HUI 7 Erstes Blatt
178. Jahrgang
Samstag, 19. Mai 1928
Erich«,»» 'ü-lich,a»tze, Sonntag« mt Swrtng»
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Die Scholle
fflonati-l tiegstrets.
2 Reichsmark nn6 20 Reichspfennig fir Irägct» lohn, auch bet Nichterscheinen etnjelner Wummern infolge höhere' Gewalt. F«rafpr«chan|chlllsfe:
51. M und 112
Unichnft füi Drohtnach- richten Snjftgrr Etetze«. polldjfrftonto;
greilturf am Main 11684.
GieheimAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Dnitf nnb ütrlog: vrLhl'fche UirtDerfilätS'Bed?' nnö Steinörudfrel R. Lange in Gtetzen. Sdfriftleltang and KefchSftrKelle: S^nlWralie 7.
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n Reform deS
toefen —, nicht besser gegangen wäre, als seinem Äollcflen Luther, weil eine allmächtige Partei- burcaufrattc es aus bie Dauer als unbe-----
und offensichtliche Mängel, die daS System in der Praxi» gezeigt hat. abstellt.
Dir glauben unfl in der Annahme nicht zu irren, daß nicht zuletzt au» diesen Mängeln unseres Wahlsystem- so manche der Gruppen und Grüppchen, die in der Wah'stttistik unter der Sammelrubrik .Sonstige' zu finden sein werden, den Mut geschöpft haben, mit eigener Wahlliste vor die OeffentlichKit zu treten. Dir erwarten allerdings auch von dem gesunden Sinn unseres Volkes. baft es selbst feinem Wunsch nach einer Reform des Wahlrechts durch eine deutliche Abkehr von allem, was nach Splitterpartei aussieht, svontan Ausdruck gibt. 66 wäre der erste Schritt zur Besserung, wenn all diesen unnatürlichen Gebilden in statu nas- cendi der Hals gebrochen würde. — unnatürlich, weil sie sich ohne die BafiS einer gemeinsamen Weltanschauung lediglich zur Qkrtrctung engster wirtschaftlicher Internen oder in anderen Fällen als Folie für einzelne ehrgeizige oder verärgerte Politiker zufammengefunden haben. Namentlich auf die Millionen unserer Jungwähler, die am Sonntag zum ersten»
empfand den eigenwilligen Mann mittel» der Parteidisziplin bei der Stange zu halten, toa» Wirth ihr allerdings auch zugestandenermaßen oft schwer genug gemacht har Will man also dieser Einstellung breiter Volksschichten Rechnung tragen, fo wird e»_einc der drängendsten Ausfein müsfen. sich
gaben des neuen Reichstag» endlich zu einer gründlicher Wahlrecht» aufzurasfen. Die die graften Däh- lermafkn wieder an die Politik ftcranbrirgt
Der Witte zur Macht.
Th! fast siebenhundert Dahloorschlägen und mehr, al« |td)slau|cnb Kandidaten marschiert da» deutsche Bolt am 20. Mai zur Wahlurne, um den vierten Reichstag der Republik zu küren Nimmt man zu diesen erschreckenden Fahlen noch di» Tatsache, daß 31 Parteien in dem nun abgeschlossenen Wahlkampf um die Seele de» Dahier» gerungen haben, so ergibt sich da» nicht gerade erhebende Bild eine» unzweifelhaften Rekord» sommerlichster Parteizerrlssenheit, die Deutschland sich jemol» geleistet hat Die Ursachen zu dieser 3er- jplitteruna licaen zum guten teil gewiß in der Neigung Oe» Deutschen zu (Eigenbrötelei und Nör- Beisucht. Auch die dem Deutschen nicht ganz mit nrecht nachgesagtc Lust zu Vereinsmeierei und jtiiquenwcsen hat, in» politische übersetzt, sicherlich auch da» ihrige zu diesem