so weit fortgeschritten, daß die neuen Grund- stücke noch vor Weihnachten den zukünftigen Besitzern zugcwiesen werden können. Die Ausführung der Arbeiten hat 2 Jahre in Anspruch genommen. 3n Verbindung mit der Feldbereinigung wurden -Wei neue Drücken über die Wieseck gebaut, die eine im Ort, die andere an dec GemarkungSgrenze Reiskirchen. Die neuen Grundstücke erfordern zum Teil recht umfangreiche Kulturarbeiten: denn die aus dem neuen Flußbett ausgeworfenen Erdmassen muhten, soweit sie nicht zur Ausgleichung deS alten Flußbetts nötig waren, auf die anliegenden Wiesen verschleift werden, und so wurde die Grasnarbe vollständig zerstört. Die so neu aufgefüllten Wiesen müssen jetzt von Grund aus neu aufgearbeitet werden. Wenn dos trockene Wetter anhält, werden viele Landwirte noch im Winter an die Arbeiten Herangehen. Mancher Landwirt wird sich auch genötigt sehen, den aufgefüllten Doden zunächst mit Kartoffeln oder Getreide zu bestellen, um dann im folgenden Jahr um so leichter die Grasnarbe anlegen zu können. So weit sich bis jetzt der Wert der ausgeführten Kulturarbeiten beurteilen läßt, muh festgestellt werden, daß die bereits vorgeschrittene Der- sumpfung abgestellt ist.
is. Steinbach, 15. Rov. Die Fleisch- beschauer des Kreises Gießen fanden si») dieser Tage hier im Gasthaus »Zum Einhorn" zu einer seltenen Jubiläumsfeier zusammen. Galt eS doch, den Senior der Fleischbeschauer, den 63jährigen D a l - taser Müller. zu seinem ^jährigen Jubiläum zu beglückwünschen. Der Vorsitzende des Kreisvereins, Römer -Wieseck, begrüßte ganz besonders den Deterinärrat Dr. Monnard- Gießen, Dr. Walter -Lich und den Vorsitzenden des Landesverbandes, D a h - m e r - Offenbach. Veterinärrat Dr. Monnard- Gießen überbrachte dem Jubilar die Glückwünsche des Kreisveterinäramts Gießen und des Kreisamtes Gießen. Der Landesvorsitzende. Dahme r - Offenbach, überreichte dem Iübilar das Vild des Herrn Reichspräsidenten als Symbol der Pflichttreue. Der Vorsitzende des Kreisvereins, Römer» Wieseck, gratulierte und überreichte einen Ruhesessel. Es feierten noch mit weiteren Ansprachen den Jubilar Dr. Walter-Lich und der jetzige Fleischbeschaüer, S e c t h - Steinbach. Sichtlich gerührt und bewegt dankte der Jubilar.
# Hungen, 16. Rov. Wie an dieser Stelle schon berichtet wurde, wurden im Sommer durch den Denkmalpfleger Prof. Helmke, Gießen, und Dergwerksdirektor i. R. Schiffmann. Hungen, Ausgrabungen in unserer Ge- marcüng vvrgenommen, die schone Ergebnisse zeitigten. 3n letzter Zeit wurden die Rach.o.schun» gen fortgesetzt und ein bisherunbekanntes Grab im Forstbezirk Steinkaute in der Nähe der Provinzillstraße Hungen—Ronnenroth aufgesunden. Die Oefsnung des Hügels, die durch obige Herren vorgenommen wurde, ergab, daß es sich um eine Grabstätte aus der mittleren Hallstattperiode, also um die Zeit 800 v. Christi Geburt, handelt. Der Grabhügel hat einen Durchmesser von 15 Meter und eine größte Erhebung von fast 2 Meter. Zwei Steinkränze umgaben die Grabstelle. Zwei Skelettleichen barg das Grab, die übereinander gelagert w^ren mit einem Abstand von 1 Meter. Während das untere Grab nur wenig gut erhaltene Röh- renknochm enthielt, tourte in dem oberen neben Hals- und Wirteldrochm ein guterhaltener bronzener Halsring entdeckt. Ganz in der Rähe deS Skeletts fand man weitere Schmucksachen aus Bronze, nämlich einen Armring von 15 Zentimeter Durchmesser, eine dreifache kleinere Armspirale von 4 Zentimeter Durchmesser, mehrere Anhänger und eine 16 Zentimeter lange Radel. Scharben von Tellern, Töpfen und Wärmen lagen dabei. Die Fundstücke sind seit einigen Tagen im Schaufenster der Firma M. Dreifuß in Hungen ausgestellt, wo sie mit viel Interesse besichtigt werden. Roch weitere 4 Grabhügel wurden aungesunden, die später geöffnet werden sollen. Auch hit Prof. Helmke die zu diesen Gräbern gehörige Siedlung am Abhang nach dem obersten Hungener Teiche zu festgestellt.
