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Nr. 192 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag 16. Anglist 1928

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Mkden-Aanlmg-Tokio. Don Generalmajor a. D. Haushofer, ord. Prof, der Geographie an der Umt>erfität München.

Tie ein lauernde» Meettier liegt da» je a- nilche Reich mit weit ausgespannten Macht- ormen vom tatarischen Dolf bi» zur Sormofa- ürafte vor der chinesischen Äüfte. Seine stärkste etroHlinte zielt satt in der Verlängerung der Herzlandschatten des lanagestreckten, aber an der schmälsten Stelle nur 90 Kilometer breiten 3n|el- re.chs durch das 1905 gewonnene. 1909 einoer- Icibte Äorea a u s Mulden, die Hauptstadt der Südmandschurei Den ganzen Kaum, der diese Stadt durch den Erben T'chengtsoltns. Tschang- bfoeltang, nicht mit den harren Häm den des Vaters beherrscht, verbietet die japanische Politik den Heerführern des Iungchinesentums. den In­habern der heute rechtmäßigen. schon von den Verelnigien Staaten Amerikas anerkannten Hauptstadt VankinL

E« ist nicht der erste Griff ins Kontinentale, mit dem die am meisten Iranische Macht der Erde das Fortichreien der Kuomintang-Idee, des erneuerten, verjüngten republikanischen Ehina nach Horben hemmt, auf Japan» mandschurische Sonderstellung und Vorherrschaft zu. Früher ein­mal, von 1919 bi» 1923. hatte es in Hankau am Vangtse. im Industriegebiet, solche Schran­ken gezogen, barm 1926 in Scha ntung durch eine bli^schnelle Besehung der ehemals deutschen Bahn Tsingtau- Hinan hx. Diesen Schachzug wie­derholte es 1928, unter Hürtgen folgen, vor denen Iungchtna dennoch zurückwich Und nun leat sich der Widerstand an Der letzten, wenn auch fadenscheinigen Aechtsfchranke vor, vorwärts de» Zwei-Milliarden-Wertes der südmandschurischen Bahn.

@6 gab eine Zeit, wo dg» republikanische China freunbhdx Duldung und mancherlei Hilfe in Japan fand. Lunvutsen hatte viele japanische Freunde, auch Tschiangkaischek wußte sie zu fin­den: und als die Kuomintang in Kanton sich organisatorisch und militärisch die Mittel zu brem jähen Siegeszuge schuf, da waren eS frei­lich in erster Linie russische Berater, die ihr habet halfen, und Zuzug au» allen Ländern mit dem Leitwort .Revolutionäre aller Länder, ver­einigt euch!" aber Japan hemmte den Dor- stost zum Vanalse nicht.

Inzwischen ist ein kluges und vorsichtiges, die chinesische Frage mit fernöstlicher Gelassenheit behandelndes Kabinett in Japan einem scharf »upeifenben de» Barons Tanaka gewichen, und der fast in ein Gleichgewicht bei parlamen­tarischen Kräfte'Piel» auSgcgangene Erfolg der ersten Wahlen mit verbreitertem Wahlrecht weckte da» Gelüst nun durch eine Politik der starken Hand die Schwankenden heruberzu- rei&en. Co ist eine Haupttriebfeder der schärferen Tonart von Tokio au» in Mukden und Banking allerdings au» Gründen innerjapanischer Poli­tik verständlich Aber auch äustere Umstände kamen, die Gefahr verstärkend, die Spannung steigernd, hinzu. Wichtig war, daß - trotz ihrer guten Information . die Schnelligkeit de» südchinesischen Vorgehens auf Tsinanfu die Ja­vaner doch überraschte. Sie toixnlen gerade noch bi« Hemmungen zu Lande und zur See einlegen, damit bi« Mine nicht bis in die Mandschurei durchbrannte: aus den so her an la fiten Heber* cllungen entstanden die Zwischenfälle von Tsi­nanfu, vielleicht auch die Gelegenheit für da» sicher nicht von Japan au» angeregte Attentat, Dem Tschangtfolin zum Opfer fiel; zerbrach ja Doch mit ihm eines der wertvollsten Werkzeuge japanischer Bordpolitik in China. Aachdem durch Da» Eingreifen hx Tfinan der Vormarsch Tschian- kalschek» auf Peking zugunsten Feng» und Ben» verlangsamt war. und der offizielle Ver­treter Äüdchina», sicher mit Hütendem Herzen, den alten Aeick^inittelpuntt dem Spiel feiner Rivalen überlassen muhte, taten diese einen ge­fährlichen Schritt weiter Sic wissen alle ganz genau wie der ganze chinesische Süden es weih, dasxunhatfen noch sterbend seine Partei vor rinein Zusammcnstoh mit bewaffneter Hand mit

