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HUI 7 Erstes Blatt

178. Jahrgang

Samstag, 19. Mai 1928

Erich«,»» 'ü-lich,a»tze, Sonntag« mt Swrtng»

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Die Scholle

fflonati-l tiegstrets.

2 Reichsmark nn6 20 Reichspfennig fir Irägct» lohn, auch bet Nichter­scheinen etnjelner Wummern infolge höhere' Gewalt. F«rafpr«chan|chlllsfe:

51. M und 112

Unichnft füi Drohtnach- richten Snjftgrr Etetze«. polldjfrftonto;

greilturf am Main 11684.

GieheimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dnitf nnb ütrlog: vrLhl'fche UirtDerfilätS'Bed?' nnö Steinörudfrel R. Lange in Gtetzen. Sdfriftleltang and KefchSftrKelle: S^nlWralie 7.

linelmt mr Injeiae» fir di« logeannrnmer Di» »um Jlodimihag vorher.

Preis flr l mm Höhe fir Anzeigen von 27 mm Brette önlich 8, au «märt» 10 Re»chspsenmg fir Rs» ilameanjeigen von 70 n ra Breite -5 *Reidispf«nnig,- Platzvor|chnN 20' mehr.

ffbefrebakteur

Dr Fnedr Dich Lange. Verantwortlich lur Dol'tik Dr Jr Dich Lanae fir Feuilleton l> f> ubgriot, für den übrigen Teil Ernst Blumid)dn, fir den An­zeigenteil Aurt hillmann, Idmtlid) in (Birken

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n Reform deS

toefen, nicht besser gegangen wäre, als seinem Äollcflen Luther, weil eine allmächtige Partei- burcaufrattc es aus bie Dauer als unbe-----

und offensichtliche Mängel, die daS System in der Praxi» gezeigt hat. abstellt.

Dir glauben unfl in der Annahme nicht zu irren, daß nicht zuletzt au» diesen Mängeln unseres Wahlsystem- so manche der Gruppen und Grüppchen, die in der Wah'stttistik unter der Sammelrubrik .Sonstige' zu finden sein werden, den Mut geschöpft haben, mit eigener Wahlliste vor die OeffentlichKit zu treten. Dir erwarten allerdings auch von dem gesunden Sinn unseres Volkes. baft es selbst feinem Wunsch nach einer Reform des Wahlrechts durch eine deutliche Abkehr von allem, was nach Splitterpartei aussieht, svontan Ausdruck gibt. 66 wäre der erste Schritt zur Besserung, wenn all diesen unnatürlichen Gebilden in statu nas- cendi der Hals gebrochen würde. unnatür­lich, weil sie sich ohne die BafiS einer gemein­samen Weltanschauung lediglich zur Qkrtrctung engster wirtschaftlicher Internen oder in an­deren Fällen als Folie für einzelne ehrgeizige oder verärgerte Politiker zufammengefunden ha­ben. Namentlich auf die Millionen unserer Jungwähler, die am Sonntag zum ersten»

empfand den eigenwilligen Mann mittel» der Parteidisziplin bei der Stange zu halten, toa» Wirth ihr allerdings auch zugestandenermaßen oft schwer genug gemacht har Will man also dieser Einstellung breiter Volksschichten Rechnung tragen, fo wird e»_einc der drängendsten Aus­fein müsfen. sich

gaben des neuen Reichstag» endlich zu einer gründlicher Wahlrecht» aufzurasfen. Die die graften Däh- lermafkn wieder an die Politik ftcranbrirgt

Der Witte zur Macht.

