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Vereine

Kolonial- freunde!

HimmelfabttSta«: Hochwarte - Annerod.

Abmarsch' U-r ubwigSnlatz " 0

Ruder Sl. -nin- 1906 k. v.

Lonntas, a1 ' & nachni. 3 r Anrudern.

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Vie M milden Wen SMero.

Vornan von Edgar Wallace.

Copyright by Wilhelm Goldmann. Verlag. Leipzig. 9. Sortierung. Nachdruck verboten.

luuut! Ein ungeheurer Lastwagen, unter dem ble ganze otrofoe wankte und bebte, hätte ihn bei­nahe in den Chausseegraben gedrückt. Nein, er durfte leine Gedanken nicht mehr nach innen richten, feine zanze Aufmerksamkeit gehörte jetzt der 6tja{je, die in dieser Stelle so schmal war, baß sie ein Aus- biegen nur mit Vorsicht acstattete.

(te war gut, daß er diesen Entschluß gefaßt batte; denn im selben Augenblick tauchten dicht von ihm iue der undurchsichtigen, regengepeitfchten Nacht brei rote Campen auf. die in regelmäßigem Ab- itand über die Straße verteilt waren. Das konnte nur bedeuten, daß die Straße ausgerissen und da- her in ihrer ganzen Breite für den Verkehr gesperrt »ar. Er war aber am Nachmittag hier entlang ge­kommen und konnte sich an keine Straßenarbeiten erinnern, außerdem mußte der Lastwagen hier erst toeben passiert fein. Er steckte den Kopf zum Fen- 'ter hinaus und erblickte im Licht des Scheinwerfers dicht neben der Straße eine zerfallene Mauer, die vilder Efeu In dichtem Teppich umrankte.

An einer Stelle zeigte die Mauer eine Lücke. Hier vor offenbar eine Pforte eingebaut.

Sein Blick wanderte zu den drei Lampen zurück. Cr griff In die Hükttafche und zog feinen Revolver. Dann blendete er feinen Scheinwerfer ab und stieg tue, nach allen Seiten lauschend.

Außer dem gleichmäßigen Geplätscher des Re- sens und dem hohlen Fauchen des Windes war kein Laut vernehmbar. Sich vorsichtig in der Mitte ler Straße haltend, legte er d>e paar Schritte bis ju den Lampen ungefährdet zurück. Er hob die mittlere auf und betrachtete sie eingehend. Sie war clt und verrostet, die rote Farbe war ungleich auf lern Glas verteilt Die zweite Lampe war neuer mb von anderer Konstruktion, aber auch Hier war das Glas erst nachträglich bemalt worden, und nicht anders sah die dritte Lampe aus.

Er stieß die mittlere Lampe, die seine Anfahrt cm meisten hinderte, mit dem Fuß in den Graben, daß sie in tausend Scherben zersplitterte.

Dann ging er rasch zu seinem Auto zurück, schlug die Tür zu und setzte den Fuß aus den Starter. Der kleine Motor zog an, doch der große rührte sich nicht. Der Wagen war warm, an der Temperatur konnte e salso nicht liegen, und der Motor hatte noch niemals ohne guten Grund versagt. Er stieg wieder aus und umschritt den Dogen. Die Transparent- lampc leuchtete auf den Benzintank. Die kleine Ben­zinuhr verriet die Ursache des Versagens, der Zeiger stand aufleer*.

So, so", sagte Dick und starrte verblüfft auf die Uhr.

Er hatte in London ausreichend getankt. Nach menschlichem Ermefsen konnte das Benzin noch nicht verbraucht fein Aber als er versuchsweise auf den Tank klopfte, gab er einen hohlen Klang.

Ein neuer Windstoß benahm ihm säst den Atem. Die ganze Luft roch plötzlich nach Benzin. Er knipste feine Taschenlampe an und leuchtete die Straße ob. Auf dem Boden, dicht vor seinen Füßen, sah er eine Metallkapsel liegen. Ringsumher leuchtete die Straße in opatenem Schein. Jetzt wurde ihm klar. Jemand hatte die Messingverschraubung seines Benzintanks gelöst und das Gasolin auslaufen las- sen, während er vorne die Lampen untersuchte.