Verschiedene Welten.

Heifeeinörüife eines Schachmeisters.

Don Richard Tteti.

E» gibt in allen Ländern viele anscheinend neben- 'achliche Kleinigkeiten, aber fie bestimmten oft den ifinbrucf. (Einige davon will Ich hier aanz zu- 'ammenhanglo--. rote sie mir eben einfaUen, er- zählen.

Spanien, da» Land der Rosengarten und Vrangenhaine. das Land der Alhambra und de» Prado, der Toreros

Aber vom spanischen Stiefelputzer habt ihr roohl noch nicht gehört? Und doch ist cs sicherlich der häufigste Beruf In Spanien. E» ist nicht ratsam, zu nahe an den Häusern vorbeizugehen, da einem oft plötzlich das Bein festgehalten wird. Denn man dinabblickt, so sicht man die Hand eines Stiesel- Putzer», der, ohne viel zu fragen, den Schuh mit Wichse, und überhaupt mit Beschlag belegt. Gerade- m unabwendbar tritt dies ein. wenn man in einem Kaffeehaus fitzt. Und kein Spanier wehrt sich. Denn mch der Aermste ist für einige Centimes gerne Kavalier und, mag auch seine Wäsche zerrissen sein, «'ine Stiesel sollen glänzen.

Am Ende ist diese Stieselputzergeschichte nicht so nebensächlich, wie cs scheint. Der sie recht erfaßt. Dird den Spanier besonder» zu nehmen wisten.

Ebenso wie glänzende Stiefel lieben die Spanier E die Latein-Amerikaner glänzende Titel. ~Le ^ofllchkeitranredc des Porlugieien, das deutsche ' "^re Eizellen;'. Als ich in einen

,raiillanifchen Schachklub kam, wurde mir jeder An- nefenDe als übampion vorgestellt. Der eine war ibampion eines Klubs, der zweite seiner Straße, im anderer Champion zweiter Kategorie seines -*U * bfi l'der Gelegenheit, bei jedem wird kein Name ohne den dazu- ccbDrigcn Titel genannt.

Sprachlehrer oder Fechtmeister 2*tcl eines Professors dcr Sprach- Wissenschaft oder der Fechtkunst. Die kleinste Bretter­bude. in welcher etiefcl geputzt werden, ist ein talon für Schuhreinigxmg.

Für die meisten Männer ist das interestauteste Kapitel m jedem Lande die Frau. Denn du aber

dem japanischen Aatirmalismus getrarnt hat - der nach feiner Meirxung die ganze Erneue­rung Chinas und d.c Befreiung de» Ostens. ,a ganz Aliens, ge'ährden würde. Tschtankaifchek will diefer Warnung auch solge.i. so tief ihn die Demütigung vv". Tsinan das Verbot jeglicher Art von Seegefecht in der Aahe aller entschei­denden Punk c der nordchinesifchen Küste und zuletzt M Ginrüden» in die Mandschurei ge­trogen haben muh Aber Feng spielt nun mit diesem Feuer. Sehr wahrscheinlich nicht nur au» gekränkter Vaterland«liebe, fonixrn auch au» sehr viel wen gcr durchllch i zcn und reinlichen ®riin- den, vielleicht auch vo i Sowjetfreunden beraten.