Th! fast siebenhundert Dahloorschlägen und mehr, al« |td)slau|cnb Kandidaten marschiert da» deutsche Bolt am 20. Mai zur Wahlurne, um den vierten Reichstag der Republik zu küren Nimmt man zu diesen erschreckenden Fahlen noch di» Tat­sache, daß 31 Parteien in dem nun abgeschlosse­nen Wahlkampf um die Seele de» Dahier» gerun­gen haben, so ergibt sich da» nicht gerade erhebende Bild eine» unzweifelhaften Rekord» sommerlichster Parteizerrlssenheit, die Deutschland sich jemol» geleistet hat Die Ursachen zu dieser 3er- jplitteruna licaen zum guten teil gewiß in der Neigung Oe» Deutschen zu (Eigenbrötelei und Nör- Beisucht. Auch die dem Deutschen nicht ganz mit nrecht nachgesagtc Lust zu Vereinsmeierei und jtiiquenwcsen hat, in» politische übersetzt, sicherlich auch da» ihrige zu diesem heillosen Durcheinander beigetragen Daß endl.ch ausschließliche Standes- Interefien oder gar nur da» Interesse an einer be- sonderen Wirtschnsisfrage zur Bildung von Par­teien geführt hat, beweisen schon die Firmenschil- der, unter Denen sich diese Gruppen zum Kamps um die Wahrung ihrerSonderbelange" wie da» schöne neudeutsche Wort lautet zusammen- gesunden Huben. Aber e» wäre leichtfertig, zu ver­kennen, daß neben dielen, nicht zuletzt im Volks- charakter begründeten Ursachen für die Z-rsplitte- rung unsere» Parteiwesens in wesentlichem Maße doch auch Gründe maßgebend sind, die im System liegen und mit einigem guten Willen behoben wer- den könnten Uns ist nach dem politischen Umsturz da» angeblich freieste und gerechteste Wahlrecht der Welt beschert worden. Aber Freiheit ist in der Praxi» eben nur mit Maß zu ertragen, und wenn bie Gerechtigkeit soweit geht, m t mathematischer Genauigkeit ein System auszukiügeln, das zwar jeden Einzelwillen in Rechnung stellt und keine Stimme unberücksichtigt laßt, aber über die psycho­logische Wirkung auf die Masse der Wähler unbe­baut hinwegschreitet, fo kommen wir durch Frei­heit und Gerechtigkeit in der praktischen Hand- Jabung schließlich xum schlechteste,. Wahlrecht der Belt, da» ein in seinen politischen Anschauungen durchaus gemäßigte» Blatt, wie die .Kölnische Zei­tung", schon ein Zweiklassenwahlrecht genannt hat. Insofern nämlich, al» die Klasie der Parteifunk­tionäre durch die Ausst'luns Der Kandidaten zum Parlament die eigentlidje Wahl vollzieht und die Klasie der gen-ähnlichen Sterblichen gnäbigft zuge- lasien wird, mit ihrem beschränkten Untertanen,cr- Canb zwischen den einzelnen Parteien zu wählen, tren ferVgen Listen sie unbesehen ihren Konsens geben muß

Da» klingt vielleicht etwas Traft, kommt aber leider heutzutage der Wirllichkeit sehr nahe, und man bad sich nicht Darüber täuschen, dah weiteste Kreise unteres Dolle« mit diesem Ver­fahren. wie eS sich unter dem Verhältniswahl- recht ausgebildet hat. in hohem Mafte unzufrieden sind. Sie wünschen keine derart weitgehende De- vonnundung durch die Parteibureaukratie. son­dern erwarten von der Rückkehr zur Wahl von PerlSnlichkeiten ihre» eigensten Betrauens eine Befruchtung de« politischen Geben» und regere Anteilnahme de» ganzen Volke» an politischen Dingen. Sie haben mit Befremden gesehen, daft es möglich war. einen um Deutschlands Rettung au« höchster Rot so hochverdienten Mann, wie den ehemaligen Reichskanzler Dr. Luther an die Wand zu drücken, weil seine gewiß nicht jedermann bequeme und eigenartige Persönlich­keit sich nicht ohne weiteres dem Schema ein­fügen wollte. daS man für seine Kandidaten brauchte und sich für einen wirklichen Staats­mann von Format kein Platz mehr auf irgend einer Liste fand, nachdem die Vertreter aller möglichen berus-ständischen Interessen unter- aebracht waren. Sie mußten schließlich mit Er­staunen sehen, daft e» um ein Haar einer Per­sönlichkeit. wie dem ehemaligen ReichSkansier Dr. Wirth. man mag politisch zu ihm stehen wie man wolle vir sind nie seine Freunde ge-

Fünfzig Jahre Reichskanzlei.

Oer He.chspräfident legt den Grundstein zu dem Erweiterungsbau des Hauses.

