anzeiger fürGberhessen) Montag, 19. Novemberl928

Berwaltungsratssihung der Haftaba in Darmstadt. WER Darmstadt. 18. Oloü. Hier fand die 5. De-waltungsratssrtzung der Hafraba im Stadtverordnet^ns.tzungssaal des Darmstädter Rathauses stellt. Die gut befugte Versammlung wurde durch Ob^urgermetster Dr. Dlässing eröffnet. Er sprach feine 2Iner!en- ituna über die Arbeit des Hafraba-Vereins auS. die durch die am Vortage im Gewerbemuseum eröffnete Ausstellung am treffendsten iHu- striert fei. Oberbüraermeister Dr. Landmann (Frankfurt o. UL'), der Vorsitzende des Derwal- tungSrats, der in letzter Stunde durch eine,un­aufschiebbare Reife ins Ausland am Erscheinen verhindert war, brachte brieflich sein besonderes Interesse für diese entscheidende Sitzung zum Ausdruck. Unter den Anwesenden befanden sich auch der Minister drS Innern, Leuschner, Prodtnzialdirektvr Dr. 11 f i n g e r, Oberbürger­meister Dr. Külb (Mainz), sowie die Dürger- meister der Städte Mannheim, Heidelberg, G t e- ßen und Freiburg, Vertreter der Industrie- und Handelskammern Darmstadt, Mwnz, W.rsbaden, Vertreter der einschlägigen Industrien und der technischen D.Horden, sowie eine Anzahl weiterer Derwaltungsratsmitglieder.

Der Vorsitzende, Geheimrat Prof. Otzen gab einen ausführlichen Bericht über die Tätig­keit der Hafraba, sowie über die Erfolge des Vereins seit der letzten Derwaltungsrats- sitzung, und wies in seinen beifällig <uifgenom­menen Ausführungen auf das>eutungsvolle imb Shmpt.-nnatische der Wahl gerade Darm­stadts als Stätte dieser Sitzung hin, wird man sich doch jetzt aus dem Rahmen der bisheriMn vorbereitenden Arbeiten am Gesamtprojekt der Hafraba bewußt auf den Dru der Teilstrecke Wainz-Aeckar konzentrieren, nicht nur allein, um Erfahrungen technischer, verkehrswirtschast- lrcher und finanzieller Art zu sammeln, sondern <ruch um den fernerstehenden Interessenten and Mitgliedern die Rentabilität der Idee nach ifr:er planmäßigen Ausführung za zeigen. Die bis­herigen verkrhrswirtscha^lichen Untersuchungen bestättgen mehr und mehr, welch' günstige Vor­bedingungen gerade frier in diesem Wirtschafts­gebiet vorliegrn. Darmstadt sei ofrne Zweifel als objektiver Brennpunkt dieses Wirtschafts­gebiets anzusehen. Der Redner kam dann auf den wichtigsten Punkt der Tagesordnung za spre­chen: Wahl eines Sonderausschusses für den Rhein-Reckar-Abschnitt. Dieser Ausschuß wird Vertreter der Lander, Provinzen (Baden, Hessen, Ro.ssau, Starkenburg und Rhein­hessen), der interessierten Städte, der Industrie- und Handelskammern, der Landwirtschastsküm­mern, sowie der einschlägigen Industrien und der der Hafraba zugehörigen Automobilindustrien und Automobilklubs, sowie von Danken ver­einigen. Er wird sich mit allen die Verwirk­lichung dieses Teilabschnitts betreffenden Fragen zu befassen haben.

Dem Grundgedan'en wurde in der Diskus ion zugestimmt. Hierbei wurde noch zum Ausdruck Spracht, daß neben der für die Tättgkeit des

usschufses wesentlichen Förderung der technischen Ausführung des Pro­jektes und feiner befchlrunigten Ausarbeitung auch die enbgültige Klärung der Benutzung s- entgeltfrage betrieben werden müsse. Der Vorstand bestätigte, daß dies auch seine Auf­fassung fei. and daß in dieser Richtung unaus­gesetzt weitergearbeitet werde.

