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Nr. 164 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Samstag, 14. Juli (928

Bau eines Markttaubengebäudes in Gießen.

Kein städtisches Gelände im Erbbau für eine Zahnklinik der Ortskrankenkaffe.

Vietz-n. 13 Juli 1928.

Do» Stadtparlament fand sich heute nach etwa zweiwöchiger Arbeitsruhe bereits wieder zu einer Sitzung zusammen. Es handelte sich dabei um das Drobreinemachen vor den Ferien, die mit dem Ende der gestrigen Sitzung begannen und acht Wochen dauern werden. Trog der reichhaltigen Tagesordnung gingen die Verhandlungen flott oon- ftalten, so daß die ösjenlliche Sitzuno nach etwa dreistündiger Dauer bereit» gegen 7 Uhr geslylossen werden konnte.

von den wichtigen vorlaaen ist vor allem das Projekt eines Morktlaubengebaudes hier hervorzuheben, dos nach Begründung und kurzer Aussprache einstimmige Annahme fand. Durch die- ses Bauvorhaben wird cs möglich sein, in abseh« barer Zelt die mancherlei Klagen der Marktinter- essenlen über unzulängliche Unterbringungsoerhält- niste bzw. Beeinträchtigung der Qualität der Waren durch Willerungseinslüste abzustellen. In glücklicher Verbindung mit diesem Projekt hat es die Stodtbau- verwaltung ermöglicht, bei dieser Gelegenheit auch eine Anzahl Kleinwohnungen zu schaffen, sw dost alsozwei Fliegen mit einer Klappe durch dieses Projekt getroffen werden. Wenn auch von einem Mitglied des Marktausschusses zunächst einer gewissen Verstimmung dieses Ausschusses Ausdruck gegeben wurde weil der Ausschuß vorher nicht gefragt worden war so ist es doch erfreulich, daß die einstimmige Annahme des Projekts hier­durch nicht behindert wurde. Nach den vorliegen­den Plänen und Skizzen und nach den in Aussicht stehenden weiteren städtebaulichen Möglichkeiten kann man diesen Bauplan der Stadt nur begrüßen.

Da- zweite wichtige Ereignis der Sitzung war die nochmalige Beratung des Baugelände- konfliktS mit der Allgem. Orts­krankenkasse und die Entscheidung des Hauses in dieser Angelegenheit. Was wir zu dieser Sache kritisch zu sagen hatten, ist in unserem Artikel . 3d ff ragen der Gießener Kommunal­politik" im Gieß. An> Ar. 158 vom 7. Juli zur Genüge ausaesührt worden. Diese Stellungnahme konnte auch durch die gestrigen Erörterungen und die dabei von den Vertretern der Sozialdemokra­tischen Fraktion gemachten Ausführungen nicht geändert werden. Wenn Stadtv. Mann dabei hervorhob. cS sei unrichttg. von einer kostenlosen Hergabe deS GcländeS zu sprechen, denn es solle ja für das Land ErbbauzinS gezahlt werden, io möchten wir zunächst daraus Hinweisen, daß man auch im Stadtparlament in der vorigen Sitzung von einer .kostenlosen Hergabe" ge­sprochen hat, so daß man als Außenstehender doch annehm en mußte, daß auch der sonst natür­lich übliche Erbbauzins hier in Fortfall kommen solle. 3m übrigen aber wäre der Zinssatz von etwa 2 Proz. des Grundstückswertes doch so be­scheiden gewesen, daß man mit gutem Grund auch hierbei noch eine untragbare Vergünstigung der feuerfreien Ortskrankenkasse gegenüber steuer- -ahlenden Bürgern hätte behaupten müssen. Die Mehrheit deS Stadtparlaments ließ sich denn euch durch die Reben von der linken Seite des Hauses her nicht beirren und lehnte es ab, der Ortskrankenkasse die Vergünstigung des Erbbau­rechts für ein Gebäude mit Zahnklinik zu be­willigen. Damit hat die Mehrheit der Stadtver- Lrdncten eine Entscheidung getroffen, die gerecht unb billig ist und die vor allem der grund­sätzlichen Bedeutung de er Angelegenheit in gebührender Weise Rechnung trägt.