heillosen Durcheinander beigetragen Daß endl.ch ausschließliche Standes- Interefien oder gar nur da» Interesse an einer be- sonderen Wirtschnsisfrage zur Bildung von Parteien geführt hat, beweisen schon die Firmenschil- der, unter Denen sich diese Gruppen zum Kamps um die Wahrung ihrer „Sonderbelange" — wie da» schöne neudeutsche Wort lautet — zusammen- gesunden Huben. Aber e» wäre leichtfertig, zu verkennen, daß neben dielen, nicht zuletzt im Volks- charakter begründeten Ursachen für die Z-rsplitte- rung unsere» Parteiwesens in wesentlichem Maße doch auch Gründe maßgebend sind, die im System liegen und mit einigem guten Willen behoben wer- den könnten Uns ist nach dem politischen Umsturz da» angeblich freieste und gerechteste Wahlrecht der Welt beschert worden. Aber Freiheit ist in der Praxi» eben nur mit Maß zu ertragen, und wenn bie Gerechtigkeit soweit geht, m t mathematischer Genauigkeit ein System auszukiügeln, das zwar jeden Einzelwillen in Rechnung stellt und keine Stimme unberücksichtigt laßt, aber über die psychologische Wirkung auf die Masse der Wähler unbebaut hinwegschreitet, fo kommen wir durch Freiheit und Gerechtigkeit in der praktischen Hand- Jabung schließlich xum schlechteste,. Wahlrecht der Belt, da» ein in seinen politischen Anschauungen durchaus gemäßigte» Blatt, wie die .Kölnische Zeitung", schon ein Zweiklassenwahlrecht genannt hat. Insofern nämlich, al» die Klasie der Parteifunktionäre durch die Ausst'luns Der Kandidaten zum Parlament die eigentlidje Wahl vollzieht und die Klasie der gen-ähnlichen Sterblichen gnäbigft zuge- lasien wird, mit ihrem beschränkten Untertanen,cr- Canb zwischen den einzelnen Parteien zu wählen, tren ferVgen Listen sie unbesehen ihren Konsens geben muß
Da» klingt vielleicht etwas Traft, kommt aber leider heutzutage der Wirllichkeit sehr nahe, und man bad sich nicht Darüber täuschen, dah weiteste Kreise unteres Dolle« mit diesem Verfahren. wie eS sich unter dem Verhältniswahl- recht ausgebildet hat. in hohem Mafte unzufrieden sind. Sie wünschen keine derart weitgehende De- vonnundung durch die Parteibureaukratie. sondern erwarten von der Rückkehr zur Wahl von PerlSnlichkeiten ihre» eigensten Betrauens eine Befruchtung de« politischen Geben» und regere Anteilnahme de» ganzen Volke» an politischen Dingen. Sie haben mit Befremden gesehen, daft es möglich war. einen um Deutschlands Rettung au« höchster Rot so hochverdienten Mann, wie den ehemaligen Reichskanzler Dr. Luther an die Wand zu drücken, weil seine gewiß nicht jedermann bequeme und eigenartige Persönlichkeit sich nicht ohne weiteres dem Schema einfügen wollte. daS man für seine Kandidaten brauchte und sich für einen wirklichen Staatsmann von Format kein Platz mehr auf irgend einer Liste fand, nachdem die Vertreter aller möglichen berus-ständischen Interessen unter- aebracht waren. Sie mußten schließlich mit Erstaunen sehen, daft e» um ein Haar einer Persönlichkeit. wie dem ehemaligen ReichSkansier Dr. Wirth. man mag politisch zu ihm stehen wie man wolle — vir sind nie seine Freunde ge-
Fünfzig Jahre Reichskanzlei.
Oer He.chspräfident legt den Grundstein zu dem Erweiterungsbau des Hauses.
