Provinzialdirekior ® r a c f, die Stadt durch Bürgermeister Dr Seid vertreten, der die Verdienste deS KreiSvereinS um die Gesundheitspflege der Stadt hervorhob. Der Rektor der Universität, Prof. Dr. Rosenberg, über- brachte die Glückwünsche der Universitär. Prof. 3cfionef die der medizinischen Fakultät. Für die hessische Acrztekammer sprach Geheimrat Habicht auS Darmstadt, für die hiesige medizinische Gesellschaft Geheimrat Pros. Dr. P o p - p e r t. Die übrigen Kreisvereine Hessen- hatten Dr. D a l a u e n mit der Uebermittlung ihrer Glückwünsche beauftragt.
Den Mittelpunkt der Festsitzung bildete ein Dortrag von Drof. Dr. Honig mann. In geistvoller Weise zeigte er an der Hand der literarischen Ueberlieserungen, von den homerischen Gesängen angesangen bis zu den modernsten Büchern der Jetztzeit, wie sich da- Publikum geistig dem Arzt gegenüber gestellt hat, wie cs den Arzt sah und waS der Arzt ihm bedeutete. Das Aus und Nieder der Wertschätzung ist zugleich ein Spiegel über den jeweiligen Stand der medizinischen Wissenschaft. Die Festsitzung wurde eröffnet und geschlossen durch musikalische Darbietungen auS Kollegenkreisen (Gesang und Violine), die der Feier angepaßt waren.
Später vereinigte ein gemeinsames Essen noch co. 70 Personen zu einer gemütlichen Feier, die durch scherzhafte Reden und ein launiges Theaterstück, das den Arzt in der Sprechstunde zeigt, angenehm verschönt wurde.
Oberheffen.
Landkreis Gießen
: Aus dem Busecker Tal, 15. Mai. Durch die trockene Witterung sind die landwirtschaftlichen Bestellungsarbeiten sehr gefördert worden. DaS Setzen der Spatkartvffeln dürfte in unserem Tale bis auf wenige Ausnahmen beendet sein. Der Standder Saaten ist recht zufriedenstellend. Der Stand des Roggens, der zu Anfang des Frühjahrs zu Klagen Anlaß gab, hat sich austerordentlich gut entwickelt. Auch die Futteraussichten finfr befriedigend, allerdings wird das Wachstum durch die augenblickliche kalte Witterung stark beeinträchtigt und zurückgehalten.
: Beuern, 15. Mai. Am Sonntag fand, begünstigt von schönem Wetter, hier ein Sängertag statt. Die unter der Leitung des Musikers Kaspar Karl Eommerlad stehenden Vereine hatten sich in dessen Lokal zusammengesunden und trugen abwechselnd ihre gut eingeübten Lieder und Ehöre einem zahlreich versammelten Publikum vor. Reicher Beifwll wurde den Sängern zuteil, die einige frohe Stunden in unserem Dorfe verbrachten. Der Gesangverein Polyhimnia von hier, der an dem Wertungssingen des Ohm-Lumda - talsängerbundes in Homburg a. d.O. unter Leitung seine« Dirigenten Heinrich Schomber von hier teilnahm, hat von den 24 an dem Wettsingen beteiligten Vereinen die höchste Punktzahl erreicht und somit die beste Leistung vollbracht. Als selbstgewählten Ehvr sang der Verein „ilnterm Lindenbaum". Der von sämtlichen Vereinen gesungene vorgefchrieben? Chor war das Lied „3m Mai" (Draußen ist alles so prächtig). Diese schöne Leistung ist um so mehr anzuerkennen, als einige gute Sänger wegen Erkrankung an dem Eingen nicht teil- nehinen konnten. Die Sänger wurden durch unseren VerkehrSomnibuS hin- und zurück befördert.
