Nr. HO Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, fb. Zuni 1928
präsidenifchastswahl als Volksvergnügen.
Bilder von amerikanischen Naiionalkonventen.-Oer Kongreß der Zehntausend.-Lleberzeugende Schecks. Oie Präsidentenmache.-Politik als Geschäft.
tausend Fremde in
in und der, lauen und
der Blick freut sich, der Händler merkt es. schiebt das Entzückendste näher, wendet es
und der Gonnenglanz spielt auf , Schlangen. Wer kann widerstehen, so zu kaufen?
Dann aber kommt ein Mohammedaner, setzt sich vor meinen Gartenstuhl mit gekreuzten Beinen auf den Boden, sagt kein Work, sondern legt ein Weihes, seidenes Luch in den Rasen, »ieht aus den Taschen Heine Deutel und öffnet sie umständlich. Was mag darin sein?
GS sind Edelsteine barin; Edelsteine! Saphire, Opale, Topase. Berylle. Türkise. Smaragde, Diamanten sogar. Granaten, Karneole und Ändert andere Steine. Edelsteine!
Sr bietet sie zum Kauf. Ich verstehe nichts von Edelsteinen und kann kein Glas von Juwelen unterscheiden. Wieviel von dieser Herrlichkeit maa echt sein?
.Made in Idar?" Ich nehme einen Stein aufs Geradewohl und kalte ihn in der Hand.
.Yes, made in Idar, in Germany.“ her Händler lächelt breit und freundliche ist das nur ein Trick oder ist er so ehrlich ? Sr lobt mich, preist meinen Kennerblick und bittet mich uniert änigft, die anderen Juwelen zu prüfen.
Datürlich war diese Ehrlichkeit nur ein Trick: schlaue Berechnung auf die Eitelkeit des Käufers
tungszimmern des Konoentsgebäudes mit dem Scheckbuch ost mehr aus, als die fjurrafdjrcier und Claqueure im grasten Sitzungsraum.
3o ist der Nationalkonvent nicht nur ein Volksvergnügen, sondern auch ein großes ® e • schäft. Aber neben den Politikern verdienen auch die Kaufleute, denn der Nationalkonvent zieht viele ? ' die Stadt, füllt die Rotels, ist
mit vielen Vergnügungen verbunden, also eine gesellschaftliche Sensation ersten Ranges. Im Jahre 1916 hat die Stadtverwaltung van St. Lauis dem Vorstand des demokratischen Natianalausschusses 400 000 Mark dafür bezahlt, dah der Nationalkon-
kens und ruft: Rehmen Sie. da, für fünfzig. Der Käufer pflegt dieS mit einem Gelächter zu beantworten und bietet mit einer verächtlichen Handbewegung siebzehn. Jetzt kommt die (fchein- bare) Krisis: der Kaufmann sagt nichts mehr wenn du ein Reuling bist, glaubst du ihn tödlich beleidigt zu haben: er nimmt daS Stück und tut es weg, es zugleich unsagbar wehmütig und gleichsam mitleidig, dah es so mihachtet wurde anblickend. Jetzt ist es Zeit, dah du leichthin sagst: Ra. zwanzig. Der Händler wird dich auS dunklem Auge ernst und bekümmert anschen und mit tränenumflorter Stimme flüstern: behalten 6ie es, und dir den Ring oder Stein oder was es ist. in die Hand drücken. Jetzt aber muht du nehmen, denn das ist das eigentliche und seriöse Angebot, und wenn du nun zweiundzwanzig ja&nt wirst du einigermaßen reell eingekaust
Das also nennt man im Orient kaufen! Unb es hat seine schönen Seiten, es bildet eine Unterhaltung für sich, es ist reizvoll: man macht etwas daraus.
