Nr. KO Drittes Blatt
Kiehener Anzeiger (General-Anzeiger >ür Gberheisei.
Samstag, lo. Juni 1928
Wandern und weisen Bäder und Sommerfrischen.
Der deutsche Fremdenverkehr in Jugoslawien.
Don unserem ^etsesonderberichlersiaiter Or. Georg Strelisker.
Ragusa (Dubroronif), Juni 1928.
Bet vielen Deutschen, Venen ich auf meiner 2Ui|e läng« der balmattnifchen Äüftc begegnet bin — es find deren mehr alt man denkt da die Aufhebung des Paßvlsums zwischen Deulfchland und Jugoslawien und die verschiedenen, weltgehenben Fahrtbegünstigungcn leitens der jugvslavischen Staatsbahnen den Strom der Frühlinaswanberer aut dem Horben hierher gelenkt hatten — diese Deutschen also geben ihrer ileberraschung Ausdruck, wie freundlich und zuvorkommend sie von der einheimischen Devol- kerurzg ausgenommen werden, wie neti und reinlich, wenn auch einfach, di? meisten Unterkünfte sind unb wie wenig ble tatsächlichen Erfahrungen mit den Gerüchten übereinstimmen, die von den traurigen Verhältnissen auf dem Balkan im Umlauf sind.
Dor einiger Zeit wühle die deutsche Prelle, von stürmischen Auseinandersetzungen im Del- ar aber Parlament zu berichten. Lnlah zu diesen Skandalen bot die verwahrloste Verwaltung in verschiedenen Gegenden des jugoNawischen Staatsgebietes und eine angebliche Hungersnot in Dalmatien. Don dieser Hungersnot merkt man an der Küste allerdings mcht da- Geringste. Auch die Polizei- und DerwaltungsbehSrden verhalten sich - wenigsten» den Fremden gegenüber — liebenswürdig und zurückhaltend. Mir ist kein einziger Fall von schikanöser De- Handlung zu Ohren gekommen. 3n den Drenz- orten werben zwar die Pässe von den Dehörben Aur Kontrolle eingefordert. Aber man braucht sich nicht selbst auf die Polizei zu bemühen, sondern läßt alle Formalitäten durch seinen Wirt erledigen. Somit liegt wirklich — vom Standpunkt de« Reisenden au« - kein Anlah zu Klagen unb Beschwerden vor. Hier soll nur die K ü st e Dalmatiens in Berücksichtigung gezogen werden, zumal man über die hiesigen Verhältnisse in Deutschland noch vielfach falsche Vorstellungen hegt. Das Entgegenlommen unb die Gastfreundschaft, die man den Fremden unb besonder« dem Deutschen hier überall entgegen
bringt. ist degreislich. Die jugoslawische Regierung hat da« allergrößte Interesse daran, den Fremdenverkehr an ber kroatischen unb dalmatinischen Küste in jeber Weise zu fördern. Bei ber bestehenden Kapitalarmut ist man nicht imstande, internationale Hotels von großem Format einzurichten, die den hochgeschraubten Ansprüchen de» amerikanischen unb englischen Reise- Publikums genügen könnten. Die Deutschen hingegen gelten nicht nur al« bescheidener, sie sind e« auch Unb eben sie sind es die von Jahr zu Jahr in immer gröberem Wabe Geld in« Land bringen und ber an unb für sich armen Bevölkerung be« Küstenlandes neue T rbienft- möalichkeiten schaffen Hcucrbtng« interessiert sich auch — nebst tlchechosiowai sichern - auch reichsdeutsche« Kapital für Hotel inve- ft Klonen in dieser Gegend, so bab in einigen Jahren auch ber Komfort sich heben dürste. Merkwürdig viel deutschen Rentnern bin ich an verschiedenen Orten be« Cittoralc« begegnet, meist pensionierten Beamten, die sich hier nach dem Kriege