A, Allendarf a. d. Lumda, 15. Mai. Am l Sonntag unternahm der unter der Leitung des Lehrers Schmidt von Kesselbach stehende hiesige F"M ännergesangveretn seinen diesjährigen ersten F a m i l i e n a u s f l u g. Die Fahrt begann * mittels Autos um 6 Uhr vormittags über Marburg. Frankenberg, Bad Wildungen nach dem EnHsiele Waldeck und Edersee. 3n Wil- düngen wurde Rast gemacht und den Teilnehmern Gelegenheit zur Besichtigung des Bades gegeben. Ebenso wurde nach dem in Waldeck eingenommenen Mittagessen die herrlich gelegene Burg Waldeck sowohl, als auch der Edersee mit Sperrmauer besichtigt. 3m Schlohhofe trug der Männer- gesangvcrein einig« Chöre vor, die bei den vielen anwesenden Touristen reichen Anklang fanden. Die Rückfahrt erfolgte gegen 7 Uhr nach-
Mai-Adagio.
Von Anton Schnack.
Wenn ich mich erinnere, so waren schon viele da, dreißig Maimonate oder noch mehr: Maimonatc des Sechsjährigen, des Zehnjährigen, des Fünfzehnjcihri- gen, Maimonate am Kindyeitsbrunnen verspielt, Maimonate auf den Schulbänken verdrückt, Mai- monate an den Tischen der Fremde, Maimonate im Kriege, Maimonate auf dem Meere, Maimonate in den Cafshausern, verbracht mit dem Löffeln von gelbem Vanilleeis, Maimonate, berauscht von der Liebe und den Zusammenkünften der Heimlichkeit.
Wie wird der jetzige sein?
Eine große Bureaustube, ein Schreibtisch mit Büchern, und von Briesen und Zeitungen überschüttet, ewig gleichen Gesichtes jeden Morgen, jeden Nachmittag, jeden Abend. Ich weiß — um die kleinen Dörfer hat sich jetzt ein Kranz von Blüten gelegt. Aus den Wipfeln am Mühlwchr seufzt die Nachtigall aus Vogelträumen. Am Gartenzaun steht ein kleines Mädchen und wartet.
Die Schicksale werden immer gefesselter und monotoner. Tausendjährig erscheine ich mir, der schon lange von den Waldern Abschied genommen hat. lief unten im Dunkel der Erinnerung sitzt ein Trieb, ein Bild, ein schattenhaftes Leben. Das Bild von der Wanderung durch Kontinente, über Flüsse, durch die Irrwege der Steppen und die Halbnacht der Wälder.
*
Im Mai hatte ich die Städte Halberstadt, Würzburg und Venedig besucht.
Es aab den Mai des Knaben, der die Botanisier- buchse vus dem Halbdunkel und Staub des Speichers herauskranste und das durchlöcherte Schmetterlingsnetz suchte: denn die Zitronenfalter und Pfauenaugen flogen über den Wiesenweg. Jener Mai, der mich zu den Landkrämern trieb, die Zigarren zu drei, fünf und stoben Pfennig hatten: »Haben Sie eine leere Zigarrenschachtel?" — In das faserige, braune Holz, mit der Tabakplantage und der dunkeläugigen spanischen benjoro auf Dem Deckel, wurden Dustlöcher gebohrt.
Im Dustrausche der Dämmerung brummten die Maikäfer Im Geäst der Zwetschenbäume saßen sie, in die Blätter gekrallt, wie braune Klumpen. E» gab Könige unter innen, Schuster und Müller, die Könige hatten ein rötliches Nuckenschild und waren selten
Eine neue Heilstätte in Gießen.
schlossen ist von den übrigen, um dadurch jede
Infektionsgefahr innerhalb der Heilstätte von
Rach dem Abschluß langwieriger Vorderer - tungsmastnahmen ist in den letzten Tagen mit den Dauarbeiten zur Errichtung einer Heilstätte für Tuberkulose der oberen Luftwege begonnen worden. Diese Heilstätte, die bekanntlich von dem Heilstättenverein für Hessen schon seit langer Zeit als eine dringende Rotwendigkeit bezeichnet wurde und die von den Fachkreisen im Interesse der leidenden Menschheit außerordentlich willkommen geheißen wird, soll ihre segensreiche Tättgkeit in enger Verbindung mit unseren Gießener Unlvers'ttäts- klinikcn ausüben. Die Leitung der Heilstätte wird der Direktor der Universitätsklinik für Hals-, Rasen- und Ohrenlranke, Professor Dr. Brüg - gemann, übernehmen, die Anstalt wird für sich selbst geleitet, aber der medizinischen Fakultät unserer Landesuniversität angegliedert und bedeutet somit auch für diese eine höchst bedeutungsvolle Bereicherung der mustergültigen klinischen Anlagen.
