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Nr. 90 Drittes Blatt
Dienstag, 17. April 1928
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Aus dem Turngau Seffen D. T.
Wauvorturnerstunde und ttauvorturnertag.
--o— Di« zweit« planmäßig« Gauvor- lutnerftunbe für die BorvercitungSarbeit auf di« Wettkämpfe des laufenden Turnjahres fand am Vonntagvormittag zu Gießen in der Turnhalle des Tv. 1846 statt. Außer b»m Gau» turnauSschuh und den stellvertretenden Bezirks- k^rnwarten waren etwa 80 DereinSturnwarte und Borturner zur Stelle. als der Gauoberturnwart Wilhelm Will (Gießen) antreten ließ.
Dor der Aufnahme der HebungSfolge trat bet Gauwart für das Frauenturnen Rudolf Paul (Gießen) an die Spitz« des gesamten GaulurnausfchuffeS. um im Damen und Auftrag desselben dem verdienstvollen Leiter der turnerischen Entwicklung im Hessenyau. Wilhelm Will, herzliche Glückwünsche zu seinem Dvppcl- jubiläum auszusprechen. (Dergl. Gießener Anzeiger Dr. 88 vom Samstag. 14. April). Dach einem kräftigen „Gut HeiL" seiner Mitarbeiter und Turner, die all« durch seine Schule gegangen sind, gab Wilhelm Will seiner Befriedigung über die förderlich« Zusammenarbeit im TurnauSschuh dankbaren Ausdruck.
Unter seiner Leitung wurde nun in die Hebungsarbeit eingetreten, deren erster Punkt sich nut dem Aufmarsch und den Freiübungen für die diesjährigen Gauveranstaltungen und das Deutsche Turnfest zu Köln eingehend beschäftigte. 3n fünf Riegen wurden ferner wechselweise die Pflichtübungen an den Geräten für das Gauturnfest in Butzbach einer letzten Durchprüfung unterzogen. Sie bilden neben den entsprechenden Kürübungen an Reck. Barren und Pferd einen Hauptbestandteil des stufenweise gegliederten Zwölfkampfes, zu dem noch die drei volkstümlichen Hebungen Weiihochsprung. Kugelstoßen und Laufen über 100 Meter in verschiedener Abstufung hinzutreten, nebst einer Gruppe au 8 den allgemeinen Freiübungen. die vor Beginn des WetturnenS als Pflichtübung auSgelost wird. Außer dem Zwölfkampf steht jedem Turner der Oberstuse auch ein Derätezcynkampf offen, zu dem er sich aber von vornherein entscheiden muh, da es während des WetturnenS keine Umstellung mehr gibt. Schließlich wird mit entsprechenden Geräteübungen. einer Freiübung und zwei volkstümlichen Hebungen noch ein Deunkampf der Altersturner ausgetragen. die in zwei Klassen (35 biS 45 Zähre und über 45 3ahre) antreten.
Auch die Freiübungen der Altersturner beim Deutschem Turnfest kamen unter der Leitung von Bezirksturnwart Paul Schüler (Wetzlar) zur Durcharbeitung. Dagegen wurde daS Gemein- turnen an mehreren Darren, einer Deranstal- tung sämtlicher Gaue des MittelrheinkreiseS beim Deutschen Turnsest, auf den 29. 2ft>ril verschoben, da an diesem Tage sämtliche Hessenturner, die in Köln als Sinzelkämpfer oder Musterriegen- turner teilnehmen wollen, in Diehen gufammen- tormnen. um sich für daS AuSscheidungSturnen am 6. Mai zu Mainz vorzubereiten.
DachmittagS schloh sich ein Gauvorturnertag an, der Gelegenheit zu wichtigen , Besprechungen gab. Der Platz des ©auobertum- warles war mit einem Blumenstrauß geschmückt. Zu den Geräteübungen wurde angeregt, den Längssprung über daS Pserd schon von der Hnterftufc ab zu pflegen und dadurch den schwierigeren. aber schönen Hebungsformen der Hocke und Schere wirksam vvrzuarbeiten. Eine äußerst rege AuSsprach« über die Derbandszeitungen führte dazu, daß die .Deutsche Turnzeitung" als- bald in mehreren Stücken bestellt wurde. 3n lebhafter Wechfclrede mit den Dertretern von Butzbach wurde dann noch der Aufbau des diesjährigen GaulurnfesteS behandelt. Mit einem Ausblick auf das Deutsche Turnfest in Köln wurde der arbeitsreich« Tag geschlossen.
