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Ur. 42 viertes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, (8. Hebruar (928

bern. ImGießener Anzeiger" Nr. 158 oom

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üont Dach auS bauen. Boncvur vor allem will den Sanktionskrieg orgonificren, den Völkerbund zu einem Instrument machen, das die Gesamtheit seiner Machtmittel zur Erzwin­gung des Friedens einsehen kann, und er will dafür seinen Staat in die denkbar beste Lage bringen. Sinngemäß arbeitet er auch für eine militärische Rüstung seines Vaterlandes, wie sie bisher noch nirgends vorhanden war. Das ist sein gutes Recht wie seine patriotische Pflicht gegenüber seinem Vaterland. Aber der Organi­sation eines Friedens dient er auf diese Weise nicht!

er Dahn verspreche. Bereits

Ein bedeutsames Bahnprojekt

im Kreise Biedenkopf.

1911 und Nr. 159 vom 10. Juli 1911 waren über dieses Projekt sehr aufschlußreiche Aufsätze eines guten Sachkenners zu lesen. Der Artikelschreiber wies damals schon darauf hin, die Regierung selbst habe erkannt, daß die reichen Bodenschätze, welche die zu erschließende Gegend (Nieder-Eisen- Hausen über Bottenhorn nach dem oberen Salzböde- tal) berge, eine sehr gute und gesichert«

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Sonntag, 19. Februar, 19 Ki­nach 22 U&r: Der Zigeunerbarvn. Montag. 20., 19.30 bis nach 22 Uhr' Turandot. Dienstag, 21., 19 bis nach 22 Uhr: Der Zigeunerbaron. Mitt­woch, 22.. 19 bis gegen 22.30 Mr: Die Macht des Schicksals. Donnerstag, 23., 19.30 bk3 nach 22 Uhr: Mignon. Freitag, 24., 19.30 bis 22 Mr: Der Ring des Ribelungen. Vorabend: Das Rheingold. Samstag, 25., 19 bis nach 22 Mr: Der Zigeunerbaron. Sonntag, 26., 18 bis gegen 22.30 Tlhr: Der Ring des Ribelungen. Erster Tag: Die Walküre. Montag, 27., 19.30 bis 22.30 älhr: Der Opernball.

Schauspielhaus. Sonntag, 19. Februar, 15.30 bis 17.30 Mr: Jugend: 19.30 bis 22 Mr: Schinderhanncs. Montag, 20., 19.30 bis gegen 22 üf>c: Eelestina. Dienstag, 21., 19.30 bis 21.30 Uhr: Quintett. Mittwoch, 22., 19,30 bis 22 Uhr: Eelestina. Donnerstag, 23.: 19.30 bis 22.30 Uhr: Kriemhilds Rache. Freitag, 24., 19.30 bis 22 Uhr: Schinderhannes. SamStag, 25., 20 bis 22 Uhr: Quintett. Sonntag, 26.', 20 bis 22.30 Uhr: Schinderhannes. Montag, 27., 19.30 bis 22 Uhr: Eelestina.

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2luf diesem Wege würden nur die Dündnis- beziehungen früheren Stils, die Bündnissysteme, die Schühengrabenausstellung der Bündnissysteme vom Völkerbund legalisiert und insofern noch in ein ungleiches Verhältnis gebracht, als hinter die im Völkerbund stärkste Macht dann zu den schon vorhandenen Machtmitteln auch noch die M a ch t des Völkerbundes und seines Sanktionskrieges gefügt würde. Und, setzen wir hinzu, hinzugefügt werden soll. Denn es ist gerade die Absicht der Franzosen und ihrer Anhänger, auf solche Weise den Völkerbund dauernd zu einem Instrument ihrer politischen Wacht zu machen. Es wird jetzt in Gent, und es wird auch nach dem VölkerbundSrat in der Abrüstungskonferenz im Mürz nicht besonders viel herauskommen. Aber das entbindet uns nicht von der Pflicht, diese ganze Arleit un­sererseits aufmerksam zu verfolgen und Deutsch­lands Interesse in ihr auf das schärfste zu ver­treten, zusammen mit denen, die gleichen Sinnes und gleichen Willens sind. Wir sind nun ein­mal im Völkerbund! Man hüte sich, über den schönen Redensarten und den theoretischen Zän­kereien von Genf die gewaltigen r e a l p o l i t i - schen Hintergründe zu verkennen oder zu unterschätzen, die dabei und dahinter im Spiele sind. Man hüte sich vor allem, zu unterschätzen, mit welchem Geschick und mit welchem Ziel­bewußtsein die f r a n z ö s i s ch e Politik es darauf anlegt, dieses.Völkerbundsinstrument ihrem Ge­danken der dauernden Hegemonie über Europa dienstbar zu machen.