Berlin, 18. Mai. (DB.) In Gegenwart des Reichspräsidenten fand heute am Tage be» 50jährigen Bestehen» der Reichskanzlei bie G r u n b htinlegung des Erweiterungsbaues flott. Zu brr Grundsteinlegung waren neben dem Reichspräsidenten Mitglieder des R e i ch s k a b i nett®. Die Spitzen der weltlichen und geistlichen Behörden und ein großer Kreis weiterer Gäste erschienen. Gegen 12.45 Uhr traf der Reichs- Präsident in Begleitung des Staatssekretär» Meißner vor dem Rcichskanzlergebäude ein, wo er vom Reichskanzler und dem Stoatsfekretär der Rcikskanzlei, Dr. Pünder, empfanaen wurde. Während eine Musikkaoclle der Reichswehr das fyiUeluja von Händel spielte, wurde der Reichs­präsident in ein auf dem Baugrundstück errichtetes 3elt geleitet. Rach Bortrag des von Professor Georg Schumann für bie Feier komponierten Eymbolum von Goethe burch brn Domchor unter Leitung des Professor Rubel la» ber Reichspräsident bie von Ihm für den Grundstein vollzogene Urkunde, die folgenden Wortlaut hat:

Am heutigen läge, an dem die Reichskanzlei ihr 50jährige» Bestehen feiert, vollziehe ich die Grundsteinlegung zu ihrem Erweiterungsbau. Mit dankbarer Gesinnung gedenken wir bei dieser Gelegenheit de» Gründer» und Schöpfer» der Reichskanzlei, de» Fürsten Bismarck, des ersten Kanzlers de» Reiche». Wit müssen die auf den ersten Reichskanzler zurückgehende wertvolle Tradition hingebungsvoller Arbeit am Vater­lande, die in dem alten Gebäude vorbildlich ge­wesen ist. auch auf das neue f/au» übertragen! Und möge der alle Geist selbstlosen Dienste» für Deutsche» Reich und Deutsche» Volk der Reichskanzlei auch künf­tig bei Erfüllung der ihr obliegenden Pflichten und verantwortungsvollen Aufgaben sich bewäh­ren zum Segen unseres Vaterlandes und seiner Zukunft."

Berlin, IS. Mai 1928.

Der Reichspräsident: ge). v. Hindenburg.

Der Reichskanzler: Dr.h_c.2nar x.

Runmchr ergriff der Rei chskanzler daS Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. fol­gendes aussührte: .Auf den Schultern des alten Reichskanzler-. deS Fürsten DiSrnarck, lastete ein fast übermenschliches Maft von Ver­antwortung und Arbeit, das nur ein Staatsmann von seinem gewaltigen Ausmaße bewältigen konnte. ES ist nur natürlich, daß er sich zur technischen Erledigung der ihm auf- erlegten Deschäst» 1 ast ein eigenes Amt schuf. daS feiner Perlon allein unterstand. Rach- dem der Reichstag die zur Errichtung der neuen Behörde erforderlichen Mittel bewilligt hatte, erging heute vor 50 Jahren die KabinettSorder, durch welche die Schaffung dieses neuen Amtes genehmigt und der vom Fürsten Bismarck selbst gewählte Rame .Reichskanzlei" ihm bei- ^t wurde Ihr Amtssitz war unser Reichs- erpalais. in dem sie sich heute noch befindet. Rach dem Umsturz hat unsere neue Verfassung dem Reichskanzler eine andere Stel­lung gegeben. Er allein ist nicht mehr dem

Parlament verantwortlich, sondern jeder ein­zelne der Minister tragt für sein Resfort diese Verantwortung. Damit ist auch die Stellung der Reichskanzlei eine andere g.-worden. Sie ist über bie Behörde des Reichskanzlers hinaus- gewachsen zur Zentralbehörde der Reichsregierung Sie bat neben den von srüher übernommenen Ausgaben die Rolle eines Vermittlers zwischen den verschiedenen Mi­nistern übernommen.

Ein glückliches Zeichen will, daß unser all- verehrter Herr Reichspräsident die Grund­steinlegung rollziehen kann, an dem Tage, an dem die ReichSlanzlei das Fest ihres 50- jährigen Geburtstages begehen kann. Wir tbnnen und wollen nicht daran denken, einen Prachtbau zu errichten: er soll auch den unS folgenden Generationen tierer vor Augen führen. waS der heutigen Lage des Reiches und Volles entsprach So muß dieser Dau ein Sym- bol sein für den Wiederaufstieg unsere- Reiches und 'Volles in steter ernster und tatkrästiger Arbeit und strenger Pslichtersüllung.

