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Dienstag, 17. April 1928

178. Jahrgang

Nr. 90 Erstes Blatt

vnrS m^vrrlag . vrihl'schc Uetocrftt«$-B* ort Stetirtridcrd R. £angc tu $d?rtft!dtmg nirt Sefchäftrjtege: Sftalttrafc 7

Annahme van Snjetaen für bk Tage»nummcr bis jnm Nachmittag vorher.

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Thefredakteur

Dr. Frredr Wild. Lange. Berontwonlich für Volttih Dr Fr. Will) Cange; für Feuilleton Dr H THyriot. für ben übrigen Teil Ernst Blumfchein: für den An­zeigenteil Kurt tzillmann, fämtlld) in ©iefjen.

Eriche,nt tüglich.aNhei Sonntags enb Feiertag» Bett« gen.

(Siebener FamiNendläNer Heimat im Bill, Die Scholle.

»neu.Beyigsprets

2 Reichs rnarti unb 20 Reichspfenntg für Trügen lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNmmnern infolge höherer ©ewatt. Fernsprechans chlüsse: 61, M und 112.

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger ©fest«.

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SrenfTiTt am Main 11686

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Um Me Tariferhöhung der Reichsbahn.

Erve Devkschrrft

ffir baÄ ReichSverkehrSminifterium.

eigene Drahtmeldung desGietzener Anseigers".

Berlin. 17. April Man erwartet, datz die Reichsbahn Sn de dieser Woche ihre Denk- fchrist zu der gewünschten Tariferhöhung fertiggeftellt haben wird, die dann dem Retchs- verkehrsrninister zur Entscheidung jugekUet wer- hnx wird. Diese Denkschrift wird ein sehr um- fanareicheS Dokument sein, da neben dem Wert­teil der eine auch für die breiten Massen abge- fttnrorte Begründung der Tariferhöhung ent­halten soll, noch in verschiedenen Anlagen ein­gehende Darlegungen über die sinan-letten Ver­hältnisse in den verschiedenen Betriebsgebieten und Arten der Reichsbahn gebracht werden sollen Wie wir erfahren, wird die geplante Steigerung der Tarife im Durchschnitt fünf Prozent der bisherigen Höhe betra­gen Man hofft, mit dieser Erhöhung die nach Angaben der Reichsbahnverwaltung dringend be­nötigte Summe von 2 50 Millionen Mark her einzubekommen. Der Personenverkehr wird nach diesen Berechnungen rund ein Drit­tel der gesamten Tariferhöhung tragen müssen, wobei allerdings, besonders bei dem sogenannten Berufsverkehr gewisse Srleichkerun- gen gemacht werden sollen Auch im Güter­verkehr wird die Erhöhung um 5 Prozent nicht schematisch durchgeführt werden ton­nen. denn auch hier find gewisse Ausnahmen wie bei den Wettbewerbstarifen und den Sonder- tarifen im Verkehr mit Ostpreußen notwendig.

Unentschieden ist noch die Frage, ob man bei dieser Gelegenheit den Zwei-Klasfen- t a r i s einführen wird. Die Reichsbahn möchte anscheinend die Tariferhöhung zum Anlaß neh­men. um daS Tarifshstcm jetzt auf diese Werse zu vereinfachen. Aber allem Anschein nach wrrd sie sich In der Denkschrift an die ReichS- negierung nicht einseitig auf diesen Plan fest- 'egen. Sie wird wohl Vorschlägen, den Zwei- «klassentaris jetzt einzuführen, da sie ibn für einen dringend notwendigen Fortschritt hält, wird aber zur gleichen Feit auch eine andere Be­rechnung der Tariferhöhung beifügen, die sich auf das jetzige Klassensystem bezieht. <X4 bleibt dann dem Reichsverkehrsministerium überlassen, zu welcher Form es sich gegebenen­falls entschließen will, aber eS scheint schon jetzt, daß man in den Äreefcn deS ReichsverkehrSmini- steriumS im allgemeinen vorläufig für eine Beibehaltung der bisherigen Klaffen ist. Wie man weiter erfährt wird die Reichsbahn in ihrer Denkschrift über die bisher bekannten Begründungen für ihre Wünsche zur Tariser- Höhung keine neuen wesentlichen Erklärungen geben.

