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Aus der?>ovinzialhaupista^.

S icben, den 16. 3ufi 1923.

Oer Bahnhof

3n der Aeiteteit erwacht so mancher Heine und tkinfte Bahnhof. der bisher, besonders im Winter, recht oer'chtcisen balag. zu ungeahntem Leben.

Konzert des Oroßrussischen Tlational- OrchesterS W. H. B.

Dal Großruftische Rattonal-Orchcster WHB. hot am Freitagabend im Stadttheater eine Fülle 'chönster russischer Volkskunst. ES war ein außer- ordentlicher Genuß, diesen vornehm musizieren­den Aussen zuzußorcn. Die Klangwirkung des mit zwei Hauptinstrumentengruppen (Domra und Balalaika) zusammenaesehten Orchesters ist srap- pserend und der Eindruck daher der beste DaS Akelodieinstrument ist die Domra, die wahr­scheinlich von der persischen Tambura abstammt. Die Spielweise ähnelt der der Mandoline, aller­dings ist die Grifftechnik anders, und vor allem ist Der Ton weicher und wärmer, als bei der Mandoline. Die Balalaika stammt jedensallS wieder von der Domra ab. Zur Zeit Peters des Drohen wird sie erstmalig erwähnt. Sie ist durch ihre Stimmung in der Hauptsache Akkord- instruuient, aber auch als Melodicinstrument vorzüglich geeignet. Schreiber dieser Zeilen batte im vorigen Jahre Gelegenheit, die Balalaika durch einen Aussen näher kennenzulcrnen, und konnte dabei die wirklich erstaunlichen Klangmög- hchleiten bei Instruments fest stell en, die sie ganz besonders zur Zusammenfassung im Orchester ge­eignet machen.

Die erste Abteilung der fast zu reichhaltigen BortraaSsolge bestritt baß Orchester unter seinem rortrefflidKn Leiter A. M i ch a i l o w s k i j. Daß Orchester folgt den Zeichen des Dirigenten mit

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®räbet am b auS IMn» rletzten b- °rrer Lvtzve, »erden bet 4v eüte. Der g». lumen zu suchen, ruber nicht be- bestig gewesen men kein Stein Dir Srplvsumt- tenmeer gehüllt, "ere Äplolionen iag noch einmal Tidlosion Viren l)rrrn üomchna . Mbri, , nnechnlb btt jcgen. Fenhkrschei- en au-gerissen, die ml des tatkräftigen chmidt jun., der r Feuerwehren der : eine weitere lud- ne Zweisd toeitete i hätte, vemieden. vcrsabrik hat ein »olizei die Dache

deren Dagen frohe Lugen und Gelichter schauen, Lachen ertönt und Gefchre. Biele Menschen lommen und gehen, da- hört den ganzen Tag nicht mehr auf. Die Dorfbewohner sammeln sich an ihrem Bahnhof und beobachten die herteren und auch tragllomischen Szenen, die daß Geben der Reift mit sich bringt. Aeue Menschen treten in chren Gesichtskreis ein. bekannte Gelichter und Gestalten führt der Zug wieder mit in die un­erreichbar dünkende. glänzende Ferne.

Auf bieten Schienen rollen nicht nur Züge, 'ondern auch Gelb, und mit bietem Gelbe Der- dienst. Leben und Entwickelung. 6ie verknüpfen den Ort mit dem Strom bet Dell. Der Bahnhof 't der Hafen, von wo auS mancher mit stolzen klären ausgelaufen ist. der mit feiner £tetmat unzufrieden war. um später im gleichen Bahn­hof wieder zurückzukehren al- ein Oebcmutigtcr. testen legte Zuflucht diese inzwischen mit Höch- ter Schätzung bedachte Heimat wurde

Der Bahnhof die Lunge der Stadt, die Schie­rn. die Adern deS LebenSgewelts der Gegend: «ie machen Land und Leute mit der groben Dell Mrtraut. Hier pulsiert steteS. gegenseitiges (Se­hen und Empfangen An den Bahnhöfen fahren in zahlten Zügen Menschenleben und Schick­sale vorbei die zu zeichnen keine- Menschen Gestaltung-krast vermöchte. DaS alle- ist durch jene Sperren gegangen, an denen die Fahrkarten dorgezeigt und abgegeben werden müssen!