An drei Stunden lang habe ich diesen Tag Edelsteine gelaust. Einige sind unecht, andere viel zu teuer; ein paar freilich mögen ein wenig billiger sein, als wenn ich sie bei einem Juwelier in Bombay oder Kalkutta ober Colombo gekauft hätte. Ratürlich wollte ich nur einen Stein haben — nach drei Stunden hatte ich dem Mohammedaner zwölf abaekauft. Und gerne wäre lch beim Kaufen geblieben. Besonders zwei Relkentopase stachen mir in die Augen: sie waren in der Form grober Tropfen geschnitten und besahen eine wundervolle rote Tiefe. Sie gefielen mir über alle Mähen. Aber sie waren zu teuer. Schließlich wollte ich ja auch noch den bunten, in allen Farben schimmernden Opal haben, diesen prachtvollen Stein, dessen mrver- B' HlicheS Weihe wie eine durchsichtige seidene le alle Farben der Welt verbirgt und um- L Aber auch er war zu teuer.
,,2lm Abend fuhr ich ab. Am Bahnhof bestieg ich gleich den Zug. nachdem meine Kofserreihe verstaut war. Als ich aus dem Fenster auf den Heinen Bahnsteig sehe — wer stand da? Der Juwclcnhändler! Gleich muhte der Zug abfahren. Drei Steine gab er in meine Hand: die beiden Dellentopase und den Opal. Sie waren feit dem Dachmittag um 70 Prozent billiger geworden. Die mir Fachleute später versicherten, sind sie nur di« Hälft« wert. Ob
übrigen» nachgewiesen worben, bah der damals fugretd)c Benjamin Harrison zwei Millionen Dollars für Bestechungszwecke ausgegeben hat. Die großen Industriellen. Die Konzessionen haben wollen, die wirtschasllichen Berufsorganisationen, denen an der Erledigung bestimmter Gesetzentwürfe liegt, lassen sich die Präsidentschaft-wahlen etwas kosten, und die Prösidentenmacher, die eigentlichen Drahtzieher der Dahl, richten in den kleinen Bera-
mich aber mein Kauf reute? Keineswegs, denn einige Stunden lang konnte ich in Edelsteinen wühlen, in hundert Edelsteinen, und die Sonne schien auf sie. und der Mohammedaner erklärt« mir ihre wunderbaren Eigenschaften, es waren drei herrliche Stunden.
Dur merkwürdig, dah diese Steine hier im Dorden. in Europa, in der Glanzlofigkeit unserer dämmemien Zimmer, gar nicht mehr so schön sind wie in dem indischen Ort. wo ich sie erstand. in dem rosafarbenen Dschaipur, dcr Stadt der Pfauen...
Soeben ist in Kansos-City der National- lonoent der amerikanischen Republikaner Au|ammengctreten, um den Präsident schaftskandibaten dieser Panei. Voraussicht- sich Hoover, zu nominieren: der dcmo- kratische Nationalkonvent wird ebenfalls im Laufe dieses Monat» zusammentreten. Unser Mitarbeiter schildert anschaulich die eigenartige. mit europäischen Verhältnissen nicht zu vergleichende und zuwellen burlesk wir- kende Arbeitsweise der Nationalkonvente.
