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Nr. 140 vierter Matt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Samstag, 16. Znni (928

König Gustaf von Schweden.

3um70 HcburtotaflröröAönigeam 16 Juni

Don unserem v. 54 -Berichterstatter.

Nachdruck, auch mlf Outllenangabe, verboten. Stockholm, 3uni 1928.

2m 16. 3uni «eiert das schwedische Doll den 70. Geburtstag seine- König«. Dicht etwa eine dem ThroN nahestehende Schicht, sondern die gesamte Dativ n, ohne llnier1d):eb der Par­teien oder politischen Glaubensbekenntnisse. »>« leiert ihn so. wie man wohl den Geburtstag eines vornehmen, gütigen alten Herrn begehen mag eines väterlichen freundes, aus dessen unwandelbare Treue und Hrlssbereitschafl man nie vergebens gebaut hat. Mit dem Gefühl der Ehrfurcht vor dem gefrönten Haupt mischt sich unverfälschte persönliche DnhLnglichkeit, die dem durch und durch lauteren Menschen mehr noch als dem Herrscher gilt Wer die Wesensart und den Lharakter des Könias kennt, wird auch wissen, daß gerade diese Art Liebe und Anhänglichkeit das schönste Ge­schenk ift. das sein Doll ihm darbringen lärm. Es, fällt ihm nicht mühelos in den Schoß, son­dern ift die Frucht und der Dank eine« durch Arbeit, Pslichtersüllung und schlichte Selbstlosig­keit gekennzeichneten Dasein-

Ais Gustas V. Adolf im Jahre 1907 den Thron bestieg, war der vierundvierHigjährige Mann weder beliebt noch unbeliebt, sondern so gut wie unbekannt Bescheiden, ftill und zurückhaltend stand er als Kronprinz im Schat­ten seines überaus repräsentativen, vorn Schick­sal in jeder Hinsicht glanzvoll ausgestatteten Baiers. Sowohl Oscar II. wie dessen Bruder und Vorgänger Earl XV. waren Persönlichkeiten, deren angeborene Ta­lente und strahlender Eharme das Volk rm Sturm eroberten. Um populär zu sein, brauch­ten sie nichts andere- zu tun, al- ihrer glück­lichen Habit zu folgen und die Volk-gunst als einen selbstverständlichen Tribut einzuheimsen. König Gustas verfügt nicht über die Fähigkeit seines Oheims hoch und niedrig in gleicher Weis« durch ein paar heiter hingeworsene Worte am rechten Fleck tu packen, mit den Herren Herr, mit den SvDaien Soldat und mit den Bauern Bauer zu sein: auch nicht über die Gabe de- Vaters, in 22 lebenden und toten Sprachen geistreich zu plaudern. Denn er heute vielleicht nicht weniger Liebe erntet, al- jene ernpsangen haben, so ist das in erster Linie daraus zurückzusühren, bah er selber Liebe gab. und daß sein einfache-, ungekünsteltes Auf­treten so schwedisch wie nur möglich wirkt. Sine gewisse nordische Herbheit und Steifheit der äußeren Formen, ein au-geprägier Trust der Lebensauffassung mildert sich bei ihm durch stets füblbares Wohlwollen. Diese Verbindung von Gute. HerAensloyalität, Selbstdisziplin und männ­licher Wurde verkeiht Gustas V. ein Gepräge und eine Position, die wir Im besten Sinne .köniaNch" zu nennen pflegen. Seiner ruhigen Schlichtheit ift nichts unangenehmer al- Auf­machung^ Prunk und Schmeichelei und wenn man alles zusammenfastt, dann wird unwill­kürlich die Erinnerung an einen deutschen Herr­scher wach Kaiser Wilhelm I. Kürzlich sagte mir ein dem König seit vielen Jahren persönlich nahestehender, schwedischer Diplomat, Daß er es auch beim ungejtoungenflen Zusam­mensein noch kein einzige- Mal verabsäumt habe, die Anrede .Majestät' zu brauchen und fügte hinzu: .SS ift doch merkwürdig, dah man den König in ihm nie vergißt, obgleich er ihn niemals bewutzt hervvrkehrt oder auch nur an­deutet."