Der Bau findet seinen Platz südöstlich des Lupushcimes zwischen der Gafskhstraße und dem Aulwcg. Das Gebäude wird außer dem Kellergeschoß aus einem Erd- und drei Obergeschossen bestehen. Cs wird für 72 Betten eingerichtet, von denen 12 im Erdgeschoß _ als Aufnahmestation und je 30, getrennt für Männer und Frauen, in den Obergeschossen untergebracht werden. Es wird weiter mit umfangreichen Opera- Hon»-. Röntgen-, Licht- und Inhalationsräumen ausgestattet, die sich zweckdienlich dem Ganzen einfügen sollen und in ihrer (Änrichtung das Vollkommenste auf medizinischen und fachtech- nischem Gebiete darstellen werden. Die hygienischen und sanitären Anlagen sollen eine vorbildliche Gestaltung erfahren. Während das Erdgeschoß und zwei Obergeschosse, wie oben gesagt, Heil- und wissenschaftlichen Zwecken dienen werden, wird im dritten Obergeschoß der erforderliche Raum für die Aerzte und daS Pflegepersonal geschaffen. 3cbe Abteilung soll so eingerichtet werden, daß sie streng abge-
vornherein auszuschließen.
DaS große Heilstättengebäude soll im Eha- rakter moderner Architektur gehalten werden und ein fsacheS, begehbares Dach bekommen, das durch den Mittelbau in zwei Flüael geteilt wird, von denen je einer den Frauen dzw. Männern zu Freilicht-. Luft- und Sonnenbäbrrn dienen soll. Das Gebäude wird eine monumentale Gestalt ausweisen und in dieser Art als eines der bedeutendsten Bauwerke anzusprechen sein, das seit vielen Jahren in unserer Stadt errichtet wurde.
3n unmittelbarer Verbindung mit dem Gebäude wird ein besonderes WirtschaftShauS stehen, in dem die Kochküche. Kühlanlage, Wäscherei, Plätterei. Personalräume, Vorratskeller usw. eingerichtet werden. Ein weiteres Reben- aebäude wird die Desinfektionsanlage. _ einen Müllverbrennungsofen und Stallungen für die Impftiere enthalten.
In der Gesamtheit gesehen kann man heute schon sagen, daß diese Heilstätte eine Muster» anlage werden wird, die als erstes Institut dieser Art in Deutschland sicherlich größte Beachtung finden dürfte. Um die Schaffung dieses Instituts zum Segen der leidenden Menschheit hat sich der Präsident deS Heilstättenvereins für Hessen. Dr. Reumann, gana besondere Verdienste erworben. Die Geldmittel werben von dem HeUstättenverein aufgebracht, die Reichsbehörde und der Hessische Staat gewähren namhafte Zuschüsse. Der Entwurf zu dem bemerkenswerten und interessanten Dau stammt von dem Architekten Baurat Meyer, der auf diesem Gebiete wiederholt hervorragend tätig gewesen ist, und der auch die Bauleitung übernommen hat.
Der Bau soll noch in diesem Jahre unter Dach kommen und dann so gefördert werden, daß er Ende 1929 seiner Bestimmung übergeben werden kann.
mittags über Haina, Kirchhain durch den Ebs» dorfer Grund: die beiden Autos waren von dem Gemeindever band Wieseck-Alten- Buseck gemietet. Die Teilnehmerzahl betrug über 100 Personen. Alle Teilnehmer waren von Dem Ausfluge hochbefriedigt und werden noch lange an die schön verlebten Stunden ^urückdenken. Oesters wurde der Wunsch geäußert, der Dereins- vorstand möge derartige Ausflüge einigemal im Laufe des Sommers veranstalten. — Als in der Sonntagnacht gegen 1 Uhr Pas'anten d e Bahnhofstraße passierten, bemerkten sie aus dem W o h n- hausdacke von Dr. Kunz eine männliche Person hin- und herkkettern. Man verständigte Dr. Kunz hiervon, der sofort, unter Zuhilfenahme einiger anderer Personen, eine Durchsuchung des Hauses, Hofes und Gartens vomahm, die jedoch ergebnislos verlief. Ob man es mit einem wirklichen Einbrecher zu tun hat, oder ob sich vielleicht ein junger Mann einen Scherz erlaubt hat, muh dahingestellt bleiben, doch neigt man eher zu letzterer Annahme.
