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nr. 272 Drittes Blatt

KonsoMiemngdesFriedens?

Außenpolitische Umschau.

Don Or. OttoLoehsch, o.professor der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. jv

In der letzten Docke ist des zehnjährigen Ge­denktages der Ereignis e von 1918 g-dacht wor­den. Mehrfach haben die Staatsmänner nameni- lich der neu entstandenen Staaten dazu Stellung genommen. Jeder hat seine Friedenslmie be­tont und Mussolini glaubte in einer solchen Betrachtung sogar feststellen zu können, daß die letzten -eh« Jahre die Welt vorwärts ge­bracht und aus dem Druck befreit hätten, unter den der Krieg sie gestellt hatte. Für die spe­zifisch außenpolitische Betrachtung ist uns aber wichtiger und richtiger, was in einer solchen Aeuherung der langjährige englische Botschafter in Berlin, Lord d'Abernon, der gewiß die Politik des letzten Jahrzehnt- genau kennt, her- borgehoben hat, daß nämlich im letzten Jahre ein bemerkenswerter und betonter R ü ck s ch l a g in der Politik der Befriedung Europas eingetre­ten sei. Das bestätigt auch unsere Auffassung. Gewiß bat sich gar manches, was aus dem Zu­sammenbruch hervorgegangen ist, bemerkenswert konsolidiert. Aber ist der Glaube an die Be­ständigkeit und Sicherheit der Verhältnisse in Europa wirklich fest und stark genug? Befindet sich Europa wirklich in einem Zu st and des Friedens, an den eS glaubt? Diese Frage aufwerfen heißt, sie verneinen!

Das Vein wird durch die immer weilergehen­den Erörterungen über die englisch-fran­zösischen Beziehungen, die zuletzt auch das englische Parlament beschäftigten, nur ver­stärkt. Auf der anderen Seite hat Amerika, auf dessen Mitarbeit es so entscheidend ankommt, durch den Mund seines Präsidenten sehr deutlich ausgesprochen, daß es zwar zu solcher Mitarbeit bereit sei, daß es aber ablehne, durch seine Mit­arbeit, wie der ungemein zutreffende Ausdruck von Eoolidge lautet,die künftigen Kriege Europas zu finanzieren". Mit einer bemerkenswerten Verärgerung gibt Coolidge der amerikanischen Meinung Ausdruck, daß nachdem Amerika durch seine Anleihen und die See­abrüstung Europa entgegengekommen sei, dieses durchaus nicht Bereitwilligkeit zeige, Amerika entgegenzukommen, es verhindere vielmehr die Abrüstung und betreibe keine friedliche Politik. Europa ist gesagt; gemeint ist natürlich Frankreich und in allererster Linie Eng­land. Es ist zunächst die Frage des Dawes- planes, der eine neue Probe für die Be­reitwilligkeit zu einer europäischen Zusammen­arbeit sein wird. Denn die Revision des Plans ist doch nicht nur eine deutsche, sondern int höch­sten Sinne eine europäische Angelegen­heit. Mit dieser Last und allen Schwierigkeiten und Fesseln dazu kann ja Deutschland nicht zu einem wirklich mitarbeitenden Gliede einer euro­päischen Gemeinschaft werden.

Die französische Regierungskrise ist für die französischen Parteiverhältnisse und Poin- rare selbst natürlich wichtig. Für die Außen­politik ist sie fast ohne Bedeutung. Briand ist Minister geblieben und Frankreich geht in der bisherigen Weise weiter. Das bedeutet aber in der Frage des Dawesplanes, dah sich Frankreich bereits in einer äußerst gefährlichen Weise fest gelegt hat. Es will an eine Erörterung dieser Regelegenheit nur herantreten, wenn es durch die deutschen Zahlungen sichergestellt weih, den Betrag seiner Schulden an Amerika und dazu die Kosten für den Aufbau der zerstörten Gebiete. 3n der gleichen Weise hat sich Eng­land ^eftgetegt, das den Grundsatz der Balsvur- Rote als Richtschnur nimmt, nämlich, soviel an ReparationsgeldeÄi zu erhalten als sein Schul- benbetrag an C*nerifa beträgt. Damit aber ist die Diskussion eigentlich schon erledigt. DaS ist bann keine unabhängige Unter­suchung mehr. Das ist bereit die Bin­dung der Sachverständigen an Instruktionen, die Deutschland unbedingt ablehnt. Hnb eine solche Bindung schließt von vernhrrein die M i t- arbeit Amerikas in dieser neuen Sach- verständigen-Kommission aus, ohne die das ganze nur verlorene Zeit ist.