Die goldenen Berge.
Vornan von Gfcra Biebig.
Topyright btz Deutsche DerlagS-Anstalt Stuttgart. 40 Fortsetzung. Nachdruck verboten
An der Mosel nimmt man es gelassen, wenn ihr Wasser einmal über die Ufer steigt und bis an die Straßenbökchung heranrückt, man bleibt auch gelassen. wenn sie auf die Straße b-naustritt, ihr« Sachen wie klein« leid)« überall stehen laßt — das war von jeher so, man ist «s gewöhnt — aber dieses Wal waren die Leute in Sorge. Don denen, die Dem Wasser zunächst wohnten, quartierten sich viele schon aus. Wollt« man warten, bis man über Haupt nicht mehr aus dem jjaus heraus konnte, bis iXiA nanA von Wasser umflossen war wie eine 3njcl im Meer? Man schaffte K-.nder und Alt« in di« Kaste hinauf: wer da Verwalte wohnen hatte, der mar. trotz drückender Zusarnmeng«pf erchthett, gut daran. . .. .
Di« Brennns erwogen «s nicht, ihr Haus 3" oer- laffen, zu solchen Gedanken kamen fie gar mcht.si« batten alle im Keller zu tun. Bremm war äußerlich nd)tg. aber innerlich zittert« er um »einen Wein. Sein Wein! An etwas anderes dacht« er nicht O weh, daß die Söhn« noch so untauglich waren. Das Dichten des Spundlochs war leicht, aber das Herauf)chroren eines vollen Fasses auf starr« Stützen, das war sehr schwer. Er mußt« nod) ferne Frau und Maria zu Hilfe holen. Stunden vergingen über der Arbeit und abermals Stunden. Es war schon längst über Mitternacht hin, da lagen endlich btc Fuder gesichert: die neuen sowie das alte. Eiserne Haken hatte man noch in die Wände getrieben, der Keller hatte gedröhnt von baftig_bämnwnv den, unermüdlichen Schlägen. Seine Steinwand« hatten sich widersetzt, sich laut murrend gewährt: an uralten Steinquadern, wie Eisen so hart, zerbrachen Nägel. Bohrer und Meißel, der Hammer Hogab vom Stiel, di« Haken gingen gleich trurnm. Endlich, endlich hingen Seile daran, man schlang sie noch um di« Fässer.
Gott sei Dank, noch lagen die tjuaer maueret, fi<? konnten nicht rollen, keine Wasserkraft konnte üe hochheben, unb wäre die auch stark wie ein Goliath. Es war eine furchtbare Arbeit gewesen, aber man konnte man beruhigt jetzt schlafen gehen.
Nun merkten sie erst, wie lange fie im Wasser
Turnen, Spo
Die Kölner Riege in Heuchelheim.
Die Dorführungen die die Kölner Riege des Turnaaucs Helfen der D. T. cm LamStag in Heuchelheim zeigte, standen auf sehr beachtlicher Höhe Dor verhältnismäßig großer Zulchauerzahl. unter denen man auch viele Turner benachbarter Dereine sah. entwickelte unter Leitung von Dauobertumwert W. W i l l die Riege eine turnerisch« Darbietungsfolge. die allgemein ansprach. Zunächst wurden die Hebungen am Reck in drei Schwierigkeitsstufen gezeigt. Wenn auch die schweren Hebungen in ihren Grundformen beherrscht wurden. so drängt sich doch immer wieder die Frage in den "Vordergrund, ob diese Hebungen von allen Turnern mit der nötigen Sicherheit und Dollendung zur Ausführung gebracht werden können. Ein verheißungsvoller Anfang ist ba; doch nur bei recht zielbewußter. emsiger Weiterarbeit kann der Wurf gelingen. Die Turner ernteten verdientermaßen großen Beifall. DaS Kürturnen an Pferd und Barren tat kund, daß auch an diesen Geraten die Hessen- tumer etwas sehr Tüchtiges zu leisten imstande sind. Die Leitung deZ Gaues kann mit Berechtigung sich an den Leistungen ihrer Turner erfreuen.