Rach dieser Ansprache legte mit Zustimmung dc» Reich-prasidenten der Staatssekretär der Reichs­kanzlei Urkunden und Münzen in die Kapsel, die alsdann von dem Overmeister der Berliner Klemp­ner, Kunitz, verschlossen und von dem Staats­sekretär der Reichskanzlei in den Grundstein versenkt wurde, während der Domchvr diese symbolische Handlung mit dem Liede:Label den Herrn ..begleitete. Darauf begaben sich der Reichspräsident und der Reichskanzler nach der Stelle des Grundsteines, an der der Reichsprä­sident die eigentliche Grundsteinweihung In feierlicher Weise vornahm, indem er mit einer von dem Obermeister der Berliner Bauinnung, Schröter, empfangenen Kelle den bereitgdjal- ter.en Mörtel auf den Stein warf. Rach Aufsetzung be» Derschlußstücke» übergab ein Meister mit dem Zunftspruch:Mit Gunst, Gott segne ein ehrliche» Handwerk, Meister und Gesellen!" den Hammer b<ni fheldjsranjier, der ihn dem Reichspräsidenten überreichte. Nunmehr vollzog der Reichspräsi­dent drei Hammerschläge mit dem Spruche: Immer und in allen Dingen zuerst das Daterland!" Ihm folgte Der Reichs- fangler mit den Dorten:In dieser weihevollen Stunde fasie ich die für Volk und Vaterland von uns f,.'hegten Wünsche zusammen In die bedeu­tungsvollen Schlußworte unseres Deutschlandliebes Einigkeit und Recht und Freiheit". Als­dann traten an den Grundstein heran ber Reichs- tagspräfibent Lobe, der preußische Ministerpräsi- bent Braun, der Stellvertreter des Neichskanz. ler», Erz. Hergt, der Vertreter des Reichsrats, bayerischer Gesandter v. Preger, der Oberbür­germeister von Berlin, Böß, ber Staatssekretär in ber Reichskanzlei, Dr. Pünder, der Architekt, Prvfesior Dr. Siedler und der Leiter der Reichs­bauverwaltung für die Reichsministerien, Oberbau­rat Groß, die mit je einem besonderen Spruch drei Hammerschläge vollzogen. Mil einem Dortrag des Domchors fand die Feier ihren Abschluß.

Anhaltende Besserung im Befinden Stresemanns.

Berlin, 18.Mai. (WB.) Heber daSBefinden deS Reichsministers des Auswärtigen Dr. Stresemann Ist heute abend von den be­

handelnden Aerzlen folgende Mitteilung ergangen:

.Das Befinden des Reichsaußenministers Dr. Stresemann hat sich zur Zelt so erheblich gebessert daß voraussichtlich von weiteren Bulletins Abstand genommen werden kann, gez. Prof. Dr. ft. Zondeck. San.-Rat Dr G i sevius. Dr. Schulmann."

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teilt, hat der preussische Ministerpräsident Dr. Braun an den Rcichsaußenminlfter Dr. Strese» mann das solgende Schreiben gerichtet:

»Hochverehrter Herr Reichsministerl Das preußische Staalsrninlsterium. das mit großer Besorgnis und Anteilnahme den Verlauf Ihrer Krankheit verfolgt hat. hat mit großer Freude vernommen, daß In Ihrem Be­finden eine fortschreitende Besserung eingetreten ist. Die Herren Staatsminifter und ich geben der Hoffnung Ausdruck, daß diese Besserung anhalten und zur recht baldigen voll­ständigen Wiederherstellung Ihrer Gesundheit führen möge. Mit den besten Grüßen Ihr sehr ergebener gez.: Braun."

Reichskabinett und Reichsbahntans.

(Eigene Drahtmeldung be» .Gießener Anzeigers*.

