Giehener Anzeiger (Getieral-Aiijeiger für Gberhessen)
1fr. 2'9 Zweites Blatt
Montag, (7. September (928
cm pl in tan i.i tan verschiedenen Gliedstaaten ta« Reiche» tarchgemackt hat. Wer beispielsweise' weist, wie stark noch heute in der Bevölkerung ta» Rheinland» tar Code Napoleon aus die Gestaltung de» Rechtsgesühl« einwirkt, der kann «nid» nicht verwundert darüber sein, dast die Qlnroentninn d.r qio'A’ ^>ichsgesetzgebung durch- au* nicht überall g dost sich auch die tan Ländern mehr «
Einigkeit und Recht!
Unsere sornre gewandte und fvrmdkr.appe Ze t hat für alle Fragen, de mit tar Cnltoidlimg uim 2 nhe-tSstaat zufammLnhär..>.n. noch ke-.n fchSnere» Wort gduntan. al» ..Bcrreichl chung". Auch auf tarn Z -burgrr 3ur llentag ist viel und leidenlchafriich iür und gegen die Berre.ch- lichung tat Öuftl) gesprochen worden, so dast man unA verleihen möge. wenn auch vir die» un- schdne Wort gebrauchen. W.r gestehen dah w.r c» gern in Stau* nehmen, wenn wir da ur einen Forttchritt auf tarn Wege zum Deutschen Staat gin emtau'chen Dabei tritt für uns tar Ro- uonalljietungtgcbdnfc. den tat Rcichsju'iiznuni- stet Koch -n seiner Salzburger Bearüßung«- ansprach« so lemperamentvoll udreien hat, durchaus hinter anderen ftootKpo.ili'chen Erwägungen Aurüd. Denn für da» Wesentliche, da» all* gerne.ntautsche Staatsgefühl. ist e» zunächst recht gleichgültig, ob tat eine oder andere Gerichts- ’ptengei besser gcfon.ttcn, da» eine oder andere Amtsgericht und mit ihm da» eine oder andere Richteramt c.ngc'part w.rden kann Der finanzielle Ruyef eil la an wirksam doch erst in Jahrzehnten in Erscheinung treten. Und wenn man uns begreif.id) machen könnte dast es für die Re.chsintc ressen besser ist, nicht am Uetadom- menen zu rühren nun. dann dürfen de fünfzig oder hundert Millionen Wad. die tat einer rein finanziell zuge'chnittenen TLitionalifierung»- aflion vielleicht eingefpart werden können^ auch feine Rolle spielen, selbst nicht in einem Staate her wie Deutschland auf allergröstte Sparsamkeit in seiner Haushait»gedarung sehen must.
Rach unfet.-m Dafürhalten sind andere Gründe, die für die Berreichlichuna tat Justiz sprechen, lebt viel wesentlicher ®» ist ja ganz o fenfuntng. tast unser gesamtes RechtSleb.-n seit tar Revo- luticu. ja schon seit d.-n Krieg» ahren einen tiefgehenden Gärungspro.eß durchwacht. Wil tar sozialen und wirtschaftlichen Umschichtung, die die khten zehn Jahre gebracht haben, hat sich auch ein andere» Recht sgesühl entwickelt, da» großenteils in den bestehentan Götzen keinen Raum findet. 2» sei nur an die grosten Komplcre ta» Arta t 'rechtZ und Wir.schaftsrecht» erinnert, die noch in tar Entwicklung begriffen sind und sich nicht ohne weitere» in d e vorhandene Gesetz- gebnng einordnen lassen Diese Dinge drangen, dafür war die lebhafte Äartdltabalte auf tarn Salzburger Juriftentag ei t schlagendes Beispiel, zu einheitlicher Regelung im grösttmögltchen Rahmcn. allo nicht nur für ganz Deutschland, sondern möglichst auch unter Einbeziehung tar rsterteichirchen Länder.
