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Nr. 159 Erstes Blatt

178. Jahrgang

Zreitag, 15. Juni 1928

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Prtd wnb Dtrlag: BriblW UxtDtditiU.Bi». 116 Sttmündttd R. Tange ii Sieben. Sdjdftleitang nw» Seichästrtzelr: SchnIIttabe I.

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Chefredakteur

Dt Fnedr D,lh Longe. Derontroonlich für *l)clmh Dr Fr Wilh Lange ftr Feuilleton Dr H Thoriot, für den übrigen I«il Ernst Biumichein, für den An- jeigente»! flurl HiNmann, iämthd) in Bietzen

Oer Präfidenifchastskampf in Amerika.

Mit dem repudllkanifchen National, tonotnl in Äanfat Eity hat der große Präsident» ichastskamps in Amerika, der alle vier Jahre wie- derkehrt, feinen regelrechten Anfang genommen. Das vorher gegangen war, gehört In den Bereich der *3orbereilungen. Zwei Wochen nach den Ne» publikanern treten die Demokraten zu ihrem Nationaikvnoent zusammen, um ihrerseits Kandi­daten und ein Parteiprogramm auszustellen. Dann wird für die heißen Sommerwochen eine Pause ein­gelegt und Ende September beginnt der Wahl­kampf, der am ersten Dienstag nach dem ersten Montag im 'November mit der Wahlentscheidung sein Ende findet.

Die Republikaner mußten mit ihrer Parteitagung, die im politischen Jargon Amerikas als National- fonoenf bezeichnet wird, der Tradition gemäß den Anfang machen, der immer der herrschenden Partei zusollt. Der bisher in der Opposition befindlichen Partei steht nach dieser Ueberlieferung die Rolle des Kritikers und Angreifers zu. Zwei Fragen müssen diesmal vom amerikanischen Volk entschieden wer­den, und davon i.A. von grundlegender, allgemeiner Bedeutung eigentlich nur eine. Bei den Republi- tanern macht die Unterstützung der Land­wirte besonders viel Sorge und Kopfschmerzen. Es hat im Kongreß innerhalb der Republikanischen Partei einen sehr harten Kamps darum gegeben, ob der notkibenben Landwirtschaft im mittleren Westen, wo sich die eigcnlltdien Kornkammern der Bereinig­ten Staaten befinden, mit direkter Unterstützung ge­holfen werden soll. Don der Farmerbeoölkerung sind ganz befhmmte Forderungen aufgestellt wor­den, di sich zweimal zu Vorlagen verdichtet hoben und die auch vom Kongreß in beiden Häusern mit ganz stattlichen Mehrheiten angenommen wor- Den sind

Beide Male hat der republikanische Prä- sideist T oolidge unter Zustimmung M Handel»ministers Hoover fein Veto einge­legt. und erst vor kurzer Zeit hat ':ch dieser Dorgang wiederholt. Darüber ist im sonst stark republikanischen mittleren Westen große 6m- pörung entstanden und die Farmer haben zu Be- ainn oes republikanischen Vationallonvents in KansaS gegen die Partei und deren mutmaßlichen Kandidaten Hoover demonstriert. Das ist ein Dorgang, der in der Geschichte des amerikanischen Bott:« lehr leiten zu verzeichnen gewesen ist. Aus diesem Grunde sind die Leiter der repu­blikanischen Wahlbewcgung in großer Sorge, denn wenn ihnen die Farmer in den Staaten des mittleren Westens, wo ihre Stärke liegt, abtrünnig werden, dann steht es um die Sache des republikanischen Präsidentschaftskandidaten milde gesagt ungünstig.

Die zweite, an sich bedeutungsvollere. grund­sätzliche Frage ist die der Prohibition. Auch hierüber tobt in beiden großen Parteien ein heftiger Kampf. 3n der Republikanischen Partei überwiegt das. um einmal einen land­läufigen Ausdruck zu gebrauchen, trockene Ele­ment. Eoolidge selbst ist gerade nicht ausgespro­chener Prohibitionist, hat sich aber ganz dem Ge- seh angepaßt. Dasselbe gilt ungefähr von Hoover, ter nicht ausgesprochen persönlicher Prohvbitionist ist. wohl aber nun für die Durch­führung der Prohibition eintritt. Eine Minder-

Hoover präfidenfschastslandidat der Republikaner.

ta# Parteiprogramm vom National« konvent angenommen.