Denn er reden könnte, der Bahnhof: et wäre I imstande, eine ungeheure Mosaik von mensch­lichem Leben. Dagen. Hoffen und Scheitern zu entwerfen. Aber zum Rachsinnen hat er keine , Äcit. Als Tempel der jagenden. biS auf die Sekunde eingcteilten Gegenwart steht er stumm da. erhaben über da- unruhige Tun und Treiben, für das er einst erbaut wurde. L. D.

ausgezeichneter Präzision und Sicherheit und entfaltet dabei alle Möglichkeiten der Kvntrastlc- rung. Einzelnes auS den verschiedenen Pro- grammnummern hervorzuheben. ist eigentlich nicht möglich. Besondere Erwähnung verdient aber doch daß leidenschaftlich-sehnsuchtsvolle Duett in dem 6ag aus der .Kaukasischen Suite. baß von den beiden S vielem sehr wirkungsvoll und klangschön vermittelt wurde. Eine reizende .Imi­tation einer Spieldose'' wurde zugegeben. Al- Einlage folgten bann zwei Arien aus Opern von Musorglsv und Glinka, von einem Mitglied der Truppe lehr gehaltvoll vorgetragen und vorn Orchester begleitet. Dann zeigte un- Elisa­beth Dolgina mit einer .Orientalischen Phantasie" und einem .Balle caprice eine außerordentliche Virtuosität auf der Balalaika. Sie führte auf dem Instrument die schwierigsten Passagen und Figuren mit einer louveränen Leichtigkeit und in tadelloser Reinheit aui. dast eS eine ^anz besondere ,Frcudc war. ihr zuzu- hören. Hier war die Balalaika stellenweise reines Melodieinstrurnent mit einem durch Vibrieren der Hand auf der Decke encugten. sehr ttag- fähigen Ton. Stürmischer BeifÄl lohnte diele Darbietung und eine Zugabe war der Dank. AIS zweite Einlage fang ein Tenor mit weicher und klarer Stimme zwei russische Volkslieder. Hier wurden sogar zwei Zugaben gegeben.

Drei Tänze. . Bauernland (0. Dimitrijew- ffij).Russischer Xanx (S. Sawin) und ".Bo­jarentanz" (Anna Tfcherv und S. Dimitrijcw- fkij) beschlossen den zweiten Teil. Echt ruiftsch mit Feuer und Schtvung, schar, rhythmisiert.

Im dritten Teil stellte sich bann der unter 2l. DubatoffS Geltung stehende Thor vor. Ein geschulter Klangkörper, der aber von seiner Ursprünglichkeit nichts eingebüht hat. dem man keinen BereinSbrill anmerkt, sondern der mit feinen schönen Stimmen auS dem Innersten heraus musiziert. Die »Klosterlegende von den zwölf Räubern", abwechselnd Chor und Baßsolo (Tschub) mit summender Chorbegleitung, und das Wolgaschlepperlied hinterließen einen tiefen Ein­druck. Das letztere wurde zur Hälfte wiederholt und schließlich noch eine weitere Zugabe gegeben. Ein »Ukrainischer Tanz", von Anna Tschery, S. Sawin und S. Dimitrijewfkii mei­sterhaft auSgeführt, beschloß den genußreichen Abend.

Dar der Besuch wohl infolge der Witterung auch schwach, so kann daS V/llll.-Orchester doch mit dem ideellen Srsolg vollauf zufrieden fein. Der außerordentlich starke Beifall der kleinen Gemeinde bewies das. Dir wollen hoffen, daß wir das Orchester zu einer für solche Veran­staltungen geeigneteren Zeit einmal wieder hören können z.

Zirkus Krone in Gießen.

Irn heutigen Anzeigenteil kündigt der Zir­kus Krone für morgen, Dienstagabend, die Eröffnungsvorstellung feines auf vier Tage bestimmten Gießener Gastfpiels an. Die Zirkus-Zeltstadt wird ihren Standort auf dem Trieb haben. Insgesamt bringt der Zir­kus, wie man uns mitteilt, über 700 großenteils erotische Tiere mit. Allein an Raubtieren sind 36 bengalische und sibirische Tiger, 33 ost-, west- und südafrikanische Löwen, argentinische Silber­löwen .Pumas), afrikanische Geparden, Jaguare von den Sundainfeln, Geparden, Hyänen, Wölfe, Luchse, zwanzig Eisbären, eine große Anzahl Braunbären, Lippenbären und Waschbären vor­handen. Die Zahl der Pferde beträgt rund 235, einschließlich der Ponys. Als nahe Verwandte findet man eine große Anzahl ZebraS, QuaggaS und Zebrviden. Der Clou des großen zoologischen Garten- deS ZirkuS Krone sind 23 Elefanten. Der größte unter ihnen, .Loecky". mißt 3.10 Meter vom Scheitel bis zur Sohle, er wiegt