Zum Schluß wies Oberbürgermeister Dr. G l ä s- sing in eindrucksvollen Waren daraus hin, daß die Sitzung vielleicht noch einmal eine historische Bedeutung haben würde, wenn die in Angriff zu nehmende Teilstrecke vollendet sei und in der Praxis aller Welt beweise, wie sehr die Idee des Baues einer R u r - A u t o ° S t r a ß e durch die zunehmende Motorisierung des Verkehrs sich als notwendig und richtig ergeben habe.

Hafroba-Ausstellung.

WSN. Der Oberbürgermeister der Stadt Darm­stadt, Dr. Glässing, und die Industrie- und Handelskammer hatten zur Eröffnung der Aus­stellung des Vorprojektes der Auto

st raße Hansestädte Frankfurt Da. s e l (Hafraba) unter besonderer Berücksichtigung des Wirtschaftsgebietes Rhein-Main-Neckar ein. geladen. Eine zahlreiche Schar von Interessenten und Vertretern staatlicher und städtischer Behörden war der Einladung gefolgt. Die einführenden Worte des Bürgermeisters B u x b a u m wurden durch einen längeren Vortrag des Präsidenten der Industrie- und Handelskammer ergänzt, der namenllich das Inter­esse der industriellen und Handelskreise an diesem revolutionären" Gedanken der i n t e r n a t i o - nalcnAutostraße darlegte. In den letzten zwei Jahren seit der Aufgreifung dieses Gedankens seien gerade durch den steigenden Auto- und Krafträder- verkehr viele Kreise gewonnen worden. Da gette es nun, die vielen Bedenken oder Befürchtungen, auch wegen der Rentabilität der Autostraße, durch die Ein. richtung einer kurzen, möglichst risikolosen Strecke, wie sie projektiert sei, gründlich zu untersuchen, um rasch zu einem praktischen Ergebnis zu kommen. In­dustrie und Handel sehnten sich nach solchen Nur- Auto-Straßen. Daß die Eisenbahn manche Beförde­rung an das Automobil abtreten müße, liege im Zuge der Entwicklung und fei ganz unabhängig von einer evtl. Autostraße. Die Frage, mit welchem Der» kehrsmittel Güter befördert werden sollten, würde immer durch die Wirtschaftlichkeit beantwortet wer- den. Durch diese Ausstellung sollen die interessierten Verwaltungen von Staat und Stadt und das Publi- kum, dann aber auch die Wirtschaftskreise überzeugt werden, daß das Projekt der Hafraba-Straße keine Utopie, sondern eine durchaus ernst zu nehmende Sache sei.

Anschließend hielt Regierungsrat Dr. Krebs einen fast einstündigen Vortrag, in dem er in ein­dringlichen Dorten für das Projekt warb, das er gleichzettig in seinen einzelnen Teilen und Aus- läufern darstellte. Außerdem gab er reichhaltiges Material über die Gütertarife der Reichsbahn und die Selbstkosten eines Lastkraftwagens bei Belastung mit einem gewissen Entgelt für die Unterhaltung der Autostraße, wodurch die Konkurrenzfähigkeit mit der Reichsbahn immer noch gegeben sei.

Der Geschäftsführer der Hafraba, Direktor Hof (Frankfurt a. M.) führte dann die Anwesenden durch die mit reichem Kartenmaterial, stat'st'schen Angaben, Photographien bereits ausgeführter Teilstrecken und neuen Modellen ausgestattete Ausstellung.

Hessischer Feuerwehriag.