Erweitertes Schöffengericht Gießen.

* Gießen, 15. Febr. Aus der Unter­suchungshaft vorgeführt wurde ein 20jähriger junger Mensch, der sich wegen eines Straßen­raubs zu verantworten hat. Im Mai vorigen Jahres verließ er sein Elternhaus, um angeblich in der Fremde Arbeit zu suchen, obwohl er zu Hause in der eigenen Landwirtschaft genügend Arbeit gehabt hätte, in Wirklichkeit ater, wie er später Augab, um auf derWalze" ein sorgen­freies Leben zu führen. Einige Monate später kam er eines Abends als heruntergekommener Handwerksbursche auch nach Lauterbach. In der Rächt überfiel er dort in einem engen Seiten­pfad einen friedlichen Bürger, der von einer Ge­selligkeit kam und sich aus dem Heimweg be­fand. Mit einem harten Gegenstand schlug er diesem plötzlich mehrmals in das Gesicht, so daß dieser bewußtlos zusammensiel. Alsdann beraubte er ihn der Schuhe und einiger Wert­sachen. Während der Untersuchungshaft wurde der Angeklagte mehrere Wochen auf seinen Geisteszustand beobachtet. Der ärztliche Sach­verständige schildert ihn als einen nicht toll» wertigen, degenerierten Menschen und befürwortet mit Rücksicht «tttf seinen Geisteszustand die Zu­billigung mildernder Umstände. Unter Berück­sichtigung dieser besonderen Verhältnisse verur­teilte ihn da- Gericht zu 2 Jahren Ge­fängnis, während er bei Versagung mildern­der Umstände, worauf das Gericht besonders hin- wies, zu einer Zuchthausstrafe von mindesten- 5 Jahren hätte verurteilt werden müssen.

!.roeimal batten im Jayr» 1910 Vertreter der Frank- urter Eisenbahndirektion diese Gegend besucht und ich eingehend nocb den Verhältnissen erkundigt, worauf auf Vermessung der Bahr, geschritten wurde, die ergeben habe, daß große technische Schwierig­keiten nickst im Wege ständen und stärkere Steigun- «n als im Verhältnis 1:40 nicht oorkämen. Dl« lehr ergiebigen Eisenstein-, Kupfererz, und Schwer- spatlager, die früher stark abgebaut wurden, seien nur eingegatvgen, weil die weite Achsenfracht zur Bahn zu teuer komme. Vor allen Dingen kämen aber hier auch die großen Grünsteinorüche bei Bottenhorn und Steinperf in Betracht. Man habe schon 1910 berechnet, daß die täglichen Ver­frachtungen allein der Grünstein- brüche etwa zehn Doppelwaggons be­tragen würden. Um diese Grünsteinindustrie zu möglichst großer Entfaltung zu bringen, um sie in erfolgreichen Wettbewerb mit den bis nach Frank­furt hin eingeführten schwedischen Dau- und Pflastersteinen treten zu lassen, würde der preu­ßische Staat ein aan>z besonderes Inter­esse daran haben, ihr günstige Absatzbedingungen zu verschaffen, d. h. sie möglichst kurz und billig durch eine Dahn mit Gießen Frankfurt- Darmstadt usw. zu verbinden. Das damals schon sehr rührige Bottenhorner Eisenbahn­komitee hat den gleichen Gedanken wie der Ar- tikelfchreiber imGießener Anzeiger" oom Juli 1911 vertreten. Leider konnten die lobenswerten Be­mühungen damals keinen Erfolg für sich verbuchen. Dann kamen die Kriegsjahre, die Inflationszeit und schließlich die schwere wirtschaftliche Bedrängnis aus dem verlorenen Kriege, der Inflation und der De­flation, so daß bis beute noch dieses vielverspre­chende Projekt ein Wunsch geblieben ist, statt zur produktiven Tat für unsere Wirtschaft geworden zu sein.

