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Nr. 296 Drittes Natt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gierhessen) Montag, 17. vezemSer 1928 imMmaanag*«»»'ntw '» --**

Turnen, Sport und Spiel.

Turnertagung des Gaues Hessen D. T.

-th- Di« Gauleitung hatte die Vorsitzen­den der Turnvereine zu einer Zusammen­kunft eingeladcn, die in Dietzen stattfond.

Der 1. Gauvertreter, Arthur Pfeiffer «Wetzlar), teilte nach einigen einleitenden Worten unter lebhaftem Deisall mit, daß nach der kürz­lich erfolgten Auflösung des Feldöerggaues der Tv. Usingen, die Turn- und Spielvereinigung der Ehristian-Wirth Schule zu Ufingen, ferner die Turnvereine zu Anspach, Wernborn, Hausen- ArnSbach, Eschbach und Ober-Rohbach sich dein Hes'engau eingegliedert haben, dem sie z.T. in früherer Zeit schon einmal angehörten. Auch die anwesenden Vertreter dieser Vereine sprachen ihre Freude über die Wiedervereinigung mit den alten Turn freunden aus. Ferner sind beigetreten "Oer Akademische Turnverein Rheinfranken zu Gießen, die Turnvereine Großen-Buseck, Erain- feld. Kaichen und Echzell in der Wetterau. Der Gau zählt nunmehr 17 4 Vereine.

Vei der Aufstellung der Verhandlungsfolge »machte sich die Versammlung selbst zum Gegen­stand der Tagesordnung. Die Zusammen­kunft der Dereinsvorfihenden ist aus den Bedürfnis,en der unmittelbaren Nachkriegs­zeit entsprungen, die Teilnahme ist freiwillig, und ihre etwaigen Beschlüsse haben zwar die Dedeu- mng von Feststellungen, aber keine verbindliche Kraft. Tie sahungsg.matze Vertretung sämtlicher Gauvereine ist vielm hr der jährliche ordentliche Gau turn tag im Frühjahr. Einstimmig war die Versammlung der Auffassung, datz zwar ein zweiter ordentlicher Gauturntag im Jahre, etwa im Herbst, nicht notwendig erscheine, datz aber ein wenn auch unverbindlicher Meinungsaustausch im Kreise der Vereinsleiter an sich itno als Vor­bereitung für Öen Gauturntag nach wie vor als iverlvoll empfunden werde und deshalb in der gegenwärtigen Form vorläufig noch beibehalten, ,zeitlich aber besjer an die Wende zweier Turn­jahve im Oktober gelegt werden solle. Ein Antrag te8 Tv. Lauterbach auf Stimmübertragung zum Gauturntag für die IScrfreter weitabliegender Vereine wurde abgelehnt.

Aus den ausgie. igen Besprechungen heben wir zufammensasseno einige Punkte hervor. Der Turnbetrieb hat sich autzerordent.ich gestei­gert, gegliedert, abgestuft und verjeinert, so datz an einen Turnwart selbst im kleineren Land­verein erheblich höhere Anforderungen gestellt werden, die aber ohne eine entsprechende Ausbil­dung kaum noch erfüllt werden können. Diesem 'Bedürfnis wlll die neue Deutsche Turn- schule in Berlin dienen. Die Deutsche Turner­schaft glaubte die Kosten dieser Schule auf bi» breiten Schultern der Gesamtheit legen zu müssen und hat deshalb Ihren jährlichen Kopfbeitrag um 20 Pf. erhöht. Dadurch wird eS dem ein­zelnen Turner und auch dem kleineren Landverein erst möglich, diese Gelegenheit zur Weiterbildung mi benutzen. Allerdings muh die Auswahl dieser Turiischüler so getroffen werden, datz sie selbst den Anforderungen körperlich und geistig gewachsen sind und ihrem Verein als Turnwart auch er­halten bleiben. Auf der anderen Seite wird eS sich als noltoenbig erweisen, dah die Turnschule den Bedürfnis en der Vereine entsprechend zu verschieden abgestuften Lehrkur'en kommt. Im gleichen Sinn werden kürzere Lehrgänge In den Kreisen und Gauen abgehalten: imGauHessen findet ein solcher für das Fra uenturnen im Januar, für das Männerturnen im Februar nächsten Jahres statt. Für den Dau von Der- einsturnhallen werden Zuschü se bzw. Dar­lehen vom Kreis (Rothermel Stifung) und von der Deutschen Turnerfchaft (Dr.-Göh-Stiftung) gegeben dahin, wo es am nötigsten ist. Bei iln- glücksfä'len findet der Turner Hilfe bei der Un­fallversicherung des K.cies, bei schwe­reren Unfällen tritt die Deutiche Turner chaft in turnbrüderlicher Weise zur Seite. Für Unfälle, die dem Betrieb zur Last fallen, tritt die Haft-