Eine Stunde und 23 Minuten schrien die Anhänger de» amerikanischen Politikers Bryan Hoch und Hurra, al» sein Name aus dem demokratischen Nationalkonvent im Juni 1912 genannt wurde. Wilson» Freunde hielten e» eine Stunde und /zehn Minuten aus, während die Beisallskund gedungen für die Präsidesilsd-aftskandidatur von Clark „nur" 65 Minuten andauerten. Zwölf Jahre spater, im Juni 1924, veranstalteten die Parteigänger von Alfred Smith, dem demokrati- schen Gouverneur de» Staates Neuyork, ein Hurrageschrei von eineinhalb Stunden, und der frühere Finanzminister Mc. A d o o , Schwiegersohn des verstorbenen Prasibcmen Wilson, konnte sich an einer einftünbigen Ovation erfreuen. Dem toten Wilson widmete man auf diesem letzten demokratischen Nationalkonvent nur eine Kundgebung von Zwanzig Minuten — aber dos Gebrüll war bei dieser Gelegenheit jo groß, daß e» wahrscheinlich genügt hat. dem Verstorbenen seine Grabesruhe zu stören. Auch da» politische Leben in Europa ist mit Lärm verbunden: wer wurde jedoch auf unserem rückständigen Erdteil auf den Gedanken kommen. die wichtigsten politischen Abstimmungen durch viele Musikkapellen, Auto-Sirenen, einzelne Blasinstrumente und ähnliche Marterwerkzeuge für unverbildete Ohren beeinflußen zu wollen! Ein amerikanischer Nationalkonvent. auf dem die Prä- sidentschaftskandidaten nominiert werden, ist dagegen mit einem unbeschreiblichen Krach, Demonstrationszügen. allen Schrecken modernster Reklame, verknüpft, und wenn das Gebrüll für unsere Begriffe unerträglich geworden ist. so beginnt erst das Vergnügen, der Ohrenschmaus für den zünftigen amerikanischen ..Sportpolitiker".
Der Europäer, der einem solchen Konvent zum erstenmal beiwohnt, ist über die Größe der Versammlung ebenso erstaunt wie über den Mangel jeder politischen Diskussion. An dem demokratischen und dem republikanischen National- konvent nehmen ungefähr |e 1000 Abgeordnete teil: aber in den riesigen Hallen, in denen diese Versammlungen alle vier Jahre tagen, weilen gleichzeitig die Sonderdelegationen, die Berichterstatter aller Zeitungen, die Pressephotographen und Film- Operateure, die industriellen Drahlzieher und natürlich auch die ..S p o r t » p o l i t i k e r". die sich am politischen (Betriebe freuen, wie sich ein Zirkusfach, mann an einer gelungenen Löwendressur ergötzt, und die überall dabei gewesen sein müffen, koste es auch hundert Dollars Eintritt — das ist nämlich der durchschnittliche Prei» der Eintrittskarten für solche. die eigentlich auf dem Nationalkonvent nicht» zu suchen haben. Mindestens zehntausend Personen nehmen an den Sitzungen jedes National, konoents teil, schwenken bunte Fähnchen und rufen im Takt eine» Sprechchors vor den Abstimmungen die Nomen ihrer Erwählten. So konnte man vor vier Jahren in der Riesenarena des Madison Square Garden in Neuyork immer wieder rhyth- mische Zuruse wie „Mac-Mac-Mac-Adoo" oder ..We want Al — roe roant Al" vernehmen. Rezita- Honeübungen improvisierter Chöre, die Wahlbegeisterung für Mc. Adoo und Alfred Smith schaffen sollten. Da die Versammlungen stet» im Juni statt- finden, also im allgemeinen große Hitze
Hochschulnacknchien.
Der Herr Minister für Wis'enscka't. Kunst und BolkSbildung hat in der philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. den ordent- lichen Professor Dr. HanS E o r n e l i u s und in der naturwissenschaftlichen Fakultät b?n orbent* lieben Professor Dr. Friedrich Schumann mit Ende des Sommersemesters von den amtlichen Verpflichtungen entbunden. — Dem italienischen Generalkonsul Dr. C h i o v e n d a ist vom Wintersemester 1928 ab bie Ermächtigung erteilt worden, in der philosophischen Fakultät der Frankfurter Universität i al.enische Borträge abzuhalten. — Der a. o. Professor für Baukonstruktionslehre an der Technischen Hochschule in Karlsruhe Dr.-Jng. Otto Gruber ist zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule m Aachen al« Dachfolger des verstorbenen Geheimrats K. Sieben berufen worden: er bat die Berufung angenommen und bereit« sein« Ernennung zum Ordinarius erhalten. — Di« Ernennung des a. o. Professors für höhere Experimentalphysik Dr. Karl Wilhelm Meißner s" 8 r a n k f u r t a. W.. zum ordentlichen Professor der Astronomie an der dort gen Universität ate Dachfolger des emeritierten Prof. M. Brendel ist erfolgt - Der Wiener Historiker. Hofrat Dr. Alfons Dopsch ist aus Anlaß feines 60. Geburtstages von der philosophischen Fakultät der deutschen Universität in Prag zum Ehrendoktor ernannt worden. — ES haben Berufungen abgelehnt Prof. Dr. med. Hermann Beitzke in Graz auf den Lehrstuhl der Pathologie an der Universität Halle als Dachso^er von Geheimrat D. Deneke und Prof. Dr. Kurt Latte Sc ?raf.eI 3uf den Lehrstuhl der Hassischen Philologie an der Universität Kiel alS Dachfolger von Prof. Eduard Fränkel.