Unter der Leitung des Vorsitzenden des Lan- desausschusses, Damm-Friedberg, fand gestern im Volksbildungsheim zu Frankfurt a. M die Abgeordneten - Versammlung des Landesverbandes Hessischer Frei­williger Feuerwehren statt. Reben den stinunberechttgten Abgeordneten der Wehren (37 Vertreter aus Oberhessen. 79 aus Rheinhessen und 80 aus Starkenburg) wohnten zahlreiche weitere Feuerwehrleute den Verhandlungen bet. so daß der große Saal des VolksbildungSheims vollständig gefüllt war. Als Vertreter der hessi­schen Staatsregierung war Ministerialrat Do ru­sch e u e r - Darmstadt zugegen: ferner wohnten den Verhandlungen bei als Veh erbe übertretet Präsident v. Hahn von der Hessischen Brand- Versicherungskammer. Oberregierungsrat M ul - l e r - Darmstadt. Regierungsrat Walter -Die­burg, Regierungsrat Bracht- Bingen, Regie­rungsassessor Güngerich -Gießen, sowie u. a. die Branddirektoren Paulh und Schänker- Frankfurt a. M. Rach den Begrüßungsansprachen des Vorsitzenden, des Ministerialrats Born- scheuer, des Präsidenten v. Hahn und des Brand­direktors Schänker- Frankfurt wurde in die Ver­handlungen eingetreten. Aus dem Bericht des Vorsitzenden ging hervor, daß die Zahl der Freiwilligen Feuerwehren in Hessen jetzt rund 400 beträgt, das sind 40 mehr als bei der Zäh­lung im Jahre 1926. Fetner bestehen in Hessen noch 8 Berufsfeuerwehren, 25 Werlsfeuerweh- ren und 582 Pflichtfeuerwehren, insgesamt mit 42 000 Mitgliedern. Weiter wurde vom Vor­sitzenden mitgeteilt, daß übet eine ganze Reihe Feuerwehrangelegenheiten Eingaben an die hessische Regierung gerichtet worden sind, die zum Teil eine befriedigende Erledigung fan­den, zum Teil noch Gegenstand von Verhandlun­gen sind. Aus den Berichten der Mitglieder des

Landesausschusses ist u. a. hervvrzuheben, daß eine Vereinigung der »Hessischen Feuerwehr- Zeitung" mit den Zeitungen des Württembetgi- schen. Badischen und Hohenzelletnschen Verban­des geplant ist, die Verhandlungen aber noch nicht zum Abschluß gebracht werden konnten. Der Landesausschuß wurde mit der weiteren Be­handlung dieser Sache beauftragt lieber die Einführung von Gasmasken bei den Feuerwehren berichtete Stadtbranddirektor Braubach -Gießen, der diese Maßnahme aber nicht empfehlen konnte und dazu riet, von der Einführung der Gasmasken Abstand zu nehmen. Branddireltor Schänker- Frankfurt unterstrich diesen Standpunkt. Die Anstellung eines Ge­

schäftsführers für den Landesverband zur ^Interstühung des überbürdeten Verbandsvor­fitzenden. die auch vom Kreisverband Schotten beantragt wurde, erachtete man allseits als not­wendig, indessen muß aus finanziellen Gründen zunächst mxh von der Durchführung eines ent- fprechenden Beschlusses Abstand genommen wer­den. Die Einführung von Feuerwehrunter- richt in den Gewerbeschulen soll durch eine Eingabe an das hessische Ministerium er­strebt werden, wett man sich dadurch eine Aus­breitung und Vertiefung des Interesses für die Feuerwehrsache bei den jungen Leuten verspricht. Die übrigen Verhandlungsgegenstände waren mehr interner Art.

Turnen, Sport und Spiel.

Mahre Seutsche Sportbehörde.

Die Gedenkfeier in der Städtischen Oper Berlin-Charlottenburg anläßlich deS 3 0 j ä h r i - Sen Bestehens der Deutschen Sport- e h ö r d e gestaltete sich am Sonntagvormittag besonders würdig und feierlich. Der D. S. B.- Vorsitzende Lang begrüßte die Erschienenen, barunier Reichsminister Severin g. Reichs­tagspräsident Löbe. Gmeral Heye, Exz. Dr. L e w a l d. sowie zahlr.iche Vertreter a.oßrr deut­scher Städte, vieler Verbände und Vereine und der Presse. Er sprach über das Wesen des Spor­tes. der ein Sammelbecken aller Lebens- und Attersstufen sowie aller Berufe fei. Die Festrede hielt der Rektor der Berliner älnioersität. Geh.- Rat Prof. Dr. H i s. über das Thema .Körper. Geist und Seele". Der eigentliche Festakt brachte einen Glückwunsch der Stadt Berlin, dargeboten durch Prof, von Drigalski, worauf Rechts­anwalt Lang den Präsidenten des Deutschen Reichsausschusses. Dr. L e w a l d, sowse den ver­dienstvollen Förderer des deutschen Sports. Pros. Hueppe, zu Ehrenmitgliedern der D.S.B- er­nannte. SämtlichenSere nen, die auf ein mehr als 30 Jahre langes D.-stehen zurückblicken kön­nen, wurden Hriunben überreicht.