ein kleine« Grundstück gekauft hatten unb nun in sorgloser Zufriedenheit ihren Lebensabend verbringen. Die Lebenshaltung stellt sich naturgemäb infolge deS Tiefstände« de« Dinar« verhältnismäßig bil- l i g. Uebcrbie« erhalten fremde Staatsbürger zur Zeit Steuerfreiheit, was viele veranlaßt hat, sich in dieser Gegend niederzulassen. Man hört von ihnen nur Gutes, nur Erfreuliche«. Sie alle fühlen sich hier wohl, werden in keiner Weise beschränkt und Dürfen ihr Deutschtum offen zur Schau tragen. Wie überhaupt da« Deutsche längS der ganzen Küste gewissermaßen al« zweite Landessprache bezeichnet werden kann. E« ist eben die Sprache, durch Die man sich mit den Fremden verständigt, und jeder Lastträger, jeder Fischer, jeder Kaufmann und Handwerker freut sich, wenn er mit seinen deutschen Kenntnissen. die ihm da« Geschäft und den Verdienst erleichtern, prunken bars. Aus einigen Inseln und Kurplätzen überwiegt allerdings baS tschechische Element unter den Reisenden, dennoch darf man ruhig sagen, bab die Deutschen wegen ihrer gröberen Zurückhaltung und Anspruchslosigkeit im gllgemcincn beliebter sind. Anspruchsvoll sind fie nur in punkto Reinlichkeit. Und da mub man zugeben, bah sich in dieser Beziehung in Dalmatien vieles in erfreulicher Weise gebessert hat. Die Hoteliers sind bestrebt ihre Häuser von jeglichem Unge
ziefer frtizuhalten. Rian erhält reine Bettwäsche. ordentlich gesäuberte Zimmer, die Bedienung wird von geschulten Krästen besorgt und ergibt sich dort unb Da mal ein Grund zur Beschwerde so wird sosort auf Abhilfe gesehen.
Es ist aber ein Irrtum, wenn man annimmt, bab nur bic sogenannten ersten Hotels rein unb zuverlässig sink». Gerade Die groben Etablissement». welche von den Reiseagenturen empfohlen werden, verdienen einige Vorsicht Hier wirb der starke Durchgangsverkehr nicht immer burch eine erhöhte Sauberkeit ausgeglichen. Leider kann ich der neuesten Ausgabe von Grieben» Reife- führet den Vorwurf nicht ersparen, bab ihri Empfehlungen zum Teil übertrieben sind. Die in ihr al» komfortabel angeführten Hotel« entsprechen nicht immer den Erwartungen, well gerade jene Häufet, die große Reklame schlagen, für andere Zwecke weniger investieren.
Dagegen ist man in kleineren Gasthöfen und Pensionen außerordentlich gut und wohlfeil aufgehoben. Um nur einige Hamen zu nennen: die 5 n f c I Äorcula eine der schönsten Dalmatien«. mit vielen, herrlichen AuSslugsgelegenhei- ten unb feinfanbigem Badestrand bietet Unter- fünft unb Verpflegung von 5 bi« 8 Mark. Prlvatzimmer finb immer zu haben. Dav einzige, worauf man auf dieser Insel verzichten muß - wenn man nicht eben in dem gut geführten Hotel de h ville wohnt, wo eine Schwäbin da« Küchen- zepter führt — ist da« elektrische Licht. Auch O rebic auf der Halbinsel Peliesac. am Fuße de« leicht erklimmbaren Monte Dipeta. in dessen Gebiet deutsche Sonntagsjäger auf die hier haufenweise auhrctcnben Schakale zu jagen pflegen, soll wegen feiner windgeschützten Lage besonder« vermerkt werden. Hier wachsen neben Zitronen, Datteln und Apfelsinen auch die herrlichsten Weintrauben, die bereit» im Juli zur Reife gelangen. Ebenso verdient die ruinenreiche Insel M l j e t größeren Zuspruch.