Lach« t

Roman von J. Schneiver-Foerstl.

Urbeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau t 6a.

23 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Ihre Pulle begannen wieder normal zu schla- gcn. Run hab ich dich erst ganz durchschaut, mein Lieber, dachte sie und beschleunigte chre Schritte. Sie durste ihm nicht einmal mehr Zeil zum Ueber legen laffen. Wenn sie ihn nur zu Hause bei sich hatte, bann war alles ge­wonnen- Sie lief mehr, als sie ging, den sonnen- glitzernden Weg entlang.

Dort unten war das Tor, und dahinter leuch­tete der rote Wagen, der sie in wenigen Mi­nuten fortbringen würde. Rur noch bis dort­hin, dachte sie und sah flüchtig zu Joachim auf, der mit vorgeneigtem Oberkörper neben ihr her- fchritt.

Ich habe Elle!" sagte sie zum Ehauffeur, der eben den Motor in Bewegung setzte. ..Um acht Uhr mutz ich zur Probe in der Oper fein.

Eine Hand flog an die Mütze. Der Schlag klappte zu. Lautlos, ohne jeden Ruck fetzte das Auto die Stratze hinunter, schoß um die Ecke und bog nach benr Zentrum ein. Lichtüberflutet lagen die Fenster der Geschäfte. Lachend unb flirtend schoben sich die Menschen vorüber, im Zick»Zack ben Fahrzeugen ausweichend.

Wie weh daÄ tat. All diese sorglos sröhlichen Gesichter unb neben ihr das feine, von Leid ver­zerrt, von Schmerz unb hemmungsloser Verzweif­lung durchwühlt. Wie sie ihn liebte! Ihr Leben für ihn zu opfern, wäre ihr als ein Lächerliches erschienen.

Unb barm mit einem Male schotz ihr der Ge­danke durch den Kopf: Warum lam Leopold Richthosen zu ihr? Warmm lieh Maria den Verlobten am Tage seines Unglücks allein?

QkrftDblen streifte sie feine Itnte Hand. Der Ring fehlte!

Also auch das! Aus unb vorbei«.

Du allerärmster Mensch!

Kirchenstille umfing Hettingen, als er ben Fuh ta bte grohe Empfangs diele im Heim der Diva