Run haben wir ja gewist schon die groben gesamltautschen Wodisikutionen ta» bürgerlichen Rechtd, ta» Strafrechts, ta» Handel-recht». 3&rc Anwendung unterliegt aber noch immer tan 3uflhtabnrtan tar Cinzelläntai. und auch tar utarz« ugteste Föderalist kann nicht gut leugnen, tast diese Amvendung in tau einzelnen Gebieten ta» Reiche» durchaus verschiedenartig ist. Da« bedeutet keinen Dorwurs für die Richter, son- tarn c« ist eine ganz natürliche Folge tar unterschiedlichen Entwicklung, die da» Rechts-
ig ist. Hinzu kommt, -ng ta« Richter» in weniger stark unterscheidet. Die eng He. tgebuntanbctl des richterlichen Beamten, wie sie namentlich in tan Heineren tautltan Ländern vorwiegt. mag durchaus ihr Gute« haben. O» ist doch aber nicht wohl zu bestreiten, dah dadurch auch die Entwicklung tar Persönlichkeit, die dem Richteramt doch erst tat» letzte Gepräge gibt, seht eingeengt wird, toa» sich natürlich m allen Fragen, taten Bedeutung übe; die unnuttcl-
Gießener Giadiiheater.
Gastwiet «corg Alcrander: „Sybille? . . . «uhgcschlotten."
Da» Gastspiel des Berliner Schauspielers Georg Alexander mit dem Driginaknfemblc des kleinen Kurfürstenbammlheatcrs „Die Tribüne" gibt zu allerlei tiefsinnigen Betrachtungen Anlast.
Ahnungslosen Leuten dursten einmal die Augen aufgegangen sein über die bodenlose Verruchtheit reichryauplslädtischer Theaterspielpläne.
Minder ahnungslofen Leuten aber möchte am Ende em wenig der Kopf gewackelt haben ob der Anspruchslosigkeit — oder llnerjättlichkeit: wie man’» nennen will — des diesbezüglichen Publi- kums. (firoa |o; solch ein Stuck, mit welchem die Leute reifen, ist. wie durch zahllose einschlägige „Presieslimmen' unwiderleglich bezeugt wird, der erfolgreiche Kassenschlager einer kaum begonnenen Saison. So etwas macht allabendlich volle Häuser.
Mit dieser Pointe, die die Pariser Schwank- autoren seit Jahrzehnten und mit Vorliebe in Vertin zu Iota geritten haben, kann man immer aufs neue ein erwartungsvolles Parkett füttern, das es längst gelernt längst begriffen haben, längst auswendig wissen muhte: der bemann ift immer und unter allen Umständen der Dumme.
Die Leute, sie hören es gerne. Da kann man nichts machen. Man mutz es ihnen immer wieder erzählen, wie Kindern ein Märchen. Sas he aus pariserisch zum tausendsten Male vorgekaut bekom- men haben, lassen sie sich auf ungarisch mit Wonne Sm taufenbuntarften oder zweiten Male verletzen.
as tan Herren Vciller und Vernarb und Armont und (Berbibon und wie sie olle heißen, recht ift das kann Gyula S o m o g y i wahrhaftig billig »ein. Bei tan Franzosen wird in tar Regel spätestens im zweiten Akt (um die Situation eindeutig zu klären) ein geräumiges Bett ausgefahren. Bei den Ungarn aus MoknLrs Schule befindet sich dieses Möbel entweder im Nebenzimmer oder im ersten Stock. Das ift der Unterschied.
Im übrigen muh der Referent bekennen, daß er schon vor der großen Pause in einiger Verlegenheit war, wie er diesen, von ihm unerbittlich geiorderten Bericht mit Anstand auf den erwünschten Umfang bringen solle. Nickt daß ihm nichts eingefallen wäre ... aber man kann und darf ja ickließlick nickt mehr erzählen als zu sehen und zu bnren war. Denn es handelt sich dach hier — manchmal möchte man fast lagen: leider — nicht darum, was
bare Heimat hinau/g ht. ganz fr^mtar« aus- tr r;m mu* 3st e» ha nicht klb'.frcrtä dlich. tast jetar tarn tat B g ü' Deutschi.nd ütai ehe» g bt Ich ' ir die ikta tr.-gung tar ge- • amten 3u .U _u bi» Reich ciif.'it? Di. heran- wachlenta I-gmv v rsteht so manche Di-.ge. die sich aus taut b »h rig n Zustand notwendig g.tan. übet Haupt nicht mehr. 3ft es tai- spieksw i'e nia&t tragito. i ch dast vr u- stische Slud.nt. tar später auf Anstellung in pteustUck.n Lla t5M nften r.ch et noch hule nicht ob c Ge ichm g g d » tt u ik «t Justiz- :-un. .er» <n Baycc e..i Re eren^a «xümen mach, en darf? Co ließe lieb noch manche» an- fuhren, tra» ant'.quiert ifi und was zu tan, lebend gen deutschen Staat.'ge ühl. ta» untere
3ufl:nb b.teelt in feinerlei Beziehung mehr
«rs..u icherw.ise hat sich ja nun auch tar Salzburger Juristen tag mü einer allc.htnge nicht qcra'v 1 f.r p-^orirrend n Major.tü: für d.r
e <i ituig d r gc< n-ten Justiz au# es.rochen Und tot niet m. d-ß unfrrc Do u er di .tioße Chance, d.e ihnen gerade der jetzige GärnngS- prv eß ta» tauischrn Re-a »l den» l\ tet nützen sollten um die Grunblage für ein einig.-» und einte che» Rec. lgeiühl im g.-nzm deutschen Bote.land zu Icha fcn. Dann w rb vielleicht auch einmal die Zeit kommen di tar d.u.fche S.aat»- bürger nich: mehr wie heute gezwungen ist. formell wen.gstens 250 000 bi» 300 000 Gesetze und Po izcicerordnungen zu kennen.
