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Mittwoch, 16. Mai (928

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)

Hr.VS Zweiter Blaff

Volkstumsarbeit und Euwpa

Hochschulnachrichteii.

Ernst Darnikol m

Der CurtiS ledig te

allen au»*u- SdHlKtA

im Reiche schließt e- wiederum fremden gruppen vigebörige Minderheiten ein.

Die Deutschen Europa- lind allo in Lagen die haatercdbtlidb überhaupt denken lind, teilen lie sich doch In der

schwerten Dosen zu entwickeln. Der Gottmensch, der verklärt in den Himmel fuhr, war der Vor­läufer unter ihnen." Und Linda schwärmte, baß Hellmut als ein neuer Heiland gekommen sei. die Welt zu erschüttern, und daß eben deshalb der Flug gelingen werde und müsse. So redeten sie, die müde Alte und das lahme Mädchen, ganz Glaubensinbrunst alle beide, und falteten betende Hände um das Lichtlein ihrer Hoffnung, indes draußen Wetterkundige. Techniker, Gekehrte, Luft- und Seefahrer an dem Verschollenen bereits ver­zweifelt waren.

Endlich, am dritten Tage Linda hatte Vureau und AlltagSpllicht unter der Wucht der Ge- fchehnil'e vergessen. entzündete der Funk'pruch einen Glanz über den Abgründen des Bangens. Gelandet! Aus Umwegen, schwach bewohnter Insel. doch die Tat der Heberqucrung deS Ozeans war vollbracht.

Die beiden Frauen, abgemaaert und mit geister­haft vergröberten Augen sanken sich in die Arme und weinten lautlos. Die Entspannung brachte grenzenlose Erschöpfung. Mit einem Mal wußte das Mädchen nicht mehr, warum fie eigentlich hier war. noch hier war. Schon trat die Mutter in den Lichtkreis. Irgendeine Zeitung hatte wie­derum auf fie aufmerksam gemacht. Glückwünsche und Blumen tarnen, erst spärlich, dann körbe­weise. Die Alte verlor erst jetzt die Fällung.

Endlich ein Aabeltelegramm in das nicht mehr einsame Haus. Es meldete Sieg und Gesundheit und bat um Verzeihung wegen der wohlgemeinten Verheimlichung.

7tun lachte die Mutter Die Hot war ja vor­über. Sie depeschierte zurück: »Linda ist bei mir. Sie hat mir beigeftanben", fügte sie in ihre Ant­wort ein. Sie vergab, dah für den in Stürmen abgekämpften Mann, den jetzt ein Orian des Jubels umrauschte, der Harne Linda leerer Schall war. Doch er erwiderte tröstlich und zärtlich: »Linda soll bei dir bleiben, immer" Eie ahnte nicht, welches Schwergewicht von Sorge von ihm abfiel, seit er einen Menschen wußte, dem er beruhigt die Mutter anvertrauen konnte, von der sein Leben in immer fernere Zonen sich löste.

Linda nahm es als Schicklalsspruch. Sie blieb. Hub einmal kam er. Ein Fremder. Groh und braun und hager. Stählern. Wortkarg. Sachlich. Nicht ohne Güte. Allmählich dämmerten ihm die kleinen Dinge der Jugend auf. »Schwesterchen", sagte er und spielte mit ihren Fingern. »Du hast einen lieben Hamen. 6ci ihm treu."

Staate StaatSvoll In Danzig. Oesterreich und ....... * VolkS-

und Nachfolger von Geheimrat Hantzsch an die Uniöerfität Leipzig abgelehnt hat, einen Huf an das neugegründete Ka.ser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg als Wissenschaftliches Mitglied und Dirccktvr des Chemischen Instituts desselben angenommen.

mit drei romanisch-sprechenden Völkern in die Staat. !übrung. Denn also die Deutschen unter­einander über die Grundfätze einer gerechten Lösung der Probleme von Staat und Boll-tum Klarheit gewonnen haben, so werden sie eine V Ölung finden, die nicht bl oh ihnen in ihrem örtlichen Stampf eine moralische Sicherheit gibt, sondern auch aller Voraussicht nach über­haupt den Schlüssel zu einer Neu­ordnung in Europa bedeutet, eine Lö­sung. die nur auf einem gerechten Ausgleich zwischen Staat und Volk oder auch zwischen den Voller i Europa- beruht Im sicheren Be­wußtsein dir Straft und Würde des eigenen VolkStum- sollen wir an diese Fragen heran- «chen. _________________________