Er schraubte die Kapsel wieder an, die, lüft- und wasserdicht, durch ihre Konstruktion gegen Spielerei geschützt war. Nur mit Hilfe eines Schrau­benschlüssels konnte sie entfernt werden. Er wun­derte sich, daß er das Geräusch nicht gehört hatte. Die dem aber auch sein mochte, er führte keinen Reseroenorrat mit und lag hilflos gestrandet auf vieler öden Straße, wenn ihm nicht irgendein An­wohner mit seinem eigenen Benzin aushalf.

Er leuchtete mit der Taschenlampe den Torweg ab. Die verwitterte Tür hielt sich schon lange nicht mehr in ihren Angeln und lehnte wie ein Betrun­kener gegen einen Lorbeerbusch. Bisher hatte er sich nicht zurechtgefunden. Jetzt aber erkannte er deutlich, wo er war. Die Mauer schloß das Gartengrundstück de?Galgenhofs" zur Straße hin ab.

Er ließ seine Lampe brennen und schritt die Allee hinaus. Zu beiden Seiten hemmte undurchdring- liches Gestrüpp den Blick in den Garten. Darüber trafen sich die Wipfel der Tappeln zu einem grünen Zelt. Plötzlich wurde das Licht seiner Taschenlampe von einem ßcd) aufgesogen, das eine Tiefe von an­

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesseus

Nr. U5 Drittes Blatt

Die Veichstagswahl und die Deutsche Volkspariei.

Die Deutsche Dolkspartei, Ort«- iruppe Gießen, dielt geftern abend tm af6 Leib ihre »weite öffentlich« Wählerver» fammluno unter der Leitung be« Ort«- gruDpenvorlchenden Pros Dr Ärau«müHtr ab Der Versammlungsleiter gedachte tm An­schluß an seine Begrustung«wort« de« ernstlich erfreuten Porteivor itzenden. Rrichsau^en- Minister« Dr. Stresemann. dem er recht baldige volle Genesung wünschte.

Darauf sprach der Vorsitzende der hessischen vanbe-partei der D.V.P.

ttbfl. Tmgtldey-rarmstadt

In etwa 1'/«stündiger Hebe über die nationale Realpolitik der deutschen Vol!«partei. Der Redner erinnerte einleitend daran, daß unsere ganze politische Arbeit durchau« unter dem Schatten non Versailles und der nachfolgenden Verträge steht und daß wir noch auf lange 3eit birfau« in der Gestaltung unserer politi­schen Entwicklung von den politischen Faktoren außerhalb Deutschland« abhängig sein werden. Sodann beschäftigte sich der Redner eingehend mit der Außenpolitik, die für die Deutsche Volkspartei keine Parteisrage. sondern eine 2n- gelegenbeit de« ganzen deutschen Volke« sei. Abg. Dingeldet) rief zunächst die furchtbaren Verhält­nisse in die Erinnerung der Zuhörer zurück, die vir alle im Jahre 1923 bur.chgcmacht haben, »le« daraus hin. daß Dr. Strefemann damals tn opferbereiter Weise al« Reichskanzler die Leitung de« StaotSschifse« übernahm und es unter großer Ausop'erung und stärkstem DerantwortungSbewußtlein au« dem ge­