Pflichtversicherung ein. Eine ernste organisato­rische Sorge ist für die Vereinsteitung die Fach- gliederung und Abstufung des Uebungsbetriebs geworden: in größeren Vereinen zählt man ein Dutzend und mehr Abtei­lungen, die noch ein besonderes Gebiet der Leibes­übungen pflegen und damit zugleich für ihren Verein ideelle unb finanzielle Fragen schaffen, glicht als ob man den Wünschen der Jugend nach dem Ball in feinen verschiedenen Formen, ober dem Florett, dem Wasser, dem Ski, dem Wander- stab u. a. sich entgegenstellen wolle, ganz im Gegenteil: das deutsch; Turnen will Vielseitig­keit und verträgt Vielseitigkeit, um seinem Ziele, der harmonischn Ausbildung der Körperkräfte, nahe zu bleiben. Die Blüte der Deutschen Tur- nerschaft ist der Zwö lf kämpfer, er ist der Sieger schlechthin. Aber eben deshalb mutz immer wieder auf die Einseitigkeit körperlicher Betäti­gung verwiesen werden, sei es bei der Berufs­arbeit oder beim Turnen, Spiel unb Sport. Den Umkreis der Fragen, die dabei für ben Spieler unb feinen Turnverein, insbesondere beim jetzigen Handballbetrieb, auftauchen, erörterte Studien­rat Thierolf (Friedberg) In eingehender Weise, ohne noch die finanzielle Seite der Frage besonders hervorzukehren. Er trat aus spiel- ethischen und organisatorischen Gründen warm für die Aufnahme von Freundschafts­spielen neben ober für die Verbandsspiele ein. Im Sinne der Versammlung wird der Gauturn- und -spielausschutz die wertvollen Qlnregungen toei ter bearbeiten unb bnn nächsten Gauturntag Vorlage machen. Sachlich war man bet Auf- faf ung, datz dieUmkehrvonuntenher ein- geieitet werden müs e; neben der reinen Freude am Spie! werde das Kampfmoment als ein Spiel­inhalt für die Jugend nicht zu entbehren fein, aber seine Einzigkeit unb damit seine Einseitig­keit könne und müsse nach verschiedenen Rich­tungen gemildert werden. Von Jnteces e war in diesem Zusammenhang auch die Mitteilung des Kreisvertreters, dah Spielplätze, bei denen daS Publikum sich in die Spielentscheidüngen, mitunter sogar tätlich, einzumischen Pflegt, in Zukunft gesperrt würden. Zur finan­ziellen Seite der Verhanblungsgegenstände wurde rückhaltlos anerkannt, dah der G a u Hessen sparsam wir scha tet, unb datz die Leistungen der übergeordneten Verbände für turnerische Aus- und Weiierlildung, wie für geldliche Unlerstühung und Hilfe von der Ge­samtheit in turnbrüderlichem Sinn ermöglicht bleiben müssen.

Fuß-alt in Hessen-Hannover.

In der Rordaruppe tarn gestern zwischen ©.6.03 Kassel unb Tura Kassel ein 3:2 heraus.

In der Sübgrupp« lieh sich Sport KassÄ von Hermannia Kassel überraschend 0:3 schlagen. Fußball in Süddeutschland.

Bejlrf Mala-Hessen.

In der Gruppe Main fiel gestern eine Vor­entscheidung um die Gruppenmeisterschaft Eintracht Frankfurt gewann mit 3:1 (2:1) in großem Stile ihr Derbandsspiel gegen Rotweih Frankfurt, wobei der Gegner nur bis Halbzeit gleichmäßigen Wider­stand leisten konnte. Gleichzeitig verlor Einträchte schärfster Nebenbubler. der F. 6p. V. Frankfurt, in Niederrod gegen Union mit 1:2 Toren. Allem An­schein nach dürfte der nunmehr vorhandene Dor- Ipiung von vier Punkten bei zwei noch ausstehen­den Spielen genügen, um für Eintracht die Main- Meisterschaft als gesichert zu bezeichnen Die Offen­barer Kickers erkämpften sich ein sehr glückliches und knappes 4:3 gegen Fußballvereinigung 03 Fechenheim Germania Bieber behielt mit 5:1 über­legen die Oberhand gegen Viktoria Aschaffenburg Das Hanauer Ortstreffen zwischen Sp. Dgg. 60 94 und 1. F C. 93 endete erwartungsgemäß mit einem 3:1-Siege der 93er. Die drei absteigenden Vereine der Main-Gruppe stehen nunmehr in F Vgg 03 Fechenheim, Dcktoria Aschaffenburg und Sp. Dgg. 60 94 Hanau fest.