Berlin, 18. Mai. (DB.) In Gegenwart des Reichspräsidenten fand heute am Tage be» 50jährigen Bestehen» der Reichskanzlei bie G r u n b • htinlegung des Erweiterungsbaues flott. Zu brr Grundsteinlegung waren neben dem Reichspräsidenten Mitglieder des R e i ch s k a b i • nett®. Die Spitzen der weltlichen und geistlichen Behörden und ein großer Kreis weiterer Gäste erschienen. Gegen 12.45 Uhr traf der Reichs- Präsident in Begleitung des Staatssekretär» Meißner vor dem Rcichskanzlergebäude ein, wo er vom Reichskanzler und dem Stoatsfekretär der Rcikskanzlei, Dr. Pünder, empfanaen wurde. Während eine Musikkaoclle der Reichswehr das fyiUeluja von Händel spielte, wurde der Reichspräsident in ein auf dem Baugrundstück errichtetes 3elt geleitet. Rach Bortrag des von Professor Georg Schumann für bie Feier komponierten Eymbolum von Goethe burch brn Domchor unter Leitung des Professor Rubel la» ber Reichspräsident bie von Ihm für den Grundstein vollzogene Urkunde, die folgenden Wortlaut hat:
„Am heutigen läge, an dem die Reichskanzlei ihr 50jährige» Bestehen feiert, vollziehe ich die Grundsteinlegung zu ihrem Erweiterungsbau. Mit dankbarer Gesinnung gedenken wir bei dieser Gelegenheit de» Gründer» und Schöpfer» der Reichskanzlei, de» Fürsten Bismarck, des ersten Kanzlers de» Reiche». Wit müssen die auf den ersten Reichskanzler zurückgehende wertvolle Tradition hingebungsvoller Arbeit am Vaterlande, die in dem alten Gebäude vorbildlich gewesen ist. auch auf das neue f/au» übertragen! Und möge der alle Geist selbstlosen Dienste» für Deutsche» Reich und Deutsche» Volk der Reichskanzlei auch künftig bei Erfüllung der ihr obliegenden Pflichten und verantwortungsvollen Aufgaben sich bewähren zum Segen unseres Vaterlandes und seiner Zukunft."
Berlin, IS. Mai 1928.
Der Reichspräsident: ge). v. Hindenburg.
Der Reichskanzler: Dr.h_c.2nar x.
Runmchr ergriff der Rei chskanzler daS Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. folgendes aussührte: .Auf den Schultern des alten Reichskanzler-. deS Fürsten DiSrnarck, lastete ein fast übermenschliches Maft von Verantwortung und Arbeit, das nur ein Staatsmann von seinem gewaltigen Ausmaße bewältigen konnte. ES ist nur natürlich, daß er sich zur technischen Erledigung der ihm auf- erlegten Deschäst» 1 ast ein eigenes Amt schuf. daS feiner Perlon allein unterstand. Rach- dem der Reichstag die zur Errichtung der neuen Behörde erforderlichen Mittel bewilligt hatte, erging heute vor 50 Jahren die KabinettSorder, durch welche die Schaffung dieses neuen Amtes genehmigt und der vom Fürsten Bismarck selbst gewählte Rame .Reichskanzlei" ihm bei- ^t wurde Ihr Amtssitz war unser Reichs- erpalais. in dem sie sich heute noch befindet. Rach dem Umsturz hat unsere neue Verfassung dem Reichskanzler eine andere Stellung gegeben. Er allein ist nicht mehr dem
Parlament verantwortlich, sondern jeder einzelne der Minister tragt für sein Resfort diese Verantwortung. Damit ist auch die Stellung der Reichskanzlei eine andere g.-worden. Sie ist über bie Behörde des Reichskanzlers hinaus- gewachsen zur Zentralbehörde der Reichsregierung Sie bat neben den von srüher übernommenen Ausgaben die Rolle eines Vermittlers zwischen den verschiedenen Ministern übernommen.
Ein glückliches Zeichen will, daß unser all- verehrter Herr Reichspräsident die Grundsteinlegung rollziehen kann, an dem Tage, an dem die ReichSlanzlei das Fest ihres 50- jährigen Geburtstages begehen kann. Wir tbnnen und wollen nicht daran denken, einen Prachtbau zu errichten: er soll auch den unS folgenden Generationen tierer vor Augen führen. waS der heutigen Lage des Reiches und Volles entsprach So muß dieser Dau ein Sym- bol sein für den Wiederaufstieg unsere- Reiches und 'Volles in steter ernster und tatkrästiger Arbeit und strenger Pslichtersüllung.