fährlichen Strudel herauslührte. Mit Genug­tuung konnte der Redner daran erinnern, bah es bann Dank der Politik Strefemann« möglich war. bi« Reparationsfragr au« bem Be­reich machtpolitischer Einflüsse und Ziel« heraus- eubrtngcn ö« sei allerdings wichtig und bleibe bie nächste Hauptaufgabe unserer au-wärtigen Politik, zu erfahren, welche Endsumme wir nun dflentild) an bie ehemaligen Kriegsgegner zu -ahlen haben, und dafür »u sorgen, baß diese (Summe vereinbar bleibe mit bet Leistungskraft der beutschen Wirtschaft. Ein« andere große Aufgabe unserer au-wärkigem Politik in der nächsten Zukunst sei bl« machtpolitisch«. bi« inter- staatliche Auseinandersehung tx>n Macht zu Macht Auch biese AuSeinanberfetzung. bei der wir uns vor allem die moralische Macht einer Sschtofsenen Volksgemeinschaft al«^halt der ußenpolitik wünschen müßten, könne so schwer «S auch für manchen sei nur auf dem Weg« der interstaatlichen Verständigungspolitik erfol­gen. Es gebe eben keine andere Methobe. die deutschen Forderungen gegenüber den andern Mächten durchzusetzen, al« ble Methode der Ver­handlung und der Derstänbigung. 3ebe« QI6- kren von Metern Woge bebeute bas Experi­mentieren mit bem Leben unteres Volkes. SS sei unleugbar, bah von 1923 bis jetzt unter ber Führung Stresemann« Fortschritt« erzielt wor­den fekn. Der R«bner verteidigt bann, obwohl dieses Oreigni« nicht überschätzt werden dürfe, den Eintritt Deutschland« in den Völkerbund al« ebne Tat realpolitischen Handeln«, besprach Thoiey und Locarno, wobei er betonte, daß au« dem Deist von Locarno endlich Me wahre Schluß- folaerung gezogen werden müsse, daß es Heu­chelei f«C wenn di« Franzosen heute noch unter der Vorspiegelung der bedrohten Sicherheit ihre Soldaten am Rhein stehen ließen. DaS weitere große Ziel unserer Außenpolitik müsse dieBe­reinigung dieser Frage sein, damit wir den deutschen Boden wieder frei bekommen und unser« 6our>eränttat in vollem Maße wiedererlangen. Aber auch diese« Ziel sei nur zu erreichen auf dem Wege der bedächtigen, klarblickenden Der- hanblungspoi.kik. Da« Ziel unserer Außen­politik erreichten wir nicht, wenn wir uns selbst Möglichkeiten norgauleltcn. di« wir nicht hätten, wenn wir uns selbst berauschten an Machtmitteln, die wir nicht besäßen. Dieses Ziel werde nur erreicht unter der Führung eine« alle Möglich­keiten ausnuhenden. auf die Grundlage klaren oaterländi'chen EmvIindenS eingestellten Mannes.

der mit klarem und staatsmännischem Blick btt Dinge weivertreibe und unter der Mithilfe de« ganzen deufchen Dockes.

Abg. D i n g « l d e y besprach dann die Mit­arbeit der Deut'chnationalcn in der Regierung und betonte hierbei, daß dabei stets «ine völlig« Geschlossenheit ber Parteien ber Regierungs­koalition. auch In ben Fragen der Außenpolitik, bestanden habe. Die deuttchnationalen Minister hätten die einstimmigen Beschlüsse des Reichs­kabinetts in allen Fragen der Außenpolitik mit- gemacht. milgebllligt und unterstützt. Da könne man nun heute von deutschnationaler Seite die stet« mitgemachte Außenpoli'.ck doch nicht ab- Iebnen und bekämpfen. Die Verantwortung müf c von den Deutschnationalen mitgetragen werden, auch wenn das unpopulär fei. Weiter lehnte der Redner bei der Besprechung von wirtschafts­politischen Fragen jede einseitige Behandlung dieser Probleme ab. denn man könne keine ein­seitige Landwirtschaftspolitik und ebensowenig einseitig« Ondustriepolitik treiben. Der Redner forbertc Steigerung unserer Ausfuhr, Stärkung de« InlanbmarfteS. Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft. Kredithtlie auch für das Hand­werk. gerechte Sorge für die Kriegsopfer und die Inflation«geschäbigten. weich' letztere anstelle der Fürsorge einen klaren Rechtsanspruch gegen­über dem Reich bekommen müßten. Weiter wandte sich der Redner gegen die llcberftcigerung unserer Sozialfürsorge und forderte eine durchgreifende Umorganifatton unsere- getarnten Staatswesen«, wobei aber der reine Zentralismus wie In Frankreich abzulehnen fei. Da« Ziel müsse ein Einheitsstaat in vernünftiger Gliederung lein. Rotwendig sei auch eine Senkung der Steuerlast und vor allem ein Steuervercinyeitlichungegesetz für da« ganze Reich, einheitliche Grundsätze über Me Desteuerungsmerimale und eine Höchstgrenze, über die hinaus auch bie Länder und Gemeinden nicht gehen dürsten. Die Deutsche DolkSpartei werbe dafür eintreten, daß diese- Gesetz bald zur Tat werbe Sodann besprach ber Redner Me Frage ber Schulgesetzgebung, wobei er Me bekannte Stellung ber Deutschen DolkSpartei zum Äeubcll- schen vchulgesehentwurs bariegte und betonte, baß bie Deutsche DolkSpartei an der bewährten Simultanschule sesthalte und auch einen neuen Entwurf im Sinne be« Keudellschen schärfsten Widerstanb entgegensetzen werde. Schließlich sprach sich ber Redner noch gegen Me Bildung und Unterstützung von Splitterparteien aus, die doch immer ohne politischen Einfluß und damit ohne Gestaltungskraft bleiben würden. Wie auf dem Gebiete der Außenpolitik die national« Einigkeit notwendig sei, so sei es auch im Innern erforderlich, den Geist ber nationalen Gemein­schaft über alle- Trennenb« zu stellen unb in diesem Geiste am nächsten Sonntag zu wählen. (Langanhaltender lebhafter Beifall).

