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Ans der Vrvvmzialhaupistadi.
Gießen, den 15. März 1928.
Elternpflichten.
Die Leit der Schulentlassung kommt heran. Was sollen unsere Kinder werden? Die meisten Ellern haben schon entschieden, aber nicht alle. Die einen wollen erst noch auf Tante Linos Rot hären, die Qiibcrn dürfen es mit Onkel Fritz nicht verderben. Wird dabei nicht gar ost vergeßen, daß wir Eltern die Verantwortung ganz allein zu übernehmen haben?
Es soll hier nun keineswegs unsere Aufgabe sein, für und gegen einzelne Berufe Stellung zu nehmen, dafür gibt es heule Stellen genug. Und wer es ernst meint mit seinen Kindern, der hat sich längst seine eigenen Gedanken gemacht, selbst beobachtet und ist in vollem Einvernehmen mit seinem Kinds zu einem Entschluß gekommen.
Aber ein paar a r u n d s ä tz l i ch e Erwägungen mögen hier doch Platz finden.
Wer wird es den Eltern Übelnehmen wollen, wenn sie ihrem Kinde wünschen, daß es dereinst eine bessere Lebensstellung finden soll als sie? Leider wird dabei oft übersehen, daß weder Fähigkeiten noch Veranlagung des jungen Menschen ausreichen. Aber das „Hähers" lockt doch. Und so tommt es gar oft zum Berufszwang. Nach den Wünschen der Kinder wird gar nicht gefragt. Es heißt: „Du wirst das! Deine Eltern soraen aufs beste für dich." Das ist schlimm. Woher soll da die Berufs s r e u d e kommen? Ein ewiger Streit herrscht im Vaterhaus. Aus der einen Seite: Bitten, Ennahnungen und Drohungen, auf der anderen: Dorwürfo, Widerspenstigkeit.
Gewiß sollen wir unfern Kindern nicht in allem nachgeben und sie allein bestimmen lassen. Das wäre verfehlt. Aber in einer Familie, die sjch auf gegenseitigem Vertrauen aufbaut, ergibt sich's von selbst, daß man vereint mit den Kindern Rat hält, was nun werden soll.
Wenn wir das Richtige erkannt haben, dann dürfen wir auch nicht vor finanziellen Ausgaben zurückschrecken, denn es gilt das Glück und die Zukunft unserer Kinder.
Vergessen wir auch nicht, daß heute jeder in feinem Beruf seinen Mann stellen muß. Sei es ein Handwerker, sei es ein Kaufmann oder ein Bcainter. In allen Stellungen brauchen wir kluge Köpfe, und nicht jeder muß „studieren". Nichts ist schlimmer, als wenn man von einem Menschen sagen muß: Der hat seinen Beruf verfehlt, oder gar: Eine verkrachte Existenz.
Hat man sich aber einmal für irgend etwas entschlossen, dann heißt es auch: Durchhalten! Was soll aus dem Menschen werden, der alle Vierteljahr einen neuen Beruf ergreift? Wenn hier die Eltern nicht für strenge Durchführung des einmal bestimmten sorgen, dann verletzten sie ihre Elternpflicht. Mögen die Jungen auch einmal fühlen, daß es heißt: Ernst ist das Leben'
Gar manchem Knaben oder Mädchen fällt der Uebergang vom kindlichen Spiel zur harten Arbeit nicht leicht. Aber wir Eltern können helfen, können trösten und Mut zusprechen. Ewige Nörgelei („Du wirst dein Lebtag nichts!" usw.) dagegen zerstört alle Lebensfreude.
Vor allem aber sorgen wir dafür, daß unsere Kinder in den Mußestunden auch einmal ein gutes Buch in die Hand nehmen und alle Möglichkeiten
(Schulen, Kurse usw.) für ihre Weiterbildung erschöpfen.
Handeln wir so, daß untere Kinder einst sagen können: „Unsere Eltern haoen treu und wahrhaft gut für uns aesorgt." Also:
1. Bedenkt, daß die Entscheidung über den Beruf eures Kindes vielleicht die wichtigste Aufgabe eurer Erziehung ist!
2. Denkt auch daran, daß eure Kinder keine willenlose Maschinen sind, sondern Menschen von Fleisch und Blut!
3. Hütet euch vor falschem Ehrgeiz! Verlangt nicht Unmögliches!
4- Wenn ihr euch einmal entschieden habt, dann bleibt fest! Laßt eure Kinder nicht alle Vierteljahr einen anderen Beruf wählen!