handdn» mit Fährleuten. die den Gringo ortant- l:ch auSnutzen wollen und anderen, die freundlich und hckssberei: lind, immer neu. Rücksprachen mi. tar Polizei auf beiden Äsern, die tan Aeder- gang ve:wehren und denen du n ch: wie üblich und nötig krä tig die Hand drücken kannst. Hohenau muh du dir zu Fuß an'ehen. eine bdühente Äebn.e der De uschbraftiia. er. die beste vo.i ganz Paraguay D.r ew Beispiel, tast e» einer eigenen deu.sch-iütamerikani ckm Bauern- t.ad.tion bedarf, ue.in der Woilstand leim Ä.'.o- ntflen emz ehen soll! Hier sitzen mmi ten reicher Wa.ep .anzun.gen. Ta. a en- und D.anguiba n;n. Zuckerrohr oltarn und Trar.n irembrem Ctlen d e Enkel ta.er. die 1824 nach Rio Granta do ©ul C3rat.ier.) emwantarten Dege:, ihre u rfo'.ge ve.schwinden d e tar neu-e.. chen Ä.Ionien, und wie könnte e» ander» feint O ne Tradition tar Arbeit wächst erst in Generationen und womit sich der eine, tar Reutauische uniäg.ick p.agt, ta» Icha st der andere sp.elend Aber es ist bart, zu wissen, tast (tane.a.tonen tä.ig sein mußten, um tarn lütamerckanifchen Är.omhai Reichtum zu schenken.
Rachdem dein Pferd beinahe im Parana ertrunken träte, mußt du schl eßlich Hundertzwanzig .Kilometer zurück und flußabwärts reiten Bei Posada» gelingt e» dir, endlich nach tarn znklon- zerstörten Gncarnacwn in 'öaraguan iiberAukhcn, wenn du Zähigkeit genug haß. alle inöglichen und umnög.ichen Hintarnifsc an Menschen und
Xn 3 t e» dir gc.ui gen. taim darfst Du manche Stunde davon erzählen, wa» e» heißt, nach Paraguan zu Pferd hinütarzu- gehen. wenn tarne Reisekasse nnge üllt ist
Die Berge von Mtflione» werden in Paraguav zu sanften Hügeln. Au» tan grenzenlosen 5tainp» werden Dümple Au» tarn von D edlunaen unterbrochenen Wald wird tageweiter Urwald Dann kommen kleine Kämpe, ring» von Urwald umrandet - eine wilde englische Gartenlandschafr. Dann hört auch sie auf. Herrlich sanft geneigte Kämpe mit Hügeln, die von Orangen- und Palmenwäldchen besetzt sind, wech'eln mit trostlos trockener struppiger Buschlandlchast. Au» weltverlorenen Gcken schauen ernzelne Rancho» hervor. Die Sonne entfaltet des Abend» unendlich seine Farben in tar Landschaft und wenn du dich monatelang tan Menschen allein zugewandt halt, so klickt du jetzt erstaunt und voll stiller Freude in die Ratur Immer seltener und kleiner werden die angetauten Flächen, d e Mai»- und Mandiokaseltar. nur die Tabai»- lultur wird allgemeiner al» in Südbrasilien und Rordargentinien. Die Rancho» von Arm und Reich sind au»nahin»lo» au» Bambu» unb Lehm. Möbel gibt e» kaum und die ganze Armut Paragua,)» im Dcrhiltni» zu den beiden anderen Staaten schlägt dir sofort entgegen.