Sitzungsbericht.

Anwesend Oberbürgermeister Dr. Keller, Sürgcrmcifter Dr. Frey, die Beigeordneten Dr. chamm, Iustizrat Dr. Rosenberg und Kam- werzienrat K l i n g s p o r. sowie 34 Stadtverord- rete. Der Zuhörerraum ist nur schwach besetzt.

Errichtung eines Marktlaubengebäudes.

Auf Antrag der' Stadtverwaltung wird einstim- nifl beschlossen: Die Errichtung eines Wohngebäu- Ses mit Marktlauben in der Marktlaubenftraße nach Sen vorliegenden Plänen wird genehmigt und der erforderliche Kredit in Höhe von 344 600 Mark aus Mitteln der Sondersteuer zur Verfügung gestellt.

Stadtv. Mann (Soz.) als Berichterstatter teilt mit, daß das neue Marktlaubengebäude auf dem fädtischen Grundbesitz gegenüber den jetzigen Marktlauben errichtet werden soll. Nach dem Kanzleiberg zu soll der Anschluß an das Hoch- fättersche Haus hergestellt werden. Für spätere Zeit bieten sich hierdurch auch Möglichkeiten zur besseren Ausgestaltung des Lindenplatzes, etwa durch Zurückziehung Der Häuser am Kirchenplatz und Erweiterung der. Durchfahrt vom Kirchenplatz nach dem Lindenplatz, sowie durch Umgestaltung der Cchloßgaste, diesen ganzen Stadtteil neu und besser als jetzt zu gestalten. In dem neuen Gebäude wer­den 12 Marktlauben und 15 Wohnungen, außerdem ein großer Laden und eine Bedürfnisanstalt für Männer und Frauen errichtet. Durch diesen Dau vird dem Wunsche nach überdecktem Raum für Marktzwecke auf absehbare Zeit entsprochen. Da di« umliegenden Gebäude bis auf eines bereits im städtischen Besitz sind, dürften, der späteren Errich- ting einer Markthalle keine Hindernisse mehr ent- ßegenstehen. Ferner dürste nach der Erstellung die- les Baues die Möglichkeit bestehen, von den neuen bis zu den alten Marktlauben eine Ueberdochung herzustellen und durch Schließung dieser Sttaße für ixn Verkehr eine Markthalle zu schaffen: freilich ist das heute noch Zukunftsmusik. Die Geldmittel für dm jetzigen Bau stehen aus der vom Staate nach- ttöglich überwiesenen Sondersteuer zur Verfügung. Heute handelt es sich darum, mit der Genehmigung freies Projekts den (Bambftein zu einer Bereini- der Stadtbildoerhältniste in dieser Gegend zu

In der Aussprache stimmen die Stadtv. Profestor £r. Krausmüller (Dt. Dp.), der die erwähnte Überdachung von den neuen bis zu den bisherigen öarttlauben möglichst bald hergestellt sehen möchte, rw Balzer (Mittelstandspt.) dem Projekt zu. ^taotn. Schmieder (Dt. Vp.) beanstandet, daß ** Marktausschuß, dem doch so vielerlei Wünsche zLaingen, vor der Ausarbeitung des Projekts nicht zehort worden sei. Beigeordneter Dr. Hamm er- Hart, daß mit dem Bau so bald nicht begonnen und

rCr L.°nn QV$ "'cht mehr bis zum Herbst in der geplanten Weise vorangebracht werden könne, wenn Mn auch erst noch der Marktausschuß gehört wer­

den solle. Der Bauausschuß hat sich mit dem Pro- jekt bereits befaßt und es gebilligt.

Darauf faßt das Haus den oben erwähnten ein­stimmigen Beschluß.

Der Geländcsircil mit der Ortskrankenkasse.