Rach dieser Ansprache legte mit Zustimmung dc» Reich-prasidenten der Staatssekretär der Reichskanzlei Urkunden und Münzen in die Kapsel, die alsdann von dem Overmeister der Berliner Klempner, Kunitz, verschlossen und von dem Staatssekretär der Reichskanzlei in den Grundstein versenkt wurde, während der Domchvr diese symbolische Handlung mit dem Liede: „Label den Herrn ..begleitete. Darauf begaben sich der Reichspräsident und der Reichskanzler nach der Stelle des Grundsteines, an der der Reichspräsident die eigentliche Grundsteinweihung In feierlicher Weise vornahm, indem er mit einer von dem Obermeister der Berliner Bauinnung, Schröter, empfangenen Kelle den bereitgdjal- ter.en Mörtel auf den Stein warf. Rach Aufsetzung be» Derschlußstücke» übergab ein Meister mit dem Zunftspruch: „Mit Gunst, Gott segne ein ehrliche» Handwerk, Meister und Gesellen!" den Hammer b<ni fheldjsranjier, der ihn dem Reichspräsidenten überreichte. Nunmehr vollzog der Reichspräsident drei Hammerschläge mit dem Spruche: „Immer und in allen Dingen zuerst das Daterland!" Ihm folgte Der Reichs- fangler mit den Dorten: „In dieser weihevollen Stunde fasie ich die für Volk und Vaterland von uns f,.'hegten Wünsche zusammen In die bedeutungsvollen Schlußworte unseres Deutschlandliebes Einigkeit und Recht und Freiheit". Alsdann traten an den Grundstein heran ber Reichs- tagspräfibent Lobe, der preußische Ministerpräsi- bent Braun, der Stellvertreter des Neichskanz. ler», Erz. Hergt, der Vertreter des Reichsrats, bayerischer Gesandter v. Preger, der Oberbürgermeister von Berlin, Böß, ber Staatssekretär in ber Reichskanzlei, Dr. Pünder, der Architekt, Prvfesior Dr. Siedler und der Leiter der Reichsbauverwaltung für die Reichsministerien, Oberbaurat Groß, die mit je einem besonderen Spruch drei Hammerschläge vollzogen. Mil einem Dortrag des Domchors fand die Feier ihren Abschluß.
Anhaltende Besserung im Befinden Stresemanns.
Berlin, 18.Mai. (WB.) Heber daSBefinden deS Reichsministers des Auswärtigen Dr. Stresemann Ist heute abend von den be
handelnden Aerzlen folgende Mitteilung ergangen:
.Das Befinden des Reichsaußenministers Dr. Stresemann hat sich zur Zelt so erheblich gebessert daß voraussichtlich von weiteren Bulletins Abstand genommen werden kann, gez. Prof. Dr. ft. Zondeck. San.-Rat Dr G i • sevius. Dr. Schulmann."
Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teilt, hat der preussische Ministerpräsident Dr. Braun an den Rcichsaußenminlfter Dr. Strese» mann das solgende Schreiben gerichtet:
»Hochverehrter Herr Reichsministerl Das preußische Staalsrninlsterium. das mit großer Besorgnis und Anteilnahme den Verlauf Ihrer Krankheit verfolgt hat. hat mit großer Freude vernommen, daß In Ihrem Befinden eine fortschreitende Besserung eingetreten ist. Die Herren Staatsminifter und ich geben der Hoffnung Ausdruck, daß diese Besserung anhalten und zur recht baldigen vollständigen Wiederherstellung Ihrer Gesundheit führen möge. Mit den besten Grüßen Ihr sehr ergebener gez.: Braun."
Reichskabinett und Reichsbahntans.
(Eigene Drahtmeldung be» .Gießener Anzeigers*.