Das landwirtschafiliche Roiprogramm.

teilte neue Rcichsgesellschast zur Lrganisation dcS Kleischabsatzcs.

Eigene Drahlmoldung des ..Gießener Anzeigers".

Berlin. 17. April. Gestern morgen haben im Reichsratsausschuß sehr eingehende Debatten über die Richtlinien, die daS Ernahrunge- Ministerium zum landwirtschaftlichen Rotprogramm au6gcarbc;tct hat. begonnen. Es handelt sich dabei zunächst um die G r u ni- bung einer neuen ReichSgese 11 f ch a s t zur Regelung und Rationalisierung deS Vieh- und FI e i s ch a b s a y e S. für die im Rotpro­gramm eine Beihilfe von 8 Millionen vorgesehen ist. zu denen bann noch die Summe von 22 Mll- lionen in Form eineS Garantiefonds kommt. Schon jetzt bezeichnet man diese geplante Ge° fellschast, über deren endgültige Form aber schließlich erst ReichSrat und Reichstag entscheiden müssen, als eine sogenannteÄ rieg«gefe11 - schas t". augenscheinlich, um sie durch die un­angenehmen Erinnerungen der Kriegs­zwangswirtschaft ö< belasten. Aber diese Bezeichnung ist wohl irreführend, wenn es sich auch um eine Gründung analog der Octrcibe- handelsgesellschast handelt. Entgegen anders­lautenden Darstellungen totrb der VcichSrats- auSschuh. wenn .auch in Etappen, zunächst dl« gesamten Richtlinien deS landwirtschaitltchen Rot- Programms beraten, so daß er fick» nach GrlcDi- gur.g der Absatzorganisation für den Vieh- und Fleischhandel mit der Organisation zur Hebung des 2lbsayes von Kartoffeln. Obst. Gemüse und den Erzeugnissen ber Geflügelzucht beschäftigen wird

Oer Au schuß für Derfaffungs- und Berwattungsrefonn.

Berlin. 16. April. (Privatmeldung.) Der Ausschuß für Verfassung«- und Verwaltungs­reform tritt am 4. Mai zusammen. Den V o r f j tz führt der Reichskanzler. Von^ der Reichsregierung sind dazu delegiert: Der Stell­vertreter des Reichskanzlers, Vizekanzler H e r g t, und die Reichsminister des Innern, der Finanzen, der Wirtschaft und der Post, ferner Geheimer Iustizrat Professor Dr. An- schütz. Geheimer Iustizrat Dr. Triepel, Dr. Brüning. Staatssekretär a. D. Dr. Busch. Reichöminister a. D. Hamm und Professor Rawiaskh. Von den Landesregierungen: Für Preußen: Ministerialdirektor Dr. Brecht, von Badem Ministerpräsident Dr Held, von

Oie Hilfsaktion für Greenly Island.