Sine lange Aussprache entspinnt sich wieder um die Frage, ob der Allgem. Ortskranlen- kasse Baugelände im Erbbaurecht für ein Ver­waltungsgebäude mit Zahnklinik abgegeben werden soll oder nicht. Stadtv. M o o s d o r2s (Soz.) weist in seiner Eigenschast als Vorsitzender der Ortskrankenkasse auf deren soziale Leistungen für ihre Mitglieder hin und sagt, die Orts­krankenkasse leiste mehr als die Ersah- und Innungslrankerckaslen. Der Redner polemisiert damit gegen die Stadtv. Löber (Dl. Bp.) und Schulz (Fr. Dgg.) über das Ausmaß der Kas- senleiftungen. die ihrerseits als Dertreter von Onnungs- bzw. Ersatzkrankenkassen dem Stadtv. M o o s d o r f entgegentreten und die Leistungen ihrer Kassen als besser und günstiger für die Versicherten Herausstellen. Zu der Gelände-An- gelegenheit selbst wird von den Stadtv. R i c o - lauS (Mittelstandsp.) und Horn (Dt. Bp.) er­klärt, daß ihre Fraktionen auf der in der vorigen Stadtverordnelensihung eingenommenen Stel­lungnahme verharren, 'also städttfches Gelände im Erbbau für ein Verwaltungsgebäude mit Zahnklinik nicht bewilligen können: dabei handele es sich in keiner Weise um einen Kampf gegen die Ortskrankenkasse als solche, sondern um eine Entscheidung von grundsätzlicher Bedeutung. Wenn die Ortdfranlenfaffc das fragliche Ge­lände von der Stadt zum üblichen Preise käuflich erwerben wolle, so habe niemand etwas da­gegen, und dann könne ja die Ortskranken­kasse mit ihrem Eigentum nach Belieben Der» fahren. Dieser Standpunkt wird von den Stadtv. Schulz (Fr.Vgg.) und Löber (Dt. Vp.) im weiteren Verlause der Aussprache noch einmal betont, wobei Stadtv. Loder u. a. nachdrücklich hervorhebt, hier handle es sich um den An­sang einer Sozialisierung und Kommunalisierung, wenn dem Ersuchen der Ortskrankenkasse zuge­stimmt werde. Die Stadtv. Mann (Soz.), MooSdors (Soz.) und Beckmann (Soz.) treten für die Bewilligung der Grbbau-Der- günftigung an die Ortskrankenkasse ein, wobei Stadtv. Mann (Soz.) il a. erklärt, eS sei un­richtig. wenn in dieser Sache geschrieben worden sei. das Gelände solle kostenlos an die Orts­krankenkasse abgegeben werden, denn tatsächlich bleibe das Gelände Eigentum der Stadt und dafür sei ein Erbbauzins zu zahlen. Stadtv. L. Mayer (Dem.) erklärt, seine Fraktion stehe auf dem Standpunkt, daß die Stadt das Ge­lände im Erbbau geben könne, wenn die Orts­krankenkasse darauf ein Verwaltungsgebäude mit modernen Einrichtungen schaffen wolle: anders sei es, wenn in diesem Gebäude auch ein Unter* nehmen in der Art der Zahnklinik geschaffen werden solle, die Ortskrankenkasse also das Heil­verfahren selbst auszuführen beabsichtige, das nicht zu ihren Ausgaben gehöre. Da die demo- krattsche Fraktton den Bau eines reinen Ver­waltungsgebäudes unterstützen möchte, die andere Absicht der Ortskrankenkasse aber nicht billigen könne, so werde sie sich bei der Abstimmung der Stimme enthalten. Ein Schlußantrag, gegen den nur die sozialdemokratische Fraktton stimmt, während die Mehrheit dafür ist, macht der Aussprache ein Ende.