Kreis Friedberg.
Bad-Rauhelm, 16. Rov. Der hiesige Männerturnverein beging die G.innerung an seine vor 15 Jahren erfolgte Gründung durch eine würdige Feier, in deren Verlauf
Aufklärung, ober er empfing nur eine befehlend« Geste, die zur Tür wies.
Die beiden Herren gingen, und Brodersen folgte ihnen bis auf die Treppe. Was er ihnen sagte, verriet er nie.
Inge stand mitten im Zimmer, beide Hände auf das klopfende Herz gepreßt. „Nun? Habe ich es so recht gemacht?" sagten ihre Augen.
Taumelnd schritt Grotteck auf sie zu. „Du ...", stammelte er. „Du!" Er wagte nicht, ihre Hand zu fassen. „Wie konntest du ...? Du weiht ja nicht, ob ich nicht ein Verbrechen begangen habe ..."
Ihre Augen lachten ihn an. „Wenn es eins war — nun trage ich es mit dir. Glaubst du nun, daß ich dich liebe?"
Er sah sie lange an, als sähe er sie zum erstenmal. „Nun mußt du alles hören, und ein Verbrechen war es nicht." Sie glitt in seine Arme und hörte seine Beichte. Sie erlebte die Zeit mit, wo er aus dem tänzelnden Rhythmus feines Lebens geworfen wurde, in einen Wirbel von Fragen und Rätseln geschleudert, die ihn aber am Ende zu ihr getragen hatten.
„Alles mußte so sein", sagte Inge. „Alles war nötig, Liebster. Nie hätten wir einander sonst so- erkannt. Und daß das Geld damals verschwand, war ein großes Glück. Wie vieles ist so ungeschehen geblieben!" Sie wandte sich plötzlich um. „Wo ist Vater geblieben?"
In diesem Augenblick trat Brodersen ein. Er durchquerte das Zimmer und blieb am Flügel stehen. „Inge!" sagte er nach einer Weile, und seine Stimme klang wunderlich zart und vorsichtig.
Sie warf Grotteck einen zärtlichen Blick zu und trat zu ihrem Vater. „Nun weißt du olles, Vater. Nun weiß es die Welt. Wirft du mich fortjagen?"
„Was du redest! Komm näher zu mir, daß ich dich fühle." Seine Stimme bebte in einem innern Sturm. »Habe ich so an deiner Jugend gesündigt, daß du das sagen kannst? Bin ich auch hier schuldig?"
„Ich^ gehöre zu ihm. Vater. Du wußtest es (Jr schwieg eine Weile. Seine Rechte war von ihrer Hand gesunken. Durch seine massige, schwere Gestalt ging ein Zucken.
Inge beobachtete ihn bonge. „Vater, mach es dir nicht so schwerl Dir und uns!" Sie stand dicht
verschiedene Ehrungen verdienter Mitglieder vorgenommen wurden. Die Gründung war seinerzeit verursacht durch Meinungstesserenzen im alten Turnverein von 1860. GS traten 32 Tur- ner auZ und riefen den Männerturnverein ins Leben, dessen Aufnahne in den Turngau Hessen im Jahre 1919 erfolgte. Die Reibungsflächen zwischen beiden Vereinen sind durch die Einsicht Der Führer auf beiden Seiten seit den letzten Iah-en beseitigt, und heute arbeiten beide Vereine in der Arbeitsgemeinschaft der Bad-Rau- beimer Turnerschast mit- und nebeneinander an den gleichen Zielen. DaS Verhältnis ist jetzt fo, daß eine Wiedervereinigung des Männer turn- vereins mit dem Turnverein 1860 in nicht alUu ferner Zukunft durchaus im Bereich der Möglich- keit liegt. Anregungen dazu werden auf beiden Seiten immer wieder laut. 3m Turngau Hessen nimmt der Männerturnverein, der zeitweise schon recht gutes Turnermaterial gestellt hat, mit seinen etwa 300 Mitgliedern eine geachtete Stellung ein. 3n dem im Gau als AlterSturnec und bewährter Kampfrichter allenthalben bekannten und geschützten Turner Dernh'.rd W a ck hat der Männerturnverein einen umsichtigen Fubrer. der Vorsitzender und Oberturnwart zugleich ist. — Allgemein begrüßt wird es hier, in Butzbach und In Friedberg, daß die durch die Auslösung des (leinen Feldberggaues möglich gewordene Rückkehr der 1846 gegründeten Turn gemeinde Ufingen zum Turngau Hessen sich am 1. 3a- nuar 1929 vollziehen wird. 3n den Kreisen der älstnger Turner besteht eine starke Anhänglichkeit zum Gau Hessen, besonders zu den genannten Vereinen, Die früher den älsgau bildeten.