Wie das Bottenhorner Eisenbahn­komitee in einer Eingabe vom 12. Dezember 1913 an das damalige preußische Ministerium der öffent­lichen Arbeiten in Berlin hervorhob, bringt weder die Bahn NiederwalgernHartenrod, noch die Strecke Dillenburg Biedenkopf jenem industriell wichtigen Gelände bei Bottenhorn, Steinperf usw. mit 45 abbaufähigen Grubenfeldern den erwünschten Erfolg. Beide Strecken sind von diesen Grubenfebdern zu weit entfernt, als daß es sich lohnt, die reichen Bodenschätze zu heben, um sie dann durch die überaus verteuerte Beförderung per Achse noch in annehmbarer Preisgestaltung an den Markt bringen zu können. Dieses Argument für eine neue Dahn durch jenes Bergbau-Neuland ist u. E. allein schon so schwerwiegend, daß es sowohl von den Regierungsbehörden, wie auch von der Reichsbahnverwaltung sehr ernstlich gewürdigt wer- den sollte: namentlich die Reichsbahn muß sich vergegenwärtigen, daß auch ihr Geschaftsunterneh- men durch einen neuen Betrieoszweig in dieser Ge­gend, der gute wirtschaftliche Aussichten bietet, nur aeroinnen kann. Daß zur Erschließung dieses Ge­bietes zunächst natürlich ein bestimmtes Kapital in-

Die wirtschaftliche Not unseres Volkes zwingt uns zur Anspannung aller Kräfte und zur Ausnutzung jeder Möglichkeit des deutschen Bodens, die geeignet ist, dem Wiederaufbau unserer Wirtschaft zu dienen. Wer den Abschluß der deutschen Außenhandels- bilanz von 1927 [ich vergegenwärtigt, wird nicht tm unklaren darüber fein, daß es für uns eine lehr dringende Notwendigkeit ist, alle heimischen Kraftquellen zu mobilisieren, um die Einfuhr ausländischer Produkte soweit wie möglich herabzudrücken. Zur Erschließung dieser Kraft­quellen sind aber ausreichende Verkehrs- Möglichkeiten eine sehr wesentliche Vorbedin­gung. Wo diese nicht gegeben ist, können selbst hoch­wertige Bodenschätze der Allgemeinheit nicht dienst­bar gemacht werden, sehr zum Schaden der gesmn- ten Volkswirtschaft, wie auch Aum Nachteil des engeren Heimatgebietes. Eine solche Lage findet man im mittleren Teile des Kreises Biedenkopf vor, der von den Orten Hartenrod, Wommelshausen, Dernbach, Bottenhorn, Steinperf, Ober- und Nieder-Eisenhausen als Kernpunkt be­stimmt wird. Hier ist ein Gebiet, das 45 abbau- fähige Grubenfelder auf weist, in denen Eisenstein, Kupfererz, Schwerspat und Grünstein gewonnen werden kann wenn eine Bahn zum Abtransport dieser wichtigen Bodenschätze vorhanden ist.

Bereits in den Jahren 1911 und 1913 ist der Gedanke, dieses wichtige Gebiet durch eine Bahnlinie unserer Volkswirtschaft nutzbar zu machen, ein­gehend verfolgt worden. Im Jahre 1911 plante man, dieses Gebiet durch die sog. Hinterland- b a h n dem Gießener Wirtschaftsbereich anzualie-

man Ihn auch theoretisch ansieht, praktisch eine verzweifelte Ähnlichkeit mit den Bündnissen und Alllanzen alten Stils erhält. Erllärt doch Po- litis in seinem Bericht selber sogar Verträge wie die der Kleinen Entente oder ähnliche Kom­binationen für durchaus verträglich mit dem Dölkerbund-pakt. Wir bestreiten aber durchaus, daß etwa die französischen Militär­konventionen oder der italienisch- albanische Vertrag dem Wortlaut und Gellt der Völkerbundspakte entsprächen. Und so will allerdings die französisch.slawische These der Herren Doncour, Denesch und Politis das Haus