An der A b st i m m u na nehmen auch die Mit­glieder der Stadtverwattung teil, wobei eine Spaltung deS Magistrats eintritt. Mit 20 gegen 18 Stimmen wird ein Antrag der Mittel­standsfraktion angenommen, in dem bestimmt wird, daß bei der Abgabe von städttschem Ge­lände im Erbbau an die Ortskrankenkas e diese auf dem Grundstück nur ein Gebäude errichten darf, das reinen Verwaltungs-Wecken dient und daß jede darüber hinausgehende andere Einrich­tung, die gewerblichen Zwecken (also die Zahn­klinik) dient, verboten ist. Für d'esen Eintrag stimmen die Fraktionen der Rechten und die Mittelstandsfraktion, sowie die Minderheit deS Magistrats: dagegen stimmen de sozialdemo- krattsche Fraktton und die Mehrheit der Derwal* tungsmitglieder. die aber zusammen in der Min­derheit bleiben. Die Demokraten enthalten sich der Stimme.

Anbau des Kulissen Hauses.

Für die Fertigstellung des Kulifsenhauses und die notwendige Erweiterung der Schrninerwerk- ftätte im Stadttheater wird ein Kredit von 15 500 Mark bewilligt.

Der Berichterstatter teilt mit. daß beabsichtigt ist, die Theaterkasse in das neugeschaffene Ku­lissenhaus zu verlegen, die Q3ertoaltung8räume des Theaters aber im Stadttheatergebäude selbst zu belassen.

Voranschlag bet Plockschen Stiftung.

Dieser Voranschlag für 1923 wird m Einnahme und Ausgabe mit 1371,97 Mk. genehmigt.

Reue Ortssahungen.

Zugestimmt wird: einer Ortssatzung und Pvli* zeivervrdnung bett, die Absuhr von H a u S- in ü 11 (eine» Stunde nach der Abholung des Mülls müssen in Zukunst die Müllbehälter von der Straße wieder verschwunden fein); demDe- bauungsplan und der Ortsbausatzung für das Eichgärtengebiet; dem Bebau­ungsplan nebst Orlsbausatzung für Oie Straße .Hinter den Schiehgärten".

5 chankkonzesfionsgesuche.

Befürwortet werden die Konzessionsgefuche: für das Hasso-Rhenanenhaus. Burggraben 9; Willy Keller, Licher Straße 29; Gustav Müller, Kaiserallee 20; Walter Run-Heimer. Ludwig- strahe 55; Peter Sauerborn, Plockstraße 5: Lud­wig Wenner, Sonnenstr. 29; Ottmar Zöller, Brandgasse 8, nicht befürwortet wird das Ge­such von Fritz Adami. Marktstr. 5, zum Aus- schaick von Branntwein und dessen Verkauf über die Straße.

Saugesuche.

Die Daugesuche des Eisenbahner-Heimstätten* Vereins und des Otto Georg zur Errichtung einer Autohalle auf dem Grundstück Alicenftraße 1 werden antragsgemäß genehmigt.

Vergebung von Arbeiten und Cicfcruugen.

Die Erd-, Maurer- und Detonarbeiten für den An- und Umbau der Gewerbeschule werden an die Firma Birkenstock & Schneider. Gießen, zum Angebotspreis von 53 154.60 Mark vergeben Bei dieser Gelegeicheit wird gesprochen über die bis letzt noch nicht zum Abschluß gekom­menen Verhandlungen über den Ankaus des Ge- werbehauseS durch die Stadt, und empfohlen, diese Verhandlungen auf einer für beide Telle annehmbaren Basis doch baldmöglichst zum Abschluß zu bringen.

Die Liescrung von 28 Eisenbetonmasten zum GesamtpreiS von 3 534 Mk. wird der Firma Duisburger Zemenlwarensabrik Carstanien & (So. in Duisburg übertragen. Die Verrechnung erfolgt zu Lasten des Elektrizitätswerkes.