Kansas E i t tz. 15. 3unL <WTD Funk­spruch.» Hoover ist in der ersten Abstimmung des republikanischen Aationalkonvents zum Präsldent s ch astskandidaten nomi­niert worden. - Dem Parteikongreh wurde auch das 9000 Worte umsasiende Parteipro­gramm unterbreitet, das zunächst das restlose Einverständnis der Partei mit der Außen­politik deS Präsidenten Soolidge und dem vom Staatsdepartement den Mächten vorgeschlagenen vielseitigen Kriegsüchtungspakt auS- spricht. Die Regelung der alliierten Kriegs­schulden wird gutgeheihen. doch toenbet sich daS Programm gegen eine gänzliche Streichung dieser Schulden und dokumentiert von neuem Den Widerstand der Republikaner gegen den Beitritt der "Bereinigten Staa­ten zum Dölkerbund. weift »edoch zugleich auf die Mitarbeit der amer.kanischen Regierung an den Humanitären und technischen Arbeiten des Völkerbundes hin. Don dem Zolltarif- gesetz wird gesagt, dah es durch die Ausdeh­nung gerechtfertigt werde, die der amerikanische Außenhandel gewonnen habe. Der Abschnitt, der sich mit den von den Farmern gewünschten Hilfsmaßnahmen für die notleidende Landwirt­schaft befaßt, verspricht neben der Schafsung einer standesamtlichen Farmbehörde jede Unterstützung bei einer "Reorganisation des Verkaufssystems auf gesünderer Grundlage sowie die Defürwor- tung einer Gesetzgebung, welche den Farmern den 3nlanb«marll zur größtmöglichen Versorgung sichert. Der "Nationalkonvent nahm das Partei­programm an. Sin von der Opposition unter­breitetes Programm, dem die vom DundeSkon- greh seinerzeit angenommene Wc. Vary-Haugen- Vill zugrunde lag. gegen Die Präsident CooliDge fein Veto eingelegt hatte und daS eine weiter- gehende HUssaklion zugunsten der Farmer vor­sah. wurde abgelehnt.

heil der Partei ist nicht für Abschaffung der Prohtbitwn. denn die ist unter den obwaltenden Verhältnissen unmöglich, sondern für eine M i V berung Der DurchführungSbeftünmunaen. Dei den Demokraten ist der Kampf über diese Frage noch ausgesprochener, wird aber wiederum durch eine anbere verwickelt. Der aussichts­reichste demokratische Bewerber ist der Gouver­neur Smith von Aeuyork, der zugleich Gegner der Prohibition und Katholik ist. 3n dieser letzteren Eigenschaft liegt die Schwäche eines sonst sehr starken Kandidaten. Gerade im Süden sind antikatholilche Stimmungen vorhanden, und hier hat von jeher die Stärke der Demokratischen Partei gelegen. Allerdings hat bisher Smith eine so große Energie entwickelt, daß jede Be­wegung gegen ibn aussichtslos geworden ist und er wahrscheinlich bald nadb Zusammentritt deS Konvents zum demokratischen Präsidentschaft«- i kandidaten gewählt werden wird.

Das wurde wiederum eine gewaltige "Neuerung in der Geschichte der amerikanischen Politik darstellen, denn es wäre bas erste Wal. daß ein Katholik Präsidentschaftskandidat ge­worden ist. Degen rhn würden dann gerade Die im allgemeinen republikanischen Elemente In den Veu-England-Staaten und im Dordwesten mobil gemacht werden. Man darf aber nicht vergessen, daß das Hi nein tragen konfessioneller Gesichts­punkte in den Wahlkamps den Amerikanern sehr unangenehm und widerwärtig ist. 3m Jahre 1884 wurde der erste demokratische Präsident nach dem Bürgerkrieg. Drove r Eleve land, gewählt; nicht zum geringsten deshalb, weil man gegen ihn konfessionelle Momente ins Feld führte, obwohl er selbst nicht Katholik war. DS wäre sehr gut möglich, daß sich dieser 'Vor­gang auch im Jahre 1928 wiederholt. Jeden­falls kann man interessanten Entwicklungen ent­gegensehen.