vestiert werden muß, braucht man als Selbstoer- ftändlichkeil hier wohl nur anzudeuten. Auch für die Reichsbabnoerwaltung gilt der Grundsatz, daß nur durch Kapitalanlagen neues Kapital gewonnen werden kann. Dom Standpunkt der Wirtschaft aus ist das Projekt einer Bahnver­bindung zwischen Nieter-Eisenhausen und Harten- rod über Steinperf und Bottenhorn natürlich gleich­falls von großer Bedeutung, denn hier können nicht nur wichtige Rohmaterialien dein Schoße der Erde entnommen und als billigeres, inländisches Produkt der deutschen Bedarfsdeckung zugeführt werden, son­dern es wird durch die Verwirklichung dieses Pro­jektes mich möglich sein, eine ganze Anzahl Arbeits­kräfte in jener Gegend, die heute im Siegerland und in Westfalen tätig sind, da sie auf der heimatlichen Scholle keine Existenzmöglichkeit finden, in ihrem Heimatgebies zu beschäftigen und dadurch für andere Arbeitskräfte im Hauptindustriegebiet Platz und Verdienst zu schaffen. Die an diesem Gebiet im Kreise Biedenkopf interessierten Wirtschastskreise haben für diese Sachlage schon vor dem Kriege volles Verständnis gezeigt, und sie stehen ihr auch heute noch in gleich verständnisvoller Weise gegen­über. Nur muß ihnen allerdings die Möglichkeit ge­geben werden, ihrer Erkenntnis entsprechend auch handeln zu können, ohne dabei wirtschaftlich den Boden unter den Füßen zu verlieren. Und hier mie­te rum tritt die Bahn als Vorbedingung für diese Umschichtung auf dem Rohmaterialien- und dem Arbeitsmarkt in Erscheinung.

Auch unter dem Gesichtswinkel des allgemei­nen Dolkswohls ist in diesem Zusammen- hange ein Wort zu sagen. Es wird heute von regie­renden Stellen, von namhaften Sozialpolitikern und bedeutenden Dolkshygienikern ständig beklagt, daß die Landflucht als Uebel der Neuzeit sich immer weiter ausbreitet. Auch in diesem Biedenkopfer Ge­biet haben wir eine verbreitete Landflucht vor uns, die aber nichts anderes ist als Ausfluß einer wirt­schaftlichen Zwangslage. Wenn man die­sen Leuten, die jetzt gezwungenermaßen entweder die ganze Woche über oder noch länaer lediglich aus Verdiensdgründen von ihrer Familie fern weilen müssen, die Möglichkeit bieten würde, ein hinlängliches Auskcmunen m f der mit Boden­schätzen reich gefeaneten heimatlichen Scholle äu fin­den, so wäre in Olef em Bezirke die Landflucht mit einem Schlage beseitigt.