Berlin. 19. Mal. Wie wir von gut unter­richteter Seite nachträglich er iahten, ist die Ä a - binettSsitzuna^ die sich hauptsächlich mit dem Antrag der Reichsbahn aus Tarif.*r Höhung befaßte, recht lebhaft verlau'en. Reben der rein sachlichen Argumentation trat augenscheinlich eine ausgesprochene Mißstimmung gegen bie R^: > chSbahn zutage. Dor allem dürste diese Einstellung von selten der Regierung her- vorgerufen sein durch ein allerdings etwas merk­würdiges Qkrfobren der Reichsbahn und ihres Prästanten. der noch vor Ueberrelchung der Tariferböhun^ödmllchritt an die Reichsregi- rung diese einem kleinen Kreis führender Jour­nalisten übergab allerdings mit b.-r Maß­gabe. sie vertraulich zu behandeln, so daß auf diesem Wege einige wichtige Mitteilungen doch an die Oessentllchkeit kamen.

Wie zu erwarten war. scheint ein Beschluß über eine eindeutige Ablehnung d'S TariserhöhungSanttages nicht zustande gekom­men zu sein. Die Regierung, die nach tkn gesetzlichen Verpflichtungen gehalten ist, biS spä­testen- zum 22. Mai der Reichsbahn irgend­eine Antwort zu erteilen, wird wohl In ber Hauptsache erklären, dah sie nur eine vor- läufige Ablehnung ausspricht und daß man daS Ergebnis weiterer Verhandlungen über die Möglichkeiten einer andersartigen F i - nanzierung Kreditbeschaffung im Inland, Auslandanleihe und Aenderung der Abschreibe­ziffern in der Bilanz abwarten müsse. Der AeichSverkchrSminister wird noch einige Rück­fragen stellen. Dir ReichsregierunA soll ge­nauere Angaben über ihre Bilanz, über ihm Vermögens st and und vor allem auch darüber machen, ob die von der Reich-bahngesellschast benötigten Mittel vorläufig nicht durch Kre­dite statt durch eine Tariferhöhung beschafft werden tonnen.

mal zur Urne schreiten, setzen wir unsere Hoff­nung. Ihr kritischer Blick, ihr gesundes Ge­fühl. ihr unbefangenes Urteil wird sie zu einer der großen politischen Parteien führen, die alS Ausdruck einer bestimmt umgrenzten Well- anfdiauung auS der Geschichte unsere- deutschen Volkes erwachsen und eng mit ihm verwurzelt ein Teil seines Selbst geworden sind. Unge­achtet aller Krittk an den abstoßenden Aus­wüchsen unsere- Parteiwesen-, wie sie nament­lich der Idealismus unserer Jugend häufig und mit Recht übt, darf doch nicht daS eine ver­kannt werden, daß in unserem heutigen parla­mentarischen Staat die großen Parteien alS I einzige Möglichkeit, einen politischen Dillen zum Ausdruck zu bringen, nicht entbehrt werden können. Und wählen heißt wollen, heißt Wille zur Macht. Seine Stimme an Split­terparteien verzetteln ober gar au- Abneigung gegen das herrschende System der Wahlhand­lung überhaupt fernbleiben, heißt aber, sich frei­willig dieser polittschen Macht entäußern, die der Staat jedem seiner Bürger mit dem Stimm­zettel in die Hand gelegt hat: heißt, daS stolze und heilige Recht preiSgeocn. um da- Gene­rationen unserer Väter in heißen Kämpfen mit ihrem ganzen Herzen gerungen haben' heißt schließlich, den Parteien den Steigbügel zu Ein­fluß und Macht im eigenen Staat zu halten, deren Stärkung bei nüchterner Ucberlcgung man zu allerletzt wünschen würde.

Worum geht es nun bei dieser Wahl? Welche Aufgaben erwarten den Reichstag, dm wir durch die Abgabe unseres Stimmzettels in dm Sattel heben sollen? 3n erster Linie, alles andere in den Schattm stellend, steht da da- große auften- polittsche Ziel einer Revision des DaweS- Plans mit der Wirkung einer enögültigen Be­grenzung unserer Zahlungsverpflichtungen auf ein für die deutsche Wirtschaft erttägliches Maß. älnabhängig davon wird der Kampf um die