9er Reichstag wählt sein präsldinm.

Lobe wieder Reichstagspräsident. - Oer Vollsparteiler von Kardorsf zum zweiten Vizepräsidenten gewählt.

Posten des dritten Vizepräsidenten Da die Sozial» Demokraten die Zustimmung zu diesem Vorschläge an bestimmte Bedingungen geknüpft hätten, wür­den die Kommunisten aus Protest für jeden Wahl- Sang eigene Kandidaten aufstellen Adg. Dr.

r i ck (R.-S.) wird mit dem Ruf empfangen: .Letzt kommt der Konkurrent!" Er erklärt; Der Antrag auf Dahl durch Zuruf bedeutet ein Vertrauens­votum für den bisherigen Präsidenten. Wir Ratio­nalsozialisten haben keinen Anlaß, dem Präsidenten Lobe unser Bertrauen auszusprechen. (Rufe bei der Mehrheit: Das ehrt ihn! und lebhafter Beifalls) Dir sprechen ihm vielmehr unser schärf st es Miß­trauen aus schon wegen seiner Eigenschaft als Marxist. (Gelächter.) Wir widersprechen Der Wahl durch Zuruf. Die Wahl des Präsidenten wird hierauf durch Stimmkarten oorgenommen. Als ihr Ergebnis verkündet Alterspräsident Bock: Es find 446 Stimmen abgegeben worden; davon ent» fallen 318 auf den Abg. Löbe (Beifall), 46 Stim­men auf den Abg. T h ä I m a n n, 12 auf den Abg. Dr. Frlck (91.-6.) und 70 unbefchriebene Zettel. Der Abg. Lobe ist damit zum Reichstagspräsidenten ge- wählt.

Präsident Lobe

erklärt sich unter dem Beifall der Mehrheit zur An­nahme Der Wahl bereit und führt aus: Zum drit­ten Male führt mich Ihr Wille in dieses hohe ver- anlwottungsvolle Amt. Ich kann den herzlichen Dank für dieses große Maß von Vertrauen nur verbinden mit der Versicherung, daß diese Erfah­rungen einer fast achtjährigen Amtsführung mich befähigen sollen, die mir übertragene Aufgabe voll­kommener zu lösen. Als solches sehe ich an die Wahrung der Wurde des Parlamen- t e s (Lebhafter Beifall, Zurufe bei den Kommu­nisten.) Herr ftoenen, ich habe angenommen, daß Sie von nun an dabei helfen wollen, (Heiter­keit) weiter die Förderung (einer Arbeiten und Unparteilichkeit nach allen Seiten des Hauses. Ich bitte zur Erfüllung dieser Ausgaben um Mithilfe bei allen Parteien. Der neue Reichstag steht vor alten Problemen, die noch nicht gelost werden konnten: die Prüfung des Wahlsystems, die Revi- fion der Geschäftsordnung, um zu einer rationeUe- ren, den modernen Bedürfnissen angepaßien- äzu kommen und zur Wahrung derjenigen ndlungsformen, wie das Volk von feiner 'N Vertretung erwarten kann. (Lebhafter Beifall, Unruhe bei Den Kommunisten und Ra- tianalsoztaliften.) Seit dem Jahre 1920, wo ich xum ersten Male dieses hohe Amt bekleiden durfte, sind wir politisch ein gut Stück weiter gekommen, aber noch immer lastet auf uns ein schwerer Druck, die außenpolitischen Berpflichtun- ge n, die Reparationsabgaben, die in diesem Jahre die Höchstsumme erreichen, die Besetzung deutschen Gebiets. Diese harte Kriegslast hat die Erfüllung vieler berechtigter Wünsche oerhindert- Die Ausländer bekommen ein falsches Bild von den deutschen Lasten, wenn sie es zu geroin- nen suchen auf den üblichen großen Straßen des Geldverkehrs. Die Last dieser Kriegstribute wird an anderen Stellen erarbeitet und durch Entbeh­rungen getragen: beim deutschen Mittelstand, der noch immer nicht eine gesunde Grundlage für seine Existenz hat finden können, bei Den Angestellten und Arbeitern, Die vergeblich ständige Beschäftigung suchen, bei den Bauern, deren Notlage von allen Parteien anerkannt worden ist. (Beifall.) Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, dah in der vorliegenden Tagungsperiode es uns möglich fein wird, mit der Begrenzung der Reparationsfurnrne, mit Der Kürzung Der Räumungs frist en Die gefunDe Grundlage zu erreichen für die Erfül­lung Der nationalen, sozialen und wirtschaftlichen Wünsche. Dann wird es uns mit größerem Nach­druck möglich fein, jene Politik der Dölkerversöh- nung und Verständigung fortzufetzen, für Die Der Ausfall Der Wahlen eine so übennältigenDe Bekräf­tigung gegeben hat. (Beifall.) Der PräsiDent roib- met Dann, während sich die Abgeordneten von den Sitzen erheben, den verstorbenen Abgeordneten GiDemeister, Seeger, Geck und Dr. Heinze Worte ehrenden Gedenkens.