Der Vorteil, der hiernach aus einem Dohndau zwischen Nieder - Ellenhausen und Hartenrod ent­stehen würde, wäre also in mehrfacher Auswirkung von größter Bedeutung: für unsere Gesamtwirt. schäft, für die Wirtschaftsbelebung in dem Bahnbiu- gebiet und auch für das Volks- und Familienleben in ten beteiligten Dörfern selbst. Allerdings wird die Finanzierung des Projektes unter den heutigen Verhältnissen nicht so einfach zu bewerk- stelligen fein. Daß die interessierten Gemeinden das zum Bahnbau erforderliche Gelände kostenlos zur Verfügung stellen werden, darf man als selbst­verständlich wohl annehmen. Ob sie darüber hinaus auch in pekuniärer Hinsicht, oder durch Gestellung von Baumaterial noch weiteres für die erwünschte Bahn leisten können, werden sie sich zweifellos in sehr entgegerrfommenbem Sinne überlegen. Man darf wohl auch ohne weiteres als gegeben ansehen, daß die interessierte Industrie bereit sein wird, Opfer auf sich zu nehmen. Weiter kann wohl auch ter Kreis Dieben köpf bei einer solchen Auf­wärtsentwicklung eines wichtigen Teiles feines Ge­bietes in finanzieller Hinsicht nicht ten Unbeteiligten spielen wollen. Letztlich wäre noch daran zu den­ken, daß auch der zuständige Kommunalver- band Wiesbaden es an aktiver Mitwirkung bei ter Finanzierung eines so bedeutungsvollen Un­ternehmens nicht fehlen lassen darf. Nimmt man alles dies zusammen, so kann wohl ohne allzu großen Optimismus der Ansicht Ausdruck gegeben werden, daß die Finanzierung des Projektes durch­aus nicht so unmöglich sein dürfte, wie mancher es vielleicht auf den ersten Blick ansehen wird. Die Reichsbahn selbst wird ohne Bedenken bei der Verwirklichung dieses Dahnbauplanes etlvas weit­herzig verfahren können, wenn sie sich vor Augen hält, daß die Schaffung dieser Bahnlinie doch eigentlich nichts anderes ist, als die e r st e E t a p p e ter in den Jahren 1911 und 1913 vergeblich ange- strebten Hinterlandbahn von Gießen nach Biedenkopf, nur mit dem Unterschied, daß jetzt der Dahnbau von ter nördlichen Seite her hi Angriff genommen würde unter Zuhilfe­nahme der Strecke WallauDillenburg, von ter in Nieder-Eisenhausen die neue Dahn über Botten­horn in Richtung Gießen abzweigen würde. Ferner wäre auch daran zu denken, daß später einmal nach der anderen, nördlichen Richtung hin die Wei­terführung ter Dahn nach dem Edertal zu ins Auge zu fassen ist.

Hoffentlich wird es bei großzügiger Haltung aller beteiligten Kreise, insbesondere aber ter Reichs­bahnverwaltung, in nicht zu ferner Zeil möglich fein, dieses bedeutsame Projekt in die Tat umzu- setzen und damit unserer Wirtschaft neue, aufwärts« führende Produktionsmöglichkeiten zu erschließen.

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1870D

Sicherheiisdebatte in Gens.

Außenpolitische Umschau.

Don Or. Otto Hochsch, o. prof. der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. X

In Polen, in Frankreich, in Deutschland, in England, ist die Wahlbewegung, wenn auch die Wahltermine ganz verschiedenartig sind, schon in vollem Gange. Man achtet kaum auf die Ar­beiten, die i n Gens am 20. Februar bestim­mungsgemäß wieder beginnen, in der Zusam­menkunft des Sicherheitskomrlees. Unb doch haben gerade wir allen Anlaß, auf die stille und zähe Arbeit, die dafür und dort im Sinne der anderen Seite getan wird, auf das schärfste zu achten! Man unterschätze nicht das gewiß Theoretische und Juristische, das in diesen Beratungen und Diskussior.en so vorwiegt. Denn es umhüllt sehr realpolitische Dinge, die Beziehungen der Mächte zueinander, realpolitische Gefahren öder je nachdem Vorteile. Darum ist es nötig, sich darüber klar zu sein, wie Deutsch­land dazu steht und welche Linien Deutschlands Vertreter in Gens einzuhalten haben.

Wir halten es für richtig, daß nicht an bei­den Stellen, im Sicherheitskomitee und in der Abrüstungskonferenz die Führung in einer Hand liegt, der des Grafen Bernstorfs, son­dern daß für das Sicherheitskomitce, wie von vornherein notwendig war, ein besonderer deut­scher Vertreter, der frühere Staatssekretär von S i m s o n , bestellt worden ist. Ratürlich arbeiten beide auf das engste zusammen, aber die Aufgaben find verschieden und besonders: Es ist ja gerade der springende Punkt und Deutschlands Hauptinteresse, die grundsätz­liche Trennung der beiten Gebiete auf das schärfste zu betonen, wenn das auch durch die Verkoppelung von Sicherheitsfrage und Ab­rüstungskonferenz schwer gemacht worden ist.

