die aZaHonalfugenten zu entwickeln unb die Fehler unschädlich für die Sefamtnatüm )u machen, was darf man hier von einem Deutschen fordern. daS ohne jede heilsame Begrenzung in gänzlicher Freiheit lebt und sich unter ihrem Barmer zerfleischt?
Wenn ich noch einmal die vielen Kolonien am Auge vorüberziehen lasse, die Stimmen der vielen au-landdeutschen Menschen noch einmal auf- schwirren und versuch«, daS Erlebte in einen Satz zu fassen, so scheue ich mich, ihn niederzuschreiben. Der Deutsche kam mir wie ein Tier vor. daS auS 'einem Käsig ausgebrochen war. Gewiß, ein sehr edleS Tier, aber ein Tier? Sine Erkenntnis langen Sehens und noch längeren Grübelns über das Gesehene, das Ergebnis eine- redlichen Willens, daS Gute §u sehen und einer dauernden Hoffnung: «S wird ja nicht überall so sein? Worte Die nicht Leichtfertigkeit, sondern Leid bedeuten. Wo der begrenzende Halt des deutschen Staates. Tradition, Sitte und Schranken der Gesellschaft fehlen, und fern dem Boden der Heimatkultur und Zivilisation, in der schrankenlosen Freiheit des Ich. da verliert der Deutsche an sittlicher Kraft, und wenn er Millionen Geldes sein eigen nennt, Handelshäuser und Fabriken, Dauernhöse und Viehweiden, reich an allen äußeren Gütern, er ist dennoch nicht imstande, dem AachkriegSdeutschtum ein Beispiel größeren AlltagsdeutschtumS zu geben. Es sei feine Anklage gegen di« Auslanddeutschen, vielmehr eine Klage, daß wir Deutschen verurteilt sind, aus unserer Enge heraus ohne Zusammenhang mit dem Wutterstaat« weltverstreut siedeln. um in schrankenloser Freiheit un terzu gehen . statt drüben in vergrößerter zu leben.
Wer glaubt, wirtschaftlich schneller vorwärts kommen zu können, und die Boraussehungen mit- bringt, mag gettoft nach Südamerika gehen. Wer aber glaubt, sich aus der gesellschaftlichen und politischen Atmosphäre deS InlanddeutschtumS in eine bessere des AuSlanddeutschkums retten zu können, der bleibe daheim, «S wird ihm nicht möglich fein. Er wird womöglich bald fern von leinen Landsleuten unter den LandeSeinwohncrn sein Zelt aufschlagen ... vor den Toren einer deutschen Kolonie.
Aus Der provinzialhaupistadt.
Gießen, den 18. August 1923.
Sonnenrose.
Der Sommer wandte sich und ging. Er ging mit ftUIen, müden Schritten, wie ein Arbeitsmann, der non seinem Tagewerk heimkebrt, da» vom frühen Morgen an schwer und voller Mühe gewesen ist.
Die Aehren standen in runden (Barben, und die Heide am Wegrande, über die sein Fuß strich, war ganz mit schwingenden Glocken behängt. Die läuteten für sich hin, wenn er sie rührte, und hatten (einen Arg, als wäre es der Mittagswind, der unter ihnen am Feldrain §ur Ruhe ging.
lieber dorniger Hecke, aus der Schlehen wie blaue Steine glühten, flockten gelbe Hopfentrauben in lichten Wolken, wiegten sich um Bäume, die von Dolden rot und leuchtend waren, bunt und rot, als schienen warme Lichter in den Tag, um den in Tälern schon die Rebel spannen.
Da nähme der Sommer Urlaub von den Blumen unb von der Heide, non Schlehen unb von bunten Früchten, die schwer und sonnenmüde geworden mären. Er sah von der Höhe her über da» Land, das in flammendem Golde lag und segnete es mit der Fülle aller Gnade und Schönheit, die ihm gegeben war.
• Die Felder sahen ihn, die in blauen Schleiern lagen; er trug einen grünen Mantel unb auf dem bräunlichen Haupt eine Krone, hell und mächtig wie von Sonnenglanz. Die Blumen sahen ihn und neigten ihre Kelche, die blassen Winden und die Glocken, in denen in den Nächten goldene Käfer wohnen.