Zum Schluß nahm Dr. L e w a l d das Wort, dankte der Sportb Hörde und begrüßte sie zu den ersten 30 Jahren, denen ebenso erfolgreiche Jahre folgen möchten Dann ließ er die Versammlung ein Hoch auf das deutsche Vaterland, dem wir alle dienen, audbringen.

Fußball in Hessen-Hannover.

Der Bezirk Hessen-Hannover hatte am gestrigen Sonntag nur zwei Spiele. Das Drtstreffen in Kassel zwischen Kurhessen und Sport endete 6:2. Germania Marburg verlor gegen Borussia Fulda 1:4.

Fußball io Süddeutschland.

Bezirk Main-Hessen.

Die Gruppe Main stand gestern vor wich- tigen Entscheidungen. Eintracht Frankurt be­gnügte sich im Hinblick auf die harte Spielweise des Gegners mit einem 3:1 gegen Germania Bieber. Rotweiß Frankfurt büßte infolge schlech­ter Sturmleistungen mit einem 0:2 gegen Union Riederrad seinen zweiten Tabellenplatz ein. F. Spv. Frankfurt erzielte in Hanau gegen den F. C. 93 ein 4:1 und kam hierdurch auf den zweiten Tabellenplatz, den die Frankfurter aller­dings vorläufig noch mit Kickers Offenbach teilen müssen, die gegen Victoria Aschaffenburg ein knappes 2:0 erzielten. Sp. Vgg. 60/94 Hanau und F. Vgg. 03 Fechenheim trennten sich mit einem angemessenen 3: 3.

In der Gruppe Hessen nahmen die Spiele den erwarteten Ausgang. Alemannia Worms schlug Sp. Vgg. Arhmlgen mit 7:2 sehr hoch und F. Sp. V.05 Mainz gewann gegen F. C. 03 Langen mit 4:0. Dagegen verloren auf eigenem Platze Sp. Gern. Höchst gegen Sp. V. Wiesbaden 1:4 und Hassia Dingen gegen Wvrmatta Worms 0:2.

Bezirk Bayern.

In der Gruppe Rvrdbahern erfocht der QL S. V. Nürnberg gegen V. s. R. Fürth

mit 6:1 Toren einen überraschend hohen Sieg. Mit dem gleichen 6:1 schlug die Sp. Vgg. Fürth den F. D. 04 Würzburg. Der l.F. E. Bayrcu h erwies sich Franken Rürnberg mit 3:1 über­legen, dagegen hatte der 1. F. C. Rürnberg in Hof große Mühe, um gegen Baiern ein knappes 1:0 heraus,'-u)olen.

In der Gruppe Südbayern gab es eine große Üeberraschung, da Sp. V. 60 München Wacker München mit 4:1 schlug. Schwaben Ulm bleibt auch weiterhin Punkt los, da die Ulmer gegen Jahn Regensburg 0:4 verloren.

Hertha 3.6.6 - Deutscher Fußballc'ub Prag 5:2.