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

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Reben dieser Frage wird in der Oeffentlich- keit übersehen, daß die deutsch-russischen Beziehungen vor dem Beginn einer neuen Phase stehen. Ihr langjähriger Träger. Graf Brockdorsf-Rantzau, ist durch einen plötz­lichen Tod seiner Tätigkeit entrissen worden. Das ist eine Lücke, die sehr schwer auszusüllen sein wird. Er starb gerade in einem Momente, da die Verhandlungen wieder au,genommen werden sollten, die infolge des Sch chtY-Prozesses im Frühjahr abgebrochen waren. Diese Verhandlun­gen sollen jetzt wieder beginnen. Ist die deutsche Politik und ist die deutsche Wirtschaft in jeder dafür notwendigen Weise vorbereitet und gerüstet? Ist überall die Einsicht vv Händen, daß diese deutsch-ausii chen Wirtchastsverhandlungen von großer Wichtigkeit sind? Auch auf einem schr wichtigen weltpolitischen Hinterg u. de, der ja auch ganz unverkennbar ist und den wir ja auch nur anoeuten? Wir haben mancherlei Zweifel in bezug auf diese Fragen und wünschen nachdrücklich, dah mit aller Konzentration, Ge­schlossenheit und höchstem politischen Verständnis diese Verhandlungen geführt werden. Sie sind keineswegs nur technischer Ratur, wie es nach den Äamen der von Deutschland dazu ernannten Vertreter deren Fähigkeit wir gar nicht be­streiten wollen, von denen indes mir ganz wenige Rußland wirklich kennen scheinen möchte. Es sind im höchsten Sinne des Wortes poli­tische Verhandlungen I

Deutschland hat mit Rumänien seine finan­ziellen Strei fragen zum Abschluß gearadju Ein diesbezüglic.,es Abkommen ist am 10. Rovenrber Unterzeichner worden. Dadurch werden regel­mäßige wirtscha t iche Beziehungen nut Rumänien erlei ert und kann sich Deutschland auch an der Krcd.tcution für Rumänien bei il gen. Der ilm- schwung. der sich in die,em Lande türz.ich vollzogen hat, mit dem ileaergang von den Liae- raten auf die Bauernpar.ei, ist doch erstaunlich. Die bisherige liberale Diktatur (was eigenrlich ein Widerspruch in sich selbst ist) ist vom Platz abgetreten. Run will Maniu darangehen, das in außerordentlichen Schwierigkeiten befindliche Land zu konsolidieren und zu ordnen. Das wird eine große Arbeit werden! Denn durch die Schuld der liberalen Herrschaft unter den Bra.ianos ist nur äußerlich der Schein erweckt worden, dah dies aus dem Krieg berüorgegang.ne ©coß- Rumänien ein geordneter und starker Staat sei. Tatsächlich ist er von den Staaten des europäi­schen Sudostens der innerlich schwächste, der noch am wenigsten den Zusammenhang seiner Teile hat Herstellen können. Eine gewaltige politische und wir.schäft iche Aufriumungsarb.i. iegt vor dem neuen Kabinett, das dann wohl auch daran gehen muh, die Frage zu lösen, die zwischen Ru­mänien und Ruhland immer noch of,en ist. Ohne einen Friedensschluh mit Rußland kann Ru­mänien seine Stellung außenpolitisch nicht völlig festigen.

Oie Iloi der Eisenbahngemeinden.

Reichsbahn und Reichsbesteuerungsgesetz.

Don Dr. Kottenberg, Äeigeordneier des Reichssiädtebundes.