Er trug einen grünen Mantel und eine Sonnen- frone, uno er mar sehr schön in jenen Tagen, als er von feinen Höhen stieg. rb.
3um Schuhe der Pflegekinder.
WGR. Es ist schon oft die Frage aufgeworfen toorben, ob gegen Pflegeeltern, die ihrer ' Verpflichtung, den Beauftragten deS 3 u» genoamtS jederzeit Zutritt zu ihrer Wohnung und zu dem Kinde zu gewähren und über alle daS Pflegekind betreffenden Angelegenheiten wahrheitsgemäß Auskunft zu erteilen, nicht nach-
Verhängnisse.
Vornan von Lieelbet Dill.
Copyright by Martin Feuchlwanger, Halle (Saale).
3. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Ruhe, nur Ruhe", halte der Arzt gesagt, ehe er ging. Die Fensterläden wurden im Schlafzimmer der alten Dame geschlossen. Die junge Frau besorgte alles geräuschlos unb blieb um sie, aber immer roleber kam die Frage vom Bett aus: „Wo nur Charles bleibt?"
„Er kommt sicher bald, Mama. Ich hab« Emeste nach bem Kirchhof geschickt."
„Wohin halt du ihn geschickt?"
„An die Ecke, wo der Wagen hält. Charles sagte gestern, ich sollte dort hinkommen."
„Weshalb solltest du benn dort hinkommen, Odette?"
„Ich weiß es nicht mehr. Er wollte gleich etwa» wissen."
„Ach so, ob sein Freund gekommen wäre?"
„Ja, ich glaube, darum war es." Odette ließ die Stores herab.
Dann ging sie hinunter in bk Küche. Die alle Artemis war am Herbe beschäftigt mit ihren Kaffe- rollen. E» waren Gäste angekommen mit bem Mittagzuge. Sie muhte bas Esten bereiten. Ein Reifender kam unb verlangte ein Zimmer.
Da Madame nicht zugegen war. muhte Obelle ihm bas Zimmer zeigen im ersten Stock. Es kamen nur noch selten Gäste, die über Nacht blieben im Lion d'or", und es war Odette nicht angenehm, die Wittin zu spklen. Bisher hatte bas ihre Schwiegermutter getan.
Der kleine Herr trug einen tarierten Sportanzug und Gamaschen unb roch wie ein Camembert; feine kleine Reisetasche schien wenig Wäsche zu enthalten. Er blieb brei Tage; er hatte hier Geschäfte. Sie muhte sich beeilen, bas Bett frisch zu beziehen, benn unten hörte man sckwn Geschirr Harpern, das Mäbchen deckte den Tisch, im Hofe fuhren zwei Gespanne ein, Bauern, die hier einstellten. Es war beute Wochenmarkt.
Während Odett« bas Gastzimmer fertigmachte in ihrer raschen, geschickten, lautlosen Att. hielt sie immer wieder inne, um auf Geräusche zu lauschen
Menvachung des Verkehrs mit Kraftfahrzeugen.
Maßnahmen gegen unnötigen Lärm.
Die Hessisch« amtlich« Prestestell« in Darmstadt teilt mit:
3n letzter Zeit mehren sich wieder die Klagen über rücksichtslose Mißachtung der Dor- schriften über den Kraftfahrzeug- Verkehr. Bor allem wird über unnötige Der- urkachung von Lärm, Bauch und üb'.cm Geruch bei Motorrädern sowie über unnötige Anwendung der Hupe, besonders zur Aach.zeit geklagt Um den Kraftfahrern selbst Hnannehnstichkettcn zu ersparen, sei auf die folgenden Ausführungen yrngewiesen, die sich ebensowohl auf die Kraftwagen wie namentlich auch auf die Motorräder beziehen:
Jede B elästigung von Personen und Gefährdung von Fuhrwerken durch Geräusch, Aauch, Dampf oder üblen Geruch ist schlechthin verboten, da sie nach dem jetzigen Stand der Technik vermeidbar ist. Unter daS Verbot fällt zum Beispiel die Unsitte mancher Führer, bei stehendem Fahrzeug durch wieder- ho^es, plötzliches Gasgeoen den Motor „zum Aasen" zu bringen. Auch AuSpufsklappen sind gänzlich verboten, nicht nur wie früher daS Oesfnen der Klappen in Ortschaften. Werden söiche Auspuff klappen festgestellt oder ist die schrllldämpfende Vorrichtung sonstwie untoirlfam gemacht, so ist in jedem Falle Strafanzeige zu erwarten, ebenso wenn der Lärm durch unsachgemäß« Bedienung der Maschine verursacht wird. Bei der Verurteilung kann auch auf Beschlagnahme des Fahrzeuges erkannt werden. Unabhängig von der Strafanzeige können die Polizeibehörden nach § 35 der Kraftsahrzeug-Verlehrs-Derordnung jederzeit auf Kosten deS Eigentümers ein Kraftfahrzeug auf feinen ordnungsmäßigen Zustand untersuchen lassen. Kraftfahrzeughalter, deren Fahrzeuge sch durch übermäßige Geräusch-, Aauch- oder Ge- ruchentwickiung oder durch vorschriftswidrige Signatlinstrumente bemerkbar machen, fDirnen poili-
zerlich zur Hntetfucbimg deS Fahrzeugs durch Sachverständige vorgeladen werden. Es kann daraufhin, unabhängig von der etwaigen Bestrafung, der Betrieb biS zur Beseitigung der Mang« untersagt werden.
