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Nr.2§5 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, XI. ©höbet (928

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hundert in England zu früh geboren wurde. Und zwar handelt es sich hier um eine Zwje- spältigkeit, die weit über den abgeschliffenen, matten Sinn hinausgeht, den der heutige Sprach­

den Zarewitsch nach Tiumen und von da nach Iekaterinenburg, wo bezahlte Mörder

gebrauch mit den bedeutet hier eine

Meine beste Freundin war indessen weder Tatjana noch Olga nach 2Inastasia, sondern Ma­ria, die genau mein galtet hatte, und die auch die zärtlichste, die hingebendste und sentimentalste von allen vier war. Unter recht seltsamen ilm- ständen erfuhr ich, daß auch sie eine geheime, übrigens völlig harmlose Neigung zu einem jun­gen Offizer am Hofe hatte.

Dies ist das Besondere daran: wie ein Mensch, den die Natur halbsertig, mihgeschaffen und ver­krüppelt in die Welt entlieh und verstieh, dem satanischen Willen anheimfällt, sein inneres We­sen und all sein Sinnen und Trachten dieser verabscheuungswürdigen Gestalt anzupassen. (Cin- gangsmonolog.) Nichts von der ausgleichen­den Gerechtigkeit, für die man gemeinhin in solchen Fällen Beweise vorzubringen pflegt. Richard ist anders. Wenn schon die Hunde ihn anbellen auf der Gasse, den Menschen um ihn soll das Lachen vergehen ob seiner kläglichen und verwahrlosten Gestalt: Blut und Tränen über sie! Und Blut und Tränen fliehen in diesem Schauspiel wie Wasser.

Die Forderungen für die Aufführung sind aus dem Gesagten abzulerten. Sie begegnen sich mit den Ideen des Intendanten Dr. P r a s ch, der das Werk inszenierte... als ein Menschenspiel, nicht als ein Königsspiel, als eine Charakter­ballade. nicht als historische Chronik. 2m Sinne der sich zusehends durchsetzenden Auf'asung unserer Zeit, wie ein klassisches Stück für uns zu spielen sei.

Also: einfach, lebendig, in großen Linien, auf die Innenarchitektur des dramatischen Gebäudes bedacht und auf seinen seelischen Grundriß. Der Negisseur hat sich hineinvertieft, eingewühlt in sein Stück, hat es abgetastet, durchgeknetet, ge­rafft und gestrafft.

Er hat mit seinen Helfern Löffler und Keim einen gegliederten Spielraum geschaffen und einen sparsamen, schlichten, stilsicheren Rah­men um die Szene gezogen. Hohe gotische Bögen und Pfeiler, verhaltene Farben, rotes und fahles Licht wechselnd über der Szene.

gebrauch mit dem Wort verbindet. Zwiespältigkeit maßlose und unüberbrückbare

Ferner: wie dieser Höllenbraten in Menschen­gestalt eine schlechthin übermenschliche Gewalt über seine Umgebung gewinnt, über alle, die ihm nahestehen oder zu nahe kommen ... die berühmte Begegnung mit der trauernden Anna im Leichenzugward je in solcher Saun' ein Weib gefreit?" und die in späteren Szenen immer wieder durchbrechende suggestive Kraft, die von chm ausgeht und überspringt auf die andern, bis er endlich den Thron erkriechen kann: das ist etwas Ungeheuerliches und geht stellen­weise über jede schauspielerische Kraft und Wand­lungsfähigkeit hinaus.

UüdeniMerE mefter) erteilt

sollten.

(Fortsetzung folgt.)

Es ist viel gestrichen worden und hätte noch mehr gestrichen werden können. (Doch läßt sich darüber streiten.) Ganz vorzüglich, geschlossen und belebt, gerieten die Szenen des ersten Aktes, dann der Mord im Tower, der .y>of in Baynar. s- Schloß (Hl 7) und die eigenwillig behandelte, sehr eindrucksvolle Traumszene. Im ganzen wirkte der Schlußakt viel matter als die ersten Die Szene im Zelt war im Tempo verschleppt, der Ausklang (Richmond) abgehackt und von her­kömmlicher Theatralik. (Ueberhaupt könnte in den Massenauftiitten manches geglättet und gedämpft werden)

frühere Zuchthäusler und Kriegsgefangene am 16. Juli kurz nach Mitternacht in einem die ganze kaiserliche Familie nieder-

innere Kluft, ein qualvolles Gespaltensein in zwei seelische Hälften Gin Schweben zwischen zwei Welten