5. Denkt an alle Fortbildilngsmöglichkeiten!
6. Beschwert euch nicht immer über Lehrherren, Schulen usw.!
7. Nehmt euren Kindern nicht den Mut durch ewige Nörgelei und unendliche Ermahnungen!
8. Zeiot im Gegenteil, daß ihr Vertrauen zu ihnen habt und laßt ihnen eine gewisse Freiheit. Sie sind keine Schulkinder mehr!
9. Wenn ihr seht, daß ihr auf dem richtigen Wege seid, weist alle Ratschläge der Verwandtschaft in ab- und aufsteigender Linie freundlich, aber entschieden zurück. H.
Taten für \ reitao, 16. März,
Sonnenaufgang 6.12 Uhr, Sonnenuntergang 18.06 Uhr. — Mondaufgang 3.45 Uhr, Monduntergang 11.10 Uhr.
1828: der Dichter Georg Scherer in Dennenlohe geboren (gestorben 1909); — 1858: der Maler Bernhard Buttersack in L ebenzell im Schwarzwald geboren (gestorben 1925); — 1912: Eröffnung der Eisenbahn Windhuk — Keetmannshoop; — 1924: Uebergabe Fiumes an Italien; — 1925: der Mediziner August von Wassermann in Berlin gestorben (geboren 18.-6).
Siadithester Gießen.
Man schreibt uns: Am Sonntag, dem 18. März, 18 Uhr, bringt das Gießener Stadttheater zu Ibsens 10 0. Geburtstag nochmals „P e e r G y n t" als Fremdenoor st ellung zu ermäßigten Preisen mit geringem Aufschlag.
Dieser Vorstellung, die die letzte „Peer Gynt" Auf- führung ist, geht ein kurzer Vortrag des Herrn Pro fessors W e i ch e l t (Marburg) „G e d e n k w o r t e zu Ibsens 10 0. Geburtstag" voraus. Es kann der Besuch dieser Vorstellung um so mehr empfohlen werden, als eine sehr gute Besetzung iHans lannert spielt die Titelrolle) vorhanden ist.
V o r b e st e l l a n n a h men sind eingerichtet: Krofdorf: bei Kaufmann Karl Wagner, Hauptstr. 79; Lich: bei der Buchhandlung Hermann Dolkmann; W!ßmar: bei der Schreibwarenhandlung H Kümmel; Großen-Duseck bei K. Schmidt, Kaiserstraße 27.
Gr5;,,CKCt Wochenmarktvreisc.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis l<0. Matte 30 bis 35. Wirsing 40 bis 45. Weißkraut 20. Rotkraut 35 bis 40, gelbe Rüben 20. rote Rüben 20, Soinat 40 bis 45, Anter-Kohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 35, Rosenkohl 65 bis 75, Feldsalat 150, Endivien 100 bis 120, Tomaten 130, Zwiebeln 25, Meerrettich 40 bis 100, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 5 bis 51/», Aepfel 10 bis 18, Birnen 10 bis 15 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 his 140 Pf.; Eier 10 bis 12, Blumenkohl
60 bis 180, Salat 25 bis 40. Lauch 10 bis 25, Sellerie 10 bis 50 Ps. das Stück; Radieschen 30 Pf. das Bund.
Bornotizen.
- Tageskalender für Donnerstag. Gießener Konzertverein, 7.15 Ahr, Stadttheater: Symphonietonzert. — Deutschnationoler Hand- lungsgehilfen-Derband, 8.15 Ahr, Katholisches Be.einshaus: Filmvortrag von Ingenieur E r - tel (Gießen): „Mit dem Krastpostwagen durch Deutschland und die österreichische Alpenwelt". — Lichts/.e.haus Bapuhosstraße. „Der Alte Fritz" (Ausllang). - Astoria-Lichtipiele: „Panik".
