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Nr. 59 Drittes Blatt

Gesundheitliche Erziehung durch die Schule.

Von prof.Or. phil. et mcb. Erich Eiern, Gießen.

Schule und Llnlevricht waren lange Zeit hin­durch einseitig auf die Ausbildung des In t ei­let ts und auf die Vermittlung von Wissen ge- rrchtet. Eine Fülle von Stoff gab es zu 'be­wältigens je es Fach stellte andere Anforderun­gen an den Schüler, denen er genügens follle- jeder Lehrer hielt sein Fach für das Wichtigste und verlangte von allen Schülern die gleichen guten Leistungen. Stunde rechte sich an Stunde immer to.eDe; von ne. em die Aufmtzrkiamkeit des Schülers beanspruchend. Das) dai-ei der K ö r p c r zu kurz kam, kann nicht Wunder nehmen. Das ist nun in den letzten Jahrzehnten frei­lich anders geworden, und wenn Münch vor über zwanzig Jahren schon hervorhob. daßder lang­em über den Schulhof promenierende Ober­tertianer, mit der Brille vor den Augen und das Hirn mit griechischen Konditionalsätzen an» gefüllt, blind für j)ie Umwelt und spröde von Gliedern, niemanden mehr wie vor fünfzig Jahren" imponieren könne, das; er vielmehr nur verhöhnt und bemitleidet werde, so gilt dies Heute in noch weitaus verstärktem Maste, ja saft möchte man .agen, dast wir heute in das entgegengesetzte Extrem verfallen sind und den Geist etwas gar zu niedrig ein- schätzen, dah vielen dieKörperkultur" wichtiger «rscheint als die geistige Kultur.

Aber die berechtigte Verurteilung von Aus- Düchfen darf uns doch nicht hindern, die Rot» roendigkeit einer körperlichen Erziehung zu be­tonen. Die alte Schule hat zwei,ellos viel ver­säumt: nicht nur daß zahllose Haltungsanomalien, Rückgratverkrümmungen, Sehstörungen ufw. in einer m an gelhaftcn Fürsorge der Schule für das Kind ihre Llrsache hatten, so lag hier zweifellos auch eine der Wurzeln mancher ernsteren Störung, etwa der Anämie der Mädchen. Man hat allmählich einsehen gelernt, Last die Schule ungemein viel zur Vermeidung ton Gebrechen und Krankheiten tun kann, dast sie auch zu einer rechtzeitigen Erkennung vieler Störungen beizutragen imstande ist und endlich auch bei der Bekämpfung derselben mitzuwirken vermag. Das gilt sowohl bei den körperlichen wie bei den seeltschen Störungen. So gehen etwa ernsteren Verwahrlosungce.scheinungen im allge- nieinen leichtere Symptome voraus: werden diese rechtzeitig erkannt und wird dann eingegrisfen, dann kann sehr häufig Schlimmeres verhütet werden. Werden die tuberkulo everdächtigen Kin­der regelmästig untersucht, und wird bei den geringsten Anzeichen der Erkrankung die Be­handlung eingeleitet, so ist eine vollkommene Heilung möglich, ohne dast es erst zu schwereren Erscheinungen kommt.

Diese Fürsorge für das kranke und gefährdete 5ünd liegt im eigensten Interesse der Schule: denn nur das gesunde Kind ist voll leistungs­fähig und imstande, den Anforderungen, welche die Schule stellt und stellen must, zu genügen: zugleich bilden das tränte und das verwahrloste Stint) einen Ansteckungsherd, sie gefährden die anderen Kinder.. Aber mit diesen Interessen der Schule begegnen sich andere. Schon seit langem : hat man erkannt, dast es leichter, besser und billi­ger ist, Krankheiten vorzubeugen, als sie zu heilen. Die Verhütung und Vorbeu­gung von Krankheiten ist aber nicht nur ein medizinisch-hygienisches, sondern zugleich c in erzieherisches Problem: es handelt sich , einmal um die Erziehung zu einer naturgemästen, gefunden Lebensweise, zum anderen um die Bele- vung des Willens zur Gesundheit, sowie um die Vermittlung des Wissens, das erforderlich ist, um die Gefahren zu ctlenncn und zu meiden. Lei bet' Bekämpfung aller Erkrankungen, nicht | ; uleht der großen Volksseuchen spielt die Er­ziehung eine nicht zu unterschätzende Volle, ihr lLinmt' ein Einfluß zu, den wir bisher nicht immer genügend ausgenuht haben. Dabei handelt

Lustchauffeur - ein Beruf

-er Zukunst.