Die Turner Heuchelheims hatten den Abend hübsch vorbereitet: ihr erster Sprecher entbot herzlichen Willkommensgruh. Die Tur- nerinnen-Abteilung wartet« mit einem Kostüm- tanz auf. Die Deranstaltung darf man als gelungen bezeichnen.
Handball im Gau Hessen O. T.
IHännerfumo. Gießen — Turnv. Main; 1817 3:9. Männerlurnv. Gießen — Frankfurt a. M.-Fechen- hcim 3:1.
Mit beiden Mannschaften hatte die Spielabteilung des M.-Tv. einen recht guten Griff getan. Besonders gefallen konnte Mainz 1817, das ein Können zeigte, wie es in Gießen bisher kaum gesehen sein dürfte. Der Sieg der Mainzer war vollauf oerbient. nur siel der Torunterfchied reichlich hoch aue. Ersatz und Hmstellung machten sich bei der Elf des M.-Tv. stark bemerfonr. Mainz spielte ein ausgesprochenes Flügelspiel und hatte dementsprechend seine besten Leute aüf die Außenposten gestellt. Schnelles Zuspiel, sicheres Fangen und außerordentliche Flinkheit feierten einen hohen Sieg. Bis zur Halbzeit zeigte auch Gießen ein ausgeglichenes, sogar teilweise überlegenes Spiel. Eine Klasse für fick war der Mainzer Tormann, der in bestechend schöner Form auch die schwierigsten Bälle meisterte. Mit diesem Spiel erfuhr die erst« Handballelf der Männerturner ihre erst« Diederlage in diesem Icchre.
Frankfurt- Fechenheim mußte auch hn Rückspiel eine "Niederlage hinnehmen. Bei ganz katastrophalen Platzverhältnissen kam kein flüssiges Spiel zustande. M.-Tv. war während deS ganzen Spieles Herr der Situation unb führte mit 30. Erst gegen End« kamen die Gaste zu dem verdienten Ehrentor. Frankfurt war ein zäh arbeitender Gegner, der dem Gießener Tormann mächtig zufetzte, dieser jedoch in bester Form löste seine Aufgabe vorzüglich
Handball her Sp.-Dg. 1900.
1900 schlägt D. s. L. Wetzlar 4:2.
ö. ES muß für di« Spielvereinigung 1 9 0 0 einen großen Erfolg bedeuten, daß sie gegen die D. f. L. - M a n n s ch a f t einen glatten 4: 2-Sieg herausholen konnte. Bei der Gäste- mannschaft erwies es sich allerdings, daß sie durch das Fehlen ihres "Führers Paulus wesentlich in ihrer Stoßkraft beeinträchtigt war. Liber das ist eben der Dachteil, wenn eine Mannschaft zu sehr von einer Person abhängig ist. 3m übrigen hatte jede Partei noch je zwei Ersatzleute in ihren Reihen, di« sich jedoch gut
flefiaritxm hatten, und wie tief das schon war. Erst war es bis an di« halbe Wand gegangen, jetzt reichte es ihnen schon bis an di« Knie. Dunkles, schwarzes Wasjer, das Kraß hatte, ttotzdem es ganz sttll unb tot erschien: als ob es sich gegen den Menschen stemmte, so mühsam watete man nun hindurch.
Don einem Frostschauer geschüttelt sah Bremm noch einmal vom Ausgang zurück — oder war es ein Bangen, das itm durchrieselte? Ach was, nur nicht bange, feine yäffer, die lagen jetzt fest, ganz sicher gestützt! Man hatte schem oft Wasser nn Keller gehabt, unb viel höher als bis zur halben höhe der ©ölbimg war es niemals gestiegen. —
Zitternd lag Maria bei den Kleinen im Bett; die hatte sie bei sich behalten, an ihrer einen Seite den Hanni, an ihrer anderen Seite Chriftinchen, und bas nahm sie nun fest in den Arm. An der Wand gegenüber bei dem Paulinchen schlief jetzt die Mutter: Maria hörte die regelmäßig schnaus«tden Atemzüge der tobmüben Frau und die schwäckstren der Kirrber. 2lus der Kammer nebenan, wo bas leere Bett des Joseph noch immer wartete, drang das drei fache Schnarchen von Baler unb Brüdern: alle schliefen, waren langst zur Ruh. mir sie, sie nicht!
