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Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

an

an un- di« einzelne Arbeit vor-

mittelbarer Vorbereitung für Stunde meist noch eine mehrstündige ausfetzt!

den Wagen zu. Ich aber hatte meine Horribo- Zwille hinter bet Gardine bi« zum Bersten ge­spannt. (Srbfcnlabung und Gabelendung standen in genau einer Linie mit dem Pfcrdebauch. der. wie man weih, eine ziemlich empfindlich« Stelle ist.

lind doch denke ich zuweilen gerührt zurück den General unb an die Horrido-Zwille.

Diese Prozedur wiederholte sich mit der Regel- mähigkeit eine« Uhrwerk- Tag für Tag. und ich muh tagen, dah sie mir * "

Aufwande- an Jett ui

So möchten wir denn hoffen, dah btc au«- führliche öslentliche «Irortcruna der Finanzie­rung unterer Volk-Hochtchule Klarheit über die wirkt «he Lag« gefchasen, Vorurteile und Mih- verständnisse beV.tigt und für eine tatkräftige Unterstützung diese« .wirklich grohen W ' der Erwachsenen-Blldung durch unsere Stadt den Boden bereitet hat.

n de« ungeheuren jürbe herzlich zu­wider war. Dagegen sympathisierte ich mit den herrlichen, ungeduldigen Pterden, die auf so etwas warten und so etwas ziehen muhten. Also lieh ich eine« Tage« das Fenster offen und legte mich hinter der Gardine auf die Lauer. Der Kutscher thronte wie ein Buddha, die Traber tänzelten, der Portier lief mit gezogener Mütze vorau« und der General watschelte Schritt vor Schritt aus

sind. $<rr Hegar muh beide- in einer Person fein idle oberste Leitung liegt beim Vorstand und wird von diesem natürlich ehrenamtlich be­sorgt-. und die Erfahrung der letzten Jahre har betoiden, dah die schwierige und vielseitige Tätig­keit einen ganzen Menschen beansprucht, und da­zu einen innerlich jugendfrilchrn Menschen; denn Die Voll-Hochschule ist selbst eine Schöpfung tm 3ugenbalter und kann unmöglich gefördert wer­den von solchen, deren Denken sich lediglich in ausgefahrenen Bahnen bewegt.

Dun war der Vorstand de« Verein- .Volks» hochschule Giehen" bisher nicht in bet Lage, dem Leiter eine höhere monatlich« Vergütung zu garantieren als 100 Mk.! (wozu noch 20 Mk. Zuschuh für fein Geschäftszimmer kommen). Dah da« völlig unzureichend ist, darüber ist doch fein Wort zu verlieren.

Es ist diesem Tatbestand gegenüber sehr be­quem. aber auch sehr verantwortungslos, von . Hranziskusnaturen" zu reden, .die keine kauf­männischen Hemmungen kennen". Auch Franzi«- ku« und feine Jünger konnten nicht von der Luft leben; sie muhten eben vom Betteln le­ben. Heutigen Anschauungen aber dürfte es nicht aemäh fein, wenn die Arbeiter an dem .großen Werk der Volksbildung" geradezu auf den Dettri angewiesen sind.

Wird der städtische Zufchuh, der jetzt nur 1200 Mk. jährlich beträgt, angemessen erhöht, so dah damit in höherem Mähe die sachlichen Ausgaben gedeckt werden können, so ist eS mög­lich, au« dem staatlichen Zuschuh und den Der- einSleiträgen die Vergütung de« Leiter« etwa« zu erhöhen. Aber selbst wenn eine Erhöhung auf 150 bzw. 170 Mk. durchzuführen wäre, so ist wirklich noch ein recht hohes Mah von Idealis­mus erforderlich, um eine solche Stellung mit der vollen Hingabe au«xufüllen, wie sie unser Leiter durch die Tat beweist.

Angesichts dieser Tatsachen, die derallen Hörerin" doch nicht ganz unbekannt sein dürsten, muh es wie herzloser Hohn dingen, wenn sie in bezug auf die hiesige VollshrÄllchule della- miert:Vicht da« Geld wird sie erhallen, son­dern der Geist!"