Von Karl Richard Grawih.

Zwischen Leipzig, Halle, Braunschweig, Stuttgart und Berlin ist ein heftiger Kampf um das Recht entbrannt, die wichtigsten deutschen Luftfahrt-Institute zu beher­bergen.

Der Aufschwung des Flugwesens, eine an- e nannte Rotwendigkeit unserer Zeit, wäre un- tenlbar ohne die ständig sich erweiternde und verbessernde Ausbildung tüchtiger Pi- l öten; nervenstarke Männer als Führer absolut sicherer auf die Zuverlässigkeit geprüfter Flug- z cuge das sind die Voraussetzungen zukünftigen Flugverkehrs. Die beiden wichtigsten Institute, bie diese Voraussetzungen schaffen sollen, die Deutsche Versuchs-An st alt für Luft­fahrt und die Deutsche D erwehr s- f lieger-Schule, erwägen nun ernsthaft, in absehbarer Zeit Berlin zu verlassen, um ins Seiet) überzusiedeln. Die beiden Gesellschaften sthen sich zu diesem Schritt veranlastt, weil Die ihnen zur Verfügung stehenden Flugplätze wicht mehr genügen und kostspielige Verbesse­rungen nötig sein würden. Austerdem sind die Pachtverträge abgelaufen, und die Besitzer der Plätze fordern nun Pachtsummen, die für die o sm Reich subventionierten Gesellschaften un- 1 erschwinglich sind. Da die Stadt Berlin ein q «eianeteS Gelände bisher nicht zur Verfügung gestellt hat und auch die Verhandlungen mit dm städtischen Behörden stocken, werden bie bet- dm für die deutsche Luftfahrt so wichtigen Ge- -sllschaften wahrscheinlich der Reichshauptstadt d<n Rücken lehren. Schon haben einige Groß- ftdöte Mittel- und Süddeutschlands sich beeilt, ö<n Gesellschaften vorteilhafte Angebot» öu unter- inciten. und besonders Stuttgart bemiiht sich lebhaft, den beiden Jnstituteil eine neue Heim­stätte zu gewähren. Die württembergische Haupt­stadt bietet nicht nut einen Flugplatz unter be- scmders günstigen Bedingungen an. sie will Den Gesellschaften auch ein zinsloses Darlehen für Die erforderlichen Neubauten gewähren, Leipzig

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, l5 Zebruar <928

Jugend und Hochschule.

es sich nicht allein um die Liebermittlung von Wissen, obgleich auch dieses große Bedeutung hat: mindestens ebenso wichtig ist die Bildung des Willens, ist die Gewöhnung, ist das Beispiel.