$ienn er weist natürlich, daß ein Zusam - menftoh mit den neu auf die Beine gebrachten und reoraanifierten Stveithräften von Mukdeii bei Iehol p'-cr an der mandschurischen Vlauer. ir­gendwo zwischen Liauhv und Dchanhaikwan. dem uralten Engpaß zwilchen dem eigentlichen E-Hina und Fengtien a.n Meere, den Zwischenfall mit Japan herbeiführen kann dem da» ohne­hin geschmälerte, unterroüblte Ansehen dcr Ae- gierunn in Aanking nicht mehr gewachsen ist.

Dam.t aber hätten die vielen geschworenen Feink-e von recht» und links wieder einmal den Sturz des einzigen Mannes in China erreicht, den sie beide mit Grund fürchten. des noch von Sundatsen persönlich auSgewählien. bis zu feinem Tod durch fein Vertrauen geehrten Schlang- taischek, den Moskau zuerst vergötterte und erhob, solange er nach russischer Pseise tanzte. unt> dann geschmäht imb geschändet Hal. als er merkte, dast die Öotojet bet ater eben nicht der ©ribftbeftimmung und Selbttbesreiung Chinas in erster Linie dienen wollten, sondern dein K l af­fe n k a m pl. der Verbreitung ihrer Ideologie, dem Cenintoort: .China im Brodeln zu er­halten !" Dieses .Brodeln" der Menschenmasse mit ihren 450 Millionen mit seinen unberechenbaren Einzelausl*rüchei'.. nicht nur in der Arbeiterbe­wegung in Kanton, der Bauernbewegung in Hunan und Hupe, bis vor die Tore von Schang­hai. das ist c» auch, was die Stellung der Ae- gierung in Aanling f o unsicher macht trotz allen grosten und schönen Programmen, an denen die Kuomintang immer reich war. Aber daneben steht r jüngste Stoßseufzer des Finanz­

minister- Sung. dast der Bürgerkrieg deS letzten Jahres, mit einem Tagesbedarf von 8 Millionen die Finanzen in vollständige Unord­nung gebracht habe. Da mag für die Be­

in Buenos-Aires bist, Jo gehe keiner nach. Denn schon das bloste Nachgehen ist dort strafbar. Wenn sie die Hilfe eines Schutzmanns anruft, du brauchst kein einziges Dort gesprochen zu haben so muht du froh fein, wenn du mit fünfzig Pesos (ein argentinischer Peso gleich 1,70 Mark) Geldstrafe daoonkornmst.

,3n Budapest wäre man wohl sehr erstaunt zu hären, daß d,e dortigen neuen Verordnungen gar nicht neu sind, sondern nur ein unvollkommener Versuch, argentinische Sitten in Ungarn einju- führen.

Noch charakteristischer: Ein Rosario lud mich und mehrere Mitglieder des dortigen Schachklubs ein, das Klavierspiel feiner 16jährigen Tochter zu be­wundern. Zuerst wurden wir von der Frau de» Hauses und von dcr Tochter begnügt, dann aber verschwanden die Damen sofort. Nach kurzer Zeit erschien die zukünftige Klaoierkünstlerin wieder und begann zu spielen. Sofort nachher verschwand sie wieder, und wir d. h. die Männer allein gingen zu Tisch. Die Damen der Familie speisten in einem anderen Zimmer. Erst beim Abschied tauchten fie wieder auf und fragten besorgt, ob wir uns auch aut unterhalten hätten.

Jedes Kafsehaus hat seinen salon para fa­miliär für Damen, in welchen alleinstehende Män­ner keinen Zutritt haben. Männer mit Familie werden als ungefährlich hineingelasien.

Sogar die studierende Frau kann dieses Vor­urteil nicht durchbrechen. In der Universitöts- bibllothek von Buenos-Aires ist eine gesonderte Abteilung für Frauen, welche allerdings meist leer ist.

Zu den alltäglichen Gesprächen der Reifenden gehört die Trinkgeldersrage. Auch dazu einen Beitrag.

Moskau. Nach einem Abendessen bei Herrn N. Ich will dem Dienstmädchen einen Rudel geben. . Das soll ich damit tun", fragt sie erstaunt,soll ich es Herrn R. übergeben?"