SS ist wahrhastig kein Absall vom idealisti­schen Geist, dem die Volkshochschulen ihre Ent­stehung und Entwicklung verdanken, wenn man sich bestrebt, den Trägem diese« Gdetzes toe- nigstenS ein Existenzmtn imum zu sichern.

Wer aber derartigen Bestrebungen in den Vücken fällt, ohne sich die nöligen Informationen -n verschaffen, der kann nicht als wirklicher Freund der Volkshochschule angesehen werden.

Ein Gefühl dafür hat denn auch wohl die alle Hörerin" abgehallen, mit ihrem Vamen für ihre Ausführungen einzutreten. Sie hat auch nicht die Zivilcourage besessen, in der Hörerversammlung vom 9. Juni ihre Be­hauptungen zu rechtfettigen, obwohl sie darum ge­beten wurde und ihr volle Vedesteihell zw- gesichert war uni) obwohl die würdige Haltung der Q3erfammlung eine durchaus sachliche Behand­lung der Angelegenhell garantierte. Vach ruhi­ger Prüfung dec ganzen Frage hat darum die Versammlung ihr Bedauern über den Artikel der allen Hörerin" einstimmig in einer Entschliehung ausaesprochen. Sie hat darin zugleich festgestellt, dah die Einsenderin In keiner Weise daS Recht hatte, den Eindruck zu erwecken, al« ob sie im Interesse der Hörer und der Weiterentwicklung der Volkshochschule spräche".

Ferner haben die zahlreich versammelten Hörer ein Gesuch an die Stadtverordnetenversammlung unterschrieben, worin sie auch ihrerseits um eine Erhöhung deS städtischen Zuschusses bitten, wie daS schon der Vorstand in einem Gesuch an den Herrn Oberbürgermeister getan hat.

Denn unS gegenüber wohnte ein General. Er war sehr alt, sehr dick, und sprach nur in ab­gerissenen Bell-Tönen, die so wie »hau hau bau Hangen. Dieser General nun hatte einen Kutscher, der noch viel dicker war als er selbst. Doch da« ist bei russischen Kutschern Pflicht; sie müssen dick fein, und wenn sie sich auch mit einem ganzen Plumeau ausstopsen sollten. Auster- dem aber müssen sie ihren Pferden menschlich zureden können, wie: .Vorwärts. Kinder" oder .Hallo, meine Täubchen" oder auch .Prrr... nicht so wild, chr EselSköpfe! Und überdie« hat er noch Pfauenfedern in der Mühe stecken.

Jeden Vachmittag um halb vier hielt der dicke Kutscher mit zwei feurigen Orlower Trabern vor der Tür und wartete auf seinen dicken General. Er wartete genau eine halbe Stunde lang, die den herrlichen Apfelschimmeln recht sauer an­kam: sie scharrten mit den dickbehaarten Füßen, warfen den Kopf hoch, dah der Schaum im Dogen nach hinten flog, und zitterten dem Mo­ment de« Anziehen« entgegen. Um Punkt vier rih der Portier die Türe auf. die Mühe ab und der General watschelte langsam, Schritt vor Schritt, auf den Wagen zu. Vun tief der Portier blitzschnell, immer noch die Mühe in der Hand, voran«, riß den Schlag auf, der General hob seinen Slefantenfuh. walzte sich ächzend hinein, der Schlag knallte zu. der Portier brüllte wie verrückt ,pascholl!" und schon war der Wagen ün Hui auf und davon.

Unb der Portier setzte sich gedankenvoll die Mütze auf.

Uraufführung im Frankfurter Schauspielhaus.

3cbe« Theater, insbesondere aber jede« Frank­furter Theater, sieht sich vor die Aufgabe ge­stellt, ab und zu dem LokalpatriotismuS zu hul- biaen, sei e«. indem es ein Stück mit Lokal­kolorit ausiühtt, fei e« indem c« einem von den Musen begnadeten Sohne der Stadt da« Wort gibt. DaS Frankfurter Schau­spielhaus hat in beiden Richtungen dieser Verpflichtung Genüge getan, indem e« anläßlich de« 50 jährigen Jubiläum« de« Frankfurter Hi» storischen MuseurnS dem Frankfurter Dichter Adolf Stoltz« und dessen Schauspiel .2 i n - 8<M Set tmilch" feine Bühne einräumte.