„Ach. lieber Gott, laß mich doch cmdk'ch auch schlafen,"" betete sie. Die Nähe der Sinber wirkt« auf üc, es war wieder etwas non der alten Kindlichkeit über sie gekommen. Nun hörte sie aus ,pr frieren, von den warmen ftmberförpem durchströmte sie's wohlig. Allmählich verwirrten sich auch ihre Gedanken — schlummerte fr«? .
Wo war sie mir so lange gerne’en?! Wert, wett fort in der Wett. Da war's ihr nidyt gut gegangen. Jetzt war sie zu Haus. Jetzt würde der Kaspar gleich kommen — sie erwartet« ibn oben am Klosterberg — sie gingen durch den Blättchen treibenden jungen Wald — er sühne sie an der Hand — unb da, ba war ja bi« große Wiese, Blumen darauf! .....Sieh
mal, schon Veilchen — ganz Mau!' Sw pflückte ein Sträußchen, sie hielt es lachend an sein Gesicht: „Ho, js bat ichön mü der Welt! Wat bm ich so froh, bat ich leb!' ....
Mitten in einer Wett, in der alle Sterne erloschen waren, in einer Dunkelheit, die ein schmutziges Morgengrauen nur fahl burchbämmerte, in einer winterlich kalten und engen Kammer, deren Luft verbraucht war vom 2Üem zu Meter darin Schlafen, der, mitten im Dassergrcrus unb m aller Rot ihres Leibes und ihrer Seele träumte Marrn Brennn von einem erwachenden Frühling.
rt und Spiel.
einfügten. Da- Resultat entspricht dem Spielverlauf. hat:« eher noch günstiger lauten muffen für die 1900er in Anbetracht der Tatsache, baß sie mindestens dreimal mehr Torchancen hatten als die D. f. L.-Leutc Das Spiel an sich war äußerst schne I und intereHant. zeitweise sogar aufregend 1900 wählte die Seite mit dem Rückenwind und setzte sich dadurch sofort in Wetzlars Spielhälfte fest. Schon nach wenigen Minuten gelang eS de n stark ausgerückten linken Läufer, durch IraftDoIlen Wurf den Wetzlarer Zorwart zum erstenmal zu schlagen. Die Platz- befiyer blieben weiterhin im Angriff. Ein durch den Mittelstürmer verwandelter Freiwurf führte zum zweiten Tor. Die Gäste konnten sich nur selten freimachen. Dachdem sie nicht imstande waren, einen dicht am Gießener Wurfkreis gegebenen Sttafwurs zu verwerten — der Gießener Hüter hielt den scharfen Ball glänzend — mußten sie sich noch durch den Gießener Halblinken ein drittes Tor gefallen lasten. Dach dem Wechsel schien sich das Blatt zu wenden. Der D. f. L. holte innerhalb einer "Viertelstunde zwei Tore auf. Doch dann gewannen die Gießener wieder die Oberhand, und von den vielen Würfen des Rechtsaußen brachte dann glücklich einer — allerdings unhaltbar — den vierten Erfolg für Gießen.