Um das folgende zu würdigen, erinnere ich mich an den Typhus des alten L u. k. Generals.

In Moskau teilte man mir mit. dah man mich in einer militärischen Institution der Mittels­mann sprach zu schlecht deutsch, um mir das Wesen dieser Institution zu erklären zu einer Schach-

Beucrung von Ländern, die läng ft die gute Ge­wohnheit bei HteuernaHieferns abgelegt haben, w.c Lzcchuan. Vünnan oder die brr. Ostprvomzen der Mandschurei die schönste Tberrie au^gcbedl werden. Dcr verwegenste Ame­rikaner ni.-rm! sie nicht mehr als Licherhe.: für eine noch so hoch verzinsliche von Dollar-Dtplv- mähe aeschützte Anleihe Und dennoch hat die

der Aeg.erung von Aanking getan, als fte die ungleichen Verträge aufgab. und da­mit die Aan.inger Regierung anerkannte

Aber das ist em Schachzug gegen Tokio einer gerate vor die englische Stellung hin. und zugleich cm .Hände weg von Aanking für die Sowjets? Es 'ind viele «Fliegen aul einmal, die von Kelloaas schwerer Hand vor ferner problematischen Europa re-. e zur Unter­zeichnung des Kriegeächtungspaktes in dem Dreieck zwischen Tokio. Mulden und Aanling getroffen worden find Das war nur möglich, weil die Hand, die zuschlug, eben den Augenblick ganz frei wählen konnte: und weil Xotio sich durch feine Polltrt der starken Hwid der freien Hand in Shina gänzlich beuchen hatte Die Stei­lung von Aankina ist durch dielen Zwischengnsf der Vereinigten Staaten außerordentlich gestärkt worden. Ann ist die Frage, ob 'ich Schlang stark genug führt, dem Sinvruchsdrängen in die Man­dschurei feiner Mit-Triumv.rn Feng und Den (dcr leichter in Schanli zu halten ifti Widerstand narr wie bäte C^clb ai Chinas Staatskassen, wird aber unter dielen Verhältnissen auch die Abrüstung der etwa zwei Millionen Soldaten fein, die, schlecht bezahlt und wenig in Zucht, oft von Otäubcm und plündernden Bauernbünden nicht zu unterscheiden, daS cmgeHich in der Seele friedlichste Land der Grde auf den Beinen hält. Ohne Abrüstung aber gibt es kein Geld aus den Länderkasfen. keine Anleihen für die Wiederherstellung der verlotter­ten Vifenbahnen, nur immer momentane Zwangs­anleihen oder Aaubgriffe in die Zollkaffen. So werden sich Tokio und Aanling irgendwie ver­tragen oder auseinandersetzen müssen: und das Ergebnis braucht gar nicht der Schaden Muk- dens zu sein, sondern ist vielleicht der Beginn seine» Ausstiegs zum Mittelpunki eines werdenden Pufferstaats, in dem oder an dessenRäubern sich Aanking und Tolio bk Waage halten von Da- shrngtvn überschatten

Vorstellung verpslichtcn möchte. Zur festgesetzten Zeit holten mich zwei junge Offiziere im Auw ab. Ich wurde in ein großes Lokal geführt. An den Wänden hingen strategische Skizzen und Pläne. Meine Gegner waren durchwegs jugendliche, frische Menschen mit intelligenten Gesichtszügen. Später erfuhr ich erst, wo ich war. Es war der rote Generalstab, meine Gegner gehörten zu den Leitern der Sowjetarmee.

Montevideo ist nicht nur eine Großstadt, sondern auch ein vielbesuchter Badeort mit mondänem Strandleben. Allerdings echt amerikanisch, genau eingeteilt. Zunächst kommt der billige, populäre Badeplatz. Weiter von der Stadt entfernt, der Strand des Mittelstandes, noch weiter der, wo das fafbionable Leben herrscht Und nach einstündiger Autofahrt gelangt man zum Suocriatio. zum Hotel Carrosco. Dies ist das eleganteste Hotel Südame­rikas, in welchem es keine Einzelzimmer gibt, son­dern nur prunkvoll ausgestattete Appartements.