WSR. Bad-Rauheim, 16. Rov. Der frühere Musiker beim Bad-Rauheimer Kurorche- ftet, Koning, wurde gestern abend kurz nach 6 llhr in der Rähe feiner Wohnung in Rieder- Mörlen vom Postomnibus überfahren und getötet. Koning kehrte von einer Reise aus Holland zurück und fuhr mit dem Omnibus nach Rieder-Mörlen. Gr verließ den Omnibus, während sich dieser noch in Fahrt befand, glitt dabei aus und kam so unglücklich unter den Wagen zu liegen, daß ihm das Hinterrad über den Kopf ging. Der Verunglückte hatte erst im Frühjahr seine Frau durch plötzlichen Tod verlogen.
Ö Butzbach, 16. Nov. Da man sich hier mit dem Gedanken trägt, ein Schwimmbad zu errichten, besuchte dieser Tage eine Abordnung der hiesigen Stadtverordnetenversammlung die Stadt Alsfeld, woselbst kommunale Einrichtungen ein- gehend besichtigt wurden, vor allem das dortige Schwimmbad.
L_ Melbach, 16. Nov. Bei der Wahl der Kir- chenoor st ands Mitglieder wurden vier frühere Mitglieder und an Stelle der zwei oer- storbenen Karl Bender und Heinrich Fleischhauer gewählt. Auch die Wahl derKirchengemeinde- Vertreter erübrigte sich, da nur ein Wahlvorschlag eingeceickt worden war. — Nachdem in verschiedenen Nachbargemeinden die Schulhäuser mitZentralheizung auegestattet wurden, befaßte man sich mit dem gleichen Gedanken auch für unsere Gemeinde, zumal die Oefen in den beiden Lehrsälen unbrauchbar sind. Die Oberklasse mußte aus diesem Grunde seit den Herbstferien in einem älteren Schulsaale untergebracht werden. Nach lang, wierigen Verhandlungen mit verschiedenen Firmen wurde vom Gemeinderat, der dem ganzen Plane vollstes Verständnis entgegenbrachte, der Einbau einer Niederdruck-Warmwasser-Hel- zungsanlage beschlossen. Besonders anerkannt muß werden, daß die beiden Lehrerwohnungen gleich mit angeschlossen werden. Die Ausführung der Anlage wurde einer Nauheimer Firma übertragen. In der gleichen Sitzung wurde die Anregung des Kreisschulamtes auf Einrichtung einer B a d e g e l e . g e n h e i t behandelt. Der hohe, volksgesundheitliche Wert einer solchen Anlage wurde voll und ganz anerkannt und die Anregung voll eingeschäht; jedoch mußte im Augenblick von der Ausführung des Pro- jektes Abstand genommen werden, da es an den notwendigen Mitteln und den geeigneten Räumen fehlt.
Kreis Büdingen.
wg. Nidda, 16.Rov. Der hiesige Männer- Gesangverein „Sängerkran z", Mitglied des Riddata'I-, Hessischen und Deutschen Sängerbundes, wird am 29. und 30. Juni und 1.3uli 1929 das Fest seines 90jährigen Bestehens begehen und beabsichtigt, aus diesem Anlaß einen großen nationalen Gesangswettstreit als würdige Feier zu veranstalten. Zur Vorbereitung der
Feierlichkeiten bildete sich ehr geschäftsführender Ausschuß, dem der erste Vorsitzende Philipp Bechtho 1 d, der Chorleiter Josef D a p p e r und der Schriftführer Adolf Zeitz angehören. Die Wettgesangs-Ordnung sieht vor ein K.assen- singen und ein Ehrensingen. Für das Klafsen- ftngen sind fünf Abteilungen vorgesehen: Abteilung A: Stadlvereine (1., 2. und 3. Stadlklasse), Abteilung B: Preisgekrönte Landvereine (1., 2. und 3. Landklasse), Abteilung C: Quartet tllasse, Abteilung D: Richtpreisgerrönte Vereine, Abteilung t: Gemischte Chore. Am Ehrensingen hat sich jeder beim Klassensingen preisgekrönte De rem zu beteiligen. Als Preise sind ausgesetzt wertvolle Kunstgegenstände und Ehrendiplome.