längst überfällige Räumung der befefcten rheinischen Gebiete mit aller Energie weiterzuführen sein. Der amerikanisch? Pa.tvor- schlag einer internationalen Aechtung des Krie­ges und das AbrüstungZproblem ftnb für die deutsche Außenpolltik Waffen von unschätzbarem Wert im Ringen um die Gleichberechtigung Deutschland- im Konzert der Ration em Schärfste Aufmerksamkeit ersordert unsere O st g r e n z e, eine Garantierung durch ein sogenanntes Ost­locarno kann unter keinen Am ständen in Frage kommen, ilnfere Beziehungen zum österreichische Drudervolke im Sinne einer kulturellen und wirt­schaftlichen Vorbereitung des politischen An­schlüsse- erfordern sorgsamste Pileae. Unterer ganzen Fürsorge bedürfen die deutschm Min­derheiten jenseits der ReichSgrenzen, nament­lich in Südtirol, dellen schmachwürdige Behand­lung durch den italienischen Faszismus das ein­zige ernsthafte Hindernis für ein gutes Ein­vernehmen zwischen Deutschland und Italien bil­det, Rennt man noch Rußland, das überaus Mffüile Problem der Weiterbildung unseres HandelSverttagsnetzeS. die mit den Reparatio­nen eng zusammenhängende Frage der AuS- landanleihen. so haben wir mit wenig Strichen ein noch durchaus lückenhaftes außenpolitisches Programm, an dem der neue Reichstag sich schon die Zähne wird auSbeißen können.

Huf dem Gebiet der inneren Politik er­warten wir von dem kommenden Parlament vor allem einmal energische Schritte zur Verwirklichung der immer wieder angetünbigten, aber auch stets in den bescheidensten Anfängen stecken gebliebenen L e r f a f s u n g s - und Derwaltungs. r c f o r m, wobei weniger Gewicht zu legen ist auf zwar gründliche, aber im Grunde doch wenig frucht- bare theoretische Erörterungen über prinzipielle Fragen, wie z. B. ob vom Einheitsstaat oder von einer föderativen Staatsoerfassung alles Heil zu erwarten ist, sondern endlich einmal, wenn auch in

bescheidenstem Maße der Anfang gemacht wird zu einem Abbau unseres mammuihaften parlamen­tarischen Apparats, zu einer klaren Trennung der Aufgabenkreise von Reich, Landern und Gemein- den und zu einer Entlastung der staatlichen Ber« Wallung von Ausgaben, die ihrer Natur nach den Selbstoerwaltungskorpern oder privater Initiative überlassen bleiben müßten. Auf diesen Reform- arbeiten fußt der Finanzausgleich und die immer wieder angekündigte, aber heute noch erwartete Neuregelung des Steuerwesens mit der endlichen Senkung der öffentlichen Abgaben einschließlich der Soziallasten durch Beschrän- kung der sozialen Fürsorge auf ein für alle Teile ber Wirtschaft, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, trag­bares Maß und größtmögliche Ausschöpfung der angesammelten Kapitalien zugunsten der Sozial- träger unter DeiHichl auf einen aus politischen Gründen übermäßig aulgeschwcmmten Berwal- tungsapparat und Einrichtungen, die in keinem Verhältnis zu der wirtschaftlichen Lage Deutsch- lands stehen.

Damit sind wir schon mitten auf wirtschasts- politischem Gebiet, auf dem in letzter Zeit die Diskrepanz zwischen Arbeits- und Dirtfchastsmini- fterium sich besonders unheilvoll ausgeroirtt hat. Hier eine Aenderung, unter Umstanden durch Zu- fammenlcgung beider Ministerien in eine Hand her- beizuführen, ist eine besonders dringliche Aufgabe des neuen Reichstags. Den Ausbau der Nothllfe für unsere heimische Landwirtschaft, die in dem Notprogramm der letzten Reichsregierung hoff- nurgsroü begonnen wurde, :n Z-si.bach. . ang mit großzügiger Siedelungspolitik nchaml mit und Regierung angelegen (eir> Uhr, und FreÜaß, nicht mit offenem Auge zuseher rufsftanb wgrunbe geht, der-----

mischten Agrarindustriestaat votdeken am 20A28 feste Erundelement des olaotdP^AM*>!r'<*<y,et*<®£' Zollpolitik den rechten 21 r6®"* v

Interessen von Landwirtschaft