Bei offiziellen Gelegenheiten bevorzugt Gu­staf V. die Uniform, doch sieht man ihn noch viel häufiger im schlichten Zivil wo- für die Stockholmer da- Zeichen ist, dah er als Privatmann zu gelten wünscht. 3n solchen gäl­ten soll man ihn aus höflicher Rücksicht eigentlich nur bann grüßen, wenn man den alten Herrn persönlich lennt, doch ist der .Be­kanntenkreis" des König- in allen Schichten der Bevöllerung so groß, daß die Druhhand nie aut Ruhe kommt. 3n Stockholm gilt übrigen« die Verkehrsregel, dah man immer auf dem

mente verstehe. Diese Aeußerungen Doll stärksten Widerhall und führte

fanden im

irien zu einer

Spendensammlung für das Panzerschiff, die in kurzer Zeit mehr als 16 Millionen Kronen ein­brachte. Der Kamps ging jedoch weiter und sand erst seinen Abschluß, als ein gewaltiger Dauemzug aus allen Teilen de- Landes am

linken Bürgersteig zu gehen hat. Wer gegen den Strom schw.mm:, wird polizeilich .umge- leitet". AI- König Gustaf sich einmal einer .Zuwiderhandlung" schuldig machte, trat der nächste Schuhmann pslichtgemäh vor ihn hin und stotterte verlegen: .Sure Majestät hallen au Gnaden aber Sie geben falsch!' Worauf der Monarch sich lächelnd fügte.

Vormittag- pflegt Gustas V. bi« zum heu­tigen Tage sehr häufig die kurzsichtigen Augen mit zwei Paar Gläsern bewaffnet in der Tennishalle beim Stadion eine Partie zu mach: i. Al- Mitspieler werden al- wäre da« b.c selbstverständlichste Sache der Weit die jeweils Anwesenden (oft Studenten» herangezogen Sine tiefe Hosverbeugung ift dabei durchaus verpönt und der überleben-grobe alte Herr legt einem gleich abwehrend die Hand auf die Schulter, wenn man verdächtige An­stalten dazu macht Bei einer solchen Gele­genheit stellte sich der König einer frisch zu­gereisten Tennisspielerin und Diplomatengattin vor und nannte dazu ganz schlicht feinen Da­men .Gustas". (Vielleicht fetzte er auch da« Wort .König' voran, doch wurde es von nie­mand gehört). Die junge Dame erkannte ihn nicht und war wohl kaum auf eine so zwang­lose Begegnung mrt dem Staatsoberhaupt vor­bereitet. Jedenfalls hielt sie die Vorstellung für einen schwedischen Scherz, machte einen schel­mischen Knick- und antwortete prompt: .Slsef Die Situation war dem König sicher neu. doch fand er sich mit einem herzlichen Lachen hinein und tröstete noch dazu die vor Schreck außer Fassung geratene Sünderin. Heben dem TenniSsport bildet die 3 a g d die liebste Zer­streuung und Erholung Gustaf V. Er gilt für einen guten Schützen und braucht, bei seiner Rüstigkeit, körperliche Anstrengungen nicht zu scheuen.

Das Herrscheramt hat an den schwedischen König in feiner 2bjährigen RegierungSzeit nicht geringe Anforderungen gesteift, doch ist er ihnen immer mit sicherem Instinkt und ruhiger Snt» schluhkrast gerecht geworden. Dah Schweden heute in bezug auf da- Verkehrswesen, die Entwicklung der Landwirtschaft, die soziale Ge­setzgebung usw. eine geradezu vorbildliche Stellung einnimmt, ist nicht zum geringsten Tell seiner Einsicht und Förderung zu danken. Die gesamte 'Bevölkerung deS Landes ist ausgespro­chen demokratisch gesinnt, doch hat diese Ein­stellung e*nen stark aristokratischen und trabi- tionsbewuhten Unterton, der einen Begriff«- vergleich mit dem Kontinent nicht recht -uläht. König Gustaf ist in dieser Atmosphäre groh ge­worden und hat a. B. mit dem späteren So­zia listens ührer Hjalmar B r a n t i n g die gleiche Schulbank gedruckt. Daraus ist eS wohl zu er­klären. daß ihm der zu Verfassung und Gesetz gereifte Wille der Ration stets unantastbar heilig war und dah er heute alS TypuS eine« modernen, konstitutionellen Monarchen gelten kann.