In der Gruppe Hessen war Wormatia, der ziemlich sichere Gruppenmeister, diesmal spielfrei. V. So. V. 05 Mainz sicherte sich durch sein 7:2 gegen die Sp. Gem. Höchst den zweiten Tabellenplatz. Der dritte Platz kann dem V. s-L. Neu-Isenburg, der Alemannia Worms 5:0 schlug, kaum noch genom­men werden. Sp. V. Wiesbaden, der auch in die­sem Jahre in der Mittelgruppe hängen geblieben ist, fertigte seine Leidensgefährten Hassia Bingen mit 5:1 sehr glatt ab. Der Abstiegsverein, Sp. Vgg. Arheilgen überraschte durch sein 4:2 gegen den F. C. 03 Langen.

Bezirk Bayern.

In ber Gruppe Rorbbahern ist ber sichere Torunterschieb von 3:0 bemerkenswert, ben die Sp.Vgg. Fürth zwischen sich und den A.E.V. Rürnberg bringen konnte. Bayern Hof verlor erwartungsgemäß 1:3 gegen ben 1. F.E. Bayreuth, dagegen überrascht das 2:1 des F.E. Franken Rürnberg gegen den F.V. 04 Würzburg außerordentlich. Meisterschaft unb Abstieg sind in ber Gruppe Rordbayern noch ungellärt.

In der Gruppe Südbayern kam es zmn Entscheidungsspiel zwischen ben beiden Meister­schaftsanwärtern Wacker München und Bayern München. In diesem letzten Verbandsspiel der beiden führenden Vereine vergrötzcrte Bayern durch ein verdientes 2:1 seinen Vorsprung auf vier Punkte und errang somit auch in diesem Jahre die Gruppenmeisterschaft. Wacker Mün­chen und 1860 München werben vermutlich die beiden anderen Plätze besetzen, es sei denn, daß Schwaben Augsburg in seinem noch ausstehenden Kampfe mit ihnen punktgleich wird. Diesmal gewann Schwaben Augsburg gegen Schwaben Ulm erwartungsgemätz hoch, nämlich mit 7:2 Toren. In Schwaben Ulm, der in sämtlichen 14 Derbandsspielen nicht einen einzigen Punkt erringen konnte, steht seit langem der Abstiegs­verein fest. Die übrigen Vereine der Gruppe waren spielfrei.

Knapper Sieg des 1. $. (£. Nürnberg in Dresden.

Vor etwa 15 000 Zuschauern standen sich am gestrigen Sonntag in Dresden ber 1. F.E. Nürn­berg und der Dresdener S.C. in einem Freund­schaftsspiel gegenüber. Trotz des glatten Bodens zeigten beide Mannschaften außergewöhnliche Lei­stungen. Rur knapp, mit 4 :3, gelang es den Dürnbergern, siegreich zu bleiben.

Arbeiterlönderkampf Deutschland Oesterreich 3:6.

3m Berliner Poststadion trugen am gestrigen Sonntag die repräsentativen Mannschaften ber Arbeitersportvereine von Deutschland unb Oester­reich einen Fußball-LLnderkampf aus. Die Oester- reicher zeigten sich durchweg leicht überlegen und siegten mit O.

Handball im Bezirk Main-Hesse«.

Truppe A;

6portneretn 98 Yußballsportveretn 1:1.

H. S. B. Frankfurt Arheilaen 7:L

V. f. B. Friedberg Bußbuch 6:3.

Die beiden anderen angesetzten Spiele sind aus­gefallen.

Gruppe B:

Germania Wiesbaden Kastel 0:3.

Sportklub Wiesbaden Wormatia Worms 1:0. Hakuah Wiesbaden Mainz 1:1.

Neuer Sieg des deutschen Handballmeisters.