— Der Goethe-Bund hat, so schreibt man uns, für seinen letzten dieswinterlichen Vortragsabend „Alte Meister in Wort und Ton" zwei bedeutende Künstler gewonnen. „Alte Musit" von Händel, Bach und . ihre italienischen und französischen Zeitgenossen, wird Frau Alice Ehlers auf ihrem zweimanualigen, mit sieben Pedalen versehmen stilechten Elaoicemba o zum Vortrag bringen. Zwischen den Konzertdaroie- tungen wird Dr. Heinrich Michaelis aus alten Meistern (Grimm, Storm u. a.) Gedichte und Prosastücke lesen. Dieser künstlerisch Diel- versprechende Vortragsabend dürste einen starken Zuspruch aller Freunde schöngeistiger Bestrebungen verdienen. (Siehe heutige Anzeige.)
— Ekkehard-Spiele in Gießen. Am nächsten Samstag, 17. März, abends 3,30 Ahr, werden die bekannten Eikehard-Spie.e hier einen Spielabend geben. Bei diesem Volts.unstabend kommen b. sonders a tdeutsche Vol s ieder, Kam- mermufic, Mysterienspiele, Lieder zur Laute, nordische Volcstänze, Schuhplattler usw. zum Vortrag. Die Elkehard-Spielschar besteht aus über 20 Jungens und Mädels aus allen Gauen Deutschlands und Oesterreichs. Die Spielschar hat, so schreibt man uns. durch die Erträgnisse ihrer Spielabende die Mittel zur Schaffung einer Sportschule und eines Jugendheimes geschaffen, das herrlich am Plauer See gelegen, den deutschen Jugendbünden zur Beringung steht. Am weiterhin die Mittel zum Ausbau der Sportschule ausbringen zu kv.men, haben sich die Mitglieder der Spielfchar zu einem Arbeitsdienst- fahr verpflichtet, und verrichten ihren nicht leichten Dienst mit größter Opferfreudigkeit und ungewöhnlich starker Hingabe an die Idee: Die Erneuerung Deutschlachs. Man beachte die heutige Anzeige.
— Die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Demokratischen Partei hält am Freitagabend im „Aquarium" ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende der Hefsichen Lande'partü, Landtagsabgeord- neker Oberamtsrichter Schreiber wird das politische Re'erat „Die Zukunftsausga^en d-r hessischen Politik" halten. Siehe heutige Anzeige.
♦.
" Von der Landes-Aniversität. Ernannt wurde der Privatdozent Lic. Dr. Heinrich Adolph in Gießen zum außerplanmäßigen außerordentlichen Professor an der Landesunr- versität Gießen.
•* Eine Achtzigjährige. Am Freitag, 16. März, feiert Frau Margarethe Wagner geb. Erb. wohnhaft bei Herrn 'Werkmeister Goß, Städtisches Gaswerk, in geistiger und körperlicher Rüstigkeit ihren 80. Geburtstag.
** Das Kaufhaus Rosenau, das in dem Geschäftshaus der bisherigen Ausstattungs
und Wäschefirma Fritz R o w a ck, Seltersweg 28, eingerichtet worden ist, hat gestern nachmittag seine Pforten für den Publikumsverkehr geöffnet. Die Inneneinrichtung des Gesckä tS- hau'es Rowack wurde in außerordentlich kurzer Zeit für die Zwecke des Kaufhauses Rosenau umgestaltet. In dem großen Parterreraum sieht man zu beiden Seiten langgestreckte DerkaufS- tische mit umfangreichen und reichgefüllten Regalen ausgestellt, eine breite Mittelfläche gestattet dem Publikum bequeme Bewegung bei seinen Einkäufen. In den beiden Obergeschossen findet die Damenwelt vielseitige Vorräte an Kleidern und Ausstattungsstücken. 3m ersten Obergeschoß ist eine langgestreckte Reihe von Anprobie.kabinen eingerichtet, im zweien Obergeschoß fällt besonders eine große Rähstube mit zahlreichen Nähmaschinen auf. Das neue Kaufhaus fand an seinem gestrigen Eröffnungstage großes Interesse des Publikums, das die Ge- schästsräume andauernd füllte.