Die Verlegung der Gasrohrleitungen in den neu auszubauenden Straßen in den Eich- gärten wird genehmigt und der erforderliche Kredit von 10 000 Ml. bewilligt. Die Gußrohre sind von dem Deutschen Gußrohrverband m Köln zu beziehen. Stadtv. S ch w i e d e r (D. V.) bringt bei dieser Gelegenheit die Klagen au6 der Bürgerschaft über den geringen Gasdruck in den Hauptkonsumzeiten zur Sprache, andere Mitglieder dos Hauses stimmen chm bei. Bei- georbneter Dr. Hamm erkennt die Berechtigung ieser Klagen an und betont, das Rohr vom Gasbehälter bis zum Druckrohr sei gegenüber dem außerordentlich stark gestiegenen GaSkonsum zu gering dimensioniert. Die Beseitigung dieses Mangels koste aber soviel, daß die Angelegen­heit nur bei dem Reubau des Gaswerks oder der Einrichtung der Ferngasversorgung erledigt werden körme. Inzwischen sei aber eine Zwi­schenlösung gefunden wvrdcn dadurch, daß im Zusammenhang mit der kommenden Gasver­sorgung von Wieseck eine neue Drucklei­tung in der Ostanlage an das städtische Gasrohrnetz angeschlossen werde, wodurch auch der Gasdruck in der Stadt selbst eine Besserung erfahre. Diese Besserung werde schon zu Anfang der nächsten Woche ein treten, und er hoffe, daß dann die Klagen der Haus­frauen verstummen würden.

Die Verlegung der Wasserrohrleitun - g e n ln_ den neu auszubauenden Straßen in den Eichgärten wird genehmigt und der erforder­liche Kredit von 11000 Mk. bewilligt Die Guß­rohre sind von dem Deutschen Gußrohrverband in Köln zu beziehen.

Für die Beschaffung von Kabeln werden zu­sammen 62 200 Mark zu Lasten des Voranschlags des Elektrizitätswerkes für 1927 zur Verfügung gestellt. Die Lieferung wird den Vereinigten Zünder- und Kabelwerken, Meißen, übertragen.

5ür die Beschaffung des zur Schweißung von Schienenstößen erforderlichen Materials (Ther­mit) wird ein Betrag von rund 4500 Mark zu Lasten des Voranschlags der Straßenbahn für 1927 genehmigt. Die Lieferung des erforder­lichen Materials wird der Slektrv-Thermit G. m. b. H. Derlin-Tempelhof übertragen.

Sür die Beschaffung von 350 Holzmasten wird ein Betrag von 13 000 Mark zu Lasten des Vor­anschlags des Elektrizitätswerkes für 1928 be- toiirigt Di« Lieferung wird der Firma Katz & Klumpp in Gernsbach übertragen, wenn die Verwaltung sestgestelll hat, daß die in Aussicht genommene Lieferfirma mit ihrem Personal im Lohntarifverhättnis steht.

Kreditbewilligungen.

Für die Beschaffung einer Schreibmaschine für daS Bermessungsamt wird ein Kredit von 300 Mark bewilligt.

Der Anschaffung eines Karteipultes für die Stadtkas e wird zugestimmt. Kostenpunkt 680 Mk. Die Lieferung wird der Firma Heinrich Roll übertragen.

Für die unentgeltliche 2Tbgabe von Fichten- berbftangen im Gesamtwerte von 350 Mark an den durch daS ilntoetter im Januar schwer ge­schädigten Dadeanstaltsbesitzer Phil. Müller wird der erforderliche Kredit zur Verfügung gestellt.

Für die Beschaffung von Regenschuh­kleidung für die ständigen Außenarbei- t e r bei dem Stadtbauamt wird ein Betrag von 1300 Mark bewilligt.

Die Ausstellung von vier Gasheizösen zur Beheizung der Kapelle auf dem neuen Friedhof wird beschlossen und der erforderliche Kredit in Höhe von 2100 Mark ge­nehmigt.

Der zur Herausgabe eineS botanischen Leitsadens durch die städtischen An­lagen und Friedhöfe in einer Auflage von 2000 Stück erfordcr^.che Kredit von 500 Mk. wird bewilligt. Dieser Leitfaden soll in den Schulen abgegeben werden und auch im Buch­handel zu einem geringen PreiS zu haben fein.

Für die Einrichtung von zwei weiteren Tennisplätzen an der Straßenbahnschleife wird ein Kredit von 10000 Wk. zur Verfügung gestellt.