Das Wetzlarer Mannschastsgefüge war, wie gesagt — durch das Fehlen von Paulus nicht in der gewohnten gefestigten Form. Trotzdem spielte die Mannschaft einen auf achtbarer Höhe stehenden kultivierten Handball. Recht gute Einzelleistungen wiesen die Derteidiger. bic Stürmerreihe und vor allem der Torwart auf. Bei der Mannschaft des LahnkreiSmeisterS war eine Formverbesserung unverkennbar Die Hintermannschaft war nur schwer zu überwinden. Der Torwart bekam nicht allzuviel zu tun, entledigte sich jedoch seiner Ausgabe bis vielleicht auf den zweiten Torball der Wetzlarer gut. Don den "Verteidigern zeigte der linke die bessere Spielübersicht. 3n der Läuferreihe überragte der eifrige linke Läufer, während der rechte sehr viel technische Feinheiten zeigte. Der Mittelläufer spielte aufopfernd wie immer. Obwohl der Sturm feine schlechte Partie lieferte, stand er hinter den übrigen Mannschastsleilen zurück, jedenfalls darf es ntcht vorkommen, daß derartig viel unplacierte Würfe abgegeben werden.
Schiedsrichter Wagner -vom D. f. D. Gießen war dem Spiel ein gerechter Leiter, müßte allerdings noch ein bißchen an Sicherheit gewinnen.
Spielvereinigung 1900 Giehen.
ö. DaS vorgesehene Spiel der L i g a c l f in Pfungstadt kam nicht zum AuStrag, da bi« Germanen eine anderweitige "Verpflichtung hatten.
Auch die „"2Uten Herren" traten zum vereinbarten Spiel in Wetzlar nicht an, da ba« schlechte Wetter ein einwandfreies Spiel auf dem auf geweichten Wetzlarer Sportplatz nicht zugelassen hätte.
Die durch einige Ligaspieler verstärkte ß i g a- reservemannschaft konnte das Gesell- schaftsrückfpiel gegen den Ballspiel- Club 19 2 0 Sinn überraschend hoch mit 7:1 gewinnen Eine schön« Leistung der Blauweißen, wenn man das knavpe 3:2-Ergebnis beim Dvrspiel in Gießen in Betracht zieht.
Di« 1. Jugend 1900s unternahm gar nicht bic Fahrt zum angesetzten letzten Diplomspicl nach Grünberg, denn bei dem Wetter von Sonntag war der dortige primitive Sportplatz nicht spielfähig.
Der harte Heuchelheimer Sportplatz am Geiers- berg ließ dagegen das Spielen zu. 1 9006 2. Zugendmannschaf t erftritt gegen die neuaufgestellte Iugendelf des Sportvereins 1 920 Heuchelheim ein Hnentschieden 0:0, hätte allerdings einen knappen Sieg verdient gehabt.
19. Kapitel
Denn fie auch im Sommer em Lamm mar, das geduldig unb sanft unter Blumen spielt, jetzt mar sie Läwn. Ein« Löwin, graugelb, die wütend daher- jagt, mit .pnügen Pranken um sich greift, an sich reißt, was ihr m den Weg kommt, unb es auffrißt.
So gewaltig war bi« Mosel noch niemals gewesen — wenigstens erinnerte sich niemand barun. Wenn Simon Bremm aus ber Luke des Daches am Morgen hinausfah — von hier sah er am weitesten, — war es ihm, als stünde sein Herz für einen Augenblick still. Angst, Angst. Es packte ihn plötz- sich: sein Wein, sean Wein —?! Jetzt war bas Wasser im Keller doch sicher noch höher gestiegen, höher als m allen früheren Fällen — aber bi« Fässer waren ja so besonders gestützt, lagen so hoch unb fest, wie verankert. Rur ruhig, es konnte gar nichts passieren!
Nun saßen sie schon seit Tonen oben im Haus eingesperrt, kein Mensch konnte herunter. Die Mosel kam schon di« obere Trepp« heraus — wenn bi« noch weiter heraus kam, was dann?!