" Der Evangelische Arbeiterverein veransta.tete am Sonntag in der Turnhalle einen gut besuchten Familien abend. Bei diestzr Gelegenheit wurde das Volksstück in fünf Aufzügen „Der Leiermann und sein Pflegekind" Don Charlotte Birch-Pfeiffer durch Mitglieder des Vereins zur Ausführung gebracht. Die Rollen waren gut verteilt, die einzelnen Darsteller boten durchweg a.rene.inen8toerte Leistungen. auch die De.oratio.ien waren wirkungsvoll zusamn.engestellt. Die Aufführung brachte für den Verein und für die Mitwirkenden einen vollen Erfolg.
Nachrichten.
Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst In der Synagoge (Südanlage). Samstag, den 17. März. Vorabend 6.15 Uhr; morgens 9 Uhr; Predigt , abend« 6.40 und 7.20 Uhr.
Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatteier den 17. März 1928. Freitag abend 6.05 Uhr; Samstag vormittag 8.30 Uhr: nachmittags 3.30; Sabbataus. gang 7.20 Uhr. — Wachengottesdienst, morgens 6.30 Uhr; abends 6 Uhr.
Berliner Börse.
Berlin, 15. März. (WTB- Funkspruch.) Für den heutigen Frühverkehr liegen Anregungen nicht vor, das Geschäft ist noch sehr ruhig. Die Tendenz ist abwartend, aber nicht unfreundl ch. Man taxierte die gestrigen Abendkurse. I.-G -Farben etwa 253,5 bi« 254 Rheinbraun 263 bis 263,5 und Glanzstofs 696 bis 698. Am Devisenmarkt hört man Paris gegen London 124,02, Mailand 92,35 bis 92,40, Madrid 29,03 bis 29,06. London gegen Kabel 4,8782 bis 4,8787 und die Reichsmark gegen Kabel 4,1825 bis 4,1830.
Süv d!e Ernährung kranke« ist « ™ orösiler Wichtigkeit, daß ölt DerobrdAltn 6pei,tn ftfimocfbaft. lohrhüfl und brlömmlick sind. Das roellbttunnlc »ktusrkr^ eignet sich ganz btfcnbcrei |üc dielen 3®etf; denn U ist bn seiner großen Aöhrlrast auch vom senr geschwärten Crgo» niemud leicht zu verbauen und wird wegen seines vorzüglichen Geschmackes stets mit Vorliebe genommen. Man gibt .Huftfe' als Suppe in Derbindizng mit Milch, Douillon tkder Gemüsen. fordern Sie bei Ihrem Apotheker eba Drogisten gratis das „Kuseke^-Kochbuch.
Ifmm bei Husten, Heiserkeit, 1^8 ÄKIMI» Verschleimung
Zap's echte So-ener Miueral-pasUUe».
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......
$e mit der Kur begonnen und eine ffifaßjtel OVERSTOLZ zu Ende geraubt? Raubten Sie au$ feine andere Zigarette da• zwischen? Dem darauf kommt es ja gerade an,dasslfae Zunge si<3) erst einmal aitf den reinen Gesfyvnadk ostmacedonis^er Tabake einstellt Sie sind viellei$t der^lteinung, dass Sie aufl) biffjer ni&fa anderes rau6ßt faben als macedonisdfa Zigaretten-ÜDas galten wir aberfür aus* gestossen- Bei einer ZigavetienmisSjung müssen Sie unterstf)eiden& zwisCfan dem Grundstoff und den Zutaten^ die letzteren sind nur wie das Gewürz an einer Speise. Wer Grundstoff dagegen gibt der Zigarette den Charakter narfvifim wird sie benannt
•arette
OVERSTOLTs ist er ostmacedonistferHerkunft,also der beste? Tabak, den die Erde bervorbrmgt Was der Fachmann nodfi vor wenigen üdfren für unmöglidfy gehalten fatte.ist mit der OVERSTOLZ
Sind Sie erst einmal auf den Gestfjmafä des ostmace dänischen Tabaks gekommen, so werden Sie nitfjts anderes mefa raiuffan wollen, und ausserdem wird I/jnen das R/tuCfan viel zutmglvtyev sei^C)
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