In Halle standen sich gestern In einem Freund­schaftsspiel die Endteilnehmer um die DSB- Meisterschaft, Polizeisportverein Halle und Deut­scher Handballklub Berlin, gegenüber. Den Hal­lensern glückte eS nicht, für die im Meister­schaftsspiel erlittene Riederlage Revanche zu neh­men, sondern sie mußten sich auch diesmal von den Berlinern mit 9:3 (4:1) verdient geschlagen bekennen.

Oeuisch-fmnzösischer Fechikampf in Frankfurt.

Der Degenmannschafts - Fechtkamps zwischen einer ost französischen Mann­schaft unb dem FechtklubHermanni a"- Frankfurt am Samstagabend in Frankfurt am Main hatte seine Anziehungskraft auf die An­hänger des Fechtsportes ausgeübt. Der Saal im frankfurter Haus der Fechter war wieder gut be­setzt, als sich die Vertreter Frankreichs den Frank­furter Fechtern stellten. Don jeder Seite wurden sechs Fechter gestellt, sämtliche sechs Fechter der einen Mannschaft fochten mit allen sechs Mitgliedern der anderen Mannschaft, so daß im ganzen sechs­unddreißig Kämpfe ausgetragen wurden. Es war von vornherein klar, daß die französischen Fechter den Sieg davontragen würden, ist bod) gerade der Degen die Waffe, auf ber die Franzosen besonders träniert sind. Der Verlauf der Kämpfe bestätigte denn auch diese Voraussicht. Die deutsche Mann­schaft hielt sich aber ausgezeichnet, unb bei einigem Glück, bas aber verschiedentlich mehr auf feiten der Franzosen mar, hätte das Ergebnis leicht anders lauten können, wenn auch ein Sieg ntc in Frage kam.

Die französische Dtannschoft war ziemlich ausge­glichen; ihr stärkster Mann war Barbier, dem es sogar gelang, Casmir zu besiegen. Nach ihm find Eharlon unb Abet zu nennen, die beibe im Finale um die französische Meisterschaft mitge­fochten haben. Etwas schwächer war nur I a - boulet-Vercherre.

Bei der deutschen Mannschaft nahm natürlich C a s m i r wieder die erste Stelle ein. Er wäre aus dem Kampfe auch ungeschlagen hervorgegan- gen, wenn er in feinem Gefecht mit Barbier nicht ausgeglitten wäre. Eine große Heber- raschung brachte das jüngste Mitglied derHer- mannia"-Mannschaft, der kleine E i f c n e d e r, der für ben bekannten Turnierfechter Moos einfprang. Er konnte von feinen sechs Kämpfen vier für sich entscheiden und dabei Gegner wie Adet, Schmeh unb Eharton besiegen. Jack unb Schön brachten auch einige Siege auf ihr Konto, ihr Können bewegte sich aber unter dem Durchschnitt ber Franzosen, während Müller ein glatter Versager war.

Die Reihenfolge ber Sieger ist:

Siege

1. Barbier- Frankreich 6

2. CaSmir-Deutschlanb 5

3. Eisenecker-Deutschlanb 4

4. Eharlon-Frankreich 4

5. Abet-Frankreich 4

6. DchmeL- FrankreiH

7. Hostalier-Frankreich D

8. Schön-Frankfurt 2

9. Jaboulet-Dercher«

10. Jack« Frankfurt a. HL 1

11. Rosenbauer-Frankfurt a. W. 1

Gesamtergebnis 23:12 Siege für Frank reich.

Flugsport. Oer Hlndenburg-Polal.