Dur einmal hat er direkt und entscheideist» in das Innerpvlltische Schicksal seines Landes eingegriffen, indem er durch eine Art .Staats­streich" die Verfassung gegen das eigene Mi­nisterium schützte. Ds handelte fich dabei um di« Frage der Landesverteidigung, die, fett der Hebernafome der Regierung durch das li­berale Kabinett ötaaff (1911), die Partei­leidenschaften bis zum Siedepunkt erhitzt hatte. Trotz der durch den italienisch-türkischen Tripv- liSkrieg gegebenen ..Brandwarnung" nahm Staafs unter völliger Verkennung oder Dichtachtung der DollSstimmung den Kampf gegen alle militärischen Neuanschaffungen auf. Er ging so weit, den vom Reichstag beschlossenen Dau eines Paiizerschiffes aus eigener Machtvollkommenheit hinauszuschieben. König Gustaf erklärte im Staatsrat, dah er diese Schwächung der Landes­verteidigung tief bedauere und lieh in daS Pro­tokoll die Bemerkung aufnehmen, dah ein der­artiger Schritt feiner Meinung nach gegen d i e Konstitution und die Rechte des Paria-

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Roman non Gbgar Wallace.

Cöpyrifhi by Wilhelm Goldmann. Verlag. Leipzig. 32. öortteBung Nachdruck verboten.

Ein Streichholz flammte auf. Sie sah lange graue Hände mit unsauberen Nägeln. Die Flamme setzte stch auf einem Petroleumbrcnner fest. Der Glas­zylinder wurde darüber geschoben. Dor ihr stand ein mittelgroßer dürrer Mann mit einem Gesicht wie verrunzelte» Leder, in dem zwei düstere Augen in tiefen Hohlen brannten. Ein lanaer schwarrer Bart verbarg den Schnitt feine» Munde» und hing über die ©ruft herab. Der fleckige, altmodische Gehrock schlotterte über ungebügelien Beinkleidern. Eine kleine schwarze Kappe verhüllte den fjinterfopf. Er sah aus wie der Hexenmeister einer Walpurgisnacht, aber anstatt daß ein neuer Strahl der Furcht bei seinem Anblick in ihrem Innern aufschoß. beruhigte ich da» Klopfen ihre» Herzen» unter seinem for­schenden Blick.

Der Mann hatte offenbar an der Tür mit den sieben Schlössern gearbeitet Sie faß feine Werk­zeugtasche auf dem Boden liegen, ein Bohrer war in den »weiten Metallschlitz geführt.

Sie sagen, man hat Sie verfolgt?" fragte er und hielt ihren Blick wie mit stählernen Klam­mem fest.

Sie nickte.

..Der hat fie denn verfolgt?" fragte er wieder.

Ein fürchterlicher Mensch." stammelte sie, ein Riese!"

(Ein Riese---?"

Sein Bart bewegte sich. Unter feinem Schutz Der- schob er den Mund zu einem Lächeln.

Und warum verfolgte er Sie, junge Dame? Um drei Uhr nacht»! Dar er so amourös?"

Sybil zuckte zusammen. Doch sein Blick wirkte wie ein Schlafmittel.

Plötzlich konnte sich Sybil an nichts mehr er­innern. Sie wußte weder, warum sie verfolgt wor­den war. noch woher fie kam. Sie dachte nicht ein­mal mehr an den Riesen. Sie sah nur immer in die schwarze Tiefe dieser geschlissenen Äugen, in die da» Licht derPetroleumlampe fiel.

Setzen Sie sich", sagte er gebietend. .Ich mag nicht mit jemand sprechen, der mir bis an die

Stirn reicht/

Er deutete auf eine Bordschwelle. Sie ließ sich Sehorsom darauf nieder. Die eisige Kälte de» Stein- ödens (pürte fie nicht.