Oos Rätsel von Buchlau.

Ein vcitrag fcraf Berchtold» zur Vorgeschichte detz Weltkriegen.

Roch nie hat Graf Derchtold. der ein- stige Minister des 3cuttern der österreichisch­ungarischen Monarchie, zur Feder gegriffen, um sich und fein Vaterlano gegen tue Vorwürfe der ehemaligen Feindstaaten, den Krieg mit­verschuldet zu Haden, zu verteidigen. Gras Derch- told hat in den ersten Jahren nach dem Zu­sammenbruch kein Heim und keine Heimat ge­habt. Die sogenannten Vachfolgestaaten führten um ihn eine Art .negativen Kompetenz!on- fliktes" Der einstige Minister mußte da« Leben eine« Verbannten führen. Seither ist bekannt geworden, dah Graf Berchtolb daran gegangen ist. seine Auszeichnungen zu fügten, um seine .Memoiren" herauszugeben. Gr zögert aber mit der Veröffentlichung, ebe nicht gewisse archiva­lische Forschungen abgcschloffen sind. Gras Derch- told war Minister de« Acuhcren In dem Staat«, in dem die ®egncr Mitteleuropa« das Pulverfaß ausgestellt hatten, in das Serbien den Funken schleuderte. Denkwürdigkeiten de« Grasen Berchtold wären daher nach den Um­ständen und auch der Zell de« Erscheinen« wohl geeignet, da« abschließende Wort in dem Feldzug der Federn um die Aufhellung der Kriegsursachen zu sprechen. Einstweilen steht aber den archivalischen Studien de« Grasen und ihrer Auswertung eine« der wie Professor Dame« sagt unglaublichsten und unerklärlichsten Hin­dernisse entgegen: da« Gebot der Vachsolgc- floaten. Forschem, die ohne ihre Zustimmung an das Studium der Tatsachen schreiten woll­ten, den Zutritt zu den Wiener Archiven zu verwehren. Die Derchtoldschen Memoiren werden also noch auf sich warten lassen.

Der beispiellose Angriff auf die Wahrheit, den sich der einstige Minister de« Acuhcren de« Zaren, der inzwischen verstorbene S a s o - n o f f, geleistet hat, hat aber den Grasen Derch- told zu einer ersten (kurzen, darum aber nicht minder wertvollen) Erwiderung auf den Plan gerufen. Sie findet sich in dem Werke von Gteinitz .Rings um 6 a f o n o f f" (Verlag für Kul­turpolitik, Berlin). In diesem interessanten Ban­de, der die Stimmen der zur kritischen Zeit in Mitteleuropa handelnden Personen gesammelt hat, konnte diejenige de« Grafen Berchtold nicht fehlen. Der Beitrag des Grafen ist eine lite­rarisch seingeschlifsene, politisch tiefe Studie über den Anteil Oesterreich-älngarn« an den kritischen Ereignissen.

Man hat sich den Lockrufen der einstigen Gegner folgend daran gewohnt, den Welt­krieg, in rückschauender Betrachtung, seit der Annexionskrise kommen gesehen zu haben. Die Annexion Bosnien« und der Herzegowina ist so in der Vorstellung urteil-loser oder po­litisch befangener Menschen zum Auftakt de« Weltkrieges geworden. Vatürltch schlug auch Da- sonoss in seinen Erinnerungen diese Rote an. Sr vergibt und entstellt dabei die Tatsache dah die Annexion ton allem anderen abgesehen zwischen Rußland und Oesterreich-fllngam auf der Duchlauer Konferenz zwischen Aehrenthal unb Iswolski sozusagen vereinbart war. Gasonoff nennt die Buchlauer .Machenschaften AehrenthalS einen .Gaunerkniss". Die Behaup­tungen Sasonoss« und Iswolski« waren schwer zu widerlegen, solange e« keine österreichische Darstellung be« Verlaufe« ber Enttevue gab. Sie hat jetzt ber Schlohherr von Buchlau, im gegebenen Augenblicke Botschafter am Zarenhofe, geliefert