In der anschließenden Aussprache äußerte sich zunächst ein InflarionSgeschädigter. daraus sprach otuMenrat Dr. Lenz (Gießen), al« Wrovinzial« Vorsitzender ber Deutschnationalen Volk-Partei in Oberhessen, unb schließlich ein junger Mann, ber all diese politischen Dinge nicht ernst nehmen könne, mit seinen Worten aber ber Versammlung einige erheiternde Augenblicke bereitete. Abg. Dingeldeh antwortete besonders Dr. Lenz in sehr eingehender Weise, darauf schloß Prof. Dr Ätou6müller Me Versammlung mit der Aufforderung, am 20. Mai di« Deutsche DollS- partei zu wählen.

Hessischer

Industrie- u. SandelSkammettag.

WGR. Mainz, 14. Mai. Am Samstagvor­mittag fand hier die diesjährige Vollver­sammlung deS Hessischen Inbustrie- u n b HanbelSkammertages statt, au der von sämtlichen hessi'chen Kammern ungefähr 70 biS 80 Delegierte, sowie zahlreiche Vertreter der Behörden des Reiches, des Landes und der Stadt erschienen waren.

In der Begrüßungsansprache hieß der Prä­sident, £?anbtag«abgcorbnc ter Scholz (Mainz), besonders den Vertreter deS hesii'chen Staats­präsidenten, den Minister für Arbeit und Wirt­schaft Kor eil, den Referenten. ReichSminister

a. D. Hamm, unb die Behörden Vertreter Herz- lich willkommen. Sr betrachtete ihr Erscheinen als einen Beweis für bas Interesse, welche« sie ber Arbeit d?r Handelskammern zollen. Im weiteren Verlauf seiner Rede wies er bariuf hin. daß die H a n b e I « k a m m e r n sich nicht als Bertr.'ler bestimmter Interessentrngruppen betrachten, sondern al« Betreuer ber deut­schen Wirtschaft. Er gab dann drm Be­dauern Ausdruck, daß auch diese Tagung wieder in dem leider immer noch besetzten Mainz statt­finde unb erwähnt: den schweren Druck, der durch bie Besetzung auf der Wirtschaft de« be'e^tenGe­biet« liege.

Minister K orell dankte dem Präsidenten im Damen ber hessischen ßtaatSregierung für bie Einlabung und die freundliche Bezrüßung. Er bat die Handelskammern vor a lern um ihr Ver­trauen unb gab ihnen Me Versicherung, baß er stet« für Me Wünsche ein offenes Ohr haben werd«.

Der Referent de« Tages. Reich-Minister a. D. Hamm, sprach dann in einem längeren Vortrag über die Ausgaben der Industrie- unb Handelskammern. Der Redner bezeichnete im Verlauf seiner Rede die Lage der deutschen Wirtschaft als nicht schlecht, aber doch al« noch immer nicht genügend gefestigt, unb verlangt« weiter eine stärkere Einheitlichkeit in ber Füh­rung ber deutschen Wirtschaftspolitik, iln ere passive Handelsbilanz müsse nicht nur durch Förderung ber Ausfuhr, sondern auch durch Förderung der Eigenerzeugung im Lande zu bessern versucht worden. Der Redner faßte schließlich seine AuS ührungen zusammen in den Worten- Aufgabe der Handelskammern ist eS. Handel unb Gewerbe zu betreuen um ber Volkswirtschaft willen, unb bie Volkswirtschaft zu betreuen, um bes DolkeS willen. Der Vortrag wurde mit starkem Beifall ausgenommen.