Man sollte eigentlich sagen, daß es in einem gut disziplinierten Parlament nichts Einfacheres gäbe, al» Da« Präsidium zu wählen, zumal da nach ungeschriebenem Gesetz für die Reihen­folge der Sitze die Größe der Frak­tionen entscheidend ist. Aber In diesem merk­würdigen Reichstag geht alles seinen falschen Weg. Sv hat er denn auch das Kunststück fertig gebracht, am Donnerstag in mehr als drei stündiger Sitzung kaum mit der Wahl de« Präsidiums fertig zu werden und dabei Er­gebnisse zu erzielen, bei denen eigentlich alle Favoriten aus der Strecke blieben. Herr L ö b e freilich, der von den Sozialdemokraten al« Der- trauenSmann für das Präsidium oorgeschlaaen war, ging ungefährdet über die Bahn. Die Rattonalsozialen erhoben zwar gegen seine Wahl durch Zurufe Einspruch, aber er erhielt doch 318 von 445 abgegebenen Stimmen und nahm sein Amt mit einer kurzen, würdigen Ansprache an, wobei er auf die Bedeutung der kommenden Aufgaben hinwies.

Bei Dlefer Wahl aber waren schon Die Grundlagen für alle wetteren Schwierigkeiten gelegt. Einmal hatten Die Deutschnationalen Herrn Lobe nicht gewähtt, sondern weiße Zettel abgegeben und außerdem hatten die Kommunisten für Ihren Fraktionsoorsitzenden gestimmt. Das Verhalten der Deutschnationalen benutzten die Sozialdemokraten, um nun von der Verpflichtung, bei der W a h l z u m ersten Vizepräsidenten für Den Deutsch- nationalen stimmen zu müßen, frei zu werden. (Ein etwas fadenscheiniger Vorwand, Da schließlich die Deutschnationalen darauf Hinweisen konnten, daß 1924, als Die Deutschnationalen Die stärkste Fraktion waren. Die Sozialdemokraten auch nicht anders gewähtt hätten. Ausschlaggebend war aber wohl, daß Der Kandidat der Deutschnationalen, Herr Graes (Thüringen) sich auf der Linken keiner besonderen Beliebtheit erfreut. (Er brachte es deshalb nur auf 161 Stimmen, während 187 auf den Zentrumsab- geordneten Esser entfielen. In der Stichwahl schwenkten Dann die Zentrumsstimmen, die im ersten Wahlgang für den Deutschnationalen gestimmt hat- ten, geschlossen auf ihren eigenen Mann um, der mit 248 gegen 148 Stimmen gewähtt wurde.