Deutschland und Ungarn.
Von Dr. Willibald Ludwig, Nagy-Maros.
Es gibt wohl kaum ein Land, welches so uneingeschränkt aU Freund Deutschlands bc- Seichnet werden kann wie Ungarn. Die letzten Verhandlungen im Völkerbundsrate haben sich mehrfach mit Ungarn befaßt und die sogenannte Dothermere-Aktion ist eine ständige Dubrik in den politischen Zeitungen geworden.
Genau muh einerseits unterschieden werden zwischen der offiziellen Polittk und der öffent- lichen Meinung Ungarns, andererseits zwischen Deutsch land und Deutsch t u m. Die traditionelle offizielle Freundschaft -wischen den beiden Ländern _ ist uralten Datums. Ohne daS historisch weitläufig zu begründen, sei nur daran erinnert, daß Ungarn den im Jahre 1867 -wischen Oester- reich und Ungarn geschlossenen .Ausglei ch', durch den eS seine vollständige Selbständigkeit gegenüber Oesterreich erlangte, dem damaligen Preußen und Dorddeutschen Bunde verdankte, und daß Ungarn in seiner Balkan-Politik seither stets durch Deutschland gestützt wurde, wa- in Ungarn stets restlos anerkannt worden ist. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ist von ungarischer Seite ganx besonder- freudig begrüßt worden. Ungarn zählt auch innerhalb des Völkerbundes sehr auf Deutschlands Unterstützung und hat sich hierin, wie allgemein anerkannt wird, nicht getäuscht.
Ganz anders steht e- mit dem Verhältnis des ungarischen Staate- -um Deutschtume: Als Ungarn aufgehört hatte, eine Provinz bet einstigen habsburgischen Dynastie zu sein, setzte eine allgemeine Feindseligkeit gegen die deutsche Sprache und gegen alles Deutschtum ein. Zunächst war es eine gewisse Furcht vor der Möglichkeit einer (Sermanifierung, dann aber trat mehr um) mehr da- Bestreben hervor, da- selbständige Königreich Ungarn zu einem einheitlichen Da - tional-Staat, der von keinem anderen Staate abhängig sein sollte, umzugestalten und alle fremdsprachigen Elemente zu assimilieren und zu rnagyarisieren. Diese Magyarisierungsbestrebun- aen sind von allen Regierungen, die Ungarn in bem betreffenden Zeitabschnitte gehabt hat. be
folgt worden und nur in bezug auf die Methoden zur Erreichung des angestrebten Zieles sind beträchtliche Unterschiede zu verzeichnen. Die schärfste Tonart — folgst Du mcht willig, so brauch' ich Gewalt — ist offiziell seltener zur Anwendung gekommen, aber ein ganzes Arsenal von Magya- risierung-mitteln ist ausprvbiert und angewen)et worden. Da gab es Magyarisierung der Familiennamen gegen eine Gebühr von 50 Kreuzern — staatlich Angestellte erhielten einen ungarisch klingenden Damen ganz unentgeltlich und setzten sich der zwangsweisen Pensionierung au-, wenn sie sich weigerten — Ausmerzung aller fremdsprachigen Ort-bezeichnungen. Anstellung von stockmagyarischen Beamten in anderssprachigen Gemeinden und Bezirken. Errichtung von magyarischen .Kulturvereinen" und Leidbibliotheken, in den magyarische Bücher, meist tendenziöse« Inhalte-, gratio audgegeben wurden. Verdin« berung anderssprachiger Theater - Vorstellungen usw.