Brandl sagt:Man hat Richard einen Teufel genannt; er selber hätte nichts dagegen gehabt, doch fällt er aus Gottesfurcht." Ihm, den seine aufgeklärte Gottesferne und eisige Ironie weit über fern Jahrhundert hinauszuheben scheinen, hängt tiefinnerlich doch jenes Mittelalter an, dem er entwuchs. Die ungeheuren, drohenden Vorstellungen seiner Zeit Jenseits, Weit­ende und letztes Gericht Wersen ihn nieder, noch ehe er in der Entscheidungsschlacht fällt. Nach jenem Gcistertraum, der wie von drüben in seine blu überströmte W r lilfteft hereinbricht, an die er glauben möchte und sich klammern will.

Endlich (um die Zauberformel zu sagen, die meistens vom Referenten verlangt wird): dieser König, oder dieser Mensch, lebt und erlebt die Tragödie der Leidenschaft. Der Leidenschaft zu sich selbst: er ist das blutige Widerspiel zu jenem lieblichen sagenhaften Narziß. Wie der in seine Schönheit vernarrt war, so erwuchs ihm aus seiner Häßli^eit ein Uebermaß des Lebens­dranges, eine wilde und brünstige Sucht, da zu sein, groß zu werden, zu herrschen. Und diese Lebensgier überschlägt sich sofort und bewußt ins Verbrecherische, blendet ihn und verblendet ihn... bis ihm in jener letzten Nacht, im letzten Traum die Augen übermächtig und übersinnlich geöffnet werden.

Edelbert Gareis trug die Riftenvolle des Richard. Wie weit er ihn im Sinne unserer Ausführungen gestaltete, bleibe dahingestellt. Schließlich spielt jeder seinen Richard, Wegener so, Kortner so, Gareis so: als eine Kreuzung zwischen Tartuffe und Mephisto. Eigenartig und interessant. Uebrigens hat er e.ne zu gute Figur für die Mißgeburt. Aber er packt sich einen Buckel auf, duckt sich und hinkt und bleibt gleichwohl, von bestechender körperlicher Beweglichkeit.

Er unterstreicht das Schauspielerische, das schil­lernd Heuchlerische seinesHelden" und erreicht in der Szene vor der Krönung (III 7), wo er dies ausschöpfen kann, den stärksten Eindruck. Gut war die Maske, der bombastische Text bewälligt. obschon nicht überall mit voller Deutlichkeit. Im Schlußakt wurde auch er schwächer und äußer­licher. 2m ganzen jedoch: eine tüchtige Leistung, die sich auch an einer größeren Bühne hätte sehen lassen können.

Weiter worauf der bedeutende Anglist Alois Brandl aufmerksam gemacht hat: König Richard der Dritte ist ein gespaltener Charakter wie modern das klingt! ein zwiespältiger Mensch... der zufällig im fünfzehnten Jahr-

Während des ganzen Krieges hat sich die Kai­serin mit ihren Töchtern viel um das Wohl­befinden und die Verpflegung der Soldaten be­kümmert und besonders für die Verwunderen ge­sorgt. Zweimal im Monat brachte ein Sonderzug, der den NamenAlexandra Feodorowna-Zug" führte, Pakete, Kleider und Lebensrnittel an die Front, die die Kaiserin persönlich den gemeinen Soldaten an den gesährdetsten Stellen der Front zukommein lieh. Zu Ostern 1915 erhielt ich auf Grund einer Sondererlaubnis der Zarin Ge­legenheit, in diesem Zuge mitzufahren und in Schwesterntracht bis zur österreichischen Front zu gelangen.

Gleich nach meiner Rückkehr von dieser Reise, die mehrere Tage dauerte, eilte ich in meiner weihen Schwesterntracht, in die ich zum ersten Male gekleidet war, zu meinen Freundinnen, wo­bei ich ebenso sehr von dem Wunsch beseelt war, mich ihnen so zu zeigen als ihnen meine Reise­erlebnisse zu berichten.

Beim Spaziergang im Park erzählte ich Ma­ria:Maschka, stelle dir vor, dah ich im Zuge einen reizenden jungen Leutnant ge­troffen habe, der den Bericht über die Reise und über die Verteilung abzufassen hatte. Wir haben natürlich viel miteinander geplaudert und er hat mir etwas den Hof gemacht."