Präsident Scholz dankte dem Referenten für seine trefflichen Ausführungen unb schlug vor, MeSmal nicht in eine Diskussion über Einzel­heiten einzutreten, um den Gesamteindruck deS Vortrage- nicht zu verwischen.

25 Jahre Waiserifchuh Buhbach,

gb. Butzbach. 15. Mai.

Der hiesig« Fechtverein Waisen- s ch u tz beging am SamStag unb Sonntag baS Fest seine- 25jährigen Bestehen«, womit gleichzeitig bie 36. Lanbe-versammlung bes Hess. Lanbesverbande« der Waisenschutzvereine verbunden war.

Durch einen Festkommer- im großen Saal des Hessischen Hose- wurde da- Fest einge­leitet. Der Dorsitzenbe bes Verein-, Herr Frank, begrüßte Me erschienenen Gäste unb Vertreter der Behörden. Seitens ber Stadtverwaltung dankte Bürgermeister Dr. Jansen. Die Fest­rede hielt Beigeordneter Wittig, in der er u. a. auSführte. daß 13 Männer vor 25 Jahren den Verein gründeten, ber bi« heute auf 600 Mitglieder herangewachsen fet Rund 3000 Wai­senkinder konnte ber Verein seit seinem Bestehen beschenken unb unterstützen, wofür über 30 000 Mark aufgebracht unb gesammelt wurden. Neben­bei würben an den Hauptverein Mainz noch 15 000 Mark zur Erbauung eine« Waisenhause- abaefübrt Der in allen Teilen schön verlaufene Abend wurde umrahmt von Musikstücken ber Kapelle des Diederweiseler MusikvereinS. De- sangSvorträgen und turnerischen Ausführungen.

Am Lonntagvormittag sand im gleichen Saale Me Hauptversammlung beS L a n b es - v e r o a n b e S statt, zu ber fast alle Zweigvereine Vertreter entsandt hatten. Auch ber Vorsitzende deS Reichsverbandes der Waisenschutzvereine, LandgerichtSdirektor Drehmann. Magdeburg, war erschienen. Seiten« ber Behörden waren erschienen KreiSbirektor Gebharb t. Bürger­meister Dr. Jansen unb andere. Dach De- grühungSworten deS Butzbacher Verein« eröffnete ber Landesverband-vorsitzende Schr apen- burg. Mainz, bie 36. Hauptversammlung. GS wurden Geschäft«- und Rechenschaftsbericht ver­lesen. ebenso die Bericht« ber verschiedenen Aus­schüsse. AlSdann wurde ber Voranschlag für 1928 beraten unb genehmigt. In knapp zwei Stunden war di« umfangreiche Tagesordnung

nähernd sechs Fuß unb die Länge eines mensch- lichen Körpers hatte.

Mein (Bolt, das sieht wie ein frisch geschausel- tes Grab aus", dachte er schaudernd. Er beschleu­nigte den Schritt, bis er den schmucklosen würfel- förmigen Dau des Wohnhaufes vor sich hatte. Er beleuchtete die kahlen Mauern und fah erst jetzt, wie verwittert sie waren. Ucberaö war der Putz abge­fallen, und die nackte Zicgelmauer schaute wie rohes Fleisch aus den Wunden.

Das Haus lag da, wie in Todesschkaf versunken, kein Hund bellte, hinter den blinden Fensterscheiben brütete eine tiefere Nacht als hier draußen

Dick wartete eine Sekunde, bevor er die Stufen zur Haustür hinaufstieg. Als er den Klopfer in Be­wegung setzte, rollte ein hohles Echo durchs Haus. War es leer? War der unheimliche Bewohner aus- geflogen? Er klopfte noch einmal und wartete wie­der, und plötzlich vernahm er knarrende Schritte in der Halle, das Krächzen eines verrosteten Schlüsiels, das Klirren einer zurückaeschobenen Kette. Die Tür öffnete sich zu einem schmalen Spalt, unb darin erschien, von Dicks Lampe erbarmungslos ins Licht gezerrt, das gelbliche Gesicht und der schwarze Bari Doktor Stalettis.