Die Klagen über die verhängnisvolle Pro­duktivität unferer Gesetzgebung sind bekannt. Um so einzigartiger dürfte der Fall dastehen, daß ein wichtiges Reichsg^etz seit mehr denn drei Jahren nicht durchgefüyrt werden kann, weil die Reichsausführungsbestimmungen dazu bis heute nicht erlassen sind. Es handelt sich um das Gesetz über die gegenseitigen Besteuerungsrechte des Reiches, der Länder und Gemeinden vom 18. August 1925 (Reichsbesteuerungsgesetz). Die­ses Gesetz bestimmt, dah die Reichspost und die Reichsmonopo (Verwaltungen, vor allem aber die Reichsbahn, da sie keine Gewerbe­steuer an die Gemeinden zahlen, diesen wenig­stens Zuschüsse zu den gemeindlichen Verwaltungskosten zahlen müssen. Die Reichsbelriebe. zumeist die Reichsbahn, die zahl­reiche Kopf- und Handarbeiter mit vielfach kin­derreichen Familien beschäftigen, tragen in ganz besonders hohem Umfange mehr als der aller- größte Teil der anderen Gewerbetreibenden, zu den gemeindlichen Derwaltungskosten. besonders zu den Schul-, Wohlfahrts- und Wohnungsbau­lasten ihrer Mohngemeinden bei. Zur Abgeltung dieser durch eine Beteiligung an der Gewerbe­steuer nicht gedeckten gemeindlichen Lasten gibt daher das Reichsbesteuerungsgesetz von 1925 den Arbetterwohngememden. wenn die Kopfzahl der tu ihnen wohnenden Reichsbetriebsarbertnehmer mit Angehörigen einen bestimmten Prozentsatz überschreitet, einen Anspruch auf Leistung kom­pliziert berechneter DerwaltunaSkosten- zuschüsse. Aber das Reich bzw. das Reichs- finanzminlsterium hatte die Rechnung ohne die Reichsbahn gemacht. Dieser gab das Reichsbahn­gesetz vom 30. August 1924, das tn § 14 die Auferlegung neuer steuerlicher Lasten auf die Reichsbahn verbietet, willkommenen Anlaß zu behaupten, es handele sich bei der gemeindlichen Zuschubpf licht um eineneue steuerliche Be­lastung". Mit dieser eigenartigen, nur dem In­teresse der Reparationsgläubiger entsprechenden Motivierung fand die Reichsbahn Verständnis bei dem gemäß § 44 Reichsbahngesetzes zur Ent­scheidung dieser Frage berufenen Reichsbahn­gericht. Rach einer im ^Rärz 1926 gefällten Ent­scheidung lehnte die Reichsbahn bisher alle Zu- schußleistungen auf Grund des Reichsbahngesetzes ab. Da etwa 9/10 aller gemeindlichen Zuschuß» ansprüche auf Reichs bahnbet riebe entfallen, wurde damit praktisch die Durchführung des Gesetzes |

überhaupt unmöglich, da auch das Reich die erforderlichen Durchführungsbestimmungen nicht erließ.

Bei dieser Sachlage erhob sich für das Reich die Frage, was zu tun sei. Man konnte unmöglich das Gesetz einfach unausgeführt lassen, aber an­dererseits mochte das Reich auch nicht für den Ausfall der Reichsbahn einstehen. So begannen langwierige Verhandlungen wegen der gutwilli­gen Zahlung von Zuschüssen mit der Reichsbahn, die endlich dazu führten, daß diese sich bereit erklärte, ab 1925 jährlich eine feste P auschal- summe zu zahlen, die mit 2,5 Millionen Mark rund iA des tatsächlichen Gemeindebedarfs deckt.