Alles, was man bis jetzt burchgemacht hatte, war Simon Bremm nicht so schrecklich wie di« Dual dieses Eingesperrtseins. Herrgott, Herrgott, all diese müßigen, langsam schleichenden Stunden! Stunden ohne Arbeit, ohne irgendein« Betätigung, Stunden, bi« er verdämmern mußte, Stunden, in denen er vor aller Dual nichts Dual volleres mehr zu denken wußte, aks: fällt bas Waller ober fällt es noch nicht? ÜBcrm er sich wenigstens wieder Vergessen antrin- ken könnte! Aber lern Einundzwanziger lag unten im Keller, und er saß hier oben — ebenso unerreichbar war ber ihm, als läge er am andern Ende ber Wett. Unb wo waren die Menschen
Die Häuser, die man in ber Nähe sehen formte, schienen ganz ausgeftorben — sollten sie beizeiten verlassen worden sein? TOetnanb zeigte sich an den Fenstern ober auf ben Dächern: genau so tot unb stumm wie bas alte Mcr'elhaus Lagen sie da. Ein kaltes Gefühl ber Verlassenheit burchfröstette den vergebens AusspäHerren: waren er und di« Seinen denn ganz allein? Er rief: .Hallo, hä! hä'.' Weit schallte seine laut schreiend« Stimme. Aber niemand antroortete. Selbst fern Echo: auch bas war ersoffen. Wie lange sollten fie hier noch so sitzen? Unb zwei Stunden von hier rasselten doch bie Schnellzüge ber großen Bahn, durchbohrten di« Berge, kamen aus Sen schwarzen Löchern ber Tunnels wieder heraus — dampfend, angestrengt schnaufend, öfter feg»
Die 1. 8 d) ü I c r c l f der Bereinigten verlor anschließend durch Ctigc itor 0: 1 gegen die Schü - ler Heuchelheims. Die 1900er waren die Besseren und hätten auch höchstwahrscheinlich den Sieg errungen, weim nicht Heuchelheim einen Hüter der Senioren eingestellt hätte.
D. f. D.
Liga — .Germania Marburg 2:6.
Dritte - Burkhardsfelden I. 6:2.
Daß di« Ligamannschaft ihr Rückspiel gegen bic Marburger Germanen so doch verlieren würde, hätten wohl selbst die qrouten Optimisten nicht geglaubt. Ohne die Diederlage der P'.atzmannschast beschönigen ober den Sieg der Gäste schmälen au wollen, darf mit Recht b.hauptet werden, daß dieles Resultat dem Spielverlauf nicht im entferntesten entspricht Das Pech der D. f. B'-Slf gab auch diesmal wieder den AuSschlag für den Ausgang des Spieles. Gemessen an den Leistungen im Frlbspiel wäre ein 4:2-Sicg Gießens als gerecht anzusprechen g.-tocten. Während Marburg ein rein auf Zweckmäßigkeit eingestelltes Spiel vorsührte unb feine verhältnismäßig wenigen buvchbruchsartigen Angriffe saft sämtlich mit einem Torerfolg ab» schließen konnte, wobei ihm bic ausfallende Indisponiertheit des sonst so vorzüglichen D. s. D- Torn'.annS unb eine Fehlentscheibung deSLchicds- richters sehr zu statten kam. gelang es Gießen trotz längerer Felbüberlegenhrit nicht, bic überaus zahlreichen Torgelegenheiten zu verwerten. Deben zwei Lattenschüssen ging eine Anzahl von scharfen Schüssen, meist auS aussichtsreicher Stellung abgegeben, knapp neben oder über daS Ziel. Diese Schußu:siichcrheit des Sturmes, bie sich burch bie Tücke des Bodens zum größten Teil entschuldigen läßt, sowie daS Dersa^-n des Tormanns. dem bic größten Fehler unterliefen, brachten bie Mannschaft um bic Früchte ihres recht guten Felbspicls unb kostete sie den Sieg. Wenn von besserem Feidspiel der D. f B-Els gesprochen wirb, so muß der Gerechtigkeit halber gesagt werden, daß sich dies nur auf bic "Verteidigung und Stürmerreihe bezieht, ivährenb die Läuferreihe, der linke Läufer ausgenommen, mit ihren Leistungen hinter denen ber .Germanen" weit zurückbliel
Treffen- wurde durch reine Zufälligkeiten bestimmt. Eine eingehende Schilderung bc6 Spielverlaufs erübrigt sich durch das vorher Gesagte: er war eben für D. f. B. eine Kette von ..verpaßten Gelegenheiten", währmd er für »Germania' eine Reih« von glücklichen ZusallSerfolgcn ergab. Schon kurz nach Beginn erzielten bic Gäste überraschend da- erste Tor unb konnten bald durch Fehlentscheidung des im übrigen recht guten Schiedsrichters auS klarer Abseitsstellung auf 2:0 erhöhen. Dor ber Pcmse gelang es ber Platzelf ein Gegentor zu buchen. Dach bem Wechsel schoß Marburg unter ben oben geschilderten Umständen rwch vier Tor«, während Gießen nur noch ein zweites entgegenfehen formte.