t). Geiß - Nidda , 16. Nov. Bei der D e r p a ch - t u n g des sehr beträchtlichen Kirchengutes mürben ziemlich hohe Preise erzielt. In den besten Lagen kam ein Morgen Ackerland auf 70 Mark jährlich.
Z Echzell, 16. Nov. Der hiesige T u r n o e r • ein, der seither dem Gau Wetterau im Südwestdeutschen Turnerbund angehörte, ist zur Deutschen Turnerschaft übergetreten. Er hat mit über 70 Mitgliedern Aufnahme im Turngau Hessen gefunden.
# Echzell. 16. Rov. Der hefige Geflügelzuchtverein. der größte der ganzen Welterau, veranstaltet in dec Zeit vom 18. bis 20. 3anuar 1£29 seine 11. Lokalschau, verbanden mit der BezirkSgeflü^e schau te3 Be irksRidäa- Schzell unter Mitwirkung des LandwirtschaftS- kammerausschusseS für O. erhellen. Ranchafte Geldpreise der Landwirlscha t klammer, sowie der angcschlossenen Vereine stehen zur Verfügung.
wg. senborn, 16. Rov. Die nach dem Wegzug unseres langjährigen verdienstvollen Seelsorgers, Pfarrer Werner, nach Rieder-Wöllstadt vakant gewesene hiesige Pfarrstelle wurde dem Pfarrassistenlen Erich LI l l m a n n zu Boden- Henn übertragen. Pfarrer ilflmann, der in 3nns- bruck, Michelstadt i. O. und Dodenheim (Rhein- Hef fen) bereits tätig war, wurde kürzlich durch Dekan Schäfer von Büdingen in fein Amt eingeführt. Möge fein Wirken von reichem Segen für unsere Kirchengemeinde begleitet sein!
I Hirzenhain, 16. Rov. Der Autobus des Derkehrsverbandes Ortenberg und Umgebung hat nunmehr auch die Beförderung der Arbeiter zu den Eifen werken Hirzenhain auf genommen. Zunächst werden nur Arbeiter aus Usenborn befördert, da der Fahrplan ein mehrmaliges Verkehren des Wagens zum Zwecke der Qlr beit erbe, ör terung nicht zu- läßt. Der Wagen ist von Usenborn aus vollauf besetzt. 40 Leute benutzen ihn täglich, und viele müssen, w.e bisher, noch den Weg zu Fuß und mit dem Rade zurücklegen. Die Fahrpreise sind möglichst niedrig gehalten; Ginzelsahrschetne Usenborn—Hirzenhain kosten 40 Pf., eine Arbeiter- wochenlarte 2,50 Mk. Während so die Arbeiter von Usenborn nun eine angenehme Verbindung zu ihrer Arbeitsstelle haben, müssen diejenigen von Gelnhaar vorläufig noch daraus verzichten, da die Strecke Büdingen—Bindsachsen—Gelnhaar—Hirzenhain noch nicht eröffnet ist. Auch die in Hirzenhain beschäftigten Arbeiter aus Glashütten und Ober-Lais erwarten dringend die Weiterführung der Autvlinie Nidda—Ober-Lais nach Hirzenhain.
Rundfunkprogramm
deS Frankfurter Sender».
(Aus der „Radio-Umschau".)
Sonntag, 18. November.