Maria wurde plötzlich rot.

Was hast du Waschka? Fühlst du dich nicht wohl?"

Nein, es ist nichts, erzähl' nur weiter. Was du sagst, interessiert mich sehr."

Also, das Feinste war, daß wir gerade am Oftertage antamen. In dem Dorfe in dem der Zug hielt, haben wir natürlich Ostern gefeiert. Ich war auch beim Gottesdienst und wie üblich, haben wir uns alle bei diesem Anlaß geküßt ..."

Hat er dich geküßt?" fragte sie.

Ihre Augen schwammen plötzlich in Tränen.

Was hast du denn, Maria, kennst du ihn etwa auch?"

Aber natürlich, du Dummerchen. Es war doch Doris Alexandrowitsch. Mama hat ihn ja selbst ausgesucht. Seit drei Monaten war ich in ihn verliebt, und jetzt küßt er dich!"

Arme Maria! Doris Alexandrowitsch ist in­zwischen längst an der Front gefallen, und Maria ist mit ihren Eltern und ihren Schwestern zwei Jahre nach dieser Unterredung einem grausigen Mord zum Opfer gefallen. Ich habe mit ihr das letzte Mal wenige Tage vor dem Aufstand des 27. Februar gesprochen. Damals sagte sie mir: Gibt es wirklich Leute, die so schlecht sind, daß sie die Abdankung meines Vaters verlangen, der pichts weiter im Sinn hat, als sich dem Wohle seines Landes zu widmen?"

2m Mai 1918 sah ich sie durch einen Zufall, der an ein Wunder grenzte, zum letztenmal, ohne indessen mit ihnen sprechen zu können. Zwischen Tobolsk und Tiumen begegnete unser Doot auf der Tura dem DampferRuß", an dessen Dord ich die drei ältesten Schwestern von Soldaten umgeben erblickte. Wir tauschten Zei­chen aus. Dann entschwand derRuß" in der Ferne. Er brachte die vier Großfürstinnen und

Der beste Sprecher des Abends war Walter Ebert-Grasso w. der den Buckingham un­tadelig spielte, obwohl er nach Ton uno Haltung zu eM und geradlinig wirkte für diese irrlich- ternde, schwankende Gestalt.

Die schwerste Aufgabe hatte Trude Heß (Prinzes in Anna). Ihre große Szene wird immer unwahrscheinlich bleiben, ihre Rolle D.r anit etwas kaum Darzustellendes; sie tat das Möglichste.

Die undankbarste Aufgabe ohne Unterlaß zu jammern und Verfluchungen auszustoßen hatte Lieselotte Fuhrmann als Klniginwitwe Margaretha; man hätte ihr noch etliche Kürzun­gen der Rolle bewilligen sollen.

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Durch Anna Wirubowa, die gemeinsame Freun­din meines Vaters und der Zarin, habe ich zuerst die vier Großfürstinnen zu Beginn des 2ahres 19-10 kennen gelernt Olga war damals achtzehn, Tatjana sechzehn. Maria fünfzehn und Anastasia dreizehn Jahre alt Seit den Unruhen von 1905 wohnte die kai er.iche Familie fast ausschließlich in dem tle nen A e'anderpalast in Zarskoje Selo. In dem reizvollen Park dieser Re idenz. wo aus dunklem Grün die Spie­gel von zahlreichen Teichen emporleuchteten, habe uh zumeist die jungen Prinzessinnen getroffen.

Abgesehen von einnen Wagenfahr en und den Sommerreisen der kaiserlichen Famllie nach der Krim, nach Polen oder nach Finnland kamen die Prinzessinnen sehr selten heraus. Sie führten ein bürgerliches und, fast möchte man sagen, ein monotones Familienleben. Welcher Gegensatz zu dem unabhängigen Leben, das ich tm Herzen von Petersburg führte, in der Woh­nung an der Gorochowaja-Strahe, wo täglich die Leute, manchmal bis zu zweihundert an einem Tage, ein- und ausströmten. Wit meiner Schwester und mit meinen jungen Freundinnen ging ich ins Kino, in dem Zirkus, ins Theater oder auf die Newa-Inseln..... All das war den jungen

Großfürstinnen unbekannt. Man kann sich vor­stellen, mit welcher Neugier die jungen Damen, die nur die Hofzeremonien und die Verpflich­tungen der großen Welt kannten, mich nach den Vergnügungen meines freien Lebens ausfragten.