Heber das Abgeben von Warnungszeichen sagen die gesetzlichen Bestimmungen insbesondere felgendes: Mchr'.onige Hupen müssen gleichzeitig in einem harmonischen Akkord an- Ringen. Sir sind nur vorschriftsmäßig, wenn ein Rarer, von Nebengeräuschen freier Ton erzeugt wird. Klaxonc Tinl> verboten, Aur außerhalb geschlossener Ortsteile ist auch eine Pfei'e (Zwit- scherpfeste) zuläfsig. 'Die Warnung« eichen dürfen nur dort abgegeben werden, wo es die Sicherheit des Verkehrs erfordert. Hnnöttges langgezogcnes Hupen ist strafbar. Dir Warnungszeichen muffen kurz sein, in Klangfarbe und Klangstärke müssen sie so beschaffen fein, daß im Gefahrbereich befindliche Personen gewarnt, im weiteren Hm- frei® befindliche Personen aber nicht belästigt werden. Verboten ist insbesondere auch die Benutzung von Signalinstrumenten zur Abgabe von anderen als WamungSzeichen, so zum Beispiel zur Abgabe von Aufzeichen. Ganz besonders müssen auch Daragenbetriebe und Reparaturwerkstätten, in denen ohnehin unvermeidlicher Lärm unb Geruch entsteht, auf die Vermeidung jeder unnötigen Belästigung der Hingebung strengstens achten.
Die Polizeibehörden sind neuerdings angewiesen worden, der Hebet* wachung des Krastsahrzeugverkehrs ihr« besondere AufmerRamkeit zu widmen und gegebenenfalls mit Strafanzeigen vorzugehen. Es wäre im Interesse einer durchgreifenden Besserung der Verhältnisse sehr zu wünschen, daß auch d a S Publikum die Polizei durch Anzeigen und Feststellung der Hummern von Motorrädern unb sonstigen Kraftfahrzeugen unterstützt, deren Inhaber eine Belehrung nötig haben.
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Jagdhütte entschädigt und ein ausgezeichnetes Diner genossen. Der Koch folgte in einem zweiten Wagen mit den leeren Flaschen unb den Kochtöpfen.
Sie fuhren noch eine Weile im Walde, bis man den Kirchhof auftauchen sah, über dessen hohe Mauern man die vielen in der Sonne schillernden, graublauen Perlkränz« hängen sah, einige Marmorkreuze ragten unter mageren Zypressen, die noch schwer vorn Regen der Nacht waren, über den Mauerrand.
An der Ecke stand ein Mann, der beim Heran- nahen des toagens die Sappe zog. Charles, der seine Frau erwartet hatte, bekam einen heftigen Schrecken, als er den Kutscher erblickte. Sollte etwa mit Odette ...? Er rief in feiner lebhaften Art schon von roeitem:
„Was ist los.? Erneste, weshalb bist du gekommen, und wo ist mein« Frau?"
Unb der Mann an der Kirchhofsmauer rief, beide Hände an den Mund haltend, zurück: „Madame
Dann legte es sich wie ein Schleier über ihr Gesicht, und ihre Augen bekamen den Ausdruck einer Somnambulen, die mechanisch etwas tut, von bem sie nichts weiß ...