00 Klein-Linden, 15. Mai. Aus der kirchlichen Statistik unferer Filialgemeinde Allendorf an der Lahn auS dem Jahre 1927 ist als bemerkenswert zu berichten: Die Zahl der zur evangelischen Landeskirche gehörigen Mitglied: r beträgt 1920. Daneben befinden sich in unserem Orte noch 27 Altlutheraner und Freilutherische, 14 Reuapostolische. 7 Adventisten und 15 Freireligiöse. Uebcrtritte zur evangelischen Kirche erfolgten einer, Austritte einer. Die Durchschnittszahl der Besucher eines Hauptgottesdienstes betrug 124 Männer, 149 grauen und 46 Kürder, für einen Rebengottcsdienst betragen die Zahlen 80 Männer, 160 Frauen und 50 Kinder. Die Kindergottesdienste wurden durchschnittlich von 65 Knaben und 85 Mädchen besucht. Am Heiligen Abendmahl beteiligten sich im ganzen 2203 Personen, nämlich 10c7 Männer und 1126 Frauen. Eheschließungen wurden 11 vollzogen, geboren wurden 35 Kinder, konfirmiert 38 Kinder. Die Zahl der Verstorbenen beträgt 24. An milden
Gaben wurden aufgebracht: für Aeußere und Innere Mission und den Duftav-Adolf-Verein 530 Mk., für die Krankenpslegestation 1676 Mk. und für die Krnderschule 1267 Mk., ohne die nicht unerheblichen Kirchenkollekten und die fo-n- ftigen freiwilligen Leistungen für kirchliche Zwecke.
' Großen-Linden. 16. Mai. Rächsten Samstag, 19. Mai, veranstaltet die Gauriege des Gaues Hessen D.T. für Köln einen Wer beabenb in der hiesigen Turnhalle. Für den Turnverein ist es eine befonbere Freude, die Gauriege in seinem Heim begrüßen zu können, da zwei feiner Mitglieder dieser Riege anaehören. An diesem Abend ist der Einwobnerfchast Großen- Lindens sowie der umliegenden Ortschaften Gelegenheit geboten, dem Turnen der Besten unseres Gaues an Pferd, Barren und Reck unter der Leitung des Gauobertumwartes Will (Gießen) beizuwohnen. Die Veranstaltung wird eingeleitet durch einen L i ch t bi 1 de r v o r t r ag deS Turnlehrers 6 i n n w e 11 von Bad-Rau- heim, der Teilnehmer der Amerikariege war.
Großen-Linden, 15. Mai. Am Himmelfahrttage wird wieder, wie alljährlich, im Wäldchen bei der Luhmühle ein christliches Waldfest abgehalten. Diese Veranstaltung dürste sich, wie auch sonst jebeS Jahr, eines regen Besuches aus den umliegenden Orten zu erfreuen haben.
----- Lang-Göns, 15. Mai. Selten hat unser Dors ein so großes Trauergeleite gesehen wie heute, als unser Ge.neinderechner,- Architelt Ludwig Velten zur letzten Ruhe gebracht wurde. Wit ihm ist ein Mann in den besten Jahren, dahingegangen, der in dem Leben von Lang- Gons eine bedeutende Rolle spielte. 1919 war er mit großer Mehrheit zum Bürgermeister gewählt worden. Dieses Amt hatte er biS 1923, wo er Demei nder e ch n er wurde, inne. Er war außerdem Mitglied des KirchenvorstandeS. Die Entwürfe ßu den zahlreichen Wohnhäusern, die feit Kriegsende hier erbaut wurden, stammten fast ausnahmslos von Ludwig Belten. Pfarrer Wahl fand treffende
Die Schuster glänzten pechschwarz und die Müller wie von Mehl bestäubt.
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Wer in diesem Monat geboren ist, soll das Kupfer lieben. Bon Steinen aber Öen Saphir und Öen Türkis schätzen. Ich bin nicht im Mai geboren; Öeshalb wähle ich mir auch nicht öie Sechs zur Glückszahl. Ich liebe Gelb, aber die Maigeborenen roeröen Öas Blau zu ihrer Farbe machen. Auch Violett ist für ihr Wesen harmonisch. Den ©ranatftein sollen sie meiöen; er bringt Unglück.