Die hübscheste von ihnen war Tatjana, die zweite Tochter des Zaren. Sie hatte kastanien­braunes Haar und vereinte die großen melancho­lischen Augen ihrer Mutter mit dem per.önlichen Charme ihres Vaters. Sie war einschmeichelnd itnb kokett sowie empfänglicher als ihre Schwestern für die Huldigungen der jungen Of iziere, die in den Palast tarnen. Ich erinnere mich eines An­las es. bei dem diese Koketterie und de: harm­lose Flirt zu einer großen Verwirrung führten. Es war tm Jahre 1915, kurz nachdem Tatjana eine längere Krankheit überstanden hatte, obwohl wir schon siebzehn Jahre und zum Teil sogar noch älter waren, sprangen wir noch Sell wie ganz junge Mädclchen. An diesem Tage aber bildete die Anwesenheit von zwei jungen Mitgliedern des Pagenkvrps, die das Seil hielten und uns ab­wechselnd springen ließen, den Hauptreiz beim Spiel. Mir war aufgefallen, daß Tatjana seit ihrer Krankheit die Haare aufgesteckt in einer Art von griechischem Knoten trug, und daß die Haarfarbe etwas dunk ec geworden war. Indes en war ich weit davon entfernt, zu ahnen, was sich im nächsten Augenblicke Anträgen sollte.

Einer der jungen Pagen machte Tatjana be­sonders stark den Hof, und die e wurde häufig rot, wenn sie mit ihm sprach. Beim Springen unterhielt sie sich lachend mit ihm und schien uns ganz verges en zu haben.Achtung, da kommt Ioly". rief ich. als ich am Ende einer Allee den Heinen Hund des Großfürsten Alexei be­merkte, der sich gern an unsere Kleider hing.

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Gießener GtaVttheater.

Shakespeare:König Richard III."

Hier gibt es kein Gestern, kein Morgen, keine Uhr und keinen Kalender."

Otto Ludwig.

Ein Stück voll Blut und Wunden. Wit einem Helden inmitten seiner fünf Akte, der gar kein Held ist. Sondern ein Verbrecher, ein Scheu­sal, ein Schuft,

Schon sein Dild hat nichts Strahlendes, nichts Königliches, nichts Heldisches. Er ist eine Ka­naille, ganz einfach. Richard heißt die Ka- n-ai-lle. Eine Mißgeburt ist er, ein häßlicher, verwachsener, hinkender Teufel. Wenn er vor- übevgeht, bellen die Hunde ihn an. (So heißt es lxi Shakespeare. So sagt er von sich selbst.)

Wan müßte eigentlich späteren Besuchern sei dies auf jeden Fall ans Herz gelegt zu- vor ein wenig englische Geschichte wiederholen. Die Kr-ege der Weißen und der Roten Rose wn> fcberauS verwickelten genealogischen Der» hätnisse ®>er edlen Häuser Vork und Lancaster, PbitacM^t und Tudor. Es erleichtert die Auf­nahme des Stückes, wenn man nicht immerfort zurückblättern oder im Gedächtnis den verwandt­schaftlichen Beziehungen nachgrübeln muh bis -ns drtte und vierte Glied und noch Weller.

2ln sich ist es nicht so wichtig (obwohl geschicht­liche Kenntnisse stets gut und förderlich sind), alle Ereignisse und Gestalten im Kopf zu haben, gür Wertung und Wirkung des Schauspiels ist cs jedenfalls nicht entscheidend. Denn was an Bluttaten und Schrecknis sich in den paar Jahren zwischen 1483 und 1485 unter Richard, vor­maligem Herzog von Gloster, in England begab, - tonn uns schlechterdings nicht mehr aufregen. Niemand kann das von uns verlangen. Wir ha­ben politisch unsere eigenen Sorgen.

Also stellen wir fest: auf diehistory Shake­speares kommt es uns nicht mehr an. Nicht auf die Chronik, nicht auf die mittelalterliche Zeit, nicht auf das britische Reich.