Der Hindenburg-Pokal unb die Zusatzprämie von 10000 Mark wurden dem Führer und Besitzer des FlugzeugesKlemm-Daimler L. 20" mit 20-PS.« Mercedes-Benz F. 7502, Freiherrn Friedrich Earl von König-Warthausen für seinen von Berlin über Moskau, Baku nach Teheran (4509 Kilometer) In der Zeit vom 10. bis 31. August 1928 durchgeführten Flug zugefvrochen. Bei der Be­wertung der Leistung wurde besonders berücksichtigt, daß der Sieger als Iungslieger ohne ausreichende Streckenerfahrung mit einem Flugzeug von nur 20 PS. unb ohne Begleiter das von ihm selbst ge­steckte Ziel Teheran trotz aller Schwierigkeiten eines Fluges über fremde, unwegsame Gebiete erreicht unb mit dem Fluge BerlinSofino bei Moskau auch eine deutsche Lang ft recken-Höch st - l e i st u n g von 1548 Kilometer für als C i n s i tz e r geflogene Leichtflugzeuge der Klasse 3 aufgestellt hat, die der Welthöchstleistung sehr nahe kam. Dabei

setzte. Dlaßrote Abendsonne rann durch die ho­hen, kunstvoll bemalten Fenster. In wunder­vollem Glühen leuchteten die Farben auf. Tann­häuser lag im Venusberge ber Liebsten in ben Armen, die ihren Purpurmantel um ihn schlang. Heimliches Schweigen ruhte verheißungsvoll darüber.

Den Schritt verhaltend, nahm Isabella ihrem Gaste Hui unb Mantel ab unb bat ihn mit einem Blick ber Augen, ihr zu folgen. Kein Laut burchdrang die Stille, nur als Joachims hohe Sestall eine ber großen Fächerpalmen streifte, gaben sie ein leises, sensenartiges Ge­räusch von sich unb schwankten sekundenlang gleich winkenden Händen nach.

Sattgrüne Seidenvorhänge schufen in dem Zim­mer, in daS die Sängerin Baron Hettingen führte, ein toalbartig feierliches Dämmern.Lie­ber Joachim, nun sehen Sie sich zu allererst!" Mit behutsamen Händen faßte sie ihn und drückte ihn in das tiefrote Leder eines Stuhles.Ruhen Sie sich ein bißchen aus und dann wollen wir sehen, wie das Drama weitergeht!"

Es ist bereits zu Ende, gnädige Frau Sein Mund verschob sich zu einer eckigen Kurve. Die Katastrophe hat ihren Höhepunkt erreicht!"

Wirllich? Wir fehlt noch der Schluß! Der Tod des Helden!"

Ruckartig hob er sich auS dem Sessel unb glitt wieder zurück. Was wußte diese Frau von seinen Plänen? Richts!

Das gehört mit zu jedem richtigen Drama!" sagte er schroff unb legte die Hände auf die Lehnen zu beiden Seiten.

Diese hilftose Bewegung, mit ber er feine Erregtheit zu verbergen suchte, trieb ihr das Wasser in die Augen. Sie mußte von ihm toeg- sehen unb ging nach einem kunstvoll eingelegten Seitenschranke, dessen Mittelfach unter ihrem Finger aufsprang. Mit einem Kästchen in der Hand kam sie zurück, öffnete es unb reichte ihm ein vierfach zusammengefaltetes Papier. An der Längs- und Seitenbiegung zeigten sich brüchige Stellen, die daraus hiewiesen, daß es schon oft in Händen gehalten war. Er entfaltete es mit Vorsicht, um es nicht weiter zu beschädigest. An den eckig-markigen Buchstaben erlannie er foson die Schrift des Vaters.

Urkunde!

Ich bekenne mich hiermit vor Zeugen als den rechtmäßigen Vater des Kindes der Tänzerin Anita Jeska.

Isabella-Anita Jeska

unb verpflichte mich, die Mutter meines Kindes binnen Jahresfrist als meine Frau heimzuführen.

Freiherr Artur von Hettingen.

Dien, ben 5. Juli 1897.

Ein wildes Aufstöhnen wie das eines ver­endenden Tieres brach aus Joachims Mund. Das Blatt aus den Händen gleiten lassend, sank sein Gesicht schwer auf die Brust herab!

Sein Vater ein Ehrloser! Der Schänder eines Weibes!