Die Gemeinden werden zu prüfen haben, ob sie sich mit dieser Lösung abfinden und auf ihre gesetzlich klar begründeten Ansprüche größten­teils verzichten, oder ob sie die Erlangung der ihnen zustehenddn Beträge durchsetzen wollen. Die Frage ist, ob gesetzlich begründete Ansprüche der Gemeinden unter Hinweis auf die Repa­rationslasten der Reichsbahn beiseitegeschoben, die Gemeinden also zu Mitträgern der Reichsbahn-Reparationslasten ge­macht werden können oder aber, wenn schon Die Reichsbahn diese Lasten tatsächlich abwälzen kann, sie das auf die Gesamtheit, auf das Reich tun muß, nicht aber auf diejenigen Gemeinden, die zufällig und ohne ihr Zutun mit Lasten ver­ursachenden, aber steuerbefreiten Reichsbahn­betrieben gesegnet sind.

An allgemeiner Bedeutung gewinnt die Frage noch dadurch daß eS meistens kleine oder mittlere Städte sind, in Denen sich die in der Hauptsache zuschutzpflichtigen Bahnbetriebs- werke befinden. Rian mache sich klar, was eS für diese bedeutet, seit mehr Denn Drei Jahren Ver­waltungszuschüsse entbehren zu müssen, die viel­fach einen erheblichen Bruchteil der örllichen Gewerbesteuerbelastung ausmachen. Was die Reichsbahn zu zahlen sich weigert, mußten seit 1925 in diesen Städten Die Gewerbesteuerpslich- tigen durch erhöhte Gewerbesteuer zu­legen! Wo eine solche weitere Anspannung der Gewerbesteuer nicht möglich war ooer ist, trägt die Gesamtheit Den Schaden, indem entweder wichtige kommunale Ausgaben unerfüllt bleiben, oder aber Die Ordnung des gemeindlichen Haus­haltsplans nicht länger möglich ist.

Bei dieser Sachlage scheint weitere Vertagung, ein Vertrösten der Gemeinden auf Die von Der

Geld fällt vom Himmel.

Roman von paul Enderling.

Copyright by Carl Duncker. Verlag. Berlin.

(Schluß.)

Sie war gleich bei ihm.Wenn du wünschest, Batet. Ick tue es gern.'7

Seine Hände suchten sie und faßten ihre Rechte. Nein, ich fcinte dir. Du hast genug für mich ge­tan. Wunderbar, wieviel Ruhe aus den paar elfen­beinernen Tasten strömt! Oder sind sie gar nicht ans Elfenbein?"

,Lch weiß nicht." Sie sah ängstlich in sein Gesicht, das zum Balkon hinüberstarrte. Plötzlich neigte er sich zu ihrem Ohr.Er weiß es", flüsterte er.Aber wissen es auch andre?"

Sie wußte sofort, was er meinte.Nein, Vater. Ick habe ihn gefragt. Es wird so viel über dich gesprochen, dah er es erfahren haben müßte."

Gut", sagte er befriedigt. Seine gebeugte Gestalt straffte sich wieder. Der alte Trotz meißelte wieder Die Furchen um die Mundwinkel ein.Das ist gut" Er wandte sich ab, seinem Zimmer zu.

Hast du mir sonst nichts zu sagen?" flehte ihre Stimme.

Einen Augenblick zögerte er, wie gebannt von ihrer Bitte, dann fuhr der Kopf wieder in den Racken.Ein andermal." Er betrat sein Arbeits­zimmer, dessen Tür sich hintsr chm schloß.

Inges Hände sanken herab. So war es jeden Tag ... Er näherte sich ihr, als ob er etwas Wich­tiges sagen wollte, und ging wieder. Trieb ihn noch immer die Scham fort, weil (Stottert seine Blind­heit erkannt hatte?

Sie hörte ihn schon wieder diktieren.... Un­vergeßlich ist so ein Tropengewitter. Alle Flammen der Hölle schlugen stundenlang auf die Erde. Die avvanet lagen platt auf der Erde und beteten sinn- lvse Gebete ... Nein, ftreid)en Sie .sinnlose' aus! Sie hatten schon Sinn für jene ..."

Inge lief hinaus zu ihm, der abwartend da- ftenb.

"Will er noch immer nicht mit mir reden?" "Watte ab, Liebster!"

Wie lange werde ich wohl noch warten können? dachte et, auf die Stadt drunten blickend, in deren verworrenen Häusern sich irgendwie sein Schick­sal braute.