Berchtold erinnert vor allem daran, dah Iswolski im Juli 1908 spontan die Gven-

So war also die Situation. Jetzt rih der Portier den Schlag auf, der General hob lang­sam seinen Slefantenfuh, und ich alle« war raffiniert vorau-berechnet ich schnellte die volle Ladung gegen den Pserdebauch ab! Ich kann sagen, dah die Sache klappte. Wie ein Gewitter sprengten di« Traber mit dem verblüfften Buddha los unb toa« blieb nach? Eine leere Luft, ganz ohne Trittbrett, ein dummlächelnder Portier unb der General, der den Elesantenfuh immer noch aufgehoben hielt unb bläulichrot .hau hauhau" machte.

Vach bret Minuten war Dudbha mit feinen Pferden wieder da und hielt Mit beiden Fäusten hielt er, dah sich die Seinen ftrafften. Wieder watschelte der General heran. Wieder hatte ich die Erbse genau auf den Bauch avisiert Jetzt wird der Schlag aufgeriffen, der General be­ginnt feinen Fuh zu heben, unb krach! sprengen die Pferde unaufhaltsam los. so dah Seine Exzellenz wiederum sprachlos in die leere Lust tritt

Jetzt fing der Pottier despektierlich zu lachen an. Doch ber General sah ihn an, unb er schlug drei Kreuze.

Der Ort war zweifellos verhext Der Kutscher muhte zwei Häuser weiter hallen, und sie sahen sich beim Ginsteigen scheu um.

Ich weih, wa- man mir sagen wird. Vun ja. ich gebe zu, dah es eine Gemeinheit war. Auch hätte allerhand passieren können. Ich würde heute so etwa- unter feinen Umständen tun.

Solchen Idealismus beweisen auch bic Lehrer, wenn sie mit einer Sntschäbigung von 5 Mk. für bic Kursstände zufrieden sind. Man bedenl« doch, dah die Abhaltung solcher Kurse ab­gesehen von ber ganzen wissenschaftlichen Vor- oilbunq unb oft weitgehendem besonderen Stu­dium über bat betreisende Gebiet

Sreitag, 15. Juni (928

tualität ber Annexion Bosnien« unb ber Herzegowina sowie M Landschals von Vovipazar neben dem Problem ber 5 t e i gebung ber Dardanellendurch- fahrt für Rußland zur Erörterung gestellt hat. und er lüftet bann den Schleier, der bisher da« Rät'el .Buchlau" deckte Rach feiner euch durch spä ere dre.gntlle bestätigten Dar­stellung hat sich üic denkwürdige Konferenz etwa folgendermahen abgespielt.

Ohne, dah ein Äaufalnciu« zwischen den beiden Problemen festgelegt wurde, erflärtc man am 16. September 1938 zu Buchlau de pari et dautre, feine Einwendung gegen eine eventuelle eine' lägigc Abänderung de« Berliner Vertrag« erheben zu wollen. Iswolski hatte hierbei den europäischen Lharakter ber ausgeworfenen Fragen betont unb gemeint, dah sie vor eine Konferenz der Berliner Signatarmächte gebracht werden sollten, wogegen Aehrenthal die Ansicht vertrat, dah eine lolche Vorgangsweise die gewünschte sriedlich« Losung gefährden konnte unb e« ge­nügen würbe, nie übrigen Signatarmächte im diplomatischen Wege über die erfolgte Ver­einbarung der am Balkan meistinteressierten Mächlc zu verständigen. Die Einigung kam a u f letzterer Basis zustande, bei gleichzeitiger Feststellung, dah c« keinem Anstand unterliegen würde, die entsprechende texlliche Aenderung bei Vertrage- einer bloh zur Registrierung ber Veu- orbnung berufenen .Schluhkonseren- anheimzu- geben.