Es ist Öoch gut, wenn man vieles gelesen hat. So erinnere ich mich an eine Wesensbcschreibung Öes berühmten Astronomen Tvcho Brahe. Nach seinen Feststellungen werden im Mai geborene MöÖchen fröhliche unö zu Neckereien geneigte Geschöpfe.
Ein Hanöbuch aus öcm Jahre 1565 berichtet, daß der öritte, sechste, fünfzehnte unö zwanzigste Tag voll Unheil feien. Ichwciß nicht, ob öies stimmt. Schlage ich in meinem Tagebuch nach, fo finöe ich, daß an dielen Tagen nichts geschehen ist, weder Unheilvolle» noch außerordentlich Beglückender-. Irgendwo heißt e» vorn 7. Mai: Das Dorf Elfershausen betreten, die Kinder beteten in der Stube; auf einem Pferde ritt ein Knecht vorbei; a . einer Fensterscheibe drückte sich ein neugieriges Frauengesicht platt. Es ift fo lange her, daß ich nicht mehr weiß, wo dieser Ort liegt.
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Die Nächte Haden einen Schimmer von Helle; etwas Gläsernes im Gewölbe. Königin des Himmels ist die Venus. Königin der Liede auch. Am Anger liegen die Liebenden, mit dem Befragen des Blumenorakels bcfchästigt.
Ein Knabe lungert in der Dämmerung am Fenster, um die Fledermäuse zu betrachten, die über den Firsten mit großen und zickzackenden Bögen lautlosen und gespenstischen Fluges vorbeiflattern. Er hört die Kinder in der Gasse rufen:
,Jomm unter meinen Hut, Fledermaus,
Dann geb' ich dir ein Stückchen Speck zum Schmaus!'
Die ersten Gewitter ziehen ums Hau».
Im abendlichen Wiesenland, nabe am Rande de» sumpfigen Waldes, schreien die Frösche. Unermüdlich, die Halde Nacht hindurch, tönt ihr Geschrei. Mir dünkt, als schreie die Erde selbst.
Der Mai des Jünglings war die Bank im Hain, die er mit einem Herzen und den Initialen von H.W. versah. Mitten durch dieses Herz flog ein Pfeil Der Mai des Jünglings war, daß er mit der (Beige
ans offene Fenster trat und die Serenade von Toselli mit den gicksenden Lauten spielte. Leise bewegte sich eine Gardine im Nachbarhause.
Wenn der Mond aufging, stand das junge Mädchen am Fenster unö hatte den Kopf geneigt.
Ich habe sie gekannt. Aber jetzt weiß ich nicht einmal mehr den Namen von ihr.
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Was wird mir dieser Mai bringen? Ich wünsche mir Maibowlen, Spargelessen, eine kleine Reise an einen Fluß, eine halbe Nacht lang unter einem blühenden Fliederbusch mit irgendwem zu sitzen, wieder einmal die Abendtrommeln der Frösche zu hören, ein zielloses Gehen in die Wälder, einen Hang von ergrünenden Birken, ein Herz voll Torheit, den Besuch einer Maiandacht, in der wie vor fünfzehn Ianren eine kleine weige Nonne Harmonium spielt, eine Gardine, die sich meinetwegen im Mondschein bewegt
Da finde ich noch geschrieben, daß am 15. Mai im Jahre 19.. sie die Tür schloß und mich in der braunen Dämmerung stehen liefr Sic gab mir einen kleinen Ring, der einen Diamant, einen Aquamarin und einen Malachit trug. Erst später fiel mir ein, daß die» bedeutet: Denk an mich!
Das Geheimnis her Oroschle479 Y29.