Die Sladtkasse-Rechnong für Rj. 1924 schließt in der De t r ie b s r echn u n g mit 3 762 237,99 Mk. Einnahmen und mit 3 747 251.13 Mart 'Ausgaben, m der Vermögensrech­nung mit 1 552 556.65 Mk. Einnahmen und mit 1 493 713.23 Wk. Ausgaben ab. Die Rech­nung wird glatt genehmigt.

Die Rechnung des Wohlfahrtsamtes für 1926.

Die in Einnahme mit 1 4666 390.68 Mk. und in Ausgabe mit 1 465 107,46 Mk. abschließende Rech­nung des Wohlfahrtsamtes für 1926 wird eben­falls glatt angenommen.

Die Rechnung des Städtischen Elektrizitätswerks für 1926.

Die in Eickßahme mit 1 706 784.79 Mk. und in Ausgabe mit 1 707 202.58 Wk. abschließende Rech­nung des Elektrizitätswerkes für 1926 wird nicht beanstandet.

Schluß der öffentlichen Sitzung.

Sprechstunde« der Redaktion.

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen.

M njeigenaujträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten.

Der Fremdenverkehr in (Ziehen im Winter 1927/28.

3n der Zeit vom 1. Oktober 1927 bis 31. März 1928 wurden in Gießen insgesamt 18 111 (in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1927 gleich 17 395) angekommene Fremde ge- zählt. Don den 18111 Fremden beanspruchten eine bis drei Uebernachtungen im Oktober 3149 Personen, im November 3110, Dezember 2127, 2<muar 2874, Februar 2912, März 2991, insge­samt also 17 163; drei und mehr Uebernach­tungen beanspruchten im Oktober 168 Personen, im November 168, Dezember 121, Januar 194, jebruar 142, März 155, insgesamt 9 48 Per- fönen. (Im Sommerhalbjahr 1927 April bis einschl. September nahmen 16 532 angekommene fremde eine bis drei Uebemad;tunen und 863 Fremde drei und mehr Uebernachtungen in An­spruch.)

Don den im Winterhalbjahr 1927/28 angekom­menen Fremden wurden 16 Gasthöfe cinschl. Hotels mit 274 Fremdenzimmern und 388 Betten, sowie zwei Pensionen mit 17 Fremdenzimmern und 25 Betten benutzt.

Die im Winterhalbjahr angenommenen Fremden batten ihren ständigen Wohnsitz wie folgt: in Hef. sen 3467, Hessen-Nassau 2901, in Rheinland und Westfalen 2-522, im übrigen Preußen 2890, in Baden 805, Rheinpfalz 560, im übrigen Bayern 883, Württemberg 516, Sachsen 663, im übrigen Deutschland 2695, im Ausland 209.

2fn besonderen Veranstaltungen, die für den Fremdenverkehr in unserer Stadt von Bedeutung sind, kommen vor allem die alle 14 Tage ftattfin- dcnden Diehmärkte in Betracht, ferner fanden im Winterhalbjahr 1927/28 die Tagung des Evange- lifchen Bundes und die große Geflügelausstellung statt.

Taten für Sonntag, 15. Juli

Sonnenaufgang 4.01 Uhr, Sonneuntergang 20.10 llhr. Mondaufgang 1.41 Uhr, Monduntergang 19.07 Uhr.

1606: der Maler Paul Rembrandt in Leiden ge­boren; 1874: der Dichter Wilhelm von Scholz in Berlin geboren;

Taten für Montag, 16. Juli.

Sonnenaufgang 4.02 Uhr, Sonnenuntergang 20.09 Ubr^ Mondaufgang 2.35 Uhr, Monduntergang

522: Hedschra (Flucht Mohammeds von Mekka nach Medina); Beginn der mohammedanischen Zeit­rechnung; 1834: der Großkaufmann und Rolon» sator Franz Adolf Lüderttz geboren; & j _

GießenerEiligemeilidungSsragen

Don Bürgermeister ^chomber, Wieseck.

Heber die Eingemeindung der Gemein­den Wieseck. Heuchelheim und Klein-Linden nach Gießen seien biet einige Gedanken vorgebracht.