Seltener und ärmer werden die deutschen Kolonien. zänkischer die bunt durcheinander gewür- selten Menschen, die erst kurze Zeit im Lande sind. Du kommst durch australische Siedlungen, die noch vor einem Zahrzehnt kommunistische waren, hörst österreichische Großstädter ihr Leid klagen und Franzosenkolonisteii ihre Arbeit Hin- Werfen. Aber zumeist führt dich dein Psad ab- se,t» tar Haupt-Rarretenstrasze tar Ochsen wagen zu eingeborenen Paraguavern. Die sprechen Gu- rant), tan 3nbianeibialeft tar Dorfahren. und in der Campagna ift tat Mensch nicht viel ander» al» vor 100 3ahren, wenn man von einigen Aeusterlichkeiten absiehf. Unter ettoa» Zivilisation schlägt da» Herz dieser Menschen wie einst- zufneben in der Armut, nur arbeitend, wenn e» widlich nicht mehr ander» gebt, fröhlich mit der Guitarre am Abend, naive» Schwatzen al» tägliche» Brot, natürlich und frei und hingebungsvoll in tar Liebe, gutmütig und wenig streitsüchtig, aber Totschlag bei ietam Streit, sei e» au« kleinstem Anlaß, äußerlich freundlich, aber hinterhältig in seinem Haß gegen den Fremden. Der Paraguayer in tan Städten, tar sich mit allen möglichen Rassen vermischt hat. ohne das typische Paraguayertum abzulegen, ist wohl durch die alten spanischen Einflüsse und euro-
M .Herrn Burchhardt gelaufen. ..zum Zahnarzt. Aber ich muhte doch zur Bank, könnte ich vielleicht jetzt--“
„Düte," sagt Herr Burchhardt.
„Berzeihung," ruft um 15.21 Uhr tar Registrator Pornetzki'telephonisch bei Herrn Burchhardt an. ..ich habe mir heute morgen tan Fuß verstaucht. Der Knöchel schwillt linmer mehr an. Wäre e» vielleicht möglich---—“
G» w a r möglich, und Pornetzki humpelt eilig davon.
Um 15.25 Uhr kommt Herr Bröse von tar Expedition mit einem schweren Darmkatarrh zu Herrn Burchhardt. um 1530 Uhr erklärt tar Prokurist Tieselmann, er müsse mal zur Bank.
Um 15.32 Uhr schließlich verläßt Herr Burch- hardt sein Zimmer 3m Kontor fitzt nur noch Willy, tar Lehrling
,Ra. Willy." sagt Herr Burchhardt. ,cha wollen wir un» nur auch tan Boskomps an» sehen"
Hochschulnachrichten.
Der Privatdozent für Geographie an der Universität Marburg. Dr. Hermann Hagen. ;ft zum Biüliothek»rat an der PreuhifLhen Staatsbibliothek in Berlin ernannt worden. Dr. Hagen leitet zur Zeit die Weriko-Bücherei in Berlin-Wilmeredod Der Privatdvzent an tar Berk iner Universität, Dr. Franz Beckmann. ist beauftragt worden, an tar Universität Münster im Wintedemester 192B 29 cäe klas ische Phi'.ologie in Dorlesungen und Hebungen zu vertreten.
Die ömennung des Direktors ta« Deutschen Eilent^hnverbande«. Trpl -3ng. Wilh. Rein in Berlin, zum ordentlichen Prvsdsor an der Technischen Hochschule ri Bresl au ist erfolgt: ibrn wurde der neuerrichtete Lehrstuhl für Gisenbatzn- bau übertragen. — Prof. Dr. Weidenreich, der bisher an tar Universität Heidelberg TOrtungen hielt, wird vom Wintersemester an an tar Frankfurter Universität da« Gebiet tar physischen Anthropolog e und Ralfen- künde in Borlesungen und Hebungen vertreten. Runmehr hat tar preußuche Kultusmmister auch die Gründung eines 3nstitut« für phyf lck« Anthropologie genehmigt und Profe"or Weitanreich die Leitung de» neuen Institut» übertragen.