Obwohl Dick ihn bereits einmal gesehen hatte, wirkte er in dieser Beleuchtung so abstoßend unb grauenerregend, daß er vor Schreck beinahe seine Lamve fallen ließ.

Wer ist dort? Was wünschen Sie?" fragte bie mürrische Stimme bes Alten.Benzin? So, es ist Ihnen ausgestosien? Scheint ja nettes Auto zu fein. Ja, ich kann Ihnen Benzin geben, natürlich nur gegen Bezahlung verschenken kann man nichts in biefen schlechten 3rHäuften."

Er gab kein Zeichen des Erkennens, auch bann nicht, als er bie Tür weiter öffnete und Dick in ben vorstur eintreten ließ. Er trug einen schwarzen, in der Mitte gegürteten Overall, ber über und über besteckt war Seine Füße steckten in abgetragenen russischen Schaftstiefeln, bi« bei jedem Schritt knarr­ten Er trug keinen Kragen unb hatte sich augen­scheinlich leit Dicks letztem Besuch vor sechs Mo­naten noch nicht wieder gewaschen. Seine großen kräftigen Hände starrten vor Schmutz, unb bie Nägel waren zu wahren Krallen gewachsen von dem vorflur aus konnte Dick in die Halle sehen, die mit ihrer kostbaren Ausstattung in merkwürdigem

Mittwoch, 16. mal 1928

unter Leitung des Studicnratcs Z11 ch e t, Offenbach a. M. erledigt. Erwähnt 'ei noch, daß tm Vorsitzenden des Iubiläumovercln«, Heinrich Frank, für seine uneigennützige 25- lahrigc läiiglctt ein Geschenk seitens des Vereins überreicht wurde.

Rachmlttags sand in ber Halle am Lahnwr ein Volksfest mit verschiedenen Unterhal­tungen unb Konzert, abends am gleichen Platze eine Familienfeier statt, bei denen be­sang- unb Radfahrerverein von Griedel mit- wirkten unb bie Feuerwehr!apelle konzertierte.

Justus Liebig und her Bauer.

Man schreibt un«: Vor mehr als fünfzig Jahren la- ich in einer Zeitung oder einem Ka­lender folgendes Geschichtchen. das. wenn nicht wahr, so doch hübsch erfunden ist Ein Bauers­mann aus ber Umgegend von Gießen hatte einen Korb mit Eiern zur Stadt gebracht. Run war unterwegs ein verdorbenes Ei zerbrochen und hatte eine Anzahl Silbermünzen. Ne gleich­falls im Korb untergebracht waren, schwarz ge­färbt: kein Mensch wollte sie nehmen. Da tarnen «in paar junge Leute mit bunten Mützen de« WcgS. unb ifmen klagte er seine Rot. Don diesem riet ihm einer: .Da drüben wohnt ein Mann, der kann Euch Helsen: menbet Tuch nur an ihn". Damit beutete er auf ba« chemisch« Laboratorium. Der Dauer folgte dem Rat. .Seid Ihr ber Mann, ber schwarze« Geld wieder weiß machen Fann? fragte er den berühmten Gelehrten, der mit ber großen Schürze tote ein einfacher Arbeiter au«sah. Lächelnd nahm Liebig Me Münzen unb gab sie nach wenig Minuten rein und blank dem erfreuten Eigen­tümer zurück. Eine Bezahlung lehnte er zum Erstaunen be« Besuchers ab. .Run. bann gebt baS Durern Gesellensagte der Dauer - er meinte bamit Liebig« Assistenten, ben spateren ProfeNor Will. legte zwei Groschen auf ben Tisch unb ging befriedigt seine« Weg«.

Wirischafi.

3ur Wirtschaft Stage.

Dem soeben erschienenen DirtschaftSberichi ber Direktion ber DiScontogesellschaft ent­nehmen wir bie nachstehenben Ausführungen.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich gegen­wärtig in einer UebergangSphase mit verschwim­men den Dildgrenzen. Die Konjunkturbedingungen zeigen in ben einzelnen 3nbuftrien unb Ge­werben kein einheitliches Dilb, aber ist doch ein gemeinsame- Moment unverkennbar: Die WiberstanbSfähigkeit der Gesamt- w i r t s ch a s t gegenüber ben Tenbenzen, die auf Tempo unb Umfang von Produktion und Güter­umschlag drücken. Sie ist ble Folge bes allge­meinen Kräftezuwachse-, ben die deutsche 0c- sarnttoirtschaft au- der Entwicklung ber letzten Jahre hat zieben können. Dieser wirkt dämpfend auf ba« Ausschlagen der Konjunkturkurve unb sorgt dafür, daß Me U«Hergänge sich in flacherer Wellenbewegung vollziehen.