Sondern auf die menschliche Begebenheit, auf den zeitlosen Fall, auf den vom Nationalen los­gelösten Charakter. Denn wir spielen lebendiges Theater. Und die Aktualität des lebendigen Theaters kommt nur selten einmal aus der Ge- gentoart. Die fließt und wird vielleicht nach fünfzig Jahren reif für die Bühne. Die ak­tuellsten Stoffe liegen meist in weiter Vergangen- heit. Man muß sie lösen aus fremder Sprache, fremdem Kleid, fremder Umwelt ... auf daß sie ihre gegenwärtige und dauernde Gültigkeit er­weisen. (Hier liegt der Schlüssel zum Regie- Problem.)

... Ein Held mit negativem Vorzeichen also; tim Schuft, ein Scheust, ein Vieh. Kein Wort

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Erinnerungen an jRafputin.

Meine Freundinnen, die Großfürstinnen. - Das Leben am Zarenhofe. Liebesfreud und -leid in Krieg und Frieden Eine letzte Begegnung auf dem Wege zum sibirischen Kerker.

Don Maria Grigoriewna JRafpufin.

damals ihr Land nur nicht verlassen! Dann wäre sie dem blutigen Gemetzel in Iekaterinenburg sicherlich entgangen, wo die ganze kaiserliche Fa- rgeschoh des Hauses von Ipatiew Schüssen niedergestreckt wurde.....

Gleichmäßig gut: Arzdorfs Clarence in seiner traumverstörten, verzweifelten Angst, und die beiden ganz shale'pearisch g:fahten, grotesken Mördervagabunden (Goll und D a st 6). Tr. P r a s ch selbst erschien in der leidenschaftlich be­wegten Cterbeszene König Eduards.

Don den vielen übrigen: Koch, Haeser. Dolck und Jüngling.

Der Erfolg war stark und ehrlich erarbeitet Dr. Th.

Wir haben die Deutschen geschlagen; aber es bleibt uns noch übrig, sie zum Zahlen zu zwingen und sie für ihre Verbrechen zu Lande und zur See zu strafen. Sie hoffen, bei der Friedenskonferenz der Züchtigung zu entgehen. Unsre Regierung kann diese Ränke nur durch­kreuzen, wenn sie beauftragt wird, die Rück­gabe der deutschen Kolonien zu verweigern, England nach dem Kriege rein von Hunnen zu halten und dafür zu sorgen, daß sie sich nicht wieder auf unsre Kosten bereichern, indem sie unbeschränkt aus unferm Handel und unsrer Industrie Nutzen ziehen dürfen." (Wahlrede, Times, 9. Dezember 1918.)

Eine Schuld gibt es, die wir nicht löschen werden, nämlich die Deutschlands. Früher oder später wird es zahlen müssen. Es ist nicht nur Schuldner, sondern ein betrügerisch säumi­ger Schuldner. Deutschland als Nation hat kei­nen Anspruch auf unsere Teilnahme." (Rede in Tiverton, 23. Oktober 1923.)

Gesunden W kräfhqeJtoü weMHwN«*

Wer ist Lord Eushendun?

So fragt die ,Kölnische Ztg." und weiß bann folgende für uns Deutsche besonders interessante Einzelheiten milluteilen: Seit dieser Mann an Stelle Lord Cecils England beim Völkerbund ver­trete und nun auch für den erkrankten Chamber­lain das Auswärtige Amt leite, begegne man die­ser Frage allenthalben in England, sagt das be­kannte, von E. D. Morel gegründete, neuerdings von Norman Angell herausgegebene Pazifistenblatt Foreign Affairs. Auch bei uns hört man jetzt häu­fig diese Frage, und die Antwort der englischen Zeitschrift, durch die wir erfahren, wes Geistes Kind dieserglänzende Sekgpdant" des Herrn Briand ist, ist für uns Deutsche nicht weniger lehr­reich als für die Engländer. Norman Angell schreibt:

Lord Cushendun ist ein streitsüchtiger Ulster­mann; im Unterhause ist er als Finsterling be­kannt, und während des Kriegs hat er sich alle Mühe gegeben, in den Ruf eines Hunnenfressers zu kommen. Nach seinen Reden zu urteilen, hält er alle Ausländer für potentielle Verbrecher.Der

ist zu stark für ihn. (Dinge begeht er, Dinge begeben sich in diesem Stück, wie in vielen klassischen Stücken übrigens, welche man einem modernen Helden, einem zeitgenössischen Dichter kaum verzeihen würde und in der Tat auch meistens nicht verziehen hat. Eine Feststellung, die wohl nicht ganz zur Sache gehört, aber vielleicht zum Nachdenken anregt.)