Hier wurde im Jahre 1922 ein südamerikanisches Schachturnier abgehasten. Alle Teilnehmer waren Gäste dieses Luxushotels. Der erste Preis des Tur- niers war 10(10 Pesos (ein uruguanifcher Peso gleich ein Dollar). Ein guter argentinischer Schach­spieler. der aber doch in einem internationalen Schachturnier kaum hatte mittun können, wurde Sieger.

Als ich einige Jahre später in Montevideo war, erzählte mir der Veranstalter dieses Turniers, daß er ursprünglich auch die europäischer. Meister ein­laben wollte. Die Regierung hatte sich bereit er­klärt, diese in einem Staatsschilfe abzuholcn. Aber schließlich tagte man sich, daß man doch den be­rühmten Schachmeistern Europas nicht zumuten könne, bei so bescheidenen Bedingungen an einem Turnier teilzunehmen. Zur selben Zeit es war die mitteleuropäische Inflationszeit und die Tlchechoslowakei galt als hochvalutarisches Land spielten diele selben berühmten Meister em Tur­nier in Teplitz-Schönau. Der erste Preis war 3000 TscheWen-Kronen, was damals zwar viele Millio­nen Mark, aber nur 85 Dollar waren.

Ein Ozeandampfer strebt der südlichen Hemi- Iphäre zu. 3n der ersten Klasie nach dem Diner. Tarnen und Herren in Abendkleidung. Jazzmusik, moderne Tänze, Bein und Sekt. An einem Tisch, an dem hauptsächlich ältere Tarnen sitzen, wird bar-

Dafür hat da» Reichsgesundheit^a.nt aber auch viel zu leisten. Es muß menfchl-.che und tierische Äranfbcikm ersericheir Statistiken über den Ge­sundheitszustand der Devöllerung aufstellen, ge- fetz^eberllche Maßnahmen vorichleaen Verwal- hin i#anorbnungen erlösten u.'d Gutachten er­statte . 31 r fr rrftingtarb it nben iura*, tat bo«* Institut in Dahlem das aui einem v er Hektar großen Grundstück errichtet worden ist. Um zu verhindern daß sich die umwohnende Bevöltirung ober die Sva-iergängcr mit den Ichiecklichen Ärantbciten infizieren können deren Erreger in der Beriuchsvinstatt stet» vorhai-.den sind, ist der ganze Komplet von einem fünfzig Meter breiten Schutzgütte! umgeben, der mit Väumen bepflanzt ist: innerhalb dieser Umfrie­dung liegen die Stallungen, die Vaboratonen und Dienstwohnungen d.r bakteriologischen Ab­teilung. drei Geflügelhäufer. Proiozocnlabora- tonen mit Teichen und Aguarien sowie fünf Wohnhäuser Sine sehr große Zahl von Versuchstieren. Amber und Pferde. Allen. Kaninchen. Mcerschw.incheii. Aalten Maule und Hühner müfien dort jährlich zum Wohl der Menfchh.'it ihr Leben lallen. In einem riesigen Schuppen steht Käsig an Käfig und von den in mehreren Gtagen übereinander hausenden Aage- tirren werden an .Großkampftagen' zuweilen mehrere Hundert mit Krankheitöleimen geimpft. Dann beobachten die Aerzte sorgfältig jede Krankheitserscheinung. die sich an den Impflingen zeigt. Heilmittel werden erprobt, neue Medika­mente in den modern eingerichteten Laboratorien, die das Haus vom Dach bi» zum Keller füllen, ersonnen der Gntwicklungsgang der Ba.zlllen. der Lpirochaeten und Protozoen genau verfolgt, ihre LcbenSbedingungen in den Bafterienfulturcn und im Tiervrper studiert. Daneben werden aber auch andere Schädlinge de» Körper», Gifte. Kalkstaub und andere gewerblich? Gefahren, wissenfchastlich untersucht und sachverständig be- kämpst Die Wände de» Treppenhausc» find mit Gemälden geschmückt, die an tionen in ferne Länder erinnern, von denen d.e Forschungsreise, die im Jahre 1906 unter der Leitung von Robert Koch nach Ostasrika sührte und der Erforschung der Schlafkrank­heit diente, wohl die bekannteste ist.