Der Fremde begann in dem schmalen Gange hin und her zu gehen. Er trug die Lampe in der Hand. Sein grotesk verzeichneter Schatten wandelte mit. Er hatte die buschigen Brauen zusammengezvgen und murmelte unverständlich vor sich hin. Sein Blick fiel auf den Bohrer. Er zog ihn au» dem Schloß, legte ihn in die Werkzeugtasche und schnürte sie sorgfältig zu. Die Lampe hatte er inzwischen auf den Boden gestellt. Dann stand er auf und starrte düster die Tür an. Seine Stirn erhellte sich erst beim Anblick der Skelette. Er streichelte zärtlich die kahlen Schädel.

Jäh wandte er sich um.

Die ast sind Sie, Sybil Lonsdown?"

Zweiundzwanzig Jahre", antwortete sie wie Im Traum.

Zu spät zu spät", sagte er bedauernd.Sie sind zu alt für meine Experimente. Ja. hätte ich Sie fünfzehn Jahre früher in meiner Gewalt ge­habt ... Er strich sich über die Stirn.Auch müß­ten Sie nicht eine Frau fein. Was sind mir Frauen?" Er tat, als knipste er verächtlich ein Stäubchen weg.Das!"

Wieder begann er feine ruhelose Wanderung, und feine Blicke schweiften dabei über die schweren ge­schnitzten Türen, hinter denen die Toten des Hauses Sflforb in feuchten Legräbnisnischen vermoderten.

Frauen", begann er wieder,sind schwaches Material für Experimente. Sie reagieren nicht nor­mal. Ein kühner Versuch wirft sie vielleicht ins Grab, und Jahre schöpferischen Aufbaues und For­schens sind vertan!"

Plötzlich blieb er vor der dritten Grabkammer zur linken Hand stehen und lauschte an der Tür.

Dann hielt er das Licht feiner Campe so, daß es auf Sybil herabströmte. Ein ganz anderer Aus- druck beherrschte fein Gesicht. Eine ungeheure Span­nung lag in feinen Zügen.

Richt wahr." fragte er behutsam,der Mann. 6er Sie verfolgte, bat Ihnen Furcht und Grauen eingeflößt?"

Sybil nickte stumm.

Er ließ die Campe sinken. Mit der anderen Hand strich er sich nachdenklich den Bart

6. Februar 1914 -m Stockholmer Schloßho' auf- marfchierte und in einer einzigartigen Kund­gebung dem König die Bereitschaft des .bolle« versicherte, alle nötigen Wehrlasteu zu tragen. König Gustaf h.ell eine von innerster lieber- zeugung durchgeh:e Ansprache, in der er u. a. aus führte, daß er das Doll nicht enttäuschen und n.emals ein Kompromiß m bezug auf das eingehen werde, wa« er für die Sicherheit des Landes für notwendig halte.

Die mir erzählt worden ist. soll ötaaff in höchster Erregung den Versuch gemacht haben, sich neben den König zu stellen, um aleichfalls zu den Massen zu sprechen. Da aber habe Kö­nigin Viktoria die Enkelin Kader Wil­helm I. ihn mit den Worten zurückgewiesen: ..Heute gibt es nur einen Platz neben dem Kö­nig. und der gehört mir!" Der Minister­präsident ließ eS zu einem offenen Konflikt mit der Krone kommen und stellte die Behaup­tung auf. daß d.e Rede des Königs gegen die Verfassung verstoßen habe. Gustaf V. gab je­doch nicht nach und ertrug es mit kühler Würde, daß die Mitglieder des Kabinetts sich bei seinem Erscheinen ün Staatsrat (angeblich) nicht von ihren Plätzen erhoben. Staaff unterlag bei den Neuwahlen und mußte dem Ministerium Hammarskjöld weichen. Der König aber hatte seinem Volle gezeigt, daß er den einmal beschrittenen Weg auch zu Ende zu gehen wisse: was ihm nicht nur starke Sympathien, sondern auch die Achtung seiner Gegner eintrug.