Berlin. 19. Mal. Wie wir von gut unterrichteter Seite nachträglich er iahten, ist die Ä a - binettSsitzuna^ die sich hauptsächlich mit dem Antrag der Reichsbahn aus Tarif.*r Höhung befaßte, recht lebhaft verlau'en. Reben der rein sachlichen Argumentation trat augenscheinlich eine ausgesprochene Mißstimmung gegen bie R^: > chSbahn zutage. Dor allem dürste diese Einstellung von selten der Regierung her- vorgerufen sein durch ein allerdings etwas merkwürdiges Qkrfobren der Reichsbahn und ihres Prästanten. der noch vor Ueberrelchung der Tariferböhun^ödmllchritt an die Reichsregi- rung diese einem kleinen Kreis führender Journalisten übergab — allerdings mit b.-r Maßgabe. sie vertraulich zu behandeln —, so daß auf diesem Wege einige wichtige Mitteilungen doch an die Oessentllchkeit kamen.
Wie zu erwarten war. scheint ein Beschluß über eine eindeutige Ablehnung d'S TariserhöhungSanttages nicht zustande gekommen zu sein. Die Regierung, die nach tkn gesetzlichen Verpflichtungen gehalten ist, biS spätesten- zum 22. Mai der Reichsbahn irgendeine Antwort zu erteilen, wird wohl In ber Hauptsache erklären, dah sie nur eine vor- läufige Ablehnung ausspricht und daß man daS Ergebnis weiterer Verhandlungen über die Möglichkeiten einer andersartigen F i - nanzierung — Kreditbeschaffung im Inland, Auslandanleihe und Aenderung der Abschreibeziffern in der Bilanz — abwarten müsse. Der AeichSverkchrSminister wird noch einige Rückfragen stellen. Dir ReichsregierunA soll genauere Angaben über ihre Bilanz, über ihm Vermögens st and und vor allem auch darüber machen, ob die von der Reich-bahngesellschast benötigten Mittel vorläufig nicht durch Kredite statt durch eine Tariferhöhung beschafft werden tonnen.
mal zur Urne schreiten, setzen wir unsere Hoffnung. Ihr kritischer Blick, ihr gesundes Gefühl. ihr unbefangenes Urteil wird sie zu einer der großen politischen Parteien führen, die alS Ausdruck einer bestimmt umgrenzten Well- anfdiauung auS der Geschichte unsere- deutschen Volkes erwachsen und eng mit ihm verwurzelt ein Teil seines Selbst geworden sind. Ungeachtet aller Krittk an den abstoßenden Auswüchsen unsere- Parteiwesen-, wie sie namentlich der Idealismus unserer Jugend häufig und mit Recht übt, darf doch nicht daS eine verkannt werden, daß in unserem heutigen parlamentarischen Staat die großen Parteien alS I einzige Möglichkeit, einen politischen Dillen zum Ausdruck zu bringen, nicht entbehrt werden können. Und wählen heißt wollen, heißt Wille zur Macht. Seine Stimme an Splitterparteien verzetteln ober gar au- Abneigung gegen das herrschende System der Wahlhandlung überhaupt fernbleiben, heißt aber, sich freiwillig dieser polittschen Macht entäußern, die der Staat jedem seiner Bürger mit dem Stimmzettel in die Hand gelegt hat: heißt, daS stolze und heilige Recht preiSgeocn. um da- Generationen unserer Väter in heißen Kämpfen mit ihrem ganzen Herzen gerungen haben' heißt schließlich, den Parteien den Steigbügel zu Einfluß und Macht im eigenen Staat zu halten, deren Stärkung bei nüchterner Ucberlcgung man zu allerletzt wünschen würde.