Ungeheuer groß ist da» Arbeitsgebiet, das in dem Dahlemer Institut seit der Eröffnung am 1. April 1906 beackert wurde Die wissenschast- lichen Arbeiten beschäftigten sich mit der Technik der Desinfektion, e» wurde in Dahlem feftgeflellt, auf welche Weise Bakterienkulturen mit der Post von einem wissenschaftlichen Institut zum andern verschickt werden dürfen da» ist eine sehr ver­antwortungsvolle Lache, da eine beschädigte Scn- dung leicht zum Ausbruch einer gesährlichen Epi­demie führen kann, man überlegte in der Versuchsanstalt, wie Seeschiffe und Gisenbahnen bei Seuchengefahr zu behandeln sind, und die De- Icfrrten erforschten schNeßlich einzelne Seuchen, z. B. die LH vier a, an der in Deutschland im Jahre 1918 immerhin noch 18 Zivilpersonen star­ben. Da die Pest besonders von den SchiftSratten übertragen wird, wurde der AatteTwemichtung besondere Aufmerksamkeit geschenkt, und es be­steht im Dahlemer Gebäude ein Pest labora- torium, das sofort alle Maßnahmen zum Er­kennen und zur Dekampfung der Krankheit tref­fen fann, falls einmal durch irgendeinen unglück­lichen Zufall ein Pestkranker nach Deutschland gelangen und irgendwo eine kleine Spidern le auffladem sollte Wehr wissenschaftliche» In­teresse al» praktische Bedeutung hak das Le­pralaboratorium, da an dieser Krankheit, die meist AuSsatz genormt wird und im Mittel­alter auch in Deutschland alsMieftlsuchf häu­figer vorkam. während im Jahre 1925 in Deutsch­land nur zehn Leute an der Lepra erkrankt waren. Auch das Pockenznstifut ist infolge der Schutzimpfung heute in der Hauptsache nur noch eine wissenschaftliche Forschungsstättc: im Jahre 1925 zählte man in Deutschland 24 Kranke, von denen neun starben, während noch im Jahre 1871 von IV* Million Gekrankter 162 000 ihr Leben liehen. Der Triumph der Wissenschaft in der Pockenbekämpfung ist um so größer, qls der Erreger dieser furchtbaren Krankheit vor­

über getuschctt, ob das Paar, das in Lissabon zu- gestiegen ist, auch tatsächlich richtig verheiratet ist. Kurz, inmitten der unendlichen Weite des Ozcans ist es gelungen, eine Stätte rnenfchltcher Kultur zu schaffen.

In der Bar unterhalten sich einige Welten- bummlcr, wie man fie auf solchen Schissen immer findet, die nirgends ein f^eim haben und überall zuhause sind. Man tauscht Erinnerungen aus, über die Nachtlokale von Rio, über die Tollheiten bes dortigen Karnevals. Man bebatilert, ob es vorteil­hafter fei, ein Haus in Buenos-Aires oder In Kap­stadt zu erwerben, ob die Verpflegung auf deut­schen ober französischen Dampfern besser sei, und man findet, daß die Erde lächerlich klein ist

Vom Deck aus kann man den Sternenhimmel sehen, so klar, so groß, fo erhaben, daß es sich allein um dieses Anblicks willen verlohnen würde, eine Seereise zu machen. Aber niemand hat Zett, ihn ^u betrachten. Die Klänge des Charleston, die Schritte der Tanzenden, die Stimmen, die unter dem Einflüsse des Alkohols lauter werden, vermengen sich mit dem Stampfen der Maschine und dem Brausen des Meeres.

Oer Andrang zum Hochschulstudium.