Doch im gleichen Jahre im Knegswinter 1914 ergriff König Gustas persönlich die 3nt- tiative zu einer außenpolitischen Aktion von größter Tragweite: er lud die Könige von Dänemark und Dorwegen sowie iyre ver­antwortlichen Minister pu einer Zusammen­kunft in Malmö ein. auf der nach feinem Wunsche die unverbrüchliche D e u t r a I i t ä t der Skandinavischen Staaten beschlossen wurde. Gu­staf V. ist dabei stets ein warmer, aufrichtiger Freund des deutschen Dolle« gewesen, hat diese Gesinnung nie verändert und oftmals in die Tat umgeseyt. Sein Wahlfpruch lautet:Mit dem Voll fürs Vaterland" und das bedeutet für ihn feine traditionelle Phrase, sondern ein Gelübde.

Wochenbericht vom Sranffurfcr Effektenmarkt.

Auch in dieser Woche war die Stimmung an der Börse unsicher und zurückhaltend, wobei die Kurse andauernden Schwankungen unterworfen waren. Die starken Einbrüche an der Deuyorker Dörte verfehlten naturgemäß ihre ungünstige Wirkung nicht und übten einen merklichen Druck auf die deutschen Märkte au«, die sich jedoch außerordentlich widerstandsfähig erwiesen. Tatsächlich waren hier kaum Verkäufe von amerikanischer Seite festAustellen. und an der Börse setzt« sich bi« Meinung durch, daß diejenigen amerikanischen Kreise, die in jüngster Zett In größerem Ausmaße deutsche Werte ge­kauft hatten, an ihrem deutschen Aktienbesitz festhatten und nicht identisch flnö mit den Grup­pen, die an der Deuvorker Börse zu starken Abgaben geschritten sind. Ferner befriedigte es, daß trotz der flauen Deuvorker Börse neben den deutschen Märkten auch die Pariser unö Brüs­seler CBÖrfen widerstandsfähig blieben. Sine ge­wisse Stütze bot ferner der Bericht des Repara- tionSagenten Parker Gilbert. Schon rein äußerlich war man über dessen ruhigen und sach­lichen Ton befriedigt, vor allem icdvch wurde die erneute Forderung auf eine endgültige Festsetzung der ReparationSsurnrne günstig aufgenommen, während man über die Stellungnahme zur Tariferhöhungsfrage bei der Reichsbahn etwas verstimmt war. Einen guten Eindruck machten die Kommentare der auslän­dischen Presse )u dem Reparationsbericht. Die Widerstandssähtgkeit der Börse war ferner in der inarkttechnischen Situation begründet. Hausse- Positionen waren nur In sehr geringem Um­fange vorhanden, dagegen solten vielfach Daisse» engagements bestanden haben. Außerdem machte sich m verschiedenen Werten ein gewisser Ma­terialmangel bemerkbar, sobald etwa- Dachfrage eintrat. Die Medivllquidation bereitete infolge-

dessen keine größeren Schwierigkeiten, doch kam am Präm.enerklärungslag entgegen den Erwar­tungen doch noch etwa« Präm:<nware an den Markt, bie bei dem geringen Gelchäst«umfange einen merklichen Druck auf da« Kursniveau au«- übte Der OVlbmath blieb trotz des Medios relativ leicht. Tagesgeld stand zum Satze von 5,5 Prozent rechlich zur Verfügung. Andevcr- setts ging von dem nur langsamen Fortgang der Verhandlungen zur Regierungsbildung eine gewisse Verstimmung aus. Ebenso war man von verschiedenen ungünstigen Konjunkturberichten wenig befriedigt. Für die tm Grunde gute Verfassung der Börte kennzeichnend war die Tallache. daß sich wieder einige Spezia 1- bewegungen entwickeln konnten, die dem Markte eine stärkere Stütze boten. So bestand für Kaliwerke wieder lebhafte« Interesse' an­geblich soll der Kaliabtetz weiter sehr befrie­digend fein. Bevorzug: waren Salzdetfurth die gegen die Vorwoche 'chließlich rund 40 Prozent gewannen. Aschersleben und Westeregeln lagen je 14 Prozent höher Lebhaft gefragt waren ferner am Markte der Autoaktien Adlerwerke norm. Kieper, die 18 Prozent anziehen konnten. Man verwies hierbei wieder auf die bekannten Versionen über die evtl. Bildung eines ?!uto­ten fie«. Don den Adlerwerken wurden jedoch jegl'.che Fusivnsverhandlungen dementiert. 3m übrigen waren bei nicht einheitlicher Kursentwick­lung Überwiegend kleine Rückgänge von etwa 1 bis 6 Prozent zu verzeichnen. Deutsche An­leihen blieben vernachlässigt, auch in ausländi­schen Renten war da« Geschäft außerordenlllch gering. Am Devisenmarkt zog der Dollar etwas an, und der französische Frank konnte sich er­holen.