Es regnete nicht mehr, ein frischer Wind strich über die Ebene kühl und feucht, der Staub war meggewilcht, die Blätter der Buchen leuchteten, und die Wiesen mit bem gemähten Grase schimmerten frisch und bunt.
Ein offener Wagen kam am Waldrande entlang gefahren, mit zwei Füchsen bespannt, ein bäuer- sicher Kutscher saß auf dem Bock, daneben Charles mit Rucksack und Jagdflinte. In dem Wagen selbst faßen drei Herren im Iagdanzug. Quer durch den Wald lief ein breiter Fußpfad, auf dem ein großer, schlanker Herr schritt, ohne auf den Wagen zu achten. Der Waaen hielt, und Charles winkte dem Herrn, der langsam und zögernd näherkam.
„Rein, das ist ja famos, du bist schon hier, Rens?" tief er und schwenkte feinen grünen Hut. „Wann bist du denn gekommen? Und warum hast du dich denn nicht angemeldet?"
„Ich bin eben gekommen", sagte der (fapitaine, der im Reiseanzug war. „Ich habe mich in Chate- aubun aufgehalten wegen eines Pferdekaufs und wollte nicht auf den Schnellzug warten, fo bin ich den Weg zu Fuß gegangen."
„Steig auf, ich bin froh, daß du da bist", fügte Charles. „Wir haben den ganzen Abend auf dich gewartet."
Er stellt« den Iagdfreunden feinen Freund vor: „(Tapitaine Dupont."
Man schüttelte sich die Hand, unb Dupon öffnete den Schlag. „Wir rücken zusammen, komm nur heraus."
Unb Dupon schwang sich in den Wagen zwischen die dicken Herten unb Iagdgeräte. Cs war ein schlanker, sehniger Mann im selben Alter wie Charles, aber in seinem eleganten, hellen, flotten Reiseanzug, dem kurz gestutzten Bärtchen wirkte er viel tugendsicher. Er war nicht hübsch. Ein scharf- geschnittenes Profil mit dunkelgrauen Augen, von einem Ausdruck, der intelligent, energisch und dabei liebenswürdig war. Und gleich war das Gespräch im Gange. Die Herren etzähtten von der verregneten Jagd. Tas schwere Gewitter geltem hatte das Wild verscheucht. Sie hatten sich dafür in der
sei und sie Ruhe haben muffe ... Es fei viel zu tun heute, da Marti fei. Und die junge Frau habe ihn deshalb hergefchickt.
..Es ist gut", sagt« Charles, besten Gesicht fahl geworden war. Er ahnte, daß sich hinter biefem verworrenen Bericht etwas sehr Ernstes verbarg. Er verabschiedete sich von den Herren und nahm seinen Rucksack mit den Rebhühnern, die er auf dem Heimwege geschosten hatte.
Auch der Capsiaine sprang auf. Dann fuhr der Wagen weiter aus der Landstraße und entfernte sich von der Stadt, während bie beiden Herren, gefolgt von dem alten Kutscher, den Feldweg nach der otabt zu einschlugen.
.Die leid mir das tut, daß ich gerade dazwischen schneie", begann Dupon. ..Aber ich konnte ja nicht ahnen, daß deine Mutter krank ist."
..Es ist auch ganz plötzlich gekommen", sagte Charles. ..vielmehr, mir wstsen es schon lange, bah sie schwer herzleidend ist. Aber sie läßt «ich ja nichts sagen. Sie muß immer herumlaufen in dem großen Hause; treppauf, treppab, geht das den
hat mich hergefchickt. Ihre Mutter ist krank ..."