Voch am Abend des 16. September machte Aehrenthal dem Grasen Berchtold über das Ergebnis dieser Aussprache eine ausführlich« Mitteilung, bic auch protokollarisch registriert wurde, indes tag« darauf Iswolski von sich au« die Grofsnungen Aehrenthal« beinahe wortge­treu bestätigte, so bah ein DNHverstänbnis ausge­schlossen schien. Heber den Zeitpunkt ber Ein­leitung ber von Aehrenthal beabsichtigten Mih- nabmc hatte Iswolski den Wunsch ausgesprochen, dah ihm Zeit gelaßen werb«, die Öffentliche Meinung in Ruhland entsprechend vorzubereiten, worauf Aehrenthal bezeichnenderweise nicht einging, Gr stellte nur eine schriftliche Verständigung über den fraglichen Termin in Aussicht.

Iswolski hat sich bekanntlich mit ber Durch­führung seine« weiteren politischen Reiseprv- granim« Zeit gelassen. Er war für die ver­heißene Mitteilung nicht sofort erreichbar; er er­hielt sic Infolge feine» HmherirrenS später als Graf Aehrcnchal beabsichtigt hatte.

Go ist das rerschleierte Bild von Duchlau zum crftenmalc enthüllt. Die Enthüllung seht einer Legende ein Ende, die nahe daran war, Geschichte zu werden. K. v. D.

Erweitertes

Schöffengericht Gießen.

'Giehen, 13. Juni. Ein Gendarmeriemeister war angeklagt, gegen ein Geldgeschenk eine Anzeige wegen Sachbeschädigung unterdrückt zu haben. Die Angelegenheit, Mc viele Jahre zurück- liegt, aber erst neuerdings angezeigt wurde, konnte nicht vollkommen aufgeklärt werden, zu­mal der Hauptzeuge, der sich tm Fall der Schuld de« Angeklagten der Bestechung schuldig gemacht hätte, nicht beeidigt werden konnte und seine Angaben in den verschiedenen Abschnitten de« Sttafverfährens sich stark widersprachen. Der be­jahrte Beamte wurde daher von diesem Punkt ber Anklage s rc i ges pr o che n. Verurteilt wer­den muhte er jedoch wegen zweier im Jahre 192? begangener Urkundenfälschungen. ®r hat In Gebührenverzeichnissen zweimal den Vamen seine« ihm untergeordneten Kollegen ge­fälscht, wie da« Gericht zu seinen Gunsten an­nahm, nicht um sich einen DermÖgenSvorleil zu verschaffen, sondern um eine unkollegiale Hand­lungsweise zu verdecken. 6träfe: an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe zwei Gelb- strafen von je 50 M k.

Ein HilfSpostschafsner au« einem Orte Ober- Hessen« hat ihm zum Einkauf von Invaliben-

Die Aufführung war «in Familienfest, und der 86 jährige Dichter konnte bereit« beim Be­treten seiner blumengeschmückten Loge die Ova­tionen de« Publikum« entgegennehmen, da« dem Vamen Stoltze seit Jahrzehnten in dankbarer Anerkennung der Tatsache huldigt, dah die Trä­ger diese« Vamen« für den Ruhm ihrer Vater­stadt manche« getan haben. So kommt e«. dah man in Frankfurt diese Aufführung nicht li­terarisch wertete, sondern ihr ohne Rücksicht auf literarische Qualitäten au« Lokalpatriotismus heraus warme Anerkennung zollte Der Kri­tiker wird sich darüber Har sein, dah diese« Stück sehr viele Schwächen hat unb in mancher Hinsicht zu wünschen übrig läht, so bah eine Erfolgsmöglichkeit über die Stadt hinau-, von deren Geschichte et eine Episode verherrlicht, nicht gegeben ist.

Die Aufführung war getragen von demselben EnthusiaSmu«, den da« Publikum mitbrachte. Ben Spanier al« Fettmilch spielte diese Hauptsigur mit Wucht und Aleberjeugung, und auch die übrigen, nicht weniger alS 43 Mit- wittenden, leisteten alle«, was sie in dem ge­gebenen Rahmen leisten konnten.

Quidam.

Hochschulnachnchten.