Nach den Erhebungen an den wissenschaftlichen Hochschulen im Deutschen Reich im Sommersemester 1927 und im Wintersemester 1927,2M betrug die Gesamtzahl der immatrikulierten Studenten 203 093. Die Zahl der Studierenden überstieg in diesen beiden Semestern zum erstenmal die Ziffer 100000, und damit wird der noch immer sich verstärkende Andrang zum roissenschaftllchcn Stu- bium gekennzeichnet. Die Zunahme der Gesamt^ihl der Studierenden wird auf die starke Zunahme der Studierenden an den Unioerfitä- t e n zurückgeführt. Der Anteil der weiblichen Studierenden an der Gesamtzahl hat sich übrigens auch weiterhin verstärkt. Don den einzelnen Stu- dienfächern zeigen seit dem Sommersemester 1925 besonders starke und stetige Zunahme des Gesamt- beftanbes die Fächer, die auf die Lehrberufe oorbereiten. Nur in geringem Umfange hat das Stu­dium der Rechts-, Staats- und D i r t fchaftswiffenschaften ^genommen, wäh­rend allgemein die technischen Fächer, mit Aus­nahme des Baufachs, die Landwittfchaft und die Pharmazie abgenommen haberr.

Oie Festung -er Mikrobenjäger.

Künstlich gezüchtete Krankheiten. Wie das ^eichsgesundheitsamt pest, Cholera, Aussah und Tuberkulose bekämpft.

Von Or. Hugo Berliher.

Don dcr Oefsentlichkeit unbeachtet, sorgt die Versuchsanstalt de» Reich»- gefundheitSamteSin Berlin-Dahlem dafür, daß dos deutsche Volk von schweren Epidemien verschont bleibt, älnser Mit­arbeiter schildert hier anschaulich die Ar­beitsweise deS Institut», das man nur unter Beachtung großer Vorsichtsmaßnah­men betreten darf.

Ein großes, rotes, vierstöckiges Gebäude, daS wie eine Festung ausfieht und an der Vorderseite von hohen Maucttr und einem Sisengitter um­geben ist, zieht in Dahlem, nicht weit vom Berliner Botanischen Garten, die Blicke der Spaziergänger auf sich. Gelingt es, daS Gebäude zu betreten, so schlägt dem Besucher der charakte­ristische Krantcnhausgeruch entgegen. Ader dieses Institut dient nur mittelbar dazu, kranken Men­schen Hilfe zu bringen; es ist die DersuchS- abteilung des ReichSgesundbeitS- a in te », und man könnte eS ein Seuchenla.zarett für Tiere nennen, da in dieser Forschungsstätte Mäuse, Ratten. Hunde. Kaninchen und Asien von furchtbaren Krankheiten, die künstlich In ihnen hervorgerufen worden sind, geheilt werden sollen.

Dies« Tierversuche bereiten die Seuchenab- wehr vor. die daS ReichsgesundheitSamt für das ganze Deutsche Reich zu leiten hat. In den 52 Jahren, die das Amt dieser Pflicht genügt, hat es seine Arbeiten außerordentlich erweitett. Gs wurde im Jahre 1876 al» Kaiserliches Ge­sundheitsamt unter der Leitung von Struck gegründet und war zuerst sehr bescheiden in einer Mietwohnung in der Luisen strafte in Berlin unteraebracht. Damals hatieeS außer zwci tollen- fchaftttchen Mitgliedern nur noch v er Angestellte. Heute nimmt das AeichsgelundhcU:arnt nicht nur ein mächtiges Gebäude in der Klopstockstraße in Berlin in Anspruch, sondern besitzt auch umfang­reiche Forschungsinstitute in der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Akademie sowie die Versuchs­anstalt in Dahlem, und eS unterhält eine chemisch- hygienische, eine medizinische, eine tierärztliche und bakteriologische Abte, ung. Die tierärztlichen und bakteriologischen Forschungsinstitute sind in Dahlem untergebracht. Das ganze Amt zählte im Jahre 192v einschließlich der wissenschcht- lichen Mitglieder und aller Hilfsbeamten 120 An­gestellte und hatte jährlich für seine lausenden Ausgaben 1,3 Millionen Mark zur Verfügung.