Durch Aordargenünieu und Paraguay.
Don unserem (Snnberberidifcnldfter Helmut Franke.
Nachdruck auch mit Quellenangabe, verboten. BillaMora (Paraguay , 3uli 1928.
Wer von Südbrasilien. von Rio Granta do Sui. hinüberkomml nach tarn argen.mischen Mis ionr». sür den ändert sich die Landschast wenig, wenn er seinen Ritt über Wecking. Bornp- land. San ögnacio und Easfador nimmt, das am oberen Parana gegenüber tar deutsch brasilianischen Kolonie Ho'enau in Paragua.) liegt. 3edock schon etwas weiter südllck muß er die unendlichen Weiten taS argeniinJien Kamp durchmeslen. baumloS, strauchlos. einförmige grüne Wellentäler. Gewiß die Wald'.andschaft ist ein wenig wilder als in Rio Grande do Sul. die Wege find schlechter und spär.icher und etwav seitab hi-ren lie ütarhaupt auf. nur umher?,ichenta 3nbianerbortan durchdringen den dichten Hr- wald bi« hinauf zum 3auai1uflufi. 3m Bergland von Missione» wachsen dieselben Kulturen wie in Rio Granta. Rach tarn Parana zu kommen riesige Berbapslanzungen -- meist in ausländischem Be itz die südamerikanisch.m Mate- Tee liefern, und Orangmhaine. die ihre Früch e bi» Buenos Aires schicken die große DerkehrS- straße ta» Parana slußabwärts.
Die in fich gelchlos en en Bauernkolonien werden seltener, überall find die Backstein- oder Holzhäuser. otar d.e ärmlichen Palmrancho» am Wege versteckt ausgcstreut. immer spärlicher werden bei Loretto und St. Anna die Ginzäunun«^ der Bießweiden. Oft reitest du über ebene Flächen, siehst behauene Steine auf ihnen verstreut und weißt bann, hier war vor zweihundert Jahren wohl eine tar vielen Snöiancmietarlafjungen der 3esuiten. deren Gotteöftaat sich über Tausende von Kilometern von St. Angelo in Rio Granta ta Sul bi» Asunfion, der heutigen Hauptstadt von 'Paraguan. erstreckte. 3n St. Jgnacio stehen npch heute mächtige Ruinen: Gotteshaus. Prie- sterwohnungen. langgestreckte Wohnhäuser der Indianer. Hospital und Wirtschaslsgcbäuta. und du stehst betroffen vor diesen Zeugen einer ungeheuren GeisteSkrast, die in einem rieliaen Hr- waldgebiet unter Indianern ein Werk schuf, da» für die damalige Zeit größer war. als alle», wa» heute in Südamerika geschasfeu wird.
Tausende von Brasilianern finden nach den vielen Revolutionen hier in Missione» eine Zufluchtsstätte. Gdle Menschen, denen ihr Besitz völlig geplündert wurde, einstige reiche Sstan- cieroS, oder auch andere, die auS tat ewigen Hnruta flüchteten. Führer tat Revolutionäre. Politiler aus Reiaung. Hnbeschgftigtta>t und Machtwillen oder Geldverdiener, ehemalige Soldaten und viele, die unzählige Plünderungen und Morde aus dem Gewissen haben. Auch Richtrevolutionäre, die sich aus irgendeinem Grunde in Brasilien nicht halten konnten. Gesindel übelster und gesährlichster Art. von denen mancher mehr Morta auf dem Gewissen hat. als feine Hand Finger zählt, alle» ist t>a — und gebt ruhig und anständig seinem Tagewerk nach. Die argentinische Polizei ist ander» al» die brasi- bem Referenten, sondern was dem Autor eingefallen ist. Unb bem sind doch eben nur die abgelegten Aphorismen anderer Leute eingefallen.
lieber die Frauen im allgemeinen unb über die Ehefrauen im besonderen, lieber das Verhältnis zwischen Mann unb Weib a) vor der Ehe, b) mäh- renb der Ehe, c) nach der Ehe. Wobei bie Männer allenfalls noch in erfahrene unb unerfahrene unterzuteilen wären. Ober in verheiratete unb unverheiratete. (Was nach Lornvgyi unb feinen zahlloien Vorrednern aus Paris unb Bubapesl gleichdebeu- tCnb ift mit armen Idioten unb beneidenswerten Weltweifen.) r
Idioten, welche einen Freund auf ihre beargwöhnte Gattin loslassen, deren Treue unb unwandelbare (Ergebenheit zu prüfen. Unb schmun- jelnbe Kenner, die von der freundlich angebotenen Gelegenheit gerne Gebrauch machen. Bemerkenswert ist dabei, daß bie Frauen allenfalls in hübsche unb häßliche ungeteilt werben: andere Unterschiebe, etwa wie bei ben Männern, kommen überhaupt nicht in Betracht: was für die Einstellung der So- mogtzi unb Genossen überaus bezeichnend ist.