Der D.F.C. Prag wurde gestern in Berlin einwandfrei von dem Berliner Weister geschla­gen. Trotz Sturm und Regen wohnten etwa 7000 Zuschauer dem Wettkampf bei. 3m allge­meinen erfüllte Prag nicht die großen Erwar­tungen Es zeigte im Felde wohl gute Leistungen, aber die besser durchstehenden Berliner gewan­nen zum Schluß noch leicht. Die Prager gingen in der 13. Mimlle nach "Ausführung eines Straf­stoßes in Führung, aber wenige Minuten später glich Hertha B.S.C- durch Sobeck aus. Durch Trun- Ischka kam der D.F.C. Prag abermals in Füh­rung. In der 33. Minute stellte Kirsei das Halbzeitergebnis auf 2:2. In der zweiten Spiel­hälfte gestaltete Hertha B.S.C. das Spiel für sich und stellte durch drei weitere Tore von Sobeck. Lehmann und Kirsei den Sieg sicher.

Handball her O. T.

Polizei Sport Bockenheimer Turngemeinde 6:3. Tv. Vorwärts Langen To. Aschaffenburg 2:2. Tv. Algenrot Tgde. Schierstein 0:1.

Handball der D. S.S.

Gruppe A. Sp.D. 98 Darmstadt D.f.R. Schwanheim 9:5. Polizei Darmstadt F.Sp.D. Frankfurt 4:5. Rvtweiß Darmstadt Kickers Offenbach 3:0. 04 Arheilgen Polizei Butzbach 7:2. Post-Sp.V. Frankfurt H.S.V. Frankfurt 3:5.

Gruppe B. Polizei Worms Hakoao Wies­baden 5:2. Polizei Wiesbaden Mainz 05 6:4. S.C. Wiesbaden Kastel 06 2:5. Wormatia Worms Sp.D. Wiesbaden 4:0. Germania Wiesbaden Alemannia Worms 0:6.

Kirche und Schule.

I Hungen, 18. Rov. Am Samstag tagte in unserem Schulhaus d'e Arbeitsgemein­schaf t der Junglehrer derKvnferenz- bezirke Lich und Hungern Auch ältere Lehrer waren in ansehnlicher Zahl erschienen. In anschaulicher Weie zeigte Lehrer Jockel. Hungen, in einer Lehrprobe ein methodisch schwieriges Kapitel aus d:r Bruchrechnung, das Vervielfachen von Brüchen. Rach gründlicher Aussprache über d e recht schöne Lektion wandte man sich dem zweüen Teil der Tagung zu. Lehrer Roth, Trais-Horloff, sprach über den Schul­gesang. Er forderte vor allem Pflege des Volksliedes. Diese Liedart. die die in ihm besungenen Gegenstände der deutschen Heimat und dem deutschen Gemütsleben entnimmt, denken wir nur an die deutschen Eichen, den deutschen

II. Morgenfeier im Kammerspielzyklus.

Johannes von Laaz:

Der- Ackermann ans Böhmen".

Mich rührt so sehr böhmischen Volkes Weise ..." Rilke.

Die zweite Morgenfeier des vom Sladtthcater gemeinsam mit dem Goethe-Bund veranstalteten Kammerspielzyklus brachte die Aufführung eines allen deutschen Dollsschauspieles aus dem Jahre 1400: des Johannes von Saaz Trost- und StrellgejprächDer Ackermann aus Böh­men", auchDer Ackermann und der Tod" ge­nannt Da dieses Stück dem großen Publikum un­bekannt, im allgemeinen nur dem Literaturforscher und genauen Kenner unseres frühen Schristtums vertraut ist, war es gut und förderlich, daß In­tendant Dr. Rolf P rasch zu Beginn des Spieles oortrat, um in einer ausgezeichnet durchdachten und stilisierten Rede erschöpfende Auskunft über den Dichter und fein Werk zu geben.

*

So vernahm man, wie ums Jahr 1400 am be­rühmten Hofe Karls IV. ein Kanzleischreiber wirkte, von dessen Leben nicht viel mehr überliefert ist, als daß er, Johannes mii Namen, und aus Saaz in Nordböhmen gebürtig, durch den Tod seine schöne und blüheirde Frau Margarete im Kindbett verloren habe. Mit diesem Schicksalsschlag wurde der bis dahin namenlose Johannes ans Saaz zum Dichter.

Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt. Gab mir ein Gott, zu sagen wie ich leide ..."