Als wirksamste und nachhaltigste Maahari- sierungS-Sinrichtung wurde aber dir Schule betrachtet, und -war angesangen von den Kindergärten in denen die Kleinen ausschließlich magyarisch sprechen und denken lernten, so daß sie sich oft mit ihren Angehörigen nicht mehr verständigen konnten. Den Lehrern und Kindergärtnerinnen waren Prämien auSgesetzt für die besten MagyarisierungS-Ersolge, die Kinder dursten sich innerhalb der Schulgebäude unb auch auf der Straße keiner anderen Sprache bedienen usw. In den Mittelschulen war her Unterricht her deutschen Sprache teils ganz abgeschasst, teil- auf die obersten Klaffen und wenige Stunden wöchentlich beschränkt, waS zur Folge hatte, daß eS in den gebildeten Kreisen, in-vesondere bei Beamten auch heute mit der Kenntnis der deutschen Sprache sehr schlecht bestellt ist Selbstverständlich waren alle Schulbücher sehr tendenziös eingestellt.
Diese- MagyarisierungSsystern wirkte zwar nur langsam, aber sehr sicher: im Jahre 18V0 bekannte sich nur ein Drittel der Bewohner Ungarns zur ungarischen Muttersprache, vor Ausbruch de- Weltkriege- aber bereit- die Hälfte, und die Zahl derjenigen, welche in der ungarischen Sprache sich nicht verständigen tonnten, nahm stetig ab. Unter den Staatsbürgern mit deutscher Muttersprache war die Zahl derer, die gar kein Ungarisch konnten, ganz besonder- gering geworden, da die Deutschen nicht so in geschlossenen Sprachgebieten wohnen.
Alle- lieh darauf schließen, daß der Traum eines ungarischen Dotionalstaate-, in den alle fremdsprachigen Elemente verschmolzen werde« sollten, nach ein ober zwei Generationen restlv- werde durchgesührt sein können. Di« Zahl der Schulen mit frember Unterricht-svrache wurde sortoeseht vermindert und kerndeutsche Schulen, in denen natürlich auch der Unterricht in der Staatssprache gepflegt werden muhte, gab e- eigentlich nur mehr bei den Siebenbürger Sachsen, die beharrlich auf ihre seit ZOO Jahren feierlich verbrieften Dechte pochten.
Jahrelange Bemühungen hat gekostet, in Budapest die Genehmigung einer reich-deutschen Schule zu erhalten, die jedoch ausschließlich von Kindern relch-dcutscher Staat-anhörigen besucht werden durfte, der Kontrolle der ungarischen Schulbehörden unterstand unb natürlich auch die ungarische Sprache alS Lehr- gegenftanb besonder- pflegen mußte.
Diese langjährige systematische Magyarisie- rungspolittk hat im Weltkriege ein Ende gefunden. Durch die enge Waffenbrüderschaft, infolge de- fortwährenden Durchzuges deutscher Truppen durch Ungarn, ergab sich die Dot-
herrscht, ist es in den Versammlungsräumen meist unerträglich, unb die Abstimmungsleiden- 'Haft e r hi tz t die Gemüter ost noch mehr al» die brennende Sonne.