Rechtsgleichheit, eine «rohe Freiheit der Rechte der Einzelpersonen, gleiche Besteuerung, gerechtes Gerich:. weitgeheiü>e Verein»- und Versammlungsfreiheit kurzum LebenSraum für ein Volkstum, das sich, auch wenn es vom Staate nittn begünstigt war. frei entwickeln konnte. Daß beweisen die Tatsachen der blühen­den Entwicklung polnischen und dänischen Volks­lebens vor 1914.

Frankreich gewährte dagegen seinen sprach­lichen Minderbeiten keinerlei Hechte Das liberale Italien der Vorkriegszeit engte den Leben-raum der deutsch- und sranzöfllchsprachi- gen Volksgruppen in den Alpentälern mehr und mehr ein. Da» zaristische Hufolanb Halle Ukrainisch und Litauisch a'.S Sprache überhaupt verboten, auch Polen, stark russlliziert, sich mit übelster Valtenoerfolgung besudelt Aus Un­garn kamen Klagen über die x?iia?tinnebaltung de- an sich trefflichen Nationalitätengesetze» von 1867 und über die apponihfchen Schulgesetze. In Belgien mußte da- Flamentum hart um An­erkennung ringen. Oesterreich war inner­lich zerbrochen durch Nationalitätenhader. Nur die Schweiz bildete eine Insel deS Friedens in Mitteleuropa: nicht darum, weil fie beson­der- treffliche NationaliiätengefeheS gehabt hätte ihre Sprachengefetzgebung ist vielmehr denkbar dürftig sondern weil die falsche Auffassung von Nationalstaat die ältere Auffassung ver­drängt hatte

Prophezeiungen flatterten auf in Zeitungen und Gesprächen. Ein Blatt gedachte brr alten Mutter des Piloten. Sie hatte nichts von seinem Wagnis geahnt. Erst glückliches Gelingen, auf das er vertraute, sollte ihr die Kunde in ihr weltfremdes Dorf tragen. Schonende Liebe hatte zu solcher Heimlichkeit getrieben. Nun jedoch war alles am Tage. Auf den fünf Erdteilen wurde um das Schicksal des kühnen Pfadfinders der Lüfte gebangt. Völker rissen sich um die Gunst, ihn zu ehren und auszuzeichnen. Das Geschlecht der brausenden Jugend würde den gescheiterten Helden als ihren Fahnenträger betrauern. Wie mochte bei soviel Schwung der Massengefühle Rücksicht auf baö Zittern des MutterherzenS ge­nommen werden?

Linda, selbst überreizt, und überfeinert bis in alle Nerven, malte sich die zagende Not der ein­samen Frau mit zwingender Pein in allen Stadien aus. Und plötzlich erkannte sie ihre Ausgabe. Ich muß bei ihr sein, um die nächste Nacht, den nächsten Tag stummen, stumpfen Harrens mit ihr au teilen. Kein dritter Mensch auf Erden ver­stände in die Seelengemeinschaft einzudringen, die zwei zur Untätigkeit und zum Deifeitestehen verurteilte Frauen verschmelzen würde. Kein Zweifel, daß andere da wären, glückliche, be­glückende. die ihn liebten, die von seiner Liebe, seinem Erfolg sich ungeheure LebenSsteigerung erhofften. Jene standen im Lichtkreis, denn Hoff­nung ist Kraft, und Kraft durchleuchtet. Nur die Verzichtenden, die Alte, jenseits des Wünschens, und die Junge. Angekettete, ermaßen das schwere Dunkel über Auge und Ohr, denen sich kein Zeichen enthüllt.