Daß hier auch der Schule wichtige Aufgaben zufallen, kann nicht übersehen werden. Die ge­sundheitliche Exziehung gehört eeen zu der Erziehung, welche die Schule zu leisten hat. Freilich darf man gerade hier nicht alles von der Belehrung erwarten, und nicht etwa nun ein neues LlnterrichtSsachGe undheitslehre" ein.ügen wollen. Llnterschätzl werden darf aber dennoch auch der Wert des Lknterrichtes, der Belehrung nicht, und so ist ein vor wenigen Monaten ergangener gemcinämer Erlast der Preußischen Ministerien für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung und 'ür Volkswohlfahrt, welcher Len Gesundheitsunterricht fordert, durch­aus zu begrüßen. Dieser Erlast will den gesund­heitlichen Llnterricht als methodisches Prinzip aufgefaßt wissen: jede Gelegenheit soll zur Llnter- weisui'P über GesundheitsfraZen benutzt werden. Das läßt sich zwanglos im Deutschunterricht mache:., wenn 2eie)"tüde über hygienische Fragen in das Lesebuch eingestreut, das läßt sich auch im Rechenunterricht machen, wenn etwa Auf­gaben über Einnahmen und Ausgaben einer Familie für die dringendsten Lebensbedürfnisse behandelt werden, das läßt sich zwanglos im Ralurrundeunlerricht durch ühren, wenn man an die Stelle einer ausführlicheren Darstellung der Staubfäden oder der Raturgeschichte der niederen Tiere auch einmal den Bau und die Verrichtun­gen des menschlichen Körpers eingehender be­handelt und dabei auch kurz auf die naturgemäße Lebensweise e ngeht, vielleicht auch Krankheiten streift. Die Erörterung der niedersten Lebe­wesen gibt Gelegenheit, über ihre Rolle als Krankheitserreger zu sprechen und dergleichen mehr. Woran es für diesen Llnterricht heute noch fehlt, ist geeignetes Anschauungsmaterial: das vorliegende ist gröstrenieils viel zu kompli­ziert und allzuwenig aus die Fassungskraft des Kindes zugeschnitlen.

Viel bedeutsamer als diese theoretische jlnter- Weisung erscheint mir aber die praktische Er­ziehung. Das Kind hört, daß Krankheiten sich durch Ansteckung verbreiten, und dast es sich schützen soll, dast es auch Rücksicht auf den an­deren Menschen nehmen must. Cs muh dahin gebracht werden, dah es dieses Wissen auch in die Tat umfeht, dast es einmal selbst etwa beim Husten die Hand vor den Mund hält und chcht in den Raum hineinniest, und dah es zum anderen Menschen ausweicht, welche diese Grund­regeln nicht befolgen. Es nutzt auch nichts, wenn die Kinder das Sprüchlein lernen:Rach der Rotdurft, vor dem Essen Händewaschen nicht vergefsen", wenn in der Schule der Abort in einem schauderhaften Zustand ist, und jede Ge­legenheit zum Händewaschen fehlt. Lind in wie vielen Schulen ist eine solche Gelegenheit vor­handen, in wie vielen Schulen ist Seife neben der Wasserleitung vorhanden, so dah das Kind wirklichpraktische" Hygiene treiben kann. Rach meinen Erfahrungen kann man die Schulen, in denen dies der Fall ist, auch heute noch zählen! Was nutzt es, von gesunden Räumen zu spre­chen, wenn das Schulhaus selbst allen Anfor­derungen der Hygiene Hohn spricht? Was hilft es, von Spiel und Aufenthalt in freier Luft zu reden, wenn die Schule ihre großen Höfe verschließt? Lind was hat es für einen Zweck, Zahnpflege zu fordern, wenn ihre Durchführung nicht durch die Schule überwacht wird. Lind noch eines: Wir fordern heute eine alkohol- und nikotinfreie Jugenderziehung; wenn irgendwo, so wirkt gerade hier das Beispiel überzeugend u..d zur Racheiferung anspornend. Was ist aber von dem Lehrer zu halten, der in der Klasse gegen den Alkohol wettert und der selbst auf dem so seltenen Schulspaziergang nicht aus das Glas Bier verzichten kann, oder der vor dem Rauchen warnt, das Schulhaus aber mit der brennenden Zigarre betritt und auch wieder verläßt! Ohne das Beispiel geht es nicht, wie es

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möchte die Fliegerschule gern in seinen Mauern sehen, Halle ist auch zu sinanziellen Opfern bereit, und Braunschweig hat ebenfalls ein verlockendes Angebot gemacht.