Richard watet im Blut bis über die Knöchel. Ein Menschenleben gilt ihm nichts. Er kriecht, er klettert, er stampft über Leichen zum unrecht­mäßigen Thron. Im fünften Akt erscheinen die von ihm Ermordeten als ein gräßlicher Geister­chor zwischen den seindlichen Heeren, zwischen Richards und Richmonds Zellen, diesen segnend, jenen in alle Ewigkeit verfluchend.

Da tauchen auf: Prinz Eduard, König Hein­rich VI., Clarence, Rivers, Grey, Vaughan, Hastings, die beiden jungen Prinzen, Prinzessin Anna und Duckingham. (Hoffentlich haben wir niemanden vergessen.) Ein gespenstiger Furien­zug von antiker Schrecklichkeit.

Und hier m dieser späten Szene offenbart sich vielleicht am klarsten der menschliche Fall des englischen Königs.

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Ausländer hat überhaupt kein Recht und keine Be­fugnis, in unser Land zu kommen", sagte er vor einem Jahr oder zwei in einer Rede. Sein verrück­ter Deutschenhaß verleitete ihn, am 17. Juli 1922 den Lord Forres öffenllich zu beschuldigen, er habe im Kriege mit dem Feind Handel getrieben. Ein paar Tage darauf mußte er seine Beschuldigung zurücknehmen und Lord Forres um Verzeihung bitten. Wie er zu dem Land steht, mit dessen Ver­treter er jetzt als Kollege very.

kerbund Zusammenarbeiten muß, mögen einige be­zeichnende Aeußerungen, die er während der letzten Jahre getan hat, zeigen:

Aber Tatjana sah und hörte nichts als das Lächeln ihres Pagen. Plötzlich stieß sie einen Schrei aus und verlor das Gleichgewicht. Der Hund hatte seinen guten dicken Kopf mit den langen Ohren plötzlich vorgeschnellt und das in der Luft schwingende Seil geschnappt. Tatjana geriet mit dem Fuß in das Seil und fiel der Länge nach zu Doden.

Der Fall war aber nicht das Schlimmste. Als sie stürzte, sahen wir zu unserem grenzenlosen Staunen, daß eine Perücke ihr in weitem Domen vom Kopf flog und in den Sand der Allee rollte, während Tatjana ihrem verdutz­ten Anbeter einen Kopf präsentierte, auf tem kurzes und dünnes Haar gerade wieder zu wachsen begann. Tatjana hat e Typhus gehabt und dabei in wenigen Wochen ihr ganzes wun­dervolles Haar verloren. Wir fanden nicht die Zeit, ihr zu Hilfe zu kommen. Mit einem Sah war sie aufgesprungen, hatte ihre unglückselige Perücke ergriffen und war schamrot weggelausen, verfolgt von Ioly. der als einziger die Schwere seiner Tat nicht begriffen hatte.

Außer seinem Hunde Ioly besaß der Zarewitsch noch einen kleinen Esel, Wan la mit Namen, der von dem Zirkus Cinizelli erworben war, und der in seiner Schlauheit ganz einzig dastand. Anastasia, die durchtriebenste und jüngste von den Prinzesfinnen, spielte im Park von Zarskoje Selo besonders gern mit ihm. Wir zielten nach ihm mit Schneebällen oder ließen ihn nach Süßigkeiten in unseren Ta chen suchen. Noch heute höre ich das laute Gelächter von Anastasia und das nervöse Lachen des Zarewitsch, wenn das Eselchen seine nasse Schnauze der Stelle näherte, wo wir das Zuckerstückchen sür ihn versteckt hatten.

Dm ernstesten und fleißigsten war Olga, die älteste der vier Schwestern. Sie war eine große Dlondine mit einem sehr ausgesprochenen eigen­willigen Charakter und sehr lebendiger Intelli­genz. Uns behandelte sie ein wenig als Kinder. Sie selbst hatte offenbar absolut keine Liebe­leien im Kopf. Dagegen nahm sie während des Krieges ihre Rolle als Krankenschwester sehr ernst. Sie war so stolz darauf, Russin zu sein und so durchdrungen von der Schönheit und Größe ihres Landes, dah sie trotz des Drän­gens der kaiserlichen Minister sich im Jahre 1912 bestimmt weigerte, den Prinzen Carol von Rumänien zu heiraten, nur weil sie Rußland nicht verlassen wollte. Warum hat sie

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