Eie benutzte den letzten Urlaubstag zur Fahrt in das Dorf der Heimat, wo keine anderen Ve- ziehungen sie mehr hielten als das Häuschen von Hellmuts Mutter. Die Alte, im Fieberkrampf des Wartens fast zur Hellseherin gesteigert, be­griff ohne Worte und nahm das Mädchen an ihr Herz wie eine Tochter. Eie klammerten sich aneinander. Sie lächelten sich mit blaffen Lippen Zuversicht zu. Eie sprachen, fletn und erb- gebunden, von seinen Abenteuern wie von einer Reise zu anberen Gestirnen. »Die Welt hat den Glauben verloren", sagte die Mutter. »Die alten biblischen Geschichten find Märchen für sie. Mein Sohn wirb sic wieder gläubig machen. In Fleisch und Blut unternimmt er eine Fahrt bis in den siebenten Himmel. Hat Gott nichts dawider, so ist erwiesen, daß die Menschen berufen und aus­erwählt find, sich zu höheren, freieren, unbe-

III.

Es ist hier nicht der Ort. die Notwendigkeit einer Einigung des mehr als je zerrissenen Europa auszuführen. DaS geschieht oft genug aus den vcr chiedensten Lagern heraus. Männer, die vollsmänig benten, denen Volk ein Vegrilf unb Wert ist. und Männer, die nur Staat und Beziehungen von Staaten untereinander sehen, find sich darüber einig. Aber über die Mittel, die zur Vcffcrung anzuwenden sind, gehen, eben wegen der verschiedenen Ausgangspunkte, die Anschauungen weit auseinander.

Wenn eS richtig ist. daß das Verhältnis von Volk zu Staat. daS Sichnichtdecken der Staats- und VolkSgrenzen heute als das entscheidende Problem angesehen wird, so ist die Folgerung zwingend, daß Voll unb Staat in ganz anderer Weise al- bisher zum Gegenstand der Untersuchung zu machen find. Man kann fragen: ist das Aufgabe der Volls- politik. derer, die sich um die Erhaltung deS VollStums unb seines Bestandes zu kümmern haben? Das ist zu bejahen: aus zwei Gründen:

Wir verstehen unter VollstumSarbeit prak­tisch eine Fülle von Cinzelarbeit. Jeder denkt sofort an die Orünbung von Schulen und Kindergärten, an di« Abhaltung von Kursen für wirtschaftliche und geistige Fortbildung, an Krankenhäuser unb sonstige wohltätige Anstalten mit volkStumSsördcmder Bedeutung, an wirt­schaftliche Unter tepmungen, an Preße unb Volks­bücher, ien, an Verein-Wesen unb viele- andere. Gewiß, das alle- muß fein, da» ist da- un­entbehrliche Werkzeug in der Hand des Ar­beitenden: aber diele Hand wird gelähmt, da- Werkzeug wird zerschlag m. solange daS Verhält­nis von VolkStum und Staat nicht einer Ve­reinigung unterzogen ist. Solange es mög­lich ist. daß Volkstumsrechte durch einen Ge­waltakt ober durch formale Mehrheitsbeschlüsse von einem Tage -um anderen zum Verschwinden gebracht werden, solange Schulen willkürlich ge­sperrt. Vereine ausgelöst. Presse unterdrückt. Ge- meinschasts- und Privatbesitz beschlagnahmt wer­den kann, ist die Ein-elarbeit auf Sand gebaut ES fehlt ihr daS Fundament einer ge­samteuropäischen RechtLanschauung. Der tätigen Einzelarbeit fehlt die Voraus­setzung: die Rechtsgrundlage.

Nun zur anderen Seite: ein Volk. daS in schwerem Ringen steht, bedarf des Bewußt­seins feines Rechtes, um der Ueber- macht nicht zu unterliegen. Dieses Recht muß in Einklang stehen mit den höchsten sittlichen Grundsätzen der Zeit. Es muß aber auch ein­heitlich fein. Es geht nicht an, daß b.iuiid)c Volksgruppen an den Rändern des Sprach-