Denn nach wie vor bleibt Deutschlands Aus­gangspunkt dec: Die allgemeine Abrüstung ist und muß zwingendeFolge der vollen­deten besonderen AbrüstungDeutsch- lands sein. Das liegt urkundlich in den Zu­sagen der Beteiligten fest. Diese allgemeine Ab­rüstung kann und darf nur beraten werden von ter Grundlage der gegenwärtigen soge­nannten Sicherheitsverhältnisse aus, wie sie in den bekannten Verträgen vorliegen. Das hat die Dölkerbundsversammlung von 1926 beschlossen und die von 1927 bestätigt. So weit also Deutsch­land in Frage kommt, sind die Sicherheits­gesichtspunkte völlig geordnet. Vielmehr, wenn jemand Sicherheitsformeln wollen und wünschen müßte, so ist es Deutschland und nicht irgend ein anderer Staat, wie Frankreich oder Polen oder sonst wer. Halten andere Staaten oder Staatengruppen aber die Sicherhsitsver- ihältnisse unter sich noch nicht für genügend be­festigt, so steht selbstverständlich einer Erörterung nichts im Wege, an der sich Deutschland betei­ligt und für Die nach deutscher Auffassung ein vortresfliches Muster ja gegeben ist: in jenen Schiedsverträgen, die Deutschland in Lo­carno mit den westlichen und östlichen Rachbarn Heschlosfen hat.

^leberhaupt: Ausgangspunkt für die Erör­terung, die am 20. wieder ausgenommen wird, tann nur sein das Bestreben, den Frieden zu sichern und alle denkbaren Streitigkeiten, die zu einem Kriege führen könnten, von der Wurzel «uS unmöglich zu machen, und da nun einmal Streifigkeiten unvermeidlich sind, zu deren Aus- Irag den Schiedsgedanken, das System der Schiedsverträge, immer weiter auszugrstalten. Deutschland ist darin vorangegangen, eben mit seinen Schiedsverträgen, dem Vertrage ton Locarno, der Zeichnung der Fakultafivllausel, und ist zu weiterem bereit. Deutschland lehnt aber ab den französischen Standpunkt, der den Krieg dadurch verhüten will, daß man den Krieg vorbereitet, der den Sankfions- frieg als Ausgangspunkt nimmt, und von da aus erst an die AbrüstungSsrage Herangehen will. Das heißt, wie die deutschen Bemerkungen ganz richtig sagen, das Haus vom Dach aus bauen. Man kann nicht bestreiten, daß der deutsche Standpuntt logisch, in sich geschlossen, klar und bestimmt ist, und daß diefe Linien, die die deutsche Vertretung in Gens einzuhalten hat, tem deutschen Interesse ebenso en'.sprechen wie ter Rotwendigkeit, einen wirklich dauerhaften Arteten in Europa aufzubauen.

Der englische Standpunkt ist nicht ganz so geschlossen, und vor allem nicht so positiv. Auch England sieht im Dchiedsgedanken das wesentliche zur Verhinderung von kriegerischen Zusammen­stößen, und darin ten Ausgangspunkt für die ganze Erörterung in Genf. Aber England will zwar Verträge dieser Art weiterhin begrüßen, seinerseits aber weder Schritte noch irgendwelche Garantien für das weitere übernehmen. Eng­land lehnt für sich alles weitere ab, aus verständlicher Rücksicht auf seine Kolonien, aber damit kann man nicht weiter! Es ent­spricht bet ganzen schwierigen politischen Lage Englands, daß es in dieser Frage, der soge­nanntenOrganisation des dauerhaften Fr e- tens in Europa" seins volle Kraft nicht ein» sehen kann und daher auch nicht will. In ter DHeinlandfrage, nebenbei gesagt, merken wir ja Las gleiche!

Die These Frankreichs und seiner An­hänger ist in dem Berichte dec Männer, die in Prag zusammen waren, und die Vorbereitung sür Die Genfer Beratung zu bearbeiten hatten, gleichfalls deutlich und scharf herausgearbeitet. Es find die Väter und Anhänger des Genfer Protokolls von 1924, aber sie sehen ein, daß es heute unmöglich ist, dieses Protokoll wieder zu beleben. Daher geht ihr Bestreben, intern sie von Abrüstung kaum sprechen und den Schieds­gedanken in den Hintergrund schieben, daraus hinaus, den regionalen SicherheitS- pa ft als Ausgangspunkt zu nehmen, ter, wie

1 Würfe/ für 2 Feller 73 Pf.