Die Bereitwilligkeit der einzelnen Städte, finanzielle Beihllfen zu gewähren, wird erklär­lich, wenn man sich über die Bedeutung klar wird, die vor allem die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt für das deutsche Flugwesen besitzt. Beschäftigt doch diese Gesellschaft 3Ö0 Angestellte und 200 Arbeiter; namhafte Gelehrte wie die Professoren Hoff und Madelung sitzen in ihrem Vorstand, und vier Privatdozenten der Technischen Hochschule zählen zu ih/en Mit­arbeitern. Ohne Ücbertreibung kann man be­haupten. daß Die Stadt, die dieses Institut beherbergt, auch zugleich die wissenschaftliche Führung im deutschen Luftfahrwesen innehat. Aus bescheidenen Anfängen hat sich die Deutsche Versuchsanstalt, die 1912 auf Anregung des Ver­eins Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller zu Forschungözwecken gegründet wurde, zu einem Institut entwickelt, das heute Weltgeltung besitzt. Llnermüdlich ersinnt man in der wissenschaftlichen Abteilung der Gesellschaft, die dem Reichs­verkehrsministerium untersteht, Verbesserungen, die eine Erhöhung der Flugsicherheit und zu­gleich eine Leistungssteigerung des deutschen Flugwesens herbeiführen sollen. Alle Bestand­teile, aus? denen Flugzeuge zusammengesetzt sind, werden Dort auf ihre Lufttüchtigkeit geprüft, alle physikalischen Instrumente, die der Flieger braucht, immer wieder verbessert. Werk- und Baustoffragen werden erörtert, und die gesamte Motorentechnik wird auf Verbesserungsmöglich- feiten untersucht. Roch wichtiger aber ist die sog. praktische Abteilung, denn kein deutsches Flugzeug erhält den Zulassungsschein des Reichsverkehrsministeriums. ohne daß es von DerDeutschen Versuchsanstalt für Luft­fahrt' genau geprüft worden ist. Erst wenn dieses Institut eine Bescheinigung über bie Flugtüchtigkeit ausgestellt hat. erhält die geprüfte Maschine die Zulassungs­nummer. Besonders genau werden neue Flug- zeugtypen geprüft; aber auch die im Verkehr befindlichen Fahrzeuge müssen alljährlich einer genauen Musterung unterzogen werden. Selbst-

ohne die Gewöhnung nicht geht: die Pflege des Körpers, der Zähne, die Er­füllung der Gebote der Reinlichkeit muß dem Kinde etwas Ratürliches. ganz Selbstverständliches und All­tägliches werden, so baß es sie übt, ohne sich dessen ausdrücklich bewußt zu werden. Die Schulklasse muß so erzogen fein, baß sie selbst Disziplin übt und Daß die Kinder die Durchfüh­rung der Regeln selbst gegenseitig überwachen. Wichtig erscheint mir weiterhin, daß die Schule selbst ausreichend Gelegenheit zu Leibesübungen, zu vernünftigem Sport und Spiel gibt.

Freilich hat die gesundheitliche Erziehung mit einem großen Widerstand zu kämpfen: mit der Verständnislo igkeit der Erwachsenen, des Eltern- hau'es. Das Kind soll etwas tun, was es daheim nicht immer vor sich sieht, worüber man da­heim vielleicht lacht. Wie viele Eltern sehen etwa die Behandlung in der Schulzahnklinik auch heute noch ungern und halten sie für überflüssig. Lind doch muß auch dieser Widerstand über­wunden werden, ja vielleicht wird die gesundheit­liche Erziehung des Kindes auf manches Eltern­haus zurückwirken und diese Eltern veranlassen, manche der Maßnahmen, die das Kind gelernt haf, auch selbst durchzusühren.