Sieh!" Et folgte ihrem Blick: der Regenbogen verblaßte auf der dunkeln Wolkenwand. Ihn fröfteUe. Der Bogen des Stiebens verschwand. Und im gleichen Augenblick, in dem er das empfand, wußte er auch, warum es ihn so durchschüttette. Die Serpenttnenstraße herauf wat ein Auto ge­kommen, das nun vor dem gelben Haus hielt ugd dem zwei Männer entstiegen. In dem einen glaubte er diesen Kiewening zu erkennen aber vielleicht war auch nur dies Watten, dies netoenzetteibende Watten schuld, das er in diesem Menschen seinen Feind erkannte, diesen kleinen und doch so gefähr- lichen Feind.

Hundett Silber wirbelten durch sein Hirn, wäh­rend die beiden unten eintraten. Das letzte waten die Zeitungen mit ihren aufpeitschenden Notizen und Berichten über die Fälschungen. Uebrigens hat- ten sie mit einem Schlag, wie auf ein Kommando, aufgehört, sie waren gekommen und entschwunden wie eine Springflut. Nur einige verbissene Han- belsrebafteure artifelten noch über den Zusammen­hang mit dem Sowjetkonareß in Paris. Ach, das wat alles gleichgültig, wesenlos geworden wie ein Spuk. Aber das, was da nahte, war Wirklichkeit, die ihn angriff.

Der Diener kam und meldete zwei Herren an, die sich nicht abmeifen lassen wollten und die Herrn Grotteck zu fpredjen wünschten. Der eine habe sich als Kriminalbeamter legitimiert, setzte er in schlecht verhehlter Neugier hinzu.

Ehe Grotteck sich gesammelt hatte, traten sie schon ins Zimmer.

Kiewening stand wichtig, gespreizt.Wit kennen uns ja schon, Herr Grotteck?" sagte er in forciert gemütlichem Ton. Oh, dachte er ich weiß, wie man bestimmte Leute am ehesten zum Geständnis bringt!

Ich bin Kurt Grotteck, ja. Was wünschen Sie?"

Der Beamte stellte sich vor.Es handelt sich nur um eine Kleinigkeit, die sich sichet bald auftlären wird. In Ihrer Wohnung wurde uns gesagt, baß wir Sie hier treffen würden. Sie hatten Nachricht hinterlassen. Nun, bas zeugt von gutem Gewissen."

Grotteck verneigte sich leicht. Inge, die die Men­schen hinausweisen wollte, bebte zurück, als sie sein Gesicht sah, das totenblaß wat.

Der Beamte änderte plötzlich seinen Ton und fragte, ihn scharf anschauend:Wollen Sie mir, bitte, sagen, woher das Geld stammt, das Sie auf der Stuttgarter Bank deponiert haben? Aus den Einkünften, die sie eine Zeitlang vom hiesigen Rundfunk bezogen, stammt es doch wohl kaum?" Nein." Er versuchte zu lächeln, aber das Lächeln schmerzte. Haltung! sagte er sich.

Kiewening schob sich vor. Et zog die Augen­brauen hoch und sagte bedeutsam:Wit wissen, daß es mit diesem Herrn Brod alias Blinsky zu- sammenhängt. Ja, das wissen wir auch. Wo steckt er?"

Inge wandte sich ihm zu:Wenn Sie den ein­stigen Ptioatfektetär meines Vaters meinen, er ist tot. Et ist das Opfer eines Eisenbahn­unfalls auf dem Pariser Bahnhof St. Lazare ge­worden."

Kiewening verlor seine überlegene Haltung und murmelte etwas wieaußerordentlich leid ..." Er meinte es ehrlich: nun würde er den zugesagten Vorschuß, auf den er fluchend gewartet hatte, in den Schornstein schreiben können. Er verlor fast alles Interesse an dem Verhör.Ich war es mei­nem Institut schuldig", begann er verwirrt.Dem Institut Okulus" Einen Augenblick sah es aus, als ob er seine Empfehlungskarte ziehen wollte.