Ernannt wurde der Privatdozent Lic. theoL Dr. phil. Emst Barnikol in Bonn zum ordentlichen Professor für Kirchengeschichtc in der theologischen Fakultät der Universität Kiel al« Vachfolger de« verstorbenen Professor« H. Bauke.

l>- pniL 6mü Dovifat, Chefredakteur in Berlin, erhielt bte neuerrichtete auherordent- liche Profeffur für Zeitungswissenschaft an der ilnioerfität Berlin. Prof. Dr. med. Al­fred Linck in Königsberg Hal den Ruf auf den Lehrstuhl für HalS-, Rasen- und Ohren- kranthetten an der Universität GreifSwal d al« Dachfolger A Gütlich« angenommen. Die Professoren Dr. Friedrich Hund in Rostock unb Dr. Emst Robert Curtiu« in Heibel- b e r g haben die Berufungen nach Halle bzw. Frankfurt a. M. abgelehnt. Dr. Hund sollte in Halle den Lehrstuhl für theologisch« Physik übernehmen, während Prof. Curttu« der Lehr­stuhl der romanischen Philologie in Frankfurt al« Vachfolger von Geheimrat M, Friedwagner engeboten war.

Br. (59 Zweites Blatt

Jur Finanzierung der Gießener Volkshochschule.

Don Umoersitäts-Professor

Dr. Anguss Messer, allem Vorsitzenden des Vereins ^Volkshochschule Gießen e. V."

In einem Aussatz über die Volk«hochchule in Vr 127 be» ®. X habe ich u. a. ausgeführt, dah Artikel 149 ber Reichs Verfassung «ine Zörbc- runa der Volkshochschulen auch den Gemeinden vorschreibt. dah ferner bic beständige Sorge um die Finanzierung und bie 'Bemühung, weitere Mittel der Schule zuruführen, dem Volkshoch­schulleiter es unmöglich mache, feine gesamte Kraft tn den Dienst feiner eigentlich pädagogi­schen Aufgaben zu stellen.

Demgegenüber .st in Vr 130 des G. 2. eine .Zuschrift, unter^ichnel .Eine alte Hörerin, veröffentlicht worben, in der behauptet wird, bah eine finanzielle Vot der Giehener Voltshoch- fchule gar nicht best.hc. ja dah diese .bis »um Frühjahr sogar 1000 Mark Barvermögen be- feffm habe"

ine Verfasserin gibt sich al« Freundin ber Volkshochschule, sie redet von dem .wirklich groben Werk ber Volksbildung". Wäre es chr aber in der Tat ernstlich darum zu tun gewesen, bie« Werk zu fördern, und wäre sie sich ihrer Verantwortung gegenüber der Volkshochschule bewuht gewesen, so hätte sie die Pflicht gehabt, sich einmal in der .Geschäftsstelle" der hiesigen Volkshochschule zu informieren, ehe sie an die Oeffentlichkeit trat

Der Sachverhalt ist dieser. Schon vor Be­rufung de« jetsigen Leiter« im Herbst 1926 war von dem Vorstand (dem ich damals noch nicht angebörte) beschlossen worden, dah für bestimmte Ausgaben der Volkshochschule jabrlid) 700 Mk. mehr aufzuwenden seien. Für diesen Betrag war aber eine etatsmähige Deckung damals nicht zu beschaffen, unb sie ist dis heute nicht zu beschaffen gewesen. So muhten denn jene 1000 Mark, bie mithin al« .Rücklage, al« .Au«- gleichsfonbs zu charakterisieren sind, teilweise zur Deckung herangezogen werden.

Die Ansammlung jener Rücklage war übrigen« nur dadurch möglich gewesen, dah ein hiesiger Studienrat in banlen-wertcster Weise ehrenamt­lich einige Zeit die Geschäftsführung besorgte, nachdem der frühere Geschäftsführer, Herr Dr. Werner, auSgefchieden war, um die Leitung der .Pfungst-Stiftung" tn Frankfurt a. M zu übernehmen