5er Idiot dieses Stückes, Peter, merkt natürlich nicht», obwohl er mit dem Opernglas im ©arten auf tarn Nußbaum hockt, wie ein ©eier, um die beiden Prüflinge im rechten Augenblick zu ertappen. Nichts merkt er. Er findet die Tür seiner Frau Sybille nachllicherweise verschlossen, läßt Groll unb Eifersucht fahren, legt aufatmend feine Hand für sie ins Feuer und erhärt mit weitausholender ©efte im hinreichend bekannten Brustton der Ueberyugung: Spbüle? . . Ausgeschlossen!!! Kaum hat er den Rücken gewendet unb das Zimmer verlassen, senkt sich der Vorhang über SnbiUe, der tvrau, und ©afton, dem Freunde, welche in inniger Umarmung eine schöne Gruppe stellen. Womit im Sinne dieses und ähnlicher Stücke alles in bester Ordnung ist.
Das Gastspiel der „Tribüne" erwies sich, bei Licht besehen, als das Gastspiel eines Mannes: Georg Alexanders. Er war wirklich sehr drollig, er mochte vieles gut unb vieles vergeßen unb half über viele hinweg. Das Stück befiehl nämlich, wenn mir offen sein sollen, in allen drei Akten, aus Geschwätz. Alexander ist nun ganz der rechte Mann dazu, aus ieerem.albemem, frechem und belanglosem Geschwätz etwas zu machen. Er nufieli so ein paar -ätze vor sich hin. man hört es kaum, aber es ist sehr komisch, sein Gesickt dabei zu betrachten. .
Dieser Mann kann unbddjrciblid) schöne t'se'ichier schneiden, er ist ein Mimiker non lächersicher Der-
finnische; lehr korrekt und nv>rta i ch scharf: nur so ch. U sie diele Grenzg.seU.chafl i i wä-ach bi« zu tarn Tage, co eine n?uc Rc.olution in D asilien ; Hunderte diese- Leute wieder über die Grenze eilen läßt. Wiederum tri ff ft du deu'.sch' Kolonisten. aber immer verstreute: sid 11 le und tar ar gen! milche Staat b. drückt i xre Schulen: er will Argirntinier. nicht Deutlcharpenlinier! Da» Bölkermischmafch ist wonäglich nock größer al« in Rio Grande do Sul. du pal irrst sogar eine Schwetanpi ata' Der Argentinier se bst ift wie sein Staat straffer als tar Brasilianer, hier fließt fpani che» Blut, brühen portugiesische«, unb hier wie in Europa ist nicht allzuviel Achtung und Freundschaft unter beiden.