Besonders wichtig erscheint mir ein enges Zusammenarbeiten des Schularztes mit dem Lehrer; der Lehrer kennt im all­gemeinen die Familienverhältni se, die wirtschaft­lichen und sozialen Bedingungen, unter Denen Der Schüler aufwächst, und gerade Deren Kenntnis ist für Die Beurteilung. von Erkrankungen unD für Die zu ergreifenden Maßnahmen nicht ohne De- Dcutung. Der Lehrer kann nicht selten Den Schul­arzt auf Symptome und Zeichen aufmerksam machen, und so ihn auf bestimmte Kinder lenken, Der Arzt seinerseits wiederum kann dem Lehrer manchen wertvollen Hinweis geben, wie er das Kind anzufassen hat. Das gilt besonders für nervöse und psychopathische Kinder. Die Für­sorge für das Wohl der Jugend setzt die Mit­

wirkung der Lehrerschaft voraus, ohne sie geht es nicht.

Daher muß Die Lehrerschaft für die hier liegenden Aufgaben besonders vorbereitet sein. £)ie alte Seminarausblldung hat Die Er­ziehung Der Anwärter zu ..Gesundheitslehrern" vernachlclljigt, und heute sieht sich die aus dem Seminar ßcrootgegangenc Lehrer chast Aufgaben gegenüber, für Deren Erfüllung iie nicht immer das notwendige Rüstzeug befitzt. Dem sucht der oben erwähnte Ministerialerlaß dadurch abzu- Helsen, daß er die Einrichtung von Spuren sor» Dert, toelüjc Die Lehrer in die Probleme der gesundheitlichen Erziehung einführen sollcmRach dem Erlaß soll während eines Zeitraumes von 20 Wochen allwöchentlich eine Stunde dieser Ein­führung gewidmet werden. Die er Weg ist kaum als besonders glücklich au bezeichnen, da ein sich über 20 Wochen erstrebender Kurs den Zusam­menhang gefährden muß, und das Jntere.se all­mählich erlahmen wird. Daher halte ich den Versuch den man kürzlich in Westfalen gemacht hat, für toe,entließ empfehlenswerter: in einem Drei Sage währenden Kursus wurde zunächst einmal «einem besonders interessierten Kreis von Lehrern in konzentriertester Form ein Lieberblick über das Gesamtgebiet gegeben, woran sich bann Aussprachen in Arbeitsgemeinschaften anküießcn sollen. Das Zustandekommen des Kurses ist Dem Westfälischen ProvinzialauSschuß für 1) mische Lolksbelehrung und der Landesveriimerungs- anstatt Westfalen zu danken, Die sich meines Er­achtens Damit ein gewi.ses Verdienst erworben haben. Ich glaube, Daß sich Derartige Kurse draußen in Der Praxis auswirken werden. Bei der jetzigen Reuordnung der Lehrerbildung wird man aber auch auf die ausreichende Vorberei­tung für die gesundheitliche Erziehung Der Ju­gend Wert legen müssen. Denn hier handelt es sich um ein Gebiet, an Dem keine Erziehung, Die es mit ihren Ausgaben ernst nimmt, vor- übergehen kann.

. Etndentenleben in Marokko.

Von E. v. Llngern-Gternberg. *

Die ehrwürdige Kairavina, das Zentrum der maurischen Weisheit, gleicht nicht unsren Uni» versitäten, auch das Studentenleben in Marokko hat keine Achnlichkeit mit dem unserer Hoch­schulen, es gibt keine Kommerse, es gibt keine Kneipen und keine hübschen Kellnerinnen, aber auch im fernen Marokko ebenso wie in der Heimat schlägt Den jungen Leuten ein junges Herz in der Brust, sie sind zu tollen Streichen aufgelegt und bilden eine lustige Boheme, die im Leben der marokkanischen Städte eine große Rolle spielt.