Re», ort. ,7. April. (IBIB. Fnnkfproch) Die . Metdongm aus (Brrtnlt) Island fließen autzer- orbentlid) spärlich. Auch die Rachrlchwn über die | geplanten Hilfsmaßnahmen für die Ozean- ; lieget widersprechen sich vielfach. Es scheint jedoch, datz von Montreal aus die Flieger Luiscnier und Schiller an Bord eine» Flugzeuges auf Greenly Island ein getroffen find, obwohl Blizzard und Rebel die Fahrt auherordentllch erschwert haben. Der 3re Flhmaorlce hat dle Insel ver­lassen, um persönlich in Montreal den Lrsah- propeller in Empfang zu nehmen und nach Greenly Island zu bringen. Lr ist gestern Rachmittag 3JO Uhr in Ratashkan an der Rordküste bce 5L Lorcnz- Goise» gelandet. Herta und Erhard Junker» und der Pilot Melchior sind mit der Iunkersmaschine F 13 um 2.15 Uhr nach Montreal gestartet. C» be­steht gegenwärtig der Plärr, F13fo nahe w i e möglich an Greenly Island heranzu­bringen. Es soll dann, da die F13 als Schwesterfch'.ff derBremen" den einzigen hier er- häßlichen für dieBremen brauchbaren Propel- ler besitzt, dieBremen mit diesem Pro­peller ausgerüstet werden, um gegebenen­falls ihren Flug nach Reuyork fortzusehen. Falls sich diese» al» unmöglich erweist, sollen die ^Bremen-Flieger auf der F13 nach Reuyork gebracht werden.

Lieber dem Weltenmeer.

tein erster Klugbericht Hauptmann KöhlS

Reuhork. 16 .April. (XU.) Rach einem Funllpruch au» St. Ivhns erklärt« Hauptmann Köhl, bah sie mit Mühe unb Rot ber Todesgefahr entronnen seien, als fte lange vor ber Landung ben Versuch gemacht hätten, durch Schnee. Sturm und Rebel zu fliegen und dabei bi« dicht auf die Wasser­fläche h» runtergehen rnnßi-n. Tnr her Paraffinüberzug hätte ba» Flugzeug v o r der Vereisung geschützt. Der Motor hätte während des ganzen Fluges einwandfrei ge­arbeitet. Er,selbst sei zunächst für die Fortsetzung deS Fluges nach Reuhork gewesen, habe jedoch davon Abstand nehmen müssen, al« sich heraus- fteUte, daß der Brennstoff nahezu er­schöpft war. Bei ber Landung habe et Greenly Island mit Neufundland verwechselt. Um 17.30 Uhr am Freitagnachmittag wurde ber Beschluß gefaßt, auf einem kleinen See. ben die Flieger erblickt hatten, zu landen. Da aber die .Bremen" nicht für eine Landung auf dem Eise ausgerüstet war. brach trotz aller beim Riedergehen geübten Vorsicht das Flugzeug beim Aufsetzen durch die Eisfläche des 6ce8. wobei daS Hinterteil beschädigt wurde. DiS übet 30 Stunden noch dem Start war bet Flug günstig. Schließlich hatten sich die Flieget aber wegen Rebels und völliger Dunkelheit entschtte- ßen müssen, in ganz geringer Höhe zu fliegen. Der Kompaß sott versagt haben. Die Besat­zung ber .Bremen" rühmt die freundliche Aufnahme und große Hilfsbereitschaft, die sie bei den wenigen Bewohnern ber Insel ge­funden hat.

Oie Glückwünsche Amerikas.

Berlin. 16. April. (WB.) Der Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin. Echut- man, hat anläßlich bes Fluges bet /Bremen" an D r. Ettes emann f olgenben Glückwunsch gesandt:

Exzellenz! Sinern 6 r i u chen desStaats­sekretärs entsprechend habe ich die Ehre. Ihnen seine Glückwünsche anläßlich ber sicheren Ankunst Hauptmann Köhls unb seiner Gefährten nach dem gefährlichen kühnen Flug in westlicher Richtung über ben Atlantischen Ozcan zum Ausdruck zu bringen. Darf ich Ihnen zu gleicher Zeit von ber großen Genugtuung und

Erleichterung berichten, mit der ich bavon er­fuhr. daß Köhl und seine mutigen Mithelfer ben mit bem heroischen Unternehmen verknüpften Gefahren glücklich entronnen sind Ich grüße die von ihnen vollbrachte erfolgreiche ileber- brihfimg deS nördlichen Allan tischen OzeanS mit dem Gefühl tiefet Bewunderung unb nehme die Gelegei^heit wahr. Euerer Exzellenz erneut die Versicherung meiner höchsten Werllchätzung zu übermitteln.

gez. Jacob Dvuld S ch u r m a n.