Dozenten Lie. Dr. phii. Bonn ergangen. Der ordentliche Professor an der Glogen. Tech­nischen Hochschule in Zürich vr. Richard Kuhn hat. nachdem er soeben einen Rus als Ordinarius

gebiete» sich bloü für ihren Sonders all Rechts­grunds ätze zurecht machen, die womöglich den an a ibcrc.1. Stellen gettmdenen widersprechen Das geht nicht au» äußeren da- g ht nicht au» inneren Gründen Ünfcr Voll ist in einer un­gewöhnlich schwur gen Laae In 14 Staaten Europa- ß \ > nicht Staatsvvll. teil» au» ge­gebenen V.rbJil hülfen b.rau». teilt unter bau Zwange von Fr d.n--d laten. ES ist aber auch in kleinen einem mittleren unb einem großen

he rauSge arbeitet werden, nicht der Kampf von Boll zu Volt daS Erste und der Anfang, son­dernde r Staat": der Staat der abendlän- bttchen Völler In Europa und Uebcrfce maßte es sich an. einen umgestaltenden Einfluß auf die VollSpersönlichkeiten. vor allem durch Er­ziehung der Jugend, auSzuüben. Später greift et mit einschneidenden Maßnahmen auch in das sonstige Kultur- und Wirtschaftsleben ein. Er beengt den LebenSraum bet nicht zum StaatS- voll gehörenden Volksgruppen immer mehr. In alten Zeiten hatte man nur den Kampf zweier Völler in ihrer staatlichen Organisation gekannt. daS heißt den Kampf zweier Staaten gegenein­ander. Die nächste Pdale war der Kampf deS Staate» g c gl n Volksgruppen, die in ihm eingegliedert waren.

Der übervölkifche altösterreichische Staat hatte wohl deutsche VcrwaltungSsprache. aber, und das ist der grundlegende Unterschied gegen französische unb sonstige Verhältnisse, ihm lag fern, die zahlreichen anderen Völker ein- deutschen zu wollen. Er kämpfte nur. um fein Leben, um daS immer schlaffer werdende gemein-

I.

<4* ist eine geschichtliche Aufgabe deS Echuy- Hunde». ein Bindeglied zu bilden -wischen den einzelnen voll-deutschen Bewegungen, in den Grenzgebieten deS Reiche» und Ocftetre ch» wie im Raum der au-landdeutschen Volksgruppen, tue um Erhaltung ihre» Voll»tum» kämpfen. Die Arbeit ist vielgestaltig, wie die Leben»- Äußerungen de» deutschen Volle» überhaupt. Denn eine Tagung, wie die S. Schuhbundver­sammlung in Essen, die Frage der VolkStumS- arbeit unb Volk-tumSp olitik zum Gegen- stand der Beratung macht, fo bedeutet da» be­wußte Beschränkung. Beschränkung aber auf da» zentrale Problem

Boll,will sich erhallen. Voll, da» seiner selbst bewußt geworden ist. da» sich al» Einheit auch dort empfindet, wo ein gemeinsame» staat­liche» Band c» nicht umschlingen kann, sei es au» zeitlichen Hinbernillen, sei e» aber auch begründet au die geopolitischen Hindernisse alLju weiter geographischer Entfernung. Volk-Politik ist ein Wort, da» Nock, keinen gesicherten Platz im deut­schen Sprach'chatz und vor allem in bet bcutfdxm Begriff»welt har. E» ringt heute noch um An­erkennung Denn die Vergangenheit kannte die Rotwendgkeit einer besonderen VollSpvlitik nicht.

II.

Bor mehr al» hundert Jahren wat e» vor allem Frankreich, da» schon mit dem Be­ginn bet französischen Revolution ein staatliche» Gleichheitsideal für alle seine Völker aus­stellte. die eben sprachlich und im Denken völlig einheitlich werden sollten, damit dierepublique unc et indivisible durch Einheit de» Volkstum- gesichert werde. Dem französischen Staat»volke sollten die nichtfranzösischen Volksgruppen an- gcglichen werden. Hatte der absolute Staat Wohl auch 'chon zentralistische Neigungen gezeigt, haupiachlich. damit da» Regieren einfacher. da­mit die Verwaltung weniger verwickelt wäre kMaria Theresia und Josef II. in Oesterreich), batte in früherer Zeit der Staat die Religion bcftimmen sollen, so brachte doch erst die Wende de» 18. und 19. Jahrhundert» den Wunsch unb die Mittel VolkStum im Interesse de» Staate» umzuwandeln. Von der M ite de» 19. Jahrhun­dert» an wurden diese Gedanken fast in ganz Europa mehr oder weniger rafch auf genommen, ha» VolkStum war fortan bedroht von Forderun­gen und Gewaltmaßnahmen der Staatlichkeit, die durch ein andere» Volk daS Staatsvolk geleitet war.