Alle amerikanischen Zeitungen bringen stets fpal» tenlange Berichte über den Verlauf der Na- tionalfonoente; aber nur die wenigsten Amerikaner wißen, was auf diesen Parteikongresien wirklich gespiett wird. Man einigt sich auf eine „Platt- form“, ein möglichst nichtssagende» Parteiprogramm, da» sich von den programmatischen Erkiä- rungen der gegnerischen Gruppe kaum unterschei- bet. Da werden in diesem Jahr vermutlich der Zoll schütz und die Einwanderungsfrage, die Notlage der Farmer und vor allen Dingen die umstrittene Prohibition möglichst vorsichtig gestreift werden man wird den lieben Wählern das Blaue vom Himmel versprechen, rücksichtslose Verfolgung aller Bestechungs- afsärcn zufichern, auf die Notwendigkeit des Welt- sriebenspaklcs Hinweisen, im übrigen aber alle» so formulieren, daß keine Richtung gekränkt ist, kein Staatsbürger am Wahltag zu Hause bleibt, ber Gegenpartei >ede Möglichkeit zu theoretischen Diskussionen genommen wird. Der Kampf, den Demokraten und Republikaner gegeneinander führen, und auch ber Kamps in den Nationalkonoen- ten um den Patteikandidaten selbst geht nicht um sachliche Gegensätze, sondern um Persönlichkeiten. Da mutz berücksichtigt werden, daß Smith katholisch ist und wahrscheinlich bei den Protestan- ten nicht sehr beliebt sein wird; Hoover aber ist im besten Sinne volkstümlich — nur wollen die Farmer nichts von ihm wissen, weil sie fürchten, daß er in der Exportpolitik die Industriellen bevorzugt. Statte unb energische Persönlichkeiten hoben gute Wahlaussichten — aber mir beim Volk, nicht bei den Politikern des Nationalkonoents, die stets fürchten, daß sie bei solchen Männern nach der Wahl nicht mehr viel zu sagen haben werden. Dies alles sind Gesichtspunkte, die bei dem Döikergemisch der Parteioersammlungen Eindruck machem einem Döikergemisch, da» sich aus Hawaianern, delegierten von den Philippinen, vornehmen Neuyorkcrn, Hinterwäldlern des Südens und des Westens, Cowboys der Prärien und Bergwerksbesitzern spanischer Abkunft von der mexikanischen Grenze zu- sammensetzt.
Diese Delegierten eines Landes, das so groß wie ein Erdteil ist, hoben zum größten Teil bei ihrer Wohl in der Heimat Den Auftrag erhalten, für einen bestimmten Kandidaten einzu- treten; aber auf dem Nationalkonvent steht bann alle» aonz ander» aus, manche Delegation ändert ihre Ansicht, und xuroeilen hilft der Dollar etwas noch. Es ist inzwischen festgestellt worden, daß es im Jahre 1920 bei der Nominierung de» verstorbenen Präsidenten H a r b i n g nicht immer ganz reinlich zuoegangen ijt Man hat nachgewiesen, dotz die Petroleum-Großspekulanten Sinclair und D o h e n 9 Damals Hardlna beträchtliche Geldmittel zur Verfügung gestellt haben; so wurde dieser in die Loge versetzt, Delegierten de» republikanischen Nationalkonoents Schecks in die Hand zu drücken, die diese braven Politiker davon überzeugten, daß' Harding der geeignete Mann fei, ins Weiße Hau» einzuziehen. Der Nationalkonvent tagte damals in Chicago, in bem riesigen „Coli- feum"; bie Patteiabgeorbneten schwankten zwischen dem Äallfomier Johnson, dem Neu-Engländer Wood und dem Gouverneur von Illinois, L o w - den. Wahrscheinlich hätte Lowden die meisten Aussichten gehabt, wenn man ihm nicht nochgewie- sen hätte, daß er eine halbe Million Dollars zur Bestechung der Delegierten ausgegeben hatte. Das kam bem Außen- fester Harding zugute. Schon vor vierzig Jahren, nämlich bei der Präsidentenwahl von 1888, ist und Hinweis auf die Solidität des Händlers. Lind natürlich bin ich auf diesen Trick herein- gefallen, denn wer wäre nicht so eitel, sich alS Kenner orientalischer Edelsteine begrüßen -u lassen?
Aber daraus kommt es wohl gar nicht an. Das Kaufen selbst war schön, das Suchen, das Wählen, das Prüfen, die Vorstellung, den oder jenen Stein zu besitzen, das macht den Dei- auS. den da- Erhandeln hat.