8,30 bis 9,30: Morgenfeier, veranstaltet von Prediger Wächter. 11: Von Wien: Schubert- Gedenkfeier. 13,10 bis 14: „Die Erde nicht die Sonne", Vortrag von Johannes Schlaf Weimar. 14,30 bis 15: Stunde der Jugendbewegung: „Wandlungen in der Jugendbewegung", Vortrag von Prediger Schramm, Offenbach. 15 bis 15,30- Elternstunde: „Ein Meisterstück der Erziehung und Selbsterziehung — ohne Arme durchs Leben", Vortrag von Mittelschullehrn: Karl Kahl. 15,30 bis 16,30: Von Hanau: Festakt, anläßlich der Eröffnung der Stadthalle. 16,30 bis 17,30: Stunde der Jugend. 17,30 bis 19,30: Stunde des Landes und Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: Schubert-Feier. 19,30 bis 20,30: Von Stuttgart: D.chterstunde Max Halbe. 20,30: Konzert des Rundfunk-Sin- fonie-OrchesterS. Anschließend: Sportnachrichten. Darauf: Tanzmusik.
neben ihm, und beide waren gleich groß, und sie schienen in diesem Augenblick auch gleich stark. Ihre Willen rangen miteinander. Aber Inge war die Stärkere.
„Verzeih", sagte er leise, so leise, daß nur sie es hören konnte. „Aber ich wußte ja nicht, daß man so lieben kann ..." Sie spürte eine Träne auf ihre Hände fallen. Nie hatte sie ihren Vater weinen sehen.
„Ich bin ja deine Tochter", lachte sie ihn glücklich an.
Er richtete sich wieder auf. „Ja, wir sind ein starkes Geschlecht", sagte er befriedigt. „Wir zwingen die Welt, so oder so." Als schämte er sich seiner Schwäche, verließ er sie unvermittelt und ging zu seinem Arbeitszimmer. Do hiell ihn der zagende Ruf Inges fest: „Vater, er wartet auf dich.
„Ja, er soll zu mir kommen."
Er wartete an der Tür, bis er Grottecks Hand in der feinen spürte. „Die Hand ist noch schwach, aber sie wird einmal ..." Damit nahm er den Mann, den seine Tochter liebte, bei sich auf —
Als er in sein Zimmer trat, fragte das kleine Fräulein, das am Fenster stand und ihn erwartete: „Kann ick gehen. Herr Brodersen?"
„Bewahre. Sie haben noch ein paar wichtige Dinge zu schreiben. Zuerst eine Depesche: Korolo Grotteck, Grotthausen bei Danzig. Sofort herkom- men. Alles in Ordnung."
„Und welche Unterschrift?"
„Brodersen, einfach Brodersen. Sie soll sich den Kopf zerbrechen, ob es meine Tochter ist oder ich. Die geben Sie auf der Post ab, wenn Sie nach Hause gehen, aber Sie Dürfen keinem Menschen davon verraten."
„Wie Sie befehlen, Herr Brodersen."
„Und nun fahren Sie im Schreiben fort. Reh- men Sie eine neue Seite. Ein neues Kapitel beginnt, verstehen Sie?"
Das Fräulein mußte lange warten, bis sich feine Worte so geformt hatten: „Schreiben Sie: Der Haß ist eine lebendige Kraft, aber er ist ein Stümper, der zu kurzen Atem hat und darum über seine eignen Beine stolpert. Ich, der ick das Leben kenne, der ich es in seinen Tiefen und Höhen durchlebt habe, ich verrate meinen Lesern: Die Liebe ist das Stärkere, sie ist das Allmächtige. Sie muß es sein: sie hat sogar einen Brodersen bezwungen..." Ende.
Säugetiere auf dem Aussterbeetat.