ES ist, unb da» soll hier mit aller Härte

durch die Emeritierung des Geh. Rats an der Uniöerfität Franksurt er- Lehrstuhl der englischen Philologie ist dem orb. Prof. Dr Bernhard Fehr in Zü­rich angeboten worden. Der durch die Emeri-

Himmelfahrt.

Don Anna Kappstein.

Da» Flugzeug stieg in phantastisch hohe Luft­schichten. Nicht großer al» ein Kinberballon erschien es dem Auge. Geradewegs in die un­ergründlich blaue HunrnelSkuppcl stieß es. Mit verzücktem Gesicht folgte ihm das Mädchen, den gehlendeten Blick mit starren Pupillen aufwärts gerichtet. Unau-benkbar für ein Wefen. daS nie auf einem Berg und nie auf einem Turm gc- Sanben. war e». daß dort oben im fchwindel- etlen Bereich de» engen Gefährts zwischen Vö­geln unb Winden ein Mensch atmete, ein Mensch Entschlüsse faßte, die Maschine meisterte, den Elementen gebot. ein Mensch, den sie kannte als ihresgleichen. ausgewachsen in derselben Um- welt. äußerlich ihr vertraut als ein brüderlicher Spielgefährte. BIS das Unglüd tarn, der Sturz vom Hab. her ihren Fuß versteifte und sie fortan von aller federnden Bewegtheit auSschloß. Sin ihr längft entglittener Mensch.

Seit der junge Ruhm seiner verwegenen Flüge ihr gefesseltes Leben erreichte, baute fie bet frühen Erinnerung an ihn eine Kultstätte In ihrer Seele. Sr war für fie Verkörperung alles Hohen. Schwebenden. Wunderfernen.

Heber den Feiertag hatte sie Urlaub genom­men im Vureau. in dem fie vor der Schreib­maschine sah, zur Reise auf den Flugplatz. Hell­mut starten zu sehen zur unerhörten Unterneh­mung. deren Plan er geheim zu halten wünschte, und der dennoch durchgeflckert war in die Menge. Himmelfahrt!" dachte sie klopfenden Herzens. .Ist nicht aller frommer Glauoe eingeholt von greifbarer Wirklichkeit? Verklärt den beflügelten Menschen nicht der Glanz der Sphären?"

Jetzt war der Flieger in Flocken silbernen Dunstes verschwunden. Die Bibelstelle der Him- fahrllegende fiel Ihr ein, sie stimmte aufs Wort. .Sine Wolke nahm ihn auf. vor ihren Augen weg'.

Run war für sie das Himmelslicht erloschen. Der Schwarm unbekannter Gefahren, dem er ent- aeaenraste. verdunkelte ihr den Ausblick wie eine Schar von Raben.

Elend an Leib unb Seele schlich Linda davon.

Der abendliche Rundfunk brachte die cr'tc Mel­dung. daß das Augzeug über der Küste ge­sichtet sei. Andern Tages blieben die Nachrichten aus. Doch das Detter verschlechterte sich. Unheils-

tierung des Pros. H. Marx nach Würzburg an der Unit/Criität Münster erledigte Lehrstuhl der Ohrenheillunde ist Professor Dr. Walther Albrecht in Tübingen angeboten worden. Zur D.cderoef Atzung des durch daS Ableben des Prof. H. Baute erledigten Lehrstuhls für Kirchengeschichte an der -Uniöerfität Kiel ist ein Ruf an den Privatdozenten Lic. Dr. phii.

Die Mutter, sich selbst auslöschend, voll Stolz nur in ihm lebend, verlangte, daß er erzähle, damit sie alles nachleben könne in sich. Er lächelte eigen. .Es wird gedruckt, verfilmt. Ich kann nicht mehr davon reden. Alles in allem: es war eine Höllenfahrt."3a. aber dann" bebten die Frauen zerknirscht.Dann?"Darfst du nie wieder auf steigen!"Oh", fein Lachen flirrte. Seine Blicke schossen in» Weite wie flinke Vogel.