Wochenbericht

vom Sranffurfcr Produktenmarkt.

Am Frankfurter Produktenmarkt war die Un­ternehmungslust der Händler in dieser Woche sehr gering. Die schwachen AuSlandnotte- rungen lösten eine größere Unsicherheit aus. so daß das Geschäft im allgemeinen sehr klein blieb, und Umsätze nur in den dringendste« Fällen zustande (amen. Die Beteiliaung des Auslandes und de« Srportes war sehr gering. 3m allgemeinen biteben die Preise gut ge­halten, da das Angebot in Weizen und Rog­gen klein blieb. Die im Verlaufe der Woche eingetroffenen Saatenstandsberichte. die im all­gemeinen günstig lauteten, drückten auf die all­gemeine Tendenz Weizen und Roggen wurde nur wenig verlangt Auch bei billigerem Angebot fand die Ware nur schwer Unterkunft Roggen, geringe Sorten, blieb gut behauptet, während bessere Qualitäten, bei billigerem Preis, ver­schiedentlich umgesetzt wurden. Da« Mehlgeschäst konnte sich nur schleppend bei einem größeren PreiSverlust entwickeln Roggenmehl hatte da­gegen etwa- regere Umfäße. und der Preis hierfür konnte sich gut behaupten. Am Futter­mittelmarkt blieben bei kleinsten Umsätzen Mai- unverändert. Weizen- und Roggenkleie waren da­gegen stärker angeboten und vernachlässigt. Zum Wochenschluß blieb die Stimmung flau Futter­mittel waren weiter angeboten, ohne daß über­haupt Umsätze zu verzeichnen waren. Auch Mehle waren weiter vernachlässigt. Roggen konnte sich bagegen gut behaupten.

5m Vergleich zu dem Dotterungen der ver­gangenen Woche waren Weizen. Weizen- und Roggenkleie je 0,25 Mark billiger, Weizenmehl gab 0,50 Mark nach Hafer geringe Sorten büßten 0,25 Mark ein. während bessere Quali­täten gut behauptet blieben Roggen und Roq- gcnmcpl ebenfalls gut behauptet. Die Woche schloß zu folgenden Dotierungen. Weizen 1, 26,5026,75, Roggen 28.50, Hafer, inL 27,75 bi« 28,50. MaiS für Futterzwecke 25, Mais für andere Zwecke 25, Weizenmehl 37,2538, Roggenmehl 39,50 40. Weizenkleie 14.25, Rog- genkteie 16,5016,75.

Wochenbericht

vom Sranffurfcr Schlachtviehmarkt.

In dieser Woche war da« Geschäft am Frank­furter Schlachtviehmarkt mittelmäßig. Der Auftrieb genügte in allen Viehgattungen. Am Rindermarkt war mittlere Qualität vorhanden.

Furcht und Grauen kann man einschläfern, wenn man will", murmelte er wie im Selbstgespräch vor sich hin.Das darf kein Hindernis sein, wenn das Ergebnis so groß ist Per Dio, das wäre ein Weg das wäre ein Abschluß, die wahre Krönung des Werkes. Wenn er nur nicht so plump wäre! Mit seiner rohen Kraft zerbricht er, was er in die Hände nimmt. Man kann die Materie nicht gewaltig und fein schaffen. Immer muß man sich im Rahmen der unvollkommenen Natur für das eine oder das andere entscheiden. Dann herrschte je ein seines Gehirn über die Faust des Riefen? Wann je be­fehligte ein rohes Gehirn eine feine Hand?"

Er schüttelte mißmutig den Kopf.

Doch zum Werk ... zum Derk!" munterte er sich auf.