Oie,Bremen^'Besahung an den Reichspräsidenten.

Berlin, 16. April (WB.) Hauptmann o. D. Köhl und Baron v. S) ü n e f c I b haben an den Reichspräsidenten das nachstehende Tele­gramm gerichtet, da» sich mit dem Glückwunschtele­gramm de» Reichspräsidenten getrennt hat

Rach glücklich mit Gottes Hilfe beendetem ersten OftWeft-Flug hat das deutsche FluazeugBremen" eine Zwischenlandung auf Greenly I »- land auf amerikanischem Kontinent oorgenommen. Zugleich im 'Jiamen unseres Kameraden Fltzmaurice entbieten wir Eurer Exzellenz unsere ehrerbietigsten Grüße."

An die Patenstadt.

Bremen. 16. April. (WB.) Die Ozean- flicgcr haben von Greenly Island nachstehendes Funktelegramm an den Präsidenten deS Senats gesandt: Greenly Island vla Empire Radio.

eigene Drahimeldung be»Siebener Anzeiger," Berlin. 17. April. Di« Besatzung sollte.

so hat man sich vor Jahr und Tag geeinigt, mit der fortschreitenden Verständigung zwischen den Rachbatvöttetn und in Auswirkung des Vertrages von Locarno eine ..unsichtbare" werden. Zu diesem Zwecke sind in bet Tat eine Reihe von Ordonnanzen aufgehoben worden, die daS öffentliche Leben und die Handlungsfrei­heit des einzelnen in den besetzten Zonen aufS stärkste beeinträchtigt«: es ist auch stillschweigend manche frühere Schikane, so der Paßzwang, ge­fallen. und im ganzen hat sich das Leben für die Bevölkerung der Desatzungsgebiete erträg­licher gestaltet. Aber zwischendurch tauchen immer wieder einzeln« Meldungen auf, die leider außer­halb des besetzten Gebiete- nicht ein so hohcS Maß von Beachtung finden, wie es notwendig wäre, um uns voll und mit ganzer Plastik zum Bewußtsein zu bringen, welch hartes Los doch die deutschen Vollsteile nun schon seit 10 Jahren im Interesse des Gan^n auf sich nehmen, die di« Besatzung zu ertragen haben.

Da war vor wenigen Tagen die Meldung über die Bestrafung der P f a d f i n d er, die angeblich verbotene militärische Hebungen ausgeführt haben, weil sie auf einem fröh­lichen Rachtmarfch betroffen wurden. Ein drako­nisches erstes Hrteil des französischen Militär­gerichts, das mit Gefängnisstrafen nur so um sich toarf, ist dabei zwar gemildert worden: nur ber Führer erhielt zwei Wochen Gefängnis die übrigen .Sünder" großenteils reichlich harte Geldstrafen. Aber auch das genügt, um zu zeigen, mit welch kleinlichem schikanösen Geist irgendwelche DesahungSbeftimmungen noch immer, wenn auch vielleicht nicht in allen Fällen angewandt werden. Heute kommt dazu die eng­lische Repressalie in Wiesbaden, die in einer vers chärs ten Anwendung der Paßkontrolle besteht, die bisher ganz fallen

Bürgermeister Dr. D o n a n b t, Bremen. Rach dem mit GvtteS Hilfe unter schwierigsten Hmftänbcn dank glänzender Waschin« Professor IunterS geglückten Oftwestflug lendet die Be­satzung der ..Bremen"' Eurer Magnifizenz. sowie dem Senat und der Bürgerschaft der ehrwür­digen Hansestadt Bremen freudig bewegte Grüße. g«z. Köhl, Fitzamurice. Hüneseld.

Oie Vorbereitungen desBremen"-Fluges.