Eine Woche später nahm er Abschied Die Mutter, in Aengsten flackernd, stützte sich macht­los auf da- Mädchen. Linda, schmal unb schmäch­tig, sah ihm still und fest ins Auge. Da küßte er sie.Ich bin dir gut. Linda. Nur dir. Alm mich sind Sportsweiber al- meinesgleichen unb große Damen von schneller Huld unb schnellem Vergessen. Du bist die Treue." --Unb bie Erdgebunbenheit . vollenbete sie bitterselig. Deswegen. Ich werde immer zu dir zurückstnden müssen. Du bleibst Heimat. Ist dir das genug?"

Sie breitete die Arme. Ihr Herz tat seine Himmelfahrt. Ihre Augen sprachen: Genug und übergenug. Denn ein Geschenk wie bie» wirb nicht gemessen unb gewogen.

famc Band um bie Aufrechterhaltung geschicht­licher Entwicklungen. Gerade auf dem Boden Oesterreich» wurde bie dritte Phase zurück­gelegt: hier kam es unter einem in Wirtlichkeit mehr ober weniger neutralen Staate zum Kamps der Völker untereinander. War eS schon den Polen und den Dänen möglich gewesen im deutschen Reiche zu erstarken und kräftige VollstumSorganisationen in» Leben zu rufen, die erfolgreich den Kampf gegen Staat und staatsführende» Voll auf sich nehmen konnten, so kam c6 in Altösterreich nach dem Au-gleich mit Ungarn zur Ausbildung hart umrdkner Voll-tümer. Sic kämpften einmal gegen den Staat und die Dynastie, sie lämpftcn aber auch gegeneinander und standen im Ringen um die Vorherrschaft im Staate und den Kulturbesitz­stand. um Land unb wirtschaftlichen Boden und städtischen HauSbesitz. ja um Industrie und 3n- buftricgnippcn, um Banken, Spar- unb Dar- lehnStasfen, um Schule, Hochschule, um Kinder­gärten. um Ministersessel unb Rachtwächter- posten.

Bi» schließlich der Weltkrieg die Karte Euro­pa» umftürzte und die Pariser Friedensveriräge sie mit neuen Farben versahen.

Kennzeichnend für bie letzten zehn Jahre ist die Tatsache, daß Völker, denen bisher solche Verantwortlichkeit (wenigsten» im vollen Um­fange) nicht oblag, staat-führende Völ­ker wurden: Esten. Letten. Litauer. Polen und Tschechen: au» dem kleinen StaatSvolk der Serben bildet sich der Sübllawe unb rückt Slowenen, Kroaten und bi» dahin unerlöste Serben in bevorzugte Stellung: Rumänien vergrößert sich um bas Doppelte und führt Millionen von fiebenbürgjschen unb inner-ungarischen Rumänen in die Stellung al» Staat-Volk. Der vierte Schritt in der Entwicklung. Die gestern noch im Volks- tumSkampf stehenden Anderen übernehmen heute alle Methoden der vergangenen Zeit in ihre Staatssühmng. Ihr neuer Staat ist nicht wie der bisherige altösterreichische mehr der gerechte Verteiler von Gut und Böse über alle Völker de» Staate», sondern nur noch Vater de» Staat»noUc» und böser Stiefvater für bie. welche, al» Fremde, als Eindringlinge, al- ehemalige Unterdrücker gekennzeichnet, mehr oder weniger brutal ihre» kulturellen Besitzstandes enttleibet werden. Run beginnt jene Verfolgung, wie sie ohne Beispiel ist in der Geschichte der letzten Jahrhunderte. Unter dem Schutze von Minberheit-fchuhverträgen Stehende werden tat­sächlich zu Heloten. Der Etaat-gebanke erfährt durch diesen Mißbrauch feine stärkste Belastung und dies alles in Staaten, die fast durchweg demokratische Verfaffungen haben, in denen freie Wahlen durch bie Verfassung garan­tiert werben unb teilweise auch stattfinden, in denen verfassungsmäßig alle Garantien moderner Freiheitsforderungen gegeben find. Jedoch sind die Regierungen aller dieser demokratischen Staaten bloß einfache parlamentarische Mehr- heitSregierungen. aber die parlamentarische Mehrheit ist meist identisch mit der Mehrheit des Staat-vvlkeS gegenüber der Gefamtbevölkerung, und die parlamentarische Minderheit die Sam­melstelle aller fremden Volksgruppen, fo daß neben der rein parlamentarisch-m Kampfstellung zwischen Regierungsmehrheit unb Minderheit der Kampf der VoIIfltümer zum Ausdruck kommt.