In Regula, dem heutigen Dubrownik. ist zur Zeit alles bis aus das letzte Plätzchen befent. Richt zu Unrecht nennt man diese sestungSarlig angelegte Stabt bie .Perle Dalmatien«". Man begreift, daß Tausende sich hier zusammendrän- gen, um die zahllosen Sehenswürdigkeiten und Haturschönheiten kennenzulernen. Bei längerem Ausenthalte aber ist es ratsam, sich nicht in der Stadt, sondern in der näheren Umgebung niederzulassen, wo man den Badestrand gleich vor ber Tür hat, wie etwa in der lieblichen
Bucht von Sreberno ober Im malerischen M11 ni ober in Eavtat, Dem jugoNawischen Pensionopolis ein Städtchen, dessen Reinlichkeit und Alluratesse unter diefem Breitegrab geradezu beängstigt.
Ander», ganz anders, nicht immer so glänzend, interessanter, sieht es hinter der Fremdenverkehrs afsabe Dalmatien» aus, im Innern des Lande«. Diel unerschlossene« Gebiet gibt e» da. Hundert Kilometer weiter - und man wird ein Jahrhundert zurückversetzt Eine Kleinbahn vermittelt die Verbindung mit bet Gegenwart ...
Reisewinke.
Tao Licgtat
Ss macht nicht so viel von sich reden, wie bic übrigen Seitentäler des Rhein«: Hedar, Rahe, Mosel, Lahn und Ahr. Man kennt hier keine Weinl«rge, keine romanischen und gotischen Dome — unb doch hat auch die Gefchichie im Tale der Sieg manch denkwürdigen Stein hinterlassen. In seinem Ober- und Unterlauf ist die Sieg S ötte der Arbeit, be» Gewerbe«: im Mittellauf aber beteiligt sie, mit In die Reihe der landschasilich schönsten Seitentäler des Rheine« gestellt zu werden. Das Tal wird durchzogen von ber großen Bahnlinie Köln—Betzdorf- Siegen-Gießen und ist so verkehrstechnisch für den Fremdenverkehr besten« erschlossen.
DaS Dergland der Sieg wird im Unterlauf abgeschlossen durch die Abteistadt Siegburg, heute ein bedeutender Industrieplatz. Hennes führt bereits in das schöne Siegtal ein, besten Lauf in Blankenberg mit einem großartigen Durgfrled eine erste Krönung erhält. SS folgt da» kleine Landstädtchen Eitorf, die bekannte Sommerfrische Herchen, zwei Plätze mit schönen Wald- unb Talwegen. Die kleinen Orte bi» Betzbors: Dattenfeld mit Burg Windeck. Schladern. RoSbach. Obfen unb Hamm auf ber Höhe find bekannt al« Sommerfrischen. Betzdorf selbst bildet als Eisenbahnknotenpunkt einer ber verkehrsreichsten Plätze des Siegerlande«. Don Betzdorf führt die Sieg nordwärts nach dem schönen Kirchen, um in Den Städten fliegen und Weidenau, einen wirtschaftlich, landschaftlich unb historisch bedeutsamen Abschluß zu finden.
flo ist bic Sieg alS eines der verkehrsreichsten Fluhtäler, al« die DerbindungSstraße zwischen Rhein und dem Hessenlande gerade in Den letzten
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Wenn bie Hände rulen von des Werktags Last Unb draulcfunn du suchst von städtischer Hast. Dann lehnend die Leeie zur i>erne dringt. Wo Mutter Natur fir erlritchend umschlingt. Wir kennen em Plätzchen dnv Wottc» £anb In unendlicher Güte fetzte tn« Land. Wo Quellen gclchroätzig sprudeln unb springen Und Vöglein dir goldige Lieder fingen. Wo halb du öetflifieit des AUiagS Sour In gottoelegnefcr sei ger Natur.
Wo die Ltunden dtr hieben in kindlichem ffllütt Wo du träumst dich in Märchenländer zurück. Wo frövllch die Angel du roh hl vorn Gestade. Wo der Schtltzstub dich lockt au erauickendem Bade. Wo I5tchen tätlichen ein uralte» Lied, Wo ein Lehnen dich bt» in den Fimmel zieht.
Ein heilige» Lehnen.--
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