Er begann in den Taschen feiner halboffenen Weste zu suchen und zog eine Glasröhre hervor. Er setzte die Lampe wieder auf den Loden, zog den Korken mit den Zähnen heraus und schüttete zwei kleine Tabletten auf feine flache Hand.

.Hier schlucken Sie die hinunter ... es wird Ihnen gut tun."

Er kicherte vor sich hin, und in der schauerlichen Grabestiefe klang sein Kichern wie das Gelächter des Bösen.

Sie hielt gehorsam die Hand hin.

Er bückte sich und nahm die Campe auf.

.Ist das nun Verhängnis?" fragte er, die Blicke nach oben gerichtet,ift es freier Wille? Do hört das eine auf, wo fängt das andere an? Rätsel über Rätsel!"

Er versenkte die Hand in die Tasche des Geh­rocks und brachte einen klirrenden Schlüsselbund zum Vorschein. Er suchte und fand einen Schlüssel, den er in die Tür der dritten Totenkammer stieß. Benn alle Türen in dieser elenden Gruft so leicht zu öffnen wären," seufzte er,wieviel Unglück und Dirrfal hätte sich dann wohl vermelden lasten!"

Plötzlich blickte er sich um und sah Sybil an.

Ich bin gewöhnt, daß mir gehorcht wird", sagte er mit durchdringender Stimme des Tons.Sie haben die Tabletten noch nicht genommen!"

Die kleinen roten Scheiben glommen wie die bös­artigen Augen eines Reptils auf ihrer weißen Horst».

Gehorchen Sie!" sagte er noch einmal, langsam und zwingend.

Willfährig hob sie ihre Hand zu den Lippen em­por. Aber etwas an dem Geruch der Tabletten wirkt- auf ihre Nerven, daß In ihrem Unterbewusst­sein ein scheues Widerstreben blieb, und sie nahm sie wohl zwischen ihre scharfen kleinen Zähne, aber sie schluckte fie nicht hinunter. Das konnte Stalettt im trüben Licht feiner Lampe nicht sehen.

Er glaubte seinen Befehl befolgt und wandte sich von ihr ab, um die Tür zur dritten Krabkammer aufzuschließen.

Im selben Moment ließ das Zwanggefühl in Sybil nach, und die Tabletten tropften in ihre Hand.

Stalettt fließ die Tür auf, die knarrend zurück­wich. Er verschwand in der Felsenkammer, ohne sich noch einmal nach Sybil umzusehen. Die Tür ftel hinter ihm zu. Das war sein Berderben und Sybils Rettung. Denn im selben Moment loste sich der Bann, und wie wenn Wolken am Himmel sich zerteilen, brach durch die Verdüsterung ihres Geistes die Sonne ihres Eigenwillen» durch. Furcht, viel tiefer und größer, als selbst der Riese ihr einzuflößen vermocht hatte, schlug wie ein Blitz in ihr ein, trieb sie auf die Füße und hetzte fie durch den Gang in die erste Kammer und bann die Ireppe hinauf. Roch hielt sie den Schlüstel in ihren verkrampften Fingern. Mechanisch schob sie die Hand durch die Stäbe und suchte nach dem Schloß. Sie fand es sofort Die übernatürliche Stimmung, in der sie sich befand, gab ihr eine wunderbare Präzision der Bewegung. Das Tor flog auf, doch als sie es schließen wollte, hörte sie aus der Tiefe der Gruft ein scharrendes Geräusch. Da ließ sie es offenstehen und warf den Schlussel ins Gras. Wie im Traum trugen sie ihre Füße von bannen. Sie blickte nicht rechts und nicht links. Sie schaute nicht nach dem Riesen. Ein unbeirr­barer Instinkt sagte ihr, baß sich bas furchtbare Dunkel, in das sie versunken war, fetzt gleich für fie lichten würde Das gab ihr Flügel und lieb ihr die Sicherheit einer Schlafwandlerin, so baß sie den Pfad durch den Wold, den Hügel abwärt» und den Weg zum Pächterhaus fand, ohne nur ein einziges Mal in die Irre zu gehen.

(Fortsetzung folgt)