Charles erblaßte ... Mit einem Satz, noch ehe der WaMu hielt, war er abgesprungen. Der Kutscher berichtete: „Das Gewitter gestern nacht muß ihr zugesetzt haben. Wir fanden sie heute morgen f dem Boden. Dir bekamen erst die Tür nicht if ..." Und er erzählte, daß der Arzt dagewesen
gekommen, die Strafbestimmung deS § 30 Absatz 1 des Acichs-Iugendwohlfahrisge eieZ Anwendung findet. Die Verpflichtung der Pf lege - e l t c r n. den Iugendamtsbeauftragten jederzeit Zutritt in die Wohnung zu gestatten. wahrheitsgemäß Auskunft zu erteilen und das Kind regelmäßig vorzustellen. dient dem Zwecke, die laufende Aussicht der Jugendämter zu ermöglichen, die ohne diese Verpflichtung der Pslegeeltern unausführbar wäre, und gehört daher zu den auf Grund von § 24 .Absatz 2 RIWG. zu erlaßenden Vorschriften. Allerdings wäre es, so führt der preußische Minister für Volkswohlfahrt in einem Aunderlaß aus, auf Grund von 8 22 AIWG. rechtlich möglich, eine Verletzung dieser Verpflichtungen der P,legeeltern zu einer Voraussetzung für die Entziehung der Erlaubnis zum Halten eines Pflegekindes — nicht dagegen ihre Innehaltung au einer Voraussetzung für die Erteilung der Erlaubnis --zu machen und die Verletzung dieser Verpflichtung dadurch unter die Strasvorfchrift des § 30 Absatz 1 AIWG. zu stellen. Eine solche Aegelung würde jedoch Praktisch zu Ergebnissen führen, die dem Sinne deS Gesetzes zuwiderlaufen. DaS Jugendamt soll durch die von ihm ausgeübte Pflege- kindsraufsicht in ein Vertrauensverhältnis zu den Pflegekindern treten. Würde man ihm das Aecht geben, in jedem Falle einer nicht regelmäßigen Vorstellung deS Kindes eine Strafanzeige zu erstatten, so Würben die Aufsichtsbefugnisse des Jugendamtes einen polizeilichen Charakter erhalten, den sie nach der Absicht des Gesches nicht haben sollen. Solcher Aechte bedarf das Jugendamt auch nicht. Es genügt, daß daS Jugendamt bei anhaltender Weigerung der Pslegceltern, sich den Anordnungen de« Jugendamtes zu unterwerfen, die Erlaubnis zum Halten des Pflegekindes widerrufen kann.
Weiter ist die Frage ausgeworfen worden, ob gegen eine uneheliche Mutter, di« sich weigert, ihr Kind inderMutterberatungs- stunde vorzustellen, strafrechtlich vorgegangen werden kann. Diese Frage ist zu verneinen. Ein uneheliches Kind, das sich bei der Mutter befindet, ist kein Pflegekind im Sinne des § 19
AIWG. Das Kind untersteht zwar der Aussicht des Jugendamtes nach § 24 Absatz 1 AIWG.. die Bestimmungen der §§ 22 und 30 Absatz 1 AIWG. finden aber auf die uneheliche Mutter keine Anwendung; ihre Bestrafung au« § 30 Absatz 1 AIWG. kann nicht in Frage kommen. Gegen eine uneheliche Mutter, die sich hartnäckig ihren aus dem Aufsichtsrecht des Jugendamts entstehenden Verpflichtungen entzieht und dadurch den vom Gesetz gewollten Schutz ihre« Kindes unmöglich macht, kann das Jugendamt nur durch einen Antrag auf Entziehung des SorgerechtS beim Vormundschastsgericht vorgehen. Für einen Strafantrag würde eS an der rechtlichen Unterlage fehlen.
Bornotizerr.
— Tageskalender für SamStag. Kavallerieverein. 8* l/i Hhr. Mitgliederversammlung. —- Geflügel- und Vogelzuchtverein: Mo- natsversammlung, 8,30 Hhr, Hessischer Hof. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: Frühreif« Jugend. — Astoria-Lichtspiele: Tom Mix.
— Tageskalend«r für Sonntag. Gießener Ruderklub .Hassta": 3.30 Hhr. Drohe« Wassersportfest an der Lahn. — Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein Gießen: 8. Wanderung. Abfahrt 6.36 Hhr nach Aiederscheld. — Lichtspielhaus wie Samstag.
— Oberhessische Diehoersicherungs- 21 nstalt. Am Sonntag, 26. August, findet im Cafä Leib eine ordentliche Mitgliederversammlung statt. Näheres in der heutigen Anzeige.