127 Zentner unb frißt täglich zwei Zentner Heu. acht Brote unb ungefähr einen Zentner anderer blverser Kleinigkeiten lLieS gekochte Äanoffeln Mohrrüben. Haier usw) Unter den selteneren, ctjr wertvollen Tieren befinben sich zwei Amei­senbären auS Bolivien, zwei riesige See-Slefan- len aus dem Südpolarmeer ufto Weiter sind an erotischen Tieren erwähnenswert Alliga­toren. Riesenfchildkröten von den Galapagvs- Inseln. Tigerschlangen. Abgottlchllinaen. Wafter- riesenschlangen. Gürteltiere, afrikanische Stachel­schweine. Ässen en grvS. Pelikan. Marabu-, fübamerikanifche. teil- sprechende Papageien in Masten

Die große Zirkusarena bietet in-gesamt 10 000 Zuschauern Sitzgelegenheit. Da- getarnte Pro­gramm umfaßt 96 Hummern. Man beachte die heutige Anzeige.

Vornotizen.

Tageskalen der für Montag. Lichtsp.echaus, Dahnho'straße: .Die Dame mit dem Tigerfell'. Astoria-Lichtspiele .Onkel TomS Hütte'.

Rentner @ u ft a d Schmidt t- Am 12. Juli starb nach längerer, schwerer Krankheit der langjährige Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe be» Deutschen Renlnerdundes. der Rentner Gustav Schmidt. Er war lange Jahre durch da» Ver­trauen de» Rentnerbundes Mitglied der früheren städtischen Deputation für Rentnerfürsorge und zu­letzt des Rentnerfürsorgeausschusses gewesen. Er hat für die Besserung des Schicksal» der Rentner jähre- lang unermüdliche und aufopfernde Arbeit geleistet Seine Klugheit und Umsicht, seine geschäftliche Er­fahrung, aber auch nicht zuletzt daß er_bie Der- tretunq der Rentner bei den amtlichen Stellen zu einer recht angenehmen Zusammenarbeit zu gestalten wußte, hat seine Tätigkeit besonders fruchtbar und wirkungsvoll gemacht.

* Verlegung der Sommerserien in Hessen gefordert. Beim Hessischen Land­tag ist folgender Antrag deS Abg. Reiber (Dem.) eingegangen: ..Die Regierung wird er­sucht die Sommerferien an sämtlichen Schulen des Landes so zu legen, daß die Woche, in der der 11. AuMist iRe.chsverfafsungstag) liegt, nicht in di« Serien fällt. Ist der 11. August ein Sonntag, so dürfen etwa anschließende Ferien frühestens Montags (12. August) beginnen."

* Aufgehobene Straßensperrun­gen. Vom Oberhessischen Automoibl-Club E. D. (A. v. D.), Gießen, werden uns folgende aufge­hobene Etraßensperinngen mitgeteilt: Utphe Berstadt im Zuge der Straße Grünberg HungenFriedberg ab 11. Juli: Berstadt Grundschwalheim im Zuge der Straße BerstadtVidda. GießenReiskirchen im Zuge der Straße GießenFulda.

* ©in Autozusammenstoß ereignete sich am SamStabend in bet Qlorbanlage Ecke Aster- Weg. An dieser Straßenkreuzung würbe ein aus dem Hinteren Astcrweg kommendes Personenauto eines hiesigen Fuhrunternehmens von einem die Aordanlage entlangsahrcnden Privat-Personen- auto in der Mitte angerannt. Der Zusammen­prall war ziemlich heftig unb hatte zur Folge, daß an dem angefahrenen Mietauto daS Tritt­brett nahezu ganz herum ergeris len und das Schutzblech am rechten Hinterrad stark verbeult wurde: außerdem platzten an dem angefahrenen Auto die Reisen beider Hinterräder. Drei In­sassen deS angefahrenen Autos blieben zum Glück unversehrt. Der Vorfall hatte eine große Men­schenansammlung zur Folge.