Der Beamte drängte ihn beiseite.Also Sie sind so fteundlich, uns zu sagen, woher das Geld kommt? Wit können Sie dann gleich verlassen."

Inge trat zu Grotteck und berührte sein« Hand. Er sah sie nicht an, aber diese leichte Berührung war wie ein elektrischer Schlag, der sein ganzes Wesen durchzuckte.

Nebel traten vor seine Augen. Alles versank: Ruf, Ehre, Name, Grotthausen, die Mutter, Inge

Nun mußte es gesagt werden.Ich habe es ... Es ist mir ..." Et stockte. Wenn er jetzt sagte: Es ist mir vom Himmel gefallen", bann sperrten sie ihn ins Irrenhaus. Es war vielleicht besser als alles andere. Er riß sich zusammen.Das besprechen wir wohl besser braußen, meine Herren."

Samstag, 17. November 1928

Reichsbahn bewilligten Abschlagszahlung unmög­lich. Das Reichsfinanzministerium sucht nach einet Lösung, die Den Säckel des Reichs schonen soll. Keinesfalls kann e.ne Lösung Eingenommen wer­den, Die D.e R.ichsbahn-Reparationslasten auf Die Reichsbahn gemeinden mit aawälzt. Läßt sich Die volle Zahlung Der Zuschüsse Durch die Reichsbahn nicht durchsetzen, so kann nur das Reich, nacht aber diese oder jene Gemeinde mit dem Ausfall belastet werden.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

00 Klein-Linben, 16. Noo. Am Donners- tagai/enD h.ett Millionär Jurgens, der lange Jahre in Qlrifa und Sumatra als Missionav täiig war, in unserer Kirche einen Lichtbilder- vortrag. Im Rahmen eines Vollsmissions- gottesd lenstes sprach er über das ThemaFlucht aus dem Leben", als dem traurigsten und ernste­sten Kapitel aus dem menschlichen Leben. Die am Schluß Der Veranstaltung erhobene Kollekte kommt Der Bo Emission zugute.

ck. H e u ch e l h e i m, 16. Nov. Der Reichsbund der Kriegs beschädigten veranstaltet am kommenden Sonntag in der Turnhalle ein Kon­zert zum Besten der Kriegsblinden. In anerkennenswerter Weise haben sich die hiesigen vier Gesangvereine für diesen wohltätigen Zweck zur Ver­fügung gestellt. Außerdem konzertiert noch die Sta­pelte Topp-Krengel (Gießen).

*Alten-Buseck,16. Noo. Am nächsten Sonn- ta" veranstaltet der hiesige Mandolinenklub im Saale von Einhäuser ein Mandolinenkon- ze rt. Das Orchester wird durch Mitglieder des Wiesecker Mandolinenvereins verstärkt. Außer dem Orchester wirkt die hiesige Sängervereinlgung noch durch Liederoorträge mit.

. Aus Dem Busecker Tal, 16. Rov. Infolge des gelinden Herbstwetters konnten die Destellungsarbeiten auf den Fel­dern planmäßig vorgenommen werden. Sie dürften in unserem Tale jetzt als beendet an­gesehen werden können. Rur ganz selten sieht man noch einen Stoppelacker. Die Herbstsaat ist sehr schön und gleichmäßig aucgegangen; die Roggen- und Weizenfelder bieten einen erst üb­lichen Anblick. Schnecken- und Mäusefraß ist in diesem Herbste anscheinend gering. Die Feld­mäuse werden zur Zeit vielerorts mit Gift- weizen und Gaspatronen bekämpft.