Der Dritten gelang es, die sehr eifrig spielenden Burkhardsfelder mit 8:2 zu schlagen.
Der Pf lichtspielgegner bet 2. 3 ■ g e n b, Me 1. Zugen d Werovrfs. war awSaeblieb««. so daß daS Spiel von D. f. B kampflos gewonnen wurde.
Die Alten Herren verschrien angesichts des schlechten Wetters ihr Spiel.
Arbeiier-Turn- und Sportbund.
Gießen Ib — Heuchelheim I 0:1.
Beide Mannschaften standen sich am Sonntag auf bem Trieb gegenüber. Der nasse, sehr schlüpfrige Boden beeinträchtigte das Spiel sehr. In einem hin und her wogenden Spiel, in dem sich beide Gegner in der Auslassung der günstigsten Momente übertrafen, gelang es Heuchelheim, durch einen Fehler des Torhüters der Einheimischen, das einzige Tor zu erzielen.
reich — «ckrundrinehalbe Stunde Fahri nur bis Koblenz unb sogar nur eine bis Trier, man brauch» bloß e nzufteigen, man war gleich unter den Menschen. Die Lokomotioe pfiff, bie Räder rollten, unb Menschen sprachen uni) Güter wurden ringetaben unb ausgelabcn. Unb viele Stationen; überall wohnten Leute, nah wie auf Rufweite fast. Warum Famen fie nicht?
Vorgestern war eine Ari von Floß zu den Gingei'perrten herangeschwommeri. Es war eine gefährliche Fahrt, aber bic Rachen lagen ja alle feft- g«macht an ber Mosel, bi« formte kein Mensch jetzt errrichen. Der Loesenich war auf bem Floß und ber Retter, sie stießen mit langen Stangen sich weiter, der Herr Pastor hatte fie geschickt. Brot unb Speck unb Wasser brachten sie mit — (Bott sei Dank vor allem fürs Wasser, sie hatten ja feinen Tropfen mehr. Wasser, so imertblid) viel Wasser ringsum unb doch feins zu trinken. An ber langen Stange würbe ber Eimer unb em Körbchen ihnen ins Fenster gereicht. Unb ber Loesenich rief: sie sollten nur ruhig sein, morgen käme er wieder.
Aber er war nicht gekommen. Gestern nicht unb auch heute nicht. Die Kinder schrien bereits vor Hunger unb Durst. Auch Bremm hält« am liebsten geschrien, hmausgebrüllt m die grausige Runde, in der nichts zu sehen war als Wasser, Wasser, tob bie Berge darum geschlossen wie eine einsperrende Mauer.
Alles lag in settsamem (8rau. Es war nickst nacht dunkel, aber auch nicht taghell — Ueberlchwem mungsbeteuckstung — geisterhaft wogte bi« Schlacht zwilchen bem Tag, der scheinen wollt«, unb ben Wassernebeln, bie ihn wieder auslöscksten. Trauernd, von Schleiern umwallt, standen die Berge: vordem war jeder Weinstock an ihnen, jedes Felstreppchen, jeher Absatz ber Untermauerung zu erkennen gewesen, mm waren bie Häng« alle gleich grau über- tüncht mit einer schmutzigen, häßlichen Farbe wie ärmliche Wände. Bremm seufzt«: wi« es in fernem Berg ,etzt wohl ausiehen mochte? Das Wasser der Mosel konnte von unten seinen Stöcken nichts tun — aber wenn Wasser von oben herunter tarn? Bäche des Hochlands überliefen, sich in Rftn^aten etnen Weg durch bie Weinberge suchten? Wenn es bem Warnenderg erging wie bem Zuckerberg? Unb kein Menich da war, ber Rebstöcke retten, Steinmauern aufricksten, gefährlichem Rutschen Gmhatt tun konnte?!
(Forijetzung Mot)