Die Erfordernisse des neuzeitlichen Stadtbaues verlangen gebieterisch eine Stadterweiterung Die wachsende Dichte der Bevölkerung im Stadtmnern zwingt zur Umsiedlung im Sntcrvffe bei Gesamtbeit der Bevölkerung. Wie seststebt. beabsichtigt die Stadt einen erweiterten Ortsbauplan zu er­richten. von dem ich annebmen barf. daß er durch Ausweitung und durch Schaffung von Siedlungen aus billigerem Außengelände aus gesundheitlichen und Verkehrsgründen notwendig erscheint und danach bearbeitet wird. Denn die Siedlungspvlittk xtelt immer mehr auf Dezentra­lisierung dcr Wohnsiedlung in Fotin von Garten­vorstädten, die unsozialen Mietskasernen werden völlig in den Hintergrund gestellt. Diese Bau­weise ist nur auf billigem Boden möglich, d. fr- auf einem Boden, der noch nicht durch die inner­lich und dicht bei der Stadt regelmäßig nuf* tretende Wertsteigerung ergriffen ist. die das Bauen so übermäßig teuer gestalten würde, daß er zur Bekämpfung der Wob'nmgsnot kaum in Frage kommen kann.

3n wirtschaftlicher Hinsicht sei erwähnt, daß der im gegenwärtigen Stadtgebiet voifrandene Raum für ein industrielles Wachstum sehr gering ist. Sei es in Rord. Süd, West oder Ost, nach allen Richtungen frin bietet die Stadt etwaigen entstebenden Industrien mit größerem Raum­bedarf keinen Platz mehr. Was die Derlebrs- polittt anbelangt, so liegt es bei der Stadt Gießen im argen. Die Betrachtung der Verkehrsfragen läßt ebenfalls die Unzulänglichkeit deS heutigen Stadtgebietes erkennen.

Die Vergrößerung und anderweite Gestaltung der Eisenbafrnanlagen sei es die Ver­legung der Gelnfräuser und der Fuldaer Strecke und die Reuanlegung eines Rordbafrnboss erfordert die rechtzeitige Bereitstellung umfang­reicher Flächen, um einerseits die durch daS organische Wachsen der Stadt bedingte systema­tische bauliche Stadterweiterung nicht zu hemmen, andererseits der Reichsbahn, was hier besonders erwähnt werden dürste, selber die Möglichkeit zur Umgeftaltung oder Erweiterung zu fchisfen. Weiter kommt hinzu das brennende Bedürfnis der Vororte obwohl Autoverbindungen inner- halb derselben besteht nach einer elektri­schen Straßenbahnverbindu n g, die bei dem starken gegenseitigen täglichen Personen­verkehr immer nötiger wird.

Die Rotwendigkeit der Eingemein­dungen ergibt sich aus den vorstehenden, kurz angegebenen Gründen. Alle Maßnahmen, die zu einer Besiedlung erforderlich sind, müssen frühzeitig eingeleitet werden. Rur so kann eine leistungsfähige, mit allen Verwaltungsorganen ausgestattete Gemeinde, die die alleinige Macht zur Verfügung über das genannte neue Gebiet hat. die künftige Entwicklung systematisch in die richtige Dahn lenken, eine ungeregelte, rück­gängig zu machende Bebauung mit all ihren für Gesundheit, Wirtschaft, Verkehr und öffent­liche Znteressen unheilvollen Folgen verhüten und die Möglichkeit dazu schaffen oder erleichtern.

Eine Verschmelzung der Vorort-Gemeinden mit Dießen ist dringend im örtlichen Interesse zu wünschen Daß eS nötig ist. diesen Wunsch zu erfüllen, wird erhärtet durch die räumliche, wirt­schaftliche. verkehrspolitische und kulturelle Ver­bundenheit, die Rotwendigkeit, die einheitliche Bebauung und Besiedlung nach gesundheitlichen, wirttchaftlichen unö verkehrstechnischen Grund­sätzen zu gewährleisten und damit ein Gebiet unter eine Verwaltung zu bringen, das durch die gegenseitigen Beziehungen und Wechselwir- fungen schon längst als ein zusammengehörendeS Gebilde zu betrachten ist.