B e r I i n, 16. April. iWTD.) Diplomingenieur Schinzingcr von den IunkerS-Flugzeugwer­ken. der in Daldonnel die technischen Vor­bereitungen für ben Start berBremen" geleitet hatte, macht« heute nachmittag vor Ver­tretern der Presse noch einige nähere M i t - t ei lu n g c n zum Ozeanflug. Danach hatte die Bremen" ein G e s a rn t f l u g g«w i ch t von 3685 Kilogramm. Das Leergewicht ber Maschine betrug 1350 Kilogramm, dazu kamen bann 1932 Kilogramm Benzol, 135 Kilogramm Ocl. ferner daS Gewicht ber Besatzung mit 250 Kilogramm und Proviant usw. mit 18 Kilogramm. Mit welch schweren Widrigkeiten daS Flugzeug zu kämpfen hatte, geht am besten daraus hervor, daß der Aktionsradius, ber theoretisch auf 7000 Kilometer berechnet war, auf diesem Fluge praktisch nur gut 3500 Kilometer ausmachte. Unter den Faktoren, di« daS Unternehmen trotz­dem zum Gelingen führten, spielt da« Ver­trauen der Flieger in die Maschine unb die bis in« kleinste gehende Vorarbeit

gelassen war. Die Repressalie erfolgt angeblich, weil eine Anzahl Automobile ber Besatzungs- angehörigen von unbekannten Tätern feit län­gerer Zeit beschädigt werden. Irgendwelche un­verantwortlichen Element« haben Reifen zer­schnitten. Polster beschädigt usw. Aber schließ­lich können die vernünftigen und ruhigen Bürger, die unter Ueberschreituna ber Grenzen be« Be- satzungSgebieteS ihren Geschäften nachgehcn. nichts für derartige strafwürdige Bosheiten und Dummejungenstreiche, hinter denen die Besatzung offenbar, ob mit Recht oder Unrecht, sei da­hingestellt. irgendwelche organiftortc Sabotage- arbeit extremistischer Kreise vermutet. Und es ist ein Zeichen dafür, daß man immer noch die Besatzung als ein« Einrichtung ausfaht, bi« un­gefähr de m Kriegszustand entspricht, wenn man überhaupt Straftaten mit Repres­salien gegen weite BevölkerungSkreise beant­wortet.

Haben wir somit gesehen, daß sowohl Franzosen wie Engländer grundsätzlich noch recht wenig om Wesen der Besatzung geändert haben, so zeigt eine Statistik der belgischen Kriegsgerichte, die doch nur noch ein sehr enges Wirkungsfeld haben, daß in den sechs Monaten vom 1. Oktober o.J. bis 1. April d. I. nicht weniger als 376 Personen vor ihnen zur Verantwortung gezogen wurden, daß dabei insge* samt über 18 Jahre Gefängnis und über 10000 Mk. Geldstrafen verhängt wurden. Nimmt man die Schwierigkeiten im Falle der Eingemeindung von H ö ch st in Frankfurt hinzu, so sieht man, daß die Auswirkung der verbesserten internationalen Be­ziehungen auf die Zustände in dem besetzten Gebiet trotz dieser und jener Besserung noch sehr unooll- ständig und ungenügend ist, und man zieht daraus den doppelten Schluß, daß einerseits gar nicht genug geschehen kann, um der betroffenen Be Dotierung deutscherseits das Leben zu erleichtern, daß aber zweitens auch alles geschehen muß, um diesem Regime so rasch wie möglich ein Ende zu bereiten.

Oie Not des besetzten Gebiets.

Immer neue (Sdtitoneit gegen die deutsche Bev-Nerung am Wein.

Sachsen Ministerpräsident Heldt. von Wütt- temberg Staatspräsident Bazille, von Baden Ministerpräsident R e m m e l e . von Hamburg Bürgermeister Dr. Petersen und andere. Der Vollsstaat Hessen wird durch Staatspräsident Adelung vertreten.

Or. Köhlers römische Mission.