Ein phantastischer Kriminalfall, der die Erfindung aller Detektivgeschichten in den Schatten stellt, beschäftigt jetzt die französische Polizei. Die Umstände erinnern ein wenig an den berühmten Kriminalroman .Das Geheimnis einer Droschke" von Fergus H u m e, der vor einem Menschenalter verschlungen wurde, sind aber viel verwickelter. 3m Mittelpunkt der geheimnisvollen Angelegenheit steht die Droschke Rr. 479Y29. die am 16. 3uni des vergangenen 3ahreS auf einer Straße außerhalb der Stadt Sa en in der Rorrnandie verlassen aufgesunden wurde. 3m 3nnern des Wagens lag die Leiche des Kutschers und Eigentümers, eines ManneS namens Jean Boulte, der durch den Kops arichossen war. Die Polizei entdeckte bei den sofort aufgenommenen Rachsorschungen als Mörder einen gewissen William Follain. Bei seinem Verhör kam aber noch ein anderer Mord zur Sprach?, der in einem Zug« an einem französifcken Obersten begangen war. Wan sucht» nachzuweisen,
Worte. die die Verdienste des VerstoaLenen hen?orhoben. Für die Gemeinde sprach Bürger- meifkr Rompf. 3m Romen b-s KrrisamSes legte Oberreg ierungSrat Dr. Heß einen Kranz nieder und betonte besonders dos _ gute Einvernehmen, das zur Zeit der Amtstätigkeit von S2ubw;g Velten als Bürgermeister zwischen der Verwaltungsbehörde und der Gemeinde Lang- Göns gehe r scht Hatto. Für den Gesangverein »Frohfirm" sprach Wilhelm Euler, für den ÄrLegenxr.'ia Dorsteher Flach. — Ludwig Velten wäre iin Dezember dieses Iahrvs 50 3ahre alt geworden. Er hinterläßt eine Witwe und zwei Kinder. Die Anteilnahme an dem schlieren Trauerfall ist allgemein.
< AuS der nördlichen Wetterau, 15. Mai. 3n hiesiger Gegend ist man gegenwärtig eifrig an der Hederichbekämpfung tätig. Wie im Vorjahre, tritt biete« lästige Unkraut auch Heuer toiefcer in zahlloser Meng« auf. Durch Hacken, durch Streuen von Hederichkainit und ungeöltem Kalkstickstoff, ferner durch Bespritzen mit Eisenvitriol und andern heberich- bc lamp senden Mitteln rückt man ihm zu Leibe. Die Sommersrucht ist infolge-b<L-anhaltend trockcn-kuhlen Witterung in iyrem Wachstum im Rückstand geblieben, während die Winterfrucht das kalte Wetter besser überstanden hat. Ein guter Regen Ware am Platz« und wird vom Landwirt sehr gewünscht, nicht allein für das Getreide, sondern auch für die Hackfrüchte und das Grünfutter. Rotklee und Luzerne weifen einen guten Stand auf. Wenn der ersehnte Regen bald eintritt, wird man in aller Kürze mit dem Schnitt beginnen.
KreiS Friedberg
4. Bad-Rauheim. 15. Mai. Dieser Tage war unser Bad daS Ausflugsziel gröberer Reisegesellschaften. Am Samstagnachmittag traf bie Akademifche Bereinigung Mainz mit Sonderzug hier ein. Die Gäste besichtigten das Bad. hörten sich einen Lichtbildervorirag Oberbaurat BerckS über die hiesigen Quellen und Badeeinrichtungen an und nahmen abends am Tanz im Großen Hause teil. Am Sonntag unternahm die Franksurter DezirtSgruppe des Vereins Deutscher 3ngen leure einen Lehrausslug nach hier. Die eingehende Besichtigung galt vor allem den Gradierwerken und den Wasserkünsten auS der Mitte des 18. 3ahrhunderts, ferner den technischen Betrieben dos Bade«. Oberbaurat Der ck hielt unter Verwendung von zum Teil ganz neuem Lichtbild- und Zahlenmaterial einen hochinteressanten Vortrag über Qucttfassungen und Bereitung von Mlneralbädem.
WSN. Bad-Nauheim, 15. Mai. Au» den Kellerräumen eine» hiesigen Hotel» wurde am vergangenen Freitag ein Fahrrad aest 0 hlen. Gleichzeitig mit einer P 0 st k a r t e . auf der er mit- teilte, man möchte die Ermittlungen einstellcn, sandte der Dieb das Fahrrad aupMainz perSil» a u t wieder nach Bad-Nauheim zurück, wo e» dem Eigentümer ausgehändigt werden konnte.
KrciS Büdingen.