** Städteachter Gieß en Wetzlar. Zu dem am 2 September stattfindenden Städte- achter-Wetttalmpf um den von den Städten Gießen und Wetzlar getrifteten Ehrenpreis, der in Gießen auf der Lahn zum dritten Male zum Austrag kommt, haben sich von den Vereinen des Deutschen RuderverbandeS^der beiden Städte der Wetzlarer Ruderklub 1880 e. V.. Wetzlar, und der Verein Rudersport Gießen 1913 und akad. Ruderabteilung e. V., Gießen, gemeldet. Die Startverlosung hatte folgendes Ergebnis: 1. Wetzlarer Ruderklub 1880 e. V.. 2. Verein Rudersport Gießen 1913. Die Leitung der Veranstaltung liegt
diesmal tn den Händen des Vereins Rudersport Gießen 1913.
Beginn der Hühnerjagd. Das Hess, pnnenm triften um hat den Aufgang der Hühnerjagd für das ganze Gebiet des Volksstaates Hefen auf Montag. 27. August, festgesetzt. Wegen der Hegezeit Mr Fasanen verbleibt es bei ben bisherigen Bestimmungen, d. h. die Jagd auf Fasanen beginnt danach erst am Montag. 16. September Dagegen Hut der Minister den Ab'chuh von Auer- und Birkhennen aus Hegeri - schen Gründen bis auf weitere« verboten.
* Gesetzliche Gesellenprüfung Dl« Anmeldungen zur gesetzlichen Gesellenprüfung im bevorstehenden Herbst müssen am 23. bzw 24. August im GewcrbehauS erfolgen. Interessenten mögen die heutige Anzeige beachten.
e* N ru e Wohnungsbauten. Die »au- aenosienschaft der Kriegsbeschädigten errichtet in der Fricbensstraße (am Kugelberg' zwei Häuserblocks mit je Arnolf Wohnungen. Die Neubauten sind bi« tum ersten Stockwerk gediehen. Al« Baumaterial werden diesmal statt Tuffsteine Ziegelsteine verwendet. Hierdurch wird die Stabilität der Bauten erhöht. Man rechnet damit, daß die neuen Häuser Anfang nächsten Jahres bezogen werden können
ee Staottheater ® i« ße-n*.. Aus bem ötabttfcaterbureaM toirb uns geschrieben: Am D.enstag. 21. August, finbet bas letzte Gastspiel von Frau Auguste Prasch-Gr«ven- berg. Ehrenmitglied des Meininger Landes- theaters. statt. Di« Künstlerin wird als Madame Rosal.« in ..Der 13. Stuhl". Kriminalstück von Bayard V « i l l e r . gastieren.
•• Dir Museen sind am morgigen Sonntag von 11 bis 1 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet.
• AuS bem Gießener StandeSamts- r cgi ft er. Es verstürben in der Zett vom 1. bis 15. August: 1. Aug. Dr. Hermann Alker. Augenarzt. 74 Jahre alt. Ludanlag« 3; Theodor Schlitt, ohne Beruf. 80 Jahre alt. Licher Straße 74. 4. Aug.: Emma Marr. geb. Lotz. 55 Jahre alt, Seitersweg 34. 9. Aua . Margarete Herarnee. geb. Weller, Witwe. 81 Jahr« alt, Henfeistraß« 10. 12. Aug.: Marie Kllngelmrinr, Büglerin, 55 Iahe« alt. Sandgaff« 33.
• • Seinen 75. Geburtstag kann am 21. August unser Mitbürger Salomon Ganß, Bleichstraße 26 wohnhaft, in körperlicher und geistiger Frische begehen.
* • Aorbo st-Verein Der Vorstand des BezirlSvereins „Aordost" hielt am Donnerstag unter dem Vorsitz des Stadtv. Echwieder eine wichtige Sitzung ab, in der — wi« man uns berichtet — weitgehende Entschlüsse im 3ni«rrife des seither stark vernachlässigten Stadtteils gefaßt wurden. Die Beschwerden und Wiinsch« sollen schnellstens an maßgebender Stette vorgebracht und die baldmöglichst« Deseittgung her bestehenden Mißstände gefordert werden.
"Eine Geschichte de« Ins.-Rest S.3S0 soll im Lause diese« Jahres im Druck erscheinen. Zu Destelluiigen auf das Werk wird im heutigen Anzeigenteil auf gefordert.