Rach offiziellen Angaben zählt die Hochschule von Fez über 500 Studenten, die nicht alle Mauren sind. Auch andere mohammedanische Länder, wie Arabien, Indien, Samarkand usw. senden ihre Söhne nach Fez, um die traditionelle Weisheit der Erben von Bu-Medina, von Aver- roes, von Avecino und von anderen Leuchten der mohammedanischen Wissenschaft mehr zu hö­ren. Der Doktortitel, den Die Professoren der Kairavina.- ihren Zuhörern ausstellen, gibt denn auch dem Besitzer Anrecht auf e'nye besonders hohe Achtung und auf Ehrenbezeugungen überall da, wo Allah angebetet wird. Das Studium dauert 10 bis 12 Jahre und jeder Student muß die zwanzig vorgeschriebenen Fächer nebst allen Kommentaren vollständig beherrschen, ehe er für würdig befunden wird, selbst zu Den Gelehrten gezählt zu werden. Gelesen werden: Die Exe- gesis des Korans; A'lm el Hadits, d. h. Examen Der Traditionen; Amt cl Llzal oder Dogmen und Grundbegriffe des Rechtes; A'lm el Fek ober das ideale Recht: Rhetorik; Stilkunst: Logic: Prosalehre: Arithmetik; Astronomie; Metaphysik; die Grundlagen des Sufismus; Lexikographie: Grammatik und Wortlehre: Theologie; Geschichte und Geographie; Mcdizin; Rechtspraxis; Zahlen verständlich wird auch jedes Flugzeug, an dem eine größere Reparatur borgenommen, worden ist. genau untersucht: ebenso wird ein Apparat, der länger als ein halbes Jahr nicht auf» gestiegen ist, genau geprüft, bevor er wieder zu- getaffen wird.

Richt weniger wichtig ist die Deutsche Ber- kehrsslieger-Schule. in Der die zukünftigen Flug­zeugführer theoretisch Und prattisch ausgebildet werden. Während die Ausbildung früher in mehreren privaten Schulen erfolgt ist, wird der Fliegernachwuchs heute nur in der Deutschen Berkehrsflieger-Schule unterrichtet. In vier Jahr­gängen werden dort in harter Arbeit 160 z u k ü n f t i g e F l i e g e r auf ihren schweren Be­ruf vorbereitet. Sehr hohe Anforderungen müssen dabei an die Schüler gestellt werden. Schon die Aufnahmebedingungen sind recht streng, beim die Berkehrsflieger-Schule, die mit der Luft- Hansa Hand in Hand arbeitet, nimmt nur so­viel Schüler auf. wie sie nach erfolgter Aus­bildung bei diesem Llnternehmen unterbringen kann. Rur junge Leute im Alter von 18 bis 22 Jahren, die völlig gesund sind und besonders sportliche Leistungen nachweisen können, werden zur Ausbildung angenommen. Außerdem müssen sie die seelische Eignung für ihren schweren Beruf besitzen: denn immer wieder werden sie von der Flleger-Schule darauf aufmerksam gemacht, daß auf ihnen Die Verantwortung für das Leben der Flugpassagiere und für das ihnen anvertraute Material ruhen wird. Trotz Der strengen Auslese, Die schon bei der Aus­nahme durchgeführt wird, scheiden gewöhnlich zu Beginn der Ausbildung noch 50 Prozent der jungen Leute aus, da sie den hohen Anforderun­gen, die an sie gestellt werden, nicht gewachsen sind. 2n verschiedenen Lehrkursen werden die Schüler unterrichtet: den schwierigsten Lehrgang aber hat der zukünftige Führer eines Großflugzeuges durchzumachen. Sein Kur­sus Dauert vier Jahre: Dagegen hat ein Flug- führer für Kurzstreckenverkehr oder ein Bord- monteur nur eine Ausbildungszeit von drei Jahren Durchzumachen. Die Ausbildungs- k o st e n für den er,len Kursus betragen 5000 Mark, der zweite erfordert 3000 Mark. Außer­dem müssen die Schüler, die sänftlich in Jnter-

und Talismane, Astrologie, Magie und der Ein­fluß der Engel und Geister, und schließlich Die schönen Künste.