Das geflügelte Wort aus demTaffo" fo führte der Vortragende aus, kann füglich als Motto über dem szenischen Dialog zwischen dem Ackermann und dem Tode stehen. Aus dem Schick­salsschlage, den der Schreiber Johannes in seinem Leben erfuhr, erwuchs ihm ein Kunstwerk, welches über die zeitlichen und räumlichen Grenzen feiner Entstehung hinauszuwachsen bestimmt war als eine menschliche Klage von allgemeinster und immer­währender Bedeutung.

Diesen Mann aus Saaz hat sein Unglück zum Wortführer und Fürsprecher unzähliger Menschen gemacht: seinAckermann" wurde, im Geiste der zahlreichen Totentänze seiner Zeit, zu einer stür­mischen und leidenschaftlich bewegten Auseinander­setzung über die letzten und gewaltigsten Dinge der Äett. Das verzweifelte Aufbegehren und zähne­knirschende Sichstemmen und Antrotzen gegen die unerbittliche, schonungslose Gewalt des Todes fin­det im Streitgespräch dessen von Saaz eine sprach­liche Gewalt, bildliche Kraft und dichterischen Schwung des Wortes, die weit über den landläu­figen Stil des Jahrhunderts hinauswachsen und erst in der Sprachschöpfung und Sprachreoolution Luthers, fünf Dierteljahrhunderte später, wieder erreicht werden.

Noch ist der Dichter befangen in den großen und erschütternden Vorstellungen seiner Zeit, der Weitende und letztes Gericht drohend gegenwärtiae Vorstellungen waren, und Gott und Tod in mensch­licher Geswlt zu einer greifbaren Wirklichkeit er­wuchsen. Mittelalterlichen Begriffen gemäß, kleidete er, was er zu sagen und anzuklagen hatte, in die Form des Rechtsstreites ober Kampfgespräches^ so konnte man die einfachen, tiefen, ewig unbeantwor­teten Fragen der Menschheit in die sinnfällige und volkstümliche Gestalt alten Theaterspiels fassen. ,

Und so ist Johannes von Saaz, aus dem Mittelalter geboren, in feiner Stilisierung aber fdjon ins Hu- manlstenjahrhundert und die Frührenaissance hinein- wachsend, als der Schöpfer eines der sprachlich, ge- danklich und theatralisch wettaus bedeutendsten Denkmäler des deutschen Schrifttums vor Sucher zwar ganz noch ein Kind feiner Zett deren geistige Begrenzungen und historische Hintergründe in der Einführung ebenfalls angebeutet wurden, aber fein Werk ist weder an feine Zeit noch an seine landschaftlichen Grenzen gebunden: denn böhmischen Volkes Weise" ist zugleich auch die Weise, die Sprache, Klage, Drohung, Verfluchung und ewige Ohnmacht alles Menschenvolkes vor der Gewall des Todes. DerAckermann" ist ein Spiel um Leben und Sterben, handelnd von den großen und ewigen Gegenständen der Menschheit, die kei­nem Stil und keiner Mode untertan sind, die nie vecallen und an Bedeutung und Gewicht oerfteren können, solange die Well besteht.

Deshalb ist eine Aufführung dieses Spiels kein literarisches Experiment, keine snobistisch gewagte Ausgrabung für einen kleinen und erlesenen Kreis von Kennern, sondern sie wird sich stets an das größte und breiteste Publikum wenden, ein Spiel fürs Volk, ein Gespräch für Menschen, jedermann vetttändlich und im Wesen vertraut.

Man muß nur, wie es hier vortrefflich geschah, die Besucher einführen und vorbereiten auf das, was sie zu hören und zu sehen bekommen. Nach einigen abschließenden Bemerkungen über die text­liche Ueberlieferung und die neuzeilliche Bühnen­bearbeitung (von Dr. Rudolf Frank) begann das Spiel.