Gerade in jener Zeit aber hatte man Ge­legenheit, hier eine bedeutsame Erfahrung tu machen, bic der .alten Hörerin ebcnfall unbe­kannt ist ober von chr ignoriert wird Es je.y.e sich, dah bie Leitung bzw. Geschäftsführung viel zu hohe Anforderungen stellt, al« dah sie von einem vollbeschäftigten Lehrer ober sonstigen Be­amten noch nebenher besorgt werben konnte. Das bekundete sich auch daran, bah damals ein be­trächtlicher Rückgang tn ber B^ucherzahl eintrat. Es entspricht nicht den Tatsachen, wenn bie .alte Hörerin" von .durchschnittlich 300 Hörem pro Semester redet. Die Hörerzahl war nach dem Ausscheiden Dr. Werner» und vor Beru­fung de« neuen Leisir« tm Sommer-Semester 1623 auf 98 gesunken. Vach dieser Berufung hat sie sich bann rasch unb in sehr erfreulicher Weise wieder gehoben

Die Auswahl an solchen Persönlichkeiten, die wirlllch zur Geschäftsführung unb Leitung einer Volkshochschule geeignet sinb. ist wahrlich keine grobe. Der damalige Vorstand hat den jetzigen Leiter, Herrn Hegar, berufen, doch wohl deshalb, weil er ihn al« den geeignetsten ansah. Unb bah er sich in so hohem Mähe bie Hochschähung und das Vertrauen ber Hörerschaft erworben hat. beweist, bah die Wahl eine gute war.

Der Hinweis darauf, dah doch in Mainz die Volks-Hochschule nebenamtlich geleitet werde, be­weist an sich gar nichts, wenn nicht näher dar- gelegt wirb, wie die Geschäfte zwischen dem eigentlichen .Leiter" und dem chm zur Seite stehenden technischen .DeschästSführer" verteilt

Der General

und die Horrido-Iwille.

Don Sigismund v. Radecki.

Was ein General ist, dürfte man nachgerade willen, was aber ist eine Horrido-Zwille? Eine Zwille ist, laut dem Wörterbuch von SanderS, eine .klein« Schleuder". Aber daS sagt gar nichts. Man kann einen Stock oben spalten und einen Stein dazwischen zwängen, und et ist auch eine .Deine Schleuder". Man kann einen Stein an eine Schnur binden unb ihn wie ein Rad um bie Hand faulen lassen, unb es ist ebenfalls eine .Deine Schleuder'. Aber noch lange keine Zwille. Vein, eine Zwille ist auf Deutsch ein Taschen­katapult. also ein Ding, bat wie eine Stimm­gabel aussiebt, an deren beiden Enden ein Gummiband befeftigt ist. welche« genau in ber Mitte einen Leberfleck zur Aufnahme der La­dung trägt. Vun faßt man die Stimmgabel am Grill, leat in den Leberfleck eine trockene Erbse (kein Schrot, wenn ich bitten darf), zieht die Laduna nebst Gummiband fest an und sucht sich einen Gegenstand, den man damit beglücken wird. (Ich fage .man" e« ist aber meist ein Jung« von 12 3obren.) Jetzt läht man die Erbse los­schnellen. Trifft man einen Hund, so wird er vor der unsichtbaren Macht den Schwanz em- fnelfen unb sich winselnb trollen; trifft man aber einen Menschen, so wirb er sofort bie Treppen herauf ft eigen. Dingeln unb sich bei den Eltern beschweren. Da« ist bann sehr unangenehm.

V)a« ist aber .Horrido"? Horrido ist ein Aus­druck der Jäger ober .Weidmänner", bie ja auch in ihren Iagbzeitschristen den Auerhahn zuwellen al« den .laueigen Urvogel bezeichnen.

Diese Horrido-Zwille also, ein D. R. P.. war au« besonder« gutem Stahl und besah ein be­sonder« dicke« Gummiband. Ein Förster hatte sie zu Zwecken der Hundedrellur konstruiert unb ich sie mir zur Steigerung meiner Lebensfreude für teure« Gelb aus Deutfchlanb verschrieben, fcerm ich war ein Junge und lebte in Petersburg. Vach drei Wochen unablässiger Ucbimg war ich so weit, mit ber Horrido-Zwille jeden beliebigen Schulkameraden ober Päbagogen auf dreißig Schritt treffen zu können. Allein das war alles ran Vorbereitung.

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