Joachim!" Die große gefeierte Sängerin lag vor ihm in ben Knien unb lehnte ausweinend den Kops gegen feine Schulter.Joachim, sag bloß ein Wort, ob du dich schämst, daß ich auch ein Tropfer! Blut von ihm in mir trag."

Richts als ein Wimmern war die Antwort. Heber die weiße Hemdbrust Hettingens fielen die Tränen wie glttzernde Sterne und blieben auf ihrem Blondhaar und ihrem dunllen Kleide hängen.

Rie hättst du waS zu hören davon kriegt! Rie!" klagte sie demütig zu ihm auf.Aber heut weißt Joachim! Heut kann ich nimmer anders als dir sagen, daß ich auch ein bisserl ein Anrecht auf dich hab!"

Er schob chre Hand von feinem Arm unb zog sich vollkommen entkräftet im Stuhle hoch. In sinnlos entsetzlicher Angst umflammerte sie ihn. Verachtest mich jetzt? Willst auSspein vor mir?

Ich vor Ihnen, gnädige Frau? Sie vor mir! So ist c8 eher richtig! Wenn Sie den Wagen noch unten stehen haben, möchte ich Sie bitten, mich nach Hause bringen zu lassen! Zu Fuh komme ich kaum mehr so weit, unb meine Bar­schaft dürfte, für eine Autofahrt wohl schwerlich reichen."

Darf ich mitfatjren, Joachim? weil ich nun doch einmal deine Schwester bin. Wenn ich mich dicht hinter dich hinstelle, brauchn wir bloß eine einzige Kugl miteinander!" v , ,

Isabella!"

2a! Das gönnst mir doch, net wahr? So grausam wirst net fein, daß ich mich selber niederschießen muh! Ich kann nicht umgehn mit dem Zeug. Da mühte ich dreimal los- drückn, bis ich mich richtig treffe!

Du! Unb dich hielt ich für eine Dirne!"

Mich? Din ich einmal net vorsichtig ge­nug gewesn? Sag Joachim! Wenn ich bei euch eingelabn war, hat mir's Herz jedesmal bis raus an die Schläfn klopft, es könnte wer was ahnen!"

Im Wintergarten sah ich dich den Vater küssen! Da hab ich dich verachtet, tote ich noch nie zuvor ein Weib verachtet habe!"

Du armer Mensch! Das hast du auch noch zum tragn ghabt. Aber gelt, das hab ich dir jetzt abgenommen unb wenn du mich ein bisseri gern habn könntest ein bisserl nur! Du muht mich nicht falsch verstehen, Joachim!"

Rein, Heine Schwester." Ihr Gesicht in beibe Hände gebettet, hob er es zu seinen Lippen auf. lieh es sinken und lehnte in tonlosem Schluchzen ben Kops gegen ihre Schuller.

Wein bich aus, Bub!" tröstete sie mütterlich zärtlich.Kein Mensch sieht's jetzt! Unb ich wir ghörn ja zusammen, wir zwei! Ret wahr?---

Ohne daß er es merkte, zog sie ihn zu sich auf ben Deinen Divan, der ihnen im Rücken stand. An seine Brust gelehnt, wartete sie, bis er ruhig wurde unb zu sprechen begann.

Erzähle mir, wie alles kam, Isabella!" Sein« Stimme sprang noch über.

-Die s gekommen ist? Wein Gott, Joachim« wie's hall immer kommt, wenn ein schöne- Mädl unb ein junger heißblütiger Mensch allein zusammen sind. Eine einzige kurze Stund! Ein einziger vernunftloser Rausch und die Schande ist fertig unb bas Weib weint unb windet sich in Verzweiflung, und ber junge Mann ver­spricht ihm bas Blaue vom Himmel herunter, unb nachher geht er seine Wege unb alles ist aus unb vergessen."

Weller!"

. (Fortsetzung folgt.) /