Roch eigenartiger gestaltete sich das Bild bei der Wahl des zweiten Vizepräsiden­ten. Wieder kamen die Deutschnationalen mit ihrem Vorschlag Graef-Thüringen, während di« Linke den von der Deutschen DolkSpartei für den dritten Vizepräsidenten vorgeschlagenen Ab­geordneten v. Kardorsf wählten, der mit einer Stimme die absolut« Mehrheit erhielt, also gegen feint eigene Partei gewählt wurde. Auf den dritten Vizepräsidenten hätten rein zahlenmäßig die Kommunisten Anspruch ge­habt. da ft« sich aber den von den Sozial­demokraten ausgestellten Bedingungen nicht ge­fügt hatten, wollten di« Sozialdemokraten den Kommunisten nicht wählen. Herr Koch-Weier kam deshalb mit Dem Vorschlag, die Stelle de« dritten Vi^präsidenten für seine Parteifreundin Frau Dr. Bäumer zu sichern, während von rechts her wieder der DeutschnaLionale Graef- Thüringen vorgeschlagen wurde, der bann auch in einer ziemlich komplizierten Stichwahl gegen Frau Bäumer mit 205:167 Stimmen gewählt wurde. Das Ganz« ein unerfreuliches Schauspiel parteipolitischer Zerrissenheit und Disziplinlosig­keit, das für die weiteren Arbeiten des Reichs­tages kein günstige- Horoskop stellen läßt.

Sitzungsbericht.

Berlin, 14. Juni. Auf Der Tagesordnung steht als erfter Punkt Die Dahl Des Präsidenten, der Vize- Präsidenten und Der Schriftführer.

Abg. D 111 m a n n (Soz.) schlägt für das Amt Des Reichstagspräsidenten Den bisherigen Präsiden- ten Lobe vor. (Beifall.) Abg. o. (3 u 4 r a r D (Zcntr.): Ich beantrage, Dis WieDerwahl unseres hochverehrten bisherigen Präsidenten Lobe durch Zuruf oorzunehmen. (Beifall.) Abg. Stöcker (Kom.) erfiärt, die kommunistische Fraktion erhebe entsprechend ihrer Fraktionsstärke Anspruch auf den

Oie Wohl der Vizepräsidenten.

Bei Der nun folgenden Wahl des ersten Vizepräsidenten schlägt Abg Schulz- Vromberg (Dn.) im Damen der deutschnatio­nalen Fraktion den bisherigen Vizepräsidenten D r a e s - Thüringen vor.

Aba. Dtttmann (Soz.): Bei der Wahl des Präsidenten haben die Deutschnationalen weiße Stimmzettel abgegeben. Sie haben Dan it bekundet, daß sie nicht willens sind. Den Anlp.uch der stärksten Fraktion auf den Präsitentenposten anzuerkennen. AuS defem Grunde wird bei der jetzigen Wahl die sozialdemokratische Fraktion für den Zentrumsabgeordneten Esser stimmen

Die Zettelwah« bat folgendes Ergebnis Es sind 448 Stimmen abgegeben worden, davon 191 für den Abgeordneten Graef fDn.>, 187 für Den Abgeordneten Esser (Z.), 48 für den Abgeord­neten Thälmann (Komm.!, 11 für "Vgevrd- neten Dr. Frick (Vatso-.), 2 für den Abgeord­neten Loew (Komm.». Veun Stimmzettel find ungültig. Da kein Kandidat die absolute Mehr­heit erreicht hat, wird nun eine Stichwahl zwischen den Abgeordneten Graes und Esser vor­genommen, aus der Abg. Esser (Z.) mit 248 Stimmen al« gewählter erster Vize­präsident hervor.ieht Aus den Abgeordneten Graes (Dn.) sind 148 Stimmen gefallen

Bei der Wahl des zweiten Vizepräsi­denten schlägt Abg. Schulz-Bromberg (Dnt.) wiederum den Abg. Graes (Dntl.) vor. Er bemerkt dazu, die sozialdemokratische "k* fchwerde sei unberechtigt, denn im Mai 1924 hätten die Sozialdemokraten gegen den Kandi­daten gestimmt, den für den Präsidentenposten die Deutschnationalen als damals stärkste Frak- tion verschlugen. Abg. Dittmann (Soz.) erwidert, die sozialdemokratische Stellungnahme im Mai 1924 sei dadurch verursacht worden, daß die Deutschnationalen es damals abgelehnt hätten, den zum ersten Vizepräsidenten vvrge- schlagenen Sozialdemokraten zu wählen. Die so- zialdemokratifche Fraktion schlage jetzt als -weiten Vizepräsidenten den Abgeordneten Frei- Herrn v. Kardorsf (DDP.) vor. Die Wahl ergibt 142 Stimmen für den Abgeord­neten Graes (Dntl ), 203 Stimmen für den Ab- S«ordneten v. Kardvrff (DVD.), 47 Stimmen für en Abg. Thälmann (Kom). 11 für den Abg. Dr Frick (Tlat Soz.), 2 für den Abg.Gefchke (Kom). 39 Zettel waren unbeschrieben, also un­gültig. Da 405 gültige Stimmen abgegeben sind, hat, wie Präsident Loebe unter Heiterkeit und Beifall der Mehrheit seststellt, Abg. v. Kar- dorss mit 203 Stimmen genau die zu seiner Wahl erforderliche absolute Mehrheit erreicht