Immer drohender erhebt sich das Zukunftsbild, daß der Mensch außer den wenigen Tieren, die er gezähmt und sich nutzbar gemacht hat, von der ganzen in Freiheit lebenden Tierwelt nicht mehr viel übriglasten wird. Wir stehen schon mitten drin in der Entwicklung, die zur Ausrottung der meisten Säugetiere führen wird, wie H. 3. W a s s i n g h a m in einem Aussatz der Londoner „Disrooery" hervorhebt. »An der fortschreitenden Vernichtung der Säugetiere kann man nicht mehr zweifeln" schreibt er. „Manche Tierarten sind bereits vollständig verschwunden, so die blaue Antilope, das Quagga, Durchells Zebra die Wanderiaube, der Große Alk, DtellerS Seekuh, verschiedene große Landschildkröten usw. Andere Tierarten werden immer weniger zahlreich. 3n Indien ist die indische Antilope kaum noch zu finden, ebenf'* wie der große indische Bussard trotz eifrigen Such ms nicht mehr entdeckt werden konnte. Die in^sche Gazelle, die früher in großen Herden lebte, ist bis auf wenige verängstigte Stere vernichtet. Auch die rotköpfige Ente ist in Indien ausgerottet, und das große einhörnige Rhinozeros lebt nur noch in einem kleinen Gebiet von Britisch-Assam. Andere Rhi- nvzerosarten des südöstlichen Asiens sind so selten geworden, daß sie unter Schuh gestellt werden muhten. Oberstleutnant Faunthorpe, der kürzlich eine Expedition zur Erforschung der indischen Tierwelt durchgeführt hat, erklärte, daß „in einem begrenzten Zeitraum tatsächlich außerhalb der Schutzgebiete fein Wild mehr in Indien anzutreffen sein wird." Richt minder furchtbar ist die Geschichte von der Abnahme der wundervollen und überaus reichen Säugetierwclt Afrikas. Der Elfenbeinjäger, der Sportsmann, der Tierfänger, die Ansiedler haben in diesem schonungslosen Morden zusammengewirkt. Rur noch 30 oder 40 Tiere sind von den großen Elefanten- berden übriggeblieben, die früher die Hochlande des Addo in Südafrika durchstürmten. Die Gier nach Zebrafellen führte zur Vernichtung von 1200 Tieren in einem kleinen Gebiet in ganz tirt^er Zeit. Als man noch glaubte, daß das Wüten der Tsetsefliege nur durch Blutbäder unter den großen Säugetieren auf gehalten wer-
THonfag, 19. November.
6,30: Morgengymnastik. 13 bis 14: Schckll- Platten-Konzert: Schubert, Vokalmusik. 15,05 btl 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: HauS- frauendienst. 16,35 bL 18,05: Rach Stuttgart: Konzert drs Rmck funkorchesters: Zum ICO. Todestag Schuberts. 18,10 bis 18,30: .Dorn Schmücken, vom Schmuck" Vortrag von Benno Elkan. 18,30 bis 19: „Berliner Automobil-Ausstellung", Vortrag von Frank Arnau. 19 bis 19,30: Schachstunde. 19,30 bis 19,45: Englische Literaturpro^en. 19,45 bis 20,15: Englischer Sprachunterricht. 20 15: „FierrabraS", Aroifch-romantische Oprr in drei Akten, Tert von Joseph Kupelwieser. Musik von Franz Schubert. Anschließend: Schallfüatten- Konzert: Schubert-Instrumental-Musik.
Dienstag. 20. November.
6,30: Morgengymnastik. 13 bis 14: Mittagsständchen deS Rundfunkorchesters. 15,03 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrau rn- ßienst. 16,35 brS 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundsunkorchesters. 18,10 bis 18,30: L gestünde. 18,30 bis 19: Von Kassel: ' Vortrag. 19 bis 19,30: Funkhochschule: „Der Geisteskranke unb die Ansicht des Laien", Vortrag von Prof. Dr. Erich Stern. 19,30 bis 20: Funkhochschule: „Zu Selma Laaerlöss 70. Geburtstage", Vortrag von Prof. Dr. Franz Schultz. 20: Von Stuttgart: Konzert deS Kiemrann-Trtos. 21: Rach Stuttgart: „Schön ist ein Zylinderhut..." AnscUie- ßrnd: Rach Stuttgart: Gälische und irische Li^er.
Mittwoch, 21. November.
6,30: Morgengymnastik. 13.15 bis 14,15: Dchall- platten-Konzert: Ernstes Programm. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16.35 bis 18 05: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 biS 18,30: Bücherstuirde. 18,30 bis 18,45: Senckmberg-Vter- telstunde: „Die wtchtigsten Pelztiere Hl", Vortrag von Dr. R. MerteirS. 18,45 bis 19: Französische Ltteraturproben. 19 bis 19,30: Französischer Sprachunterruht. 19,30: Bußtags-Konzert. Anschließend: Don Kassel: Legenden vorn Tod.
Donnerstag, 22. November.
6,30: Moraengynrnastik. 13 bis 14: MittagS- konzert des Rundfunkorchesters. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 biS 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 b\A 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bis 18.45: Von Kassel: Fünfzehn Minuten Rarschläge für Mutter und Klick». 18,45 bis 19,15 Von Kassel: Vortrag. 19,15 b:s 19,45: „Die Blochmannsche Kalenderreform", Vortrag von Prof. Edmund Sittrg. 20,15: Rach Stuttgart: Gastspiel des Rhe.nrschen Ensembles Müller-Schlösser: „Schneider Wibbel", Rheinische Komödie von Müller-Schlösser.