Für den Mohammedaner liegt Die ganze Weis­heit des Weltalls im Koran. Was nicht im Koran ist, ist Täuschung. Aber der maurische Weise glaubt deshalb nicht, Daß schon alles, was im Koran steht, gedeutet und ergründet wurde. Dem Kommentator eröffnen sich immer neue 5)üri- zonte, Die das bisher offenbar Gewordene er­weitern und vervollständigen. Kein Wissen darf Dem Gläubigen als reiner Broterwerb Dienen, auch kein materielles Ziel darf das Studium beeinflussen, da man darin eine Entweihung der Wissenschaft erblicken und die Tradition Der Llni- versität besudeln würde. So gelten Denn die Studenten als Vorbilder einer idealen Gesin­nung, und die Professoren werden in den brei­ten Schichten des Volkes als höhere Wesen be­trachtet, sie werden mit einer an Devotion gren­zenden Achtung behandelt. Sollten sie sich mit einer Bitte an den Sultan wenden, so können sie mit Sicherheit auf Die Erfüllung ihres Wun­sches rechnen. Jedoch nutzen sie ihren Einfluß kaum je für materielle Dinge aus. Professoren und Studenten pflegen sehr arm zu sein. Die Schüler sehen sich oft gezwungen, auf den Ba­saren um ein Almosen zu bitten, das ihnen stets bereitwillig gegeben wird.

Da sich Die Studenten auch in den Künsten Der Magie üben denn Allah hat gesagt, daß ER der Meister über alles Verborgene ist so stehen sie auch unter dem Einfuß von Schutz- geiftern. Den Menschen am geneigtesten sind Gabriel, Azrail, Michael und Jsratil. Breit ol Kebur ist Der Djin, der sich in der Gestalt eines Freundes in Die Häuser einschleicht, und die Per- naten untergebracht werden, einen jährlichen Pensionspreis von 1500 Mark entrichten; von dieser Summe erhalten sie ein monatliches Taschengeld von 25 Mark. Lim nun aber auch .Unbemittelten, die eine besondere Befähigung zu diesem schwierigen Beruf aufweisen, die Aus­bildung zu ermöglichen, stundet der Staat in Ausnahmefällen das Schul- und Pensionsgeld: der Schüler muß sich aber gegen Schuldschein verpflichten, die gestundete Summe in Raten abzuzahlen, sobald er ein bestimmtes Gehalt bezieht. Alle Konfessionen, alle Kreise und Be­völkerungsschichten sind in dieser Fliegerschule vertreten, in der ein wahrhaft kameradschaft­licher Geist herrscht. Einer der fähigsten Schüler ist ein s ch l e s i s ch e r Bergmann, dessen Auf­nahmegesuch zunächst abschlägig beschieden wurde, da er Die Aufnahmebedingungen nicht erfüllte. Längere Zeit hörte man nichts von ihm, bis er in einem Brief mttteilte, baß es ihm unter Ausbietung aller Energie gelungen wäre, sich trotz seiner schweren Arbeit das Deutsche Turn - und Sportabzeichen zu erringen. Durch Die beispiellose Energie, die dieser junge Mann entfaltet hatte, war man auf ihn auf­merksam geworden, nun willfahrte die Schul­leitung seiner Bitte um Aufnahme, und heute ist Der frühere Bergmann Der Stolz feiner Lehrer.

In absehbarer Zeit muß die Entscheidung über das zukünftige Domizil der beiden wichllgen Institute fallen. Wahrscheinlich wird die Reichs- Hauptstadt gewaltige Anstrengungen machen, um Die beiden Gesellschaften in ihren Mauern zu behalten. Das bedeutet'nämlich auch einen ge­wissen wirtschaftlichen Vorteil. Den Berliner Fabriken fließen jährlich drei Millionen Mark zu. Die die beiden Gesellschaften lediglich an Material verbrauchen; dazu kommen die erforder- lichen Reubauten auf Den Flugplätzen, deren Kosten man auf 12 Millionen Mark beziffert. Lleberdies würde sich wahrscheinlich auch die Flugzeugindustrie, die ihre Produktion der Prü­fung Der Deutschen Versuchs-Anstalt für Luft­fahrt unterwerfen muß, bei einem Ortswechsel Dieser Gesellschaft gezwungen sehen, ebenfalls ihren Standort zu verlegen, um Dem Institut zu folgen.