§ Saubringen, 16. Rov. Das Lei­tungsnetz, sowie Die Stratzenbeleuch- tungsa nlagen unseres Dorfes wurden sei­tens des Lleberlandwerkes der Elektrizitätswerke Der Stadt Gießen einer durchgreifenden Rach­prüfung unterzogen. Die gesamten Anlagen, Die bereits im Jahre 1912 gebaut wurden, haben sich seit dieser Zeit gut bewährt, und nur g<^ ringfügige Verbesserungen brauchten vorgenom­men zu werden. Eine Anzahl oberirdischer Zu­leitungen, Die bislang noch au8 Eisendrähten be­standen, wurden durch solche auS Kupfer ersetzt. Fast sämtliche Holzmasten sind im Laufe Der Jahre, obgleich man damals einem Faulwerden in Der Erde durch verschiedene Konservierungs­mittel vorbeugen wollte, faul und unbrauchbar geworden und mußten durch neue ausgewechselt werden. Die ©tfenmaften bedurften hin und wieder nur einer mehr oder weniger stärkeren Defesti- aungsschicht aus Beton. Holzmasten der Hoch­spannungsleitung nach Staufenberg und Alten- Duseck zu werden gegenwärtig ebenfalls durch neue ersetzt; dasselbe ist auch bei etwa schadhaft gewordenen Hochspannungsdrähten der Fall. Die Bautätigkeit, die hier im vergangenen Frühjahr und Sommer vollständig darnieder lag, hat erst im Rachsommer eine starke Belebung erfahren. Ein Wohnhaus wurde jetzt noch im Rohbau fertiggestellt, während eine Anzahl größerer Wvhnungsbauten, Die man als selbstän­dige Häuser anfprechen kann, der Vollendung des inneren Ausbaues entgegengehen. Daneben wurde noch eine größere Menge Ställe, Scheu­nen, sowie Ergänzungs- und Erwetterungsbauten selbst bis in den Spätherbst hinein begonnen. Sie sind zum größten Teil schon fertiggestellt.

: Lindenstruth, 16. Rov. Die Feld- herein igungsarbeiten in dem der Wie- seck entlang sich hinziehenden Wiesengrund sind

Kiewening stieß Den Beamten an. Haben wir ihn oder nicht? hieß seine Geste. Der Kommissar nickte. Sie können das Zimmer bestimmen."

Nein. Nicht in diesem Haus. Ich folge Ihnen, wohin Sie wollen." Er versuchte zu gehen, aber seine Füße gehorchten ihm nicht.

Wie aus weiter Ferne hörte er Inges feste, klare Stimme.Was für Geld meinen Sie, meine Her­ren? Und um welche Summe handelt es sich?"

Der Beamte nannte bereitwillig dem schönen Mädchen die Summe, und Kiewening bestätigte sie mit energischem Kopfnicken.

Nun war es zu Ende. Nun mußte sie von ihm fort. Wenn sie jetzt nur nicht sprach! Alles würde leichter sein, wenn sie jetzt nicht sprach. Aber ihre Stimme klang wieder, uno er wagte in Scham und Reue nicht hinzuhören.

Da fuhr er herum. Was sagte sie?

Sie haben sich ganz umsonst bemüht, meine Herren", klang es herüber.Das Geld stammt von mir. Es ist genau die Summe, die ich Herrn Grot­teck zur Verbesserung seines Gutes gab."

Sie?" fragte der Beamte verwundert.Wir haben natürlich keinen Grund, diese Angabe zu be­zweifeln, aber Sie erlauben wohl, daß wir nach Dem Grund fragen. Der Sie zur Hergabe einer so bedeutenden Summe veranlaßte."

Sie ist für mich nicht so bedeutend", sagte Inges klare Stimme.Und der Grund ..." Sie brach ab. Sie sah hinter den Beamten ihren Vater stehen. Er hatte wohl schon die ganze Zeit zugehört.

Ihre Stimme zitterte nur ganz wenig, als sie fortfuhr:Der Grund? Herr Grotteck ist seit langem mein Verlobter." Ihre Augen flammten trotzig, als sie sich zu Grotteck bekannte.

Schweigen fiel in den Raum, schwer und drückend. Man hörte einen kleinen Vogelschrei draußen im Garten.

Der Beamte faßte sich zuerst.Natürlich, Dann ist unser Auftrag erledigt/ Seine nächsten Worts galten mehr Kiewening als den andern:Wer eine Tochter Brodersens *ur Braut hat, steht außerhalb jedes solchen Verdachts. Wir bitten um Entschuldi­gung."

Als er den Hausherrn erkannte, zögerte er. Er wartete auf eine Bestätigung dieser überraschenden