Abg. Dr. Scholz (D. Vp.) dankt für die Wahl feine« Fraktionsfreunde« v. Kardorff und schlägt für den Posten de« dritten Di-eprüsi- denten nunmehr den Abgeordneten Graes- 'Thüringen (Dn.) vor. Abg. Koch-Weser (Dem.) schlägt Frau Dr. Bäumer (Dem.) vor. Abg. Vtoecker (Komm.) den Abg. Geschke (Komm). Abtz. Dittmann (Soz.) erklärt, sein« Freunde wurden für den kommunistischen Kandidaten ft Immen, wenn die Kommunisten nicht gegen den Präsidenten Gäbe gestimmt hätten. Nunmehr würden die Sozialdemokraten f ü r Frau Dr. Bäumer stimmen. (Heiterkeit.) Bei der Wahl werden 439 Zettel abgegeben, davon 199 für den Abgeordneten Graes (Dn.), 150 für die Abg. Frau Dr. Bäumer (Dem.), 54 für den Abg. Geschke (Komm.), 12 für den Abg. Dr. Frick (Hatfog.). 22 Stimmen find un­gültig, zwei zersplittert. Da kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht hat, sindet Stich­wahl statt zwischen dem Abgeordneten Graes und Frau Dr. Bäumer, bei der Abg. Graes (Dn.) mit 205 gegen 167 Slim men, die auf Die Abg. Frau Dr. Bäumer (Dem.) fallen, und bei 56 ungültigen Stimmen zum dritten Vizepräsi- benten gewählt wird.

Gegen die Deutschnationalen, die Deutsch« Volkspartei und di« Christlich-Vationalen wird dann Der kommunistisch« Antrag ange­nommen, Daß der ftrnnnunistische Abgeordnete Kippenberger währenD der Zagung«Dauet Des Reichstags au« der Hast zu entlassen ist. Mm 5.15 Mhr vertagt sich das Haus auf Freitag, 3 Mhr, zur Erledigung der von den ver­schiedenen Parteien vorliegenden Anträge.

Zrrigoyen zum Präsidenten von Argentinien gewählt.

Buenos Aires, 14.Juni. (WB.) Die Wahl- männerkollegien. Die gestern in Buenos Aires und Den ProoinzhauptstäDten zufammentraten, haben mit 24 5 gegen 37 Stimmen Irriaoyen zum PräsiDenten von Argentinien gewählt. Die offi- zielle Proklamierung Der erfolgten Wahl wird Durch Den vereinigten Kongreß beider Sammern erfolgen, sobald Die Wahldatumente aus allen Provinzhaupt- flöhten eingegangen sind.

Plünderungen in Tientsin.

London, 15.3uni. (WTB Funkipruch.) Der Korrespondent derWorningpoft" in Tientsin meldet: Die Berichte über Viedermetzelungen und Erschießungen in Der Ehine'enstaDt werden für übertrieben gehalten, aber Tatsache ist, dah zahlreiche Läden geplündert und mehrere Personen getötet wurden. Ihre Leichen wurden ins Wasser geworfen und von Den ausländischen Konzessionen au« wurde beob­achtet, wie sie den Fluh frmabtrieben. Das Tschili-Arsenal am Zentralbahnhof flog gestern vormittag in Die Luft, was Die Bestürzung der Bevölkerung noch vergrößert. Erst am "Äach^