Worum geht es nun bei dieser Wahl? Welche Aufgaben erwarten den Reichstag, dm wir durch die Abgabe unseres Stimmzettels in dm Sattel heben sollen? 3n erster Linie, alles andere in den Schattm stellend, steht da da- große auften- polittsche Ziel einer Revision des DaweS- Plans mit der Wirkung einer enögültigen Begrenzung unserer Zahlungsverpflichtungen auf ein für die deutsche Wirtschaft erttägliches Maß. älnabhängig davon wird der Kampf um die
längst überfällige Räumung der befefcten rheinischen Gebiete mit aller Energie weiterzuführen sein. Der amerikanisch? Pa.tvor- schlag einer internationalen Aechtung des Krieges und das AbrüstungZproblem ftnb für die deutsche Außenpolltik Waffen von unschätzbarem Wert im Ringen um die Gleichberechtigung Deutschland- im Konzert der Ration em Schärfste Aufmerksamkeit ersordert unsere O st g r e n z e, eine Garantierung durch ein sogenanntes Ostlocarno kann unter keinen Am ständen in Frage kommen, ilnfere Beziehungen zum österreichische Drudervolke im Sinne einer kulturellen und wirtschaftlichen Vorbereitung des politischen Anschlüsse- erfordern sorgsamste Pileae. Unterer ganzen Fürsorge bedürfen die deutschm Minderheiten jenseits der ReichSgrenzen, namentlich in Südtirol, dellen schmachwürdige Behandlung durch den italienischen Faszismus das einzige ernsthafte Hindernis für ein gutes Einvernehmen zwischen Deutschland und Italien bildet, Rennt man noch Rußland, das überaus Mffüile Problem der Weiterbildung unseres HandelSverttagsnetzeS. die mit den Reparationen eng zusammenhängende Frage der AuS- landanleihen. so haben wir mit wenig Strichen ein noch durchaus lückenhaftes außenpolitisches Programm, an dem der neue Reichstag sich schon die Zähne wird auSbeißen können.
Huf dem Gebiet der inneren Politik erwarten wir von dem kommenden Parlament vor allem einmal energische Schritte zur Verwirklichung der immer wieder angetünbigten, aber auch stets in den bescheidensten Anfängen stecken gebliebenen L e r f a f s u n g s - und Derwaltungs. r c f o r m, wobei weniger Gewicht zu legen ist auf zwar gründliche, aber im Grunde doch wenig frucht- bare theoretische Erörterungen über prinzipielle Fragen, wie z. B. ob vom Einheitsstaat oder von einer föderativen Staatsoerfassung alles Heil zu erwarten ist, sondern endlich einmal, wenn auch in
bescheidenstem Maße der Anfang gemacht wird zu einem Abbau unseres mammuihaften parlamentarischen Apparats, zu einer klaren Trennung der Aufgabenkreise von Reich, Landern und Gemein- den und zu einer Entlastung der staatlichen Ber« Wallung von Ausgaben, die ihrer Natur nach den Selbstoerwaltungskorpern oder privater Initiative überlassen bleiben müßten. Auf diesen Reform- arbeiten fußt der Finanzausgleich und die immer wieder angekündigte, aber heute noch erwartete Neuregelung des Steuerwesens mit der endlichen Senkung der öffentlichen Abgaben einschließlich der Soziallasten durch Beschrän- kung der sozialen Fürsorge auf ein für alle Teile ber Wirtschaft, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, tragbares Maß und größtmögliche Ausschöpfung der angesammelten Kapitalien zugunsten der Sozial- träger unter DeiHichl auf einen aus politischen Gründen übermäßig aulgeschwcmmten Berwal- tungsapparat und Einrichtungen, die in keinem Verhältnis zu der wirtschaftlichen Lage Deutsch- lands stehen.
Damit sind wir schon mitten auf wirtschasts- politischem Gebiet, auf dem in letzter Zeit die Diskrepanz zwischen Arbeits- und Dirtfchastsmini- fterium sich besonders unheilvoll ausgeroirtt hat. Hier eine Aenderung, unter Umstanden durch Zu- fammenlcgung beider Ministerien in eine Hand her- beizuführen, ist eine besonders dringliche Aufgabe des neuen Reichstags. Den Ausbau der Nothllfe für unsere heimische Landwirtschaft, die in dem Notprogramm der letzten Reichsregierung hoff- nurgsroü begonnen wurde, :n Z-si.bach. . ang mit großzügiger Siedelungspolitik nchaml mit und Regierung angelegen (eir> Uhr, und FreÜaß, nicht mit offenem Auge zuseher rufsftanb wgrunbe geht, der———-----—
mischten Agrarindustriestaat votdeken am 20A28 feste Erundelement des olaotdP^AM*>!r'<*<y,et*<®£' Zollpolitik den rechten 21 r6®"* v
Interessen von Landwirtschaft