Die Preise schwankten -wischen wenig Dupien und einigen hundert Dupien. Manches war erschwinglich, anders nicht. Unglaublich, wie viele Heine weiße Deutel mit Edelsteinen der Mohammedaner aus den Taschen seines weiten Gewandes zog! Im ganzen schien er schweigsam: er ließ den Käufer in seinen Juwelen wühlen: denn wahrscheinlich wußte er. daß damit der Dausch des Kaufen- sich steigert, der Bann der Steine unwiderstehlich wird. Hatte man aber einen Stein lange in der Hand, und mettte der Händler. daß eS einem Ernst wurde, ihn -u erstehen, dann sing er wohl an, ihn zu preisen. Und wofür eii, Stein wurde das nun? Ein Stein, selten, nur einmal in Indien vorhanden, ein Stein von kaum schätzbarem Wert, hier ganz zufällig feilgehalten. auS besonderen, nie wiederkehrenden Gründen: ein Stein, so schön, daß der Verkäufer es plötzlich überhaupt nicht mehr übers Herz zu bringen schien, ihn -u verkaufen, sondern ihn lieber selbst behalten wollte! Unb wenn er dann doch in der Verkauf willigte, so bewies das feine edle Zuneigung zu dem Käufer. Was für ein Stein! Man hielt ihn in die Sonne, und unendlich tief spielten in seinem Innern die Farben, Glanz- und Aeflerlichter; dann legte man ihn auf die flache Hand, und neue Duancen konnte das Auge sehen: ein Stein, so schön, daß der Händler seinen wortteichen Preisgesang plötzlich unterbrach, auf den Stein starrte, und niemand hätte sich tounbern dürfen hätten sich seine Augen mit Tränen der Ergriffenheit über die unermeßliche Schönheit dieses Saphirs gefüllt.
Ja gut, aber: how rauch? wie teuer?
Ein phantastisches Hin und Her an Preisen unb Zahlen beginnt: der übliche Handel des Orients. Handeln, handeln. Sagt der Verkäufer hundert, mußt du »rhn sagen, bann geht er auf achzig. was du wieder mit fünfzehn beantwortest. Dann macht der Verkäufer nach einer Kunstpause eine ungeheuer großmütige Gebärde des Schen-
vent nach dieser Stadt verlegt wurde. Später sind sogar noch größere Beträge von den Stadtgemein- den bereinigt worden, um sich dieses einzigartige Mittel zur Hebung des Fremdenverkehrs zu sichern. In Amerika will eben jeder etwas an ber Politik verdienen.
Fred E. Dillinger.
Ich kaufe Juwelen.
Don Dr. Alphonü Nobel.
3m Hotel zu Dschaipur — es führt den stolzen Damen: Kaiser von Indien — stehen Händler bereit, mich zu empfangen. In dem kleinen Garten entfalten sie Teppichs unb darauf legen sie Dolche, krumm« Säbel. Hellebarden und allerlei Messer. Alles ist seine Arbeit, mit «ichlicher Verwendung von Messing, manchmal entzückend ziseliert. Doch mein Interesse für bie Mordwettzeuge ist gering. Sin Wink: di« Knaben. welche die Händler begleiten, raffen alles zusammen, und neue Dinge liegen auf dem braunroten Teppich: Schlangen auS Messing, mll furchtbar geöffnetem Dachen, geschlitzter Zunge; einig« verschlingen gerade Frösche, andere winden sich umeinander. Kerzenständer auS Schlangenleibern. Ztgarettenkästen in Messing mit bunten Mustern, auf denen immer wieder das Pfauenmotiv wiederkehrt. Bunte Pfauen sind auf Heine Tablett-, vielleicht Aschenbecher. vieHeicht GlaSuntersetzer geritzt unb leuchten in herrlichen Farben. WaS gibt es da alles! Unb