* Berichtigu ng. Im S. Abschnitt des Artikel« „Ratschläge zur Pilzernte" — „Gießener Anzeiger" vom Donnerstag — muß es unter II. In der vor- letzten Zeile heißen: „Äartoffelbooift {Scleroderm« vulgaris)" anstatt „Äartoffelbofift (Scherodernur vulgaris)". — Ferner im 7. Abschnitt, 13.—14. Zelle: „Der hohe Wasser- und Eiweißgehalt der Pilze" anstatt „der Pilz".
Oberheffen.
Landkreis ttictzen.
ID Collar, 17. Aug. Am kommenden Sonntag, 10. August, kann der Altoeteran Friedrich H e i • bertshausen im Kreise seiner Kinder und Enkel den Tag feines 8 2. Geburtstage« feiern.
ch Aus der Rabenau, 17. Äug. In biefem Jahre ist infolge ber anhaltenden Trockenheit di« Frucht rasch zur Reif« gelangt, so daß jetzt in unserer Gegend nur nach Hafer und Weizen geschnitten werden. Roggen und Gerste sind in unserem Bezirk ziemlich überall unter Dach. Auf den Dorfangern sieht man die Dreschmaschinen in Tätigtest, um besonders die Ernte der Reineren Landwirte zum Ausdrusch zu bringen. Körner - undStrohertrag befriedigen allgemein. Vereinzelt nieder gegangene Gewitterregen ermöglichen unseren Landwirten sofortiges Sturzen der Stoppettelber, so daß man ‘beute schon recht gut aufgelaufene Erbsen- faat. die zur Grünfütterung sehr willkommen sein wird, sehen kann. Rur ganz vereinzelten
ganzen Tag. Und bie drückende Hitze gestern. Da« (Bernitter."
Die Felder lagen nach wie vor verwüstet da; die Wege waren ausgeweicht; sie traten in breite Pfützen. Oben am Walde, an Dem man noch den Wagen entlangfahren sah, stand ein weißes Hab« mit einem Turm und einer Terrasse, über die wilder Wein schwer herabhing.
„Da oben", jagte der Kutscher, „ist heute nacht auch etwas passiert . i."
Charles, der mit seinen Gedanken bei seiner kranken Mutter war, gab keine Antwort. Rur der (Eapitaine fragte: „So, was ist denn dort passiert?"
„Madame Longcville Ist ermordet worden."
„Wie?" fuhren beide auf, „die Katzenmutter?" „Ja, die Katzenmutter ... Man Hal sie erwürgt in ihrem Bett gefunden, ohne daß etwa« gestohlen wurde ... alles ist noch da, sagen sie ... Die Polizei ist seit heute morgen dort."
„Donnerwetter", sagte Chatte« zerstreut. Zu einer anderen Zeit hätte ihn bk« Ereignis vielleicht tiefer berührt, benn es war bie Erbtante feiner Frau, unb das Gelb konnte man zu diesen Zeiten immer gebrauchen. Sie hatten zwar nie mit dieser Erb- fchast gerechnet. Odette pflegte zu sagen: ..Wenn mein« Dante einmal stirbt, ist sicher mit bem Testament etwas nicht in Ordnung, und wir gehen leer aus."
Die Alte war sehr launisch und machte jede« Jahr ein neues Testament. Einmal hatte sie Ihr ganzem Vermögen einem Hundeasyl verschrieben, bann hatte sie da« wieder ungültig gemacht unb Odette sollte alles bekommen; bann erinnerte sie sich eine» Reffen in Algier und teilte das Vermögen in mehrere Teile. Charles hatte sich nie um sie gekümmert und sie seit Jahren nicht mehr gesehen. Ihr Tob berührte ihn kaum.
Aber der (Eapitaine nahm das Gespräch lebhaft auf:
..Erzählen Sic doch einmal, wie war e» benn? So etwaö passiert doch hierzulande nicht oft. Merkwürdig! Unb nicht« mitgenommen hat der Kett?"
.Man weih noch nicht, wer es war", jagte ber alte Kutscher, den Irgend etwas zu bedrücken schien, was er nicht auszusprechen wagte „Madam« Gon- tarb ist noch gestern abend dort gewesen und hat nicht« davon gemerkt", setzte er hinzu.
(Fortsetzung folgt.)
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