E» besteht kein Zweifel, bah auch die Staa­ten vor 1914 bereits Schritte auf biefe schiefe Bahn unternommen hatten. Preußen hob 1874 bie Gesetze unb Verordnungen über bie Doppelsprachigkeit in ben au« der zweiten Tei­lung Polens erworbenen Gebieten auf. Aber in bem VorkriegSpreußen beftanb etwas, bas heute leicht übersehen wird: eine tatsächliche

50 3aftre ärztlicher Kreisverein Gießen. Am SamStag feierte der hiesige ärztliche KreiSverein bas Fest seine» Svjährigen Bestehen». Au» diesem Anlässe waren so berichtet man un6 Vertreter her staatlichen unb städtischen Behörden. Freunde und Deaus- tragte anderer ärztlicher Organisationen erschie­nen, um bem Verein ihre Glückwünsche darzu­bringen. AuS der Begrüßungsansprache be» der­zeitigen Vorsitzenden, Dr. R e 1 n e w a l d . ent­nehmen wir, baß der Verein seine Entstehung einer Anregung der Regierung verdankt, die nach der staatlichen Medizinalreform In Hessm in dem neuen Verein eine Vereinigung von Aerzten schaffen wollte, die ihr bei der Be­ratung von Gesetzen und Verfügungen, die bas Gesundheitswesen betrafen, behilflich fein sollte Von bem Vereine sollten Gutachten über ärzt­liche Fragen bearbeitet werden: er sollte auch selbst seinerseits Anregungen auf allen Gebieten der öffentlichen Gesundheitspflege geben. Gleich­zeitig diente der KreiSverein der Förderung des kollegialen ZufammenhalteS. der wiffenfchaft- lichen Fortbildung unb der Vertretung ber Ve- rufdintcreffen. 3n ben 50 Jahren seines Be­stehens hat der hiesige KreiSverein unermüdlich in diesem Sinne gewirkt. Alle großen, da» Medizinalwesen betreffenden Vorlagen find vom Verein bzw. feinen in ben früheren Zentral­ausschub unb in die jetzige Aerztekammer ent­sandten Vertretern durchberaten worben. Viele Anregungen auf sozialem Gebiete find von hier ausyegangen. AIS mit dem Ausbau der Kranken­versicherung wirtschaftliche Fragen immer mehr an die Oberfläche drängten, würbe zu ihrer Bearbeitung eine befonberc Unterabteilung be« Kreisvereins gebildet, damit er selbst für seine idealen Ausgaben unb Ziele freibleiben konnte. Mit befonberem Stolz erfüllt es den Verein, daß er es durch seine unablässigen Bemühungen er­reicht hat, baß eS jetzt gelungen ist. eine Ver- sorgungskasse für Witwen unb Waisen, sowie für die alten Kollegen zu schaffen, die, durch die In­flation ihres erworbenen Gute» beraubt, nicht mehr arbeiten können.

AIS erste brachte die Staatorcgierung, ver­treten durch Ministerialdirektor S p a m c r unb Ministerialrat Dr. Schrohe, bem Geburts- tagskinde ihre Glückwünsche dar, wobei besonders betont wurde, > welchen Wert die Medizinal­abteilung der Regierung auf die Mitarbeit des KreiSverein» lege. Der Krei» Dießen war durch

Jur 9. Schuhbundtagung in Essen.

Lon Dr. Start 6. von Loesch, Vorsitzendem des Deutschen Echutzbundes.