Aus dem Ackermann spricht der Dichter, in sei­nen Worten spiegelt sich das Schicksal des Schrei­bers von Saaz, fein Gegenspieler ist die mittelalter- lich-realistisch begriffene Verkörperung des Todes: aus ihrer Rede und Gegenrede ergibt sich die schärfste und unmittelbarste dramatische Spannung der Szene. Alle Worte des böhmischen Bauern sind die unvergänglichen, ewig wiederholten Worte des vom Sterben heimgesuchten Menschen, alles was die Stunde des letzten, bittern unwiderruflichen Abschieds einem eingibt an Klage, Fluch, Trauer, Verzweiflung und Auftecken gegen die uralte Ord­nung der Welt.

Und in der Antwort des Sensenmanns ist alle überirdische Gewalt, alle Statthalterschaft Gottes auf Erden, alle Trostlosigkeit, Unerbittlichkeit, Grausam­keit und gleichmachende Gerichtsbarkeit versammelt, die täglich, nächtlich und stündlich immer wieder und aUentfralben auf Erden dem Menschenvolk wider­fährt.

lieber der Erde aber, über ihrem Leid und ihrer Vergänglichkett wölbt sich ewig der Himmel, über den stürmisch und leidenschaftlich bewegten, aufge- wühlten und wild widereinander gerichteten Wor­ten des Todes und des Menschen erhebt sich tröst­lich, richtend und regierend, bte Stimme Gottes als des Herrschers der Well, dem gleichwie alles Volk hienieden auch der Tod untertänig ist, Lehnsmann und Vollstrecker auf Erden, Sendbote und letzter Begleiter zum jüngsten Gericht.

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Von der Aufführung, durch den Intendanten Dr. Prasch inszeniert, strömte eine starke, ganz un-

literarische Stimmung, eine mächtige und oft ans Herz greifende Wirkung auf die Zuhörer über: das Spiel kam vor allem in feiner ganzen sprachlichen Wucht und Bildkraft ungemein lebendig zur Gel­tung, war auch szenisch durchaus überzeugend ge- ftaüei; schlicht, klar und stilrein in Form und Farbe der mit sparsamen Mitteln wirkenden Raumgestal­tung. (Einige kleine Unebenheiten werden sich ab- schleifen: hier und da hätte der Dialog unmittelbarer und schärfer ineinanbergereifen dürfen.)

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Als Ackermann bot Walter Ebert-Grafsow eine im großen ganzen wohlgelungene Leistung: er hat die derbe, erdhafte, bäuerische Körperlich­keit seiner Rolle, die dröhnende Stimme des irdi­schen Fürsprechers, auch die Leidenschaftlichkeit, die die Gestalt menschlich bewegt. Was er nicht voll­kommen gestaltete, war einegerade hier schwer zu vermissende Stufung und Schattierung tm seeli­schen Ausdruck, die auch in der Sprachgebung zu empfinden fein muß und nirgends vom rein Schau- spielerischen und von der rhetorischen Wirkung ver deckt werden darf, wie es mehrfach geschah.

Eine ausgezeichnete Darstellung erlebte man von. Männert, der den Tod spielte. Die Rolle ist im Sinne einer zugleich mittelalterlichen Auffassung und zeitlosen Gültigkeit ungemein schwer zu spielen und stellt schon rein körperlich (da der Sprecher fast wahrend des ganzen Spiels zu statuarischer Starre verurteilt ist) erhebliche Anforderungen. Tannert zwang die ganze Realistik und Wirklichkeitsnähe einer vermenschlichten und unklassischen Todesvorstellung in seine Gestattung hinein, gab ihr daneben aber das volle Gewicht, die oft erdrückende Ueberlegen- bett eines über menschliches Maß hinausreichenden, tm Jenseitigen wurzelnden Kraft des widerlegenden Wortes. Auch die schillernde, vielfällig modulierte Sprachmelodie der Rolle wurde untadelig be­herrscht.

Für die Stimme von oben, das versöhnlich über den irdischen Streit hin klingende Wort Gottes der Sprecher war auf dem Zettel nicht genannt müßte ein minder Helles und jugendliches Organ (das man hier nicht erwartet) gefunden und einge­setzt werden.

Die Morgenfeier war erfreulich stark besucht und schien eine nachhallende Wirkung auszuüben.