Gs ist Februar, Hochsommer uni» e» kommen Regentage. E» regnet, wie es nur in Amerika regnen kann, und du genießt herzliche Gastfreundschaft überall und dringst ein wenig ein in da« Wesen dieser Mischbev Ikerung. Dann wieder plagt sich dein Pferd über regenglatte Dergwege bergauf, bergab, ve.finlt im Lehm, Morast, stolpert unb rutscht und du kannst nicht mehr zählen, wie ojl du am Botarn liegst und neu satteln mußt. .Schatz", so heißt dein Pserd, wird müde unb störrisch und deine Krast erlahmt unter dem ewigen Antreiben. Tag um Tag. Wie verlockend ist es, trockene« Böetter 0b5uirar.cn, sich dann in ein Frachtauto zu setzen, nach Pos ata» zu fahren und weiter mit der Eisenbahn nach Asunlion. Dort winken saubere Zimmer, ftatt herzlich gewährter Räume, au» tanen du des Rächt« bie Schweine jagen mußt - deutsche Be.'pjl.'gung womög.ich statt der schweren Landeskost in der Campagne, die ein europäischer Magen erst nach Jahren verträgt — dort winkt Ru^. statt tar täglichen Hnsicherheit seit fünf Monaten: wo wirst du heute abend bleitan? Da find Menschen, mit tauen du m gewohnter Weise sprechen kannst, nicht nur über da« Wetter, über die Kinder bes Hause», die Pflanzung, da» Dich, tan Handel, den Pfarrer, tan Lehrer, tau Klatsch und die nächste Revolution. Da sind Bücher, Zeitungen und Musik, vielleicht sogar ein Klavier otar ein Grammophon mit deutschen Platten. Du wirst Derbindung mit Deutschland bekommen, viele verlorene Briefe werben sich crnfinden — überhaupt die erste Rachricht! Du kommst heraus aus tan Geldsargen, brauchst nicht durch Photographieren wie jetzt die Reisekasse gcrata wieder einmal auffüllen und mit dem Bauer zusammen Geschäste machen: nichts ist schwieriger als da«. Aber du weißt auch ebenso sicher, daß du dann nicht» von Rordargentinien und Paraguay siehst, denn nur wer wie du jetzt durch da» Land zieht, lernt es ein wenig kennen.
Gines Tages, schneller als du gedacht. liegt tat Parana vor dir in herrlicher Breite und rascher Strömung, jetzt nach dem großen Regen. Hnb gleich packt dick wieder die Sorge: wie sollst du mit deinem Pferd da hinüber? Run beginnen Wochen des Wartens und Fragen-, ta» Ber-
wanblungsföhikeit. Er grinst, er feixt, er |chmun-<Ii hinter vorgehaltener Hand, fr kichert jüngserlich ober schmettert eine dröhnende Lache ins Parkett, daß niemand ernst bleiben kann.
Er macht es mit der Pornadigkeit — oder mit dem Gegenteil: er bläst sich auf, er wirft fich in die Brust, er nimmt das Geschwätz seiner Rolle ernst, wichtig, wuchtig, aufgebaufcht, er gibt das nichtigste Geschwafel mit pathetischer Geste von sich. Er setzt dreimal an, er fuchtelt mit den Armen, es verschlägt ihm die Rede, ehe er sie endlich hervorwürgt, knautscht, kichert ober trompetet.
Er kann unnachahmlich gelangweilt, unbeschreib- üd) verlegen, maßlos entrüstet sein, er kann der jungen Frau, um bie es sich hanbelt, auf bie artigste Weise eine Lektion erteilen (wie eine anstänbige 3rau sich „in solchen Fällen" zu verhalten habe unb |ü weiter), er schüttelt eine haarsträubende Ersin- bunfl aus bem Jlermcl, daß der bfbaucrnsmrrk Stinnes in seiner Untersuchungshaft an dieser ganzen unangenehmen Geschichte hier schuld sei, er sticht klassische Zitate in leine Rebe, mischt Goethe unb Sck.ller mit Somoarji, daß einem der Atem stehen bleibt . . so ist Alexander. Niemand kann ihm böse sein.
Dom übrigen Ensemble ist nicht viel zu berichten Kaiser-Titz, vom Film her bekannt, wütete (anfangs) unb fäufeU« (später) den ordnungsmäßig 1 betrogenen Ehemann. Martha Maria N e w e s war die schwergeprüfte Eheftau; sie gab dem Stück den Nomen, ohne viel zu sagen. Sie war da und sah frisch und appetitlich aus: dos genügte für diesen Abend vollauf. Die übrigen, noch unbedeutenberen Chargen boten keinerlei über provinzielles Mittelmaß hinausreichende Leistungen.
Die Regie (Fischer) klappte bestens; die Aufführung steht ja seit geraumer Zeit, ist „allabendlich" am Äurfürftcnbamm erprobt unb geölt. Unb auch der Beifall ließ nichts zu wünschen übrig.
Dr. Th.
Herr Burchhardt.
Don Hans Jtitbau.
..Herr Burchhardt," sagt um 15.10 Hhr Buch» I Halter Bohnke, in Fa. Burchhardt A Co., „ich | fjata wahnsinnige Hals schmerzen, dürfte ich zum Arzt gehen?"
Gehen Hie nur," nickt Herr Buch Hordt
..Ich ’oflu heute morgen,“ kommt um 15.15 Hhr Fräulein Lu Müller von der Schreibnuckchrn«