" Zum nächsten Abonnementston- zert unserer Militärkapelle am mor­gigen Dienstagabend wird un- mitgeteilt, daß so viele Wünsche eingegangen sind, daß es un­möglich ist, diele auch nur zum Teil befriedigen zu können. Obernrusikmeister Löb er hat aus all den Wünschen eine Musikfolge zusammen-

gestellt. die jeden Kvnzertbesucher auf feine Kosten kommen läßt. Heben den Ouvertüren zu den Opern .Fell" unb .Lamchäuter" feien die Fan­tasien au# Hoffmann- Erzählungen",Rigoletto" und ..Wartha" sowie die Hnmne unb Triumph- marich au# der Oper . A.da". unb der Wateer ..Geschichten an# dem Wienerwald" hervorgeho- ben. Auch linb einige kleine Musikstücke in der Vortragsfolge enthalten, die sicherlich von einer großen 2lnzah. Abonnenten gerne gehört wer­ben E.n Be'uch ist sehr zu empfehlen D-'S 7. Konzert findet am Freitag. 3 August, statt.

Hühn er ptft. In dem chühnerbestand des 3uhu» Drücket in Gießen, JUöbeimer Straße 6, ist die Hühnerpest auepebrodten. Gehöftsperre ist an- geordnet.

" von der Lahn. Heutige Dasterwärme der Lahn 25 (tzrad Celsius

" Die Oberh essische Viehversiche» rungSanstalt Dießen tagte gestern un­ter lehr starker Beteiligung der Oberhessischen Biehhalter in einer aiißerordentlichen Mitglieder- heriammlung im Lass Leib Der stellverirelc'.de Direktor. Oelanomierat Spieß- Friedberg, der seit Rovember 1927. nach dem Ableben deS langiäbrigcn DirettorS Hoffmann, die Anstalt leitet, war Einberufer der Versammlung auf Antrag der Mitglieder Auf Antrag des Stadtv. Balzer -Gießen wählte die Versammlung den Stadtv. Däckerobermeister L ö b e r - Gießen zum Versammlungsleiter. Direktor Spieß erstattet« Bericht über die Art der Geschäftsführung ckr begann mit den Worten .ES steht fest, daß nicht zum Vorteil der Kasse gctoirtfdjaftet wurde " Die­ser Satz stammt aus einem Antrag, der von 347 Mitgliedern der Kasse bei der Leitung eingegan­gen war Redner schilderte in kurzen Worten den Rechnungsabschluß von 1927 der Anstalt. Das Vermögen beträgt 14 382,56 Mk.. die Ein­nahmen 120 188 Mk, die Ausgaben 119 799 Mk.. so daß ein Restbestand von 389 Mk. verblieb. Die Gesamtunkosten belaufen sich aus 28 735 Mk, die absoluten Unfoften 20 158 Mk. Ausstehende Beträge waren vorhanden: am 1. Januar 1927 7426 Mk.. am 1. Januar 1928 11000 Mk.. die Rückstände betragen 15 500 Mk. Stadtv. Bal­zer teilte mit. daß das Bankguthaben am 1. Januar 1928 rund 26 000 Mk. ohne Außen­stände betragen habe Der Gesamtverlust der Kasse beziffere sich seit dem Ableben des Direk­tors Hofsmann letzt auf 23 347 Mk. Stadtv. Balzer sprach von einer leichtfertigen Ge­schäftsführung und forderte in einem Antrag den Direktor auf, sofort von seinem Posten zu- rückzutreten Aus Antrag Balzer wurde Dr. von Bent h e i m-Gießen zur Geschäftsführung biS zur Regelung durch eine demnächst stattfin­dende Generalversammlung gewählt. Bücherrevi­sor Jäger-Gießen wurde mit der Revision der Kassenbücher beauftragt. Stadtv. Balzer kam auch auf die Tätigkeit des Ausschusses alS mit­verantwortlicher Faktor der Anstalt ^u sprechen unb machte ihn für die schlechte Geschäftsführung mithaftbar. Ferner stellt Balzer den Antrag auf sofortige Absetzung deS derzeitigen Verwaltungs­ausschusses und auf Wahl eines Prüfungsaus­schusses. Ein Mitglied deS DerwaltunaSauSschus- ses stellte einen Antrag auf gerichtliche Aufklä­rung der Geschäftsführung der Anstalt. Dieter Antrag wurde abaelehnt. Hieraus sahen sich einige Mitglieder des VerwaltungSausschusses veran­laßt, den Saal zu verlassen. Zum Schluß wurde ein Antrag Balzer einstimmig angenommen: .Die vom Vorstand für nächsten Sonntag anberaumte Mitgliederversammlung findet nicht statt. Die nächste Versammlung wird in Gießen abge­palten. Man ist gespannt, wie der Konflikt in der Versicherungsanstalt ausgehen wird.

Auftrieb zum heutigen Frank­furter Schlachtviehmarkt: 462 Ochsen, 121 Bullen. 771 Kühe, 410 Färsen, 686 Kälber, 37 Schafe, 5428 Schweine.

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