Wirtschaftlich« Krästesammlung bedeutet in erster Linie Wachsen ber Kapitalreserven. AllerMng- ist Immer vor Augen zu haften, bah Mese- zum Teil künstlicher Natur ist unb baß burch die AuSlandanlethen unsere volks­wirtschaftliche Bilanz für die Zukunft mit einer starken Hypothek belastet ist, neben ber ble noch größere ber Reparation steht. 3m ganzen genommen bebeuten für Me Kapital­versorgung unserer Wirtschaft Me AuSlanb- anleihen heute nicht viel mehr al« Me Spitzen- beträge, deren Beschaffung ber inländische Kapi­talmarkt verweigert bzw. für deren Aufkommen Me Ergiebigkeit ber beutschen Wirtschaft, kapital- mäßig gesehen, noch nicht ausreicht. Ohne Repa- rationSbelastung wären wir heute auf bie Kapi- talhils« des Auslandes nicht mehr angewiesen. Zu den über ben Kapitalmarkt gegangenen bzw. bei ben Gelbinstttutm angesammelten Summen kommt noch bie Ansammlung von Lieberschüssen in der Hand ber wirtschaftlichen Unternehmun­gen selber hinzu, Me zahlreiche Betriebe In

Gegensatz zu der verwitterten Fassade des Hauses und seines Besitzers stand. Ein schwellender Teppich bedeckte den Boden, die Dorhänge waren aus fchwe- rem Samt, die vergoldeten Stuhle und Sesiel mit französischem Damast bezogen. Ein silberner Kerzen­halter hing von der Decke herab unb spendete aus einem Dutzend elektrischer Kerzen dem Raum ein blendendes Licht. Aber der Staub lag Zentimeter- hoch, und als Dick auf den Teppich trat, wirbelte er in dichten Wolken auf.

Warten Sie hier. Ich hole das Benzin, vier Liter für einen Schilling und zehn Pence."

Dick wartete, bis die Schritte Stalettis verhallt waren, dann unterzog er den Raum einer sorg- fälligen Prüfung aber er fand nichts, was irgend­welche Schlüffe auf Charakter unb Beschäftigung bieses unheimlichen Mannes gestattet hätte.

Plötzlich Härte er das Klirren von zwei Benzin­kannen. Staletti kehrte zurück. Er setzte die Kan­nen nieder und wischte den Staub von den Hän­den ab.

Sechzehn Liter von ber besten Qualität Sie werden zufrieden sein."

Dick sandte chm einen mißtrauischen Blick. Sollte ihn Staletti immer noch nicht erkannt haben?

Als hätte er des andern Argwohn erraten, räusperte sich Staletti, und Dick schärfer ins Slug« fassend, fragte er:

.Ich dächte doch, wir hätten uns schon gesehen. Nicht wahr. Sie sind der Detektiv, der mir die .Generelle Morphologie' entführt hat? Ich bin Pro­fessor Staletti!*7

Ganz recht, Herr Profesior, ich bin ber Detek­tiv". sagte Dick. Eine Stimme in feinem Innern rief ihm unaufhörlich Warnungsfignale zu. und er wandte keinen Blick von dem bärtigen Mann.

Sie haben meinen Namen gewiß schon früher gehört? Ja, ja, ich genieße einen guten Ruf in ge­lehrten Kreisen", prahlt« Staletti.Aber nun zahlen Sie bitt«. Ich bin zum Umsinken mübe!

Dick Martin gab ihm jehn Schilling.

Behalten Sie ruhig ben Rest für Ihre Mühe", sagte er großmütig.

Zu seinem Erstaunen steckte Staletti bie Bank­note mit einem vergnügten Schmunzeln ein Er war ougenscheinNch nicht zu stolz, auch aus dieser kleinen Gefälligkeit einen Nutzen zu ziehen.

(Fortsetzung folgt) A 'A