Ter Vatikan und die Koalitiorrtpolitil des Zentrums.

Eigene Drahtmcldung desGießener Anzeigers" Berlin . 17. April. Die Reste des Fllicmzmim- fter» Dr. Köhler nach Rom hat Anlaß zu zahl- reichen und mannigfachen Kombinationen gegeben. Aus gut unterrichteten römischen Streifen, die bem Vatikan nahestehen, wirb dazu berichtet, daß Mi­nister Köhler vor allem zu Besprech ungenmit dem Vatikan nach Rom gefommen sei. Bereits seit längerer Zeil sollen di« Shreife der katholischen Aristokrati« des Zentrums beim Batrtan ihnen Enstluß dahingehend geltend machen, daß ]ie bas Zentrum auf diesem Dege von einer möglichen Koalition mit den Sozialdemo k na te n nach den Dahlen abzuhalten versuchen. Selbst- Derflänöfid) spielen dabei besonders die Lrgumcnle, die im Zusammenhang mit ber Kultur- und Schulpolitik de- Zentrums beim Kampsmn bas 6d>iriae*ep atoyetmlcht find, eme entscheidende

Rolle. In diesem Zusammenhang wäre bann auch die Reise von Minister Köhler ^u beurteilen, ber an- scheinend gerade über diese (Tragen dem Vatikan Mitteilung machen soll. Dabei wirb es sicherlich seine 2üifgabe jein einer einseitigen Festlegung der Zentrumspartei im Hinblick auf b:c kommenden Koalitionsmöglichkeiten entgegenzuarbeiten unb den Vatikan über bie tatsächlichen Zusammen­hänge der Zentrumspolitik auszuklären. Allem 2ln- schem nach ist daher die Reis« des Reichssmonz' nrnüfters vor allem hn Rahmen ber besonnenen 3entnrmsmtereffen begründet.

Oie elsässischen Autonomisten.

Tic Anklageichrisi.

Straßburg. 17. April. (Priv.-Tel., Die Anklageschrift im Colmarer Auto­nom i st e n p r o ze h ist jetzt den Angeflagten und deren Verteidigern zugestellt worden. Wie der Colmarer Kurier schreibt, könne man jetzt erst verstehen, daß die Verteidiger von vorn­herein erllart hätten, die Komplottanllage ent­behre jeder Grundlage. Bei keinem der Angeklagten sei der Beweis erbracht worden, daß deutsche Gelder der Bewegung zugeflossen feien. Rur bei Roos habe man geltend ge- 771 acht, er habe ein Ersuchen um Geld nach

Deutschland gesandt, aber auch dies nur im Zusammenhang mit einer Klage, man mache der Autonomiftenpartei Schwierigkeiten bei der Aufstellung ihrer Kandidaten, well sie kein Geld besitze. Mit keinem Wort lei in der Anklageschrift die Behauptung erwähnt, einer der Verhafteten habe das Geständnis ab­gelegt. daß drei b'S vier Millionen Franken au« der Schweiz nach dem Ellaß überwiesen worden feien. Wie der Colmarer Kurier ferner mitteilt, ha: der nach der Schweiz geflüchtete Führer der Bewegung. Dr. Roos, dem GeneralstaatS- cntoalt in Colmar geschrieben daß er al« Angeklagter im Autonomistenprozeß frei­willig zur gerichtlichen Verhand­lung in Colmar erscheinen werde.

Oer:Heicf)6fparfotnmiffar kommt nach Württemberg.

Stuttgart, 16. April. (WB) Der Reichsspar- kommisiar, Stoatsminister a. D. S ä m i s ch, um dessen Entsendung nach Württemberg die mürtiem- bergische Regierung die Reichsregierung schon vor längerer Zell gebeten hat, wird am 17. April in Begleitung des Ministerialdirektors Schmitt zu den einleitenden Besprechungen mit der Württemberg»» schen Regierung in Stuttgart eintreffen.