Jreltag, 23. November.
6,30: Morgengymnastik. 13 bis 14: Schall- Platten-Konzert: Buntes Programm. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 1735. Hausfrauen- Rachmittag: „Maria Stuart", Vortvag von Rektor Merkä. 17,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert deS Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 biS 19: Stunde deS Südwestdeutschen Radto-KlubS. 19 bis 19,30: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene. 19,30 bis 19,50: Zwanzig Minuten Fortschritte m Wissenschaft und Technik. 19,50 bis 20: Film-Wochenschau. 20: Von der Liederhalle Stuttaart: S.nsonie-Kon-ert des Philharmonischen Orchester- Stuttgart. Anschließend: Klavier-Konzert: Hermann Reuter.
Samstag. 24. November.
6,30: Morgengymnastik. 12,45 bis 13,15: Schulfunk: Ein Besuch deS Zoologischen GartenS: Robben und Pinguine, vorgetragen von Dr. Laoeni und Dr. Richard WieSke. 13,15 bis 14 15: Rach Stuttgart: Mittagskonzert des Rundfunkorchesters. 15,05 biS 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16/05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 13,05: Roch Stuttgart: Konzert deS Rundfunkorchesters: Operettenmusik. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bis 19: „Deutschlands größ es Dau- kunstwerk: Der Kölner Dom", Vortrag von Dombaumeister Güldenpf mn.g, Köln. 19 bis 19,15: Der Briefkasten. 19,15 knS 19,45: Efperanto- älnterricht. 19,45 bis 20,15: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Zum 70. Geburtstag von Selma Lagerlös", Vortrag von Dr. Hanna Szaß. 20,15: Gastspiel Robert Koppel. Anschließend bis 0.30: Von Berlin: Tanzmusik,
den könne, wurden unglaubliche Metzeleien veranstaltet. die an das Abschlachten des amerikanischen Bisons erinnerten. Rur noch 150 weiße Rhinozerosse leben in dem Schutzgebiet von Transvaal; sonst ist dieses drittgrößte Land- fäugetier auSgestorben, und das schwarze Rhinozeros ist fast völlig aus den Jagdgebieten, Afrikas verschwunden In der Zeit von 1914 bis 1919 wurde daS Warzenschwein fast völlig vernichtet, und so ließe sich noch eine große Anzahl von verschiedenen Arten der Giraffen, Antilopen und Affen ausführen, die in Afrika noch vor einiger Zeit zahlreich vorhanden waren und jetzt fast verschwunden sind. Rach dem Urteil von Sir James Barrett ist die Ausrottung der Tierwelt in keinem anderen Erdteil so schnell vor sich gegangen wie in Australien. Drei Millionen von Fellen deS iaSmanischen Wolfes wurden allein 1924 nach den Vereinigten Staaten ausgeführt, und jetzt steht diefcS primi- ttve fleischfressende Beu.elt er auf dem Aussterbeetat. In Amerika tritt diese Vernichtung der Tierwelt noch deutlicher zutage, nicht nur in den reich bevölkerten Teilen der Vereinigten S.aaten, sondern auch in der amerikanischen Arktis, wo EiS- und Grizzlybären bald zu Fabelwesen geworden sein werden; die See-Elefanten, die einst die Gewässer der kalifornischen Küste bevölkerten, sind verschwunden, und ebenso ist es dem mäd>* tigen Pottwal ergangen.
Me Zunggesellenflever vlrd verdoppelt.
Die Junggesellen steuer, die im Dezember 1926 in Italien eingeführt wurde, hat bisher keine Steigerung der HeiratSzifscrn gebracht. Es scheint, daß die italienischen Junggesellen ihre so geliebte Freiheit unter keinen llmftänben aufgeben wollen und es mit jenem römischen Le- benSkünstler halten, der in einer Epistel deS Horaz erflärt, nichts fei dem Leben eines Junggesellen in der Welt gleichzustellen. Mussolini muß es daher mit schärferen Mitteln versuchen, und er hat vorläufig beschlossen, die Steuer zu verdoppeln. Kann er auch damit vielleicht nicht die Ehescheuen zur Heirat zwingen, so bringt es doch jedenfalls dem Staat mehr ein.