R i d d a. 15. Mai. Bei dem am Samstag und Sonntag von der hiesigen Schützen- a e f e 11 f d; a f t abgehaltenen KönigSschie- 5 c n war die Beteiligung nicht nur von hier, sondern auch von Schutzen aus Schotten. Hungen. Gießen. Friedberg, Ortenberg und Bü- oingen stark. 3n festlichem Aufmarsch zog.n jedesmal die Schützen unter Vorantritt Der Feuerwehr! apelle zu den Schioßständen. Es wurden recht gute Resultate erzielt. Den ersten Preis errang mit 56 Ringen Oborbahnmeister Struck von hier. Er wurde Schützenkönig und erhielt die Schützenkette. Den zweiten Preis erhielt Zahnarzt L i st m a n n dahier, den dritten Preis Steinbruchbesitzer Rickel von Ober- Widdcrsheim. Letzterer war im verflossenen Iahro Schützenkönig. Abends sand Rachseier im Vereinslokal. »Hanauer Hof", statt. Außer dem Schützenfest sanden hier am vorigen Sonntag noch neun weitere Veranstaltungen statt, von honen besonders die Wieder- sehenSfeicr ehomaligor Artilleristen der Regimenter 25 und 61, die Versammlungen der Metzgcrinnung deS Kreises Büdingen und die Generalversammlung des KreiSziegonzuchtvereins zahlreiche Gäste hierher brachten. Die übrigen
daß auch diese Untat von Follain begangen worden sei; er wurde zum Tode verurteilt und soll demnächst hingerichtet werden. Die Droschke wurde dann an einen gewissen Louis Eadorin verkauft, der nun das Geschäft weiter betrieb. Aber bald danach wurde der Wagen wieder auf einem Wege außerhalb von Eaen verlassen gefunden; diesmal war keine Leiche darin, sondern der Kutscher wurde vermißt und wird noch vermißt. Blutspuren an den Kissen wiesen auf ein neues Verbrechen hin. Am Tage nach dieser Entdeckung fand ein Kind, das an dem Orne- fluß in der Rah« von Eaen spielte, ein Rotizbuch, das auf den Fluten schwamm. Da« Kind fischte es heraus unb brachte es zur Polizei. Der Inhalt zeigte, daß da« Rotizbuch dem GefchäftS- reisenden LouiS Boucaud gehörte, das war her Fahrgast, der bie Droschke genommen hatte als man sie zuletzt mit ihrem Kutscher gesehen. Boucaud ist ebenfalls spurlo« verschwunden, und doS Geheimnis wird dadurch noch dunkler. Di« Koffer de« Geschäftsreisenden stehen noch In hem Zimmer, da« er in einem Hotel zu Eaen bewohnte. die Rechnung hat er nicht bezahlt. Di« Polizei glaubt. Öah d«r Kuttch«r Eadorin unh sein Gast Boucaud beide Opfer eine« Mordes geworden sind, dann wären alfo bereits drei Menschen im Zusammenhang mit her Unglücksdroschke getötet worden, abgesehen von dem übet» führten Mörder, der feiner Hinrichtung entgegen» gebt. Damit aber auch in diesem Drama voll Word und Geheimnis bie Lieb« nicht fehl«, haben bie Detektive entdeckt, daß Boucaud ein Verhältnis zu einer schönen Witwe namenS Pvonne Brunot unterhielt, die in Eherbourg lebt«. Auch diese Dame ift feit dem Tage, her dem folgt«, an dem man die Droschke zum zweitenmal verlassen vorfand, aus ihrer Wohnung spurlo« verschwunden, unb man nimmt an. bat) sie mit dem Verbrechen irgendwie zusammenhängt. Bekannte der Witwe behaarten, daß sie vor einigen Monaten von ihrem Liebhaber einen Brief erhielt, in dem er Selbftmorbabfi<6ten äußerte. DU Verwandten de« Reisenden aber halten biefe Annahme für ganz unwahrscheinlich unb erklären es für unmöglich, daß Boucaud sich Im Orneflufj ertränkt habe, denn er war ein M elfter- schwirnmer, der unmöglich diese Art. sich aus dem Leben zu befördern, gewählt haben kann. So ist also ba« Geheimnis her Drvjchöe 4Z9Y2B noch nicht entschleiert.


